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	<title>Theologie &#8211; KfG  -`✞´-  Konferenz für Gemeindegründung</title>
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	<description>Konferenz für Gemeindegründung e.V.</description>
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		<title>Neue Apostolische Reformation (NAR)</title>
		<link>https://kfg.org/2026/neue-apostolische-reformation-nar/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Georg Walter]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Jan 2026 20:50:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theologie]]></category>
		<category><![CDATA[Sonstiges]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Neue Apostolische Reformation (NAR) ist eine charismatische Bewegung, die Apostel und Propheten wiederherstellen will. Sie betont Zeichen, Wunder und geistliche Kampfführung. Führende Figuren propagieren u.a. die „Joels Armee“ als Vorbereitung auf die Endzeit.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>Dieser Artikel stammt aus dem Buch „Angriff auf die Wahrheit“ von Georg Walter. Wir drucken mit freundlichen Erlaubnis des Autors die Seiten 275-290 in gekürzter Form ab. Das Buch ist ohne ISBN im Selbstverlag erschienen. Die Redaktion</em><br></p>



<p>C. Peter Wagner, der Begründer der Neuen Apostolischen Reformation, wurde 1956 von einer evangelikalen Missionsgesellschaft als Missionar nach Bolivien ausgesandt, wo er bis 1971 diente. Im Jahre 1971 wurde er als Professor für Gemeindewachstum an das Fuller Seminar berufen. Anfang der 1980er-Jahre entstand eine enge Verbindung von C. Peter Wagner zu John Wimber, dem Gründer der Vineyard-Bewegung, einer charismatischen Strömung, die Zeichen und Wunder als Mittel der Evangelisation betonte – daher wurde diese Bewegung auch als Zeichen- und Wunder-Bewegung (engl. signs and wonders movement) bezeichnet. C. Peter Wagner prägte für letztgenannte Bewegung den Begriff „Dritte Welle des Heiligen Geistes“, die er von der „Ersten Welle des Geistes“, der Pfingstbewegung aus dem Jahre 1906, und der „Zweiten Welle des Geistes“, der charismatischen Bewegung seit Ende der 1950er-Jahre, unterschied.</p>



<p>C. Peter Wagner gilt neben anderen als Schlüsselfigur für die Verbreitung der Lehre der geistlichen Kampfführung. Seiner Ansicht nach beherrschen territoriale dämonische Mächte ganze geografische Gebiete und müssen durch Gebet, Fasten und Proklamationen besiegt werden, um die Evangelisation voranzutreiben. Beeindruckt von John Wimber öffnete sich Peter Wagner unreflektiert immer neuen charismatischen Lehren, die er als Professor eines theologischen Seminars eigentlich auf der Grundlage der Schrift als unbiblisch hätte erkennen und abweisen müssen. Selbst unter einer Reihe von Pfingstlern und Charismatikern gelten seine Lehren als höchst kontrovers.</p>



<p>Peter Wagners Einfluss wuchs, während sich seine Kontakte zu jenen charismatischen Strömungen intensivierten, welche die Wiederherstellung des apostolischen und prophetischen Amtes (Lehre vom Fünffältigen Dienst gemäß Epheser 4) propagierten. Er glaubte, dass das erneute Auftreten von Aposteln und Propheten mit einer mächtigen Salbung und Geistesausrüstung eine letzte endzeitliche Phase einläuten würde. Die Welt würde eine Massenerweckung und Zeichen und Wunder nie da gewesenen Ausmaßes erleben, was selbst die Ereignisse in der Apostelgeschichte in den Schatten stellen würde. Diese Bewegung nannte er zunächst Post-Denominationalismus – also die Zeit nach den Denominationen – und betrachtete sie als die „Vierte Welle des Heiligen Geistes“, die letzte „Welle des Geistes“ vor der Wiederkunft Christi.</p>



<p>Peter Wagner, der sich als evangelikaler Charismatiker bezeichnete, gebrauchte erstmals 1996 den Ausdruck New Apostolic Reformation (NAR, Neue Apostolische Reformation) für die sich formierende Bewegung, die er maßgeblich mit ins Leben rief und als deren Haupt er sich sah. Er glaubte, dass mit dieser Bewegung eine Zeit anbrechen würde, in der es keine Denominationen mehr geben würde, sondern nur noch ein Netzwerk „geisterfüllter“ und „vollmächtiger“ Gemeinden unter der Führung von „Aposteln“ und „Propheten“. Peter Wagner erläuterte im Jahre 1998, wie er zu der Bezeichnung NAR zugunsten von Post-Denominationalismus kam:</p>



<p>„Ich brauchte einen Namen. … Einige Jahre lang habe ich es mit dem Begriff Post-Denominationalismus versucht. Dann ging ich dazu über, die neue Bezeichnung Neue Apostolische Reformation (NAR) für die Bewegung zu gebrauchen.“<sup data-fn="1e7ad529-f2f5-45eb-b39a-6ad9fd73f75f" class="fn"><a id="1e7ad529-f2f5-45eb-b39a-6ad9fd73f75f-link" href="#1e7ad529-f2f5-45eb-b39a-6ad9fd73f75f">1</a></sup></p>



<p>Die NAR als Bewegung war neu, die theologischen Inhalte indes waren nichts anderes als die Neuauflage der Lehren der Spätregen-Bewegung (Latter Rain Movement), einer pfingstlichen Erweckung aus dem Jahre 1948. Die Vertreter der Spätregen-Bewegung allegorisierten die Bibelstelle in Joel 2,23, wo vom Segen des Spätregens die Rede ist, und deuteten dies als einen „Spätregen des Heiligen Geistes“. Der „Frühregen des Geistes Gottes“ war ihrer Ansicht nach zu Pfingsten auf die ersten Jünger in Jerusalem gefallen (Apg 2). Nun nach fast 1900 Jahren erlebte die Spätregen-Bewegung (1948) eine erneute Ausgießung des Gottesgeistes, den „Spätregen des Heiligen Geistes“, der ihrer Ansicht nach in Joel 2 vorausgesagt worden war. Die im Jahre 1906 entstandene Pfingstbewegung allerdings war nach deren Anschauung die erste Bewegung, die den Spätregen Joels bereits empfangen hatte. Im Lauf der Jahrzehnte hingegen fiel die Pfingstbewegung wieder in religiöse Traditionen zurück und stand damit nicht länger unter der Leitung des Heiligen Geistes, so die Deutung führender Leiter der Spätregen-Bewegung. Weiter folgerten sie, dass die verlorene Geistesfülle in der Pfingstbewegung nun durch eine weitere Ausgießung eines geistlichen Spätregens in der sich neu formierenden Spätregen-Bewegung wiederhergestellt werden würde. Der neue Wein des Spätregens sollte nicht in die alten, verbrauchten Schläuche der Pfingstbewegung, sondern in die neuen Schläuche der Spätregen-Bewegung gefüllt werden.</p>



<p>Schon zu Beginn der amerikanischen Pfingstbewegung (1906) war die Lehre des „geistlichen Spätregens“ vom pfingstlichen Evangelisten David Wesley Myland geprägt worden. In seinen beiden Büchern Latter Rain Songs (Lieder des Spätregens) und The Latter Rain Covenant (Der Bund des Spätregens) aus den Jahren 1907 bzw. 1910 vertrat er als Erster die Lehre, dass die Geistesausgießung, aus welcher die klassische Pfingstbewegung hervorging, die Erfüllung eines geistlichen Spätregens war. Eines der offenkundigen Merkmale von Mylands Büchern war der sogenannte „dreifache“ exegetische Ansatz seiner Theologie. Er lehrte, dass es viele Schriftstellen gibt, die nicht nur zwei, sondern drei Bedeutungen haben; sie sind wörtlich, typologisch und prophetisch auszulegen; oder um es mit anderen Worten zu sagen: Sie sind geschichtlich, geistlich und dispensationalistisch auszulegen.</p>



<p>Bei der Gründung der Assemblies of God, der größten Pfingstdenomination der USA, im Jahre 1914 verwarfen deren Gründungsväter die Lehren Mylands und dessen restaurationistische Theologie – die Überzeugung, dass Gottes Geschichte mit der Gemeinde so enden würde, wie sie zu Pfingsten in Jerusalem begonnen hatte, nämlich mit einer einzigartigen Geistesausgießung und Erweckung, welche die ganze Welt erreichen und die Wiederkunft Christi einleiten sollte. Nach Mylands Veröffentlichung seiner beiden Bücher sollten jedoch fast vier Jahrzehnte vergehen, bis seine Lehre über den geistlichen Spätregen neue Popularität erlangte. Sie wurden erneut in der Spätregen-Bewegung in den Jahren 1948-1952 aufgegriffen und durch weitere Sonderlehren ergänzt. Die Spätregen-Bewegung war geprägt von folgenden Überzeugungen:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Eine globale Endzeiterweckung</li>



<li>Manifestationen von Zeichen und Wundern</li>



<li>Die Wiederherstellung des sog. „fünffältigen Dienstes“ nach Epheser 4,11: Dies beinhaltet insbesondere die apostolischen und prophetischen Ämter.</li>



<li>Die Handauflegung als Vermittlung von Vollmacht und Geistesgaben</li>



<li>Christen mit außerordentlicher Bevollmächtigung, um Wunder zu wirken</li>



<li>Die Unsterblichkeit einer besonderen Schar von Erlösten schon vor der Wiederkunft Christi</li>



<li>Die lang ersehnte Einheit aller Christen</li>



<li>Die Auflösung der Denominationen, die sich nach dem Vorbild der Apostelgeschichte als freie Gemeinden geografisch vernetzen und der Leitung von Aposteln unterstellen</li>



<li>Der Siegeszug der christlichen Gemeinde mit Massenbekehrungen, Wundern und Zeichen, einschließlich Totenauferweckungen</li>
</ul>



<p>Die amerikanische Pfingstdenomination Assemblies of God (AoG) reagierte prompt und bezog schon ein Jahr später im Jahre 1949 in einem Positionspapier Stellung, in welchem sie die Lehren der Spätregen-Bewegung verwarf. Die AoG hat im Laufe der Jahre weitere Positionspapiere verfasst und revidiert, die sich unter anderem mit Themen wie Endzeiterweckung oder dem Dienst von Aposteln und Propheten auseinandersetzen. Hier zusammenfassend die wichtigsten Kritikpunkte der amerikanischen Pfingstbewegung (AoG) an der Spätregen-Bewegung (die heute Geschichte ist) sowie anderer charismatischer Sonderlehren der letzten Jahrzehnte. Wenngleich die NAR nicht namentlich genannt wird, treffen die hier angeführten Punkte auf diese Bewegung im Wesentlichen ebenso zu:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Die Pastoralbriefe des Apostels Paulus zeigen klar, dass die Leiterschaft der lokalen Gemein-de in den Händen der Pastoren, Ältesten und Diakone liegt. Ein Hinweis auf das Fortbestehen des apostolischen oder prophetischen Amtes, wie es die Vertreter des fünffältigen Dienstes propagieren, ist nicht schriftgemäß.</li>



<li>Personen können sich trotz Charakterdefiziten den Titel eines Apostels aneignen, um Autorität über andere Personen zu erlangen, ohne sich verantwortlich anderen Leitern zu unter-stellen.</li>



<li>Die gegenwärtige Überbetonung von Epheser 4,11 – fünffältiger Dienst – räumt dem Gebot von Epheser 4,12 – die Zurüstung der Heiligen für den Dienst – zu wenig Raum ein.</li>



<li>Das Neue Testament lehrt nicht, dass das Amt eines Apostels oder Propheten in Form einer hierarchischen Leiterstruktur notwendig ist.</li>



<li>Das irrige Verständnis des Amtes eines Apostels oder Propheten ist oft mit Exzessen und falschen theologischen Betonungen (z.B. Autoritätsmissbrauch) verbunden. Eine verantwortungsbewusste geistliche Leiterschaft sollte diese Art, das biblische Amt zu missdeuten, erkennen und zurückweisen.</li>



<li>Die Überbetonung von Handauflegung im Sinne einer Übertragung von Gaben oder Kraft ist abzulehnen.</li>



<li>Prophetie, die der persönlichen Führung des Gläubigen dienen soll, ist äußerst selten in der Schrift anzutreffen und sollte deshalb niemals die innere Führung durch Geist und durch Wort verdrängen. Persönliche Prophetien zur Regel zu machen, öffnet Tür und Tor für geistlichen Missbrauch.</li>
</ul>



<p>Es ist zu einer Verdrehung der Schrift gekommen, wobei viele Lehren im Widerspruch zur ursprünglichen Bedeutung von Textstellen der Heiligen Schrift stehen. Hier führt die AoG spezifisch folgende Lehren an:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>dominionistische Lehren über das Reich Gottes (Kingdom Now/Dominion Theology)</li>



<li>triumphalistische Lehren eines Superendzeit-Christen („manifested Sons of God“ – Offenbarung der Söhne Gottes nach Römer 8)</li>



<li>die Lehre von „Joels Armee“</li>



<li>geistliche Kampfführung: Kampf gegen territoriale Geister und Generationenflüche</li>



<li>exzessive Überbetonung von Satan und seinen Dämonen (dämonisiertes Weltbild)</li>



<li>Akzeptanz von Manifestationen sowie anderer Praktiken ohne Schriftgrundlage</li>



<li>Gefahr der Institutionalisierung von Manifestationen als Zeichen göttlicher Gegenwart</li>



<li>unzulässige Vergeistlichung biblischer Ereignisse oder biblischer Geschichte</li>



<li>das Wohlstandsevangelium</li>
</ul>



<p>Dieser Analyse, die einen kurzen Umriss verschiedener Positionspapiere der AoG<sup data-fn="149e1646-63bc-4887-8d6f-6ec630968701" class="fn"><a id="149e1646-63bc-4887-8d6f-6ec630968701-link" href="#149e1646-63bc-4887-8d6f-6ec630968701">2</a></sup> darstellt, ist in allen Punkten zuzustimmen!</p>



<p>Die Spätregen-Bewegung löste sich in den 1960er-Jahren langsam auf und wurde in die entstehende charismatische Bewegung integriert. Wieder sollten etwa vier Jahrzehnte seit der Entstehung dieser Bewegung im Jahre 1948 verstreichen, ehe die Lehren der Spätregen-Bewegung erneut eine Wiederbelebung in der NAR erfuhren. Wie schon zuvor blieb es jedoch nicht bei einer Neubelebung jener Lehren, die man im Kern unter anderem Namen wieder einführte, sondern man arbeitete weitere Sonderlehren in die bereits bestehenden ein. Was mit Myland um 1910 noch recht harmlos begann, entartete in den 1950er-Jahren in der Spätregen-Bewegung und in den 1990er-Jahren in der NAR zu einem Lehrgebäude, das sich mittlerweile immer mehr vom Fundament biblischer Lehre gelöst hat.</p>



<p>David Pytches charakterisierte die Spätregen-Bewegung treffend:</p>



<p>„Die Spätregen-Bewegung … war größtenteils unterlaufen von zügelloser prophetischer Rede. Männer und Frauen, die keiner Autorität unterstanden, prophezeiten alle möglichen Worte über andere. Ihre Prophetien wurden nie geprüft. Gott ist nicht die Quelle von Verwirrung. Es gibt eine göttliche Ordnung für diese Dinge (1Kor 14,31). … Weil man diese Prinzipien nicht beachtete, distanzierte sich die AoG schließlich von der Bewegung. Außenstehende konnten nur ihr Bedauern zum Ausdruck bringen: ›Wenn die Pfingstler damit nicht fertig werden, wer dann?‹“</p>



<p>Die Spätregen-Bewegung überlebte kaum zwei Jahrzehnte; deren geistliche Führer hingegen leben und wirken zum Teil noch heute. Einige von ihnen gehören zum engsten Kreis von C. Peter Wagner.</p>



<p>Bill Hamon, Jim Laffoon, Ern Baxter und Paul Cain waren maßgeblich aktiv an der Wiederbelebung der Spätregen-Bewegung Ende der 1940er-Jahre beteiligt. Bill Hamon und Paul Cain gelten heute in der NAR als führende Propheten ebenso wie der Prophet Jim Laffoon. Laffoon war bis 2003 Mitglied im Apostolischen Rat der Prophetischen Ältesten (ACPE) von Peter Wagner. Im Jahre 2004 gründete Jim Laffoon mit Rick Joyner auf eine „Offenbarung Gottes“ hin die Organisation Every Nation (zuvor: Morning Star, ursprünglich von Rick Joyner gegründet). Laut Peter Wagner ist auch die Organisation Every Nation der NAR zuzurechnen.</p>



<p>Ern Baxter war Privatsekretär des äußerst umstrittenen pfingstlichen Heilers William Branham (1909-1965), den er von 1947 bis 1952 auf seinen evangelistischen Heilungsfeldzügen begleitete, ehe er sich von ihm aufgrund von Lehrdifferenzen trennte. Branham hielt sich für den Propheten Elia und sagte die Wiederkunft Christi für das Jahr 1977 voraus. Er lehnte die Lehre der Trinität ab und bezeichnete alle Denominationen, die sich von seiner Lehre distanzierten und sich nicht seiner sektiererischen Gruppierung anschlossen, als „Samen der Schlange“ (die Nachkommen Kains). Seine eigenen Nachfolger sah er als den wahren „göttlichen Samen“ (die Nachkommen Sets) an. Bis heute gibt es weltweit Ableger dieser extrem-charismatischen Sekte (u.a. in Deutschland).</p>



<p>Ein weiteres Mitglied des Apostolischen Rates der Prophetischen Ältesten (ACPE) von Peter Wagner ist Paul Cain. Er gehört den sogenannten Kansas-City-Propheten unter Mike Bickle an, zu denen im weiteren Sinne auch Bill Hamon, Rick Joyner, Lou Engle, James Goll, John Paul Jackson und Bob Jones zählen. Paul Cain war es, der – gleich Mylands Lehre der „prophetischen“ Auslegung – sich über alle exegetischen Prinzipien hinwegsetzte und ohne Berücksichtigung von Kontext, historischem Hintergrund und dem Literalsinn (wörtliche Bedeutung) einer Schriftstelle die Armee in Joel 2,11 „im Geiste“ umdeutete. Für ihn war sie nicht eine Armee, durch welche Gott Gericht an seinem unbußfertigen Volk Israel ausübte, sondern er erklärte sie kurzerhand aufgrund einer „prophetischen Offenbarung“ zur vollmächtigen Endzeitarmee von Charismatikern, welche ihren geistlichen Siegeszug über die Erde antreten würde.</p>



<p>Um Joels Armee auszubilden, gründete Mike Bickle, Pastor der charismatischen Gemeinde Kansas City Fellowship (heute: Metro Christian Fellowship), mit dem Propheten Paul Cain im Jahre 2002 die charismatische Bibelschule Forerunner School of Ministry (Vorreiter-Schule des Dienstes), um charismatische Christen für die kommende Megaerweckung vorzubereiten. Mike Bickle hat eine ganz besondere Berufungsgeschichte vorzuweisen. In einem Hotel im ägyptischen Kairo erschien ihm der Herr und sprach zu ihm: „Ich lade dich ein, teilzuhaben an einem Werk, das die Enden der Erde erreichen wird.“ Der Herr warnte ihn auch davor, dass Brüder, die angeblich keine so tiefe und enge Beziehung zu ihrem HERRN haben wie er, seine Berufung infrage stellen würden. Das erklärt auch, warum Mike Bickle keine oder nur äußerst zögerlich die Bereitschaft zur Korrektur erkennen lässt. Das Urteil von David Pytches hierzu: „Das Wort des Herrn war kristallklar. Diese von Gott gegebenen Prinzipien standen für Mike Bickle seit diesem Zeitpunkt niemals zur Debatte.“<sup data-fn="4090282c-3a2d-4f3f-9197-c72972a74bd2" class="fn"><a id="4090282c-3a2d-4f3f-9197-c72972a74bd2-link" href="#4090282c-3a2d-4f3f-9197-c72972a74bd2">3</a></sup></p>



<p>Ein Kritiker Mike Bickles, der charismatische Pastor Ernie Gruen, veröffentlichte im Januar 1990 eine 233 Seiten umfassende Dokumentation, in welcher er die Lehre und Praxis der Gemeinde von Mike Bickle und seiner „Propheten“ infrage stellte. Dabei wurde er allein in Kansas City von 40 anerkannten Charismatikern unterstützt. Das Dokument erreichte Tausende charismatischer Pastoren und stieß auf große Zustimmung. John Wimber, Gründer der Vineyard-Bewegung, übernahm für eine gewisse Zeit die Rolle eines geistlichen Vaters für Mike Bickle und seine Propheten. Später soll er sich frustriert aus dieser Rolle zurückgezogen und sich von Bickle distanziert haben. Wimber soll am Ende Gruens Einschätzung sogar in großem Umfang geteilt haben.</p>



<p>Einige der Voraussagen der Kansas-City-Propheten im Herbst 1989 besagten, dass die Mormonen sich bekehren und sich der prophetischen Bewegung anschließen würden, dass im Jahre 1990 eintausend geistliche Leiter in den USA sterben würden, weil sie ihre Salbung missbraucht hatten. Ferner offenbarten die Propheten, dass die Gemeinde von Mike Bickle 11 weitere Gemeinden in Kansas City mit je einem Propheten über sich gründen würde. Es sollte ein Verbund von 12 Gemeinden entstehen – die symbolträchtige Zahl 12 spielt hierbei auf die 12 Apostel der Urgemeinde an. Über diese Gemeinden sollten 12 vollmächtige Propheten eingesetzt werden, die das in die Zukunft weisende Vorbild und Muster für die Missionierung weiterer Städte darstellen sollten. Bis heute ist von alledem nichts eingetreten! Weiter sagten die Propheten die Offenbarung der vollmächtigen „Söhne Gottes“ (engl. manifested sons of God) innerhalb von 30 Jahren (also bis 2019) voraus; diese „neue Generation“ von Christen werde Tote auferwecken und Kranke heilen. Wieder einmal hat sich erneut eine Prophetie als falsch erwiesen. […]



<p>Noch warten viele Charismatiker auf die große Endzeiterweckung. Die Sehnsucht nach Wundern und geistlichen Erfahrungen macht diese Christen geistlich verwundbar. Charismatiker mögen sich einer Selbstprüfung unterziehen, ob nicht sie es sind, die am ehesten zu einer leichten Beute für endzeitliche Verführung werden können. Nicht nur für sie – aber besonders für sie – gilt in der heutigen Zeit: Wer stehe, sehe zu, dass er nicht falle. Glaube ist nicht Leichtgläubigkeit. Blind geistlichen Leitern zu folgen, heißt nichts anderes, als den eigenen Fehlern noch jene der geistlichen Leiter hinzuzufügen; und niemand sollte geistlichen Leitern folgen, die nicht der Wahrheit folgen – so der weise Ratschlag A. W. Tozers.</p>



<p></p>



<p><strong><em>Fussnoten</em></strong></p>


<ol class="wp-block-footnotes"><li id="1e7ad529-f2f5-45eb-b39a-6ad9fd73f75f">C. Peter Wagner, The New Apostolic Churches, Gospel Light Publications, 1998, S. 18. <a href="#1e7ad529-f2f5-45eb-b39a-6ad9fd73f75f-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 1 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="149e1646-63bc-4887-8d6f-6ec630968701">URL: http://ag.org/top/Beliefs/Position_Papers/index.cfm. Im Besonderen die Positionspapiere: Apostles and Prophets (Nr. 2), Endtime Revival – Spirit-Led and Spirit-Controlled (Nr. 12). <a href="#149e1646-63bc-4887-8d6f-6ec630968701-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 2 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="4090282c-3a2d-4f3f-9197-c72972a74bd2">David Pytches, Some said it Thundered – A Personal Encounter with the Kansas City Prophets, Nelson Publishers, Nashville, USA, 1991, S. 13. <a href="#4090282c-3a2d-4f3f-9197-c72972a74bd2-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 3 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li></ol><p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://kfg.org/2026/neue-apostolische-reformation-nar/">Neue Apostolische Reformation (NAR)</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://kfg.org">KfG  -`✞´-  Konferenz für Gemeindegründung</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Wachstum nach Grundsätzen</title>
		<link>https://kfg.org/2025/wachstum-nach-grundsaetzen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Fred Colvin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Sep 2025 22:44:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theologie]]></category>
		<category><![CDATA[Biblische Lehre / Theologie]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeinde-Gründung, -Bau und -Wachstum]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kfg.org/?p=18447</guid>

					<description><![CDATA[<p>Wie können Gemeinden gesund wachsen? „Wachstum auf Kosten von Grundsätzen“ ist genauso unbiblisch wie „Treue ohne Frucht“. Der Autor zeigt eine bewährte und schriftgemäße Alterantive.</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://kfg.org/2025/wachstum-nach-grundsaetzen/">Wachstum nach Grundsätzen</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://kfg.org">KfG  -`✞´-  Konferenz für Gemeindegründung</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Die Gemeindewachstumsbewegung ist „eine anregende, jedoch umstrittene Entwicklung in den heutigen Gemeinden.“<sup data-fn="8d70c5d4-91d7-41eb-89c4-21cb4250afd2" class="fn"><a href="#8d70c5d4-91d7-41eb-89c4-21cb4250afd2" id="8d70c5d4-91d7-41eb-89c4-21cb4250afd2-link">1</a></sup> So heißt es in einem zitierten Bericht von C. Peter Wagner, einem ihrer führenden Sprecher.<sup data-fn="2023f1e0-e016-498b-868e-aea85d9a8066" class="fn"><a href="#2023f1e0-e016-498b-868e-aea85d9a8066" id="2023f1e0-e016-498b-868e-aea85d9a8066-link">2</a></sup> Diese Bewegung dringt in erschreckender Weise in die Versammlungen von Christen vor, die von ihrer Tradition her bekannt dafür sind, dass sie ihren Schwerpunkt auf neutestamentliche Grundsätze legen. Getreu seinem Ruf hat sich dieser neue Einfluss sowohl als anregend als auch als umstritten erwiesen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wir brauchen Anregung</h2>



<p>Das Wachstum und die Multiplikation von Gemeinden ist biblisch (Apg 9,31; 16,5; 1Kor 3,6; Eph 4,11-16). Wachstum ist auch unserem HERRN äußerst wichtig. Wenn unsere Kinder aufhören würden zu wachsen, wären wir verzweifelt. Uns könnte nichts außer der genauen Erklärung der Wachstumshindernisse und eine angemessene und effektive Behandlung der Krankheit beruhigen. Als das Volk des HERRN sollten wir Sein Interesse an der Ausbreitung des Wortes und am Wachstum der Gemeinden teilen.</p>



<p>Wir brauchen Anregung. Streitereien brauchen wir nicht. Streitfragen sind aber aufgekommen. Einige Fürsprecher des Gemeindewachstums scheinen das Festhalten an neutestamentlichen Grundsätzen der Gemeinde (manchmal als „Merkmale der Versammlungen“ oder „Tradition der Brüdergemeinden“ bezeichnet) mit Wachstumshindernissen gleichzusetzen. Sie schlagen Veränderungen vor, die uns nicht gerade wenig Anlass zur Besorgnis geben. Denn wir haben uns verpflichtet, uns gemäß der Schlichtheit des Neuen Testaments zu versammeln.</p>



<p>Der Autor dieses Artikels verließ als Erwachsener eine Denomination, weil er Überzeugungen über neutestamentliche Grundsätze von Versammlungen angenommen hatte. Gemeindegründung ist heute mein täglich’ Brot. Das Anliegen des Gemeindewachstums auf der einen Seite und die Verpflichtung gegenüber den Grundsätzen der Versammlung haben mich dazu gezwungen, über diese Dinge gründlich nachzudenken. Ich wurde oft daran erinnert, dass mich meine Eltern vor Menschen ohne Prinzipien gewarnt hatten. Sie warnten vor Menschen, deren Handeln nicht durch die Verpflichtung Prinzipien gegenüber bestimmt wird, sondern durch den Zweck, den sie durch ihr Handeln erreichen wollen. Dieser Zweck rechtfertige und heilige die Mittel. Zugegeben, Gemeindewachstum ist ein hoher biblischer Anspruch. Aber es ist nicht das einzige Prinzip, das wir beachten müssen. Wir sind dem vollen Ratschluss Gottes gegenüber verpflichtet. Wenn eine Strategie für Gemeindewachstum andere biblische Prinzipien beeinträchtigt, dann könnte man das Ergebnis „prinzipienloses Wachstum“ nennen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wachstum ist nicht gleich Wachstum</h2>



<p>Nicht jede Form des Wachstums ist gesund und wünschenswert. Es ist eine Tatsache, dass unkontrolliertes Wachstum in einem menschlichen Körper tödlich sein kann. Wachstum von Krebszellen könnte man „Wachstum um des Wachstums willen auf Kosten des Prinzips der Gesundheit“ nennen. Fettsucht ist auch eine Art von Wachstum, aber die kann schwerlich als wünschenswert bezeichnet werden. Gesundes Wachstum, sei es in einem physischen oder geistlichen Leib, wird nicht nur ein quantitatives, sondern auch ein qualitatives sein.</p>



<p>Das Aufkommen der Gemeindewachstumsbewegung polarisiert uns und treibt uns zu einer von zwei unbefriedigenden Möglichkeiten. Einige werden mit fliegenden Fahnen zu dieser Bewegung überwechseln. Andere werden sich sogar gegen gesunde Veränderungen stellen, indem sie sich auf die Prinzipien einer immer kleiner werdenden Anzahl von Gemeinden zurückbesinnen. Die erste Möglichkeit nennen wir „Wachstum auf Kosten von Grundsätzen“. Die andere wurde spöttisch als „Treue, die keine Früchte bringt“ bezeichnet. Keiner dieser Ansätze hält einer Prüfung durch die Schrift stand.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ansatz 1: Wachstum auf Kosten von Grundsätzen</h2>



