<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Michael Kotsch &#8211; KfG  -`✞´-  Konferenz für Gemeindegründung</title>
	<atom:link href="https://kfg.org/author/michael-kotsch/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://kfg.org</link>
	<description>Konferenz für Gemeindegründung e.V.</description>
	<lastBuildDate>Wed, 25 Sep 2024 21:04:27 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	
	<item>
		<title>Krankheit und Gesundheit in der Bibel – Teil 2</title>
		<link>https://kfg.org/2024/krankheit-und-gesundheit-in-der-bibel-teil-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael Kotsch]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Sep 2024 21:04:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Sonstiges]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kfg.org/?p=18241</guid>

					<description><![CDATA[<p>Der souveräne Gott lässt sich nicht zwingen, unserem Wunsch nach sofortiger Heilung zu entsprechen. Diese Erwartung resultiert aus einer falschen Perspektive, die den Menschen und nicht Gott in den Mittelpunkt rückt. Heilung ist aber nicht nur Selbstzweck, genauso wenig wie Gott lediglich Dienstleister des Menschen ist. Immer wieder wird in der Bibel hervorgehoben, dass Gott heilt, um den Menschen seine Größe und Macht zu demonstrieren.</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://kfg.org/2024/krankheit-und-gesundheit-in-der-bibel-teil-2/">Krankheit und Gesundheit in der Bibel – Teil 2</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://kfg.org">KfG  -`✞´-  Konferenz für Gemeindegründung</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading">4. Heil und Heilung</h2>



<p>Krankheit und Tod stehen im Gegensatz zu Gottes ursprünglicher Schöpfung (1Mo 1,31; 2,17; 3,14ff.; Röm 5,12ff.). Auch im zukünftigen Reich Gottes wird es keine Krankheit und kein Leid mehr geben (Offb 21,4). Sie haben ihren Ursprung in der Trennung des Menschen von Jahwe. Doch auch in der gegenwärtigen, von Sünde gekennzeichneten Welt sind die Menschen der Krankheit nicht pauschal ausgeliefert. Gott selbst bezeichnet sich als Arzt, der von Krankheit heilt (1Mo 20,17; 2Mo 15,26; Hiob 5,18; PS 103,3); ihn sollen die Menschen um Heilung bitten (2Kön 1,2ff.). Die Ernsthaftigkeit ihrer Hinwendung zu Gott brachten die Menschen zum Ausdruck, indem sie gleichzeitig auf Nahrung verzichteten (2Sam 12,16ff.) und sich bewusst von falschem Verhalten distanzierten (4Mo 25). Prinzipiell will Gott den Leidenden von seiner Krankheit befreien. Durch sein heilendes Eingreifen will er den Menschen seine Gnade (Phil 2,27), seine Liebe (Jes 38,17) und seine Macht (Lk 5,17) konkret vor Augen führen.</p>



<p>Auch im Neuen Testament wird <strong>Krankheit als gottfeindliche Macht</strong> betrachtet (Lk 13,11.16). Jesus ist gekommen, um <em>„die Werke des Teufels zu zerstören“</em> (1Joh 3,8). Er heilt Kranke und eröffnet sündigen Menschen einen Weg zur Vergebung ihrer Schuld. Seine Heilungen sind dabei von keiner festen Zeremonie abhängig. Jesus heilt Menschen die ihm unmittelbar gegenüberstehen (Mk 1,31; Mt 4,23), aber auch weit entfernte Kranke (Mt 8,13). Manchmal legt der den Betroffenen seine Hände auf (Mk 6,5; Lk 13,13), manchmal genügt die Berührung seiner Kleider (Mt 14,35f; Mk 5,27-34) oder ein vollmächtiges Wort (Mt 8,8.13).</p>



<p>Im Handeln von Jesus verwirklicht sich die alttestamentliche Ankündigung des Knechtes Gottes, durch dessen Leiden Krankheit und Wunden der Menschen geheilt werden können (Jes 53,3-5.10; Mt 8,17). Gleichzeitig werden die spektakulären Heilungen als Beleg der göttlichen Vollmacht von Jesus verstanden (Mk 16,17.20; Joh 2,23; 20,30; Apg 2,19.22). In seinem Auftrag sind auch Jesu Jünger in der Lage, Menschen von ihren Krankheiten zu heilen, böse Geister auszutreiben und sogar Tote aufzuerwecken (Mt 10,1; Mk 6,13; Lk 9,1-10,9; Apg 3; 5,12.15f; 28,8f.). Ganz allgemein werden von Jesus auch für die spätere Gemeinde Krankenheilungen vorhergesagt, an denen Andersgläubige die Größe Gottes erkennen sollen (Mk 16,17-20).</p>



<p>Dem Eingreifen Gottes geht im Neuen Testament zumeist die <strong>vertrauensvolle Bitte</strong> des Kranken um Heilung voraus. Dieser wendet sich entweder direkt an Jesus oder im Gebet an Gott (Mt 8,10.13; 9,22; Mk 5,34; 10,52; Lk 18,42; Apg 14,9f.). Einzelne Christen erhalten vom Heiligen Geist die <strong>Gabe der Krankenheilung</strong> (1Kor 12,9), um damit Gott zu verherrlichen und den Glaubensgeschwistern zu helfen. Jeder kranke Christ wird aufgefordert, alle noch nicht vergebenen Sünden Gott zu bekennen, um jede individuelle Sünde als Krankheitsursache auszuschalten. Dann soll er sich an die Ältesten seiner Gemeinde wenden, die aufgefordert werden über dem Kranken zu beten und ihn <strong>mit Öl zu salben</strong> (Jak 5,14). Dabei werden weder ein spezieller Ritus noch eine bestimmte Ölmischung genannt; sodass angenommen werden kann, dass nicht das Öl, sondern das totale Vertrauen in Gottes Macht Voraussetzung der Heilung ist. Wie Naeman sich einer medizinisch unsinnigen Waschung im Jordan unterzieht (2Kön 5,1ff.), oder der Blinde sich von Jesus vertrauensvoll Straßendreck auf die Augen schmieren lässt (Joh 9,6), so soll der gläubige Christ seinen Kopf oder sein erkranktes Körperteil mit Öl bestreichen lassen, um seinem Vertrauen in Gott Ausdruck zu verleihen, der heilen kann wann und wie er will.</p>



<p>Personifiziert zuständig für das umfassende Heil des Menschen ist Gott als sein „Heiland“ (1Chr 16,35; Ps 17,7; 51,16; 85,5; Jes 43,3; 1Tim 1,1; Tit 1,3). Er allein kann sowohl alle Krankheiten heilen als auch die eigentliche Ursache jeder Krankheit beseitigen, die nach biblischer Diagnose vor allem im chronischen Konflikt des Menschen mit Gott zu suchen ist. Im Neuen Testament wird Jesus Christus als Heiland Israels (Lk 2,11; Apg 5,31), der Gemeinde (Eph 5,23), so wie aller übrigen Menschen bezeichnet (Joh 4,42; 1Joh 4,14).</p>



<p>Neben der rein menschlich medizinischen Bekämpfung von Krankheit (3Mo 13,37; Jos 5,8; 2Chr 21,18) wird in der Bibel die Wiederherstellung der Lebensordnung Gottes als „Heilung“ bezeichnet. Dieses Eingreifen Gottes kann auch körperliche Regeneration umfassen. Gott befreit Abimelechs Frau von ihrer Unfruchtbarkeit (1Mo 20,17) und Mirjam vom Aussatz (4Mo 12,13), auch alle übrigen Erkrankungen werden von ihm geheilt (Ps 103,3). Jesus hilft Lahmen, Blinden, Stummen, Krüppeln (Mt 14,14; 15,30) und Besessenen (Mt 12,22).</p>



<p>Wenn Gott einen Menschen krank werden lässt, um ihn zur Einsicht zu bewegen, kann kein Arzt ihn wieder gesund machen. (Jer 14,19; 15,18) <strong>Gott erzieht sein Volk, indem er es straft und ihm vergibt</strong> (Gericht und Gnade 5Mo 32,39; Hiob 5,18; Hos 6,1). Wenn ein Mensch aber einsichtig ist, sein falsches Verhalten verändert und Gott um Vergebung bittet (Jes 19,22; Jer 3,22), macht er ihn wieder gesund und heilt die Wunden (Jer 30,17) und die zerbrochenen Herzen (Ps 147,3; Lk 4,18). Diese göttliche Heilung umfasst sowohl die Sündenvergebung als auch ihre handfesten Folgen (2Chr 7,14; Ps 41,5; 103,3; 1Petr 2,24). Wer aber uneinsichtig ist und weiterhin ein Leben im Gegensatz zu Gottes Ordnungen führt, kann weder mit Heilung noch mit Vergebung rechnen (2Chr 36,16).</p>



<p><strong>Angesichts unbeschränkter Heilungsversprechungen durch pfingstlerische und charismatische Propheten</strong> ist allerdings dringend zur Vorsicht geraten. An keiner Stelle in der Bibel findet sich die verpflichtende Zusage Gottes, den Glaubenden schon während seines irdischen Lebens von jeder Krankheit und jedem Leiden zu befreien. Im Gegensatz dazu wissen wir von zahlreichen alt- und neutestamentlichen Glaubensvorbildern, dass sie trotz ihres festen Vertrauens in Gott gequält wurden, unter Krankheiten litten und starben (Hiob, Elia, Jeremia, Paulus, Timotheus). Jesus selbst verheißt, dass seine Jünger wie er selbst Leiden und Verfolgung ausgesetzt sein werden (Mt 10,17; 23,34; Mk 13,9ff.; Röm 8,17ff.; 2Kor 4,16ff.; 1Petr 1,6-9). Darüber hinaus warnt er vor Wundertätern der Endzeit, die als falsche Propheten in Erscheinung treten und durch ihre spektakulären Auftritte viele Christen verführen werden (Mt 7,15-23; 24,4f.11; Apg 8,9ff.).</p>



<p><strong>Übrigens sollte es auch nachdenklich machen, dass charismatische Christen ebenso häufig an Krebs, Depression oder Herzinfarkt leiden</strong> und ebenso durch Krankheiten einen irdischen Tod sterben, wie andere Menschen auch und das trotz ihres Glaubens. Sicher, Gott heilt, aber Christen sollten auch bereit sein zu akzeptieren, wenn Gott sich momentan nicht durch die Beseitigung einer Krankheit, sondern durch seinen Beistand in der Krankheit verherrlichen will. Krankheiten, die als Strafe, als Warnung oder infolge von Sünde den Menschen quälen, werden von Gott natürlich auch nicht durch das machtvolle Wort des Propheten oder die intensive eigene Einbildung überwunden, sondern nur durch die Behebung der wirklichen Krankheitsursache (Buße, Reue, Vergebung, Neubesinnung).</p>



<p>Im Deutschen kommt die inhaltliche Verwandtschaft von „heil“ und „heilig“ auch sprachlich besonders gut zum Ausdruck. Als „heilig“ werden in der Bibel, Personen, Gegenstände oder Worte bezeichnet, die sich in vollkommener Harmonie mit Gott befinden. Menschen oder Dinge werden von dem gewöhnlichen Irdischen getrennt und speziell für den Dienst Gottes reserviert. Heiligkeit bezeichnet den Zustand der Reinheit und Fehlerlosigkeit vor Gott, der den Gegensatz zum normalen Zustand der gegenwärtigen Welt bildet. Gott allein ist heilig (Jes 6,3; Mt 1,18; Lk 1,35) und nur er allein kann heilig machen (Hes 37,28). Eine Person, Sache oder Zeit wird erst dann heilig, wenn sie in totalem Einklang mit Gott steht und von ihm gebraucht wird. Nicht der Mensch schafft die Heiligkeit, sondern alle Heiligkeit geht von Gott selber aus. Weil er heilig ist, sollen auch die Gläubigen heilig sein (3Mo 11,44f.; 19,2; 1Petr 1,15-16).</p>



<p>Als besonderes Eigentum Gottes ist das Volk Israel heilig (2Mo 19,6), ebenso die Priester, die ihren ganzen Dienst auf Gott ausrichten sollen (2Mo 28,36; 3Mo 21,1-9). Die Orte an denen sich Gott offenbart werden als heilig bezeichnet, weil sie von Gott in Besitz genommen wurden (2Mo 3,5; Jes 48,2); ebenso die Zeiten, die der Erinnerung und Ausrichtung auf Gott dienen sollen (2Mo 35,2; 3Mo 23,4ff.). Selbst Gegenstände, die im Dienste des heiligen Gottes stehen, werden heilig, so die Bundeslade (2Chr 35,3), die Opfer (Hes 42,13), die Schaubrote (1Sam 21,5) oder der Zehnte (3Mo 27,32). Heiligkeit ist dementsprechend der Zustand vollkommenen Heils, also das extreme Gegenteil von Krankheit und Sünde. Heiligkeit ist der Zustand, den Jesus Christus dem kranken Menschen vermitteln will, mehr noch als die Abwesenheit von Krankheit; die Rückführung des Menschen in eine ganzheitliche Harmonie mit seinem Schöpfer.</p>



