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	<title>Kommunikation &#8211; KfG  -`✞´-  Konferenz für Gemeindegründung</title>
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	<description>Konferenz für Gemeindegründung e.V.</description>
	<lastBuildDate>Tue, 09 Sep 2025 21:55:42 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Geistliches Wachstum durch das Paulus­-Timotheus­-Prinzip</title>
		<link>https://kfg.org/2025/geistliches-wachstum-durch-das-paulus-timotheus-prinzip/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[LeRoy Eims]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 Sep 2025 21:51:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Leiterschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der geistliche Weg eines Christen beginnt mit der Bekehrung und führt über die Jüngerschaft hin zum Dienst für den Herrn. Dabei stellt sich die Frage, welche geistliche Nahrung und welche Art von Begleitung notwendig sind, damit reife und verlässliche Mitarbeiter in der Gemeinde Jesu Christi heranwachsen können.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>Mit freundlicher Genehmigung des Betanien-Verlags drucken wir hier einige Auszüge aus „Die verlorene Kunst des Jüngermachens“ von LeRoy Eims, 3. Auflage 2023, ab. Die Redaktion</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Grundsätzliches</h2>



<p>Jeder an Jesus Christus Gläubige sollte Gelegenheit haben, persönlich ernährt zu werden und sich zu ent-wickeln. Von jedem Neubekehrten wird erwartet, dass er sein volles Potential für Gott ausschöpft. Und bei den Meisten wäre das der Fall, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten; wenn ihnen nur jemand die erforderliche Nahrung geben, die nötige Hilfe leisten und die angemessene Unterweisung vermitteln würde, und wenn sie jemandem so wichtig wären, dass er etwas für sie leiden, etwas für sie opfern und viel für sie beten würde.</p>



<p>In diesem Artikel möchten wir den Wachstumsprozess im Leben eines Christen betrachten, von seiner Bekehrung zu Christus an, bis er ein <em>Jünger </em>und schließlich ein <em>Arbeiter </em>für den Herrn wird. Wir werden untersuchen, welcher Nahrung und Führung es bedarf, damit geistlich reife Arbeiter in der Gemeinde Jesu Christi heranwachsen können.</p>



<p>Die Konzepte und Prinzipien, die wir näher betrachten werden, entstammen keinem wildwüchsigen, unausgegorenen Gedankengang. Wahres Wachstum braucht Zeit und Tränen, Liebe und Geduld. Der Leiter braucht den Glauben, um die Menschen so zu sehen, wie Gott sie haben möchte. Und er braucht eine gewisse Erkenntnis, um ihnen zu helfen, an diesem Ziel anzukommen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Notwendigkeit der Multiplikation</h2>



<p>Schaut man den Dienst der Apostel nach Jesu Himmelfahrt und dem daran anschließenden Dienst jener Jünger, die jene ausgebildet hatten, an, können wir eine Menge sehen, was für unser eigenes Leben und unseren Dienst anwendbar ist.</p>



<p>Manche Gemeindeleiter haben mich gefragt: „Glaubst du wirklich, dass dieses Jüngerschaftstraining auch in der Gemeinde von heute funktioniert?“ Meine Antwort war immer dieselbe: Es funktionierte in der Gemeinde in Jerusalem; es funktionierte in der Gemeinde in Antiochien. Die ganze Methode hat ihren Ursprung in der neutestamentlichen Gemeinde. Es gibt keinen erdenklichen Grund, warum sie heute nicht angewandt werden könnte.</p>



<p>Der Missionsbefehl gilt immer noch. Die Botschaft des Evangeliums ist dieselbe. Unser Dienst geschieht durch denselben Heiligen Geist. Wir haben dasselbe Wort Gottes. Und wir haben die Verheißung, die Jesus im Zusammenhang mit dem Jüngermachen gab: <em>„Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt.“</em> (Mt 28,20). Wo also liegt heute das Problem? Warum sehen wir das so wenig praktiziert? Warum sind hingegebene, reife Jünger, die Frucht bringen, so rar? Der Hauptgrund liegt darin, dass wir zu oft auf Programme oder Materialien oder andere Dinge vertraut haben, die die Arbeit abnehmen sollen.</p>



<p>Der Dienst wird nicht durch Programme, sondern von Menschen getan. Er muss nicht durch etwas, sondern von jemandem ausgeübt werden. Jünger können nicht in Massenproduktion gemacht werden. Wir können Menschen nicht in ein Programm stecken und meinen, am Ende des Produktionsablaufes kämen Jünger dabei heraus. Jünger auszubilden kostet Zeit. Jeder braucht individuelle, persönliche Betreuung. Es kostet Stunden der Fürbitte. Es kostet Geduld und Einfühlungsvermögen, um ihnen beizubringen, wie sie selbstständig das Wort Gottes studieren, ihre Seele nähren und die Bibel in der Kraft des Heiligen Geistes auf ihr Leben anwenden können. Und man muss ihnen in all diesem ein Vorbild sein.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Gemeinde vor Ort</h2>



<p>In jeder Gemeinde sind die Interessen an der Sache des Herrn sehr verschieden. Manche Leute wollen einfach nur zuschauen und zuhören. Sie kommen aus ganz unterschiedlichen Gründen: Gewohnheit, Pflichtgefühl, Gruppenzwang, Geschäftsverbindungen, oder um soziale Kontakte zu pflegen. Manche sind Christen, die einfach nur mitschwimmen, und manche sind Nicht-Christen, die einfach nur da sind.</p>



<p>Zu den Zuschauern kommt noch eine Gruppe hinzu: Die Mitwirkenden. Diese Leute übernehmen freiwillig einen Dienst in der Gemeinde, und geben in den meisten Fällen ihr Bestes. Vielleicht begrüßen sie die Leute vor dem Gottesdienst für die Erwachsenen, helfen als Platzanweiser, dienen in Ausschüssen oder als Leiter in einer der vielen Kreise und Gruppen in der Gemeinde. Manche halten Kinderstunden oder Bibelunterricht oder setzen sich in einer Vielzahl von anderen Bereichen ein. Diese Mitwirkenden bilden das Rückgrat der Gemeinde. Ohne sie würde all das nicht funktionieren.</p>



<p>Jeder einzelne von uns hat spezielle Bedürfnisse, um die sich nur andere Menschen kümmern können. Kein System oder Programm wird automatisch diese Bedürfnisse stillen können. Als Individuen haben wir alle besondere Nöte, in denen nur andere Menschen helfen können. Hier besteht die Gefahr, nicht zu erkennen, dass manche noch nicht für ein Jüngerschaftstraining bereit sind oder das eigentlich gar nicht wollen. Manche Gemeindehirten haben neu den Wunsch entdeckt, Jünger zu machen und haben es dann eilig, diesen Dienst in die Gemeinde einzuführen. Doch dadurch vertreiben sie manche guten Leute, oder geben ihnen das Gefühl, Christen zweiter Klasse zu sein. Oft wird vorschnell gehandelt, weil man unerfahren ist und meint, jeder sollte jetzt plötzlich ein perfekter Jünger sein. Nicht alle können diese Erwartungen erfüllen und somit fühlen sich viele verletzt.</p>



<p>Damit die Gemeinde am wirkungsvollsten arbeiten kann, müssen Ungläubige ebenso wie lauwarme und hingegebene Gläubige dort abgeholt werden, wo sie stehen. Damit sich Leute zu Jüngerschaftsbeziehungen</p>



<p>ermutigen lassen, sind zuallererst drei Dinge wichtig: Sie müssen motiviert sein, Jünger zu werden, tägliche Gemeinschaft mit Jesus Christus zu pflegen und als Zeugnis für ihn zu leben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">1. Motivation zu Jüngerschaft und Engagement</h3>



<p>Der erste Schritt, um eine Gruppe von Jüngern zusammenzubekommen, die etwas lernen wollen, ist die Motivation. Sie müssen in zwei Richtungen motiviert werden – innerlich und äußerlich. Innerlich müssen sie motiviert werden, Gemeinschaft mit Jesus Christus zu haben, und äußerlich müssen sie zu Zeugen für Jesus Christus werden. Der gesamte Prozess sollte mit viel Gebet und Bedacht angegangen werden. So, wie man ein neues Bauprojekt in Angriff nimmt.</p>



<p>Bevor man in einer Gemeinde mit einem Jüngerschaftstraining beginnt, bedarf es der gleichen Art des Weitblicks und der Planung. Der Schlüssel dazu ist, langsam vorzugehen und nicht zu versuchen, mit zu vielen zu viel und zu schnell zu machen. Die Zuschauer sind immer noch da, und viele von ihnen möchten auch Zuschauer bleiben. Menschen zur Nachfolge Jesu zu ermutigen, ist ein Projekt, das Andere begeistert. Zu gegebener Zeit wirst du erkennen können, wer wirklich ein Jünger werden will. Die dazu bereit sind, werden dann selbst merken, wie wichtig es ist, Zeit im Wort Gottes zu verbringen – es zu lesen, zu studieren, auswendig zu lernen – und eine tägliche Gebetszeit einzurichten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">2. Gemeinschaft mit dem Herrn</h3>



<p>Wenn wir feststellen, dass Jüngerschaftstraining in unserer Gemeinschaft bei manchen ein Interesse an geistlichen Dingen geweckt hat,</p>



<p>können wir eine weitere Idee in den fruchtbaren Boden einpflanzen. Dieses Mal geht es darum, regelmäßige Gemeinschaft mit dem Herrn zu haben. Es ist unser Ziel, dass aus unserer Gruppe Menschen hervorgehen, die das Wort Gottes beständig, regelmäßig und ganz persönlich verinnerlichen, und ein wirksames Gebetsleben haben. Sie sind Menschen, die täglich neu in einer gesunden Gemeinschaft mit Jesus Christus leben, und durch deren Leben Christus für die Leute sichtbar wird.</p>



<p>Um dies zu erreichen, müssen wir sichergehen, dass die geistliche Ernährung nicht nur von der wöchentlichen Predigt abhängt, sondern, dass die Jünger auch im Stande sind, sich selbst täglich aus dem Wort Gottes zu ernähren. Das Problem ist nicht, dass keine geistliche Nahrung vorhanden ist. Das Problem liegt darin, dass viele Christen nicht wissen, wie sie sich diese Nahrung beschaffen können. Sie sind wie Babys in einer Speisekammer, umgeben von vielerlei Babygläschen – Fleisch, Obst, Gemüse&#8230; Doch sie würden geradewegs verhungern, wenn niemand da wäre, der ihnen die Gläser öffnet.</p>



<p>Nachdem er auferstanden war, befahl Jesus dem Petrus, die Lämmer und Schafe zu weiden. Zu dieser Aufgabe gehört es, die Schafe so zu führen, dass sie sich selbst ernähren können. Wenn ein Mensch zum Glauben an Jesus Christus kommt, braucht er jemanden, der ihm hilft zu lernen, wie er sich selbst ernähren kann. Und in Gemeinden gibt es Leute, die nie gelernt haben, wie man sich selbst aus dem Wort versorgt.</p>



<p>Unsere erste und wichtigste Verantwortung als Christen ist es, eine starke, tägliche, beständige Gemeinschaft mit dem Herrn Jesus zu pflegen, indem wir uns durch sein Wort ernähren. Und wir müssen anderen helfen, es ebenso zu tun.</p>



<h3 class="wp-block-heading">3. Das Zeugnis für den Herrn</h3>



<p>Anderen beizubringen, wie man für den Herrn Zeugnis gibt, ist eines der schönsten und erfüllendsten Aspekte einer Jüngerschaftsbeziehung. Doch wird niemand Zeugnis geben, wenn er nicht Zeit mit Jesus verbracht hat. Wir müssen den Jüngern zwei wichtige Prinzipien erklären: Erstens</p>



<p>ist das Zeugnis etwas, das Gott tut; und zweitens, gebraucht er dazu Menschen.</p>