<p>Ich rede töricht:</p>



<p><em>Wir werden damit beginnen, unsere „Marketingstrategie“ zu planen. Dr. Wagner nennt das „Philosophie des Dienstes“. Fallstudien an erfolgreichen Großgemeinden werden eine Schlüsselrolle bei unseren strategischen Planungssitzungen spielen. Wenn es schließlich in Willow Creek (Chicago) und in Saddleback (Los Angeles) funktionierte, dann wird es auch für uns gut sein. Demographische Erhebungen werden uns zeigen, wer die möglichen „Kunden“ in unserem Zielgebiet sind und was ihre Bedürfnisse und „Vorlieben und Abneigungen“ sind. Diese Daten werden sich als von unschätzbarem Wert herausstellen, wenn wir unser Marketingprogramm zuschneiden, das die Bedürfnisse und Wünsche der „Kunden“ befriedigen soll. Studien zeigen, dass viele gern am Sonntag zu Gemeindeveranstaltungen gehen. Weiterhin wird ein bestimmter Prozentsatz wiederkommen, wenn wir einen guten Ersteindruck auf sie machen. Besucherorientiertes Handeln ist eine bewährte Methode des Gemeindewachstums. Wenn die Leute glücklich sind und weiterhin kommen, sind die Prozentsätze auf unserer Seite. Und heute – in den Tagen der abnehmenden Loyalität gegenüber Grundsätzen – springen Christen sowieso hin und her. Wenn sie unsere Programme mögen, dann können wir ihnen vielleicht ein neues gemeindliches „Zuhause“ bieten. Der Kunde ist König. Der Tag des HERRN kann zum Tag der Menschen werden. Wir haben vielleicht unwissentlich das Motto „vox populi“ (das Gesetz der Volksstimme) angenommen. Ein Beispiel: Studien zeigen, dass in diesem Jahr mehr Frauen mit Universitätsabschluß als Männer in die Arbeitswelt eintreten. Da draußen sind eine Menge Feministinnen, die auch Christus brauchen. Wir wollen sie doch nicht vergraulen! Es ist höchste Zeit, die Rolle der Frau in den Versammlungen zu überdenken, oder? Studien zeigen, dass 56% der erwachsenen Amerikaner Rockmusik mögen. Geben wir ihnen also Musik mit „Beat“. Anspiele sind „in“ – räumen wir ihnen Zeit ein. Zur Übereinstimmung mit den Aufmerksamkeitsspannen sollten wir noch die Predigt kürzen. Studien zeigen, dass die Leute nicht wiederkommen, wenn der Prediger ein Langweiler ist. Also laufen wir zur Höchstform auf. Wir haben beschlossen, es nicht „Ein-Mann-Dienst“ zu nennen. Unser Mann sollte unbedingt über relevante Themen sprechen. Also finden wir heraus, was die Leute hören wollen. Das predigen wir. Das ist relevant. Die Konkurrenz ist groß. Die Messlatte liegt hoch. Wir proben das Ganze besser noch mal. Alles noch mal von Anfang an! Was aber, wenn die Leute in der Gemeinde diese ganzen Neuerungen nicht mögen? Dann sollten sie besser 1. Korinther 9 lesen. Wir sind „allen alles geworden, damit wir auf alle Weise einige erretten.“ Nennen Sie es Kontextualisierung. Nennen Sie es Marketing. Nennen Sie es, wie Sie wollen. Wir sind dabei zu wachsen. Wenn wir keine Zustimmung zu unserer „Philosophie des Dienstes“ bekommen, dann können wir ja ein Gemeindegründungsteam bilden und woanders hin gehen.</em></p>



<p>Wollen wir uns etwas Zeit nehmen, um einige kritische Fragen zu stellen, bevor wir uns anderen unbefriedigenden Lösung zuwenden. Zuerst einmal: Ist das Konzept des besucherorientierten Handelns biblisch belegbar? Der Herr Jesus scheint es ganz offensichtlich ignoriert zu haben. Er vermied grundsätzlich Publicity und die umschwärmten Leute. Er lockte nicht mit „relevanten“ Predigtthemen, sondern mit einem Dienst der Liebe und mit dem Evangelium der Gnade. Gleichzeitig reduzierte Er die Menge durch Seine harten Bedingungen der Jüngerschaft. Der HERR war nicht beunruhigt, wenn die Leute wegen Seiner „harten Rede“ nicht mehr wiederkamen (Joh 6,60f; Lk 16,16-23). Hingabe an die Wahrheit hielt Leute wie Petrus bei der Stange (Joh 6,66-69). In seinen Anweisungen an den jungen Hirten Timotheus stellte Paulus sogar die Praxis zu predigen, was den Leuten angenehm ist, als einen Widerspruch zu dem treuen Dienst am Wort dar (2Tim 4,1-4). Die Predigten von Petrus, Stephanus und Paulus offenbarten ein großes Verständnis für ihre Zuhörer. Aber das apostolische Predigen verbunden mit den heiligen Maßstäben der ersten Gemeinde schreckten eher ab, als dass sie diejenigen, welche sich nicht festgelegt hatten, anzogen. Während einer Zeit beispiellosen Gemeindewachstums wagten die Fernstehenden nicht, „sich der Gemeinde anzuschließen, doch das Volk rühmte sie“ (Apg 5,12-14). Es war möglich, dass Ungläubige Gottesdienstversammlungen der Gemeinde beiwohnten (1Kor 14,23-25). Aber man wird die Schrift vergebens nach einem Hinweis auf Zusammenkünfte der Gemeinde absuchen, die der Evangelisation dienten. Dazu gingen die Christen auseinander!</p>



<p>Die Bibel lässt keinen Zweifel daran, was das Ziel von Zusammenkünften der Gemeinde ist. Sie kamen zusammen zur Erbauung, um Gemeinschaft zu haben, zum Gedenken im Abendmahl und zum Gebet (Apg 2,42+20,7; 1Kor 11,17f+14,23-26). Die Schrift wendet sich also gegen besucherorientiertes Handeln.</p>



<p>Wachstum durch besucherorientiertes Handeln bringt auch Nachteile. Es ist nur allzu leicht für einen Nichtchristen, sich nach und nach der Gemeinschaft innerhalb der Gemeinde anzugleichen, wenn seine Begegnung mit der Gemeinde darauf ausgelegt ist, ihm das Gefühl der Zugehörigkeit zu geben. Die „Demarkationslinie“ verwischt, wenn „zur Gemeinde gehen“ vor der Bekehrung kommt. „Nicht richtig bekehrte“ Gemeindemitglieder sind selbst in großer Gefahr und könnten auch der Gemeinschaft der Gemeinde zu späterem Zeitpunkt Schaden zufügen.</p>



<p>Ein weiterer Nachteil des besucherorientierten Handelns ist die illusorische Natur des daraus resultierenden Wachstums. Das Bedienen der religiösen Kundschaft wird nicht nur die Gemeindefernen anziehen, sondern auch unzufriedene Christen und Mitglieder anderer lokaler Gemeinden. Ich war erfreut, als ich von einer nordamerikanischen Gemeinde las, die in nur zwei Jahren von Fünfzig auf Vierhundert angewachsen war. Doch ein Gemeindeältester erzählte mir später, dass sie in jener Zeit (nur) zwanzig Bekehrungen gesehen hätten. Durch einfaches Kopfrechnen kommt man auf 330 Abwanderer. Wirkliches Gemeindewachstum bedeutet jedoch das Hinzufügen durch echte Bekehrungen (Apg 2,47+4,14) – nicht Wachstum durch Abwandern auf Kosten anderer Gemeinschaften.</p>



<p>Wachstum durch Abwanderer bringt auch oft Pluralismus hervor, was in Folge dessen die Hingabe einer Gemeinde an neutestamentliche Versammlungsprinzipien abschwächt. An der Schrift ausgerichtete Versammlungen passen nicht gut mit den aktuellen „Dienstphilosophien“ zusammen. Diejenigen, deren Prinzipientreue nur ein Lippenbekenntnis ist, neigen dazu, alles zu vereinfachen, indem sie unsere Prinzipien entweder ausweiten oder neu definieren bis sie irgendwann bei Prinzipienlosigkeit ankommen.</p>



<p>Der große tschechische Staatsmann Thomas Masaryk lehrte: „Nationen leben von den Prinzipien, die bei ihrer Gründung Pate standen.“ Pflichtschuldige Hingabe an die „Wurzeln der Brüdergemeinden“ sind auch nicht die Lösung. Neutestamentliche Gemeindegrundsätze sollten unsere „Philosophie des Dienstes“ bestimmen und nicht umgekehrt.</p>



<p>Ist der „Ein-Mann-Dienst“ einfach nur eine Frage der Rückbesinnung? Ist die Ordnung des Gottesdienstes strenggenommen eine Frage der Dienstphilosophie? Hat die Bibel darüber gar nichts zu sagen? Paulus schreibt doch vom geordneten Dienst am Wort durch die vielfältige Beteiligung ganz unterschiedlich begabter Brüder unter der Leitung des Heiligen Geistes (1Kor 14,26-34; Eph 5,18-21).</p>



<h2 class="wp-block-heading">Und die Studien?</h2>



<p>Studien zeigen uns sehr viele Dinge. Sie können sehr nützlich sein, wenn wir effektivere Arten und Methoden suchen, um die unterschiedlichsten Bevölkerungsschichten zu erreichen. Gemeindegründung auf dem sandigen Untergrund von Konventionen ist jedoch ein riskantes Geschäft. Wenn die Studien unsere Praxis von neutestamentlichen Prinzipien revidieren wollen, führen sie uns in die Irre. Heute fehlt mir oft der lautstarke Ausruf „Das Wort Gottes sagt &#8230;“</p>



<p>Ist es biblisch, sich auf 1. Korinther 9,19 als Autorität zu berufen, um die Ordnung und Funktion von Gemeindegottesdiensten zu verändern? Ist es fair diese Verse zu zitieren, wenn wir darüber reden, wie „sich die Gemeinde versammelte“? Haben wir vergessen, dass Paulus hier die Grenzen der notwendigen geistlichen Freiheit und kulturellen Flexibilität aufzeigt, bezogen auf die Evangelisation von Einzelnen aus unterschiedlichen ethnischen Gruppen in der Welt? Der Apostel spricht hier auf keinen Fall darüber, Elemente, die in der heidnischen oder jüdischen Welt bekannt waren, in die gottesdienstlichen Versammlungen zu integrieren. Nichtchristen dürfen es sich in der Gemeinde einfach nicht gemütlich machen!</p>



<p>Die Griechen waren weltweit die Experten in Sachen Theaterstücke. So weltlich die Korinther auch waren, sie führten doch keine Dramen in die Versammlungen ein (1Kor 14). Paulus schreibt darüber, was man sich nach einer hitzigen Diskussion in der Synagoge zum Essen bestellen kann, oder wie man sich an einem heidnischen Esstisch verhält. Innere Beherrschung durch das „Gesetz Christi“ (die Herrschaft des Herrn Jesus Christus) bestimmen unser Leben und unser kulturell feinfühliges Zeugnis in der Welt. Andere Prinzipien, die auch in diesem Korintherbrief verkündet sind, bestimmen unser Verhalten in den gottesdienstlichen Versammlungen.</p>



<p>Wenig wird über wirkliche Buße, echten Zerbruch, über das „gekreuzigte Ich“, das Tun der ersten Werke oder das Harren auf Gott bezüglich Erweckung in Gemeindewachstumskreisen gesagt. Es scheint, dass</p>



<p>Marketingstrategien das zeiterprobte Konzept des göttlichen Segens zu ersetzen drohen. Ein führender Experte erzählte seiner Seminargruppe, dass die Prinzipien und Methoden, die er in seinem Gemeindewachstums-Seminar unterrichtet, gleichermaßen in verschiedenen Organisationen anwendbar seien. Er sagte weiter, dass sie bei den Mormonen und im „Kawanis Club“ funktionierten, und sie würden auch in der Gemeinde funktionieren. Aber unsere echten Probleme sind geistlicher Natur. Und echte Erneuerung unserer Versammlungen ist durch unsere geistliche Verfassung bestimmt, nicht durch das Annehmen verschiedener Werkzeuge, Methoden und Reklametricks. Selbst wertvolle Methodik und Einsichten werden zu einem Arsenal von fleischlichen Waffen, wenn sie überbetont werden oder man sich allein darauf verlässt.</p>



<p>Juan Carlos Ortiz berichtet von einer Lektion, die er vom HERRN nach zwei Jahren der Organisation und Evangelisation lernte:</p>



<p>Das Erste, was er sagte, war: „Du verbreitest das Evangelium so, wie Coca-Cola Coke verkauft und wie Reader’s Digest Bücher und Zeitschriften verkauft. Du benutzt alle menschlichen Tricks, die du in der Schule gelernt hast. Aber wo ist meine Hand in all diesem?“ Ich wusste nicht, was ich sagen sollte.</p>



<p>Dann sagte mir der HERR eine zweite Sache: „Ihr wachst nicht“ sagte er. „Ihr denkt nur, ihr wachst, weil ihr euch von 200 auf 600 vermehrt habt. Aber ihr wachst nicht – ihr werdet bloß fett.“</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ansatz 2: „Treue ohne Frucht“</h2>



<p>Dieses Missverhältnis dieser Sorte von „Treue“ erschütterte mich während einer frühen Begegnung mit Christen, die sich „Versammlungsprinzipien“ verschrieben hatten. Ein wohlmeinender Bruder pries eine Versammlung, die so weit zusammengeschrumpft war, dass sie auf ein Sofa passte. Anscheinend saß auf diesem Sofa kein Pastor. Die Gruppe kam wöchentlich zusammen, um das Brot auf eine Weise zu brechen, die viele von uns noch schätzen. Unser Bruder</p>



<p>sagte: „Sie sind einfach treu.“ Ich erinnere mich, mir in Gedanken eine Notiz gemacht zu haben, um darüber nachzudenken. Treue und Unfruchtbarkeit? Was für ein seltsames Paar! Während man über unterschiedliche Dinge unterschiedlicher Meinung sein kann, ist man mehr oder weniger dazu gezwungen, die Verbindung von Treue und Unfruchtbarkeit auf anderen Gebieten zu sehen. Ganz sicher verbindet die Bibel diese beiden. Menschenfischer zu werden ist eine Funktion der Nachfolge Christi (Mk 1, 17). Frucht zu bringen ist das Zeichen wahrer Jüngerschaft (Joh 15, 8). Das Einbringen von Ernte ist die Verheißung an diejenigen, die nicht müde werden, Gutes zu tun (Gal 6, 9).</p>



<p>Ein Auszug aus einem Brief eines leitenden Bruders in Nordamerika fasst diese moderne Anomalie sehr schön zusammen: „Wir hören viele sagen, dass ‘Gemeinden sterben’, oder ‘ohne Veränderungen sind wir passé’. Aber die Tatsache ist, dass sterbende Gemeinden die „obersten Grundsätze“ verlassen haben. Sie haben die Evangelisation vergessen und betrauern den Mangel an Wachstum.“</p>



<p>Was ist dann das Problem? Mangelnde Treue! Wie kann das Vernachlässigen der „obersten Grundsätze“ der Evangelisation, sowohl persönlich als auch als Gemeinde, des effektiven Hirtendienstes und der Ausbildung von Leitern als „Treue“ bezeichnet werden? Unser echtes Problem ist nicht so sehr unsere Unfruchtbarkeit als vielmehr unsere Untreue gegenüber den „obersten Grundsätzen“. Die vorherrschende Einstellung mag präziser als selektive Treue bezeichnet werden. Wir sind den wichtigen biblischen Grundsätzen treu geblieben, die von anderen Seiten vernachlässigt worden sind und welche zu unserem schmerzlichen Bedauern gegenwärtig von manchen Gemeinden verworfen werden. Als Ergebnis verdoppeln wir unsere Anstrengungen, unsere besondere Art von Treue zu erhalten. Aber die Aufmerksamkeit dafür und die Pflege dieser Besonderheit entbindet uns nicht von der Treue auf anderen wichtigen Gebieten. „Treue ohne Frucht“ bedeutet, über unsere eigenen Grundsätze zu stolpern.</p>



<p>Der Ausdruck „Wahrheit ohne Wachstum“ ist eine andere Variation desselben Themas. Wenn Treue und Fruchtlosigkeit schon seltsame Gefährten sind, dann ist Wahrheit ohne Wachstum eine traurige, unnötige Scheidung, eine Scheidung, die durch einen Mangel an Liebe verursacht wurde. Paulus verband Wahrheit mit Gemeindewachstum im Epheserbrief. Durch „das Bekennen der Wahrheit in Liebe“ wird das „Wachstum des Leibes der Gemeinde“ bewirkt (Eph 4,15-16). Wenn die Heiligkeit der ersten Gemeinde die Fernstehenden auf Abstand hielt, dann war es ihre Liebe und Einmütigkeit, die sie anzogen (Apg 4,32 – 5,14). Wenn uns Gemeindewachstums-Forscher sagen, dass Freundlichkeit und Wärme zu den wichtigsten Faktoren des Gemeindewachstums gehören, dann berichten sie nur das ohnehin Bekannte.</p>



<p>Überleben ohne Vision ist unmöglich. Menschen und Gemeinden kommen um vor Verlangen nach einer Vision (Spr 29,18). Ich fragte einmal den tonangebenden Ältesten einer schrumpfenden Gemeinde, was er bevorzugen würde: Wäre es ihm lieber, wenn ein paar neue Familien dazukämen, damit sie sich weiterhin versammeln könnten, oder dass die Reserven der Gemeinde mobilisiert würden, um die Verlorenen zu evangelisieren und eine ganz neue Generation von Leitern heranzubilden? Ich war erschrocken angesichts seiner Bevorzugung der ersten Möglichkeit. Ich bin nicht erschrocken darüber, dass ihr Gemeindehaus zum Verkauf steht. Gleichgültigkeit gegenüber Wachstum, geringe Erwartungen oder Unglaube und Zufriedenheit mit dem gegenwärtigen Status Quo sind der Todesstoß für viele Gemeinden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der bessere Weg: „Wachstum nach Grundsätzen“</h2>



<p>Man muss angesichts dieser Notlage nicht verzweifeln. Es gibt einen viel besseren Weg. Die neutestamentlichen Grundsätze funktionieren. Sie funktionieren in einer Anzahl beispielhafter Gemeinden in Nordamerika. Missionare und Einheimische auf verschiedenen Feldern beweisen, dass sie heute noch funktionieren. Wir haben zehn kurze Jahre lang in einer wohlhabenden westeuropäischen Stadt gearbeitet, die für ihren Widerstand dem Evangelium gegenüber bekannt ist. In Zusammenarbeit mit einem anderen Missionarsehepaar und</p>



<p>Österreichern haben wir Christen geschult. Wir waren Zeugen von Geburt und Wachstum von mehr als einem Dutzend Gemeinden in unserem Gebiet. Die Wachstumsrate dieser Arbeit in den vergangenen zwanzig Jahren hat uns in Erstaunen versetzt. Gott segnet! Mehr denn je sind wir von der Zeitlosigkeit der neutestamentlichen Grundsätze überzeugt und möchten kurz ein paar praktische Vorschläge weitergeben für diejenigen, die an „Wachstum nach Grundsätzen“ interessiert sind. Manche Vorschläge werden sich mit dem decken, was einige Gemeindewachstums-Experten an anregenden Vorschlägen anbieten.</p>



<p><strong><em>1. Ehrliche Einschätzung des geistlichen Zustandes der Gemeinde</em></strong></p>



<p>Die Leitung der Gemeinde könnte damit beginnen, eine Bestandsaufnahme ihres eigenen Lebens und Dienstes zu machen. Mangelt es uns als Gruppe an einer Vision? Sind wir zu beschäftigt mit weltlichen Dingen? Hängen wir mit ganzer Hingabe am HERRN und haben uns dem Bau Seiner Gemeinde verpflichtet? Widerstehen wir Veränderungen? Sind wir aktiv damit beschäftigt, die Herde zu weiden? Neutestamentliche Gemeinden bestehen aus neutestamentlichen Christen. Wie würden wir den geistlichen Zustand der Herde beschreiben? Was sind die größten Schwierigkeiten, denen wir uns als Gemeinde gegenüber sehen? Welche größeren Wachstumshindernisse können wir herausfinden? Hat unsere Gemeinde klar umrissene Ziele, die den meisten der Mitglieder bekannt sind und von ihnen geteilt werden? Praktizieren wir wirklich die „obersten Grundsätze“? Wird unsere Versammlung von Liebe bestimmt? Oder von Kritik? Werden wir regelmäßig Zeugen davon, dass sich Erwachsene bekehren? Werden sie in die Gemeinde integriert? Wie viele waren es in den vergangenen zwei Jahren? Wie viele Arten von Evangelisation haben wir ausprobiert? Welche hat sich als effektiv herausgestellt?</p>



<p>Eine liebevolle, realistische Selbsteinschätzung kann Vernachlässigung und Unterlassungssünden enthüllen und Gelegenheit zur Buße und Sündenbekenntnis geben. Erkannte Schwächen sollten auf klar umrissene Entscheidungen und Pläne zur Veränderung zielen.</p>



<p><strong><em>2. Verpflichtung zu geistlicher Erneuerung</em></strong></p>



<p>Die Gemeinde ist ein geistlicher Organismus und die Mehrheit der Wachstumshindernisse sind geistlicher Natur. Die mächtige Waffe des Gebetes wird nur allzu oft von denen vernachlässigt, die es besser wissen sollten. Bereits existierenden Gebetsversammlungen mangelt es oft an Lebendigkeit. Jemand beschrieb eine typische Gebetsversammlung einmal als einen Ort, wo man hingeht, um zu hören, wer krank oder arbeitslos ist. Die Ziele unserer Versammlung und speziell das Ziel der Evangelisation sollten hier eine zentrale Rolle spielen. Wir Leiter treffen uns dienstags um 6.00 Uhr morgens zum Gebet. Wir geben einander Rechenschaft. Das hält uns geistlich in Form.</p>



<p><strong><em>3. Besuche und Hirtendienst</em></strong></p>



<p>Viele Älteste handeln in erster Linie als Manager und „Entscheidungsfäller“ anstatt Hirten zu sein. In manchen Gemeinden gibt es keinen Besuchsdienst. Wenn es so ist, dann sollten wir etwas unternehmen.</p>



<p><strong><em>4. Training zur Ausrüstung von Mitarbeitern</em></strong></p>



<p>Evangelisten, Hirten und Lehrer sind der Gemeinde nicht nur gegeben, um ihren Bedürfnissen abzuhelfen, sondern auch als Zurüster und Ausbilder der Heiligen zum Dienst. Gottes Plan für das Wachstum nach Grundsätzen ist eine stetig wachsende Anzahl von Arbeitern, die ihre Aufgabe im „Leib“ gefunden haben und zugerüstet sind, um dort zu dienen (Eph 4,11-16). Neutestamentliche Versammlungen sind hierfür strukturiert, aber bedauerlicherweise fehlt in diesem Zusammenhang oft Training und Ermutigung.</p>



<p>Unser Training beinhaltet persönliche Gespräche mit einigen wenigen und Gruppentraining im größeren Kreis. Persönliche Evangelisation, Ausbildung für den Besuchsdienst, Jüngerschaftskurse, Ausbildung von Lehrern, Methoden des Bibelstudiums, Hirtendienst, das Studium des Neuen Testamentes, Predigen, das Leben eines Leiters sind größere Themen, die wir in Österreich während der letzten Jahre in Angriff genommen haben. Unsere Langzeitinvestition zahlt sich aus. Wir besetzen unseren Mitarbeiterstab mit selbst ausgebildeten Männern und Frauen.</p>



<p>Bei Nachforschungen innerhalb der Gemeinschaft der erwachsenen Gläubigen in der Salzburger Gemeinde stellten wir fest, dass eine bestimmte Anzahl begabter, sehr williger Gläubiger nicht aktiv im Dienst standen. Sie warteten, dass wir die Initiative ergreifen würden. In vielen Fällen haben wir das auch getan. Wir fragen uns nicht: „Wer ist der oder die Richtige für diese Aufgabe?“ Wir fragen stattdessen: „Was ist die richtige Aufgabe für diesen Christen?“ Idealerweise sollten wir eine Atmosphäre schaffen, in der sich die Heiligen frei fühlen, selbst die Initiative im Werk des HERRN zu ergreifen.</p>



<p><strong><em>5. Training zum Evangelisieren für alle</em></strong></p>



<p>Alle Christen sollten in den Grundlagen des Evangeliums unterrichtet sein; sie sollten wissen, wie man Beziehungen zu seiner Umgebung aufbaut und wenigstens in einigen Möglichkeiten, das Evangelium weiterzugeben. Zu diesem Thema sind viele gute Bücher erhältlich. Jeder Gläubige hat Beziehungen innerhalb eines großen Netzwerks von Ungläubigen. Wir müssen den Heiligen helfen, diese Netzwerke zu erkennen und diese natürlichen Gelegenheiten zum Evangelisieren zu nutzen. Wir sollten denjenigen, die mit unseren Gläubigen in Kontakt sind, „Erntewagen“ zur Verfügung stellen. Jeder neugeborene Christ kann sagen „Komm und sieh!“ Evangelistische Bibelstunden, Glaubensgrundkurse und speziell geplante evangelistische Treffen mit besonderen Rednern sind nur ein paar der vielen Möglichkeiten, die man hat. Ein großer Prozentsatz der Gläubigen im Land Salzburg sind durch eine Kombination von persönlichem Zeugnis, evangelistischen Treffen in Wohnzimmern oder in einem örtlichen Hotel und evangelistischen Besuchen durch den Gläubigen und den Sprecher der Evangelisation zum Glauben gekommen.</p>



<p><strong><em>6. Wärme in den Versammlungen und Gastfreundschaft in den Häusern</em></strong></p>



<p>Viele von uns sind anfangs nicht durch Redekunst oder Predigten von der Relevanz des Evangeliums überzeugt worden, sondern durch die sichtbare Liebe und Einheit unter den Heiligen. Dies ist ein vielfach vernachlässigtes neutestamentliches Prinzip.</p>



<p><strong><em>7. Unterweisung in neutestamentlichen Versammlungsgrundsätzen</em></strong></p>



<p>Mir wurde in Nordamerika viel Dankbarkeit entgegengebracht für Vorträge, die ich hielt, und für private Diskussionen über neutestamentliche Versammlungsgrundsätze. Wir setzen zu viel als selbstverständlich voraus. Nicht wenige, die in Gemeinden aufwachsen, sind anscheinend schlecht unterrichtet, was unsere Grundsätze betrifft. Wir sollten also die Betonung auf die Inhalte und deren Bedeutung legen. Wenn wir mit Gläubigen über die Aufnahme in die Gemeinde reden, dann geben wir ihnen einen Artikel über die Überzeugungen unserer Gemeinschaft. Wir erklären auch die verschiedenen Ziele. Das war noch nie schwierig mit jemandem, der sich „aus der Welt“ bekehrt hatte – nur mit denen, welche die Gemeinde wechseln wollten. Eine frisch bekehrte Frau flüsterte: „Warum tragen die Frauen Kopftuch?“ Ihre Nachbarin flüsterte: „Es steht in 1Korinther 11.“ &#8211; „Oh, danke schön, ich bin erst bei Lukas!“</p>



<p>Neutestamentliche Gemeindeprinzipien verhinderten im ersten Jahrhundert das Gemeindewachstum nicht. Sie verhinderten es mit Sicherheit auch im letzten Jahrhundert nicht. Wenn sie vernünftig angewendet werden, werden sie auch heute kein gesundes Gemeindewachstum verhindern. Es ist höchste Zeit, dass wir unsere gegenwärtige Dienstauffassung im Licht des Neuen Testamentes überprüfen. Wir profitieren am besten von den Vorschlägen und Beispielen unserer offensichtlich erfolgreichen Geschwister, indem wir alles prüfen, was wir hören und lesen und nur das festhalten, was dem Test durch die Schrift standhält. Wir müssen uns nicht für das Festhalten an neutestamentlichen Prinzipien entschuldigen. Es ist eine Tatsache, dass wir zu den „obersten Grundsätzen“ zurückkehren müssen, wenn wir „Wachstum nach Grundsätzen“ erleben wollen.</p>



<p></p>



<p><strong>Fußnoten</strong></p>


<ol class="wp-block-footnotes"><li id="8d70c5d4-91d7-41eb-89c4-21cb4250afd2">C. Peter Wagner, Your Church Can Grow, Ventura, CA: Regal Books <a href="#8d70c5d4-91d7-41eb-89c4-21cb4250afd2-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 1 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="2023f1e0-e016-498b-868e-aea85d9a8066">Charles Peter Wagner (1930 – 2016) war ein US-amerikanischer evangelikaler Theologe, Missionswissenschaftler, Referent, Autor und Experte zu Gemeindeaufbau, Gemeindewachstum und der neuen apostolischen Bewegung. Wagner gilt als Mitbegründer des umstrittenen Konzeptes der geistlichen Kampfführung. Quelle: Wikipedia vom 20.05.2025 <a href="#2023f1e0-e016-498b-868e-aea85d9a8066-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 2 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li></ol><p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://kfg.org/2025/wachstum-nach-grundsaetzen/">Wachstum nach Grundsätzen</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://kfg.org">KfG  -`✞´-  Konferenz für Gemeindegründung</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Berufung zum Hirten</title>
		<link>https://kfg.org/2025/die-berufung-zum-hirten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. Hernandes Dias Lopes]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Apr 2025 07:58:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theologie]]></category>
		<category><![CDATA[Älteste]]></category>
		<category><![CDATA[Biblische Lehre / Theologie]]></category>
		<category><![CDATA[Leiterschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kfg.org/?p=18373</guid>