<h2 class="wp-block-heading">5. Was tut der Christ bei Krankheit?</h2>



<p>Ist jemand krank, sehnt er vor allem seine verlorene Gesundheit zurück. Generell sollte er sich mit diesem Anliegen zuerst an Gott wenden. Zahlreiche biblische Tipps zum Umgang des Christen mit seinen Krankheiten fallen für Allgemeinmediziner heute in die Kategorie alternativer Heilmethoden (Gebet, Salbung, Handauflegung). Das individuelle Vorgehen ist natürlich abhängig von der vermuteten oder bekannten Ursache der Erkrankung und dabei solle nicht nur nach den rein innerweltlich, materialistischen Ursachen wie Bakterien oder Blutfett gesucht werden, sondern auch geistliche und psychische Hintergründe Beachtung finden. Christen sollten sich bei Krankheit zuerst vertrauensvoll im Gebet an Gott wenden, der versprochen hat, ihr Gebet zu erhören (Ps 30,3; 107,18ff.). Jesus ist nicht gleichgültig, sondern mitfühlend mit dem Kranken (Jes 53,4; Mt 8,16f.).</p>



<h3 class="wp-block-heading">5.1 Gott vertrauen</h3>



<p>Ganz gleich, ob die Krankheit einen geistlichen, seelischen oder körperlichen Hintergrund hat, sollte der Christ Gott um Heilung bitten (2Chr 16,12; Jes 38,2f.14) und wenn sein Gebet erhört wird, Gott öffentlich für sein Eingreifen danken (Ps 103,1-3; Jes 38,19f; Lk 17,15; Apg 3,8). Diese Hinwendung an Gott fordert natürlich das Vertrauen des Menschen in die Kraft und den Willen Gottes, Krankheit zu beseitigen (Mt 9,28f.; Mk 5,34; 10,52).</p>



<p>In einer überwiegend materialistisch geprägten Umwelt müssen Christen darauf achten, Gott nicht in einen Randbereich der Krankheitsbewältigung abzuschieben. Auch in diesem Zusammenhang soll er nicht den Mediziner, sondern Gott zum ersten Adressaten seiner Bitte um Gesundheit machen. Natürlich ist es auch schon an dieser Stelle geraten, sich mit der Bitte um Gebetsunterstützung an andere Glaubensgeschwister zu wenden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">5.2 Sünde bekennen</h3>



<p>Sollte Gott auf die Gebete nicht unmittelbar mit Heilung antworten, gilt es, mögliche Hintergründe oder göttliche Bedingungen der Krankheit zu erkennen. Der Christ muss sich die Frage stellen, ob er sich nur halbherzig an Gott gewandt hat oder Gott tatsächlich ein Eingreifen zutraut. Möglicherweise muss er an dieser Stelle seinen Unglauben und Zweifel Gott bekennen (Mk 9,24; Lk 7,9; 17,5f.). Immer wieder ist Sünde Anlass für Krankheit. Deshalb sollte der Christ sein Gewissen auf unvergebene Sünde hin überprüfen, diese bekennen und Gott um Vergebung bitten (1Mo 20,17; Jak 5,16; 1Joh 1,9). Selbst wenn die jetzt genannte Sünde nicht Ursache der Erkrankung sein sollte, wird sie das Verhältnis zu Gott vertiefen und dem Christen eher ermöglichen, Gottes Reden zu hören oder mit den Begleiterscheinungen der Krankheit leben zu können.</p>



<h3 class="wp-block-heading">5.3 Medizin nutzen</h3>



<p>In einer nächsten Phase sollte der kranke Christ sich an die etablierte Medizin wenden, die mit den von Gott in die Natur gelegten Mitteln versucht den Menschen zu heilen. In vielen Fällen benutzt Gott die Überlegungen und Hände von seinen Geschöpfen, um hier auf der Erde zu handeln. Gott kann durch die chirurgische Geschicklichkeit des Arztes oder die chemische Wirkung pharmazeutischer Substanzen Heilung von Krankheit bewirken. Dabei sollte nicht gewertet oder unterschieden werden. In ihrer Wertigkeit ist eine auf Gebet folgende Spontanheilung genauso ein Wunder Gottes, wie sein Wirken durch die Möglichkeiten der Medizin. Für beide sollte Gott auch in gleicher Weise öffentlich gedankt werden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">5.4 Alternative Heilmethoden probieren</h3>



<p>Sollte eine Therapie nicht anschlagen, ist es durchaus kein Zeichen von Unglauben, noch einen anderen Arzt zu konsultieren oder eine andere Methode auszuprobieren.</p>



<p>Auch alternative Heilmethoden, die mit Wasser, Luft, Bewegung, Heilpflanzen, Musik oder Düften Krankheit bekämpfen, sind für Christen nicht generell tabu, sollten aber auf ihre Glaubwürdigkeit und ihre religiösen Wurzeln hin überprüft werden. Heilungsangebote, auch wenn sie sich fromm anhören, sollten immer auf ihre geistlichen Nebenwirkungen und theologischen Hintergründe hin untersucht werden. Trotz legitimer medizinischer Möglichkeiten muss der Christ manchmal anerkennen, dass Heilung durch natürliche Mittel alleine nicht erreicht werden kann (5Mo 28,27; 2Chr 21,18). Spätestens aber, wenn sich trotz jahrelanger Bemühungen keine Besserung einstellt, sollte der Christ erneut nach anderen, geistlichen Hintergründen der Krankheit suchen, um diese geistlich zu bewältigen und die Möglichkeit erwägen, dass Gott sich nicht durch die Beseitigung sondern durch das Ertragen der Krankheit verherrlichen will. Denkbar wäre auch, dass diese Krankheit mit der von Sünde gekennzeichneten Welt, mit sündigem Verhalten anderer, mit Versuchung, Warnung oder Erziehung Gottes zu tun hat (vgl. Ps 31,2-9; Jes 38,12.15).</p>



<h3 class="wp-block-heading">5.5 Die Ältesten rufen</h3>



<p>Sicher nicht bei jedem Schnupfen, wohl aber bei schweren oder hartnäckigen Krankheiten sollte sich der Christ mit Bitte um Gebet und Salbung an die Ältesten seiner Gemeinde wenden (Jak 5,14f.). Nach der im Jakobusbrief genannten geistlichen Prüfung und Vorbereitung sollten mehrere Älteste den Kopf oder das kranke Körperteil mit Öl bestreichen und sich in der intensiven Bitte um Heilung für den betroffenen Bruder vereinen. Gleichgültig scheint dabei die Rezeptur oder Menge des Öls, da nicht die benutzte Substanz, sondern der im Vertrauen gerufene Gott die Linderung oder Heilung bewirkt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">5.6 Die Krankheit ertragen</h3>



<p>Wenn trotz aller geistlichen und medizinischen Bemühungen kaum positive Veränderungen sichtbar werden, sollte der Christ seine Gebete und Planungen stärker dem Leben <em>mit </em>der Krankheit, statt dem Kampf <em>gegen </em>die Krankheit widmen. Sicher kann Gott auch noch nach jahrelanger Leidenszeit plötzlich Heilung schenken, doch ist es auch möglich, dass er dem Christen helfen will mit dem vom Sündenfall herrührenden Verfallsprozess, der destruktiven Versuchung des Teufels, den logischen Folgen eigener Sünden oder dem geistlichen Zuchtmittel zur Erreichung von Geduld, Demut, Langmut usw. leben und freudig ihm nachfolgen zu können. Christen sollten dagegen kämpfen, dass die Krankheit das Verhältnis zu Gott nachhaltig zu trüben beginnt, stattdessen sollten sie sich darum bemühen, dass die Krankheit zu einem Bereich des Lebens wird, in dem Gott in besonderer Weise erfahren werden kann. Gott lässt es gelegentlich zu, dass der Gläubige durch Krankheit geprüft wird (Hiob 2,5f.). Während der Krankheit sagt Gott dem Gläubigen allerdings seine Stärkung, Trost (Ps 41,4) und Bewahrung (Ps 91,3-7) zu und der Mensch kann das Eingreifen Gottes intensiver erfahren als zu anderen Zeiten des Lebens (Hiob 33,19-24; Ps 107,17-21).</p>



<p>Der souveräne Gott lässt sich nicht zwingen, unserem Wunsch nach sofortiger Heilung zu entsprechen. Diese Erwartung resultiert aus einer falschen Perspektive, die den Menschen und nicht Gott in den Mittelpunkt rückt. Heilung ist aber nicht nur Selbstzweck, genauso wenig wie Gott lediglich Dienstleister des Menschen ist. Immer wieder wird in der Bibel hervorgehoben, dass Gott heilt, um den Menschen seine Größe und Macht zu demonstrieren. Natürlich steht es ihm frei, seine Herrlichkeit stattdessen dadurch unter Beweis zu stellen, dass er Christen befähigt, in Krankheit fröhlich und zuversichtlich zu bleiben. Sicher sollte der Christ auch die Versuchung zurückweisen, Gott durch wohlklingende geistliche Versprechungen bestechen zu wollen. Wer so denkt fällt leicht dem Irrtum des Simon Magus zum Opfer, der die Kraft Gottes für käuflich hielt (Apg 8,5-13).</p>



<h3 class="wp-block-heading">5.7 Hoffnung erhalten</h3>



<p>Sollte der Christ bis zu seinem irdischen Lebensende in und mit Krankheit leben müssen, darf er aber nie vergessen, dass Gott in der Zukunft alle Krankheiten und jedes Leid endgültig beseitigen wird (Offb 7,17; 20,14; 21,4). Auch wenn es jetzt noch Gründe gibt, warum Gott Krankheit zulässt oder gar benutzt, steht schon heute dahinter die unumschränkte Liebe Gottes, die jeden Menschen zu seinem eigenen Wohl warnen, umgestalten und zu seinem ursprünglich von Gott gedachten Idealbild transformieren will. Obwohl es gelegentlich schwierig erscheint, ist es wichtig, diese Perspektive angesichts des eigenen, begrenzten Leidens nicht aus den Augen zu verlieren, und Gott auch schon in der unangenehmen gegenwärtigen Situation willentlich für seine Liebe, seine Kraft Krankheit zu ertragen und seine letztliche Beseitigung jeden Leides zu danken (Röm 8,17f.26-39; 1Petr 1,6-9).</p>



<h3 class="wp-block-heading">5.8 Leidenden helfen</h3>



<p>Da Gott den Christen nicht nur als isoliertes Individuum, sondern als Gemeinschaftswesen gedacht und geschaffen hat, gibt die Bibel nicht nur Auskunft über den Umgang mit eigener Krankheit, sondern fordert dazu auf, das Leiden anderer Menschen mitzutragen. Er soll Mitgefühl mit den Leidenden zeigen (Ps 35,13), für sie beten (Apg 28,8; Jak 5,14f.) und sie besuchen (Mt 25,34.36.40.43).</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://kfg.org/2024/krankheit-und-gesundheit-in-der-bibel-teil-2/">Krankheit und Gesundheit in der Bibel – Teil 2</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://kfg.org">KfG  -`✞´-  Konferenz für Gemeindegründung</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Krankheit und Gesundheit in der Bibel &#8211; Teil 1</title>
		<link>https://kfg.org/2024/krankheit-und-gesundheit-in-der-bibel-teil-1/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael Kotsch]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Sep 2024 21:11:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Sonstiges]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kfg.org/?p=18226</guid>

					<description><![CDATA[<p>In der Bibel geht es nicht nur um den Himmel und das Leben nach dem irdischen Tod. Zahlreiche Angaben beziehen sich auf die Freuden und Sorgen des irdischen Lebens. Ein gewichtiger Bestandteil dieses Lebens ist die Gesundheit. Da sich Gott nicht nur für die Seele, sondern für den ganzen Menschen interessiert, verwundert es nicht, dass sich zahlreiche Bibelstellen mit der Gesundheit und Krankheit des Menschen beschäftigen.</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://kfg.org/2024/krankheit-und-gesundheit-in-der-bibel-teil-1/">Krankheit und Gesundheit in der Bibel &#8211; Teil 1</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://kfg.org">KfG  -`✞´-  Konferenz für Gemeindegründung</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>Diesen Artikel haben wir mit freundlicher Erlaubnis des Lichtzeichen-Verlages aus dem E-Book „Moderne Medizin und Ethik“ (ISBN: 978-3-86954-992-7) von Michael Kotsch entnommen. Die Printausgabe ist leider vergriffen. Wir haben die wertvollen Ausführungen in zwei Artikel aufgeteilt. Die Hervorhebungen finden sich im Original; wir haben sie beibehalten. Die Redaktion</em></p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p>In der Bibel geht es nicht nur um den Himmel und das Leben nach dem irdischen Tod. Zahlreiche Angaben beziehen sich auf die Freuden und Sorgen des irdischen Lebens. Ein gewichtiger Bestandteil dieses Lebens ist die Gesundheit. Da sich Gott nicht nur für die Seele, sondern für den ganzen Menschen interessiert, verwundert es nicht, dass sich zahlreiche Bibelstellen mit der Gesundheit und Krankheit des Menschen beschäftigen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">1. Krankheit in der Bibel</h2>