<p><strong><em>Gott tut es.</em></strong></p>



<p>Das erste Prinzip beim Zeugnisgeben ist, dass es Gott ist, der es tut. Es ist keine Erfindung von Menschen und wird nicht durch menschliche Kraft bewirkt. Wenn in dieser Welt irgendetwas von geistlichem Wert getan wird, dann nur, weil Gott am Werk ist. Sowohl im Altern als auch im Neuen Testament stellen wir das überall fest. Von diesem Prinzip, muss jeder überzeugt sein, der ein fruchtbarer, hingegebener, lebenslanger Zeuge Jesu Christi sein will. Ein richtiges Verständnis dieses Prinzips vertreibt unsere Furcht und Nervosität beim Zeugnisgeben. Wir vertrauen ganz auf Gott. Er ist es, der durch uns wirkt.</p>



<p><strong><em>Gott gebraucht Menschen.</em></strong></p>



<p>Das zweite Prinzip beim Zeugnisgeben ist, dass Gott Menschen dazu gebraucht. Gläubige Männer und Frauen sind seine auserwählten Werkzeuge, um das Evangelium unter den Menschen zu verbreiten. Wie fruchtbar wir sind, hängt davon ab, wie eng wir in Gemeinschaft mit Christus leben. Darum muss diese Gemeinschaft an erster Stelle stehen. Zeugnisgeben ist nicht Überarbeitung, sondern Überfluss. Dabei wirkt Christus durch Menschen zu anderen Menschen. Paulus sagte:<em> „Denn ich werde nicht wagen, etwas von dem zu reden, was Christus nicht durch mich gewirkt hat zum Gehorsam der Nationen durch Wort und Werk“</em> (Röm 15,18). Es war Christus, der durch Paulus zu den Menschen sprach.</p>



<p>Es ist bemerkenswert, dass die letzten Worte, die Jesus auf dem Ölberg seinen Jüngern sagte, und die ersten Worte an den neuen Apostel auf der Straße nach Damaskus, vom Zeugnisgeben handelten. Das ist es, was sich Gott von seinen Erlösten wünscht. Gott hatte Paulus errettet, um ihn in seinem großen Plan, der Weltevangelisation, einzusetzen. Er war gerettet, um Zeuge zu sein.</p>



<p>Evangelisation ist das, was unser Jüngerschaftsprogramm am Leben erhalten wird. Ohne Evangelisation würden die Pläne Gottes nicht erfüllt. Wir Gläubige sind keine Eimer, die mit all den Reichtümern Christi gefüllt werden sollen, sondern Kanäle des Segens, um der Welt die Rettung zu bringen.</p>



<p>Zeugnisgeben muss mit viel Gebet, Sorgfalt und Planung einhergehen. Dann werden die von uns herangebildeten, reifen und hingegebenen Jünger aktive Zeugen sein. Es gibt unzählige Möglichkeiten, und die Not ist groß. Doch hingegebene Jünger, die in Gemeinschaft mit dem Herrn leben, können von solchen Möglichkeiten Gebrauch machen und helfen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Prozess des Jüngermachens</h2>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://kfg.org/wp-content/uploads/2025/09/grafik.png"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="416" height="137" src="https://kfg.org/wp-content/uploads/2025/09/grafik.png" alt="" class="wp-image-18451" srcset="https://kfg.org/wp-content/uploads/2025/09/grafik.png 416w, https://kfg.org/wp-content/uploads/2025/09/grafik-300x99.png 300w" sizes="(max-width: 416px) 100vw, 416px" /></a></figure>



<h3 class="wp-block-heading">1.Was ein Neubekehrter braucht</h3>



<p>Wir müssen wissen, was nötig ist, damit jemand ein Jünger Jesu wird, und wie man dieser Person dabei helfen kann.</p>



<p><strong><em>Heilsgewissheit</em></strong></p>



<p>Das Erste, was ein Neubekehrter haben muss, ist Heilsgewissheit. Er muss sich sicher sein, dass er wirklich wiedergeboren ist. Und wenn du es bist, der ihn helfend begleitet, solltest auch du dir in diesem Punkt sicher sein. Ich habe Menschen erlebt, die sich „entschieden“ hatten, doch als ich versuchte, ihnen zu helfen, in der Gnade und der Erkenntnis Jesu Christi zu wachsen, musste ich feststellen, dass sie noch immer tot in ihren Übertretungen und Sünden waren. Sie hatten kein geistliches Leben. Ich musste auf die harte Tour lernen, dass es unmöglich ist, einen Menschen zu einem Jünger zu machen, der geistlich tot ist.</p>



<p>Paulus sagte: <em>„Daher, wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden“</em> (2Kor 5,17). Um zu erkennen, ob ein Mensch wirklich neues Leben bekommen hat, muss bei ihm ein Sinneswandel gegenüber Jesus Christus und Sünde erkennbar sein. Dies bedeutet weder, dass er nun völlig die Lehre der Herrschaft Christi über sein Leben versteht,</p>



<p>noch, dass er alle seine alten Probleme gelöst hat. Doch seine grundlegenden Einstellungen haben sich verändert. Nun betrachtet er Jesus ehrerbietend (s. 1Jo 5,11-12) und hat eine ablehnende Haltung der Sünde gegenüber (1Jo 1,9). Mit anderen Worten: Er zeigt Anzeichen von neuem Leben.</p>



<p><strong><em>Angenommen sein</em></strong></p>



<p>Ein weiteres Bedürfnis eines Neubekehrten ist Angenommensein. Zwei Dinge müssen ihm klargemacht werden: Du bist geliebt und angenommen. Diese sind zwei Seiten ein und derselben Medaille.</p>



<p>In seiner Haltung gegenüber den Thessalonichern ist Paulus ein Beispiel dafür. <em>„So, in Liebe zu euch hingezogen, waren wir willig, euch nicht allein das Evangelium Gottes, sondern auch unser eigenes Leben mitzuteilen, weil ihr uns lieb geworden wart“</em> (1Thes 2,8). Kein Wunder, dass diese Thessalonicher in ihrem Glaubensleben und ihrem Zeugnis solche Fortschritte machten, „so dass ihr allen Gläubigen in Mazedonien und in Achaja zu Vorbildern geworden seid.“</p>



<h3 class="wp-block-heading">2. Die Grundbedürfnisse eines wachsenden Christen</h3>



<p>Außer Sicherheit und Annahme hat ein wachsender Christ vier weitere Grundbedürfnisse. Er braucht Schutz, Gemeinschaft, Nahrung und Unterweisung.</p>



<p><strong><em>Er braucht Schutz.</em></strong></p>



<p>Für seine Gläubigen und Schützlinge durchlebte Paulus fortwährende Geburtswehen, bis Christus in ihnen Gestalt annahm (s. Gal 4,19). Neugeborene brauchen Schutz. Auf der Säuglingsstation eines Krankenhauses sterilisieren die Krankenschwestern alle Utensilien; sie tragen einen Gesichtsschutz, um das neue Leben vor schädlichen Keimen zu schützen. Genauso ist es mit neugeborenen Christen. Sie müssen vor falschen Lehren und einer Vielzahl verschiedener feindlicher Angriffe geschützt werden.</p>



<p><strong><em>Er braucht Gemeinschaft.</em></strong></p>



<p>Er ist in eine Familie hinein geboren und braucht die Gemeinschaft mit seinen Brüdern und Schwestern in Christus. Als meine Frau und ich zum Glauben kamen, war eine Frau aus der Gemeinde sehr bemüht, uns mit gleichaltrigen Christen zusammenzubringen. Sie nahm sich Zeit und schlug Bibelstellen mit uns nach, um unsere vielen Fragen zu beantworten. Sie machte uns mit anderen Gemeindegliedern bekannt, die uns unter der Woche zu sich nach Hause einluden. Darunter war ein Landwirt, ein Bankier, ein Friseur. Sie nahmen uns mit in ihr Leben hinein und gaben uns das Gefühl, in der Gemeinde zuhause und willkommen zu sein.</p>



<p><strong><em>Er braucht Nahrung.</em></strong></p>



<p>Der Neubekehrte bekommt seine Nahrung auf zweierlei Weise. Die eine ist, ihn direkt im Wort zu unterweisen. Wenn meine Frau und ich unsere neuen gläubigen Freunde besuchten, kam das Gespräch stets auf geistliche Themen. Wir stellten Fragen, und sie zückten ihre Bibeln und zeigten uns die Antworten. Bald war ich überzeugt, dass die Antwort auf jede Frage in diesem Buch zu finden war. Wenn sie einmal auf eine unserer Fragen keine Antwort hatten, fragten sie die Gemeindeleiter, die ihnen halfen, die Antwort zu finden, von der sie uns dann berichteten. Auch bei der Erwachsenen-Sonntagschule und im Gottesdienst lernten sie die Schrift immer besser kennen.</p>



<p>Doch erst als ich Waldron Scott begegnete, lernte ich die zweite Weise kennen, wie man durch das Wort ernährt werden kann. Damals gaben mir meine Freunde Nahrung aus der Bibel, aber Scotty zeigte mir, wie ich mich selbst ernähren konnte. Er begann mit Virginia und mir ein grundlegendes Bibelstudium mit Fragen und Antworten. Die Antworten mussten wir uns selbst erarbeiten. Er brachte uns bei, wie wir die Schrift auswendig lernen und uns selbstständig aus der Bibel ernähren konnten.</p>



<p>Tue dein Bestes, damit er dem Stadium entwächst, wo er noch deine Hilfe braucht, um seine geistliche Ration zu bekommen. Zeige ihm, wie man sich selbst ernährt. Wenn wir ihm nicht diese lebensnotwendige Gewohnheit beibringen, wird er für den Rest seines Lebens von anderen abhängig sein. Gott möchte, dass er wächst und sich zu einem kräftigen Jünger Jesu entwickelt, der wiederum anderen helfen und ihm zeigen kann, wie auch sie solch einen Vorgang wiederholen können</p>



<p><strong><em>Er braucht Unterweisung.</em></strong></p>



<p>Auch hier ist Paulus uns ein Beispiel: <em>„wie ihr ja wisst, dass wir euch, und zwar jeden Einzelnen von euch, wie ein Vater seine Kinder ermahnt und getröstet und beschworen haben, des Gottes würdig zu wandeln, der euch zu seinem Reich und seiner Herrlichkeit beruft“</em> (1Thes 2,11-12).</p>



<p>Wenn wir einen Neubekehrten anleiten, sollten wir uns auf die „Wie-Fragen“ konzentrieren. Die Antworten auf die „Warum-Fragen“ folgen später. Zuerst muss der junge Gläubige das Wie erlernen. Paulus sagte den Thessalonichern: <em>„Übrigens nun, Brüder, bitten und ermahnen wir euch in dem Herrn Jesus, da ihr ja von uns Weisung empfangen habt, wie ihr wandeln und Gott gefallen sollt – wie ihr auch wandelt – dass ihr darin noch reichlicher zunehmt.“</em> (1Thes 4,1). Der wachsende Gläubige muss erlernen, wie man eine morgendliche Stille Zeit im Wort Gottes und Gebet verbringt, wie man das Wort Gottes auswendig lernt, wie man die Bibel studiert, wie man das Evangelium klar und einfach weitersagt. Diese Dinge brauchen Zeit. Doch es ist unsere Verantwortung, ihm das beizubringen.</p>



<p>All das setzt voraus, dass wir diese Dinge selbst leben. Als Waldron Scott mit mir anfing, die Schrift auswendig zu lernen, sagte er: <em>„Das ist etwas, das mir selbst sehr geholfen hat.“</em> Und gab mir einen kleinen Stapel mit Verskarten, die speziell für Jungbekehrte konzipiert waren. Ein Vorbild zu sein, ist eine der besten Weisen, einem anderen etwas beizubringen. Paulus schreibt: <em>„Was ihr auch gelernt und empfangen und gehört und an mir gesehen habt, das tut! Und der Gott des Friedens wird mit euch sein.“</em> (Phil 4,9).</p>