					<description><![CDATA[<p>„Die Berufung zum Hirtenamt ist die erhabenste aller Berufungen.“ Nicht die Gemeinde, nicht ein Mensch, sondern Gott selbst beruft zu diesem Dienst. Es geht dabei jedoch nicht um irgendwelche Privilegien oder Eitelkeiten, sondern darum, die Menschen zu lieben, denen man dient.</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://kfg.org/2025/die-berufung-zum-hirten/">Die Berufung zum Hirten</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://kfg.org">KfG  -`✞´-  Konferenz für Gemeindegründung</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>Der Artikel von Hernandes Dias Lopes ist aus dem wertvollen Buch „Der Anspruch des Hirtendienstes” (siehe Seite 10) entnommen. Wir danken dem CMV-Verlag, Bielefeld, herzlich für die Abdruckerlaubnis. Die Redaktion</em></p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p>Die Berufung zum Hirtenamt ist die erhabenste aller Berufungen. John Jowett sagt in seinem Buch <em>The Preacher, His Life and His Work</em>, dass die pastorale Berufung nicht eintritt, wenn man versucht, Medizin zu studieren, und die Prüfung nicht besteht, es mit dem Ingenieurswesen probiert und keinen Erfolg hat, an die Tür eines anderen Studiengangs klopft und ebenfalls scheitert, und dann zu dem Schluss kommt, dass Gott die Tür des Pastorendienstes öffnet. Im Gegenteil: Pastorale Berufung bedeutet, dass alle anderen Türen offen sind, man sich aber nur danach sehnt, durch die Tür des Dienstes einzutreten. Berufung ist wie unsichtbare Handschellen. Der Ruf Gottes ist unwiderruflich und nicht übertragbar. Wenn er ruft, ruft er wirksam!</p>



<p>Gott beruft verschiedene Menschen, in verschiedenen Lebensumständen, in verschiedenen Altersstufen, für verschiedene Ämter. Er rief Jeremia im Bauch seiner Mutter. Er rief Jesaja zur Zeit einer nationalen Krise. Er rief Petrus, nachdem dieser geheiratet hatte. Er rief Paulus, als dieser die Gemeinde verfolgte.</p>



<p>Der Prophet Jeremia sagt, dass Gott derjenige ist, der seinem Volk Hirten nach seinem Herzen gibt (Jeremia 3,15): <em>„Und ich will euch Hirten nach meinem Herzen geben, die sollen euch weiden mit Erkenntnis und Einsicht.“</em> Der Hirte ist kein freiwilliger Helfer, sondern eine von Gott berufene Person. Sein Dienst wird nicht gesucht, er wird empfangen (vgl. Apostelgeschichte 20,24). Seine Berufung ist nicht irdisch, sondern himmlisch (Apostelgeschichte 26,19). Seine Motivation gründet sich nicht auf menschliche Vorteile, sondern auf die Erfüllung der göttlichen Ziele.</p>



<p>Es ist eine große Gefahr, den Hirtendienst mit anderen Zielen oder Motivationen anzutreten. Der Dienst ist keine Erfolgsbühne, sondern eine Arena des Todes (vgl. 1. Korinther 4,9). Der Dienst ist keine Künstlergarderobe, in der wir uns Masken aufsetzen und eine Rolle annehmen, die sich von dem unterscheidet, was wir wirklich sind, sondern er ist ein Arbeitsfeld, dessen Kern die Heiligkeit ist. Das Leben des Hirten ist das Leben seines Dienstes. Das Pastorenamt ist keine Plattform der Privilegien, sondern ein Feld des Dienstes; es ist kein Jahrmarkt der Eitelkeiten, sondern ein Ort der demütigen, aufopfernden Arbeit.</p>



<p>Das Ideal des Dienstes anzunehmen, bedeutet, andere Ideale aufzugeben. Ich war von Mutterleib an Gott geweiht. Meine Mutter war mit einem schrecklichen Dilemma konfrontiert. Sie musste zwischen ihrem Leben und meinem wählen. Ihre Risikoschwangerschaft ließ ihr keine Wahl. Der medizinischen Prognose zum Trotz gab sie Gott ein Gelübde: Wenn der Herr ihr und mein Leben verschonen würde, würde sie mich für den Dienst weihen. Gott erhörte ihr Gebet, und ich wurde geboren. Meine Mutter bewahrte dieses Gelübde in ihrem Herzen und betete beständig zum Herrn, dass Gott mich in den Dienst rufen würde. Sie erzählte mir nichts von ihrem Gelübde, um mich nicht zu beeinflussen. Mein Traum seit meiner Kindheit war es, Anwalt und Politiker zu werden. Seit meiner Kindheit verpasste ich keine einzige Wahlveranstaltung. Ich hörte den Rednern aufmerksam zu und begeisterte mich immer mehr für eine politische Karriere. An dem Tag, an dem ich 18 wurde, bekam ich meine Wahlkarte und trat einer Partei bei. Mein Verstand war aufgewühlt und mein rastloses Herz sehnte sich leidenschaftlich danach, in dieses Leben einzutreten. Aber Gott hatte Wohlgefallen daran, mein Leben zu berühren und mich in den Dienst zu rufen, bevor ich 19 wurde. Ich habe sofort meine Träume aufgegeben und mich auf Gottes Bestimmung eingelassen. Heute würde ich den Dienst gegen kein anderes Privileg eintauschen. Ich weiß, dass es keinen erhabeneren Beruf gibt als Botschafter Gottes, Diener der Versöhnung, Hirte der Seelen, Prediger des heiligen Evangeliums Christi zu sein. Ich bin durch ganz Brasilien gereist, habe in anderen Ländern gepredigt. Ich habe die gute Nachricht des Evangeliums bis in die entlegensten Winkel unseres Landes und der Welt gebracht. Keine irdische Freude, die die Welt demjenigen bieten kann, der ein Prediger des Evangeliums Jesu Christi ist, ist mit der Freude vergleichbar, Prediger des Evangeliums zu sein.</p>



<p>Jemand hat einmal gesagt, dass, wenn das Ideal größer ist als das Leben, es sich lohnt, sein Leben für das Ideal zu geben. Charles Studd, ein Spitzensportler in England, der sich im 19. Jahrhundert zu Christus bekehrte, ließ den Ruhm der Sportwelt hinter sich, um sein Leben der Missionsarbeit in Indien und Afrika zu widmen. Als ihn jemand fragte, ob das, was er tat, nicht ein zu großes Opfer sei, antwortete er: „Wenn Jesus Christus Gott ist und er sein Leben für mich gegeben hat, gibt es kein zu großes Opfer, das ich für ihn bringen kann.” Ich stimme mit dem Märtyrer in Südamerika, dem Missionar Jim Elliot, überein, wenn er sagt: „Der ist kein Narr, der hingibt, was er nicht behalten kann, um zu gewinnen, was er nicht verlieren kann.”</p>



<p>Betrachten wir einige wichtige Wahrheiten, die mit Jeremia 3,15 im Zusammenhang stehen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">GOTT gibt seiner Gemeinde Hirten</h2>



<p>Es gibt zwei Wahrheiten, die ich hier hervorheben möchte. Erstens: <em>Die göttliche Wahl beruht nicht auf unseren Fähigkeiten, sondern auf Gnade.</em> Wir sehen das an der Berufung Jeremias. Dieser war noch sehr jung, als er in den Prophetendienst berufen wurde (vgl. Jeremia 1,6). Er sah sich nicht im Stande, zum Volk zu reden. Es war Gott, der ihm das Wort in den Mund legte. Jona war ein Mann, der Schwierigkeiten hatte, seinen Feinden zu vergeben, und Gott rief ihn und sandte ihn, gegen seinen Willen, um sein Werk zu tun (vgl. Jona 1,2; 3,1.2). Paulus betrachtete sich als den kleinsten der Apostel, den geringsten der Heiligen und den Sündigsten von allen, aber Gott stellte ihn an den Platz der höchsten Ehre in der Geschichte der Gemeinde. Unsere Wahl für den Dienst beruht nicht auf Verdiensten, sondern auf Gnade. Das Tor zum Dienst ist die Demut. Kein Hirte kann mit Hochmut und Stolz wirksam das Werk Gottes tun. Stolz geht dem Verderben voraus. Eitelkeit ist die Vorstufe zum Scheitern. Alle Ehre, die nicht Gott gegeben wird, ist eitle Ehre. Wir sind nicht im Dienst, weil wir jemand sind, wir sind im Dienst, um den Einzigen zu verkünden, der würdig ist, alle Ehre, alle Herrlichkeit und alles Lob zu empfangen.</p>



<p>Zweitens ist es <em>Gott, der den Gliedern des Leibes ihren Platz zuweist, wie es ihm gefällt</em>. Alle Erlösten haben Gaben und Aufgaben im Leib, aber nicht alle sind für das Hirtenamt berufen (vgl. Epheser 4,11). Nicht wir entscheiden, sondern Gott. Wer für diese erhabene Arbeit berufen ist, kann nicht stolz sein, denn er hat nichts, was er nicht empfangen hat. Eine gläubige Person darf nicht in den Pastorendienst treten, ohne speziell zu diesem Dienst berufen worden zu sein, noch sollte eine berufene Person diesen Ruf ablehnen.</p>



<p>Viele Menschen denken irrtümlicherweise, dass der Pastor einen herausragenden Platz in der Hierarchie der Gemeinde einnimmt. Aber in der Gemeinde Gottes gibt es keine Hierarchie. Der Pastor ist nicht höher als das kleinste Mitglied der Gemeinde. Er ist ein Diener Christi und Diener der Gemeinde. Diejenigen, die in den Dienst treten und Gottes Herde mit unangemessener Strenge behandeln und meinen, sie hätten die Herrschaft über Gottes Schafe, befinden sich in einem gefährlichen Irrtum (vgl. 1. Petrus 5,1-4).</p>



<p>Wir haben mit großer Traurigkeit gesehen, wie manche Pastoren versuchen, sich selbst abzuschirmen, indem sie in einem Elfenbeinturm leben, jenseits von Gut und Böse. Ermahnungen und Korrekturen durch Gemeindeglieder oder sogar andere Pastoren akzeptieren sie nicht. Sie verteidigen sich inbrünstig und sagen, dass niemand den „Gesalbten des Herrn“ antasten dürfe. Sie reißen den Text aus seinem Zusammenhang und benutzen das Wort Gottes nur, um sich selbst zu schützen oder ihre Sünden zu verbergen. Die pastorale Leiterschaft ist lediglich eine Position. Der Pastor ist nicht wichtiger als jede andere Person in der Herde. So wie der Ehemann das Haupt der Ehefrau ist, aber nicht wichtiger als die Ehefrau. So wie Gott das Haupt Christi, aber nicht größer als Christus ist. In gleicher Weise ist auch die Leiterschaft des Pastors eine funktionelle Leiterschaft. Der Hirte und die Gemeindeglieder stehen alle auf der gleichen Ebene; alle sind Diener Christi und sollten sich als solche gegenseitig ermahnen.</p>



<p>Der Apostel Paulus sagte zu den Ältesten von Ephesus (Apostelgeschichte 20,24): <em>„Aber auf das alles nehme ich keine Rücksicht; mein Leben ist mir auch selbst nicht teuer, wenn es gilt, meinen Lauf mit Freuden zu vollenden und den Dienst, den ich von dem Herrn Jesus empfangen habe, nämlich das Evangelium der Gnade Gottes zu bezeugen.”</em> Der Dienst ist keine Aufgabe, auf die wir uns aus eigener Initiative stürzen, er ist ein Auftrag, den wir von Jesus bekommen. Er ist kein Aufruf zur Bequemlichkeit, sondern eine Aufforderung zur Selbstverleugnung. Er ist nicht das Streben nach Status und Macht, sondern der Wunsch nach einem anstrengenden, aber vorzüglichen Werk (vgl. 1. Timotheus 3,1).</p>



<p>Ashbell Green Simonton war das neunte Kind einer gottesfürchtigen Familie. Sein Vater war ein Arzt, und zwei Legislaturperioden lang Abgeordneter der Kammer. Simonton war der Jüngste unter seinen Geschwistern. In seiner Kindheit weihten ihn seine Eltern dem Herrn, und zu seiner Zeit berief ihn Gott in den Dienst. Er trat in das Princeton Seminary in New Jersey, USA, ein. Er war ein brillanter Student. Als er bei seinem Abschluss eine Predigt von Charles Hodge hörte, wurde er von Gott aufgefordert, sich der Missionsarbeit zu widmen. Gott neigte sein Herz nach Brasilien. Einige Leute versuchten, ihn von seinem Vorhaben abzuhalten, indem sie ihm sagten, dass es verrückt sei, seine Familie, sein Land und so vielversprechende Angebote der Kirche seines Landes aufzugeben, um in ein so armes und von so vielen epidemischen Krankheiten betroffenes Land zu gehen. Simonton antwortete daraufhin: „Der sicherste Ort, an dem ein Mensch sein kann, wenn auch umgeben von Bedrohungen und Gefahren, ist im Zentrum des Willens Gottes.“ Dieser junge Mann verließ im Alter von 26 Jahren sein Heimatland und ging nach Brasilien. Tapfer und mutig arbeitete er und hatte nach einer äußerst kurzen Zeitspanne von nur acht Jahren die Presbyterianische Kirche von Brasilien organisiert, eine Glaubensgemeinschaft, die bis heute der treuen Predigt der Heiligen Schriften verschrieben ist.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Gott gibt seiner Gemeinde HIRTEN</h2>



<p>Gott ruft nicht nur, sondern er legt auch den Auftrag fest. Was ist ein Hirte? Was bedeutet es, eine Herde zu weiden? Zuallererst ist es die Aufgabe eines Hirten, <em>die Herde Gottes mit dem Wort Gottes zu versorgen.</em> Es ist nicht unsere Aufgabe, für die Nahrung zu sorgen, sondern die Nahrung anzubieten. Die Nahrung ist das Wort. Dem Volk Gottes das Wort vorzuenthalten, ist eine schwere Sünde. Viele Gemeinden sind heute krank, weil sie sich von giftigen Kräutern ernähren.<sup data-fn="ae467763-9eaf-4278-a673-55d284dc6cd1" class="fn"><a id="ae467763-9eaf-4278-a673-55d284dc6cd1-link" href="#ae467763-9eaf-4278-a673-55d284dc6cd1">1</a></sup> Da ist der Tod im Topf! Es gibt viele Irrlehren, die auf den evangelikalen Kanzeln kursieren. Es gibt viele Neuerungen, die dem Wort Gottes fremd sind, die in die Liturgie, in die Botschaft und in die Musik eindringen und am Ende das geistliche Leben der Gemeinde schwächen. Es gibt Gemeinden, die hungern, weil sie die nahrhafte Speise des Wortes nicht erhalten. Ihre Pastoren geben sich nicht dem Wort hin. Sie studieren das Wort nicht und sinnen nicht darüber nach. Sie predigen aus der Leere ihres Verstandes und der Täuschung ihres Herzens. Es gibt immer noch Gemeinden, die ausgelaugt und unterernährt sind, weil sie nicht ausreichend Nahrung erhalten. Der Hirte muss ein unermüdlicher Student des Wortes Gottes sein. Er muss jeden Tag reichlich Nahrung für seine Herde haben. Ein hungriges Schaf wird unruhig und neigt dazu, sich an gefährliche Stellen zu verirren. Es gibt auch Gemeinden, die sich mit der Spreu menschlicher Traditionen füllen, statt die reiche göttliche Versorgung zu bekommen. Wir brauchen dringend eine Erweckung auf den Kanzeln.</p>



<p>Eine weitere Aufgabe des Hirten ist es, <em>die Herde Gottes vor den Angriffen reißender Wölfe zu schützen.</em> Jesus warnte vor der Tatsache, dass der Teufel die Söhne des Bösen dann in die Gemeinde einschleust, wenn diese schläft (vgl. Matthäus 13,24.25). Paulus hält die Hirten der Gemeinde zur Wachsamkeit an, damit die reißenden Wölfe nicht in die Herde eindringen (vgl. Apostelgeschichte 20,29.30). Irrlehren sind die Zähne des Wolfes. Wenn die Kirche aufhört, die apostolische Lehre zu wahren, gelangen die neuesten Waren des Glaubensmarktes in die Gemeinde, und in diesem Zuge kommen oft Praktiken, die der Heiligen Schrift fremd sind. Die Hirten müssen die Literatur, die in die Gemeinde kommt, daraufhin überprüfen, ob sie dem Wort entspricht. Sie müssen die Texte der Lieder, die in der Gemeinde gesungen werden, analysieren, um nicht lehrmäßigen Missverständnissen zu verfallen. Gemeindeleiter dürfen die Kanzel der Gemeinde nicht Personen überlassen, von denen bekannt ist, dass sie sich nicht der Treue der Schrift gegenüber verpflichtet haben.</p>



<p>Einmal, an einem Sonntagmorgen, predigte ich in der Kirche, der ich seit über zwanzig Jahren vorstehe, als eine auffällig gekleidete Frau hereinkam und sich in den vorderen Teil der Kirche, in die dritte Bank setzte. Während ich predigte, ließ sie mir einen kleinen Zettel aushändigen: „Der Heilige Geist hat mich heute hierher gesandt, weil ich eine Botschaft von Gott für diese Gemeinde zu überbringen habe.“ Ich las die Notiz, steckte sie in meine Tasche und beendete meine Botschaft, erteilte den Segen und ging zur Tür, um die Gläubigen zu begrüßen. Diese Frau, die nun wütend war, konfrontierte mich an der Tür der Kirche und sagte mir, dass ich den Heiligen Geist daran gehindert hätte, an diesem Morgen zur Gemeinde zu sprechen. Ich antwortete ihr: „Der Heilige Geist hat zur Gemeinde gesprochen, Sie haben nicht zugehört. Ich habe heute Morgen treu das Wort Gottes gepredigt.” Dann sagte ich noch: „Ich kenne Sie nicht, ich weiß nicht, woher Sie kommen, noch, wohin Sie gehen. Ich weiß nicht, was Sie glauben, und ich habe Verantwortung für diese Herde, deswegen kann ich die Kanzel nicht jemandem überlassen, den ich nicht kenne.” Die Frau ging wütend davon und ich erfuhr, dass sie in dieser Woche in einigen Gemeinden große Spannungen verursachte, indem sie auf verschiedene Kanzeln stieg und das Gift gefährlicher Irrlehren verbreitete.</p>



<p>Drittens bedeutet das Hirtenamt, <em>Freude am „Geruch der Schafe” zu finden.</em> Die Aufgabe des Hirten ist es zu weiden. Das Schaf ist ein Tier, das nicht auf sich selbst aufpassen kann. Wenn es sich von der Herde entfernt, wird es eine leichte Beute der Räuber. Das Schaf ist kurzsichtig und kann die rutschigen und gefährlichen Stellen nicht deutlich sehen. Das Schaf braucht einen Hirten und der Hirte muss in der Nähe des Schafes sein, um ihm in seinen Bedürfnissen zu helfen. Es ist der Hirte, der die hungrigen Schafe zu grünen Weiden und die durstigen Schafe zu ruhigen Wassern führt. Es ist der Hirte, der mit den Schafen durch die dunklen Täler geht und ihnen Sicherheit gibt. Es ist der Hirte, der das schwache Schaf in seinen Armen trägt und das in den Abgrund gefallene rettet. Es ist der Hirte, der das bockige Schaf zurechtweist, welches das Leben der Herde in Gefahr bringt.</p>



<p>Viertens ist es die Aufgabe des Hirten, <em>die Schafe zu ermutigen.</em> Der Hirtendienst ist sehr umfangreich. Der Hirte lehrt, weidet, führt, schützt, erzieht, stärkt, ermutigt und tröstet die Schafe. Es ist nicht seine Aufgabe, das zerbrochene Schilfrohr zu zerbrechen oder den glimmenden Docht zu löschen (vgl. Matthäus 12,20). Es ist nicht seine Aufgabe, die Schafe einzuschüchtern oder sie wegen ihrer Fehler zu schlagen. Der Hirte handelt mit der Beharrlichkeit eines Vaters (vgl. 1. Korinther 4,14-21) und der Sanftheit einer Mutter (vgl. 1. Thessalonicher 2,7). Der Hirte benutzt die Rute der Zucht, aber auch den Hirtenstab der Rettung. Der Hirte ist jemand, der bereit ist, das Schaf in seinen Armen zu tragen und sein Leben dafür zu geben. Er muss nicht nur Freude daran haben, zu seiner Herde zu predigen, sondern auch Freude an der Herde haben, zu der er predigt. Seine Aufgabe ist es, ein Ermutiger derer zu sein, die auf dem Weg ins himmlische Kanaan sind!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Gott gibt Hirten nach seinem Herzen</h2>



<p>Der Hirte nach dem Herzen Gottes ist sich dessen bewusst, dass Gott ihn berufen hat, Christus zu lieben und die Schafe in Demut zu weiden. Der Hirte ist nicht der Herr der Herde. Gott gibt uns nie Macht, indem er uns das Recht überträgt, die Gemeinde zu besitzen. Die Kirche gehört nicht uns, sondern Gott. Die Schafe sind nicht unser, sondern Gottes Eigentum.</p>



<p>Das Pastorenamt ist keine privilegierte Position, sondern eine Plattform des Dienstes. Es gibt viele Pastoren, die sich wie Gutsbesitzer verhalten. Sie sind die Besitzer der Schafe, nicht ihre Hirten. Diese Hirten schauen darauf, was sie an den Schafen verdienen können, nicht darauf, wie sie den Schafen dienen können. Diese Hirten suchen den Gewinn, nicht das Wohl der Schafe. Statt das Leben für die Schafe zu geben, wollen sie, dass die Schafe ihr Leben für sie geben. Es gibt andere Hirten, die wie Mietlinge erscheinen. Das sind die betrügerischen Arbeiter, die die Schafe ausbeuten und für sich ausnutzen. Anstatt ihre Zeit, ihr Herz und ihr Leben in das Leben der Schafe zu investieren, versuchen sie, alles aus den Schafen herauszuholen, was sie können. Sie sind Hirten ihrer selbst, nicht Hirten der Herde Gottes.</p>



<p>Der Hirte nach dem Herzen Gottes weidet die Herde unter dem Stab des Oberhirten. Kein Hirte hütet die Herde Gottes treu, wenn er sein Hirtenamt nicht unter dem Stab Christi ausübt und dem Volk Gottes eine gesunde Lehre vermittelt. Die Weisung der Wahrheit muss in seinem Mund sein. Die treue Lehre der Heiligen Schrift muss die Richtschnur seines Dienstes sein. Wir sind nicht berufen, unsere eigenen Ideale zu predigen, sondern das Wort Gottes zu verkünden!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Vortrefflichkeit, mit der der Hirtendienst verrichtet werden sollte</h2>



<p>Wir haben zwei wichtige Wahrheiten hervorgehoben: Erstens muss ein Hirte <em>die Herde Gottes mit Erkenntnis weiden</em>. Er muss ein Gelehrter sein. Er muss das Wort kennen, sich von dem Wort ernähren und das Wort predigen. Paulus sagt, dass diejenigen, die sich im Wort mühen, einer doppelten Ehre würdig sind (1. Timotheus 5,17). Wir müssen bis zur Erschöpfung studieren. Wir müssen die Goldminen der Wahrheit freilegen und den unergründlichen Reichtum des Evangeliums Christi dem Volk Gottes anbieten. Wir sind Verwalter: Wir müssen dem Volk Gottes ein appetitliches und ausgewogenes Menü anbieten.</p>



<p>Die weltlichen Lehrstühle beschämen die Kanzeln, denn obwohl sie eine menschliche, irdische, zeitliche Botschaft verkünden, bereiten sie sich gründlicher und hingegebener darauf vor, als die Prediger auf den Kanzeln, und diese predigen eine göttliche, himmlische, ewige Botschaft. Wir müssen uns als bewährte Mitarbeiter darstellen. Wir müssen bei der Verrichtung des Dienstes einen überragenden Standard an den Tag legen. Auch muss der Hirte über ein großes Allgemeinwissen verfügen. Er sollte auf dem neuesten Stand sein. Er muss den Text und den Kontext lesen. Die Bibel und die Menschen lesen. Er muss die Bibel in der einen und die Zeitung in der anderen Hand haben. Der Hirte darf kein welt- und gesellschaftsfremder Mann sein. Er muss ein genauer Kenner seiner Zeit sein (vgl. 1. Chronik 12,32). John Stott sagt, dass die Predigt, die der Pastor hält, eine Brücke zwischen zwei Welten sein müsse: dem alten Text und dem zeitgenössischen Hörer. Der Hirte muss beide Welten kennen: sowohl den Text als auch seine Zuhörer.</p>



<p>Zweitens muss ein Hirte <em>die Herde Gottes mit Verstand weiden</em>. Das bedeutet, Gottes Herde mit Weisheit und Feingefühl zu weiden. Weisheit bedeutet, Wissen für den besten Zweck einzusetzen. Wir müssen die Schafe Gottes mit Zärtlichkeit behandeln. Paulus sagt, dass der Hirte wie ein Vater und auch wie eine Mutter ist (vgl. 1. Thessalonicher 2,7-12). Er weint mit denen, die weinen, und freut sich mit denen, die fröhlich sind. Der Hirte behandelt jedes Schaf entsprechend seiner Bedürfnisse, seinem Temperament, seiner besonderen Wesensart. Er ist sanft zu den Kindern, wie es auch Jesus war, der sie in seine Arme nahm. Er begegnet den Gleichaltrigen wie Brüdern und den Älteren wie Vätern. Es ist eine Sache, das Predigen zu lieben, aber es ist eine andere Sache, die Menschen zu lieben, zu denen wir predigen. Wir müssen das Predigen lieben und auch die Menschen lieben, zu denen wir predigen.</p>



<p>Fußnoten</p>


<ol class="wp-block-footnotes"><li id="ae467763-9eaf-4278-a673-55d284dc6cd1">Siehe das Buch dieses Autors: Morte na panela, erschienen bei Editorial Hagnos, 2007, das sich speziell mit diesem Thema beschäftigt. <a href="#ae467763-9eaf-4278-a673-55d284dc6cd1-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 1 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li></ol><p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://kfg.org/2025/die-berufung-zum-hirten/">Die Berufung zum Hirten</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://kfg.org">KfG  -`✞´-  Konferenz für Gemeindegründung</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Seelsorge an Kranken – eine Aufgabe der Gemeinde</title>
		<link>https://kfg.org/2025/seelsorge-an-kranken-eine-aufgabe-der-gemeinde/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. Armin Mauerhofer]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 04 Jan 2025 12:36:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theologie]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeinde-Gründung, -Bau und -Wachstum]]></category>
		<category><![CDATA[Seelsorge]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit dem Sündenfall muss der Mensch mit körperlicher Schwachheit, verschiedenen Krankheiten, einschneidenden Behinderungen, Schmerzen und schließlich mit dem Tod fertig werden, weil er sich von Gott abgewandt hat. Gott ist es, der die Krankheiten im Leben der Menschen zulässt oder sogar selbst verursacht. Er ist es auch, der uns nur ein begrenztes Leben gewährt.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>Diesen Artikel haben wir mit freundlicher Erlaubnis des VTR-Verlages aus dem Buch „Seelsorge auf biblischer Grundlage“ von Armin Mauerhofer entnommen. Wir drucken S. 87-101 ab. Die Redaktion</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Das Wesen der Krankheit</h2>



<p>Seit dem Sündenfall muss der Mensch mit körperlicher Schwachheit, verschiedenen Krankheiten, einschneidenden Behinderungen, Schmerzen und schließlich mit dem Tod fertig werden (1Mo 2,17; 3,19; Röm 5,12), weil er sich von Gott abgewandt hat. Gott ist es, der die Krankheiten im Leben der Menschen zulässt (Hiob 2,5-7) oder sogar selbst verursacht (4Mo 12,10). Er ist es auch, der uns nur ein begrenztes Leben gewährt (Ps 90,10).</p>



<p>Selbst die Menschen, die Jesus als persönlichen Retter im Glauben angenommen haben, haben körperliche Schwachheiten (2Kor 12,9-10), Krankheiten (2Tim 4,20) und oft auch Behinderungen und Schmerzen zu ertragen. Auch sie müssen schließlich sterben (1Thes 4,13).</p>



<h2 class="wp-block-heading">Verschiedene Ursachen, die zu einer Erkrankung führen können</h2>



<p><em><strong>Erkrankungen, die durch ein ­sündiges Verhalten ausgelöst ­werden</strong></em></p>



<p>Es ist hier vor allem an Krankheiten zu denken, die die Folge eines Suchtverhaltens sind, sei es das Rauchen, der übermäßige Alkoholgenuss, der Drogenkonsum oder das hemmungslose Ausleben der Sexualität.<sup data-fn="32742906-0f34-48e2-a3a4-258868ed077d" class="fn"><a id="32742906-0f34-48e2-a3a4-258868ed077d-link" href="#32742906-0f34-48e2-a3a4-258868ed077d">1</a></sup></p>



<p>In diesem Zusammenhang möchte ich auf Psalm 107,17.18 hinweisen: <em>„Die Toren litten wegen ihres gottlosen Weges und wegen ihrer Sünden. Ihre Seele ekelte vor jeder Speise, sie rührten an die Pforten des Todes.“</em></p>