<p>Manchmal finden sich in der Bibel Sammelbegriffe wie Krankheit, Seuche, Plage, Gebrechen (5Mo 28,58-61; Mt 4,23f; Mk 5,29). Dann wiederum finden sich recht spezifische Beschreibungen einzelner Krankheiten, die durchaus auf dem Niveau der damaligen Zeit rangieren. Als <strong>Ausfluss </strong>wird ein schleimiger eitriger Eiterfluss aus der Harnröhre bezeichnet (3Mo 15,1-15), bei dem es sich möglicherweise um eine Harnröhrenentzündung (Urethritis) oder eine Gonorrhö (Geschlechtserkrankung) handelte. Neben zahlreichen Personen, die unter Aussatz litten, finden sich insbesondere in 3. Mose 13 detaillierte Beschreibungen der Krankheitssymptome und dem Umgang mit Erkrankten. Verdacht auf Aussatz besteht bei Schwellungen, Ausschlag oder hellen Flecken auf der Haut. Haare werden weiß, gelegentlich wächst wildes Fleisch, das auch wieder verschwinden kann, am ganzen Körper verbreitet sich ein weißer oder rötlichweißer Ausschlag, „wie Schnee“.</p>



<p>Bei vermutetem <strong>Aussatz </strong>musste der Betroffene sieben bis vierzehn Tage unter Quarantäne gestellt und beobachtet werden. Bestätigten sich die Befürchtungen, galt der Kranke als kultisch unrein. Er musste normalerweise abgesondert von der übrigen Bevölkerung leben und durfte weder den Tempel noch die Synagoge besuchen. Heilungen, beispielsweise durch einen übernatürlichen Eingriff Gottes (4Mo 12,13; 2Kön 5,14; Mt 8,3; 10,8), wurden von einem Priester bestätigt, woraufhin der Betroffene auch offiziell wieder als gesund galt (3Mo 13,13). Vom Krankheitsbild her lässt sich der biblische Aussatz sowohl mit Lepra als auch mit der Schuppenflechte (Psoriasis vulgaris) identifizieren.</p>



<p>Die <strong>Auszehrung </strong>führt zur Abmagerung und zu einem allgemeinen Kräfteverfall (3Mo 26,16; 5Mo 28,22; Jes 10,16). Wahrscheinlich bezeichnen wir diese Krankheit heute als <strong>Tuberkulose </strong>(Schwindsucht). In gewisser Weise erinnert die <strong>Besessenheit </strong>an verschiedene psychische Erkrankungen. Im Neuen Testament wird sie allerdings eindeutig auf übernatürlichen, dämonischen Einfluss zurückgeführt (Mt 8,28ff.; 9,32f.; 12,22ff.). Durch Stöße oder Schläge hervorgerufene Schwellungen und Prellungen werden in der Bibel häufig als Beulen bezeichnet (l Mo 2,23; 2Mo 21,25). <strong>Blindheit </strong>wurde den biblischen Berichten entsprechend entweder vererbt (Joh 9,1), mit zunehmendem Alter erworben (1Mo 27,1; 1Sam 4,15; 1Kön 14,4) oder durch Gewalt bewusst hervorgerufen (Ri 16,21; l Sam 11,2; 2Kön 25,7), wie z.B. bei Kriegsgefangenen.</p>



<p>Unter <strong>Blutfluss </strong>verstand man sowohl die monatliche Menstruation (3Mo 15,19) und die Blutungen nach der Entbindung (3Mo 12,7) als auch außergewöhnliche, langandauernde Blutungen der Frauen (3Mo 15,25; Mk 5,25f.). Während dieser Zeit galten die Betroffenen als kultisch unrein und wurden weitgehend von öffentlichen und religiösen Anlässen ausgeschlossen. Auch <strong>Brandwunden </strong>werden in der Bibel beschrieben (3Mo 13, 24-28). Im Zusammenhang mit schwer ausheilenden, infizierten Wunden wird häufig von <strong>Eiter </strong>gesprochen (Ps 38,6; Spr 12,4; 14,30). Unter dem Oberbegriff „Fehler“ fasst die Bibel zahlreiche <strong>Missbildungen </strong>zusammen, die den betroffenen Priester vom Opfern disqualifiziert (3Mo 21,17-23). Als Fehler galten Blindheit, Missbildungen an Augen, Gesicht oder Gliedern, schlecht verheilte Brüche, Zwergwuchs, Hauterkrankungen, Lahmheit oder Sterilität (5Mo 23,2).</p>



<p><strong>Fieber </strong>taucht in der Bibel nicht nur als Begleitumstand anderer Erkrankungen, sondern auch als selbstständige Krankheitsbezeichnung auf (3Mo 26,16; 5Mo 28,22; Joh 4,52). Auf mögliche Spezifizierungen verweist Lukas, der von einem „hohen Fieber“ (Lk 4,38f.) und wiederkehrenden Fieberschüben (Apg 28,8) berichtet. <strong>Flechten </strong>auf der Haut von Menschen und Tieren werden in der Bibel beschrieben (3Mo 21,20; 22,22).</p>



<p>Auch verschiedenartige <strong>Geschwüre </strong>scheinen zu biblischen Zeiten weit verbreitet gewesen zu sein. Mit „bösen Blattern“ werden Beulen bezeichnet, die zu Geschwüren aufbrechen (2Mo 9,9ff.; 5Mo 28,27). An anderen Stellen wird von „bösen Geschwüren“ am ganzen Körper berichtet (Hiob 2,7), die eher an <strong>Lepra </strong>im heutigen Sinne erinnern. Die bei Hiskia geschilderten Symptome (2Kön 20,7; Jes 38,21) lassen eher auf Furunkel (oder Abszess) schließen. Im neutestamentlichen Griechisch bezeichnet das Wort eine eitrige Geschwulst (Lk 16,20f.; Offb 16,2.11). Als Grind wird ein krustiger oder borkiger <strong>Ausschlag </strong>an Kopf und Bart bezeichnet (3Mo 13,6-8.30-37; 5Mo 28,27).</p>



<p><strong>Herzerkrankungen </strong>umfassen in der Bibel sowohl psychische Leiden (1Kön 8,3 8ff.; Ps 51,11-12.19) wie auch Herzinfarkte (1Sam 25,37f.). Überhaupt finden sich in der Bibel immer wieder Hinweise auf <strong>psychosomatische Erkrankungen</strong>. Nervliche Anspannung und Überlastung kann zu körperlichen Erkrankungen führen (Dan 8,27). Bei biblischer <strong>Kahlheit </strong>geht es weniger um kosmetische als um medizinische Aspekte. Gelegentlich tritt sie zusammen mit Aussatz und anderen Hauterkrankungen auf (3Mo 13,40-43; Jes 3,17).</p>



<p><strong>Knochenbrüche </strong>werden in der Bibel im Zusammenhang mit Unfällen (1Sam 4,18), Hinrichtungen (Joh 19,31) oder kriegerischen Auseinandersetzungen erwähnt. Schlecht verheilte Brüche disqualifizierten vom Priesterdienst im Tempel (3Mo 21,19). Bei der alttestamentlichen <strong>Krätze </strong>(3Mo 21,20; 5Mo 28,27) handelt es sich vermutlich um eine stark juckende Hautkrankheit, die durch Milben hervorgerufen wird. Auch <strong>Krebs </strong>scheint in der Bibel erwähnt zu werden. In 2. Timotheus 2,17 wird die <strong>Gangrän </strong>(Brand) beschrieben. Abgestorbene Gewebeteile werden durch Fäulniserreger zersetzt. Häufig beginnt sie an den Finger- oder Zehenspitzen und ist auch durch die Amputation der betroffenen Gliedmaßen nicht sicher zu heilen, da sie am Stumpf erneut auftreten kann.</p>



<p>Lahme sind durch Krankheit, Unfall (2Sam 4,4) oder Verstümmelung (Mt 18,8) beim Gehen behindert oder unsicher (Hebr 12,13) und oft auf fremde Hilfe angewiesen (Hiob 29,15). Einige Menschen scheinen auch von Geburt an lahm gewesen zu sein (Apg 3,2; 14,8). Die beschriebenen <strong>Lähmungen </strong>können auf geschädigtes Nervengewebe, aber auch auf Gelenkrheuma zurückgeführt werden. Paulus rät Timotheus, zur Behandlung seiner nicht näher beschriebenen Magenerkrankung regelmäßig Wein zu trinken (1Tim 5,23).</p>



<p>Die Symptome des <strong>Mondsüchtigen </strong>erinnern an Epilepsie (Mt 17,15; Mk 9,18), werden aber im Zusammenhang mit dämonischer Besessenheit erwähnt. Möglicherweise beobachteten die Menschen einen Zusammenfall von Krankheitsausbruch bzw. -verlauf und Mondzyklus. Die <strong>Pest </strong>wird als verheerende Seuche geschildert, die zumeist als Strafe und Gericht Gottes auftritt (3Mo 26,25; 5Mo 28,21; 2Sam 24,13), oft im Zusammenhang mit Hunger und Krieg. Der Vater des Publius auf Malta litt wahrscheinlich an einer Amöbenruhr, die auch zu einem von Fieber begleiteten Leberabszess führen kann. Bei der „Eingeweidekrankheit“ König Jorams (2Chr 21,15.18f.) könnte es sich ebenfalls um eine <strong>Ruhr </strong>gehandelt haben, die einen schmerzhaften Darmvorfall nach sich zog. Sammelbezeichnung für alle Arten äußerer Verletzungen war der Begriff „Schaden“ (2Mo 21,22f; 3Mo 24,20; Dan 6,24). Der durch ungehinderte Sonneneinstrahlung auf den unbedeckten Kopf ausgelöste <strong>Sonnenstich </strong>wird in Psalm 121,6 erwähnt. Durch Schläge mit Ruten, Stöcken oder Geißeln werden Striemen und <strong>Wunden </strong>hervorgerufen (Jes 1,6; Apg 16,33). <strong>Stummheit </strong>wird im Neuen Testament auf <strong>Taubheit </strong>(Mk 7,32-37) oder auf dämonischen Einfluss zurückgeführt (Mt 9,32f.; 15,30f; Mk 9,17.25; Lk 11,14). Schwerhörigkeit und Taubheit sind angeboren oder treten infolge von Ohrenentzündungen und Alter auf (Mt 11,5; Lk 7,22).</p>



<p>Verrückte (<strong>Wahnsinnige</strong>) fallen vor allem durch ihr sonderbares Benehmen auf (2Kön 9,20). David simuliert Wahnsinn, indem er tobt, mit dem Körper wild gegen ein Tor stößt und Speichel in seinen Bart laufen lässt (l Sam 21,14ff.; Ps 34,1). Nebukadnezar verhält sich im Wahn wie ein Tier (Dan 4). Andere Wahnsinnige fallen mit ihren Waffen unberechenbar über ihre Mitmenschen her (Spr 26,18). Einige in der Bibel beschriebene Personen leiden unter „verdorrten Gliedmaßen“. Mit dieser Diagnose wird die vorübergehende <strong>Lähmung </strong>der Hand Jerobeams (1Kön 13,4-6) ebenso beschrieben wie die epilepsieähnliche Erstarrung des Körpers (Mk 9,18) oder eine lang andauernde Lähmung, die mit allmählichem Muskelschwund einhergeht (Sach 11,17; Mt 12,10). Die <strong>Verkrümmung </strong>des ganzen Menschen wird in der Bibel als Krankheit (Lk 13,11) oder als Folge des Alterungsprozesses beschrieben (Pred 12,3). Als Krüppel werden Menschen bezeichnet, die von Geburt an oder infolge von Krankheit und Unfall ihre Glieder nicht mehr normal gebrauchen können (Mt 15,30f; 18,8; Mk 9,43; Lk 14,13.21).</p>



<p>Im Zusammenhang mit Erkrankungen von Herz, Leber oder Lunge können sich wässrige Flüssigkeiten im Gewebe (<strong>Ödem</strong>) oder in der Bauchhöhle ansammeln. Dieses Krankheitsbild wird in der Bibel „Wassersucht“ genannt (2Chr 16,12; Lk 14,2).</p>



<p><strong><em>Die Bibel beschränkt sich nicht nur auf die Beschreibung der Krankheit.</em></strong></p>