<h3 class="wp-block-heading">3. Die wichtigsten Eigenschaften des Wachstums</h3>



<p>Wer einem Neubekehrten beim Wachstum helfen will, muss ihm helfen, in seinem Leben zwei der wichtigsten Eigenschaften zu entwickeln: ein tiefes Verlangen nach Gemeinschaft mit Jesus Christus und die Beständigkeit.</p>



<p><strong><em>Gemeinschaft mit Jesus Christus</em></strong></p>



<p>Das Kennzeichen von Männern und Frauen Gottes war zu allen Zeiten eine tiefe Nähe zu und enge Gemeinschaft mit Jesus Christus. Wir müssen dem Neubekehrten helfen, dass diese Haltung ein fester Bestandteil seines Lebens wird. Deshalb bete, dass er Hunger auf Gottes Wort und Freude daran hat. Bete anhand von Bibelversen für ihn, dass diese Wahrheiten in seinem Leben sichtbar werden. Einige Beispiele:</p>



<p><strong>Montag:</strong> <em>„Wie liebe ich dein Gesetz! Es ist mein Nachdenken den ganzen Tag.“</em> (Ps 119,97). Bete: „Herr, möge er dein Gesetz liebgewinnen und täglich darüber nachsinnen.“</p>



<p><strong>Dienstag:</strong> <em>„Wunderbar sind deine Zeugnisse, darum bewahrt sie meine Seele.“</em> (Ps 119,129). Bete: „Herr möge er erkennen, wie wunderbar dein Wort ist und ihm vollkommen gehorchen.“</p>



<p><strong>Mittwoch:</strong> <em>„Ich habe meinen Mund weit aufgetan und gelechzt, denn ich sehne mich nach deinen Geboten.“</em> (Ps 119,131). Bete: „Möge er ein solches Verlangen nach deinem Wort bekommen.“</p>



<p><strong>Donnerstag:</strong> <em>„Wohlgeläutert ist dein Wort, dein Knecht hat es lieb.“</em> (Ps 119,140). Bete: „Herr, bitte gebe ihm eine große Liebe zu deinem Wort.“</p>



<p><strong>Freitag:</strong> <em>„Meine Augen sind den Nachtwachen zuvorgekommen, um nachzudenken über dein Wort.“</em> (Ps 119,148). Bete: „Möge er sich auf die Nacht freuen, weil er beim Einschlafen über dein Wort nachsinnen kann.“</p>



<p><strong>Samstag:</strong> <em>„Ich freue mich über dein Wort wie einer, der große Beute macht.“</em> (Ps 119,162). Bete: „Herr, hilf ihm, sich stets an deinem Wort zu freuen.“</p>



<p><strong><em>Beständigkeit</em></strong></p>



<p>Die zweite wichtige Eigenschaft, die sich im Leben eines Neubekehrten entwickeln sollte, ist die Beständigkeit oder Treue. Doch Beständigkeit kann nicht erzwungen werden. Ich habe es versucht und dabei versagt. So musste ich erkennen, das Treue und Beständigkeit Früchte sind, die der Heilige Geist von innen her wirkt und nicht durch menschliche Anstrengung von außen aufgesetzt werden kann. Wir können auf dreierlei Weise etwas dafür tun, dass diese Treue durch die Kraft des Heiligen Geistes bei einem Junggläubigen zum Vorschein kommt:</p>



<ol class="wp-block-list">
<li>Gib ihm kleine Aufgaben im Bibelstudium, die er an einem Stück erledigen kann, und von denen du weißt, dass sie ihm zum Segen sein werden. Hilfreich sind tägliche Bibellesehilfen oder Andachtsbücher, die einen kleinen Aufgabenteil (Fragenbeantwortung) beinhalten.</li>



<li>Mach mit ihm zusammen „Stille Zeit“. Schlag ihm vor, dass ihr euch frühmorgens vor der Arbeit bzw. Schule kurz zum Bibellesen und Beten trefft. Besuche ihn zu Hause, trinke eine Tasse Kaffee mit ihm, und verbring mit ihm zusammen etwas Zeit mit dem Herrn. Da diese Dinge viel leichter abgeschaut als beigebracht werden, wird er von dir lernen, wenn du es mit ihm zusammen tust.</li>



<li>Frag immer wieder nach und ermutige ihn regelmäßig. Das ist sehr wichtig; doch die Betonung liegt auf dem Wort ermutigen.</li>
</ol>



<p>Während meines ersten Jahres im Dienst der Universität fanden einige Männer zu Christus. Wann ich sie im Wohnheim traf, quetschte ich sie immer sofort aus, wie es ihnen im Bibelstudium, Auswendiglernen und ihrer Beziehung zu Gott ging. Bald nannten sie mich den alten „Herrn Oberaufseher“. Wenn es in ihrem Leben einmal nicht so vorbildlich lief, mieden sie mich einfach. Bald wurde mir klar: Es ist schwer, jemand in seinem Glaubensleben wachsen zu helfen, wenn er mich meidet. Darum musste ich mich ändern. Und so wurde ich einige Zeit später als „der Mutmacher“ bekannt. Je mehr ich andere ermutigte, desto mehr Veränderung fand statt.</p>



<p>Die Neubekehrten wuchsen und wir hatten wunderbare Gemeinschaft. In ihrem Weg mit dem Herrn wurden sie beständig.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Paulus und das missionarische Team</title>
		<link>https://kfg.org/2025/paulus-und-das-missionarische-team/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Peter Lüling]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Sep 2025 21:26:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Leiterschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Praktisches Christenleben]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kfg.org/?p=18448</guid>

					<description><![CDATA[<p>Paulus war kein Einzelgänger – nur selten finden wir ihn ohne Weggefährten. Im Laufe seines Dienstes arbeitete er mit über 40 verschiedenen Mitarbeitern zusammen. Es lohnt sich, seine Arbeitsweise und den Teamgedanken, der sein Wirken prägte, näher zu betrachten.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Paulus war kein Einzelkämpfer. Wir sehen ihn selten allein. Insgesamt bestand sein Team (seine Mannschaft) aus mehr als 40 Mitarbeitern. Wir wollen uns seine Arbeitsweise genauer anschauen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Junge Leute</h2>



<p>Junge Menschen zwischen 15 und 30 Jahren sind voller Tatendrang und Energie. Es ist ein besonderes Alter, voller Kraft und Unermüdlichkeit. Noch stehen so viele Zukunftsperspektiven offen. Pläne werden geschmiedet, die Karriere gestartet, geliebt und geheiratet, Familien gegründet und Häuser gebaut. Es ist die Zeit der größten Lernfähigkeit und Abschlüsse. Hier müssen viele Prüfungen bestanden und wichtigste Entscheidungen getroffen werden. Später werden nie wieder so viele Leistungstests gemacht wie in dieser Zeit.</p>



<p><em>„Der Schmuck der Jünglinge ist ihre Kraft, und graues Haar die Zierde des Alters“</em> (Spr 20,29).</p>



<p>Gott beruft häufig gerade Menschen in diesem Alter. Er berief den Stamm Levi und gab klare Anweisungen, in welcher Altersspanne dieser Stamm und insbesondere die Familie Aarons arbeiten sollten.</p>



<p>Leviten starteten ihren Dienst in der Stiftshütte und später im Tempel mit 25 Jahren (4Mo 8,24), Priester mit 30 Jahren (4Mo 4,3.23.30.35.39.43.47) und endeten jeweils mit 50 Jahren! Samuel, David, Daniel und Jeremia waren jung, als Gott sie für seinen Dienst berief.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Alte und Junge</h2>



<p>Zudem ist es in der Bibel interessant festzustellen, dass Gott häufig mit jungen Leuten arbeitet, die von älteren angeleitet werden. Schon Mose hatte seinen Schüler Josua lange um sich. Elisa hatte seine Prophetenschüler. Unser Herr gab neben seinem Verkündigungsdienst das vollkommene Vorbild der Anleitung von jungen Mitarbeitern. Allgemein wird davon ausgegangen, dass die zwölf Jünger zwischen 18 und 30 Jahren alt waren, als der Herr sie in die Nachfolge berief. Die meisten von ihnen waren unverheiratet und hoch flexibel. Paulus setzte genau das fort. Zunächst wurde er wenige Tage an die Hand genommen, dann ein Jahrzehnt in der Einsamkeit zugerüstet, bevor er im Team auf die erste Missionsreise ging. Auch Petrus hatte Mitarbeiter (1Petr 5,12). Was die meisten Vorbilder verbindet, ist die Tatsache, dass ein Älterer Jüngere anleitet und diese Personen noch häufig unterwegs waren. Ausnahmen wie Johannes der Täufer oder Elia bestätigen diese Regel; sie wurden für besondere Dienste vom Herrn verwendet.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Das Beispiel Paulus</h2>



<p>Paulus war selten alleine unterwegs, er hat vielmehr die meiste Zeit mit einem Team zusammengearbeitet. Es überrascht, dass Paulus mit insgesamt mehr als 40 (mit)reisenden Mitarbeitern zusammengewirkt hat. Doch nur 15 dieser Mitreisenden haben über einen bedeutenden Zeitraum mit ihm zusammengearbeitet. Zehn hielten bis zu seinem Tod einen nennenswerten Kontakt aufrecht. Diese zehn Mitarbeiter arbeiteten mit Paulus über einen Mindestzeitraum von 14 Jahren bis zu max. 25 Jahren zusammen. Diese Zeiträume lassen sich aus dem Bericht der Apostelgeschichte und Erwähnungen in den Briefen ableiten.</p>



<p>Tabelle 1 zeigt überdeutlich, dass Paulus ein Stratege war. Ständig umgab er sich mit jungen Leuten, die ihm halfen, von ihm lernten, ihn unterstützten und dabei die Art und Weise seines Dienstes verstanden und übernahmen.</p>