<p>Zudem kann es auch durch okkulte Sünden zu einer körperlichen Erkrankung kommen. Ich kann aber die Auffassung von Willem J. Ouweneel, dass viele Erkrankungen im Leben der Menschen, die an Christus glauben, dämonisch verursacht sind, nicht teilen.<sup data-fn="793363e0-2576-4920-a8cc-2b5765380e13" class="fn"><a id="793363e0-2576-4920-a8cc-2b5765380e13-link" href="#793363e0-2576-4920-a8cc-2b5765380e13">2</a></sup> Dazu fehlen die biblischen Belege.</p>



<p><strong><em>Das sündige Verhalten anderer verursacht die Krankheit</em></strong></p>



<p>Es kann sein, dass eine Frau an Aids erkrankt, weil ihr HIV-positiver Freund seine Krankheit verschwiegen hat. Ein Mann liegt wochenlang wegen eines Beckenbruchs im Krankenhaus, weil ihn ein Betrunkener mit seinem Auto auf dem Fußgängerstreifen angefahren hat.</p>



<p>Menschen müssen wegen des falschen, sündigen Verhaltens anderer leiden. Jesus weist im Gleichnis vom barmherzigen Samariter auf diese Möglichkeit hin (Lk 10,30).<sup data-fn="90752127-0025-4ede-b328-76c4115aba4c" class="fn"><a id="90752127-0025-4ede-b328-76c4115aba4c-link" href="#90752127-0025-4ede-b328-76c4115aba4c">3</a></sup></p>



<p><strong><em>Psychosomatische Erkrankungen</em></strong></p>



<p>Es handelt sich hier um körperliche Erkrankungen, die ihre Ursache überwiegend oder ganz im psychischen Bereich haben. Dazu gehören Migräne, nervöse Magenleiden, verschiedene Arten von Herzbeschwerden, Rückenschmerzen, krampfartige Darmerkrankungen, Reizblase, Bluthochdruck usw.<sup data-fn="0cfc615b-92a6-45e4-9d5a-f55ea3befb6d" class="fn"><a id="0cfc615b-92a6-45e4-9d5a-f55ea3befb6d-link" href="#0cfc615b-92a6-45e4-9d5a-f55ea3befb6d">4</a></sup></p>



<p>Oft sind es unverarbeitete Lebensprobleme wie z.B. eine Scheidung, die Abtreibung eines Kindes usw., die einen Menschen innerlich stark belasten und so zu einer psychosomatischen Erkrankung führen können (Ps 32,2-5).</p>



<p>Auch der Umstand, dass andere durch ihr Verhalten in schwerwiegender Weise an uns schuldig geworden sind, kann psychosomatische Auswirkungen haben, besonders dann, wenn wir diesen Menschen mit Hass, Groll und Bitterkeit begegnen.<sup data-fn="c3509a9e-18d1-4241-a063-70a810fa65d9" class="fn"><a id="c3509a9e-18d1-4241-a063-70a810fa65d9-link" href="#c3509a9e-18d1-4241-a063-70a810fa65d9">5</a></sup> Es ist hier u.a. an sexuellen Missbrauch, erlittene Gewalttätigkeiten, massiven Vertrauensmissbrauch und schwerste Demütigungen zu denken.</p>



<p>Außerdem können lang andauernder Stress bei Überforderung am Arbeitsplatz oder große Probleme und Schwierigkeiten in der Ehe psychosomatische Auswirkungen haben. Vor allem kommt es, wie Otto Benkert nachweist, zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen.<sup data-fn="cdf95c82-ac5e-416e-a0c0-72573de7644f" class="fn"><a id="cdf95c82-ac5e-416e-a0c0-72573de7644f-link" href="#cdf95c82-ac5e-416e-a0c0-72573de7644f">6</a></sup></p>



<p><strong><em>Erkrankung durch einen Unfall</em></strong></p>



<p>Unfälle irgendwelcher Art können zu Leiden, Schwächung der Gesundheit und Behinderungen führen. Bei einigen Menschen kann es zu einem chronischen Leiden oder sogar zu Invalidität kommen.</p>



<p><strong><em>Erkrankungen, deren Ursache wir nicht kennen</em></strong></p>



<p>Es gibt körperliche Erkrankungen, die Gott aus unerklärlichen Gründen im Leben der Menschen zulässt und deren Ursachen wir letztlich nicht erklären können.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Sinn von Leiden und Krankheit</h2>



<p><strong><em>a. Im Leben von Menschen, die nicht an Jesus glauben</em></strong></p>



<p>Krankheit kann nach biblischem Verständnis nie nur in einem innerweltlichen, kausal-mechanischen bzw. biologischen Zusammenhang eingeordnet werden.<sup data-fn="e65b5f2b-d608-40bb-815a-aa186e07b412" class="fn"><a id="e65b5f2b-d608-40bb-815a-aa186e07b412-link" href="#e65b5f2b-d608-40bb-815a-aa186e07b412">7</a></sup> Vielmehr braucht Gott die Krankheit bei einem Menschen, der noch nicht an Jesus glaubt, um ihn in seiner Selbstsicherheit, Arroganz, Oberflächlichkeit und Gleichgültigkeit aufzurütteln. Er wird mitten im Leben mit der Tatsache konfrontiert, dass er sterben könnte. Gott macht in seiner Liebe einen jeden Menschen auf die Tatsache seines Sterbens und auf ein Weiterleben nach dem Tod aufmerksam (Ps 90,12; Hebr 9,27).</p>



<p>Das Ziel der Krankheit im Leben eines nicht an Christus glaubenden Menschen besteht darin, dass er die Sünden in seinem Leben einsieht, bereut und sie in Reue Jesus bekennt und dankend die von ihm angebotene Vergebung im Glauben annimmt (1Joh 1,9). Damit er seine Schuldhaftigkeit vor Gott erkennen kann, hat Gott den Menschen sein Wort, die Bibel, gegeben (Ps 107,20). Deshalb sollten wir als Seelsorger die noch nicht an Jesus glaubenden kranken Menschen mit der Heilsbotschaft der Bibel konfrontieren und sie auffordern, diese im Glauben anzunehmen. Die gläubige Annahme der Vergebung der Sünden und die Aufnahme von Jesus führen zu einem inneren Heilwerden, das auch in positiver Weise den Leib beeinflussen kann (Ps 32,1.2; Spr 3,7.8). Wenn ein Mensch Jesus im Glauben als persönlichen Retter angenommen hat, weiß er, dass wenn er jetzt sterben würde, er zu Jesus in den Himmel käme (Joh 17,24; Phil 3,20). Dies bewirkt in seinem Leben eine tiefe Geborgenheit, die sich heilend auf seinen Körper auswirken kann.<sup data-fn="c4d74a1f-26bc-49ff-a574-197a4fefddc5" class="fn"><a id="c4d74a1f-26bc-49ff-a574-197a4fefddc5-link" href="#c4d74a1f-26bc-49ff-a574-197a4fefddc5">8</a></sup></p>



<p><strong><em>b. Im Leben der an Christus ­glaubenden Menschen</em></strong></p>



<p>Es gibt auch im Leben der Menschen, die an Jesus glauben, Krankheiten, die Folge eines sündigen Verhaltens sein können (Joh 5,14). Jesus führt sie in Krankheitsnöte, damit sie Zeit haben, bestimmte Sünden, die sie in ihrem Alltag immer wieder zur Seite geschoben haben, einzusehen. Er sucht sie dann dazu zu bewegen, diese erkannten Sünden in Reue vor ihm zu bekennen, damit er sie wieder mit seinem Blut reinwaschen kann (1Joh 1,7). Vielleicht will Jesus ihnen mit Hilfe der Krankheit aufzeigen, dass sie bestimmten Menschen, die durch ihr Verhalten oder durch Worte an ihnen schuldig geworden sind und die sie deshalb bis jetzt innerlich abgelehnt haben, vergeben sollten. Die Bibel lehrt uns nämlich, dass wenn wir anderen, die an uns schuldig geworden sind, nicht vergeben, dies in Gottes Augen Sünde ist (Mt 6,15).</p>



<p>Auch der unwürdige Abendmahlsgenuss kann im Leben von glaubenden Menschen zu Schwachheiten und Krankheiten führen (1Kor 11,29.30). Dies ist dann der Fall, wenn sie das Abendmahl nehmen, obwohl sie ganz bewusst unbereinigte Sünden – ja vielleicht sogar eine Sucht – in ihrem Leben dulden. Solange ein Gläubiger in der Kraft des innewohnenden Christus gegen Sünden in seinem Leben kämpft, ist dies ebengerade ein Zeichen, dass er sie nicht duldet.</p>



<p>Durch körperliche Schwachheiten und Krankheiten kann ihr Glaube gefestigt und bewährt werden. Es steht in 1. Petrus 1,6.7: <em>„Darin jubelt ihr, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es nötig ist, in mancherlei Versuchungen (Prüfungen) betrübt worden seid, damit die Bewährung (Echtheit) eures Glaubens viel kostbarer erfunden wird als die des vergänglichen Goldes, das durch Feuer erprobt wird, zu Lob und Herrlichkeit und Ehre in der Offenbarung Jesu Christi.“</em> Jesus will alle falsche Selbstsicherheit durch das Leiden in ihrem Leben zerbrechen. Sein Anliegen ist es, dass sie sich im Glauben an ihn klammern und in ihm Halt, Geborgenheit und Sicherheit suchen und finden (Ps 23,4).<sup data-fn="a00ed74d-491f-4ff7-ad65-d22c25778de2" class="fn"><a id="a00ed74d-491f-4ff7-ad65-d22c25778de2-link" href="#a00ed74d-491f-4ff7-ad65-d22c25778de2">9</a></sup></p>



<p>Krankheiten bewirken in ihrem Leben auch eine bewusste Distanz zur Sünde. In 1. Petrus 4,1.2 steht: <em>„Da nun Christus im Fleisch gelitten hat, so wappnet auch ihr euch mit derselben Gesinnung – denn wer im Fleisch gelitten hat, hat mit der Sünde abgeschlossen –, um die noch übrige Zeit im Fleisch nicht mehr den Begierden der Menschen, sondern dem Willen Gottes zu leben.“</em> Durch Leiden wächst in ihrem Leben der Wunsch, nicht der Sünde, sondern Gott zu dienen und das zu tun, was er von ihnen will.</p>



<p>Zudem haben körperliche Schwachheiten und Krankheiten auch eine demütigende Funktion (2Kor 12,7-10). Jesus, der Herr der Gemeinde, lässt es nicht zu, dass bewährte Christen sich aufgrund besonderer Gnadenerweise Gottes, die sie empfangen haben, über andere erheben.</p>



<p>Schließlich können Krankheiten einfach dazu dienen, dass Menschen, die Jesus wirklich lieben, sich vor ihm demütigen und sich ihm in ihrer schwierigen Situation anvertrauen, wie dies Hiob gemacht hat (Hiob 16,19-21; 19,25-27). Leiden sind außerdem die Türe, um die Herrlichkeit Gottes noch tiefer und umfassender zu erkennen (Hiob 42,2).</p>



<p>Mit Hilfe der Krankheiten will Gott den Blick der an ihn Glaubenden auf die vor ihnen liegende Herrlichkeit ausrichten. Paulus schreibt in Römer 8,18: <em>„Denn ich denke, dass die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.“</em> Ja, sie sollen lernen, ihr Leben von der Ewigkeit her zu gestalten (2Kor 4,17). Dies bestimmt natürlich auch die Prioritäten, die sie in ihrem Leben setzen.</p>



<p>Gott kann an ihn glaubende Menschen auch deshalb in Krankheitsnöte führen, um durch sein Eingreifen seine unendlich große Macht und Herrlichkeit auf dieser Erde zu offenbaren (Joh 9,1-3).</p>



<p>Ziel der Krankheiten und Schwachheiten im Leben der an Jesus glaubenden Menschen ist es, ihren Glauben zu stärken und zu festigen. Gott braucht einerseits die Krankheiten, um Sünden in ihrem Leben aufzudecken, die sie bis jetzt nicht ernst genommen haben. Diese sollen sie in Reue Jesus bekennen und er wird sie ihnen vergeben. Andererseits benutzt er die Krankheiten auch dazu, um sie willig zu machen, Menschen zu vergeben, die an ihnen schuldig geworden sind. Weiter will Gott durch die Krankheit im Leben seiner Kinder eine größere Distanz zur Sünde schaffen, damit sie noch brauchbarer werden für den Bau seiner Gemeinde. Sie sollen mit Hilfe der Krankheitsnöte lernen, ihr Leben bewusst von der vor ihnen liegenden Herrlichkeit her zu gestalten. Letztlich soll durch das helfende und heilende Eingreifen Gottes in ihren körperlichen Schwachheiten, Krankheiten und Leiden Jesus verherrlicht werden. Sie können also letztlich jeder Krankheit einen tieferen Sinn abgewinnen.<sup data-fn="2bf3dd78-d7bd-4462-bf3a-5e1b18542803" class="fn"><a id="2bf3dd78-d7bd-4462-bf3a-5e1b18542803-link" href="#2bf3dd78-d7bd-4462-bf3a-5e1b18542803">10</a></sup></p>



<h2 class="wp-block-heading">Krankheit und Heilung aus biblischer Sicht</h2>



<p>Am Anfang unserer Überlegungen steht die Überzeugung, dass Jesus am Kreuz von Golgatha sowohl unsere Sünden als auch die Auswirkungen derselben, nämlich die Schmerzen, Leiden, Krankheiten und den Tod getragen und überwunden hat (Jes 53,1-5; Mt 8,17; 1Petr 2,24; Hebr 2,14).<sup data-fn="86948174-00a2-4e72-9826-0b62d03c000e" class="fn"><a id="86948174-00a2-4e72-9826-0b62d03c000e-link" href="#86948174-00a2-4e72-9826-0b62d03c000e">11</a></sup></p>



<p>Wir haben aber zu beachten, dass sich das, was Jesus am Kreuz im Blick auf unsere Leiden und Krankheiten erkämpft hat, heilsgeschichtlich durchsetzt. Was ich unter heilsgeschichtlich verstehe, entfalte ich in den folgenden Ausführungen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Auswirkungen heute</h2>



<p>Wir leben heute in der heilsgeschichtlichen Zeit der Gemeinde, die an Pfingsten mit der Ausgießung des Heiligen Geistes begann und mit der Wiederkunft Jesu beendet wird. Das eigentliche Ziel Gottes in dieser Zeit ist, dass Menschen Jesus im Glauben als ihren Retter annehmen und dadurch Glieder seiner Gemeinde werden.</p>



<p>In dieser Zeit ist der Leib eines jeden Menschen noch von den Folgen des Sündenfalls gezeichnet. Er muss schließlich sterben. Leiden, Krankheiten und Schmerzen sind ein Hinweis auf diese Sterblichkeit.</p>



<p>Wenn ein Mensch Jesus im Glauben als persönlichen Retter annimmt, wird er innerlich ganz neu. Er ist eine neue Schöpfung (2Kor 5,17) und ein neuer Mensch (Kol 3,10). Ja, er ist ein Gotteskind (Joh 1,12), hat das ewige Leben (1Joh 5,11) und ist ein Glied des Leibes Jesu, der Gemeinde (1Kor 12,13).</p>



<p>Er behält aber ein „irdisches Zelthaus“ (2Kor 5,1). Mit diesem „irdischen Zelthaus“ ist unser Leib gemeint, der von der Vergänglichkeit und vom Tod gezeichnet bleibt (1Kor 15,42-44). Deshalb werden Menschen, die an Jesus glauben, in unserer heilsgeschichtlichen Zeit noch krank (2Tim 4,20), haben körperliche Schwachheiten zu tragen (2Kor 12,9-10) und werden schließlich sterben (1Thes 4,13).</p>



<p>Dies ist deshalb so, weil der Leib bei der Bekehrung und Wiedergeburt nicht in das neumachende Heilshandeln Gottes einbezogen worden ist (Röm 8,23). Der an Christus glaubende Mensch bleibt in seiner Leiblichkeit Teil der gefallenen und leidenden Schöpfung (Röm 8,19-23), bis zur Wiederkunft Jesu. Die, welche an Jesus Christus glauben, leben in einer Spannung. Einerseits sind sie geistlich neu geworden, andererseits warten sie auf die Erlösung ihres vom Tod gezeichneten Leibes. In unserer heilsgeschichtlichen Zeit kann Jesus aufgrund der Tatsache, dass er die Schwachheiten, Krankheiten und den Tod überwunden hat, heilend in das Leben von Menschen eingreifen (Mk 16,18; Jak 5,15.16). Er ist aber im Blick auf das heilende Eingreifen souverän.</p>



<p>Es gilt also ganz klar festzuhalten, dass Jesus aufgrund seiner Göttlichkeit und Allmacht, sowie der Überwindung von allen Leiden, Krankheiten und dem Tod am Kreuz heute heilend in das Leben von Menschen eingreifen kann. Es gibt keine Krankheit, die er nicht heilen könnte. Dieses heilende Eingreifen ist aber in seine Souveränität gestellt. Er greift nur ein, <em>wenn es im jeweiligen Fall seinem Willen entspricht.</em></p>



<p>Im Blick auf Heilungswunder ist es wichtig, dass wir nicht aus den Augen verlieren, dass Gott die Rettung eines Menschen durch Christus mehr bedeutet, als seine körperliche Heilung, da diese leider immer nur etwas Vorläufiges ist. Die Rettung aber führt zu einer inneren Neuschöpfung (2Kor 5,17), die ewige Auswirkungen nach sich zieht, auch für den Leib. Der Bibel geht es immer zuerst um das Heil des Menschen und dann um seine Gesundheit.<sup data-fn="08b3a5f5-6e6a-4f3a-be8f-20de640c7e41" class="fn"><a id="08b3a5f5-6e6a-4f3a-be8f-20de640c7e41-link" href="#08b3a5f5-6e6a-4f3a-be8f-20de640c7e41">12</a></sup></p>



<p>Jede Heilung hat Zeichencharakter (Mk 16,17-20). Wenn an Christus glaubende Menschen Kranken die Hände auflegen und diese gesund werden, weist dieses Wunder als Zeichen auf Jesus, den Sieger von Golgatha hin, der die Sünden getragen und die Folgen der Sünden, zu welchen auch die Krankheiten gehören, überwunden hat. Ein solches Zeichen kann zur Ausbreitung des Evangeliums beitragen (Apg 9,32-35).</p>



<p>Jesus Christus gibt seiner Gemeinde immer wieder Menschen, die die „Gnadengaben der Heilungen“ haben (1Kor 12,9.28). Wenn jemand diese „Gaben der Heilungen“ hat, ist das keine Garantie, dass nun alle Kranken durch seinen Dienst gesund werden, da ja die Mehrzahlform „von Heilungen“ deutlich macht, dass jede einzelne Heilung eine Gnadengabe ist. Paulus, der ganz offensichtlich diese Gabe hatte (Apg 14,8-10; 19,11.12), ließ Trophimus krank in Milet zurück (2Tim 4,20) und riet Timotheus, wegen seines Magens ein wenig Wein zu trinken (1Tim 5,23). Und doch schenkt es Jesus, der Herr der Gemeinde, dass durch Gläubige, die diese Gnadengabe haben, Kranke gesund werden dürfen.</p>



<p>Zudem werden die Kranken in Jakobus 5,14 darauf hingewiesen, <em>die Ältesten der Gemeinde zu sich zu rufen</em>, damit diese sie mit Öl salben und über ihnen beten. Wir lesen dann weiter in Jakobus 5,15: <em>„Und das Gebet des Glaubens wird den Kranken retten, und der Herr wird ihn aufrichten, und wenn er Sünden begangen hat, wird ihm vergeben werden.“</em></p>



<p>In unserer heilsgeschichtlichen Zeit beruht jede Heilung auf einem besonderen gnädigen Eingreifen Gottes, das in seinem souveränen Handeln begründet ist. Gott kann sehr wohl heilend im Leben von Menschen eingreifen, aber er tut es aus uns unerklärlichen Gründen nicht immer.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Auswirkungen im Blick auf die Zukunft</h2>



<p>Die heilsgeschichtliche Zeit, in der wir heute leben, wird durch die Wiederkunft Jesu abgeschlossen. Es folgt dann eine neue heilsgeschichtliche Epoche.</p>



<p>Die Bibel lehrt uns, dass der Sieg Jesu am Kreuz über alle Leiden, Schmerzen, Krankheiten und den Tod bei seiner Wiederkunft für alle die, welche an ihn glauben, zur vollen Entfaltung kommen wird. Sie werden entweder auferstehen oder verwandelt werden (1Kor 15,51-53). Im Augenblick der Auferstehung oder Verwandlung werden sie erleben, wie sie entweder einen neuen Leib erhalten oder ihr Leib verwandelt wird (Röm 8,23). Dieser neue Leib, der dem Auferstehungsleib Jesu gleich sein wird (Phil 3,21; 1Joh 3,1.2), ist unvergänglich und kennt keine Schwachheiten mehr und kann nicht mehr krank werden (1Kor 15,42-44).</p>



<p>Dieser von Jesus am Kreuz errungene Sieg wird sich dann vollumfänglich durchsetzen, wenn Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde erschaffen hat. Wir lesen in Offenbarung 21,4: <em>„Und er wird jede Träne von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein: denn das Erste ist vergangen.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Vergleich mit Jesus und den Aposteln</h2>



<p>Es gibt nun aber Gläubige, die behaupten, dass Jesus in jedem Fall heilend eingreifen will. Um diese Behauptung zu erhärten, weisen sie darauf hin, dass Jesus uns, seine Nachfolger, ihm völlig gleichgestellt habe, so dass wir dieselben, ja, sogar noch größere Wunder tun können als er (Joh 14,12).<sup data-fn="0657d597-b5ee-4e7e-bcfc-1bb8fdb81606" class="fn"><a id="0657d597-b5ee-4e7e-bcfc-1bb8fdb81606-link" href="#0657d597-b5ee-4e7e-bcfc-1bb8fdb81606">13</a></sup> Weiterhin sind sie davon überzeugt, dass wir wie die Apostel Kranke heilen, Dämonen austreiben und Tote auferwecken können.<sup data-fn="87670383-5a43-4987-a60d-f35b511bf824" class="fn"><a id="87670383-5a43-4987-a60d-f35b511bf824-link" href="#87670383-5a43-4987-a60d-f35b511bf824">14</a></sup></p>



<p><em><strong>a. Betrachten wir nun die Krankenheilungen im Leben Jesu:</strong></em></p>



<p>In Matthäus 4,23 lesen wir: <em>„Und Jesus heilte jede Krankheit und jedes Gebrechen unter dem Volk.“</em> (vgl. Mt 9,35) Jesus heilte Aussätzige, Blinde, Lahme, Taubstumme, Fieberkranke usw. Es gibt keinen Fall von Krankheit, der außerhalb seines heilenden und wiederherstellenden Wirkens blieb. Er heilte alle Kranken, die zu ihm gebracht wurden oder selber zu ihm kamen (Mt 8,16).<sup data-fn="4af49b63-554c-4997-8e82-3313178600ce" class="fn"><a id="4af49b63-554c-4997-8e82-3313178600ce-link" href="#4af49b63-554c-4997-8e82-3313178600ce">15</a></sup> Wichtig ist aber zu beachten, dass die Krankenheilungen in den Evangelien als <em>Beweis seiner Messianität</em> verstanden werden. Dies macht die Antwort deutlich, die Jesus den Johannesjüngern gab, als sie ihn fragten, ob er wirklich der Messias sei. Jesus antwortete ihnen: <em>„Geht hin und verkündet Johannes, was ihr hört und seht: Blinde werden sehend, und Lahme gehen, Aussätzige werden rein, und Taube hören, und Tote werden auferweckt, und Armen wird gute Botschaft verkündigt.“</em> (Mt 11,4.5; vgl. Jes 35,5.6; 61,1) Zudem wiesen die Wunder, die Jesus tat, auf die neue Heilszeit hin, die mit ihm angebrochen war, nämlich auf den Anbruch seines Reiches hier auf dieser Erde.</p>



<p>Peter Beyerhaus ist der Überzeugung, dass die vielen Krankenheilungen Jesu auch auf sein vor ihm liegendes umfassendes Erlösungswerk hinwiesen.<sup data-fn="1808b025-7f7f-488e-8286-5408d619d634" class="fn"><a id="1808b025-7f7f-488e-8286-5408d619d634-link" href="#1808b025-7f7f-488e-8286-5408d619d634">16</a></sup></p>



<p><strong><em>b. Die Krankenheilungen im Leben der Apostel:</em></strong></p>



<p>Als Jesus noch bei seinen Jüngern war, gab er ihnen Vollmacht, Kranke zu heilen, Tote aufzuerwecken und Dämonen auszutreiben (Mt 10,8). Diese Wunder waren wie bei Jesus selbst ein Hinweis auf das mit ihm anbrechende Reich Gottes.</p>



<p>Nach Pfingsten waren diese Wunder (Apg 3,1-9; 5,12-16 usw.) ein Hinweis auf ihren Aposteldienst, den Jesus ihnen gegeben hatte (2Kor 12,12). Diese Zeichen und Wunder beglaubigten ihre Botschaft von der Versöhnung mit Gott (2Kor 5,18-21). Zugleich wiesen sie auf die Vollmacht hin, die Jesus ihnen im Blick auf den Bau seiner Gemeinde gegeben hatte.</p>



<p>Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der messianische Dienst Jesu und der Dienst der Apostel unwiederholbar sind. Wir dürfen uns im Blick auf den Dienst an den Kranken nicht mit Jesus und den Aposteln gleichsetzen.</p>



<p>Die, welche nun lehren, dass Jesus aufgrund seines Erlösungswerks in jeder Krankheitssituation heilend eingreifen wolle, erleben, dass dies nicht der Fall ist. Sie erleben, dass Menschen, mit denen sie beten, nicht geheilt werden. Um an ihrer These festhalten zu können, dass Jesus wirklich alle heilen will, haben sie für das Nichteingreifen Jesu in bestimmten Situationen folgende Erklärungen:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Die, welche nicht geheilt werden, glauben einfach zu wenig. Wenn sie Jesus wirklich ihr ganzes Vertrauen schenken würden, könnten sie durchaus geheilt werden.</li>



<li>Zudem könnte es sein, dass bestimmte Sünden im Leben eines Menschen eine Heilung verunmöglichen. Wenn nämlich ein Mensch bereit wäre, über alle Sünden wirklich in Reue Buße zu tun, könnte er bestimmt gesund werden.<sup data-fn="dea7c8c0-5a77-45cf-b493-5ac94f27ff89" class="fn"><a id="dea7c8c0-5a77-45cf-b493-5ac94f27ff89-link" href="#dea7c8c0-5a77-45cf-b493-5ac94f27ff89">17</a></sup> Übrigens vertraten diese Auffassung auch die Freunde von Hiob (Hiob 22,26-30).</li>
</ul>



<p>Diese Erklärungen für eine nicht eintretende Heilung machen oft das Leiden und die Krankheit der betroffenen Personen noch schwerer als sie schon sind, weil ihnen selbst die Schuld für die nicht eintretende Heilung geben wird. Diese Erklärungsversuche können leidende Menschen innerlich zur Verzweiflung treiben und zu einem Zusammenbruch des Vertrauens in Gott führen.</p>



<p>Wir haben gesehen, dass wir in unserer heilsgeschichtlichen Zeit nicht davon ausgehen können, dass Jesus alle Menschen aufgrund seines Sieges am Kreuz von Golgatha von ihren Schwachheiten und Krankheiten in ihrem irdischen Leben heilt. Er kann aber sehr wohl im Leben bestimmter Menschen heilend eingreifen, aber das ist in seine Souveränität gestellt.</p>



<p>Daraus ergibt sich, dass diese eben entfalteten Erklärungsversuche für eine nicht eintretende Heilung in ihrer Einseitigkeit falsch sind.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Schwerpunkte in der Seelsorge an Kranken</h2>



<p>Eine schwere Erkrankung wird grundsätzlich als ein notvoller Einschnitt erlebt. Es ist dem Kranken nicht mehr möglich, seine Arbeit zu Hause oder im Beruf auszuführen. Weiter ist er im Spital abhängig von anderen Menschen, seien es Ärzte oder Krankenschwestern. Vielleicht ist er auch an Apparate gebunden. Irgendwie ist er zum Außenseiter der Gesellschaft geworden. Der Kranke fühlt sich deshalb einsam, allein, da er ja auch aus seiner gewohnten Umgebung herausgerissen worden ist.</p>



<p>Gerade durch diese notvolle Situation, in der sich der Kranke schwach und hilflos fühlt, sucht Gott etwas Positives in seinem Leben zu bewirken. Jeder Schwerkranke fragt nach dem Sinn dieser Krankheit.</p>



<p>Als Seelsorger haben wir zuerst am Ergehen der Kranken aufrichtig Anteil zu nehmen. Wir haben ihnen auch genügend Zeit zu geben, über ihre Krankheit und die damit verbundenen Ängste zu reden.<sup data-fn="5b1826d8-7ad5-415c-8865-2bcb623346c9" class="fn"><a id="5b1826d8-7ad5-415c-8865-2bcb623346c9-link" href="#5b1826d8-7ad5-415c-8865-2bcb623346c9">18</a></sup> Noch nicht an Jesus glaubende Kranke suchen wir einfühlsam zu Jesus, ihrem Retter zu führen.</p>



<p>Manfred Weise, Professor für Innere Medizin, schreibt:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Viele Menschen sind gerade in großer Krankheitsnot offen für das Evangelium. Sie fragen: Muss ich sterben und was ist dann? Wofür habe ich gelebt? Hier gilt es in Liebe und Weisheit auf den Retter Jesus Christus hinzuweisen.“<sup data-fn="e1837bc1-f438-4c9c-9629-27884be23ea0" class="fn"><a id="e1837bc1-f438-4c9c-9629-27884be23ea0-link" href="#e1837bc1-f438-4c9c-9629-27884be23ea0">19</a></sup></p>
</blockquote>