<p>Wunden können dem eigentlichen Sinn nach entweder blutige <strong>Verletzungen </strong>(2Mo 21,25; 2Kön 9,15; Jes 53,5) oder seelische Schädigungen (Ps 38,6; Jes 1,6; Jer 15,18; 30,12) bezeichnen. Auf eine nicht näher bestimmbare <strong>Wurmerkrankung </strong>deutet der Hinweis, dass Herodes bei lebendigem Leib von Würmern zerfressen wurde (Apg 12,23). Die – gemessen an ihrer Zeit – umfassende Auseinandersetzung der Bibel mit körperlichen und seelischen Krankheiten beschränkt sich nicht nur auf ihre bloße Beschreibung, sondern versucht sie in ihr ganzheitliches Weltbild zu integrieren.</p>



<h2 class="wp-block-heading">2. Wertung der Medizin</h2>



<p>Der Einsatz von Medikamenten und anderen medizinischen Therapien wird in der Bibel zumeist positiv gewertet. Kritische Kommentare zur ärztlichen Hilfe finden sich immer dann, wenn Gott einen Menschen durch Krankheit zur Umkehr rufen will, der Betreffende aber statt auf Gott zu hören lieber Ärzte konsultiert.</p>



<p><strong>Ärzte und Medizin</strong> werden in der Bibel immer wieder in neutralem oder positivem Zusammenhang genannt. So finden sich Hinweise auf ägyptische (1Mo 50,2) und römisch-griechische Medizin (Mk 5,26; Lk 8,43). In Israel wurden Heilkundige für ihre Arbeit bezahlt (2Mo 21,19). Außer Ärzten werden auch die <strong>medizinischen Berufe</strong> der Hebamme (1Mo 35,17; 38,28; 2Mo 1,19) und des Salbenbereiters (1Mo 50,2; 2Chr 16,14; Offb 3,18) erwähnt. Lukas, der Begleiter des Paulus, war vermutlich Arzt (Kol 4,14). Sogar Gott (2Mo 15,26) und Jesus Christus (Mt 9,12) identifizieren sich mit der Funktion des Mediziners und bezeichnen sich selber als Inbegriff des Arztes: „Ich bin der Herr, dein Arzt.“ (2Mo 15,26).</p>



<p><strong><em>Die Medizin an sich wird in der Bibel nie kritisiert, nur die falschen Hoffnungen auf sie</em></strong></p>



<p>Eigentlich wird die Medizin an sich nie kritisiert, nur der falsche Umgang mit ihr, bzw. die falschen Hoffnungen, die in sie gesetzt werden, wenn Menschen von Ärzten erwarten, was nur Gott ihnen geben kann. Ahasja, der sich in seiner Krankheit an ein heidnisches Orakel statt an Gott wendet (2Kön l ,6) und Asa, der alle ihm zugänglichen Ärzte konsultiert, statt Heilung und Vergebung bei Gott zu suchen (2Chr 16,12), finden schließlich keine Hilfe und sterben. Hiob erkennt den geistlichen Hintergrund seiner Leiden und bezeichnet seine Freunde vor diesem Hintergrund als „unnütze Ärzte“ (Hiob 13,4). Israel, das aufgrund seiner gottlosen Lebensweise leidet, kann durch menschliche Medizin allein nicht geheilt werden (Jes 3,7; Jer 8,22). In Diskussionen mit den Einwohnern von Nazareth erinnert Jesus an ein Sprichwort, nach dem sich der Arzt zum Nachweis seiner Fähigkeit zuerst selber heilen soll (Lk 4,23).</p>



<p>Obwohl die Bibel nicht in erster Linie medizinische Bildung vermitteln will, werden auch <strong>positive Beispiele damaliger Therapien</strong> genannt. Wunden wurden ausgedrückt, gereinigt und verbunden (Jes 1,6; 30,26). Erwähnt wird auch das <strong>Desinfizieren </strong>(mit Wein) und Verschließen (mit Öl) offener Wunden durch den barmherzigen Samariter (Lk 10,34). Andere Erkrankungen (z.B. der Haut) wurden mit <strong>Salben und Balsam</strong> behandelt (Jer 8,22; 46,11). Besonders genannt wird Augensalbe (Offb 3,18). Knochenbrüche werden verbunden und geschient (Hes 30,21). Angesprochene <strong>pflanzliche Heilmittel</strong> sind Feigen bei Geschwüren (Jes 38,21) und die Früchte der Mandaragora (Liebesäpfel), die gegen Unfruchtbarkeit helfen sollten (1Mo 30,14). In anderen Fällen wurden aus Blättern erstellte Arzneimittel verabreicht (Hes 47,12). Mit Myrre vermischter Wein diente der <strong>Schmerzbekämpfung </strong>(Mk 15,23).</p>



<p>Paulus rät Timotheus zur Behandlung seiner nicht näher beschriebenen Magenerkrankung regelmäßig Wein zu trinken (1Tim 5,23). Bei psychischen Krankheiten versprach man sich von der <strong>Musik </strong>heilende Wirkung (1Sam 16,16). Auch der freundliche Zuspruch kann in solchen Fällen weiterhelfen (Spr 16,24). Gewalttätige <strong>Geisteskranke und Besessene</strong> wurden gebunden, um sie daran zu hindern, sich und anderen Menschen Schaden zuzufügen (Dan 4,12. 20; Mk 5,3f; Lk 8,29). Auch wenn diese in der Bibel genannten medizinischen Informationen heute nicht unmittelbar angewandt werden können, lässt ihre Erwähnung Rückschlüsse auf den geistlich korrekten Umgang des Christen mit der Medizin der Gegenwart zu.</p>



<p>Demnach ist für den Gläubigen die Nutzung der Medizin seiner Zeit erlaubt, möglicherweise sogar empfehlenswert, sofern diese nicht in direkter Konkurrenz zu Gott steht oder Krankheiten beheben will, die auf individuelle Sünde des Menschen oder Erziehungsmaßnahmen Gottes (Hebr 12,5ff.) zurückzuführen ist.</p>



<h2 class="wp-block-heading">3. Krankheitsursachen</h2>



<p>Alles spricht dafür, dass es in der ursprünglich von Gott konzipierten Welt keine Krankheit gegeben hat. Die meisten Krankheiten beruhen auf Mängelfunktionen des Körpers, doch war der ursprüngliche Mensch perfekt, ohne jeden Fehler (1Mo 1,31). Viele Krankheiten führen unbehandelt zum Tod, in der ursprünglichen Schöpfung aber gab es keinen Tod (1Mo 2,17; 3,14ff.; Rom 5,12ff.). Auch in dem von der Bibel angekündigten und von Christen erwarteten Reich Gottes kommen Krankheit, Leiden und Tod zu ihrem Ende (Offb 21,4). Hier wird wieder ein Zustand erreicht, wie er ursprünglich von Gott gedacht und geschaffen worden war.</p>



<p>Für Christen besteht die entscheidende Beziehung des Lebens im Verhältnis zu Gott. Gesund ist der Mensch letztlich nur, wenn die Beziehung zu Gott heil ist (Lk 17,11ff.). Gesundheit ist – wie das Leben überhaupt – Gabe Gottes. Krankheit ist Ausdruck davon, dass das Verhältnis zwischen Schöpfer und Geschöpf gestört ist (1Mo 3,1ff.). Der Gläubige erlebt Krankheit deshalb nicht nur als Schmerz und Bedrohung des Lebens, sondern auch als Infragestellung des Gottesverhältnisses (Ps 22; 42; 77; 88; Jes 38,1). In Gebeten sprechen die Kranken nicht nur über ihre körperlichen Qualen und Leiden, sondern ebenso über ihre Gottverlassenheit. Auch körperliche Störungen haben ihre Wurzel im gestörten Gottesverhältnis.</p>



<p>In der gegenwärtigen, sich gottlos gebenden Welt, kann Krankheit sowohl von Gott (5Mo 28,59ff.; 32,39; 2Sam 12,15; Apg 12,23; 2Kor 12,7) als auch vom Teufel (Hiob 2,6f; Lk 9,39; 13,16) verursacht werden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">3.1 Universale Sünde</h3>



<p>Irgendwann werden alle Menschen sterben und das zumeist an Erkrankungen des Herz- Kreislaufsystems, Krebs oder Infektionen. Der irdische Tod aber auch die Begrenzung des menschlichen Lebens auf 70 bis 80 Jahre, sind Folgen der Sünde (Ps 90,10). Zwar stehen dahinter nicht unbedingt die individuellen Sünden des heute von Krankheit und Tod betroffenen Menschen, wohl aber die Sünde Adams und die Sünden der Zeitgenossen Noahs. Deren Fehlverhalten ist nach biblischer Information der Ausgangspunkt des gegenwärtigen, unvollkommenen Zustands der Schöpfung (1Mo 2,17; Röm 5,12ff.).</p>



<p>Infolge der paradiesischen Sünde wurden die Umweltbedingungen, die Lebenslänge und die genetische Ausstattung des Menschen verändert (z. B. 1Mo 3,14-24). Lebte der Mensch ursprünglich mit Tieren und Pflanzen in vollkommener Harmonie, sind sie seit dem Sündenfall seine Konkurrenten um die für das Überleben notwendigen Ressourcen der Natur. Dabei schädigen Raubtiere und Bakterien, Schimmelpilze und Bandwürmer das Leben des Menschen, sodass dieser von Krankheiten und körperlichen Verletzungen betroffen wird.</p>



<p>Die genetisch bedingte Lebensverkürzung ist die Ursache für die mit zunehmendem Alter verlangsamte Regeneration des eigenen Körpers. Das wiederum führt zu einer schleichenden Alterung, die uns in Form von Krankheiten begegnet (Haarausfall, Arteriosklerose, zurückgehendes Muskelgewebe usw.). Darüber hinaus wurde das ehemals perfekte Erbgut des Menschen dem freien Spiel der Naturkräfte überlassen. Durch Strahlung, mechanische und chemische Einflüsse entstanden und entstehen zahlreiche Mutationen, die zumeist Krankheiten hervorrufen, von denen Menschen bis heute betroffen sind (Sehfehler, Missbildungen an inneren Organen, Bluterkrankheit usw.).</p>



<p>Diese Krankheiten haben zwar auch ihren Ursprung in der Sünde, nicht aber unbedingt in der des heute von ihr betroffenen Menschen. Vielmehr sind sie notwendige Begleiterscheinungen der von Gott getrennt existierenden Schöpfung.</p>



<h3 class="wp-block-heading">3.2 Individuelle Sünde</h3>



<p>Gott straft einzelne Menschen für ihre Überschreitung seiner Ordnungen (3Mo 26,14ff.; 2Chr 21,12ff.; 1Kor 11,30; 1Petr 3,10). Ungehorsam des Menschen Gott gegenüber kann Krankheit nach sich ziehen (5Mo 28,21ff.35.58-61). Eigene Ausschweifungen und Jugendsünden können eine Ursache für Krankheit darstellen (Hiob 20,11; Hos 7,5). Beispiele dafür lassen sich zahlreich im Alten und Neuen Testament finden. Miriam bekommt Aussatz, weil sie ungerechtfertigt gegen ihren Bruder Mose revoltiert (4Mo 12,10). Saul fällt in zeitweilige Depression und gewalttätigen Wahnsinn (1Sam 16,14ff.), weil er gegen den direkten Befehl Gottes handelt und an der Stelle eines Priesters opfert (1Sam 13,9ff.) und aus Gewinnsucht den Besitz der Feinde an sich nahm (1Sam 15,9ff.). Gehasi, der Mitarbeiter Elisas, erkrankt, weil er Naeman, den Patienten seines Lehrers belügt und ungerechtfertigt dessen Geld an sich nimmt (2Kön 5,1-27). Hananias und Saphira sterben an einem Hirnschlag oder Herzinfarkt weil sie die Gemeindeleitung von Jerusalem wissentlich belügen (Apg 5,1-11). Christen aus Korinth sind erkrankt, weil sie nicht zwischen dem Abendmahl und ihren normalen Mahlzeiten unterschieden haben (1Kor 11,27-34). Da Krankheit auf individuelle Sünde zurückgehen kann, ermahnt Jakobus die Christen zuerst die Sünden zu bekennen und dann andere Wege der Heilung zu suchen (Jak 5,16). In der Bibel finden sich allerdings nicht nur Beispiele von Menschen die aufgrund eigener Schuld von Krankheit betroffen sind, sondern auch Fromme, die schuldlos leiden (Hiob; Lk 13,2ff.; Joh 9,2ff.; 11,4).</p>