<figure class="wp-block-table"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td></td><td><strong>Stelle</strong></td><td><strong>Name</strong></td><td><strong>Tat</strong></td><td><strong>Besonderheiten</strong></td><td></td></tr><tr><td>1</td><td>Apg 9,10-19</td><td>Ananias</td><td>Erste Schritte</td><td></td><td></td></tr><tr><td>2</td><td>Apg 12,24-25; 13,2f</td><td>Barnabas</td><td>Erste Schritte<br>Erste Missionsreise</td><td>Apg 13,9<br>Apg 13,13</td><td>„Paulus“<br>Zuerst genannt</td></tr><tr><td>3</td><td>Apg 12,24-25; 13,1-; Kol 4,10;<br>Phlm 1,24</td><td>Johannes Markus</td><td>Diener und Schüler</td><td>Apg 13,13</td><td>Trennung!!<br>War auch mit Petrus unterwegs<br>1Petr 5,13</td></tr><tr><td>4</td><td>Apg 13,1</td><td>Simeon Niger</td><td>Gemeinsamer Dienst</td><td></td><td></td></tr><tr><td>5</td><td>Apg 13,1</td><td>Luzius</td><td>Gemeinsamer Dienst</td><td></td><td></td></tr><tr><td>6</td><td>Apg 13,1</td><td>Manaen</td><td>Gemeinsamer Dienst</td><td></td><td></td></tr><tr><td>7</td><td>Apg 15,40</td><td>Silas</td><td>Zweite Missionsreise</td><td>War auch mit Petrus unterwegs 1Petr 5,12</td><td></td></tr><tr><td>8</td><td>Apg 16,1</td><td>Timotheus</td><td>Diener und Schüler</td><td></td><td></td></tr><tr><td>A</td><td>Apg 16,14</td><td>Lydia</td><td>Helferin</td><td></td><td></td></tr><tr><td>9-10</td><td>Apg 18; Röm 16,3-5</td><td>Aquila, Priscilla</td><td>Mitarbeiter</td><td></td><td></td></tr><tr><td>11</td><td>Apg 18,24; Tit 3,13</td><td>Apollos</td><td>Mitarbeiter</td><td></td><td></td></tr><tr><td>12</td><td>Apg 19,22</td><td>Erastus</td><td>Diener</td><td></td><td></td></tr><tr><td>13</td><td>Apg 19,29; 20,4</td><td>Gajus</td><td>Reisegefährte</td><td></td><td></td></tr><tr><td>14</td><td>Apg 19,29; 20,4; Kol 4,10; Phlm 1,24</td><td>Aristarchus</td><td>Reisegefährte</td><td></td><td></td></tr><tr><td>15</td><td>Apg 20,4</td><td>Sopater</td><td>Begleiter</td><td></td><td></td></tr><tr><td>16</td><td>Apg 20,4</td><td>Sekundus</td><td>Begleiter</td><td></td><td></td></tr><tr><td>17</td><td>Apg 20,4; Eph 6,21; Kol 4,7; 2Tim 4,12; Tit 3,12</td><td>Tychikus</td><td>Begleiter, Mitknecht, treuer Diener, geliebter Bruder</td><td></td><td></td></tr><tr><td>18</td><td>Apg 20,4; 21,29; 2Tim 4,20</td><td>Trophimus</td><td>Begleiter</td><td></td><td></td></tr><tr><td>19</td><td>Apg 20,6; Kol 4,14; Phlm 24</td><td>Lukas</td><td>Begleiter Schreiber</td><td></td><td></td></tr><tr><td>B</td><td>Röm 16,1</td><td>Phöbe</td><td>Schwester und Beistand</td><td></td><td></td></tr><tr><td>20</td><td>Röm 16,7</td><td>Andronikus</td><td>Mitgefangener</td><td></td><td></td></tr><tr><td>21</td><td>Röm 16,7</td><td>Junias</td><td>Mitgefangener Junia</td><td></td><td></td></tr><tr><td>22</td><td>Röm 16,9</td><td>Urbanus</td><td>Mitarbeiter</td><td></td><td></td></tr><tr><td>23</td><td>1Kor 1,1</td><td>Sosthenes</td><td>Bruder</td><td></td><td></td></tr><tr><td>24</td><td>1Kor 16,17</td><td>Stephanas</td><td>Mitarbeiter</td><td></td><td></td></tr><tr><td>25</td><td>1Kor 16,17</td><td>Fortunatus</td><td>Mitarbeiter</td><td></td><td></td></tr><tr><td>26</td><td>1Kor 16,17</td><td>Achaikus</td><td>Mitarbeiter</td><td></td><td></td></tr><tr><td>27</td><td>2Kor 2,13; 7,7.13.14; 8,6.16.23</td><td>Titus</td><td>Mitarbeiter, Genosse</td><td></td><td></td></tr><tr><td>28</td><td>Phil 2,25</td><td>Epaphroditus</td><td>Mitarbeiter, Mitstreiter</td><td></td><td></td></tr><tr><td>C</td><td>Phil 3,2</td><td>Evodia</td><td>Mitkämpferin</td><td></td><td></td></tr><tr><td>D</td><td>Phil 3,2</td><td>Syntyche</td><td>Mitkämpferin</td><td></td><td></td></tr><tr><td>29</td><td>Phil 3,3</td><td>Clemens</td><td>Mitarbeiter</td><td></td><td></td></tr><tr><td>30</td><td>Kol 4,9</td><td>Onesimus</td><td>geliebtes Kind</td><td></td><td></td></tr><tr><td>31</td><td>Kol 4,11</td><td>Jesus Justus</td><td>Mitarbeiter</td><td></td><td></td></tr><tr><td>32</td><td>Kol 1,7; 4,12; Phlm 1,23</td><td>Epaphras</td><td>geliebter Mitknecht, treuer Diener, Knecht</td><td></td><td></td></tr><tr><td>33</td><td>Kol 4,14; 2Tim 4,10; Phlm 24</td><td>Demas</td><td>Mitarbeiter</td><td></td><td></td></tr><tr><td>34</td><td>2Tim 4,10</td><td>Kreszens</td><td>Mitarbeiter</td><td></td><td></td></tr><tr><td>35</td><td>2Tim 4,20</td><td>Erastus</td><td>Mitarbeiter</td><td></td><td></td></tr><tr><td>36</td><td>2Tim 4,21</td><td>Eubulus</td><td>Mitarbeiter</td><td></td><td></td></tr><tr><td>37</td><td>2Tim 4,21</td><td>Pudens</td><td>Mitarbeiter</td><td></td><td></td></tr><tr><td>38</td><td>2Tim 4,21</td><td>Linus</td><td>Mitarbeiter</td><td></td><td></td></tr><tr><td>E</td><td>2Tim 4,21</td><td>Klaudia</td><td>Mitarbeiterin</td><td></td><td></td></tr><tr><td>39</td><td>Tit 3,12</td><td>Artemas</td><td>Mitarbeiter</td><td></td><td></td></tr><tr><td>40</td><td>Tit 3,13</td><td>Zenas</td><td>Mitarbeiter</td><td></td><td></td></tr><tr><td>41</td><td>Phlm 1,2; Kol 4,17</td><td>Archippus</td><td>Mitkämpfer</td><td></td><td></td></tr></tbody></table><figcaption class="wp-element-caption">Tabelle 1 – Paulus&#8216; Mitarbeiter</figcaption></figure>



<p>Seine Prioritäten, seine Ängste und Nöte genauso wie alle Wunder, die er erlebte, konnten sie hautnah miter-leben. Darüber hinaus aber konnte Paulus dadurch seinen Wirkungskreis deutlich erweitern, oder anders gesagt: Bei ihm gab es immer Quantität mit Qualität. Beides litt nicht, obwohl er nicht überall zugleich sein konnte. Paulus lernte, dem Heiligen Geist in seinen Mitarbeitern zu vertrauen, und lehrte das auch seine Nachahmer. Auf diese Weise wurden die vom ihm gelebten Prinzipien multipliziert.</p>



<figure class="wp-block-table"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td><strong>Person</strong></td><td><strong>Jahre der Verbundenheit</strong></td><td><strong>Jahre am gleichen Ort</strong></td><td><strong>Dauerhafte physische Anwesenheit</strong></td></tr><tr><td>Titus</td><td>25</td><td>13</td><td>50&nbsp;%</td></tr><tr><td>Timotheus</td><td>19</td><td>9</td><td>50&nbsp;%</td></tr><tr><td>Lukas</td><td>18</td><td>6,5</td><td>30&nbsp;%</td></tr><tr><td>Aristarchus</td><td>11-17</td><td>6,5</td><td>30&nbsp;%</td></tr><tr><td>Aquila &amp; Priscilla</td><td>17</td><td>4</td><td>25&nbsp;%</td></tr><tr><td>Tychikus</td><td>14</td><td>4</td><td>25&nbsp;%</td></tr><tr><td>Trophimus</td><td>14</td><td>2</td><td>15&nbsp;%</td></tr><tr><td>Markus</td><td>20</td><td>2,5</td><td>10&nbsp;%</td></tr><tr><td>Erastus</td><td>16</td><td>2</td><td>10&nbsp;%</td></tr></tbody></table><figcaption class="wp-element-caption">Tabelle 2 – Langzeitteam <em>(Harold W. Hoehner, Chronology of the Apostolic Age (Th.D.). Dallas, TX: Dallas Theological Seminary)</em></figcaption></figure>



<p>Obenstehende Tabelle 2 verdeutlicht eine realistischere Sicht auf Paulus&#8216; Beziehungen innerhalb der Teams. Nicht alle Mitarbeiter hatten im Rahmen seines Dienstes die gleiche Nähe zu ihm. Die Dauer des gemeinsamen Dienstes für jeden Arbeiter ist eine Schätzung, keine exakte Größe. Ebenso ist die prozentuale Zeit der persönlichen Anwesenheit eine gerundete Nennung. Lukas und Aristarchus sind in dieser Liste der gemeinsamen Zeit mit Paulus ganz oben angesiedelt. Die meiste Zeit, die sie zusammen mit Paulus verbrachten, war während der Gefängnisaufenthalte und auf den Missionsreisen. Es ist tröstlich zu beobachten, dass Paulus dort auch nicht immer alleine war.</p>



<p>Selten hatte Paulus mehr als zwei dieser Männer zur gleichen Zeit bei sich. Die Tabelle 3 zeigt einen Überblick über die Zahl der Mitarbeiter, die Paulus zu einer bestimmten Phase seiner Missionsarbeit begleiteten. In den Fällen, wo Paulus nicht im Sinne einer Pionierarbeit tätig war oder wenn er sich für einen ungewöhnlich langen Zeitraum in einer Stadt niederließ, ist der Ort in Klammern angegeben.</p>



<figure class="wp-block-table"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td><strong>Anzahl der Personen mit Paulus</strong></td><td><strong>Zusammensein mit Paulus (Monate)</strong></td><td><strong>Namen</strong></td></tr><tr><td>2</td><td>3</td><td><span style="background-color:lightgreen;">Barnabas, Markus</span></td></tr><tr><td>1</td><td>14</td><td><span style="background-color:lightgreen;">Barnabas</span></td></tr><tr><td>1</td><td>7</td><td><span style="background-color:lightgreen;">Barnabas (Antiochien)</span></td></tr><tr><td>1</td><td>1</td><td><span style="background-color:lightgreen;">Silas</span></td></tr><tr><td>2</td><td>2</td><td><span style="background-color:lightgreen;">Silas, Timotheus</span></td></tr><tr><td>3</td><td>4</td><td><span style="background-color:lightgreen;">Silas, Timotheus, Lukas</span></td></tr><tr><td>2</td><td>5</td><td><span style="background-color:lightgreen;">Silas, Timotheus</span></td></tr><tr><td>2</td><td>1</td><td><span style="background-color:lightgreen;">Aquila, Priscilla</span></td></tr><tr><td>4</td><td>18</td><td>Silas, Timotheus, Priscilla, Aquila</td></tr><tr><td>2</td><td>6</td><td><span style="background-color:yellow;">Timotheus, Titus (?) (Antiochien)</span></td></tr><tr><td>13 (an- und abwesend)</td><td>3,5 Jahre</td><td><span style="background-color:yellow;">(Ephesus)</span></td></tr><tr><td>8-11</td><td>1</td><td><span style="background-color:yellow;">(Reise nach Jerusalem)</span></td></tr><tr><td>10 (an- und abwesend)</td><td>2 Jahre</td><td><span style="background-color:yellow;">(Gefangenschaft in Rom)</span></td></tr><tr><td>1</td><td>6</td><td><span style="background-color:yellow;">Timotheus (Ephesus)</span></td></tr><tr><td>1</td><td>12</td><td><span style="background-color:yellow;">Timotheus (Ephesus)</span></td></tr><tr><td>1</td><td>2 Jahre (?)</td><td><span style="background-color:yellow;">Titus (Spanien ?)</span></td></tr><tr><td>5 (an- und abwesend)</td><td>4</td><td><span style="background-color:yellow;">Timotheus, Tychikus, Artemas, Apollos, Zenas (Kleinasien, Griechenland)</span></td></tr><tr><td>3 (an- und abwesend)</td><td>12</td><td><span style="background-color:yellow;">Titus, Erastus (?), Trophimus (?) (Nikopolis)</span></td></tr><tr><td>8 (an- und abwesend)</td><td>6</td><td>(Gefangenschaft in Rom)</td></tr></tbody></table><figcaption class="wp-element-caption">Tabelle 3 – Größe des Teams (Ebd.)<br>(<span style="background-color:lightgreen;">Grün</span>: vorwiegend Pionierarbeit | <span style="background-color:yellow;">Gelb</span>: vorwiegend Gemeindearbeit)</figcaption></figure>



<p> </p>



<p>Im Durchschnitt waren nicht mehr als zwei Partner bei Paulus – oft hatte er auch nur einen Mitarbeiter um sich. Es fällt auf, dass die von Paulus am meisten favorisierten Mitarbeiter (Timotheus und Titus) selten mit ihm als Trio zusammen gewesen sind. Die Drei können nur einige wenige Male für insgesamt ein paar Monate gemeinsam ausgemacht werden. Demnach bestand keine Notwendigkeit, diese unterschiedlichen Persönlichkeiten für längere Dienstzeiten zusammenzuschmieden. Ganz selten war Paulus in einem größeren Mitarbeiterteam unterwegs.</p>