<p>Wir helfen ihnen, ihre Sünden Jesus zu bekennen und zeigen ihnen, wie sie Jesus als Herrn in ihr Leben aufnehmen können. Diese Annahme von Jesus als Retter und Herrn gibt den Kranken eine tiefe innere Geborgenheit und einen letzten Halt. Dies kann sich positiv auf den Heilungsprozess auswirken.</p>



<p>Bei Menschen, die schon an Jesus glauben, fragen wir behutsam, ob sie in dieser schweren Situation noch bestimmte Sünden belasten. Wenn dies der Fall sein sollte, geben wir ihnen gleich die Gelegenheit, diese in unserer Gegenwart Jesus zu bekennen. Wir können ihnen dann auf Grund von 1. Johannes 1,9 die Vergebung zusprechen. Oft müssen bestimmte Sünden noch im zwischenmenschlichen Bereich bereinigt werden. Besonders wichtig ist es, dass sie den Menschen, von denen sie innerlich verletzt und gekränkt wurden, bewusst mit Hilfe von Jesus vergeben. Dieses Bekennen sowie Bereinigen der Sünden und das bewusste Vergeben führen zu einer inneren Befreiung und Entlastung, die sich positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken können (Ps 32,1.2).</p>



<p>Anschließend ermutigen wir sie vom Wort Gottes her die Schmerzen und Leiden, die Gott in ihrem Leben eben zulässt, <em>anzunehmen </em>(Ps 91,14.15).<sup data-fn="4c406498-0ac7-467f-8ebc-57f61accc97f" class="fn"><a id="4c406498-0ac7-467f-8ebc-57f61accc97f-link" href="#4c406498-0ac7-467f-8ebc-57f61accc97f">20</a></sup> Wir haben zudem noch darauf hinzuweisen, dass Jesus die mit dieser Krankheit verbundene Niedergeschlagenheit, Hilflosigkeit und Angst kennt. Ja, es ist tröstlich zu wissen, dass er in diesem finsteren Tal bei ihnen ist und sie versteht (Ps 23,4).</p>



<p>Die Seelsorger sollten die Kranken auffordern, die Bemühungen der Ärzte im Bereich der Untersuchungen, der Behandlung – einschließlich einer nötigen Operation – und die medikamentöse Hilfe dankend anzunehmen. Gott kann das alles brauchen, um ihnen zu helfen und sie zu heilen. Sie sollen auch für alle, die sie fachkundig pflegen, sei es im Krankenhaus, in der Kur oder zu Hause, Gott danken. Sie sollen zudem allen mit Wertschätzung begegnen.<sup data-fn="00aa2971-8667-4be0-a976-ec0e842945d0" class="fn"><a id="00aa2971-8667-4be0-a976-ec0e842945d0-link" href="#00aa2971-8667-4be0-a976-ec0e842945d0">21</a></sup></p>



<p>Die Seelsorger sollen die Kranken immer wieder ermutigen, um das heilende Eingreifen Gottes zu bitten (Jak 5,13). Jesus kann aufgrund seines Sieges am Kreuz von Golgatha in allen Schwachheiten, Krankheiten, Schmerzen und Leiden helfend und heilend eingreifen. Wenn er dies nicht sofort tut, dürfen sie weiter im Vertrauen auf die unbegrenzten Möglichkeiten Gottes um Heilung bitten.<sup data-fn="cda58a1c-9b64-4716-93c1-504f6aed2676" class="fn"><a id="cda58a1c-9b64-4716-93c1-504f6aed2676-link" href="#cda58a1c-9b64-4716-93c1-504f6aed2676">22</a></sup> Während des seelsorgerlichen Gesprächs mit dem Kranken lesen wir ihm ermutigende Bibelworte vor und sagen kurz einige Gedanken dazu. Solche Worte können zu einer Quelle innerer Ruhe, Ermutigung und Kraft werden.</p>



<p>Das seelsorgerliche Gespräch schließen wir mit einem Gebet ab. Wir beten dafür, dass der Kranke die Kraft hat, die ihm auferlegte Krankheit zu tragen und bitten Jesus, doch helfend und heilend einzugreifen. Wichtig ist, dass wir Gott zutrauen, dass er den Kranken heilen kann. Während wir um das helfende und heilende Eingreifen Jesu beten, kann es geschehen, dass wir durch den Heiligen Geist innerlich bewegt werden, dem Kranken die Hände aufzulegen, so wie es in Markus 16,18 steht. Es ist aber nicht richtig, wenn wir nach dem Gebet dem Kranken die Heilung zusprechen. Wir sind die Bittenden und Gott antwortet, wie er es für richtig findet.<sup data-fn="dcd4123a-167b-400f-b21c-fd0742fe6902" class="fn"><a id="dcd4123a-167b-400f-b21c-fd0742fe6902-link" href="#dcd4123a-167b-400f-b21c-fd0742fe6902">23</a></sup></p>



<p>Abschließend können wir ein krankes Gemeindeglied ermutigen, doch die Ältesten zu sich zu rufen, damit sie es mit Öl salben und über ihm beten (Jak 5,14.15). Gott kann es aufgrund des glaubenden Gebets der Ältesten aufrichten und heilen.</p>



<p>Es kann eine große Ermutigung und Stärkung sein, <em>wenn die Gemeinde für die kranken Gemeindeglieder betet</em>. Wir lesen in Matthäus 18,19.20:<em> „Wiederum sage ich euch: Wenn zwei von euch auf der Erde übereinkommen, irgendeine Sache zu erbitten, so wird sie ihnen werden von meinem Vater, der in den Himmeln ist. Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte.“</em> Gott kann also aufgrund des gemeinsamen Gebets der Gemeinde heilend eingreifen.</p>



<p>Wenn wir Kranke seelsorgerlich begleiten, erleben wir, wie Jesus die Gebete von uns, den Ältesten und der Gemeinde oft ganz verschieden beantwortet. Wir erleben, wie Kranke sofort vollständig geheilt werden. Es kann aber auch sein, dass aufgrund der Gebete ein langsamer Heilungsprozess einsetzt, der bis zur Heilung führt. Manchmal scheint Gott überhaupt nicht einzugreifen. Wir erleben aber, wie er dem Kranken die Kraft schenkt, die Krankheit ohne innere Auflehnung zu tragen. Wir können und wollen Gott nicht vorschreiben, wie er handeln soll. Hoffnung und Demut sind die Elemente, die es erlauben, bei jeder Krankheit für das helfende und heilende Eingreifen Gottes zu bitten, auch wenn die Krankheit sehr lange dauert.<sup data-fn="42949bd2-cbae-402d-a0c3-696f2ea0062a" class="fn"><a id="42949bd2-cbae-402d-a0c3-696f2ea0062a-link" href="#42949bd2-cbae-402d-a0c3-696f2ea0062a">24</a></sup></p>



<p>Alle, die erlebt haben, wie Jesus heilend in ihrem Leben eingegriffen hat, sollen ihr Leben aus Dankbarkeit Jesus weihen. Zugleich sollen sie jeder Sünde mit einem ganz klaren Nein begegnen (Joh 5,14).</p>



<h2 class="wp-block-heading">Einige Gedanken zum Salben mit Öl</h2>



<p>Im Jakobusbrief werden die an Jesus glaubenden Menschen dazu ermutigt und aufgefordert, wenn sie krank sind, die Ältesten der Gemeinde zu sich zu rufen. Diese sollen <em>„über ihnen beten und sie mit Öl salben im Namen des Herrn“</em> (Jak 5,14b). Für die Salbung mit Öl ist jedes pflanzliche Öl brauchbar. Das Öl, welches bei der Salbung eines Kranken gebraucht wird, ist ein Bild für den Heiligen Geist (Sach 4,2-6; 2Kor 1,21.22). Jeder Gläubige darf wissen, dass ihm durch den Heiligen Geist die Auswirkungen des von Jesus vollbrachten Erlösungswerkes innerlich zugänglich gemacht worden sind (Joh 16,14.15). Er hat aufgrund des Erlösungswerkes Jesu Vergebung seiner Sünden empfangen. Er weiß auch, dass Jesus durch den Heiligen Geist in ihm wohnt (Joh 14,17.18) und dass er dadurch ein Gotteskind ist (Joh 1,12). Jesus hat, wie oben ausgeführt, am Kreuz auch unsere Krankheiten, Leiden und Schmerzen getragen (Jes 53,4). Wenn nun der Kranke das Öl auf seinem Körper spürt, von dem ihm ein wenig auf die Stirne gestrichen wird, darf er glauben, dass ihm der Heilige Geist auch die Überwindung der Krankheit durch Christus äußerlich – an seinem Körper – zugänglich machen kann. Das Öl wird ihm also zur Denkhilfe. Er weiß aber, dass es in der Souveränität Gottes steht, ob er heilend eingreift oder nicht.</p>



<p>Die Ältesten haben dann noch<em> „über der Person zu beten“</em>, die sie mit Öl gesalbt haben, indem sie ihr die Hände auflegen.</p>



<p>Im Jakobusbrief wird darauf hingewiesen, dass <em>„dieses Gebet des Glaubens den Kranken retten wird“</em> (Jak 5,15a). Es ist wichtig, dass die Ältesten, während sie mit dem Kranken beten, Jesus, dem Sieger über Sünde, Krankheit und Tod zutrauen, dass er jetzt rettend und heilend eingreifen kann. Das Wort „retten“ betont, dass es Jesus selbst dann, wenn er im körperlichen Bereich eingreift, um eine ganzheitliche Hilfe geht. Im Geschehen der Heilung geht es zuerst und zuletzt um eine vertiefte Gottesbeziehung, deshalb wird sie im vorgegebenen Text auch mit der Vergebung der Sünden in Verbindung gebracht. Jesus will immer zuerst das innere Heilsein des Menschen. Deshalb sollte mit jedem, der mit Öl gesalbt wird, vorgängig ein seelsorgerliches Gespräch geführt werden, in welchem er aufgefordert wird, eventuelle Sünden in Reue Jesus zu bekennen und wenn nötig im zwischenmenschlichen Bereich zu bereinigen. Natürlich haben auch die Ältesten, die mit dem Kranken beten, verborgene Sünden in Reue Jesus zu bekennen und die Vergebung in Anspruch zu nehmen (1Joh 1,7). Ein durch das Blut Jesu gereinigtes Leben aller Beteiligten schafft dem Eingreifen Gottes freie Bahn.<sup data-fn="b564a272-882f-4310-8039-29e25f19dda6" class="fn"><a id="b564a272-882f-4310-8039-29e25f19dda6-link" href="#b564a272-882f-4310-8039-29e25f19dda6">25</a></sup></p>



<p>Außerdem wird gesagt, dass der Herr den Kranken „aufrichtet“. Dies kann bedeuten, dass Jesus den Kranken sofort heilt. Es kann aber auch sein, dass Gott im Krankheitsverlauf eine Wendung schenkt und ein Heilungsprozess einsetzt. Manchmal besteht dieses Aufrichten auch darin, dass Gott dem Kranken die Kraft und Geduld schenkt, die Krankheit ohne innere Auflehnung und ohne Groll zu ertragen, selbst wenn sie zum Tod führt. Paulus schreibt in diesem Zusammenhang: <em>„Deshalb ermatten wir nicht, sondern wenn auch unser äußerer Mensch aufgerieben wird, so wird doch der innere Tag für Tag erneuert. Denn das schnell vorübergehende Leichte unserer Bedrängnis bewirkt uns ein über die Maßen überreiches, ewiges Gewicht von Herrlichkeit“</em> (2Kor 4,16.17).<sup data-fn="ac33be47-4a1a-4e30-85e8-8188c85217bb" class="fn"><a id="ac33be47-4a1a-4e30-85e8-8188c85217bb-link" href="#ac33be47-4a1a-4e30-85e8-8188c85217bb">26</a></sup></p>



<h2 class="wp-block-heading">Medizinisches und seelsorgerliches Handeln</h2>



<p>Zunächst sind wir für die großen Fortschritte in der Schulmedizin sehr dankbar und nehmen sie in Krankheitssituationen gern in Anspruch. Ich denke hier vor allem an die enormen Fortschritte im diagnostischen Bereich, an die operativen Eingriffsmöglichkeiten und an die Qualitätssteigerung im therapeutischen Bereich durch Apparate und Medikamente. Doch hat die Medizin, trotz all ihrer Fortschritte, auch ihre Grenzen. Dazu kommt, dass sich die heutige Medizin sehr stark auf das Körperliche konzentriert. Gerade deshalb sollte die ärztliche Behandlung durch die seelsorgerliche Begleitung ergänzt werden. Bei allen medizinischen Bemühungen gilt es doch zu beachten, dass Gott dem Patienten ganzheitlich helfen möchte. Er möchte ihm äußerlich, aber auch innerlich helfen, indem er entweder zur Rettung durch den Glauben an Jesus findet oder als ein an Christus glaubender Mensch noch mehr ins Bild Gottes umgestaltet wird. Deshalb bedarf alle Bemühung um Heilung im Leben eines Menschen die ergänzende Botschaft der biblischen Heils- und Heiligungsverkündigung und die liebende, einfühlsame Begleitung durch die, welche diese Botschaft weitergeben. Der Arzt Daniel E. Fountain schreibt dazu:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Den Glauben an Christus und den ganzen Reichtum der medizinischen Wissenschaft zusammenbringen, eröffnet die Chance auf viele wunderbare Heilungen, die sonst womöglich nicht geschehen würden.“<sup data-fn="22697d3f-4279-4bdf-958c-f9fb790b7cd7" class="fn"><a id="22697d3f-4279-4bdf-958c-f9fb790b7cd7-link" href="#22697d3f-4279-4bdf-958c-f9fb790b7cd7">27</a></sup></p>
</blockquote>



<h2 class="wp-block-heading">Die Gemeinde Jesu als heilende Gemeinschaft</h2>



<p>Körperliche Schwachheiten und Krankheiten haben sehr oft ihren Grund in gestörten zwischenmenschlichen Beziehungen, sei es in großen Problemen in der Ehe, Familie oder am Arbeitsplatz. Der Genesungsprozess kann bei schwachen und kranken Menschen wesentlich unterstützt werden, wenn sich Menschen innerhalb der Gemeinde Jesu in Liebe diesen Personen zuwenden und sie rücksichtsvoll und mit viel Einfühlungsvermögen zu Jesus ihrem Retter führen oder ihren Glauben an Jesus stärken. Dies ist vor allem in Hauskreisen möglich.</p>



<p>Die Gemeindeglieder nehmen Anteil am Ergehen dieser Schwachen und Kranken (Gal 6,2) und beten mit ihnen und für sie. Dieses anteilnehmende und fürbittende Gebet um Genesung ist eine der mächtigsten heilenden Kräfte der Gemeinde Jesu (Jak 5,16). Da sich die Gemeindeglieder als Leib Jesu verstehen, in dem jedes Glied auf das andere angewiesen ist, gehört es zum Wesen der Gemeinde, dass sich die einzelnen Gemeindeglieder, aber auch der Verkündiger und die diakonischen Ehepaare um die Schwachen und Kranken kümmern, indem sie sie im Krankenhaus oder zu Hause besuchen, ihnen einfühlsam zuhören<sup data-fn="aa0eff04-a766-4051-8aa5-577437e43639" class="fn"><a id="aa0eff04-a766-4051-8aa5-577437e43639-link" href="#aa0eff04-a766-4051-8aa5-577437e43639">28</a></sup> und ihnen wenn nötig tatkräftig helfen, sei es im Haushalt, Garten, usw. Zudem begegnen sie ihnen mit Wertschätzung (1Thes 5,14). Wir lesen in 1. Korinther 12,26a: <em>„Und wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit.“</em> Die Gemeindeglieder, insbesondere die diakonischen Ehepaare, sind bereit, die leidenden und kranken Gemeindeglieder mit aufopfernder und selbstloser Liebe zu begleiten, unterstützt von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus dem diakonischen Team. Dies können sie darum, weil Jesus ihnen die Kraft dazu schenkt.</p>



<p><strong>Fussnoten</strong></p>


<ol class="wp-block-footnotes"><li id="32742906-0f34-48e2-a3a4-258868ed077d">Vreemann, W., Was hilft, was heilt? Ein Arzt beantwortet Fragen zur alternativen Medizin, Dillenburg 2005, 3.Aufl., S. 25. <a href="#32742906-0f34-48e2-a3a4-258868ed077d-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 1 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="793363e0-2576-4920-a8cc-2b5765380e13">Ouweneel, W.J., Heilt die Kranken! Über die biblische Lehre von Krankheit, Heilung und Befreiung, Lüdenscheid 2005, S. 191-193. <a href="#793363e0-2576-4920-a8cc-2b5765380e13-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 2 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="90752127-0025-4ede-b328-76c4115aba4c">Kotsch, M., Krankheit und Gesundheit in der Bibel, in: Bibel und Gemeinde, Zeitschrift des Bibelbundes, Berlin Nr. 3/2007, S. 13-14. <a href="#90752127-0025-4ede-b328-76c4115aba4c-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 3 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="0cfc615b-92a6-45e4-9d5a-f55ea3befb6d">Vreemann, W., Was hilft, was heilt?, S. 25. <a href="#0cfc615b-92a6-45e4-9d5a-f55ea3befb6d-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 4 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="c3509a9e-18d1-4241-a063-70a810fa65d9">Fountain, D.E., Die heilende Kraft Gottes. Krankheit, Heilung und der Faktor Glaube, Schwarzenfeld 2008, S. 99. <a href="#c3509a9e-18d1-4241-a063-70a810fa65d9-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 5 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="cdf95c82-ac5e-416e-a0c0-72573de7644f">Benkert, O., StressDepression. Die neue Volkskrankheit und was man dagegen tun kann, München 2005, S. 118-119. <a href="#cdf95c82-ac5e-416e-a0c0-72573de7644f-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 6 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="e65b5f2b-d608-40bb-815a-aa186e07b412">Beyerhaus, P., Er sandte sein Wort. Theologie der christlichen Mission, Bd. 1, Die Bibel in der Mission, Wuppertal; Bad Liebenzell 1996, S. 547. <a href="#e65b5f2b-d608-40bb-815a-aa186e07b412-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 7 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="c4d74a1f-26bc-49ff-a574-197a4fefddc5">Fountain, D.E., Die heilende Kraft Gottes, S. 35. <a href="#c4d74a1f-26bc-49ff-a574-197a4fefddc5-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 8 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="a00ed74d-491f-4ff7-ad65-d22c25778de2">Scheffbuch, R., Würdig und vorbereitet. Wie wir gut leben und sterben können, Basel; Gießen 2006, S. 86. <a href="#a00ed74d-491f-4ff7-ad65-d22c25778de2-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 9 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="2bf3dd78-d7bd-4462-bf3a-5e1b18542803">Fountain, D.E., Die heilende Kraft Gottes, S. 206-208. <a href="#2bf3dd78-d7bd-4462-bf3a-5e1b18542803-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 10 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="86948174-00a2-4e72-9826-0b62d03c000e">Beyerhaus, P., Er sandte sein Wort, S. 560. <a href="#86948174-00a2-4e72-9826-0b62d03c000e-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 11 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="08b3a5f5-6e6a-4f3a-be8f-20de640c7e41">Ballon, G., Seelsorge in der Gemeinde – Bibelarbeit über Jak 5,13-20, in: Seelsorge in der Gemeinde, hg. v. W. Haubeck; W. Heinrichs; M. Schröder, Witten 2004, S. 34. <a href="#08b3a5f5-6e6a-4f3a-be8f-20de640c7e41-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 12 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="0657d597-b5ee-4e7e-bcfc-1bb8fdb81606">Hari, D.; Naegeli, U.-H., Du bist Gottes Stellvertreter auf Erden, Schiers 2005, S. 15.37.<br>Ich bin der Ansicht, dass mit diesen größeren Werken gemeint ist, dass wir Menschen zur Rettung durch Christus hinführen können. Wenn nämlich ein Mensch diese Rettung annimmt, ist er eine neue Schöpfung. Er ist befähigt, ein neues, Gott wohlgefälliges Leben zu führen und wird, wenn der Herr Jesus wiederkommt, einen neuen, unsterblichen Leib erhalten, der keine Krankheiten, Schmerzen mehr kennt und auch nie mehr sterben wird. <a href="#0657d597-b5ee-4e7e-bcfc-1bb8fdb81606-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 13 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="87670383-5a43-4987-a60d-f35b511bf824">Ebd., S. 61. <a href="#87670383-5a43-4987-a60d-f35b511bf824-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 14 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="4af49b63-554c-4997-8e82-3313178600ce">Bittner, W.J., Heilung. Zeichen der Herrschaft Gottes, Schwarzenfeld 2007, S. 44. <a href="#4af49b63-554c-4997-8e82-3313178600ce-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 15 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="1808b025-7f7f-488e-8286-5408d619d634">Beyerhaus, P., Er sandte sein Wort, S. 560. 96 <a href="#1808b025-7f7f-488e-8286-5408d619d634-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 16 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="dea7c8c0-5a77-45cf-b493-5ac94f27ff89">Kropf, M., Alternative Heilmethoden. Ein ärztlicher Leitfaden aus biblischer Sicht, Karlsruhe 2008 5 , S. 188-200; Mauerhofer, M., Hilfe! Ich muss ins Krankenhaus. Ein Begleiter für diese Zeit, Lahr 1995, S. 33. <a href="#dea7c8c0-5a77-45cf-b493-5ac94f27ff89-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 17 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="5b1826d8-7ad5-415c-8865-2bcb623346c9">Klessmann, M., Seelsorge. Begleitung, Begegnung, Lebensdeutung im Horizont des christlichen Glaubens. Ein Lehrbuch, Neukirchen-Vluyn 2008, S. 357-358. <a href="#5b1826d8-7ad5-415c-8865-2bcb623346c9-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 18 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="e1837bc1-f438-4c9c-9629-27884be23ea0">Zit. nach Weise, M., Evangelisation im Gesundheitsdienst, in: Heil oder Heilung? Dienst an Kranken im 21. Jahrhundert, hg. v. W. Nestvogel; M. Weise, Oerlinghausen 2007, S. 34. <a href="#e1837bc1-f438-4c9c-9629-27884be23ea0-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 19 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="4c406498-0ac7-467f-8ebc-57f61accc97f">Laubach, F., Krankheit und Heilung in biblischer Sicht, Wuppertal 1976, S. 30-32. <a href="#4c406498-0ac7-467f-8ebc-57f61accc97f-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 20 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="00aa2971-8667-4be0-a976-ec0e842945d0">Vreemann, W., Was hilft, was heilt?, S. 261-262. <a href="#00aa2971-8667-4be0-a976-ec0e842945d0-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 21 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="cda58a1c-9b64-4716-93c1-504f6aed2676">Bittner, W.J., Heilung. Zeichen der Herrschaft Gottes, S. 139. <a href="#cda58a1c-9b64-4716-93c1-504f6aed2676-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 22 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="dcd4123a-167b-400f-b21c-fd0742fe6902">Großmann, S., Ich bitte Dich, dass Du mich heilst. Die Gabe der Krankenheilung im Neuen Testament und heute, Gießen; Basel 2007, S. 45. <a href="#dcd4123a-167b-400f-b21c-fd0742fe6902-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 23 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="42949bd2-cbae-402d-a0c3-696f2ea0062a">256 Ebd., S. 72-73. <a href="#42949bd2-cbae-402d-a0c3-696f2ea0062a-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 24 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="b564a272-882f-4310-8039-29e25f19dda6">Bittner, W.J., Heilung. Zeichen der Herrschaft Gottes, S. 57. <a href="#b564a272-882f-4310-8039-29e25f19dda6-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 25 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="ac33be47-4a1a-4e30-85e8-8188c85217bb">Mauerhofer, A., Gemeindebau nach biblischem Vorbild, Nürnberg; Hamburg 2010 2 , S. 88-89. <a href="#ac33be47-4a1a-4e30-85e8-8188c85217bb-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 26 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="22697d3f-4279-4bdf-958c-f9fb790b7cd7">Zit. nach Fountain, D.E., Die heilende Kraft Gottes, S. 245. <a href="#22697d3f-4279-4bdf-958c-f9fb790b7cd7-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 27 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="aa0eff04-a766-4051-8aa5-577437e43639">Vogel, N., Mit Krankheit leben, Lahr 2004 2 , S. 53. <a href="#aa0eff04-a766-4051-8aa5-577437e43639-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 28 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li></ol><p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://kfg.org/2025/seelsorge-an-kranken-eine-aufgabe-der-gemeinde/">Seelsorge an Kranken – eine Aufgabe der Gemeinde</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://kfg.org">KfG  -`✞´-  Konferenz für Gemeindegründung</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Werden Christen nicht mehr krank?</title>
		<link>https://kfg.org/2024/werden-christen-nicht-mehr-krank/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Gerrid Setzer]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 03 Oct 2024 21:03:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theologie]]></category>
		<category><![CDATA[Biblische Lehre / Theologie]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kfg.org/?p=18249</guid>

					<description><![CDATA[<p>Immer wieder hört man Stimmen, die behaupten, dass Christen nicht krank zu sein brauchen. Es wird gesagt: „Wenn ihr nur genug Glauben hättet, könntet ihr alle geheilt werden. Das ist das volle Evangelium. Niemand braucht zu leiden.“ Was ist davon zu halten? Sind Krankheiten ein Übel, das es auszuhalten gilt? Was für eine Bedeutung haben Krankheiten im Leben eines Gläubigen?</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>Diesen Artikel haben wir mit freundlicher Erlaubnis des Autors der Internetseite „www.bibelstudium.de“ entnommen. Die Redaktion</em></p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p>Immer wieder hört man Stimmen, die behaupten, dass Christen nicht krank zu sein brauchen. Es wird gesagt: „Wenn ihr nur genug Glauben hättet, könntet ihr alle geheilt werden. Das ist das volle Evangelium. Niemand braucht zu leiden.“</p>



<p>Was ist davon zu halten? Sind Krankheiten ein Übel, das es auszuhalten gilt? Was für eine Bedeutung haben Krankheiten im Leben eines Gläubigen?</p>



<p>Vor einigen Jahren sprach ich mit einem Glaubensbruder aus der charismatischen Bewegung<sup data-fn="be7f244b-5ab7-4694-be8b-92a187e1b11f" class="fn"><a id="be7f244b-5ab7-4694-be8b-92a187e1b11f-link" href="#be7f244b-5ab7-4694-be8b-92a187e1b11f">1</a></sup>, der sich als Ungläubiger mit HIV infiziert hatte. Er war davon überzeugt, dass die Krankheit bei ihm nicht ausbrechen würde. Er konnte sich nicht vorstellen, dass Gott ihn leiden lassen würde. Hatte der gute Gott ihm nicht Segen verheißen? – Aber was passiert, wenn die Krankheit eines Tages doch ihren Tribut fordert? Wird er an Gott verzweifeln, weil Er seine Verheißungen nicht wahrzumachen scheint? Oder wird er an sich selbst verzweifeln, weil er angeblich nicht genug an die Verheißungen Gottes geglaubt hat? Eine ernste Glaubenskrise und ein emotionaler Absturz wären dann geradezu vorprogrammiert.</p>



<p>Das macht deutlich, wie wichtig es ist, klar und ausgewogen über das Thema Krankheit und Heilung zu denken. Wir wollen uns deshalb einige Argumente ansehen, die gebraucht werden, um zu „beweisen“, dass Gläubige nicht krank zu sein brauchen und jederzeit mit Heilung rechnen können.</p>



<p><strong>Hat Gott Heilung versprochen?</strong></p>



<p>Im Kontext der charismatischen Bewegung wird gesagt: Die Bibel enthält großartige Verheißungen, dass wir geheilt werden können. Stellen wie 2. Mose 15,26 oder 2. Mose 23,25 reden eine deutliche Sprache. In 5. Mose 7,15 steht: <em>„Der Herr wird jede Krankheit von dir abwenden.“</em> Siehe ferner Psalm 103,3; Jesaja 29,18 sowie Jesaja 35,4.5. Und Markus 11,24 sagt doch, dass der im Glauben Bittende alles empfängt – sind darin Heilungen nicht eingeschlossen?</p>



<p>Wenn wir die Schrift richtig auslegen wollen, müssen wir darauf achten, an wen ihre Aussagen unmittelbar gerichtet sind. Es ist wichtig zu fragen: Geht es in dieser Stelle um Israeliten, die unter Gesetz sind, oder geht es um Christen, die nicht unter Gesetz stehen (Röm 6,14)? Das muss man unterscheiden. Paulus schreibt: <em>„Wir wissen aber, dass alles, was das Gesetz sagt, es zu denen redet, die unter Gesetz sind“</em> (Röm 3,19).</p>



<p>Die angeführten Stellen aus den Büchern Mose richten sich direkt an Israeliten. Sie würden nicht krank werden, wenn sie Gottes Geboten gehorchten. Diese alttestamentliche Verheißung, die für das irdische Volk Gottes galt, dürfen wir nicht einfach auf Christen übertragen, denen himmlische Segnungen gehören (Eph 1,3)!</p>



<p>Wer die Zusage der Heilung für sich in Anspruch nehmen will, müsste konsequenterweise alles, was das Gesetz sagt, auf sich beziehen<sup data-fn="5efb6150-7631-495d-8b7e-b8e54c690198" class="fn"><a id="5efb6150-7631-495d-8b7e-b8e54c690198-link" href="#5efb6150-7631-495d-8b7e-b8e54c690198">2</a></sup>2. Zum Beispiel die Anweisungen über die tierischen Schlachtopfer, die in den Büchern Mose einen breiten Raum einnehmen, oder auch die schrecklichen Flüche (5Mos 28,15 ff.). Man tut dem Wort Gottes Gewalt an, wenn man sich aus dem Gesetz das herauspickt, was einem gefällt, und es als für Christen verbindlich erklärt. Dass wir das Alte Testament als von Gottes Geist inspiriert erachten und wertvolle Belehrungen daraus schöpfen, ist klar (2Tim 3,16; Röm 15,4), aber das ist etwas anderes, als Christen unter das Gesetz stellen zu wollen.</p>