<h3 class="wp-block-heading">3.3 Fremde Sünde</h3>



<p>Immer wieder werden, insbesondere im Alten Testament, Beispiele dafür genannt, wie Menschen wegen der Sünde ihrer Volks- oder Familienangehörigen mitleiden (2Mo 20,5; 2Kön 5,27). Manchmal, wie im Fall Achans, der illegal Beutestücke für sich behält (Jos 7; 22,20) oder der Hartherzigkeit des Pharaos, der trotz mehrfacher Aufforderung Israel nicht aus der Sklaverei entlässt (2Mo 9,1ff.8ff.), leidet sogar das ganze Volk aufgrund der Sünde eines Einzelnen (vgl. Jes l,lff.). Auch im Neuen Testament finden sich Beispiele für die negativen Auswirkungen von Sünde im direkten Lebensumfeld des Schuldigen (Mt 11,21ff.; Lk 19,41-44). Sicher empfinden manche das als ungerecht, doch machen die negativen Folgen der Sünde auch losgelöst von Gott kaum einen Unterschied zwischen schuldig und unschuldig. So mussten unter den Folgen des Zweiten Weltkrieges sowohl Nazis wie auch deutsche Widerständler leiden. Die atomaren Strahlen von Tschernobyl kennen ebenfalls keinen Unterschied zwischen schuldigen Angestellten des Kernkraftwerkes und unschuldigen Anwohnern. Im Alten Testament finden sich aber auch Beispiele dafür, dass ganze Völker mit Leid und Krankheit von Gott gestraft werden, weil der überwiegende Teil ihrer Bevölkerung sich gegen Gott gestellt hat (Hes 14,19ff.; Jer 21,6). Außerdem erwähnt die Bibel negative Folgen sündigen Verhaltens bei Kindern und Enkeln, in Folge eines direkten strafenden Eingriffs Gottes oder einer belastenden Ausgangsposition durch Verschwendungssucht oder Alkoholismus ihrer Eltern (1Kön 11,11; 1Sam 15,26; Jer 29,32; 36,31; Am 7,17).</p>



<p>Manchmal straft Gott nicht nur aufgrund persönlicher Sünde mit Krankheit oder Tod, sondern statuiert ein abschreckendes Exempel, um die anwesenden Beobachter rechtzeitig davor zu warnen, seine Ordnungen zu überschreiten. Die oft als unverhältnismäßig streng empfundene Strafe richtet sich also nicht nur gegen die eigene Sünde, sondern auch gegen die potentiell zu erwartende Sünden im Umfeld des Betreffenden. Diese Interpretation liegt überall da nahe, wo die Krankheit in besonderer Weise pädagogisch hervorgehoben und wo die Strafe von Gott öffentlich, vor Publikum ausgesprochen und vollzogen wird. Als typisches Beispiel kann sicher die Bestrafung von Hananias und Saphira angesehen werden (Apg 5,1ff.); ebenso auch Gottes Urteil über Achan (Jos 7,25).</p>



<p>Häufig leiden Menschen unter dem bewusst sündigen Handeln ihrer Zeitgenossen. Weintrinker erkranken, weil der Händler seinem Erzeugnis billigen Methanolalkohol beigemischt hat. Eine Frau stirbt, weil ihr HIV-positiver Freund seine Erkrankung bewusst verschwiegen hat. Ein Autofahrer liegt wochenlang wegen eines Beckenbruchs im Krankenhaus, weil ein Betrunkener mit dessen Fahrzeug kollidiert ist. In all den genannten Beispielen haben Menschen die ihnen von Gott gegebene Freiheit benutzt, um anderen zu schaden.</p>



<p>Wieder könnte man fragen, warum Gott nicht verhindert, dass Menschen unter dem falschen Verhalten eines anderen leiden müssen. Das hängt damit zusammen, dass Gott keinen Menschen zwingen will, mit ihm und nach seinen Ordnungen zu leben. Gott will eine freiwillige Liebesbeziehung zu jedem Menschen. Nur die Möglichkeit, diese Freiheit auch wirklich zu missbrauchen, eröffnet auf der anderen Seite die Chance einer echten, ungezwungenen Gottesbeziehung.</p>



<p>Natürlich könnte Gott den Menschen falsche Entscheidungen treffen lassen, deren Ausführung aber verhindern, sofern sie anderen Schaden zufügen. Dann allerdings wäre jede echte Entscheidungsmöglichkeit hinfällig, denn wer wollte noch einen Kollegen belügen, wenn die Falschaussage im Hals stecken bleibt oder wer würde sich entscheiden, seinen ungeliebten Nachbarn zu verprügeln, wenn die erhobene Hand wie gelähmt in der Luft erstarren würde. Da Gott es mit der Freiwilligkeit ernst meint, nimmt er in Kauf, dass manchmal auch „Unschuldige“ unter sündigen Entscheidungen ihrer Mitmenschen zu leiden haben, bis hin zu Verletzungen, Krankheit und Tod. Als biblische Beispiele können die vergewaltigte Frau des Leviten (Ri 19) oder der verwundete Mann herangezogen werden, der vom barmherzigen Samariter medizinisch versorgt wird (Lk 10,25ff.).</p>



<h3 class="wp-block-heading">3.4 Teuflische Absichten</h3>



<p>Der Satan benutzt biblischem Zeugnis entsprechend Krankheit, um Menschen von Gott wegzuziehen, sie verbittert und missgünstig Gott gegenüber zu machen (Hiob 2,7; Lk 13,16; Hebr 2,14). Diese Aktivität des Teufels ist unabhängig vom sündigen oder nichtsündigen Handeln des betroffenen Menschen. Zuweilen entsteht sogar der Eindruck, als konzentriere sich der Gegenspieler Gottes insbesondere auf vorbildliche Gläubige, um sie zu Fall zu bringen (Hiob 1,1.8ff.; 2,3; Lk 22,31; 1Petr 5,8). Allerdings scheinen durch den Teufel verursachte Krankheiten unter göttlicher Genehmigungspflicht zu stehen und deshalb zeitlich eng beschränkt zu sein (Hiob 1,1.8.12; 2,6f; Mt 24,21f.). Manchmal taucht Krankheit in biblischer Diagnostik auch als Nebeneffekt von dämonischer Besessenheit auf. Besessene sind stumm (Mt 9,32; Mk 9,17), blind (Mt 12,22), entwickeln eine krankhafte Aggressivität (Mk 5,1-20), schreien, wälzen sich auf der Erde oder bekommen Schaum vor dem Mund (Mk 9,18f; Lk 9,37ff.).</p>



<p>Die in der Bibel beschriebenen Beispiele zeigen deutlich, dass alle Krankheitssymptome sofort verschwinden, wenn der Dämon den Menschen verlassen und er sich Gott gegenüber geöffnet hat (Lk 11,20ff.). Materialistisch-medizinische Therapien müssen bei diesen Erkrankungen allerdings erfolglos bleiben. Scheinbar ist es auch möglich, dass Krankheiten durch Zauberei und Magie hervorgerufen werden können. Hier geht die Aktivität nicht direkt vom Teufel aus, sondern von einem missgünstigen Zeitgenossen, der seinem Mitmenschen Schaden zufügen will. Da er dazu selbst nur bedingt in der Lage ist, macht er sich die Hilfe des Satans zunutze (2Mo 7,22; 8,3; 4Mo 22,6; 5Mo 18,10; Mt 24,24; 2Thess 2,9).</p>



<h3 class="wp-block-heading">3.5 Prüfung Gottes</h3>



<p>Gelegentlich werden Leid und Krankheit in der Bibel auch als göttliche Prüfung gedeutet (Hiob 32-37; Spr 3,1ff.; Hebr 12,5; Jak 1,2f.). In diesem Fall ist ihre Absicht nicht, den Menschen in Verzweiflung zu stürzen oder von Gott weg zu bringen, sondern echtes von falschem geistlichem Wachstum zu unterscheiden. Paulus und Jakobus fordern den Christen sogar auf, sich über Anfechtungen und Bedrängnis – zu denen auch Krankheit gehören kann – zu freuen, weil sie Standhaftigkeit, Hoffnung und Echtheit fördern (Röm 5,3ff.; Jak 1,2ff.). Petrus verweist auf die relative Kürze allen irdischen Leides und ermutigt, Krankheit zu ertragen, wenn sie eine göttliche Prüfung ist, weil das dadurch erprobte Vertrauen bei Gott mit „Lob, Ehre und Herrlichkeit“ belohnt würde (1Petr 1,6ff.;4,19).</p>



<h3 class="wp-block-heading">3.6 Verherrlichung Gottes</h3>



<p>Dass für Gott nicht nur der einzelne Mensch mit seinem zeitlich begrenzten Leiden im Mittelpunkt steht, zeigt sich unter anderem daran, dass er die Krankheit mancher Menschen lediglich deshalb zulässt, um sich zu verherrlichen. Im biblischen Kontext gibt es wichtigere Ziele als die Abwesenheit von Krankheit und Leiden, so beispielsweise Gerechtigkeit, Heiligkeit oder die Herrlichkeit Gottes.</p>



<p>Als die Jünger einem Mann begegnen, der von Geburt an blind war, beginnen die Jünger über die möglichen Ursachen der Krankheit zu spekulieren. Nachdem Jesus ihnen erklärt, dass dieser Blinde nur deshalb krank ist, damit Gott jetzt an ihm seine Allmacht demonstrieren kann, heilt er den Mann (Joh 9,1-7). Als Jesus einige Zeit darauf zum sterbenskranken Lazarus gerufen wird antwortet er ganz ähnlich:</p>



<p><em>„Diese Krankheit ist nicht zum Tode, sondern um der Herrlichkeit Gottes willen, damit der Sohn Gottes durch sie verherrlicht werde“</em> (Joh 11,4.40).</p>



<p>Scheinbar müssen Christen auch mit Krankheiten rechnen, die eine Zeit lang ertragen werden sollen, damit Gott sich zu dem von ihm anvisierten Zeitpunkt durch eine Heilung verherrlicht (vgl. 1Petr 4,11ff.).</p>



<h3 class="wp-block-heading">3.7 Pädagogische Absicht</h3>



<p>Wie der Klaps auf die Finger das Kleinkind davon abhalten soll, sich am Elektroherd zu verbrennen, so scheint auch Gott gelegentlich zu agieren, um Menschen vor eigenen Schwächen und Fehlern zu schützen, um sie davon abzuhalten, falsche Entscheidungen zu treffen oder um durch eine gewisse Portion Leid wertvolle Eigenschaften wie Geduld, Vertrauen und Mitgefühl zu fördern, die ansonsten vernachlässigt würden (2Kor 4,17; 1Petr 1,7; 5,10). Insbesondere kann das Leiden helfen, sich stärker mit Jesus zu identifizieren und die Sehnsucht nach seiner Wiederkunft zu erhöhen (Apg 5,41; Phil 3,10; Hebr 10,34; 1Petr 1,13). Dass Gott auch durch Leid und Krankheit erzieht, wird in der Bibel immer wieder erwähnt. Obwohl diese Erziehungsmaßnahmen wehtun können, wird der Glaubende aufgefordert, sich über das Handeln Gottes zu freuen, beweist es ihm doch, wie viel Gott an ihm liegt:</p>



<p><em>„Siehe, glücklich ist der Mensch, den Gott zurechtweist! So verwirf denn nicht die Züchtigung des Allmächtigen!“</em> (Hiob 5,17; vgl. 5Mo 8,5; Ps 94,12; Spr 3,11-12; Hebr 12,5f.11)</p>



<p>Im Neuen Testament finden sich einzelne Beispiele von Gottes pädagogischem Handeln durch Krankheit. Das bekannteste von ihnen ist wahrscheinlich Paulus, der Gott drei Mal bittet, eine nicht näher beschriebene Krankheit von ihm zu nehmen. Nachdem das nicht geschieht, zeigt Gott Paulus, dass dieses Leiden ihn vor Überheblichkeit bewahren soll (2Kor 12,7ff.). Jünger erkennen am Beispiel eines Blinden, dass Krankheit nicht immer durch Sünde verursacht ist (Joh 9,1-7). Menschen lernen vom Hauptmann von Kapernaum, wie sich echtes Gottvertrauen angesichts aussichtsloser Krankheit äußert:</p>



<p><em>„Ich sage euch, selbst nicht in Israel habe ich so großen Glauben gefunden“</em> (Lk 7,9).</p>



<p>Die pädagogische Absicht, die Gott mit Krankheit verfolgt, kann sich also manchmal auf den Erkrankten selbst, manchmal aber auch auf die ihn umgebenden Menschen beziehen. So können Christen, die in ihrer Krankheit auf Gott vertrauen und sich von ihm gebrauchen lassen, anderen Gesunden eine Ermutigung und Herausforderung sein.</p>



<h3 class="wp-block-heading">3.8 Warnung vor Schaden</h3>



<p>Eine besondere Form des erzieherischen Einsatzes von Krankheit ist die Warnung vor größerem Schaden. In diesem Zusammenhang geht es weniger um das Training positiver Eigenschaften, als vielmehr um die Verhinderung zukünftiger Probleme.</p>