<p>Zu beobachten ist, dass im Durchschnitt die Pionierarbeit relativ wenig</p>



<p>Zeit beanspruchte Paulus aber der Arbeit in der Gemeinde relativ viel Zeit beimaß. Paulus verweilte auf seinen drei Missionsreisen nur kurz an einem Ort. Menschen bekehrten sich und wurden relativ schnell der Gemeinde hinzugefügt. Er reiste dann in der Regel weiter, manchmal freiwillig, andere Male gezwungenermaßen.</p>



<p>Ähnlich verhielt es sich mit der Größe des Teams. Bei der Pionierarbeit waren es relativ kleine Gruppen, in der Gemeindearbeit über einen längeren Zeitraum relativ große Gruppen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Führung</h2>



<p>Die Hierarchie innerhalb des Teams war klar. Paulus war als Apostel die Führungspersönlichkeit. Bei dem Herrn Jesus und seinen zwölf Jüngern war es ebenso. Das scheint im Neuen Testament ein durchgehender Gedanke zu sein. Die, die das Christentum maßgeblich geprägt haben, unser Herr (Fundament) und Paulus (Baumeister), haben gleichzeitig das Prinzip der Schulung vorgelebt. Pädagogik heißt „an die Hand nehmen“ – das haben uns diese großen Lehrer vorgemacht. Gab es wirkungsvollere „Weltveränderer“? Auch im Alten Testament wird deutlich, dass es Erste unter Gleichen gab. In der gesamten Schrift ist es Gottes durchgehender Gedanke, dass die Autorität von oben kommt. Daher ist es ratsam und richtig, sich an dieses Vorbild zu halten. Auch wenn der Teamgedanke in Betrieben und in unseren Schulen heute anders definiert wird.</p>



<p>Das missionarische Team des Paulus hatte neben der Gemeindearbeit wichtige Funktionen. Sicher, es war die Gründungs- und Pionierzeit der Gemeinde Jesu. Und der die göttliche Offenbarung über die Ordnung in den Gemeinden vermittelte, war gerade Paulus. Und doch beschreibt das Neue Testament Paulus und seine Mitarbeiter ausführlich. Sie waren im Team unterwegs und in den Gemeinden sehr wichtige (wenn auch nur vorübergehend) Unterstützer und Mitarbeiter.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Zusammenfassung</h2>



<p>Wenn wir alle Geschichten und Verse über das missionarische Team lesen, gewinnt man folgenden Eindruck:</p>



<ol class="wp-block-list">
<li>Paulus mit seinen mehr als 40 Mitarbeitern war sehr flexibel und äußerst effizient. Wenn es an einem Ort Schwierigkeiten gab oder Unterstützung notwendig war, konnte dem schnell nachgekommen werden, was sicherlich auch an der moralischen Autorität des Paulus lag, der an vielen Orten ja der Gemeindegründer war.Offensichtlich gab es eine sehr gute Kommunikation im Team. Paulus war in den vielen Ortsgemeinden immer auf dem Laufenden. Und sein Gebetsleben ist außergewöhnlich, was in jedem seiner Briefe an die Gemeinden deutlich wird.<br> </li>



<li>Paulus konnte „im Vorbeigehen“ junge Leute zum Dienst am Evangelium und in der Gemeinde anleiten. Der Eindruck wird erweckt, dass der Schwerpunkt für diese Anleitung mehr intern (im allgemeinen Gemeindeleben) als extern (in der Missionsarbeit und Evangelisation) lag. Das mag besonders daran gelegen haben, dass sich in vielen Gemeinden immer wieder ungute Entwicklungen einstellten. In Apostelgeschichte 16 nahm er den jungen Timotheus einfach mit. Dieser hatte ein gutes Zeugnis, aber er war jung und unerfahren. Sobald sie unterwegs waren, hatte Paulus „Orientierungsschwierigkeiten“. Diese Herausforderungen waren die ersten Eindrücke, die der Schüler mitnahm. Dabei lernte Timotheus den Menschen, Diener und Apostel hautnah kennen und wertschätzen. Und dabei konnte er auch seine Bewältigungsstrategien abschauen.<br> </li>



<li>Sie lernten bei der Zusammenarbeit seine Arbeitsweise, seine Liebe, seine Gesinnung kennen: „Du aber hast genau erkannt meine Lehre, mein Betragen, meinen Vorsatz, meinen Glauben, meine Langmut, meine Liebe, mein Ausharren, meine Verfolgungen, meine Leiden“ (2Tim 3,10-11). Im 1. Thessalonicherbrief beschreibt Paulus ausführlich seine Beweggründe bei der Missionsarbeit. Und diese lernten seine Mitarbeiter „im Vorbeigehen“ und konnten diese später nachahmen, wie zum Beispiel Timotheus in Philipper 2.<br> </li>



<li>Es war Jüngerschaft bei jeder Gelegenheit: im Schiff, beim Wandern, und nicht nur in der Schule des Tyrannus (die zwei Jahre dauerte). Es war kein Schulklima, sondern die Realität. Die „Hausaufgaben“ wurde unterwegs erledigt und Paulus konnte ihnen helfen (learnig by doing). Es waren keine rein „geistlichen“, sondern praktische Übungen. Und daher erscheint diese Art der Ausbildung so effektiv. Vielleicht nach folgendem Schema:
<ul class="wp-block-list">
<li>Ich arbeite! Du schaust zu!</li>



<li>Ich arbeite! Du hilfst mir!</li>



<li>Du arbeitest! Ich helfe dir!</li>



<li>Du arbeitest! Ich schaue zu!<br> </li>
</ul>
</li>



<li>Folgende Schritte wären dabei sicher gut zu beachten:
<ul class="wp-block-list">
<li>Sag ihm „warum“</li>



<li>Zeig ihm „wie“</li>



<li>Begleite ihn Schritt für Schritt durch den Vorgang</li>



<li>Erkläre ihm, was ihr getan habt</li>



<li>Beobachte seine Fortschritte<br> </li>
</ul>
</li>



<li>Durch diese Arbeitsweise konnte der Wirkungskreis deutlich vergrößert werden. Selbst dann, wenn Paulus im Gefängnis festgesetzt war, konnte das Team weiterarbeiten. In der Regel war er unterwegs, machte seine Missionsreisen, blieb nicht mehr als drei Jahre an einem Ort. Aber die Auferbauung der Heiligen ging durch seine Mitarbeiter weiter. Titus hat an vielen Orten geholfen, die Grundlagen der Apostel zu vertiefen und darauf aufzubauen.<br> </li>



<li>An ihm konnten sie besonders Demut lernen. Paulus vermeidet falsche Herrschaftsansprüche (vgl. 1Kor 1,12-13 und 3,4.22). Er war nur ein Mitarbeiter, der gepflanzt hatte. Andere hatten begossen und die Korinther hatten ihre Verantwortung. Er macht den Korinthern deutlich, und damit auch seinem ganzen Mitarbeiterstab, um was es eigentlich ging. „Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn.“ Aus unterschiedlichen Persönlichkeiten und Gaben werden oft unterschiedliche Theologien konstruiert, doch darauf ließ sich Paulus nicht ein! Er arbeitete aktiv gegen Spaltungen und niemals band er seine Leute an sich, sondern an das Haupt der Gemeinde.<br> </li>



<li>Paulus arbeitete viel mit Ledigen zusammen! Es waren junge Männer, die hingegeben, einsatzfreudig und lernwillig waren! Dieser Punkt erklärt besonders seine Effektivität. Sein Dienst wurde durch sie weitergeführt und sein Wirkungskreis vergrößert. Aquila und Priscilla sind eine Ausnahme dieser Regel. Sie waren aber genauso flexibel und mobil wie die Ledigen und werden sehr ausführlich im Neuen Testament beschrieben. Sicher sind die beiden ein gutes Beispiel für jedes Ehepaar, nicht zu bürgerlich zu werden. Petrus war ja auch verheiratet und dennoch drei Jahre mit seinem Meister unterwegs.</li>
</ol>



<h2 class="wp-block-heading">Und wir?</h2>



<p>Teamarbeit ist ein biblisches Prinzip. Es ist notwendig, dies auch in unserer Zeit umzusetzen. Paulus war kein Übermensch, was an den Gebetsaufrufen für ihn selbst deutlich wird (Röm 15,30; Kol 4,3; 1Thess 5,25; 2Thess 3,1).</p>



<p>Wir schaffen das alles auch nicht allein. Aber sollten diese Beobachtungen uns nicht dahin bringen, unsere Vorstellungen von (Gemeinde-)Leben zu überdenken? Deutschland ist Missionsland, und es gibt zu viele Gegenden ohne lebendige und biblisch funktionierende Gemeinden!</p>



<p>Wer zieht dort hin? Wer macht dort „Pionierarbeit“ mit einem Team? Gibt es ältere vorbildhaft Vorangehende, die jüngere Geschwister mitnehmen und sie anleiten?</p>



<p>Bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter aussende in seine Ernte!</p>



<p></p>
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]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Kriterien konstruktiver Kommunikation</title>
		<link>https://kfg.org/2025/kriterien-konstruktiver-kommunikation/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Markus Garbers]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 21 Mar 2025 22:10:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wir unterschätzen die Auswirkungen guter und schlechter Kommunikation. Manchmal denken wir: Unser Glaube verbindet uns und wir haben alle das gleiche Ziel. Dann funktioniert die Zusammenarbeit schon automatisch. Schon Paulus wusste es besser.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>Dieser Artikel erschien zuerst auf www.steps-leaders.de, einem Portal für Mitarbeiter in der Jugendarbeit. Deshalb wird hier und da von „Jugendlichen“, „Jugendkreis“ usw. gesprochen. Da die biblischen Prinzipien der Kommunikation für jedes Lebensalter und jede Lebenssituation gelten, teilen wir ihn – mit der freundlichen Erlaubnis des Autors – gerne auch an dieser Stelle. Die Redaktion</em></p>



<p>Wir unterschätzen die Auswirkungen guter und schlechter Kommunikation. Manchmal denken wir: Unser Glaube verbindet uns und wir haben alle das gleiche Ziel. Dann funktioniert die Zusammenarbeit schon automatisch. Schon Paulus wusste es besser. Im vierten Kapitel seines Briefes an die Gemeinde in Ephesus beschreibt er göttliche Umgangsprinzipien. Die meisten der zehn „Kriterien der konstruktiven Kommunikation“ habe ich daraus abgeleitet. Wenn du diese Eigenschaften liest, kann man schnell verzweifeln, weil man als Christ merkt, dass man echt nicht perfekt ist. Das wird auch so bleiben. Das soll uns auch nicht stressen. Deswegen schreibt Paulus davor so viel von der Gnade. Du und ich – niemand von uns kann perfekt kommunizieren. Wir sollen uns nach dem Artikel auch nicht selbst anstrengen besser zu werden, sondern demütig werden und die Gnade Gottes dankbar in Anspruch nehmen. Der Artikel soll dazu dienen, uns zu reflektieren und Gott an meinem Reden und Zuhören arbeiten zu lassen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">1. Demütige Grundhaltung</h2>



<p><em>Mit aller Demut … (Epheser 4,2)</em></p>



<p>Hast du auch gerne Recht? Ich jedenfalls. Paulus schreibt direkt am Anfang, wie wichtig eine demütige Haltung ist. Demut ist eher das Gegenteil von Hochmut (Selbstüberschätzung). Wer hochmütig ist, meint alles besser zu wissen und zu können. Wer demütig ist, schätzt sich richtig ein. Er weiß, dass er als Sünder falsch liegen kann und erhebt sich deshalb nicht über die Meinung des anderen. Wer demütig ist, kann daher andere Meinungen sehr gut ertragen und Verständnis für schlechtes Verhalten aufbringen, weil er selbst nur aus Gnade errettet ist. Das heißt nicht, dass ich schweigen, alles tolerieren und nicht zu meiner Überzeugung stehen sollte. Demütige Menschen sind die besten Teamplayer.</p>