<p>Die angeführten Stellen aus den Psalmen und Propheten weisen auf das tausendjährige Friedensreich hin, wenn Gott sein Volk Israel von Krankheit und Gebrechen befreien wird. Die „Wunderwerke des zukünftigen Zeitalters“ (Hebr 6,5) werden sich unter ihnen entfalten, sodass Blinde sehend und auch andere wunderbare Dinge geschehen werden. Das hat aber nichts mit der gegenwärtigen Zeit zu tun, in der Gott sich aus allen Nationen ein Volk für seinen Namen sammelt, das darauf wartet, dem Herrn entgegengerückt zu werden.</p>



<p>Und die Worte aus Markus 11,24 sollen uns sicher nicht vermitteln, dass wir alles bekommen, was wir uns wünschen und in Worte des Gebets kleiden. Der Angelpunkt dieses Verses ist der Glaube. Der Glaube ist die geistliche Fähigkeit, Gottes Gedanken aufzunehmen. Wenn wir eine Verheißung für Heilung im Neuen Testament hätten, könnten wir sehr wohl freimütig und vertrauensvoll um Heilung bitten und würden erhört werden. Doch wir Christen haben keine Zusage, dass wir von allen Krankheiten befreit werden. Darum kann sich unser Glaube auch nicht darauf stützen.</p>



<p><strong>Hat Christus unsere Krankheiten am Kreuz getragen?</strong></p>



<p>Manchmal wird gesagt: Der Herr Jesus hat am Kreuz sowohl die Sünden der Gläubigen als auch ihre Krankheiten getragen. Wer an Jesus Christus und sein Werk glaubt, wird seine Krankheiten genauso wie seine Sünden los. Denn es steht geschrieben: <em>„Er [Jesus] hat unsere Leiden getragen, und unsere Schmerzen hat er auf sich geladen &#8230; doch um unserer Übertretungen willen war er verwundet, um unserer Ungerechtigkeiten willen zerschlagen. Die Strafe zu unserem Frieden lag auf ihm und durch seine Striemen ist uns Heilung geworden“</em> (Jes 53,4.5). </p>



<p>In diesen beiden Versen stehen das Tragen der Leiden und das Zerschlagenwerden um der Sünde willen in der Tat dicht beieinander. Doch das beweist nicht, dass beides am Kreuz auf Golgatha geschehen ist. Die Schrift lehrt etwas anderes. In Matthäus 8,16.17 lesen wir: <em>„Er [Jesus] trieb die Geister aus mit einem Wort, und er heilte alle Leidenden, damit erfüllt würde, was durch den Propheten geredet ist, der spricht: ‚Er selbst nahm unsere Schwachheiten und trug unsere Krankheiten.&#8217;“</em> Das macht klar: Der Herr Jesus trug die Krankheiten und Leiden der Menschen, als Er sie in seinem Dienst auf der Erde heilte. Er heilte nicht einfach, indem Er in göttlicher Majestät ein Wunder vollbrachte, sondern Er machte sich innerlich eins mit dem Kranken – Er trug die Krankheiten und Leiden der Menschen auf seinem Herzen. So erfüllte sich Jesaja 53,4! Unsere Sünden aber trug Er in den drei Stunden der Finsternis am Kreuz, als Er um unserer Übertretungen willen verwundet und um unserer Missetaten willen zerschlagen wurde.</p>



<p>Jesaja 53,4 spricht also von seinem Dienst in seinem Volk und Jesaja 53,5 von seinem Werk am Kreuz. Das wird dadurch unterstrichen, dass Petrus in 1. Petrus 2,24, als er von dem Sühnungswerk Christi spricht, sich nur auf Vers 5 aus Jesaja 53 bezieht und nicht auf Vers 4.</p>



<p>Zu vermerken ist noch, dass in Jesaja 53 der zukünftige jüdische Überrest spricht, der bewundernd und mit Buße auf den Dienst des Herrn Jesus unter seinem irdischen Volk zurückblicken wird. Es geht also in Jesaja 53 nicht direkt darum, dass der Herr die Krankheiten und Schmerzen von Christen getragen hat. Dennoch dürfen wir, wenn wir krank sind, natürlich mit dem besonderen Mitleid des Herrn rechnen. Er war zwar selbst nicht krank, hat aber Schmerzen gehabt und hat die Krankheiten der Menschen getragen, die Er geheilt hat, und Er weiß aus Erfahrung, was Leiden sind.</p>



<p>Halten wir fest: Christus hat unsere Sünden am Kreuz getragen. Wer an sein Werk glaubt, darf sich der Vergebung gewiss sein (Hebr 10,17.18). Christus hat aber nicht unsere Krankheiten am Kreuz getragen.</p>



<p><strong>Kommt jede Krankheit vom Teufel?</strong></p>



<p>Manche behaupten: Jede Krankheit kommt vom Teufel. Christus ist gekommen, um die Werke des Teufels zu vernichten (1Joh 3,8), darum muss kein Christ krank sein.</p>



<p>Diese Rechnung geht nicht auf. Denn erstens sagt 1. Johannes 3,8 nicht, dass die Werke des Teufels heute schon alle vernichtet sind. Das wird erst dann so sein, wenn es einen neuen Himmel und eine neue Erde gibt, in denen alles in Überstimmung mit Gott sein wird.</p>



<p>Zweitens können Krankheiten nicht einfach dem Teufel zugeschrieben werden, auch wenn es wahr ist, dass er im Garten Eden die Menschen zur Sünde verleitet hat und infolgedessen Schmerz, Tod und Krankheit in die Welt gekommen sind (1Mo 3). Der Grund dafür, dass es Krankheiten überhaupt gibt, liegt also in dem Sündenfall, der die gesamte Schöpfung in Mitleidenschaft gezogen hat (vgl. Röm 8,22.23).</p>



<p>Aber es ist dem Teufel nicht gegeben, die Menschen nach Belieben mit Krankheiten zu schlagen. Die Schrift zeigt nur wenige Fälle, wo der Teufel Menschen – und auch nur dann, wenn Gott es zuließ – krank gemacht hat. Wir denken an Hiob, der von Satan mit Geschwüren gepeinigt wurde (Hiob 2,4-7). Auch der dämonisch besessene Mann, der nicht hören und reden konnte, ist ein vergleichbarer Fall (Mk 9,25). Aber so etwas darf nicht verallgemeinert werden. Zacharias zum Beispiel konnte eine Zeit lang nicht sprechen, weil Gott ihn für seinen Unglauben züchtigte (Lk 1,20.64). </p>



<p>Viele Bibelstellen zeigen, dass Gott Krankheiten sendet: Er schlug die Ägypter mit Geschwüren (2Mo 9,9) und die Asdoditer mit Beulen (1Sam 5,6); Er ließ einen Sohn Davids todkrank werden (2Sam 12,15); Er sandte Joram eine schwere Krankheit der inneren Organe (2Chr 21,15) und strafte Ussija mit Aussatz (2Chr 26,20).</p>



<p>Wenn Gott Krankheiten sendet, wie kann man dann behaupten, jede Krankheit komme vom Teufel und kein Gläubiger brauche krank zu sein? Und selbst wenn bei einer Krankheit der Teufel seine Hand im Spiel hat (was wir aber in der Regel gar nicht wissen), lernen wir gerade bei Hiob, wie man sich in dieser Situation verhalten soll: Er nahm alles Leid aus Gottes Hand an und vertraute Ihm (vgl. Hiob 1,21; 2,10).</p>



<p><strong>Schickt der gute Gott böse Krankheiten?</strong></p>



<p>Es wird gesagt: Kinder Gottes brauchen nicht krank zu sein, weil der gute Gott ihnen nur Gutes gibt. Wir, die wir böse sind, geben unseren Kindern gute Gaben und halten Übel von ihnen fern (vgl. Mt 7,11). Sollte Gott etwa weniger gütig sein?</p>



<p>Das mag auf den ersten Blick plausibel klingen, ist aber ganz verkehrt. Wenn Gott auch <em>„nicht von Herzen Menschen plagt und betrübt“</em> (Klgl 3,33), so tut Er es manchmal doch. Eltern, die ihre Kinder erziehen, geben ihnen ja auch nicht alles, was die Kinder schön und angenehm finden. Gottes Handeln zielt nicht darauf ab, dass seine Kinder ein möglichst bequemes und einfaches Leben haben. Er hat mehr als ihr körperliches Wohlergehen im Auge (obwohl Er auch das oft schenkt).</p>



<p>Wir dürfen wissen: Gott will durch Krankheit viel Gutes in unserem Leben bewirken. Er will erreichen, dass wir</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>seinen Sohn mehr verherrlichen (Joh 11,4),</li>



<li>uns selbst und Ihn besser kennenlernen (Hiob 42,5.6),</li>



<li>mehr ausharren (Jak 1,2-4),</li>



<li>geheiligter leben (Hebr 12,4-17),</li>



<li>abhängiger vom Herrn werden (2Kor 12,710),</li>



<li>uns im Glauben bewähren (1Pet 1,6.7),</li>



<li>unsere Hoffnung auf Ihn richten (Röm 5,1-5),</li>



<li>Buße tun und somit nicht mit der Welt verurteilt werden (1Kor 11,29-32),</li>



<li>fähig werden, andere zu trösten (2Kor 1,3-4),</li>



<li>uns mit ewigen Dingen beschäftigen (vgl. 2Kor 4,17).</li>
</ul>



<p><strong>Christen können krank sein</strong></p>



<p>Natürlich werden Christen krank. Das kann man an sich selbst und um sich her erleben. Das ist so, weil unser Körper – im Gegensatz zu unserem inneren Menschen – noch nicht erlöst ist (Röm 3,24; 8,23). Die Erlösung des Leibes wird geschehen, wenn der Herr Jesus wiederkommen wird, <em>„der unseren Leib der Niedrigkeit umgestalten wird zur Gleichförmigkeit mit seinem Leib der Herrlichkeit“</em> (Phil 3,21). Dann werden wir nicht mehr einen schwachen, natürlichen Leib haben, sondern einen geistigen Leib, der von Krankheit und Tod nicht angetastet werden kann (1Kor 15,43.53-54).</p>



<p>Jetzt aber „seufzen“ wir noch in der „Hütte des Leibes“, die zerfällt und schließlich zerstört wird (2Kor 5,1-4). Krankheiten, Alterserscheinungen und Tod betreffen jeden Menschen auf dieser Erde. Christen bilden keine Ausnahme. Sie altern, sie sterben – und sie werden auch krank. Und das nicht deshalb, weil sie nicht genug Glauben haben, sondern weil ihr Körper noch nicht erlöst, sondern Teil der gefallenen Schöpfung ist.</p>



<p>Die Schrift spricht von vielen Gläubigen, die krank waren, ohne dass Gottes Wort ihnen irgendwie konkrete Sünden oder mangelnden Glauben anlasten würde. Hier einige Beispiele:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Paulus (2Kor 12,7.8)</li>



<li>Epaphroditus (Phil 2,27)</li>



<li>Trophimus (2Tim 4,20)</li>



<li>Timotheus (1Tim 5,23)</li>



<li>Dorkas (Apg 9,37)</li>



<li>Lazarus (Joh 11,1-3)</li>
</ul>



<p>Auch heute gibt es viele treue Gläubige, die krank sind. Manche plagen sich ein Leben lang mit bestimmten Gebrechen. Andere werden nach einer gewissen Zeit wieder gesund, manchmal vielleicht sogar auf eine besondere Art und Weise, durch ein Wunder Gottes. Doch die Erfahrung bestätigt, dass Christen nicht damit rechnen können, dass sie immer gesund bleiben oder wieder geheilt werden.</p>



<p><strong>Was tun bei Krankheit?</strong></p>



<p>Was machen Christen, wenn sie krank sind? Sie suchen die Nähe Gottes und vertrauen darauf, dass ihnen <em>„alle Dinge zum Guten mitwirken“</em> (Röm 8,28). Sie scheuen sich nicht, um Genesung zu beten, aber sie tun es im Bewusstsein, dass nicht ihr Wille, sondern der Wille Gottes geschehen soll. Ärztliche Hilfe und Medizin nehmen sie dankbar in Anspruch (vgl. Mt 9,12; Kol 4,14). In biblischen Zeiten leisteten Balsam (Jer 46,11), Feigenkuchen (Jes 38,21), Öl (Lk 10,34; Jak 5,14) und Wein (1Tim 5,23) gute Dienste; heute gibt es andere Medikamente und Heilverfahren, zu denen Ärzte raten. Wenn wir auch diesen Rat befolgen, so setzen wir unser Vertrauen doch nicht auf Menschen, wie Asa es getan hatte (2Chr 16,12). Wir möchten vielmehr Gott vertrauen, der die Bemühungen der Ärzte segnen muss, wenn wir gesund werden sollen. Was auch geschieht: Wir möchten uns in jeder Situation an der Gnade des Herrn genügen lassen (2Kor 12,9).</p>



<p></p>



<p><strong>Fußnoten</strong></p>


<ol class="wp-block-footnotes"><li id="be7f244b-5ab7-4694-be8b-92a187e1b11f">Vor ungefähr 60 Jahren entstand die charismatische Bewegung, als das Gedankengut der Pfingstkirchen in viele christliche Kreise hineingetragen wurde. In dieser Bewegung spielen zwei Gnadengaben (griech. charisma) eine große Rolle: das Reden in Sprachen und die Wunderheilungen. <a href="#be7f244b-5ab7-4694-be8b-92a187e1b11f-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 1 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="5efb6150-7631-495d-8b7e-b8e54c690198">Auch wenn Israel Heilung versprochen war, so werden in 2000 Jahre ihrer Geschichte nicht einmal zwei Dutzend konkrete Krankenheilungen berichtet. Der Herr Jesus sagt ausdrücklich, dass es viele Aussätzige zur Zeit Elisas (!) gab, aber dass nur Naaman der Syrer geheilt wurde (Lk 4). Und Elisa selbst, der viele Wunder gewirkt hat, ist selbst krank geworden und gestorben. <a href="#5efb6150-7631-495d-8b7e-b8e54c690198-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 2 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li></ol><p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://kfg.org/2024/werden-christen-nicht-mehr-krank/">Werden Christen nicht mehr krank?</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://kfg.org">KfG  -`✞´-  Konferenz für Gemeindegründung</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Zweifacher Kummer (Psalm 6)</title>
		<link>https://kfg.org/2024/zweifacher-kummer-psalm-6/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[William MacDonald]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Sep 2024 21:34:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theologie]]></category>
		<category><![CDATA[Praktisches Christenleben]]></category>
		<category><![CDATA[Seelsorge]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es war schlimm genug, mit einer ernsten Krankheit gemartert zu sein; aber Davids Leid traf zusammen mit dem quälenden Druck durch seine Widersacher. Vielleicht waren sie über seinen hoffnungslosen Zustand entzückt.</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://kfg.org/2024/zweifacher-kummer-psalm-6/">Zweifacher Kummer (Psalm 6)</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://kfg.org">KfG  -`✞´-  Konferenz für Gemeindegründung</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Diese Ausführungen haben wir mit freundlicher Genehmigung des CLV-Verlages dem „Kommentar zum Alten Testament“ von William MacDonald entnommen (Bielefeld, 2. Aufl. 2010, S. 544-545). Die Redaktion.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p>Es war schlimm genug, mit einer ernsten Krankheit gemartert zu sein; aber Davids Leid traf zusammen mit dem quälenden Druck durch seine Widersacher. Vielleicht waren sie über seinen hoffnungslosen Zustand entzückt.</p>



<p>6,1-2 David sah in seiner Krankheit einen Schlag, den Gott ihm zugefügt hatte wegen irgendeiner Sünde. Wir machen das gewöhnlich selbst auch so. Oft ist dies der erste Gedanke, der uns in den Sinn kommt. Und diese Diagnose ist manchmal zutreffend: Einige Krankheiten werden tatsächlich durch Sünden hervorgerufen, die wir nicht vor Gott bekannt haben (1Kor 11,30). Aber dies ist keineswegs immer der Fall. Gott lässt manchmal Krankheiten zu als Ausgangspunkt, um seine Kraft und Herrlichkeit zu zeigen (Joh 9,3; 11,4), oder als Mittel, um geistliche Frucht hervorzubringen (Röm 5,3), oder als natürliches Ergebnis von Überarbeitung (Phil 2,30) oder wegen hohen Alters (Pred 12,3-6). Wenn uns Krankheit trifft, sollten wir als Erstes sicherstellen, dass wir keine Sünden in unserem Leben haben, die wir nicht vor Gott bekannt haben. Dann sollten wir Gott bitten, seine Absichten mit der Krankheit auszuführen und uns zu heilen. Danach ist es richtig, den Arzt aufzusuchen und Arzneien zu verwenden. Doch müssen wir aufpassen, dass wir unser Vertrauen auf den Herrn setzen und nicht auf die Mittel, die er benutzt (2Chr 16,12). Alle Heilung kommt von Gott, ob sie in Form eines Wunders geschieht oder auf gewöhnliche Weise. Wenn er es in einem bestimmten Fall vorzieht, nicht zu heilen, wird er Gnade zum Leiden oder zum Sterben geben. Gewöhnlich bekommen wir die Gnade zum Sterben nicht bevor wir sie nötig haben.</p>



<p>6,3-4 Der Psalmist hat wortgewaltig und mit deutlichen Ausdrücken um Heilung gefleht. Er schwand dahin. Seine Gebeine schmerzten ihm unablässig. Selbst sein gesamtes Innenleben – seine Gefühle, sein Verstand und sein Wille – war betroffen. Aber es schien, als zögere der HERR zu antworten. Bis wann würde es dauern, bis er den Leidenden in Gnade heilt?</p>



<p>6,5 David bittet den HERRN, von einer Haltung scheinbarer Gleichgültigkeit umzukehren und seine Seele von Krankheit und Tod zu retten. Er beruft sich wegen der Befreiung von seinem Elend einzig auf die unerschütterliche Gnade des HERRN. </p>



<p>6,6 Dann folgt eine ungewöhnliche Begründung dafür, dass Gott ihn heilen sollte: Wenn David nämlich sterben sollte, so hätte Gott nichts davon. Solange David lebt, kann er sich an den Herrn erinnern und ihn preisen. Doch wenn er stirbt, wäre Gott vergessen. Der Körper ohne Geist könnte ihm nicht danken. Dieses Argument hat eine gewisse Stichhaltigkeit, sofern es den Leib betrifft; denn der Leichnam ist ohne Gedächtnis und ohne die Fähigkeit zum Loben. Was aber den Geist und die Seele angeht, spiegelt dieses Argument die begrenzte Erkenntnis wider, die die Heiligen des Alten Testaments über das Leben nach dem Tod besaßen. Dank der volleren Offenbarung, die Christus brachte, wissen wir jetzt, dass ein Gläubiger, wenn er stirbt, seinen irdischen Leib verlässt, um bei Christus zu sein, was auch viel besser ist (Phil 1,23). Er ist aus dem Leib ausgewandert und daheim beim Herrn (2Kor 5,8).</p>



<p>So gelangt der Gläubige nicht in einen Schwebezustand oder Seelenschlaf, sondern ist bewusst in der Gegenwart des Herrn und bringt ihm Preis und Anbetung dar. Zu Davids Gunsten muss gesagt werden, dass er wunderbaren Gebrauch von dem Licht machte, das er besaß, indem er es in das Gefüge seines Gebets einwob. Machten unsere Gebete genauso guten Gebrauch von dem höheren Licht, das wir haben, welche Vorbilder für Lob und Bitte wären sie!</p>



<p>6,7-8 Durch die Beschreibung des Elends des Psalmisten erhalten wir eine kleine Vorstellung von seinem Zustand. Er war von Gram und Seufzen völlig zermürbt. Die ganze Nacht schwemmte er sein Kissen wegen seines Weinens und benetzte sein Bett mit seinen Tränen. Seine Augen waren eingesunken wegen seines tiefen Kummers; sein Augenlicht schwand dahin wegen der Gewalttaten aller seiner Feinde. Es schien, als sei sein Leben bis zum Überlaufen mit Sorgen erfüllt, sodass er es nicht mehr ertragen konnte.</p>



<p>6,9-11 Aber das Gebet verändert die Dinge. Durch die verborgene, geheimnisvolle Mitteilung des Heiligen Geistes erlangte er die Sicherheit, dass der HERR die Stimme seines Weinens gehört und auf sein Gebet geantwortet hatte. Gestärkt durch diese Zusicherung, befiehlt er seinen Feinden, zu weichen. Er lässt sich nicht mehr durch ihr Drohen einschüchtern, denn er begreift: Sie werden sich plötzlich zurückziehen, besiegt und zuschanden werden, wenn der Herr aufsteht, um sie zu bestrafen.</p>
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]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Aspekte biblischer Anthropologie für eine bibelorientierte Seelsorge</title>
		<link>https://kfg.org/2024/aspekte-biblischer-anthropologie-fuer-eine-bibelorientierte-seelsorge/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Klaus Giebel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Apr 2024 14:05:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theologie]]></category>
		<category><![CDATA[Seelsorge]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kfg.org/?p=18161</guid>

					<description><![CDATA[<p>Der Mensch – geschaffen, gefallen<br />
und wieder hergestellt. Wir können<br />
nicht über seelische und psychische<br />
Herausforderungen der Menschen nachdenken, ohne Gottes Wort grundlegend einzubeziehen. Es geht im Wesentlichen immer wieder um die Wiederherstellung der Beziehung zwischen Gott und Mensch.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-pullquote"><blockquote><p>Der Mensch – geschaffen, gefallen und wieder hergestellt</p></blockquote></figure>



<h2 class="wp-block-heading">1. Gottes Schöpfung – der Mensch im Urzustand</h2>



<p>Der Mensch ist Geschöpf Gottes. Aber nicht nur die Tatsache, dass der Mensch geschaffen wurde, sondern auch das Wie und Wozu geben Aufschluss darüber, wer der Mensch ist. An dieser Stelle können wir natürlich nur einige Aspekte andeuten. Nach 1. Mose 1,26-27 und 1. Mose 2,7 lässt sich sagen, dass der Mensch sowohl von seinem Ursprung her als auch bezüglich der Zielsetzung zum Bild Gottes geschaffen wurde. Mit Ausführungen über seine materielle und geistige Beschaffenheit wird ihm auch eine Zweckbestimmung gegeben: er wird zum Botschafter Gottes auf Erden. Gegenüber der übrigen Schöpfung repräsentiert er den lebendigen Schöpfer, er ist der „König der Erde“ (Erich Sauer).</p>



<p>Die Frage, die Theologen stets beschäftigt hat, ist, worin diese „Ebenbildlichkeit“ (oder einfach, wie manche Theologen es vorziehen, die „Bildlichkeit“) besteht. Die Bedeutung <em>zäläm (lat. imago, griech. eikon)</em> ist primär Bild, Abbild, Abbildung. Das andere Wort, <em>demuth (lat. similitudo, griech. homoiosis)</em>, bedeutet Gleichung, Gestalt, Nachbildung, Ähnlichkeit.<sup data-fn="59dc6e96-6e0b-442d-b008-9eb6018855c3" class="fn"><a id="59dc6e96-6e0b-442d-b008-9eb6018855c3-link" href="#59dc6e96-6e0b-442d-b008-9eb6018855c3">1</a></sup></p>



<p>Der Versuch einiger griechischer und lateinischer Kirchenväter, in ersterem den körperlichen Bereich („Abbild“, konkrete Ähnlichkeit) und in letzterem Begriff (abstrakte Ähnlichkeit) mehr den sittlichen Aspekt der Gottebenbildlichkeit zu sehen, ist aus der Begriffsbildung heraus nicht gerechtfertigt.<sup data-fn="a43064c0-195c-444b-9bd5-9f94a66a1f5e" class="fn"><a id="a43064c0-195c-444b-9bd5-9f94a66a1f5e-link" href="#a43064c0-195c-444b-9bd5-9f94a66a1f5e">2</a></sup> Die beiden Begriffe verstärken sich und heben hervor, dass der Mensch als Bild, als Gleichnis für Gott, geschaffen wurde. Damit sind die Parameter für die grundlegende Wesensbestimmung des Menschen gelegt: Der Mensch widerspiegelt innerhalb der Schöpfung das Wesen Gottes, ohne dabei mit Gott identisch zu sein. Er ist geprägt von der Abhängigkeit gegenüber seinem Schöpfer. Gott schuf sich also ein Gegenüber, zu dem er reden konnte, das ihn verstand und seine Pläne und Absichten in besonders hervorragender Weise vertreten konnte. Wenn der Mensch sich von Gott anreden lassen kann, dann liegt darin seine Würde und Bedeutung.</p>



<p>Alle Modelle, die den Menschen partikular betrachten („Triebwesen“, „animal rationale“ etc&#8230;) verkennen die Bedeutung dieser Dimension des Menschen, der ein von Gott zu Erreichender ist. Letztlich will sich Gott immer beim Menschen Gehör verschaffen. Der am Wort Gottes ausgerichtete Seelsorger, wird dies zu keinem Zeitpunkt der Beziehung zu einer ratsuchenden Person außer Acht lassen. Auch nach dem Sündenfall bleibt der Mensch formal ein im Bild Gottes Geschaffener.<sup data-fn="0e1b9e55-f4ba-4f8d-b083-dbcf427ccfc3" class="fn"><a id="0e1b9e55-f4ba-4f8d-b083-dbcf427ccfc3-link" href="#0e1b9e55-f4ba-4f8d-b083-dbcf427ccfc3">3</a></sup></p>



<p>Ein anderer Gesichtspunkt, der sich aus den Aussagen des Schöpfungsberichts ergibt, ist die wesensmäßige Einheit des Menschen. Der Mensch wurde eine lebende Seele <em>(hebr. näphäsch chajah)</em>, was bedeutet, dass es nicht Gottes Absicht war, einem unsichtbaren Teil des Menschen eine sichtbare Hülle zu geben, sondern dass der sichtbare und der verborgene Mensch aufs Engste zusammengehören. Zur Gottesebenbildlichkeit gehören eine geistige Dimension sowie der Leib.<sup data-fn="e36a5409-2bfc-4969-aafc-3ee9bc945734" class="fn"><a id="e36a5409-2bfc-4969-aafc-3ee9bc945734-link" href="#e36a5409-2bfc-4969-aafc-3ee9bc945734">4</a></sup> Dies geht auch aus anderen Zusammenhängen hervor. Wer den Leib tötet, vergreift sich am „Bild Gottes“ – ebenso, wer den Menschen mit Worten verletzt.<sup data-fn="e97c2732-778b-4a07-95a2-f261b1f31cfa" class="fn"><a id="e97c2732-778b-4a07-95a2-f261b1f31cfa-link" href="#e97c2732-778b-4a07-95a2-f261b1f31cfa">5</a></sup> Sowohl seine moralische, also auch seine geistigen Fähigkeiten sowie sein Ichbewusstsein, die Fähigkeit zur Kommunikation mit sich, mit anderen, all das macht die Einzigartigkeit des Menschen aus. Die Kommunikationsfähigkeit scheint nach dem biblischen Zeugnis eine besonders herausragende Eigenschaft zu sein, die den Menschen als das Gegenüber Gottes auszeichnet, und zwar auf unterschiedlichen Ebenen.<sup data-fn="842b3f28-2ee4-4ddd-ad22-e5b51fe6716a" class="fn"><a id="842b3f28-2ee4-4ddd-ad22-e5b51fe6716a-link" href="#842b3f28-2ee4-4ddd-ad22-e5b51fe6716a">6</a></sup></p>



<p>Ein weiterer Aspekt dieser schöpfungsmäßigen Dimension ist, dass der Mensch dazu berufen ist, seinem Schöpfer Liebe, Ehre, Dank und Anbetung zu erweisen (Röm 1,18-23). Wenn der Mensch nicht mehr auf den Schöpfer bezogen denkt, dann wird es sich ein anderes „Gegenüber“ suchen, d.h. der Mensch wird zum Götzendiener.<sup data-fn="5e6af464-daf7-41db-a589-a0eb501be92b" class="fn"><a id="5e6af464-daf7-41db-a589-a0eb501be92b-link" href="#5e6af464-daf7-41db-a589-a0eb501be92b">7</a></sup> Diese Glaubensdimension des Menschen kann nicht fein säuberlich von anderen Bereichen seines Lebens getrennt werden. Nicht erst wenn der Mensch selbst von seiner Religion spricht oder spezifisch religiös handelt ist er religiös. Alle Ebenen seiner Werte, Überzeugungen, sein Fragen nach Sinn und Bedeutung sind letztlich ein Ausdruck seiner Religiosität. Er kann seine Herkunft nicht wirklich leugnen, nur verzerren und den Schöpfer durch ein horizontalisiertes, anthropozentrisches, säkulares Denken entehren. Es gibt aber keine wirklich neutralen Bereiche, die nicht „religiös“ besetzt werden müssen. Das hat zur Folge, dass alle Denk-, Gefühls- und Willensvorgaben eines Menschen auch einer ethisch-glaubensmäßigen Dimension unterworfen werden. Der Mensch darf und soll sich immer auch seinem Schöpfer gegenüber verantwortlich wissen. Er soll sich seiner religiösen Vorurteile und Prägungen bewusst werden und unter das Wort des lebendigen Gottes kommen, so dass er seine Identität begreifen kann.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Fazit</h3>