<p><strong><em>In Gottes Augen ist die als schlimm empfundene Krankheit im Vergleich zu dem erwarteten Schaden das geringere Übel</em></strong></p>



<p>Der Mensch soll durch eine Krankheit gezwungen werden, nachzudenken oder durch seine Schwächung außerstande sein, weitere falsche Handlungen zu unternehmen. In Gottes Augen ist die als schlimm empfundene Krankheit im Vergleich zu dem erwarteten Schaden das geringere Übel. Gott wartet hier nicht erst, bis der Mensch einen Fehler begangen hat, um ihn nachher zu bestrafen. Er versucht ihn schon im Vorfeld seiner Tat davon abzuhalten – manchmal allerdings auch erst, nachdem der Betreffende schon mit seinem negativen Vorhaben begonnen hat.</p>



<p>Gott kann eine Grippe dazu benutzen, um dem umtriebigen Manager eine Ruhepause zu verschaffen, ehe sein gestresstes Herz endgültig den Dienst aufgibt oder ehe er seine Familie und Gemeinde unwiederbringlich schädigt. Gott kann auch den Jugendlichen nach durchzechter Nacht durch einen schweren Kater davor warnen, zu einem gewohnheitsmäßigen Trinker zu werden.</p>



<p>Die Bibel erwähnt Jona, den Gott durch Todesangst und Seekrankheit davor warnen will, sich weiterhin seinem Auftrag zu widersetzen (Jona 1). Als König Asa von Juda immer mehr auf sein diplomatisches Geschick als auf Gottes Führung zu vertrauen beginnt, warnt Gott ihn erst durch den Propheten Hanani und dann durch eine Fußkrankheit. Nachdem Asa weder auf die eine noch auf die andere Ermahnung hört, sondern beide mit menschlichen Mitteln zu bewältigen versucht, lässt Gott ihn sterben (2Chr 16,1-13). Möglicherweise ist auch die Blindheit, die Paulus nach seiner Begegnung mit Jesus vor Damaskus erleidet eine solche Warnung Gottes, die ihn hindern soll, noch mehr Christen zu verfolgen und zu quälen (Apg 9,1-19; 22,1-13).</p>



<p>Gott kann auch durch die Krankheit eines anderen den Menschen ansprechen, den er warnen will. Beispiele dafür sind der Pharao, der durch die Krankheiten seiner Bevölkerung gewarnt wird (2Mo 9,8ff.; 12,29ff.), sich weiterhin gegen den Willen Gottes zu stellen, oder der Tod des Hananias, der die Gläubigen Jerusalems warnen soll, Frömmigkeit und Hingabe nicht nur zu heucheln (Apg 5,1-11).</p>



<h3 class="wp-block-heading">3.9 Bedeutung und Grenzen verschiedener Kategorien von Krankheitsursachen</h3>



<p>Die genannten Kategorien geben natürlich nur exemplarisch Auskunft über die wahren, biblischen Hintergründe von Leid und Krankheit. In einem konkreten Fall mischen sich zumeist verschiedene Krankheitsursachen und lassen sich nicht eindeutig voneinander unterscheiden. So kann das Leiden aufgrund der Sünde anderer Menschen gleichzeitig auf eigenes Versagen hinweisen oder bei seiner Überwindung Gott verherrlichen oder im Ertragen desselben einem pädagogischen Ziel dienen. Manchmal sind die hier unterschiedenen Krankheitsursachen auch nur zwei Seiten einer Medaille. So beschreibt dann die eine Zuordnung stärker den Anlass und eine andere die Absicht, die mit der Krankheit verbunden ist.</p>



<p>Schlussendlich aber sind alle genannten Krankheitsursachen und -zwecke definitiv zeitlich befristet. In der erneuerten Schöpfung, dem zukünftigen Reich Gottes, haben Leid, Tod und Krankheit keinen Platz mehr (Ps 103,3; Jes 33.24; 65,17ff.; Offb 21,1ff.). In der verbleibenden Zwischenzeit dienen sie der Liebe Gottes, die den von ihm entfernten Menschen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln in die ganzheitliche Gemeinschaft mit seinem Schöpfer zurückführen will.</p>



<p>Für den Kranken der gegenwärtigen, irdischen Welt ist es von Bedeutung, den Hintergrund des eigenen Leidens zu erkennen. Nur dann nämlich kann er richtig darauf reagieren und so der eigentlichen Absicht Jahwes entsprechend zu einer vertieften Gottesbeziehung kommen – ganz gleich, ob die Krankheit in diesem Prozess verschwindet oder mit dem Beistand des himmlischen Vaters bewältigt werden kann. Von einer garantierten Krankheitslosigkeit, wie sie gelegentlich fälschlich in die Prophetie von Jesaja 53,4f. hineingelesen wird, weiß die Bibel nichts. (<em>„Jedoch unsere Leiden – er hat sie getragen, und unsere Schmerzen – er hat sie auf sich geladen … Die Strafe lag auf ihm zu unserm Frieden, und durch seine Striemen ist uns Heilung geworden.“</em>)</p>



<p>Natürlich heilt Gott im Alten wie im Neuen Testament von Fall zu Fall. Insbesondere in den Evangelien häufen sich diese übernatürlichen Heilungen an Glaubenden und Nichtglaubenden (Frommen und Gleichgültigen), um die Gegenwart Gottes in seinem Sohn Jesus Christus augenscheinlich zu machen (Lk 7,20-23). Abgesehen davon wird den Christen im Neuen Testament an keiner Stelle Krankheits- oder Leidenslosigkeit zugesagt. Im Gegensatz dazu wird uns von dem relativ kurzen Leben der Apostel und von den Krankheiten ihrer durchaus frommen Mitarbeiter berichtet (z. B. 1Tim 5,23; 2Tim 4,20). Die in Jesaja 53,4f angekündigte Leidensfreiheit hingegen wird für die Zeit des Reiches Gottes angekündigt (Offb 21,1-4).</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://kfg.org/2024/krankheit-und-gesundheit-in-der-bibel-teil-1/">Krankheit und Gesundheit in der Bibel &#8211; Teil 1</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://kfg.org">KfG  -`✞´-  Konferenz für Gemeindegründung</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Künstliche Intelligenz – Segen oder Fluch?</title>
		<link>https://kfg.org/2024/kuenstliche-intelligenz-segen-oder-fluch/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael Kotsch]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Jan 2024 03:46:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Sonstiges]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kfg.org/?p=18173</guid>

					<description><![CDATA[<p>KI wird mehr und mehr zur Normalität im Alltag – auch im Gemeinde-Kontext. Sie kann aber das persönliche Ringen mit dem Bibeltext und die Leitung durch Gottes Geist niemals ersetzen.</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://kfg.org/2024/kuenstliche-intelligenz-segen-oder-fluch/">Künstliche Intelligenz – Segen oder Fluch?</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://kfg.org">KfG  -`✞´-  Konferenz für Gemeindegründung</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Derzeit wird viel über ChatGPT diskutiert, eine neue Anwendung Künstlicher Intelligenz (KI). Bei Licht besehen handelt es sich eigentlich nur um einen verbesserten Automaten zur Vervollständigung von Texten. Der auf eine vom Nutzer gestellte Frage hin generierte Text ist dabei kein bloßes Plagiat, sondern einzigartig; obwohl keine wirkliche Leistung des Menschen dahintersteht. Sprachlich wirken manche Ausführungen noch etwas holprig, was in verbesserten Versionen ganz sicher noch nachgearbeitet wird.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Zahlreiche Einsatzbereiche</h2>



<p>Weitgehend unbemerkt von vielen Computernutzern wird Künstliche Intelligenz seit einigen Jahren eingesetzt. Künstliche Intelligenz hilft beispielsweise in der Verwaltung Routinearbeiten zu erledigen. Anträge können auf Plausibilität überprüft oder mit Angaben aus vergangenen Jahren verglichen werden. Der Sachbearbeiter muss dann nur noch die Ergebnisse überprüfen oder fragwürdigen Angaben nachgehen. Gesichtserkennungssoftware, wie sie zur Überprüfung der Personalien an Flughäfen eingesetzt wird, benutzt Künstliche Intelligenz. Programmierer lassen Routinearbeiten ebenso von KI erledigen, wie Chemiker, die Voruntersuchung zu Eigenschaften neuer Substanzen feststellen wollen. Auch bei dem Konzept des autonomen Fahrens kommt Künstliche Intelligenz zum Einsatz. Zuerst hier einige Beobachtungen zum Einsatz von KI in Schule, Studium und allgemeiner Textproduktion.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Chancen</h2>



<p>Für jeden, der in irgendeiner Weise an Textproduktion beteiligt ist, sind Programme wie ChatGPT eine technische Hilfe, mit der eine Internet-Recherche künftig deutlich abgekürzt werden kann. Auf der einen Seite ist das natürlich eine deutliche Arbeitserleichterung. Auf der anderen Seite steigt damit der berufliche Druck, weil ab nun erwartet wird, dass man einen Text mit solcher Hilfe schneller einreichen kann als bisher. In jedem Fall muss man sich auf die vom Programm vorgenommene Auswahl möglicher Quellen verlassen, die im Einzelfall sehr einseitig ausfallen kann.</p>



<p>Außerdem besteht die Gefahr, dass das Programm besonders häufig oder prominent geäußerte Meinungen hoch wertet und damit einseitige oder besonders medial formulierte Meinungen zusätzlich verstärkt. Zwar geben ChatGPT und ähnliche Programme auf Wunsch auch die verwendeten Quellen an, was bei einer Beurteilung der Ergebnisse natürlich weiterhilft. Hier braucht es aber solide Fachkenntnisse, um beurteilen zu können, ob die zitierten Personen, Zeitschriften und Bücher aktuell, relevant und ausgewogen sind, bzw. welche Aspekte möglicherweise ausgelassen wurden.</p>



<p>Vor allem werden zukünftig schwache Schüler oder Journalisten unter Zeitdruck vielleicht zu Programmen wie ChatGPT greifen. Dadurch bekommen sie zwar ein schnelles, unter Umständen repräsentatives Ergebnis, wissen aber nicht, wie die darin geäußerte Meinung zustande gekommen ist oder wie glaubwürdig sie ist. In zahlreichen Einzelabfragen geben Chat-Programme nachweislich falsche Informationen. In den allerersten Versionen von ChatGPT wurde beispielsweise der Elefant als größtes Säugetier genannt und Donald Trump schon zwei Amtszeiten als US-Präsident zugeschrieben. Solche Fehler fallen schnell auf. Gleichzeitig legen sie aber auch nahe, dass bei spezielleren Aussagen ähnlich erhebliche Falschinformationen genannt werden können, ohne dass diese dann sofort als solche erkannt werden.</p>



<p>Wer ChatGPT zukünftig sinnvoll nutzen will, der muss ganz gezielte und gut überlegte Fragen formulieren. Will ein Theologe beispielsweise erfahren, wann und von wem das Johannesevangelium verfasst wurde, wird er bei einer einfachen Frage nur die gängige, also bibelkritische Antwort vorgesetzt bekommen. Er sollte also gezielter nach „Verfasserschaft Johannesevangelium evangelikale Sicht“ oder „Verfasserschaft verschiedene Deutungen“ fragen. Dann muss er darauf vertrauen, dass die für ihn relevanten Daten in den Suchprogrammen auch hoch genug gelistet sind, damit sie in dem für ihn erzeugten Text erwähnt werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Risiken</h2>



<p>Natürlich erleichtern Programme mit künstlicher Intelligenz, wie ChatGPT, im Idealfall die Routinearbeiten von Recherche und Darstellung eines bisherigen Forschungsstandes. Gerade dieser oft mühsame Prozess aber ist absolut notwendig, damit ein Mensch, der dann kreativ weiterdenken soll, die Vielfalt und Komplexität seines Themas wahrnimmt und versteht, einschließlich aller wirklich relevanten Fakten und Gegenargumente.</p>



<p>Wesentliche Probleme von Programmen wie ChatGPT liegen 1) in der zwangsläufigen Zunahme von indirekten Plagiaten, die aber deutlich schwerer erkennbar sind und 2)in einer abnehmenden Fähigkeit zur eigenen Analyse und Bewertung eines komplexeren Sachverhalts. Außerdem kann es schnell dazu kommen, dass die zur Beurteilung eigentlich benötigten Sachinformationen noch stärker als bisher ausgeklammert oder nicht gelernt werden.</p>