<h2 class="wp-block-heading">2. Wertschätzung und Freundlichkeit</h2>



<p><em>… und begegnet den anderen ­freundlich (NeÜ)</em></p>



<p>Wir können freundlich sein, wo wir höflich sein müssen. In Situationen, wo wir sein können, wie wir sind, zeigt sich aber, wie freundlich wir wirklich sind. In Epheser 4,32 wiederholt Paulus, dass wir freundlich und mitfühlend sein sollen. Wenn ich in Teammeetings gehe oder zu meinem Jugendkreis fahre, nehme ich mir aktiv vor, freundlich und wertschätzend zu sein. Mein freundliches Wesen kann die ganze Stimmung positiv prägen. Meine ernst gemeinte Wertschätzung und mein Interesse an dem anderen zeigt meine wirkliche Liebe für ihn.</p>



<h2 class="wp-block-heading">3. Ertragen statt persönlich nehmen</h2>



<p><em>… habt Geduld miteinander und ­ertragt euch gegenseitig in Liebe (NeÜ)</em></p>



<p>Nimmst du Kritik eher persönlich oder kannst du gut mit negativen Rückmeldungen leben? Ich habe Kritik immer sehr persönlich genommen. Das ändert sich gerade erst. Weil meine Identität in Jesus fest wird. Ich kenne meine Berufung und meine Begabung. Ich weiß, dass ich an dem Platz bin, wo Jesus mich sieht. Ich weiß, dass er mich liebt und ich nicht aufgeben soll. Deshalb kann Kritik mich nicht mehr persönlich so erschüttern, sondern ich prüfe, was der andere auszusetzen hat, und behalte nur die sachlichen Tipps dahinter. Mit dieser Haltung kann ich komisch destruktive Kommentare und Persönlichkeiten in der Gemeindearbeit viel besser ertragen. Vielleicht hilft dir das ja auch.</p>



<h2 class="wp-block-heading">4. Konstruktiv und zielführend</h2>



<p><em>Kein faules Wort komme aus eurem Mund, sondern nur eins, das gut ist zur Erbauung, damit es dem Hörer Gnade gibt! (Epheser 4,29)</em></p>



<p>Ich liebe Sticheleien und humorvolle Schnackerei (norddeutsch für dumm schwätzen). Aber ganz schnell kommen Wörter aus meinem Mund, die für andere Gift sind. Ich habe es nicht so gemeint, aber das Wort ist ausgesprochen. Deswegen ist Paulus so radikal. Wir sollen schon vorher darüber nachdenken, was unsere Worte anrichten können. Wird es den anderen ermutigen? Wird es ihn aufbauen? Wird es ihn voranbringen oder nur runterziehen? Will ich dem anderen gerade nur meine Meinung geigen, weil sich die schon lange bei mir aufgestaut hat, oder möchte ich, dass man mir Gnade und Barmherzigkeit abspürt?</p>



<p><strong>5. Überlegt und beruhigt</strong></p>



<p><em>Alle Bitterkeit und Wut und Zorn und Geschrei und Lästerung sei von euch weggetan, samt aller Bosheit. (Epheser 4,31)</em></p>



<p><em>Wer seine Worte zügelt, besitzt ­Erkenntnis; und wer kühlen Geist bewahrt, ist ein verständiger Mann. (Sprüche 17,27)</em></p>



<p>Paulus wünscht sich, dass Zorn- und Wutausbrüche verschwinden, weil sie nicht zu Jesusnachfolgern passen. Gerade wenn du ein aufbrausender Typ bist, sind Geduld und Besonnenheit große Baustellen. Salomo gibt in den Sprüchen den Tipp, unsere Worte zu zügeln. Also einfach mal auf die Zunge beißen und Lippen zusammenpressen, bevor meine Worte emotional verletzen. Wenn mich Emails oder Nachrichten verletzen, erstmal eine Nacht drüber schlafen und mich im Gebet bei Gott aussprechen. Meinen Zorn und Grimm sollte ich Gott bringen, damit ihn andere nicht erleben müssen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">6. Offenheit und Ehrlichkeit</h2>



<p><em>Lasst uns also in Liebe wahrhaftig sein … (Epheser 4,15 NeÜ)</em></p>



<p>In unserer toleranten Gesellschaft sind wir zu feige geworden, ehrlich und offen unsere Meinung zu äußern (außer in digitalen Kommentaren). Lieber lassen. Paulus sagt, dass wir als Christen in Liebe wahrhaftig sein sollen. Das heißt authentisch ehrlich und gleichzeitig liebevoll sein. Das ist ein Balance-Akt. Manche fallen auf der Seite der Wahrhaftigkeit herunter und präsentieren die Wahrheit knallhart und sachlich. Andere fallen auf der anderen Seite herunter und sagen lieber nichts, um den Frieden zu erhalten. Wenn du eher harmoniebedürftig bist, erfindest du Ausreden, versuchst alles irgendwie passend zu argumentieren, damit sich bloß niemanden angriffen fühlt und sich jeder gut versteht. Tobias Teichen sagt: „Was du tolerierst, förderst du“. Wenn du merkst: „Ich müsste mit einem Teammitglied oder einem Jugendlichen dringend ein Gespräch suchen und ihm ehrlich sagen, dass sein Verhalten in die falsche Richtung geht“ – dann tue das! Sei mutig und bezeuge bedacht und ehrlich, was du denkst. Mit der nötigen Portion Liebe und Demut.</p>



<p>„Nicht alles, was wahr ist, muss gesagt werden, doch alles, was gesagt wird, soll wahrhaftig sein.“ (Voltaire)</p>



<h2 class="wp-block-heading">7. Das Vier-Augen-Prinzip</h2>



<p><em>Wenn aber dein Bruder an dir ­gesündigt hat, so geh hin und weise ihn zurecht unter vier Augen. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder gewonnen. (Matthäus 18,15 – Schlachter 2000)</em></p>



<p>Ein bekannter Prediger erzählte, dass er Leute, die zu ihm kommen und sich über andere beschweren, grundsätzlich fragt: „Hast du denn schon mit der Person direkt geredet?“. Wenn das nicht der Fall ist, weist er sie in der Regel mit ihrer Beschwerde ab. Die besten Gespräche finden persönlich statt. Beschwere dich nicht bei deinem Partner oder besten Freund über andere, wenn du noch nicht ehrlich mit dem anderen darüber gesprochen hast. Lasst uns als Christen lieber miteinander statt übereinander reden. Schreib keine Briefe, Emails oder WhatsApp, wenn du enttäuscht und sogar sauer bist. Ruf die Person direkt an oder lade sie ein. Es sollte verboten werden, dass sich Geschwister irgendwelche bösen Briefe schicken, weil man nicht auf die Reaktionen und Emotionen des anderen eingehen kann, sondern alles schreibt, um den Streit zu gewinnen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">8. Vergeben statt Nachtragen</h2>



<p><em>Seid aber zueinander gütig, mitleidig und vergebt einander, so wie auch Gott durch Christus euch vergeben hat! (Epheser 4,32)</em></p>



<p>Jesus hat unsere Sünden zum Kreuz getragen. Deshalb kann und wird er sie uns nie nachtragen. Wir Christen sind da manchmal leider anders. Wir sind nachtragend und müssen lernen, wirklich zu vergeben und den anderen durch Gottes Augen zu sehen. Auch wenn wir enttäuscht und verletzt wurden. Mir hilft der Blick auf Jesus. Er vergibt mir jeden Tag. Er zeigt Mitleid mit meinen Schwächen und distanziert sich nicht von mir. Kannst du deinem Jugendlichen oder Teamkollegen vergeben, selbst wenn er dich schon wieder enttäuscht hat? Selbst dann, wenn er sich noch nicht entschuldigt hat?</p>



<h2 class="wp-block-heading">9. Zuhören und Hineinversetzen</h2>



<p><em>Wer Antwort gibt, bevor er zuhört, dem ist es Narrheit und Schande. (Sprüche 18,13)</em></p>



<p>Wer nicht zuhören kann, interessiert sich nicht wirklich für den anderen, sondern ist eigentlich nur an sich interessiert und wünscht sich keine soziale Interaktion. Wer sein Gegenüber liebt, hört zu! Ohne aufs Smartphone zu schauen. Wer antwortet, bevor er die Situation richtig eingeschätzt hat und der andere ausreden konnte, der überfährt den anderen und will nur schnell eine Lösung präsentieren. Wenn ich konzentriert zuhöre, fühlt sich der andere geliebt und wertgeschätzt, weil ich mich für ihn interessiere.</p>



<h2 class="wp-block-heading">10. Angemessener Rahmen</h2>



<p><em>Wenn du deinen Nachbarn allzu früh am Morgen schon freundlich grüßt, wird er das als einen Fluch ­empfinden! (Sprüche 27,14)</em></p>



<p>Freitagabends und jeder ist total erschöpft. Kennst du solche angespannten Situationen? Oder in einer hektischen Verkehrssituation. Oder nach dem Tod eines Verwandten. Oder nach der schmerzhaften Trennung einer Beziehung. Wir müssen unsere Worte den Situationen anpassen. Nicht die Wahrheit weglassen, aber genau überlegen, wann wir wieviel sagen. Was ist wirklich angebracht in dem Moment? Was kann der andere jetzt aufnehmen? Wenn Jugendliche und Freunde Probleme haben, hilft es häufig viel mehr, Verständnis zu zeigen, statt die Lösung zu präsentieren.</p>



<p>„Wer Beziehung will, muss gut kommunizieren, und wer gut kommunizieren will, muss Beziehung zum Ziel haben!“ (Karsten Kranzmann)</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Kommunikationsstörungen</title>
		<link>https://kfg.org/2025/kommunikationsstoerungen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Joe Kley]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 21 Mar 2025 20:46:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kfg.org/?p=18350</guid>

					<description><![CDATA[<p>Der Autor möchte Mut machen zum Gespräch in der Ehe, der Familie und der Gemeinde sowie zur Seelsorge ermutigen. Er will auch darauf hinweisen, dass wir Kommunikation nicht leichtfertig betreiben sollten. Jeder Gläubige (nicht nur der Seelsorger) ist zu einem Leben in Wahrhaftigkeit und Heiligung verpflichtet.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>Dieser Artikel war zuerst das Vortragsmanuskript zu einem gleichnamigen Seminar. Wir haben aus der Rede eine „Schreibe“ gemacht. Hier und da ist der Text vielleicht etwas holprig geblieben. Das bitten wir zu entschuldigen. Die Redaktion</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">1. Einleitung</h2>



<p>Es handelt sich bei dieser Ausarbeitung um einen Artikel zum Thema „Kommunikation“ – keine Bibelarbeit oder Predigt. Dennoch sollen Bezüge zur Bibel aufgezeigt werden, denn Kommunikation ist eine göttliche „Erfindung“.</p>



<h3 class="wp-block-heading">1.1. Bedeutung der Kommunika­tion aus biblischer Sicht</h3>



<p>Als Gott den Menschen nach seinem Bilde schuf (1Mo 1,27) gab er ihm als Zeichen der Gott-Ebenbildlichkeit u. a. die Sprache und damit die Fähigkeit zur <strong>Kommunikation</strong>, d.h. des differenzierten Austausches mit einem Gegenüber. Kommunikation ermöglicht das Erleben von <em>Gemeinschaft </em>und befriedigt damit ein ganz wesentliches Grundbedürfnis des Menschen. Sprache an sich ist ein Wunder, und jeder, der sich mit Linguistik beschäftigt, kommt ins Staunen. Durch die Sprache <em>unterscheidet </em>sich der Mensch von allen anderen Geschöpfen. Auch wenn bei vielen Lebewesen eine Art von Verständigung untereinander stattfindet, ist sie doch von menschlicher Kommunikation grundverschieden.</p>