<p>Der von Gott geschaffene Mensch ist nicht abstrakt, d. h. ohne diesen Bezug zu erklären. Wenn der biblische Offenbarungsrahmen ernst genommen wird, dann zeigt das den Menschen als eine Einheit. Die Arbeit an einer biblisch ausgerichteten Psychologie wird sich deshalb immer diesem „Ganzheitlichkeitsmodell“ des Menschen verpflichtet wissen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">2. Der gefallene Mensch</h2>



<p>Die zweite grundlegende Dimension des Menschen ist sein gefallener Zustand. Seine grundlegende Verantwortlichkeit wird dadurch unterstrichen, dass Gott ihn nach seinem Abfall persönlich sucht und zur Rechenschaft zieht. Gott spricht zum Menschen, als dieser sich vor ihm verbirgt („&#8230;wo bist du?“<sup data-fn="2af7fc7d-8580-4950-a0d1-c7d0162095c0" class="fn"><a id="2af7fc7d-8580-4950-a0d1-c7d0162095c0-link" href="#2af7fc7d-8580-4950-a0d1-c7d0162095c0">8</a></sup>). „Wenn wir Christen &#8230; von der Sünde sprechen, dann nehmen wir den Menschen in seiner Würde und Verantwortlichkeit als ein zurechnungsfähiges Gegenüber Gottes ernst.“<sup data-fn="fb24536b-09e6-4233-9a49-8ff5ace4af92" class="fn"><a id="fb24536b-09e6-4233-9a49-8ff5ace4af92-link" href="#fb24536b-09e6-4233-9a49-8ff5ace4af92">9</a></sup></p>



<p>Das Wesen des Menschen wurde auf mehrfache Art betroffen:</p>



<p>1) Im Bericht vom Abfall des Menschen<sup data-fn="12c83532-6e3b-464d-a3da-c990974d49ce" class="fn"><a id="12c83532-6e3b-464d-a3da-c990974d49ce-link" href="#12c83532-6e3b-464d-a3da-c990974d49ce">10</a></sup> von Gott greift der Mensch ach der Frucht des Baumes der „Erkenntnis des Guten und Bösen“. Dieser Griff wird mit dem Anspruch verbunden, „sein zu wollen wie Gott“. Die Erkenntnis, um die es geht, ist prinzipiell ethisch<sup data-fn="79220af4-dc71-4e13-8c14-56942e52d277" class="fn"><a id="79220af4-dc71-4e13-8c14-56942e52d277-link" href="#79220af4-dc71-4e13-8c14-56942e52d277">11</a></sup> , d.h., der Mensch macht eine konkrete Erfahrung mit dem Bösen; er übertritt faktisch ein göttliches Gebot, widerspricht also aktiv dem Willen Gottes. Die damit verbundene Aussicht, die die Schlange gibt, „ihr werdet sein wie Gott“, wird zum Leitmotiv des autonomen Menschen. Ihm wird darin suggeriert, er könne Gott als Gegenüber umgehen und sich autonom bewegen. Tatsächlich ändert sich die Gottesbeziehung mit dieser Handlung: der Mensch erfährt eine Autonomie, die aber leidvoll als tödliche Trennung von seinem Schöpfer erfahren wird.<sup data-fn="c3574293-f171-4e27-b9fd-4bfda16f3e23" class="fn"><a id="c3574293-f171-4e27-b9fd-4bfda16f3e23-link" href="#c3574293-f171-4e27-b9fd-4bfda16f3e23">12</a></sup> Letztlich stehen alle philosophischen und geistigen Ansprüche des Menschen, außerhalb der Gottesbeziehung Lösungen zu suchen, im Dienste dieser ursprünglichen Autonomiebewegung. Sie enthalten aber auch gleichzeitig die Aussage, dass der Zugang zum wahren Leben versperrt ist. Es kann kein vom Menschen erdachtes oder erschaffenes Paradies geben!</p>



<p>2) Sünde wird biblisch als Gesetzlosigkeit beschrieben.<sup data-fn="5c2e6f7d-5b8d-425b-936a-e87789f93eec" class="fn"><a id="5c2e6f7d-5b8d-425b-936a-e87789f93eec-link" href="#5c2e6f7d-5b8d-425b-936a-e87789f93eec">13</a></sup> Das Gesetz als Ausdruck des Willens Gottes sowie seines Charakters, seiner Überzeugungen, ist für den Menschen, der in seinem Bild geschaffen ist, immer gut und richtig. Die Bibel vertritt deshalb keine Situationsethik; es gibt lediglich situative Anpassungen, die einem pädagogischen Handeln Gottes entsprechen, aber keine Normverletzungen zum Maßstab machen.<sup data-fn="8fa759fc-ec2c-41ee-bad9-008201e97cb3" class="fn"><a id="8fa759fc-ec2c-41ee-bad9-008201e97cb3-link" href="#8fa759fc-ec2c-41ee-bad9-008201e97cb3">14</a></sup> Sünde ist mangelnde Übereinstimmung mit dem guten Willen Gottes. Der Mensch ist ein Gesetzesübertreter. Deshalb dürfen die ethischen Aspekte aller Arten von Problemlösungen nicht ausgeklammert werden.</p>



<p>3) Die Folgen der Sünde führen für alle Nachkommen Adams zu einer neuen Seinsbestimmung.<sup data-fn="471a783b-c8d2-41c8-b55c-cefc8635a20d" class="fn"><a id="471a783b-c8d2-41c8-b55c-cefc8635a20d-link" href="#471a783b-c8d2-41c8-b55c-cefc8635a20d">15</a></sup> Er lebt in einem „Sein zum Tode“. Der Mensch als solcher ist schuldig und ererbt eine sündige Natur, die ihn nicht mehr fähig macht, nicht zu sündigen („non posse non peccare“)<sup data-fn="d29118bb-98cf-4d42-83a8-45077aaf424a" class="fn"><a id="d29118bb-98cf-4d42-83a8-45077aaf424a-link" href="#d29118bb-98cf-4d42-83a8-45077aaf424a">16</a></sup>. Die Sünden, die der Mensch begeht, betreffen nicht nur seine Beziehung zu Gott (genauso wenig wie nur sein Geist etwas mit seiner Beziehung zu Gott zu tun hat), sondern auch alle anderen Beziehungsebenen (zu den Mitmenschen, zur Schöpfung, zu sich selbst, zu seiner Geschlechtlichkeit).</p>



<p>Daraus ergibt sich unter anderem: Die Sünde, in der der Mensch gefangen ist, ist nicht wirklich nur ein angelerntes Fehlverhalten, das durch Lernprozesse wieder rückgängig gemacht werden kann.<sup data-fn="1f35dd46-0de5-4ce9-a760-a7e79afd199f" class="fn"><a id="1f35dd46-0de5-4ce9-a760-a7e79afd199f-link" href="#1f35dd46-0de5-4ce9-a760-a7e79afd199f">17</a></sup> Unterschiedliche Dimensionen von Fehlverhalten, Denkfehlern, Willens­problemen und Gefühlskonflikten lassen sich im Wesentlichen durch die vielfältigen Schattierungen und graduellen Erweiterungsmöglichkeiten dieses „Seins zum Tode“ erklären. Es gibt durchaus ein Mehr oder ein Weniger an Sünde auf der horizontalen Ebene. Kain steigerte den Abfall von Gott, indem er seinen Bruder umbrachte.<sup data-fn="b97ee1b9-b03a-42c6-b19b-85e078d708f1" class="fn"><a id="b97ee1b9-b03a-42c6-b19b-85e078d708f1-link" href="#b97ee1b9-b03a-42c6-b19b-85e078d708f1">18</a></sup></p>



<h3 class="wp-block-heading">Fazit</h3>



<p>Mit dem Sündenfall ging nicht die Gottesebenbildlichkeit des Menschen an sich verloren. Das bedeutet, dass der an den Menschen gerichtete Anspruch, dieses Bild Gottes widerzuspiegeln, nicht aufgehört hat; der Mensch wurde kein Tier, er blieb Mensch in seiner Wesensbestimmung! Gleichzeitig ist aber nichts übrig im Menschen, was noch als heil oder ganz gesehen werden kann. Der Mensch als Ganzes ist ein Sünder, ein Feind Gottes, der sich nicht unter Gottes Ordnung stellen will.<sup data-fn="a1af2efc-dad6-463b-bba0-e1137f488caf" class="fn"><a id="a1af2efc-dad6-463b-bba0-e1137f488caf-link" href="#a1af2efc-dad6-463b-bba0-e1137f488caf">19</a></sup> Jeder Anspruch, sich und die Welt ohne Anerkennung des Schöpfers heilen zu wollen, ist ein Versuch, diesem Dilemma zu entkommen. Aber der Mensch verlor die vitale Beziehung zu seinem Schöpfer und damit auch das Recht, sein Repräsentant auf Erden zu sein. Gott selber nahm aber den Schöpfungsakt nicht zurück, sondern hielt an dieser Vorgabe fest, den Menschen zu seinem Verwalter auf Erden zu machen. Er stellte den Menschen aber unter die Vorschatten des Gerichts. D.h., er ließ auch den gefallenen Menschen unter neuen Bedingungen in dieser Verantwortung. Die Nachkommen Adams widerspiegelten dieses gebrochene Bild; sie waren im Bild Adams als des gefallenen Menschen.<sup data-fn="499ec43c-7761-4fa1-bfae-69d3abfcca28" class="fn"><a id="499ec43c-7761-4fa1-bfae-69d3abfcca28-link" href="#499ec43c-7761-4fa1-bfae-69d3abfcca28">20</a></sup> Der dreifache Tod des Menschen (geistlich, Beginn des physischen Todes und ewig)<sup data-fn="5bb68f22-0100-44df-8d69-1146b2fba38b" class="fn"><a id="5bb68f22-0100-44df-8d69-1146b2fba38b-link" href="#5bb68f22-0100-44df-8d69-1146b2fba38b">21</a></sup> zeigt, dass der Mensch unter dem Gericht Gottes lebt. Gott traf einige Maßnahmen, die dem Menschen helfen sollen, sich dieser Situation bewusst zu werden und dadurch daran erinnert zu werden, dass er nicht in einer idealen Welt, sondern einer Welt, die diesem Unheilszustand Rechnung trägt, leben muss. Aus dieser Situation der Unvollkommenheit, die nicht mit dem ursprünglichen Willen Gottes übereinstimmt, ergeben sich viele Ansätze um den Auftrag, hier und heute Hilfe für den ganzen Menschen zu bieten, richtig einzuordnen. Zentral bleibt festzuhalten, dass der Mensch sich selbst nicht wirklich helfen kann. Unordnung und Leiden, Todesverfallenheit und damit verbundene Krankheit, sind immer auch ein Ruf, zu dem Ursprung und Schöpfer aller Dinge zurück zu kehren. Dieser Ruf darf nicht durch säkularisierte Heilungsversprechen oder anthropozentrierte Ersatzmaßnahmen außer Kraft gesetzt werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">3. Der neue Mensch</h2>



<p>Auch die Heilsabsicht Gottes zielt auf den ganzen Menschen. <sup data-fn="da4ed046-68c6-4e18-9e5b-ab21930b2b93" class="fn"><a id="da4ed046-68c6-4e18-9e5b-ab21930b2b93-link" href="#da4ed046-68c6-4e18-9e5b-ab21930b2b93">22</a></sup> Als Jesus dokumentierte, dass das messianische Zeitalter mit seinem Kommen angebrochen war, zeigte er dies durch das Heilen und Befreien der Menschen in einem umfassenden Sinn<sup data-fn="34de1e74-dca0-44fc-82f8-13f206511510" class="fn"><a id="34de1e74-dca0-44fc-82f8-13f206511510-link" href="#34de1e74-dca0-44fc-82f8-13f206511510">23</a></sup> und bewies dadurch seine messianische Sendung: der Messias wird die Schöpfung erneuern – und er fängt bei seinem direkten „Ansprechpartner“ bezüglich seiner Schöpfung an, dem Menschen. Dieser muss allerdings ganz neu und von Grund auf seinen Bezug zum Schöpfer wieder finden.</p>



<p>Allerdings ist der erste Schritt dazu nicht primär die leibliche, sondern die geistliche Zurechtbringung.<sup data-fn="aa94208b-06c2-4504-9913-692262c54019" class="fn"><a id="aa94208b-06c2-4504-9913-692262c54019-link" href="#aa94208b-06c2-4504-9913-692262c54019">24</a></sup> Es gibt ein Primat der geistbezogenen Gottesbeziehung, die aber nicht mit einer Abwertung oder Verachtung der leiblichen Existenz einher geht.<sup data-fn="da3e19a5-f47d-42b9-863e-a917a62412c3" class="fn"><a id="da3e19a5-f47d-42b9-863e-a917a62412c3-link" href="#da3e19a5-f47d-42b9-863e-a917a62412c3">25</a></sup> Der Körper und auch das Innere des Menschen – Verstand, Wille, Gefühl, Motivation etc. – werden dabei nicht von einer geistlichen Bedeutung des Menschen abgekoppelt oder könnten eine unabhängige Behandlung erfahren.<sup data-fn="16d8c2d0-4925-44fb-95bc-57df3335ea39" class="fn"><a id="16d8c2d0-4925-44fb-95bc-57df3335ea39-link" href="#16d8c2d0-4925-44fb-95bc-57df3335ea39">26</a></sup></p>



<p>Die Bibel spaltet die Wirklichkeit nicht in einen Bereich auf, der Gott entzogen ist und einen, zu dem Gott Zugang hat. Vielmehr ist er der Herr der ganzen Erde, die er dann auch zu seiner Zeit erneuern wird.<sup data-fn="1813369e-2b64-437e-8b87-902f3d1ba43e" class="fn"><a id="1813369e-2b64-437e-8b87-902f3d1ba43e-link" href="#1813369e-2b64-437e-8b87-902f3d1ba43e">27</a></sup> Für die Gegenwart gilt: Begrenzungen, Einschränkungen, Erfahrung von Leid und Schmerz, werden nicht glorifiziert („Märtyrerkomplex“), müssen aber trotzdem als etwas gesehen werden, was auch geduldet und getragen werden muss und nicht einfach immer überwunden werden kann. Partielle Heilung, Hilfe ist möglich, das Tragen der Last, das Vermitteln der Barmherzigkeit Gottes steht nicht im Widerspruch zu der Aussage, dass wir in einer gefallenen Situation leben. Es ist nur wichtig, dass der Prozess der Veränderung wiederum nicht eine Sache säkularer Heilungsmethoden sein kann, wenn es um die geist-seelisch-leibliche Einheit des Menschen geht. Der Christ hat vielmehr die Sicht, dass sein Menschsein bereits im Hier und Heute auf die neue Schöpfung Gottes angelegt ist.</p>



<p>Diesem Anspruch, diesem Auftrag, kann und darf sich der Seelsorger im Gegensatz zu einem auf die Immanenz angelegten Therapeuten an keiner Stelle entziehen. Er teilt seine Existenz nicht auf, genauso wenig wie der Chirurg den Menschen, den er vor sich sieht, nur als „Lunge“ oder als „Hüftgelenk“ wahrnehmen sollte (wenn dies auch im Sprachgebrauch der OPs manchmal so scheinen mag). Das heißt nicht, dass es nicht methodische Zwischenwege geben könnte. Sie dürfen aber keine Eigendynamik entfalten und als methodisches Gesetz kein Korsett für das souveräne Handeln Gottes darstellen. Nach biblischem Verständnis dient der Leib schon jetzt dazu, mit der geistig-seelischen Erneuerung konform zu gehen, auch wenn er ein unvollkommenes „Werkzeug“ ist. Der Widerspruch zwischen sterblicher Existenz und dem Wissen um das ewige Leben, wird schmerzlich erfahren, aber auch als große Herausforderung für die praktische Heiligung <sup data-fn="83b1ad04-cbdf-4043-add1-58c2919f3c3b" class="fn"><a id="83b1ad04-cbdf-4043-add1-58c2919f3c3b-link" href="#83b1ad04-cbdf-4043-add1-58c2919f3c3b">28</a></sup> gesehen. Dazu dient der einzig vollkommene Mensch, der in der Geschichte aufgetreten ist, das ist Christus, als Maßstab.</p>



<p>Er ist aber auch der Inhalt dieser Erneuerung: Der Christ ist ein Mensch, der sich analog zur Person Christi entfaltet, weil Christus zuerst Herr der Gemeinde ist, dann aber auch Herr der ganzen Schöpfung. Dies spiegelt sich in der Art und Weise wider, wie alle Lebensbereiche und -bezüge auf Christus hin angelegt sind.<sup data-fn="71acb039-5768-4b8f-b1fc-73be4a22c1b9" class="fn"><a id="71acb039-5768-4b8f-b1fc-73be4a22c1b9-link" href="#71acb039-5768-4b8f-b1fc-73be4a22c1b9">29</a></sup> Das Bild Gottes im Menschen, der Mensch als im Bild Gottes geschaffen, wird nicht „an sich“ wiederhergestellt, sondern als Neuschöpfung in Christus.<sup data-fn="5fad5185-fbca-4505-ad8f-86bdfaaad2dc" class="fn"><a id="5fad5185-fbca-4505-ad8f-86bdfaaad2dc-link" href="#5fad5185-fbca-4505-ad8f-86bdfaaad2dc">30</a></sup> Der Römerbrief im 5. Kapitel thematisiert die Abhängigkeit des natürlichen Menschen von diesem ersten Menschen, Adam, und weist auf die Abhängigkeit der neuen, erlösten Menschennatur, den zweiten Adam hin. Entsprechend wird für die christliche Seelsorge ein völlig neuer Zusammenhang sichtbar: Der Mensch „in Christus“ ist ein konkretes Gegenüber, keine rein „spirituelle“ Angelegenheit. Paulus bezieht das auf seinen gesamten Dienst und seinen Umgang mit den Menschen, die nicht mehr nach ihrer natürlichen, von Gott losgelösten Voraussetzungen verstanden werden, sondern aus dem Dienst der Versöhnung heraus, den Gott selbst eingeleitet hat.<sup data-fn="37f07e66-275d-42dc-8ef0-7f99f5249318" class="fn"><a id="37f07e66-275d-42dc-8ef0-7f99f5249318-link" href="#37f07e66-275d-42dc-8ef0-7f99f5249318">31</a></sup></p>



<p>Aus all diesem folgt, dass der Mensch, dessen „Seele“ gesund werden soll, aus biblischer Sicht in allen Phasen, in denen er sich befindet, diesem Prozess untergeordnet werden müsste. Nicht der Seelsorger sorgt sich um die Seele des Menschen, sondern er vermittelt die Zusammenhänge der gebrochenen Existenz des Menschen auf verständliche Art und Weise, so dass sowohl in der Diagnostik als auch bei der Hilfestellung der Zugang Gottes zum Herzen des Ratsuchenden nicht versperrt wird. Mit anderen Worten, dem Wort Gottes Raum zu geben, dass es gehört, verstanden und angenommen wird, ist die oberste Priorität, will man den Menschen als ein im besten biblischen Sinn „geistliches Gegenüber“ nicht verlieren.</p>



<p>Eine humanistische, säkularistische oder anthropozentrische Sicht vom Menschen, die den Menschen als ein entwicklungsfähiges, steuerbares Wesen zeigt, unternimmt dagegen den Versuch, aufgrund einzelner Erfahrungsaspekte einen Weg zu zeigen, wie die Folgen des Sündenfalls teilweise aufgehoben werden können. Der biblisch motivierte Seelsorger weiß um die Begrenztheit aller menschlichen Hilfe und wird sowohl das Wort als auch die Diakonie (dazu gehört auch der Bereich der Humanmedizin) in den Dienst dieses Auftrags stellen wollen. Lebenserleichterung und -hilfe haben keinen Selbstzweckcharakter, sondern sind Zeugnis von der umfassenden Fürsorge Gottes für den Menschen. Leiden, auch schwerere geistig-seelische Störungen sind eine Anfrage, wie und wo der Gott des Lebens eingreifen kann und bringen den Schrei nach umfassender Erlösung mit sich. Wann und wo nun praktische Hilfen, Aufklärung, Trost, Rat, Ermutigung zu geben sind, das alles wird zunächst durch den schöpfungsbezogenen und heilsgeschichtlichen Bezug vorgegeben und kann mit Erfahrungswissen und Einsicht in somatische und innerseelische Zusammenhänge<sup data-fn="db5425a3-e593-4cd0-82d8-4e02b66c092c" class="fn"><a id="db5425a3-e593-4cd0-82d8-4e02b66c092c-link" href="#db5425a3-e593-4cd0-82d8-4e02b66c092c">32</a></sup> verbunden werden.</p>



<p></p>


<ol class="wp-block-footnotes"><li id="59dc6e96-6e0b-442d-b008-9eb6018855c3">vgl. S. Külling, fundamentum 3/82, SS. 5-6 <a href="#59dc6e96-6e0b-442d-b008-9eb6018855c3-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 1 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="a43064c0-195c-444b-9bd5-9f94a66a1f5e">1.Mo. 5,3 ist von der Ähnlichkeit und Abbildlichkeit Seths gegenüber Adam die Rede. Hier werden beide Begriffe umgekehrt verwendet. <a href="#a43064c0-195c-444b-9bd5-9f94a66a1f5e-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 2 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="0e1b9e55-f4ba-4f8d-b083-dbcf427ccfc3">1.Mo. 9, 6; 1.Kor. 11,7; Jak.3,9; Apg. 17,28 <a href="#0e1b9e55-f4ba-4f8d-b083-dbcf427ccfc3-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 3 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="e36a5409-2bfc-4969-aafc-3ee9bc945734">s. z.B. 1.Kor. 15,44: der Körper kann – eschatologisch – zu einem ‚geistlichen Leib’ umgestaltet werden <a href="#e36a5409-2bfc-4969-aafc-3ee9bc945734-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 4 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="e97c2732-778b-4a07-95a2-f261b1f31cfa">1.Mo. 9,6; Jak. 3,9 <a href="#e97c2732-778b-4a07-95a2-f261b1f31cfa-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 5 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="842b3f28-2ee4-4ddd-ad22-e5b51fe6716a">Spr. 20,27: Der Geist des Menschen ist eine Leuchte des HERRN, durchforscht alle Kammern des Leibes,<br>vgl. Joh. 4,24; Röm. 8,16; 1.Kor. 2,10-13 <a href="#842b3f28-2ee4-4ddd-ad22-e5b51fe6716a-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 6 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="5e6af464-daf7-41db-a589-a0eb501be92b">Thomas Schirrmacher zeigt in seiner Ethik (Bd.1, Hänssler-Verlag, Neuhausen-Stuttgart, 1994, S. 36-37) auf, dass nach Röm. 1,20-23.25 der Mensch „Gott nicht die Verehrung verweigern“ kann, „indem er sich auf neutrales Gebiet zurückzieht, sondern nur, indem er an die Stelle des Schöpfers etwas anderes stellt, das er verehrt.“ <a href="#5e6af464-daf7-41db-a589-a0eb501be92b-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 7 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="2af7fc7d-8580-4950-a0d1-c7d0162095c0">1.Mo. 3,9; vgl. 4,9 <a href="#2af7fc7d-8580-4950-a0d1-c7d0162095c0-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 8 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="fb24536b-09e6-4233-9a49-8ff5ace4af92">Kettling, Siegfried: Wer bist du, Adam? Brockhaus-Verlag, Wuppertal 1979<sup>2</sup> <a href="#fb24536b-09e6-4233-9a49-8ff5ace4af92-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 9 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="12c83532-6e3b-464d-a3da-c990974d49ce">1.Mo. 3 <a href="#12c83532-6e3b-464d-a3da-c990974d49ce-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 10 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="79220af4-dc71-4e13-8c14-56942e52d277">So S. Külling, Genesis 18.Teil, fundamentum 2/1985, S. 11 <a href="#79220af4-dc71-4e13-8c14-56942e52d277-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 11 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="c3574293-f171-4e27-b9fd-4bfda16f3e23">s. 1.Mo. 3,22, wo Gott tatsächlich sagt, dass der Mensch geworden ist „wie unsereiner“. Aber ihm wird<br>gleichzeitig die Möglichkeit genommen, am „Baum des Lebens“ Anteil zu haben. <a href="#c3574293-f171-4e27-b9fd-4bfda16f3e23-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 12 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="5c2e6f7d-5b8d-425b-936a-e87789f93eec">Joh. 3,4; Jak. 2,9-10; Röm. 2,12-14; Röm. 4,15 <a href="#5c2e6f7d-5b8d-425b-936a-e87789f93eec-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 13 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="8fa759fc-ec2c-41ee-bad9-008201e97cb3">Ein Beispiel wäre die im Alten Testament teilweise tolerierte Polygamie, die aber niemals zur Norm erklärt<br>wurde. Jesus macht deutlich, dass der ursprüngliche Gesetzeswille hinsichtlich der Ehe in der Schöpfungsgeschichte zu suchen ist (Matth. 19,3-9). <a href="#8fa759fc-ec2c-41ee-bad9-008201e97cb3-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 14 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="471a783b-c8d2-41c8-b55c-cefc8635a20d">Röm 5,12 Deshalb, wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und der Tod durch die<br>Sünde, so ist der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben. <a href="#471a783b-c8d2-41c8-b55c-cefc8635a20d-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 15 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="d29118bb-98cf-4d42-83a8-45077aaf424a">Hiob 4,14; Jer. 17,9; Jes. 6,5; Röm. 8,5-8; Eph. 4,17-19 <a href="#d29118bb-98cf-4d42-83a8-45077aaf424a-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 16 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="1f35dd46-0de5-4ce9-a760-a7e79afd199f">Thomas Schirrmacher meint in seiner Ethik I (a.a.O., S.38): „Der Gedanke, dass man den Menschen durch<br>Bildung verbessern und die Übel der Menschheit durch intellektuelle Aufklärung beseitigen könne, ist eines der Grundprobleme der griechischen Philosophie, des Humanismus und der Aufklärung.“ <a href="#1f35dd46-0de5-4ce9-a760-a7e79afd199f-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 17 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="b97ee1b9-b03a-42c6-b19b-85e078d708f1">1Jo 3,12: nicht wie Kain, der von dem Bösen stammte und seinen Bruder umbrachte. Und warum brachte er ihn um? Weil seine Werke böse waren und die seines Bruders gerecht. <a href="#b97ee1b9-b03a-42c6-b19b-85e078d708f1-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 18 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="a1af2efc-dad6-463b-bba0-e1137f488caf">S. Jer. 17,9 <a href="#a1af2efc-dad6-463b-bba0-e1137f488caf-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 19 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="499ec43c-7761-4fa1-bfae-69d3abfcca28">1.Mo. 3,17-19; 5,1-4 <a href="#499ec43c-7761-4fa1-bfae-69d3abfcca28-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 20 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="5bb68f22-0100-44df-8d69-1146b2fba38b">Mo. 2,17; 1.Mo. 3,22-24; Röm. 5,12; 1.Kor. 15,21; Offenb. 21,8 <a href="#5bb68f22-0100-44df-8d69-1146b2fba38b-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 21 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="da4ed046-68c6-4e18-9e5b-ab21930b2b93">1.Thess. 5,23: „Gott…heilige euch völlig..Möge euer Geist, Seele und Leib untadelig bewahrt werden…“ <a href="#da4ed046-68c6-4e18-9e5b-ab21930b2b93-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 22 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="34de1e74-dca0-44fc-82f8-13f206511510">Luk. 4,18, zit. Jes. 42,7 <a href="#34de1e74-dca0-44fc-82f8-13f206511510-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 23 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="aa94208b-06c2-4504-9913-692262c54019">Röm. 8,23 spricht von der „Erstlingsgabe des Geistes“ während Christen dann umso klarer wissen, dass sie auf die „Erlösung des Leibes“ warten können. <a href="#aa94208b-06c2-4504-9913-692262c54019-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 24 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="da3e19a5-f47d-42b9-863e-a917a62412c3">2.Kor. 4,16 unterscheidet Paulus den „äußeren“ und den „inneren“ Menschen, wobei er die Leidenserfahrung des ersteren mit der Erneuerungserfahrung des letzteren in Beziehung setzt. <a href="#da3e19a5-f47d-42b9-863e-a917a62412c3-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 25 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="16d8c2d0-4925-44fb-95bc-57df3335ea39">S. hierzu die Ausführungen von Roland Antholzer zum Thema Dichotomie-Trichotomie an späterer Stelle <a href="#16d8c2d0-4925-44fb-95bc-57df3335ea39-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 26 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="1813369e-2b64-437e-8b87-902f3d1ba43e">Ps. 47,3; Sach. 14,9. Dabei gilt sicher, dass der Leib ebenso wie diese irdische Schöpfung durchaus eine<br>Sonderstellung einnimmt: er wird als letztes erlöst und muss sich bis zu seiner Neuschöpfung mit vorläufigen Lösungen zufrieden geben. An dieser Stelle ist auch die medizinische Wissenschaft gefordert, ebenso wie der Staat eine Bedeutung hat für das Gemeinwohl und die Erhaltung der Erde. Dies zu erörtern würde den Rahmen hier sprengen. <a href="#1813369e-2b64-437e-8b87-902f3d1ba43e-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 27 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="83b1ad04-cbdf-4043-add1-58c2919f3c3b">Unter dem Begriff der Heiligung versteht die Bibel den Prozess des Einswerdens mit Christus auch in der<br>praktisch-lebensbezogenen, zeitlichen Existenz (s. z.B. Röm. 6,11-13 „…stellt eure Glieder nicht der Sünde zur Verfügung… sondern stellt euch Gott zur Verfügung.. als Lebende“ ). Der bereits gerechtfertigte kann diese Aufforderung als Konsequenz seines geschenkten neuen Seins in Christus verstehen. <a href="#83b1ad04-cbdf-4043-add1-58c2919f3c3b-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 28 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="71acb039-5768-4b8f-b1fc-73be4a22c1b9">Eph. 4,15 macht diesen Zusammenhang exemplarisch deutlich: „in Wahrheit reden“ hat damit zu tun, dass das „Haupt“ Christus, die Mitte und das Ziel der Gemeinde ist. Aktuelle Veränderungen in der Struktur des Denkens und der Kommunikation sind also nicht technische Veränderungen oder gelernte Verhaltensweisen, sondern entsprechen der begonnenen Neuschöpfung des Menschen in Christus. Dazu dienen die auf praktische Veränderung zielenden Forderungen des Neuen Testaments, die keine neue Gesetzlichkeit vermitteln, sondern im Rahmen der heilsstiftenden Erneuerung der Herrschaft Christi zu sehen sind. <a href="#71acb039-5768-4b8f-b1fc-73be4a22c1b9-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 29 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="5fad5185-fbca-4505-ad8f-86bdfaaad2dc">Der Zusammenhang zwischen Kol. 3,10 (vgl. Eph. 4,24), wo das Bild des „Anziehens“ des „neuen Menschen“<br>verwendet wird und seine ähnliche Formulierung mit Gal. 3,27, wo dieser Mensch Christus selbst ist, lässt darauf schließen, dass es dem Apostel Paulus darum geht, die Wiederherstellung des Bildes Gottes im Menschen ganz und gar christologisch zu deuten: Christus ist der neue Mensch und die Erneuerung des Menschen kann nur Christusähnlichkeit bedeuten. <a href="#5fad5185-fbca-4505-ad8f-86bdfaaad2dc-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 30 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="37f07e66-275d-42dc-8ef0-7f99f5249318">2.Kor. 5,15-18: „…daher kennen wir niemand mehr nach dem Fleisch….wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung..“ <a href="#37f07e66-275d-42dc-8ef0-7f99f5249318-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 31 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="db5425a3-e593-4cd0-82d8-4e02b66c092c">Roland Antholzer: „Geist, Seele, Leib – der Mensch in seiner Beschaffenheit“, S. 3: Die Bedeutung des<br>dichotomen Menschenbildes für die Seelsorge. <a href="#db5425a3-e593-4cd0-82d8-4e02b66c092c-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 32 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li></ol><p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://kfg.org/2024/aspekte-biblischer-anthropologie-fuer-eine-bibelorientierte-seelsorge/">Aspekte biblischer Anthropologie für eine bibelorientierte Seelsorge</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://kfg.org">KfG  -`✞´-  Konferenz für Gemeindegründung</a>.</p>
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			</item>
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		<title>Was lehrt uns die Kirchengeschichte?</title>
		<link>https://kfg.org/2023/was-lehrt-uns-die-kirchengeschichte/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ernst G. Maier]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 03 Oct 2023 03:37:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theologie]]></category>
		<category><![CDATA[Kirchengeschichte]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kfg.org/?p=18186</guid>