<p>Weil man weiß, dass neue Technik nicht zu verbannen ist, will man sie vernünftigerweise sinnvoll integrieren. Schüler sollen beispielsweise die von ChatGPT produzierten Aufsätze überprüfen und korrigieren. Wie ein Mantra wird von Bildungspolitikern wiederholt, dass Faktenwissen überholt sei. Man braucht eben nicht mehr das Auswendiglernen, sondern das Bewerten. Dabei sollte allerdings klar sein, dass nur derjenige zuverlässig Fehler erkennt und Schlussfolgerungen überprüfen kann, der über ein umfangreiches Faktenwissen verfügt. Je mehr Schüler und Studenten auf ChatGPT und ähnliche Angebote zurückgreifen, desto weniger vertrauenswürdige Referenzgrößen zur Überprüfung werden sie aus eigener Erfahrung heranziehen können. Wer da die Fakten nicht genau kennt, der wird keine von einer KI produzierten Texte zuverlässig kontrollieren und korrigieren können. Weniger motivierte Schüler werden erst gar nicht den mühsamen und langwierigen Prozess des Lernens und Prüfens gehen, weil sie ihre Ausarbeitungen dank reichhaltiger Internet-Ressourcen auch viel einfacher erstellen lassen können.</p>



<p>Mancher Lehrer hofft momentan noch, aufgrund von Wortwahl und Stil die echten von den per Künstliche Intelligenz erstellten Aufsätzen unterscheiden zu können. Das funktioniert natürlich nur, wenn ausreichendes Vergleichsmaterial zur Verfügung steht, was bei denen nicht vorliegt, die von Anfang an auf ChatGPT und ähnliche Angebote zurückgreifen.</p>



<p>Außerdem ist nur eine verhältnismäßig geringe Anpassung nötig, um einem Programm auch solche Eigenheiten anzutrainieren. Zukünftig wird es für Schüler und Studenten möglicherweise deutlich schwerer, Abwägungen, Bewertungen und Prüfungen selbst zu lernen und einzuüben, weil diese für das Denken und Forschen absolut wichtigen Prozesse viel bequemer von Künstlicher Intelligenz vorgegeben werden.</p>



<p>Einer vorschnellen Euphorie müsste man auch entgegenhalten, dass mit ChatGPT und ähnlichen Programmen zwar immer neue Texte formuliert werden, dabei aber nichts wirklich Neues entsteht. In gewisser Weise kann man die Produktion neuer Medien-Inhalte mit diesen Programmen noch einmal erheblich beschleunigen. Am Ende befindet man sich wahrscheinlich in einer endlosen aber wahnsinnig schnellen Informationsschleife, wie manche postmoderne Kulturkritiker schon seit Längerem vermuten. Das Publikum bekommt immer neue Beiträge vorgesetzt, die lediglich schon bekannte Informationen neu formulieren und zugriffsoptimiert präsentieren. Schon jetzt drehen sich viele Internetnutzer fortwährend im Kreis, weil entsprechende Analyseprogramme ihnen immer wieder solche Beiträge empfehlen, die ihren einmal getroffenen Interessen und Meinungen entsprechen. Das wird sich durch ChatGPT &amp; Co eventuell noch einmal verstärken.</p>



<p>Nach einer bisher noch nicht bewältigten Welle von Plagiaten, Ghostwritern und gefälschten Forschungsergebnissen gibt es mit Künstlicher Intelligenz nun eine weitere Möglichkeit, im Bereich der Wissenschaft Scheinleistungen eindrucksvoll zu präsentieren. Weil sich andere Wissenschaftler in ihrer Arbeit auf diese unzuverlässigen Ergebnisse berufen, besteht die Gefahr einer weiteren Potenzierung zweifelhafter „Forschungsergebnisse“. Diese werden natürlich auch private und politische Entscheidungen beeinflussen. Außerdem könnten Programme wie ChatGPT die schon jetzt kaum überschaubare Flut wissenschaftlicher Veröffentlichungen weiter ansteigen lassen, weil es damit immer einfacher wird, neue Artikel zu produzieren. Auch das wird effektive, wissenschaftliche Arbeit unter Umständen eher erschweren als fördern.</p>



<p>Die hinter ChatGPT stehenden Unternehmen werden sich hüten, die Verantwortung für alle von ihrem Programm formulierten Meinungen und Behauptungen zu übernehmen. Da das Programm über keine eigene Ethik, Moral oder echte Kritikfähigkeit verfügt, wird es eben immer wieder auch ganz falsche, tendenziöse Meinungen produzieren oder fehlerhafte Schlussfolgerungen ziehen. Herausfordernde und anregende Sondermeinungen, sowie eigene Wertungen und Schwerpunkte bei der Darstellung eines Sachverhalts werden durch den Einsatz dieser Programme stark in den Hintergrund treten.</p>



<p>Mit solchen, auf Künstliche Intelligenz setzenden Programmen, wird es künftig noch leichter sein, bestimmte Meinungen massiv zu fördern oder vollkommen zu unterdrücken. Unternehmen oder Staaten können das entsprechende Chat-Programm nach Wunsch justieren und nur noch die genehmen Internetseiten für eine künstlich erzeugte Zusammenfassung zulassen. Wahrheit und Wahrheitssuche werden dann noch stärker als bisher von der freien Beurteilung des jeweiligen Nutzers getrennt.</p>



<p>Ganz gleich aber wie man sie im Detail auch bewertet, man sollte sich keiner Illusion über diese neue und deutlich verbesserte Technik künstlicher Texterzeugung hingeben. Mit großer Sicherheit wird sie sich durchsetzen und weiter perfektioniert werden, mit allen denkbaren Nebenwirkungen. Dazu werden die momentan intensiv geführten Diskussionen ebenso beitragen wie die Konkurrenz zwischen den großen Tech-Riesen wie Alphabet, Microsoft und Meta.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kritische Begleitung</h2>



<p>Bei der Anwendung von ChatGPT stellen sich erneut wichtige technologie-ethische Fragen. In weiteren Bereichen des Lebens, die man bis vor kurzem kaum für möglich hielt, gibt der Menschen seine Autonomie und seinen individuellen Überblick auf. Damit verschwindet auch ein weiterer Teil seiner Verantwortlichkeit. Wer haftet, wenn aufgrund eines von einer KI produzierten Briefs sich ein Teenie das Leben nimmt, eine neue Verschwörungstheorie verbreitet oder sogar ein Krieg ausgelöst wird? ChatGPT und ähnliche Programme haben kein Gewissen, Lüge und Wahrheit als moralische Größen existieren für sie nicht. Auch die möglichen Konsequenzen im realen Leben spielen für Künstliche Intelligenz eine untergeordnete Rolle. Computerprogramme leiden nicht, können nicht gefoltert werden noch hungern.</p>



<p>Es ist nur eine Frage der Zeit, bis künstlich erzeugte Texte nicht nur die Lern- und Bewertungsfähigkeit von Menschen deutlich vermindert, sondern auch in der übrigen, vom Internet beschleunigten Kommunikation zu Irritationen, Fälschungen und Konflikten führt. Das ist einerseits ein sich selbst verstärkender Prozess. Anderseits gibt es natürlich auch genügend kriminelle und ideologische Gründe diese Technik für die eigenen Zwecke einzusetzen.</p>



<p>Gerade angesichts sich schnell entwickelnder technischer Möglichkeiten müssen die mühsamen Fragen der Auswirkungen, der ethischen Legitimität und der Kontrollierbarkeit dieser Anwendungen gestellt und hoffentlich auch befriedigend beantwortet werden. Wenn man solche Neuentwicklungen nicht angemessen begleitet und auf ihre Folgen hin durchdenkt, dann könnten erhebliche Schäden entstehen. Das Potenzial ist jedenfalls vorhanden.</p>



<p>Momentan bereits absehbar sind eine abnehmende Lernmotivation, mehr arbeitslose Textproduzenten, eine zunehmend erschwerte Unterscheidung zwischen echten und erfundenen Informationen und eine sinkende Verantwortlichkeit für gesellschaftliche Prozesse, die durch KI-gestützte Berichte ausgelöst werden.</p>



<p>Je mehr Computerprogramme Informationen sammeln, neu kombinieren und auswerten, desto wichtiger sind die zugrundeliegenden Werte und Weltbilder. Deshalb ist die weitgehende Auflösung übergeordneter, allgemeingültiger Wahrheit in der Postmoderne ein noch größeres Problem. Wer Wahrheit weitgehend abgeschrieben hat – außer der eigenen, nicht mehr begründbaren – dem fehlen zunehmend die Möglichkeiten, Informationen und Schlussfolgerungen sinnvoll analysieren und beurteilen zu können.</p>



<p>Christen sollten in der Diskussion um Künstliche Intelligenz weder in eine altbekannte Technikfeindschaft verfallen noch die deutlichen ethischen Probleme dieser Art der Textproduktion vernachlässigen. Hier eröffnen sich ganz neue Fragen über Urheberschaft, Wahrheit und Verantwortung für eine öffentlich verbreite Meinung, bzw. für vorgebliche Lernleistungen in Schule, Studium und Beruf.</p>



<p>Prinzipiell können Anwendungen wie ChatGPT auch benutzt werden, um seelsorgerliche Briefe abzufassen, Jugendstunden vorzubereiten oder Predigten zu formulieren. Geistlich gesonnene Christen sollten dabei aber nicht vergessen, dass die Zusammenfassungen Künstlicher Intelligenz das persönliche Ringen mit dem Bibeltext und das Suchen nach der Leitung des Heiligen Geistes nicht ersetzen können. Außerdem hat der verantwortungsvolle Gemeindemitarbeiter die konkrete Situation seiner Zuhörer vor Augen und weiß, wie sie angesprochen werden müssen. Das kann kein Chat-Programm ersetzen, auch wenn die dort vorgeschlagenen Formulierungen theologisch korrekt klingen. Geistlicher Dienst ist eben mehr als das Zusammenfassen relevanter theologischer Fakten.</p>



<p>Nicht zu unterschätzen ist beim Einsatz von ChatGPT die Gefahr von direkter oder indirekter Lüge und Falschinformation, bzw. der bloßen Vorspiegelung eigener Forschung. Hier aber unterstehen Christen einer eindeutigen biblischen Verpflichtung, auch wenn die mit größerer intellektueller Arbeit verbunden ist. „Am Tag des Gerichts werden die Menschen Rechenschaft über jedes [falsche und] nutzlose Wort ablegen müssen, das sie gesagt haben.“ (Mt 12,36) Gläubige sollen persönlich und überzeugt hinter ihren Worten und Meinungen stehen können. „Ansonsten denkt über das nach, meine Geschwister, was wahr, was anständig und gerecht ist! Richtet eure Gedanken auf das Reine, das Liebenswerte und Bewundernswürdige; auf alles, was Auszeichnung und Lob verdient!“ (Phil 4,8) Außerdem sind Christen angesichts zunehmender virtueller Wahrheitsdeutungen umso stärker herausgefordert, die grundlegenden Werte und Maßstäbe ihres Denkens beständig von Gott justieren zu lassen. „Und richtet euch nicht nach den Maßstäben dieser Welt, sondern lasst die Art und Weise, wie ihr denkt, von Gott erneuern und euch dadurch umgestalten, sodass ihr prüfen könnt, ob etwas Gottes Wille ist – ob es gut ist, ob es Gott gefallen würde und ob es zum Ziel führt!“ (Röm 12,2)</p>



<h2 class="wp-block-heading">Künstliche Intelligenz. Ethische Probleme.</h2>



<p>Von vielen wird Künstliche Intelligenz als immenser Fortschritt gefeiert und das nicht ohne Grund. Die meisten der bisher eingesetzten Computerprogramme waren lediglich in der Lage das abzuarbeiten, was man ihnen vorgegeben hatte. Dazu gehören durchaus auch ziemlich komplexe Berechnungen und Arbeitsabläufe. Der Rahmen war aber immer relativ festgesetzt. Ständig arbeiteten Programmierer an Verbesserungen und Erweiterungen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Künstliche Intelligenz erleichtert die Arbeit</h2>



<p>Künstliche Intelligenz hingegen erledigt nicht nur stupide Arbeiten. In Sekundenschnelle schreibt sie Referate, Werbetexte oder Programmcodes. Die KI trifft dabei nicht genau vorhersehbare Entscheidungen. Sie kann sogar kreative Aufgaben übernehme, wie das Erstellen von Gemälden oder das Komponieren von Musikstücken. Künstliche Intelligenz kann Informationen im Internet sammeln, auswählen und in neuen Formulierungen zusammenfassen. Sie kann schon jetzt Zeitungsartikel verfassen, Bücher schreiben und neue Computerspiele entwickeln. Das verändert die Arbeitswelt und auch das Selbstverständnis des Menschen tiefgreifend. Vorerst gibt es zumeist aber noch Menschen, die versuchen bei diesen Prozessen korrigierend einzugreifen.</p>