<p>Gott selbst kommunizierte sogar mit seinem Geschöpf und hob es damit in eine Sonderstellung innerhalb der Schöpfung. In der Bibel begegnen wir den Begriffen „reden“, „sprechen“ und „sagen“ etwa 4000-mal!</p>



<p>Ein Leben <em>ohne </em>Kommunikation ist schlichtweg undenkbar:</p>



<p>Wenn mit Babys nicht gesprochen wird, können sie sich geistig und seelisch nicht entwickeln. Von Kaiser Friedrich II. wird berichtet, dass er aus wissenschaftlicher Neugier die Ursprache des Menschen herausfinden wollte. Zu diesem Zweck befahl er den Pflegerinnen, Säuglinge zu stillen und zu pflegen, aber jegliches Reden, Zärtlichkeiten und Liebkosungen zu unterlassen. In der Folge sollen alle Kinder an diesem Mangel gestorben sein („soziale Deprivation“). Außerdem: Hospitalismus-Forschung (René Spitz: „Vom Säugling zum Kleinkind“); Anmerkung: Leider wird der Nachweis von R. Spitz über die Bedeutung der Beziehung zwischen Mutter und Säugling für dessen gesamte Entwicklung in unserer Zeit ignoriert.</p>



<p>Ebenso weiß man heute, dass <em>Zellen </em>im Körper (nicht nur Gehirnzellen) untereinander in Verbindung stehen und gegenseitig Informationen austauschen. Gelingt diese Kommunikation nicht, kann es zu Störungen (Krebs) kommen.</p>



<p>Die Bibel betont von Anfang bis Ende die Wichtigkeit des <em>Wortes </em>und der Kommunikation. Dass Menschen reden können, ist ein Beweis der Gott-Ebenbildlichkeit. Der christliche Glaube ist in erster Linie ein <strong>„Wort-Glaube“</strong>: So ist die <em>Schöpfung</em> das Resultat des Redens Gottes (1Mo 1,3: <em>„Und Gott sprach …“</em>). Jesus Christus wird in Johannes 1 als <em>„das Wort“</em> (griech. logos) bezeichnet. Hebräer 1,1.2a: <em>„Nachdem Gott in vergangenen Zeiten vielfältig und auf vielerlei Weise zu den Vätern geredet hat durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den [im] Sohn.“</em></p>



<p>Hebräer 4,12: <em>„Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, …“</em> Und Gottes Wort ist unvergänglich: <em>„Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.“</em> [Mt 24,35] etc. Gott redet – das ist unser Glück!</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Gott <em>schuf </em>die Welt (samt Inhalt) und das gesamte Universum durch Sein Wort (Hebr 11,3: <em>„… dass die Welten durch Gottes Wort bereitet worden sind, &#8230;“</em>)</li>



<li>Er <em>erhält </em>auch alles – durch dasselbe Wort (Hebr 1,3: <em>„er trägt alle Dinge durch das Wort seiner Kraft“</em>)</li>
</ul>



<p>Das heißt: Gott konnte und kann <em>alles </em>durch Sein Wort – aber: zu unserer Erlösung von Schuld und Tod musste Er Seinen Sohn geben. Die Schuld des Menschen vor Gott ist durch Reden <em>nicht </em>zu beseitigen; zur Reinigung von unseren Sünden bedurfte es viel mehr. Das kann uns neu dankbar machen für die Größe der Errettung, die Gott uns in Jesus Christus schenkt.</p>



<p>Wie bei allem Wertvollen, was Gott dem Menschen anvertraut hat, liegen in der Kommunikation Licht und Dunkelheit, Chance und Gefahr, Hilfe und Zerstörung, Hoffnung und Entmutigung. Sprüche 18,21 bringt dies drastisch und auch treffend zum Ausdruck: <em>„Tod und Leben steht in der Gewalt der Zunge &#8230;“</em></p>



<p>Beim ersten Menschenpaar herrschte wunderbare Harmonie bis zu dem Zeitpunkt, als das Infragestellen des Wortes Gottes zur Kommunikationsstörung führte, unter der die Menschheit bis heute leidet.</p>



<p>In der Seelsorge spielt Kommunikation eine zentrale Rolle, denn es geht darum, dem Ratsuchenden auf kommunikativem Wege Rat, Hilfe, Ermahnung, Ermunterung und Korrektur zu geben. Da die Probleme des Ratsuchenden zum großen Teil <em>Kommunikationsprobleme </em>im weitesten Sinne sind (das schließt die Kommunikation zwischen Gott und Mensch ein) und auch die Beratungssituation selbst sich der Kommunikation bedient, kann die Beschäftigung mit diesem Themenkomplex für unser soziales Miteinander und den Dienst der Seelsorge [biblische Beratung] sehr hilfreich sein.</p>



<h3 class="wp-block-heading">1.2. Bedeutung psychologischer Erkenntnisse</h3>



<p>Die Bibel äußert sich erstaunlich oft zum Thema Kommunikation im Sinne des rechten bzw. unrechten Gebrauches der Zunge (v. a. Sprüche und Jakobus-Brief<sup data-fn="e49297ca-c54a-418e-812e-3a09edfb8653" class="fn"><a id="e49297ca-c54a-418e-812e-3a09edfb8653-link" href="#e49297ca-c54a-418e-812e-3a09edfb8653">1</a></sup>). Von daher müsste der Verweis auf das Wort Gottes, das uns Maßstab richtigen Denkens und Verhaltens ist, eigentlich genügen. Allerdings erhebt die Bibel nicht den Anspruch, alle Bereiche unseres Lebens so umfassend zu behandeln, dass jegliches Weiterdenken an einem Thema überflüssig wäre. Ansonsten müssten wir jede Wissenschaft ablehnen.<sup data-fn="b09100ec-8045-4f2b-822b-723b78ffe5e3" class="fn"><a id="b09100ec-8045-4f2b-822b-723b78ffe5e3-link" href="#b09100ec-8045-4f2b-822b-723b78ffe5e3">2</a></sup></p>



<p>In der Psychologie und Psychotherapie sind Sprache und Kommunikation wichtige Forschungsgebiete. Viele der dabei gewonnenen Erkenntnisse können uns helfen, den äußerst komplexen und komplizierten Vorgang der Kommunikation besser zu verstehen, <em>ohne </em>– und das möchte ich sehr betonen – dass wir damit die Prämissen humanistischer Wissenschaft übernehmen müssten. So ist es mein Anliegen, einige kommunikationspsychologische Erkenntnisse zu vermitteln, die sich in grundsätzliche biblische Aussagen einfügen lassen. Wir haben damit eher die Chance, mit Kommunikation und deren Störungen anders bzw. besser umgehen zu können.</p>



<p>Ziel dieses Artikels ist auf jeden Fall nicht die Vermittlung therapeutischer Methoden, sondern die Schärfung unserer Wahrnehmung und damit Befähigung zu bewussterem und angemessenerem Umgang mit einer überaus wunderbaren Gabe Gottes: der Kommunikation. Viele Ergebnisse aus der Kommunikationsforschung können dazu beitragen, andere und sich selbst besser zu verstehen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">2. Kommunikation: ein komplexes Geschehen</h2>



<h3 class="wp-block-heading">2.1. Definition</h3>



<p>Kommunikation ist etwas, womit jeder ständig lebt, worüber aber im Allgemeinen wenig nachgedacht wird; sie ist so selbstverständlich wie die Luft, die wir einatmen. Im Grunde ist dies auch gut so – zumindest so lange Kommunikation funktioniert. Erfahrungsgemäß nehmen wir viele Dinge erst wahr und beschäftigen uns damit, wenn sie uns Probleme machen.<sup data-fn="49ad5b03-6c9e-4fee-911b-923ef691a488" class="fn"><a id="49ad5b03-6c9e-4fee-911b-923ef691a488-link" href="#49ad5b03-6c9e-4fee-911b-923ef691a488">3</a></sup></p>



<p>Definition:</p>



<p><code>Kommunikation ist eine Form der Interaktion zum Zweck der Vermittlung von Information (dabei ist Information sehr weit gefasst, bezieht sich also nicht nur auf Worte).</code></p>



<p>Vom lat. <em>„communicare“</em> = teilhaben, mitteilen (Adjektiv: <em>„communis“</em>= gemeinsam).</p>



<p>Kommunikation ist auch deshalb wissenschaftlich relativ gut erforscht, weil sie schlechthin das Medium der Psychotherapie ist (obwohl es auch eine Menge sog. körperorientierter Therapieverfahren gibt). Sprache/Kommunikation als Mittel von Therapie spiegelt sich auch in einer allgemein anerkannten Definition von Psychotherapie wider: <em>„Psychotherapie ist ein bewusster und geplanter interaktioneller Prozess zur Beeinflussung von Verhaltensstörungen und Leidenszuständen, die in einem Konsens (möglichst zwischen Patient, Therapeut und Bezugsgruppe) für behandlungsbedürftig gehalten werden, mit psychologischen Mitteln (durch Kommunikation) meist verbal, aber auch averbal, in Richtung auf ein definiertes Ziel (Symptomminimalisierung und/oder Strukturänderung der Persönlichkeit) mittels lehrbarer Techniken auf der Basis einer Theorie des normalen und pathologischen Verhaltens.“</em><sup data-fn="5f542a46-d5e9-4649-bb89-849e7ec23a72" class="fn"><a id="5f542a46-d5e9-4649-bb89-849e7ec23a72-link" href="#5f542a46-d5e9-4649-bb89-849e7ec23a72">4</a></sup></p>



<h3 class="wp-block-heading">2.2. Formen der Kommunikation</h3>



<ul class="wp-block-list">
<li><em>Intrapersonale Kommunikation:</em> Austausch, der innerhalb einer Person abläuft (Beispiel: Aufnahme von Daten aus der Umwelt, Selbstgespräche). Denken und Sprache sind untrennbar miteinander verbunden. Man kann nur in den Grenzen denken, wie man Worte dafür hat.</li>



<li><em>Interpersonale Kommunikation: </em>Austausch von Informationen zwischen wenigstens zwei Kommunikationspartnern/Personen.</li>



<li><em>Mediengebundene Kommunikation</em> (Massenkommunikation): Austausch von Informationen zwischen Massenmedien und einem Medienkonsumenten. Diese Form der Kommunikation bestimmt zunehmend unseren Alltag.</li>
</ul>



<h3 class="wp-block-heading">2.3. Zweck der Kommunikation</h3>



<p>Wenn wir fragen, wozu Kommunikation überhaupt gut ist (wozu sie dient), dann finden wir fünf Erklärungen:</p>



<ol class="wp-block-list">
<li>der egozentrischen Äußerung (<em>„Mir ist kalt“</em>)</li>



<li>Informationssammlung (Fragen stellen)</li>



<li>Informationsübermittlung (Wissensübermittlung: Vortrag, Schule)</li>



<li>Beeinflussung des Verhaltens anderer (<em>„Mach’ bitte die Tür zu!“</em>)</li>



<li>Herstellung und Aufrechterhaltung einer Beziehung; „small talk“</li>
</ol>



<p>Beispiel: Gespräche übers Wetter (wie gut, dass wir das Wetter haben, sonst gäbe es möglicherweise noch weniger Beziehungen).</p>



<h3 class="wp-block-heading">2.4. Kommunikationsmodell</h3>



<p>Menschliche Kommunikation ist ein äußerst komplexes Geschehen. Deshalb soll uns ein einfaches Modell aus der Nachrichtentechnik zu besserem Verständnis verhelfen (Mitte der 40-er Jahre des 19. Jahrhunderts).</p>



<p>Das Modell ist an sich banal (wie viele Modelle), das Wissen um die verschiedenen Komponenten der Kommunikation kann uns aber helfen, sowohl Kommunikation selbst als auch Kommunikationsstörungen besser zu verstehen.</p>



<p>Grundsätzlich muss eine Nachricht vom Sender <em>verschlüsselt </em>(enkodiert) und vom Empfänger <em>entschlüsselt </em>(dekodiert) werden. Das heißt der jeweilige Sender fasst seine Nachricht in Lauten (beim Sprechen) oder in Zeichen (beim Schreiben) ab, die vom Empfänger entschlüsselt (dekodiert) werden müssen.</p>