					<description><![CDATA[<p>Wie kann man Gemeinden aufbauen, die langfristig Bestand haben? Dazu muss man sich mit der Geschichte der organisierten Kirche beschäftigen. Man macht dabei einige interessante Feststellungen, die eine Antwort auf die oben erwähnte Frage geben und die vom Wort Gottes bestätigt werden.</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://kfg.org/2023/was-lehrt-uns-die-kirchengeschichte/">Was lehrt uns die Kirchengeschichte?</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://kfg.org">KfG  -`✞´-  Konferenz für Gemeindegründung</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Wenn man in einer missionarischen Gemeindearbeit steht und neue Gemeinden aufbaut, wird man immer wieder gefragt: “Habt ihr aus der Kirchengeschichte nichts gelernt? Die Gemeinde, die ihr jetzt aufbaut, wird in 100 Jahren auch nicht anders sein, als die Gemeinden der Gegenwart.”</p>



<p>Man muss diese Herausforderung ernst nehmen und sich mit der Geschichte der organisierten Kirche beschäftigen. Dabei macht man dann einige interessante Feststellungen, die eine Antwort auf die oben erwähnte Frage geben und die auch vom Wort Gottes bestätigt werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein geistliches Zerfallsgesetz</h2>



<p>Die Gemeinde Jesu Christi ist beides: geistlicher Organismus und menschliche Organisation. Jede menschliche Organisation, die Kirchen eingeschlossen, unterliegt einem Zerfallsprozess. Der Anfang der meisten christlichen Organisationen ist gut, obwohl auch da schon manchmal das Unkraut unter dem Weizen ist (vgl. Mt 13,24-30).</p>



<p>Spätestens in der zweiten Generation eines christlichen Werkes (Gemeinden eingeschlossen) entstehen Probleme. Die Begeisterung und Einsatzfreude der ersten Generation fehlen oft. Abweichungen in der Lehre häufen sich. Trägheit und Gleichgültigkeit machen sich breit. Der Glanz der Neuheit erlischt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Unveränderliche Traditionen</h2>



<p>Jede irdische Organisation, die organisierte Kirche eingeschlossen, widersteht Versuchen der Veränderung oder Erneuerung. Veränderung traditioneller Wege ist schwer. Die Tradition wird zu einem wichtigen Erbgut.</p>



<p>Traditionen gewinnen auch an Autorität. Bald ist es dann nur noch ein kleiner Schritt, bis Traditionen die Autorität der Schrift verdrängen (vgl. Mt 15,16-9; Luk 11,39-52).</p>



<h2 class="wp-block-heading">Institutionalisierung</h2>



<p>Bald wird die Organisation wichtiger als die einzelnen Menschen in der Organisation. Das Fortbestehen der Institution wird zu einem wichtigen Ziel.</p>



<p>Die Mitarbeiter dienen in erster Linie der eigenen Organisation und nicht mehr dem Herrn Jesus Christus. Sie werden Gefangene vorgeschriebener Arbeitsweisen. Eigeninitiative fehlt. Die Liste der Regeln, um „den richtigen Ablauf der Arbeit” und die notwendige Leistung zu sichern, wird länger, und die Arbeitsmoral sinkt.</p>



<p>Die Mitarbeiter entwickeln ihre eigenen Interessen innerhalb der Organisation. Oft bauen sie konkurrierende Abteilungen auf. Das einheitliche Ziel der Organisation verschwindet hinter einer Menge beziehungsloser Kleinziele. Die schöpferische Kraft der Mitarbeiter geht verloren.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die protestantische Reformation</h2>



<p>Die Kirchengeschichte kann wenig echte Erneuerungen ohne Absonderung oder Spaltung aufweisen. Der Versuch der Erneuerung führt meistens zur Abspaltung. Luther und Calvin wollten keine neuen Kirchen gründen. Sie versuchten, die bestehende Kirche zu erneuern. Der kirchliche Widerstand gegen diese Erneuerungsversuche führte zur Entstehung der protestantischen Kirchen.</p>



<p>Für viele ernste, bibeltreue Christen ging die Reformation (Abspaltung) Luthers nicht weit genug. Sie wollten zurück zu den Quellen der apostolischen Urgemeinde. Luthers junge, prote­stantische Kirche ließ sich jedoch nicht reformieren (erneu­ern). Notwendigerweise entstanden neue Abspaltungen, die zur Entstehung der Freikirchen führten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Kirchen des zwanzigsten Jahrhunderts</h2>



<p>In vielen Kirchen der Gegenwart hat die bibelkritische Theologie die Herrschaft errungen. Traditionen und Bekenntnisse stehen über der Heiligen Schrift. Ernstgemeinte Versuche der Erneuerung erfahren den gleichen Widerstand, den schon Martin Luther von Seiten der damaligen Kirche erfahren hat. Eine Rückkehr zu einem neutestamentlichen Gemeindeverständnis und einer neutestamentlichen Gemeindepraxis erscheint unmöglich. Der einzige Ausweg, der bleibt, ist der Aufbau von neuen Gemeinden nach dem Vorbild des Neuen Testaments.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Einheit und Spaltung</h2>



<p>Der zerrissene und zerspaltene Zustand der Christenheit ist kein Zeugnis für den Herrn Jesus Christus. Was Paulus von den Juden des ersten Jahrhunderts schrieb: „<em>Eurethalben wird Gottes Name gelästert unter den Heiden</em>“, beschreibt heute die Christenheit.</p>



<p>Die Verantwortung für die Spaltungen in der Christenheit liegt bei denen, die von der biblischen Lehre abweichen: Judas schrieb: „<em>Ich hielt&#8217;s für nötig, euch in meinem Briefe zu ermahnen, den ihr für den Glauben kämpft, der ein für alle Mal den Heiligen übergeben ist</em>“ (Judas 3b). Paulus schrieb: „<em>Achtet auf die, die da Zertrennung und Ärgernis anrichten entgegen der Lehre, die ihr gelernt habt, und weicht von ihnen</em>“ (Röm 16,17b, vgl. Jud 17-19).</p>



<h2 class="wp-block-heading">Christen gegen Christen?</h2>



<p>Es gibt Christen, die der Meinung sind, durch ihr Verbleiben in einer von der Heiligen Schrift abgewichenen Gemeinde, ihre Gemeinde retten zu können. Manchmal sind sogar kleine, örtlich begrenzte Erfolge sichtbar. Es muss jedoch bedacht werden, dass da, wo die Grundstrukturen einer Gemeinde der Bibel widersprechen, kleine und örtlich begrenzte Erfolge der Gemeindeerneuerung nicht ausreichend sind, und dass etablierte Kirchen der Erneuerung ihrer Grundstrukturen unüberwindbaren Widerstand leisten.</p>



<p>Leider sind es gerade diese Christen, die oft die Neugründung biblisch orientierter Gemeinden in liebloser und unchristlicher Weise bekämpfen, Wäre es nicht besser, solche Fragen auf der Basis der Heiligen Schrift zu lösen?</p>



<h2 class="wp-block-heading">Gemeindezucht und Absonderung</h2>



<p>Das Neue Testament sagt sehr viel über Gemeindzucht. Irrlehrer und Christen, die unordentlich wandeln, sollen ernstlich ermahnt werden. Ermahnung, privat und in der Gemeinde, dient der Zurechtbringung (Mt 15,15-18: Gal 6,1-2; 2Kor 13,11; 1Thess 3,10; Hebr 10,23-25).</p>



<p>Wo Zurechtbringung in Liebe nicht mehr möglich ist, ist es notwendig Abstand zu nehmen, d.h. im Irrtum beharrende Gemein­deglieder auszuscheiden. Auch das soll in Liebe mit dem Ziel der Zurechtbringung geschehen (1Kor 5,1-5.9-13; 2Kor 6,14-18; 2Thess 3,6,14-15; 1Tim, 6,3-5 [“von solchen halte dich fern” Schlachter]; 2Tim 3,1-5; Tit 3,10: 2Joh 9-11).</p>



<p>Wo zurechtbringende Ermahnung und Gemeindezucht nicht praktiziert wird, nimmt der Unglaube und Irrtum innerhalb der Gemein­de überhand. Da bleibt dann nichts anderes übrig, als sich von solch einer Gemeinde zu lösen, sich einer bibeltreuen Gemeinde anzuschließen, oder für die Entstehung einer neuen bibeltreuen Gemeinde zu beten und zu arbeiten.</p>
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		<title>Ich werde meine Gemeinde bauen …</title>
		<link>https://kfg.org/2023/ich-werde-meine-gemeinde-bauen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Richard Haverkamp]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Oct 2023 15:35:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theologie]]></category>
		<category><![CDATA[Biblische Lehre / Theologie]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeinde-Gründung, -Bau und -Wachstum]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kfg.org/?p=18185</guid>

					<description><![CDATA[<p>Dies war der erste Artikel in der KfG-Zeitschrift Nr. 1. Grundlage war ein Vortrag, der am 18.11.1984 auf der 2. "Konferenz für Gemeindegründung" von Richard Haverkamp gehalten und von Rainer Ehmann übersetzt wurde. Der Vortrag wurde vom Schriftleiter [Ernst Maier] überarbeitet, wobei der Vortragsstil weitgehend beibehalten wurde.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Einer meiner Lieblingstexte ist Römer 1,16, wo Paulus sagt: „<em>Ich schäme mich des Evangeliums nicht, denn es ist die Macht Gottes zur Rettung!</em>“ Dieses Buch funktioniert wirklich. Sie fragen, wie geschieht das in Belgien, wie machen Sie es, dass all diese Leute gerettet werden? Es ist gar nicht so schwierig. Es ist das Wort Gottes! Sie erinnern sich an Martin Luther. Luther hat gesagt: „Ich habe überhaupt nichts getan, als das Wort Gottes verkündigt.“</p>



<p>Was wir in Westeuropa wirklich brauchen, ist eine neue Reformation! Und die kann nur kommen, wenn wir zur Bibel zurückgehen! Es ist mein Anliegen, dass die Bibel in jede Familie in Belgien kommt, und dass jeder Belgier die Bibel liest.</p>



<p>Unser Thema heißt „Gemeindebau.“ Ich habe es in drei Teile eingeteilt. Erstens: „Was ist unser Ziel?“ Zweitens: „Was ist unsere Strategie (unser Plan, um dieses Ziel zu erreichen)?“ Und drittens: „Was sind unsere Hilfsmittel?“</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was ist unser Ziel?</h2>



<p>Gott ist im Baugeschäft. Gott gab Mose Anweisungen zum Bau der Stiftshütte. Im verheißenen Land haben David und Salomo im Auftrag Gottes den Tempel gebaut. lm Neuen Testament sagt Jesus: „<em>Ich werde meine Gemeinde bauen!</em>“ In Apostelgeschichte 2 sehen wir den Anfang davon. Auch Petrus und Paulus reden davon. Petrus sagt in 1. Petrus 2: „<em>Lasst euch zu lebendigen Steinen gebrauchen zu einem geistlichen Haus.</em>“</p>



<p>Paulus schrieb den Korinthern: „<em>Wisset ihr denn nicht, dass ihr der Tempel des lebendigen Gottes seid?</em>“ Den Ephesern schrieb er, dass die Apostel und Propheten die Grundsteine des neuen Gebäudes sind.</p>



<p>Mein ganzes Leben gründet sich auf diesen Vers in Matthäus 16,18. Die Katholiken sagen, dass dies der wichtigste Vers in der Bibel ist. Ich stimme ihnen zu. Wo wir mit den Katholiken nicht ganz übereinstimmen, ist, wo man die Betonung hinsetzt. Sie betonen den ersten Teil: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen &#8230;.“ Ich betone den zweiten Teil: „Ich werde meine Gemeinde bauen und die Tore der Hölle werden nicht dagegen ankommen.“ Das ist mein Lebensvers. Auf diese Wahrheit stelle ich mich. Liebe Brüder und Schwestern, ich glaube, dass der Kampf des Gemeindebaus hier gewonnen wird.</p>



<p>Bevor wir ins Detail des Gemeindebaus gehen, möchte ich Zeit nehmen, um hier ein wirklich gutes Fundament zu legen auf das wir dann bauen können. Alles andere worüber wir reden werden, wird darauf aufbauen. Sie müssen sich diese Worte ganz tief in ihr Herz einprägen. Sie müssen immer wieder auf diese Worte zurückkommen. Das wird sie durchbringen, und in Westeuropa werden sie es brauchen. Ich nenne diese Aussage Jesu: „Die sieben große Worte von Christus,“ und ich möchte eines nach dem anderen besprechen.</p>



<p><strong><em>Der Baumeister</em></strong></p>



<p>Der Baumeister ist Jesus Christus. Mit anderen Worten: Gemeindebau ist nicht meine Aufgabe. Gemeindebau ist die Aufgabe Jesu. Ich baue keine Gemeinden in Belgien. Ich predige und lehre das Wort Gottes. Das ist alles. Und wenn ich das tue, ändert Gott die Menschen. Gott weckt die Toten auf. Gott wirkt das Wunder der Wiedergeburt. Jesus sagte zu seinen Jüngern: „<em>Alle Macht ist mir gegeben worden im Himmel und auf Erden. Ihr geht, und ich werde mit euch sein!</em>“ Derselbe Jesus sagte: „<em>ICH werde meine Gemeinde bauen!</em>“ Wir müssen das wirklich in unser Herz einprägen. Ich habe mir das in mein Herz und in meine Gedanken eingeprägt. Jesus sagt: „Richard, du gehst nach Belgien, und ich werde meine Gemeinde bauen.“</p>



<p><strong><em>Die Gewissheit</em></strong></p>



<p>Die Betonung liegt nun auf <strong><em>„werde“</em></strong>. Jesus sagt nicht: „Ich werde mal versuchen, möglicherweise werde ich, wenn ihr mitmacht.“ Er sagt: „<em>Ich werde.</em>“ Wenn Gott sagt: „Ich werde,“ dann meint er es auch so!</p>



<p><strong><em>Der Besitzer</em></strong></p>



<p>Jesus sagte: „<em>Ich werde <strong>meine </strong>Gemeinde bauen!</em>“ Dies hat eine zweifache Bedeutung. Er sagt erstens: „Das ist meine Gemeinde, lasst ihr eure Finger davon! Ihr habt überhaupt nichts, worauf oder worüber ihr stolz sein könntet, es ist meine Gemeinde, sie ist mein Besitz.“</p>



<p>Zum Zweiten sagte Jesus, dass die Gemeinde und der Bau der Gemeinde seine Verantwortung ist. Wenn irgendetwas schiefläuft, dann gehe ich zurück zu IHM. In einer Stadt in Belgien, in der ich gearbeitet habe, gibt es heute eine Gemeinde mit etwa 65 Geschwistern. Aber vor etwa fünf Jahren waren da nur fünf Leute übriggeblieben. Es gab einige Probleme und die Sache ging wirklich rückwärts. Verschiedene Leute sagten zu mir: „Richard, warum hörst du an diesem Ort nicht einfach auf? Es ist da so schwierig. Du verschwendest deine Zeit. 15 km weiter in der nächsten Stadt gibt es eine evangelikale Gemeinde. Die Leute können ja dahin gehen?“ Und ich habe wirklich ernsthaft darüber nachgedacht. Aber ich hatte Matthäus 16 in meinen Gedanken, und eines Tages ging ich auf meine Knie und betete: „Nun, Herr Jesus, du musst dich an Matthäus 16,18 erinnern. Du hast gesagt: <em>Ich werde meine Gemeinde bauen, und die Tore der Hölle werden sie nicht überwältigen.</em> Die Tore der Hölle überwältigen dich im Augenblick. Willst du das zulassen? Es ist deine Gemeinde. Es ist deine Arbeit. Dein Name ist in Gefahr. Willst du das zulassen?“ Und heute gibt es dort eine Gemeinde mit 65 bis 70 Leuten.</p>



<p>Ich erinnere mich, vor vier Jahren hatte ich eine Konferenz in Frankreich. Zwei Tage bevor ich zu dieser Konferenz ging, geschah es, dass in einer neuen Gemeinde, die erst ein halbes Jahr alt war, zwei der führenden Männer sich gegen mich wandten. Es gab wirklich tiefe Probleme und ich musste zu einer Konferenz gehen. Ich erinnere mich, wie ich von Paris nach Lyon fuhr. Auf dem ganzen Weg betete ich: „Herr Jesus, es ist deine Gemeinde. Es ist dein Problem. Ich gehe jetzt zu dieser Konferenz.“ Das ganze Problem löste sich und heute ist dort eine Gemeinde mit 65 Erwachsenen plus Kinder.</p>



<p><strong><em>Das Bauwerk</em></strong></p>



<p>Der Herr Jesus baut seine <strong><em>Gemeinde</em></strong>. Es heißt nicht, dass er einzelne Leute aufbaut. In unserer heutigen Zeit wird viel zu viel Betonung auf den Einzelnen gelegt. Verschiedene christliche Organisationen arbeiten mit Einzelnen. Sie sehen wie Einzelne sich bekehren und sie machen Nacharbeit oder Jüngerschaftsschulung mit diesen Einzelnen. Jesus hat nicht gesagt, dass wir Entscheidungen treffen sollen. Er sagte, wir sollen Jünger machen, und ich glaube, dass kein Christ ein wirklicher Jünger sein kann, ohne dass er zu einer örtlichen Gemeinde gehört. Erinnern sie sich an Epheser 5, wo Paulus über die Ehe spricht und sagt: „<em>Christus liebt die Gemeinde, er reinigt die Gemeinde, er präsentiert die Gemeinde vor dem Vater.</em>“ Natürlich bin ich mir bewusst, dass die Gemeinde aus einzelnen Leuten besteht. Aber die einzelnen Leute müssen eine Gemeinde bilden.</p>



<p><strong><em>Die Bauarbeit</em></strong></p>



<p>Gemeindearbeit ist Bauarbeit. Um ein Haus zu <strong><em>bauen </em></strong>braucht man mindestens vier wichtige Dinge. Erstens benötigt man ein <em>Fundament</em>. Dies ist das Wort Gottes. Zweitens benötigt man <em>Steine</em>, um auf dieses Fundament zu bauen. Das sind die einzelnen Gläubigen. Drittens benötigt man <em>Balken</em>, um das Ganze zusammenzuhalten. Das sind die Ältesten.</p>



<p>Man braucht noch ein Viertes. Man kann die Steine nicht lose aufeinanderlegen, sonst würde das Gebäude in sich zusammenfallen. Die Steine werden mit <em>Zement </em>zusammengeklebt. Der Zement ist die von Gott gegebene Liebe. Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen. Diese Liebe hält die Steine zusammen.</p>



<p><em><strong>Der Widerstand</strong></em></p>



<p>Der Herr Jesus redet von den Toren der Hölle, die die Gemeinde nicht überwältigen werden. Von wem redet Jesus da? Er redet von Satan und allen seinen Dämonen. Ich möchte euch etwas sagen. Ich bin nach Frankreich gegangen, und die Leute kamen zu mir und sagten: „Richard, du kennst Frankreich nicht. Du hast in Frankreich noch nicht gearbeitet. Frankreich ist das härteste Land der Welt.“</p>



<p>Ich war in London (Kanada). London ist eine große Stadt, und die Leute sind dort zu mir gekommen und sagten: „Richard, du kennst London nicht. London ist die schwierigste Stadt.“</p>



<p>Ich war in anderen Städten und in anderen Ländern, und die Leute sagten: „Dies ist der härteste Platz der Welt.“ Überall wo ich hingehe, da wird irgendjemand zu mir kommen und sagen: „Richard, dies ist der härteste Platz der Welt.“ Als ich nach Belgien ging, sagte ich auch: „Dies ist der härteste Platz der Welt.“</p>



<p>Warum sehen wir den Tatsachen nicht einfach ins Auge? Die ganze Welt ist hart! Die ganze Welt ist Satans Gebiet. Aber vergessen sie nicht, dass Jesus gesagt hat: „<em>Ich werde meine Gemeinde bauen!</em>“ Wir müssen die Gemeinde nicht bauen. Das ist viel zu schwierig. lm Himmel kann jeder eine Gemeinde bauen, aber es gibt nur Einen, der eine Gemeinde auf der Erde aufbauen kann, das ist Jesus Christus, und er hat gesagt: „Ich will es tun, und die Tore der Hölle werden die Gemeinde nicht überwältigen.“</p>



<p><strong><em>Der Sieg</em></strong></p>



<p>Die Tore der Hölle werden die Gemeinde nicht überwältigen. Dies heißt nicht, dass sie es nicht versuchen werden. In Belgien ist es zurzeit so: Je mehr die Christen dort mit dem Herrn gehen, je mehr sie sich vom Herrn gebrauchen lassen, desto intensiver werden die Angriffe des Feindes. Ich könnte ein dickes Buch darüber schreiben. Die Tore der Hölle sitzen nicht still! Sie werden uns körperlich angreifen. Sie werden uns geistig angreifen. Sie werden uns geistlich angreifen. Sie werden meine Frau und meine Ehe angreifen. Sie werden meine Kinder angreifen. Satan wird ihre Mitarbeiter angreifen. Er wird ihre Arbeit angreifen. Er wird alles angreifen.</p>



<p>Die Tore der Hölle werden nicht still sitzen. Aber preist den Herrn, sie werden uns nicht überwältigen. Während der letzten 13 Jahre habe ich das gelernt. Ich habe verschiedene Zeiten erlebt, wo ich auf die Knie ging und betete: „Herr, du tust jetzt besser etwas.“ Und immer wieder hat die Gemeinde überlebt. Wir haben jetzt mehr als 20 Gemeinden. Die Kleinste hat 25 Gläubige, die Größte hat über 100. Durchschnittlich hat eine Gemeinde etwa 50 Gläubige.</p>



<p>Wir haben keine ausgebildeten Pastoren. Wir haben keine ausgebildeten, hauptamtlichen Mitarbeiter, und trotzdem haben wir keine falsche Lehre, die hereinkommt. Wir hatten keine Gemeindespaltung innerhalb der letzten 13 Jahre. Das ist erstaunlich.</p>



<p>Wir haben Männer, die Bibelstunden halten, die nie eine Bibelschule gesehen haben. Wir haben jeden Sonntagmorgen offene Versammlungen. Jeder kann aufstehen und reden. Und das tun die Brüder auch. Wir haben kein Problem mit falscher Lehre. Wir müssen es lernen, uns auf dieses Wort des Herrn Jesus Christus zu stützen.</p>



<p>Unser Ziel ist eine lebendige, aktive, unabhängige Gemeinde. Natürlich wollen wir, dass Leute gerettet werden, und wir wollen sie getauft sehen. Und wir wollen Jünger sehen. Aber das Ziel ist: lebendige, aktive, unabhängige Gemeinde! Das ist biblisch. Das ist Neues Testament. Das ist es, was wir brauchen.</p>



<p>Übrigens, ist ihnen aufgefallen, dass Jesus ein Ziel hat? Viele Menschen leben heute ohne Ziel in ihrem Leben. Sie leben eben. lm Englischen gibt es ein schönes Sprichwort: „Wenn du auf nichts zielst, dann triffst du garantiert.“ Und viele Christen leben so. Viele christliche Arbeiter leben so. Kein Ziel.</p>



<p>Jesus hatte ein Ziel vor sich. Wenn ich sie frage, was war Christi Ziel, bin ich sicher, dass einige von ihnen sagen würden: „Er kam, um für uns zu sterben.“ Es tut mir leid, aber das stimmt nicht! Sein Ziel war nicht zu sterben, sein Ziel finden wir hier: „<em>meine Gemeinde bauen!</em>“ Er wusste, dass er sterben müsste, um dies möglich zu machen, aber sein Ziel, war, eine Gemeinde zu bauen. Das Ziel war, Menschen aus dieser von Satan beherrschten Welt zu sammeln, um etwas Neues anzufangen. Wenn dies das Ziel Christi ist, sollten wir nicht dasselbe Ziel haben?</p>



<p>Übrigens, Christus hat nicht gesagt: „Ich werde die ganze Welt evangelisieren.“ Das war nicht sein Ziel. Er hat nicht gesagt: „Ich werde ein Traktat in jeden Briefkasten stecken.“ Das war nicht sein Ziel. Er hat nicht gesagt: „Ich werde mein Reich auf diese Welt herunterbringen.“ Das wird geschehen, aber nicht jetzt. Er hat nicht gesagt: „Ich werde viele Radiosendungen haben.“ Verstehen sie mich bitte nicht falsch. Es ist überhaupt nichts Falsches, Traktate zu verteilen, oder Radiosendungen zu produzieren und auszustrahlen, aber sie sind nicht das Ziel. Das Ziel ist: Seine Gemeinde gebaut zu sehen.</p>



<p>Ich habe viele Missionsrundbriefe gelesen, die sagen, wir haben mit so und so vielen Leuten Kontakt. Das ist wunderbar, aber das Ziel sind nicht Kontakte. Manchmal wundere ich mich, was mit all diesen Kontakten geschieht. Ich möchte nicht mehr als 20 Kontakte, und ich möchte so schnell wie möglich mit diesen in Verbindung sein. Ich möchte sie aussuchen und sortieren, bis ich etwa ein oder zwei übrighabe, denen es wirklich ernst ist. Das Ziel ist, dass wir lebendige, unabhängige und aktive Gemeinden haben. Je schneller, desto besser.</p>



<p>Die größte Not die wir haben ist die, dass wir zurückgehen müssen zum Wort Gottes. Wir müssen es so wörtlich nehmen wie möglich. Wir sagen den Menschen in Belgien immer wieder: „Wir müssen uns an das Wort Gottes halten. Wenn ihr uns Dinge zeigen könnt, die nicht im Neuen Testament sind, dann sagt es uns und dann werden wir damit aufhören. Oder wenn es Dinge gibt im Neuen Testament, die wir nicht tun, dann zeigt sie uns und wir werden sie tun.“</p>



<p>Es ist erstaunlich, was wir in Belgien erleben. Wir sehen in Belgien eine kleine Reformation. Wir sehen, wie sich mindestens 200 Katholiken im Jahr bekehren, und wir führen niemand zu Jesus. Wir beten nie mit den Leuten. Wir sagen nie zu ihnen: „Würdest du jetzt gern Christus aufnehmen?“ Wir lehren sie das Wort Gottes, Woche um Woche. Und sie werden gerettet. Mein erstes Ziel ist nicht, die Menschen gerettet zu bekommen, mein erstes Ziel ist es, sie mit der Bibel zu konfrontieren. Und wenn ich sie für die Bibel interessieren kann, und wenn ich sie dazu bringen kann, dass sie dieses Buch lesen, dann wird der Herr den Rest tun.</p>



<p>Genau das ist während der Zeit der Reformation geschehen. Jede Erweckung in der Geschichte der christlichen Gemeinden war immer das Resultat der Rückkehr zum Wort Gottes.</p>
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