<p>Immer stärker nimmt Künstliche Intelligenz Menschen das Denken und Entscheiden ab. In manchen Fällen ist das durchaus hilfreich, weil Computer gewöhnlich weniger Emotionen und Eigeninteressen in ihre Entscheidung einfließen lassen als Menschen. Außerdem reagieren sie zumeist deutlich schneller. Computergestützte Prozesse in Autos, Flugzeugen und Zügen verringern schon heute die Wahrscheinlichkeit von Unfällen erheblich. Computer und Sensoren können nicht müde oder abgelenkt werden. Künstliche Intelligenz hilft, ungeliebte Routineaufgaben leichter und schneller zu erledigen, Daten zu sammeln oder Formulare und Anträge auszuwerten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Künstliche Intelligenz braucht solides Fachwissen</h2>



<p>Wer sich in einem Fachbereich besonders gut auskennt, für den kann Künstliche Intelligenz sehr hilfreich sein, weil er Fehler und Missdeutungen oft rechtzeitig erkennen kann. Wer aber noch nicht so viel Wissen mitbringt, der wird verführt, den mühsamen Weg, sich dieses Wissen anzueignen mit KI abzukürzen. Rein äußerlich kommt man auf diese Weise viel schneller zum Ziel, zu dem erhofften Auftrag oder der gewünschten Note. Das Ergebnis wirkt zufriedenstellend, auch wenn man die produzierten Inhalte nur teilweise nachvollziehen und kaum auf Korrektheit überprüfen kann.</p>



<p>Auf der anderen Seite ist es nicht nur irgendwie unheimlich, wenn wichtige Entscheidungen von unpersönlichen Computer-Systemen abhängen, so etwas kann auch richtig gefährlich werden. Immer häufiger verlassen sich Menschen auf Informationen und Entscheidungen, die Computerprogramme für sie gesammelt und bewertet haben. Manchmal ist es aber auch ein großer Segen. Es gibt z.B. deutlich weniger S-Bahnunglücke und Flugunfälle durch Autopiloten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Künstliche Intelligenz muss kontrolliert werden</h2>



<p>Bei Google war Geoffrey Hinton lange verantwortlich für die Entwicklung Künstlicher Intelligenz. Weltweit gilt er als Pionier in diesem Bereich. Seit einigen Jahren konzentriert sich Hinton auf die Erforschung der Risiken von KI. In diesem Zusammenhang gab er auch großen Medienanstalten wie der BBC und der New York Times entsprechende Interviews. Schon bald wären diese Anwendungen klüger als die Menschen, die sie benutzen, prognostiziert der Wissenschaftler. Die Software sei in der Lage, riesige Datenmengen innerhalb kurzer Zeit zu verarbeiten.</p>



<p>Neben eindeutigen Vorteilen verweist Hinton auch auf die Gefahren einer flächendeckenden Anwendung Künstlicher Intelligenz. Wenn Daten und Nachrichten erst einmal in einem größeren Umfang von KI erzeugt würde, könne sie durch niemanden mehr kontrolliert oder überprüft werden. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Künstliche Intelligenz auch gezielt für Desinformation und Manipulation eingesetzt wird, die dann noch schwerer aufgedeckt werden kann als bei dem Einsatz herkömmlicher Technologie.</p>



<p>Zusammen mit dem Tech-Milliardär Elon Musk setzt Hinton sich in einem öffentlichen Aufruf für eine Pause bei der Entwicklung und dem Einsatz Künstlicher Intelligenz ein. Darin heißt es unter anderem „KI-Systeme mit einer Intelligenz, die Menschen Konkurrenz macht, können große Risiken für Gesellschaft und Menschheit bergen. […] Mächtige KI-Systeme sollten erst dann entwickelt werden, wenn wir sicher sind, dass ihre Auswirkungen positiv und ihre Risiken kontrollierbar sind.“</p>



<p>Der Deutsche Ethikrat forderte im März 2023 deshalb klare Regeln für den Einsatz Künstlicher Intelligenz. Weil diese Systeme keine Personen sind und auch über keine Vernunft oder Ethik verfügen, ist es höchst problematisch, ihnen wichtige Entscheidungen zu überlassen oder Informationen für die Öffentlichkeit durch sie zu interpretieren. Künstliche Intelligenz dürfe die menschliche Freiheit und Entwicklung nicht beeinträchtigen, forderten die Wissenschaftler.</p>



<p>KI kann nur schwer zwischen echter und gefakter Information unterscheiden oder persönlichkeitssensible Daten als solche erkennen. Sie hat kein Gewissen und kennt keine Konzepte von Ethik oder Wahrheit. In jedem Fall müsste es zukünftig leichte und effektive Einspruchsmöglichkeiten gegen Aussagen und Entscheidungen Künstlicher Intelligenz geben, wenn man den Eindruck hat, falsch behandelt worden zu sein.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Künstliche Intelligenz vernichtet Arbeitsplätze</h2>



<p>Einige Studien gehen davon aus, dass der Einsatz von KI und Robotik viele Berufe automatisieren kann und somit zu hohen Beschäftigungsverlusten führen wird. Das wird vor allem Tätigkeiten mit hohem Routineanteil treffen, in der Produktion, Administration, im Verkauf, Transport und der Logistik. Dadurch sind besonders die Bevölkerungsschichten mit niedrigerem Bildungsgrad und Gehalt betroffen. Künstliche Intelligenz wird dadurch die soziale Aufspaltung der Gesellschaft weiter vertiefen.</p>



<p>Künstliche Intelligenz wird schon in baldiger Zukunft viele Arbeitsplätze in der Verwaltung und auch in der Standard-Beratung überflüssig machen. Der US-Technologiekonzern IBM hat bereits angekündigt, dass er in den kommenden fünf Jahren 30% aller Verwaltungsstellen einsparen und durch Künstliche Intelligenz ersetzen will, insgesamt 7.800 Stellen. Das spart Geld, und erhöht den Gewinn. Solche Ankündigungen sind allerdings erst der Anfang. Die Einsatzmöglichkeiten Künstlicher Intelligenz steigen schnell. KI kann schon heute Übersetzer zumindest teilweise ersetzen, ebenso Graphikdesigner, aber auch Journalisten, sowie andere Text- und Bildproduzenten. KI ersetzt künftig eben nicht nur wenig qualifizierte Stellen, sondern auch gut ausgebildete Arbeitnehmer. Auf der einen Seite erspart das natürlich manche lästige Routinearbeit. Nicht ganz unproblematisch ist es aber, wenn zukünftig immer mehr Anträge oder Prüfungen von Künstlicher Intelligenz bearbeitet werden, mit der man kaum verhandeln oder diskutieren kann.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Künstliche Intelligenz verleitet zu intellektueller Faulheit</h2>



<p>Viele Menschen durchschauen KI-Systeme nur schwer und verlassen sich dann umso stärker auf die dort vorgegebenen Informationen und Ergebnisse. Das führt zu steigender Abhängigkeit und Unfreiheit. Wer sich langfristig auf Systeme der Künstlichen Intelligenz verlässt, der verliert mit der Zeit die Fähigkeiten selber Informationen zu sammeln, auszuwerten und sachgerechte Schussfolgerungen zu ziehen.</p>



<p>Auch die durch Künstliche Intelligenz erzeugten Daten und Aussagen fließen wieder ins Internet ein und beeinflussen dadurch wiederum alle zukünftigen Recherchen von Menschen und Computerprogrammen. Weil auch Zeitungen, Zeitschriften und Wissenschaftler vermehrt auf KI zurückgreifen, wird es in Zukunft ziemlich schwierig sein, eindeutig zu erkennen, wer mit welcher Expertise und Verantwortung hinter welchen Aussagen steht, oder woher vorgeblich sichere Fakten letztendlich wirklich stammen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Künstliche Intelligenz bietet viel Potential zum Missbrauch</h2>



<p>Durch KI wird das Urheberrecht auf kreative und wissenschaftliche Leistungen elegant ausgehöhlt. Die im Internet verfügbaren Daten können ohne Quellenangabe und Lizenzzahlungen benutzt und leicht veränderter Form neu kommerziell verwendet werden. Künstler, Schriftsteller und Wissenschaftler fürchten, um eine angemessene Entlohnung für ihre Arbeit gebracht zu werden, die bei vielen Anwendungen die Datenbasis Künstlicher Intelligenz bildet.</p>



<p>KI macht es auch erheblich einfacher, personenbezogene Daten von Computernutzern zu sammeln und strategisch auszuwerten. Es ist fast unmöglich, den Zugriff auf sensible oder geschützte Datensätze effektiv zu verhindern oder im Nachhinein sicher zu dokumentieren. Durch die gezielte Auswertung großer Datenmengen können umfassende familiäre, gesundheitliche, finanzielle oder weltanschauliche Profile erstellt und für geschäftliche Zwecke missbraucht werden.</p>



<p>Künstliche Intelligenz kann mit einigen Stimm- oder Schriftproben, individuell klingende Aussagen oder Schriftsätze produzieren, die auch für Angehörige auf den ersten Blick nicht als Fälschungen erkennbar sind. Auf diese Weise ist es schon heute möglich, Telefonanrufe, Briefe oder Unterschriften täuschend echt zu erzeugen, durch die Menschen Falschaussagen untergeschoben werden können. Damit können Beziehungen und Karrieren zerstört und betrügerische Geschäfte abgeschlossen werden.</p>



<p>Die meisten KI-Systeme werden von Firmen und Regierungen kontrolliert, die ihre eigenen Profit- oder Machtinteressen verfolgen. Es kann nicht sichergestellt werden, dass sie die in diesem Prozess recherchierten Daten korrekt verwenden und keinen Einfluss auf die Ergebnisse der von ihnen betriebenen Systeme nehmen, um ihre eigenen Interessen zu fördern. Im schlimmsten Fall kann man bestimmte Daten und Meinungen generell ausschließen oder KI benutzen, um falsche Informationen unauffällig an möglichst vielen Stellen zu platzieren.</p>



<p>Die Frage, wer bei einem Unfall mit autonomem Fahren oder einer medizinischen Therapie verantwortlich ist, die durch Künstliche Intelligenz entschieden wurde, kann wie folgt beantwortet werden: Am Ende ist immer eine natürliche oder juristische Person in der Haftung, egal welche Werkzeuge eingesetzt werden.Das gilt auch für KI-Werkzeuge.</p>



<p>Künstliche Intelligenz kann natürlich auch von autonomen Waffensystemen oder zu Propagandazwecken eingesetzt werden. Die Verantwortung für Tötungen und Desinformation lägen dann theoretisch bei einem anonymen Computersystem.</p>



<p>Weil Künstliche Intelligenz keiner höheren Ethik oder Verantwortung verpflichtet ist, könnte sie zu letztlich absurden oder gesellschaftlich schädlichen Entscheidungen kommen. Solche autonomen Systeme könnten zukünftig beispielsweise zum Schluss kommen, dass man die Menschheit oder zumindest die Alten und Kranken am besten auslöscht, um ihr Leiden zu minimieren oder Kosten zu senken.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Künstliche Intelligenz darf menschliche Verantwortung nicht ersetzen</h2>



<p>Nach Auskunft der Bibel kann ein Mensch die Verantwortung für sein Handeln und Reden keinem anonymen Computersystem überlassen. Er muss vor Gott Rechenschaft ablegen. „<em>Drängt euch nicht danach, Lehrer zu sein, meine Brüder. Ihr wisst ja, dass wir als Lehrer ein strengeres Gericht zu erwarten haben, denn wir alle machen oft Fehler. Wer beim Reden keine Fehler macht, der ist ein vollkommener Mann.</em>“ (Jak 3,1.2)</p>



<p>Bei der Auswahl von Personen, die verantwortliche Entscheidungen für die Gemeinde treffen sollen, werden ganz besonders charakterliche Qualifikationen gefordert, die Systeme der Künstlichen Intelligenz nicht haben können, obwohl sie zukünftig immer mehr wichtige Entscheidungen treffen werden. „<em>Ein Leiter muss ein Mann ohne Tadel sein, der mit einer Frau verheiratet ist. Er muss sich besonnen und verantwortungsbewusst verhalten, darf keinen Anstoß erregen, muss gastfreundlich und zum Lehren befähigt sein. Er soll kein Trinker und gewalttätiger Mensch sein, sondern ein freundlicher und rücksichtsvoller Mann, der auch nicht am Geld hängt. Er muss sich in vorbildlicher Weise um seine Familie kümmern, sodass seine Kinder ihn achten und ihm gehorchen.</em>“ (1Tim 3,2-4)</p>



<p>Die hier für verantwortliche Leiterschaft und seelsorgerliche Begleitung genannten Qualifikationen verknüpfen Wissen und sachgerechte Analysen, mit Bewährung und Lebenspraxis. Diese vielschichtigen Aspekte lassen sich durch KI nicht ersetzen. Christen können die Chancen Künstlicher Intelligenz nutzen, wenn sie sich dabei auch der Grenzen und Gefahren bewusst sind.</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://kfg.org/2024/kuenstliche-intelligenz-segen-oder-fluch/">Künstliche Intelligenz – Segen oder Fluch?</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://kfg.org">KfG  -`✞´-  Konferenz für Gemeindegründung</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