<p>Dem Kommunikationsprozess im zwischenmenschlichen Bereich wird dieses Modell allerdings nicht gerecht, da es Wechselwirkungen zwischen Sender und Empfänger nicht berücksichtigt. Menschliche Kommunikation ist ja keine Einbahnstraße.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://kfg.org/wp-content/uploads/2025/03/kommunikationsstoerung-folie1.png"><img decoding="async" width="565" height="423" src="https://kfg.org/wp-content/uploads/2025/03/kommunikationsstoerung-folie1.png" alt="" class="wp-image-18351" srcset="https://kfg.org/wp-content/uploads/2025/03/kommunikationsstoerung-folie1.png 565w, https://kfg.org/wp-content/uploads/2025/03/kommunikationsstoerung-folie1-300x225.png 300w, https://kfg.org/wp-content/uploads/2025/03/kommunikationsstoerung-folie1-500x374.png 500w" sizes="(max-width: 565px) 100vw, 565px" /></a></figure>



<p>Der Ratsuchende (z.B. Ehemann) und der Seelsorger sind sowohl Sender als auch Empfänger von Information. Dass es dabei um viel mehr als um das gesprochene Wort geht, ist klar. Als Funktionsmodell dargestellt würde das in etwa so aussehen wie auf Seite 10 dargestellt.</p>



<p>Wörter oder Begriffe sind keine festen Größen, auf die es bestimmte richtige oder falsche Reaktionen gibt. Kommunikation ist sehr vielschichtig und wir müssen unser Modell weiter ausbauen. So kommen wir zunächst zu den verschiedenen Aspekten der Kommunikation, um uns einige Dinge bewusst zu machen, die normalerweise unbewusst (entweder richtig oder falsch) ablaufen. Das Wissen um diese unterschiedlichen Aspekte ist teilweise sehr praktisch und kann im Umgang mit anderen sehr hilfreich sein!</p>



<h2 class="wp-block-heading">3. Aspekte der Kommunikation:</h2>



<p>Beispiel: Eine Frau sagt zum Seelsorger/in: <em>„Mein Mann ist nie zu Hause.“</em></p>



<p>Diese kurze und einfache Aussage (sechs Worte, 21 Buchstaben) ist eine Nachricht, die hinsichtlich verschiedener Aspekte analysiert werden kann. Wir sehen dabei, dass die Sache gar nicht so einfach ist, wie sie zunächst scheint.</p>



<h3 class="wp-block-heading">3.1. Sachaspekt (Sachinhalt)</h3>



<p>Die Nachricht der Ehefrau enthält zunächst eine rein sachliche Information, nämlich die, dass ihr Mann sich (selten bis) nie in der ehelichen Wohnung aufhält. Das heißt diese Aussage ist klar, sachlich, verständlich, offen. Man ist sich einig darüber, was mitgeteilt wird. Der Sachaspekt bezieht sich also auf die <em>objektiven </em>Gegebenheiten, er vermittelt Fakten.</p>



<p>Kurz: Es geht darum, worüber ich <em>informieren </em>möchte.</p>



<p>Allerdings bringt die Ratsuchende mit ihrer Äußerung noch viel mehr zum Ausdruck; der Sachaspekt ist nur die „Spitze des Eisbergs“:</p>



<h3 class="wp-block-heading">3.2. Selbstoffenbarungsaspekt</h3>



<p>Jede Nachricht enthält auch Informationen über die Person des Senders, z.B. dass sie Deutsche – oder zumindest der deutschen Sprache mächtig – ist. Außerdem, dass sie sich verlassen fühlt, dass sie deprimiert ist etc. Sie teilt also <em>indirekt etwas über sich selbst</em> mit, über ihre Befindlichkeit, Pläne, Wünsche etc. Den meisten wäre es wahrscheinlich sehr unangenehm, wenn sie wüssten, dass sie etwas über sich selbst aussagen, was sich der willentlichen Kontrolle weitgehend entzieht.</p>



<p>Was sagt die Frau möglicherweise über sich selbst?</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><em>„Ich fühle mich im Stich gelassen.“</em> (Enttäuschung über ihren Mann)</li>



<li><em>„Alles andere ist ihm wichtiger als ich.“</em> (Kränkung)</li>



<li><em>„Er kann mir bald gestohlen bleiben.“</em> (Wut, Aggression)</li>
</ul>



<p>Kurz: Es geht darum, was ich selbst von mir kundgebe (gewollt oder ungewollt).</p>



<p>Was die Frau <em>wirklich </em>meint, kann nur erschlossen werden. In diesem Zusammenhang spielt das „Lesen zwischen den Zeilen“ eine große Rolle. Ich gehe später unter dem Thema „nonverbale Kommunikation“ darauf ein.</p>



<h3 class="wp-block-heading">3.3. Beziehungsaspekt</h3>



<p>Durch ihre Äußerung teilt die Ehefrau <em>indirekt auch etwas über ihre Beziehung zum Seelsorger</em> (und natürlich auch zu ihrem Ehemann) mit. Mit der Nachricht wird also gleichzeitig etwas über die Qualität der Beziehung des Redenden (Sender) zum Hörenden (Empfänger) vermittelt.</p>



<p>Mögliche Mitteilung: <em>„Zu Ihnen habe ich Vertrauen und würde gerne mehr erzählen…“</em></p>



<p>In der Regel nehmen wir den Beziehungsaspekt sehr sensibel wahr und reagieren empfindlich darauf: Sehr schnell fühlen wir uns in Frage gestellt, nicht ernst genommen oder korrigiert. Wir wissen um die Schwierigkeiten im Umgang mit Menschen, die „alles sehr persönlich nehmen“. Schon die banale Frage: <em>„Darf ich Ihnen in den Mantel helfen?“</em> kann die Reaktion auslösen: <em>„Meinen Sie, ich kann das nicht allein?“</em></p>



<p>Kurz: Beim Beziehungsaspekt geht es darum, <em>wie ich zu meinem Gegenüber</em> stehe.</p>



<p>Je unklarer eine Beziehung ist, desto eher wird eine Nachricht falsch interpretiert.</p>



<h3 class="wp-block-heading">3.4. Appellaspekt</h3>



<p>Mit einer Botschaft verbinden wir in der Regel eine bestimmte <em>Absicht</em>, d.h. wir wollen etwas damit erreichen, was wir uns vielleicht nicht direkt zu sagen getrauen.</p>



<p>Kurz: Es geht darum, wozu ich dich veranlassen möchte.</p>



<p>Mit der lapidaren Aussage: <em>„Wir haben keinen Kaffee mehr“</em> verknüpft der Ehemann eindeutig die Erwartung, dass seine Frau möglichst bald einkaufen geht.</p>



<p>Auch die Frau in unserem Beispiel verknüpft mit ihrer Aussage (bewusst oder weniger bewusst) eine Absicht/Erwartung:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><em>„So kann es nicht weitergehen, was soll ich tun?“</em></li>



<li><em>„Könnten Sie vielleicht einmal mit meinem Mann reden?“</em> etc.</li>
</ul>



<p>Der Sach-, Selbstoffenbarungs- und Beziehungsaspekt werden oft genutzt, um einem <em>Appell </em>Nachdruck zu verleihen, wie dieses nette (fiktive) Beispiel zeigt:</p>



<p>Beispiel: Martha sagt schluchzend zu ihrem Mann: <em>„Ich habe gar nichts anzuziehen.“</em> Der Appell ist deutlich: „Ich möchte mir ein neues Kleidungsstück kaufen!“ Sie vermittelt Unglücklichsein [Selbstoffenbarung] und gibt ihrem Mann das Gefühl, dass nur er (denn er ist ja ein guter Ehemann) in der Lage ist, diesen unerträglichen Zustand zu beenden [Beziehung].</p>



<p>Welch‘ ungeheurer Reichtum liegt doch in unserer Fähigkeit zur Kommunikation!</p>



<h3 class="wp-block-heading">3.5. Aspekt bezogene Reaktionen</h3>



<p>Wir wollen festhalten, dass ein und dieselbe Nachricht viele verschiedene Botschaften enthalten kann. Wie wir sie <em>interpretieren </em>und wie wir darauf <em>reagieren</em>, hängt davon ab, welchen Aspekt bzw. welche Aspekte wir <em>wahrnehmen </em>und wie wir sie <em>gewichten</em>. Eine Ehefrau beispielsweise fühlt sich leicht unverstanden, wenn ihr Mann nur den Sachaspekt ihrer Botschaft wahrnimmt. Das ist oft ein großes Problem in Beziehungen. Im obigen Beispiel würde der Ehemann sagen: <em>„Dein Kleiderschrank ist doch voll!“</em> – womit er möglicherweise nicht einmal Unrecht hätte – sie würde sich allerdings überhaupt nicht verstanden und ernst genommen fühlen.</p>



<p>Im Falle unseres Beispiels mit der Ehefrau (<em>„Mein Mann ist nie zu Hause.“</em>) können wir als Gesprächspartner sehr unterschiedlich reagieren, je nachdem, auf welchen der vier Aspekte der Botschaft wir besonders eingehen:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><em>Sachaspekt: „Es kann doch nicht sein, dass ihr Mann permanent auf Montage ist.“</em> oder <em>„Seien Sie froh, dass er nicht dauernd zu Hause sitzt.“</em></li>



<li><em>Selbstoffenbarungsaspekt: „Na, so schlimm wird’s wohl nicht sein …“</em></li>



<li><em>Beziehungsaspekt: „Ich kann mir vorstellen, dass Ihnen das zu schaffen macht, wollen Sie mir mehr darüber erzählen?“</em></li>



<li><em>Appellaspekt: „Ich kann Ihren Mann nicht ändern, aber ich möchte gerne für Ihre Ehe beten…“</em></li>
</ul>



<p>Bei den drei Freunden von Hiob war das Problem, dass sie hauptsächlich den Sachaspekt wahrnehmen! Sie sagten ja nicht nur Falsches, aber für Hiob waren sie dennoch <em>„leidige Tröster“</em> (Hiob 16,2). Sie dachten folgendermaßen:</p>



<ol class="wp-block-list">
<li>Gott segnet die Gerechten und lässt die Sünder leiden;</li>



<li>Hiob leidet;</li>



<li>Also hat Hiob gesündigt!</li>
</ol>



<p>Dagegen verlässt der Herr Jesus im Gespräch mit der Samariterin (Joh 4) sofort die Sachebene (<em>„Gib mir zu trinken!“</em>) und ist nach wenigen Worten auf der Beziehungsebene, wo ihre eigentlichen Probleme lagen. Kurze Zeit später bekehren sich viele Samaritaner …</p>



<p>Noch eine Anmerkung: Es ist möglich, dass wir persönlichkeitsbedingt oder geschlechtsbedingt auf einen Aspekt im Kommunikationsprozess besonders ansprechen und reagieren:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Wenn dies der <em>Sachaspekt </em>ist, werden wir uns mit den Fakten begnügen – mit dem Resultat, dass uns das Erleben und die Gefühle des anderen weitgehend verschlossen bleiben werden. Unser Gegenüber fühlt sich unverstanden und möglicherweise auch nicht ernst genommen. Wahrscheinlich neigen Männer eher zu dieser Kommunikationsvariante.</li>



<li>Überbetonung des <em>Selbstoffenbarungsaspektes </em>erweckt den Eindruck einer egozentrischen Person, um die sich alles dreht.</li>



<li>Wenn wir den <em>Beziehungsaspekt </em>überbetonen, nehmen wir Aussagen unseres Gegenübers sehr schnell persönlich oder lassen uns in Beziehungen verstricken. Oder wir identifizieren uns mit ihm und verlieren die nötige Distanz. Es kann auch sein, dass Lob uns parteiisch macht (<em>„Sie verstehen mich wenigstens…“</em>)</li>



<li>Menschen, die auf den <em>Appellaspekt </em>besonders stark ansprechen, sehen für sich selbst überall Aufgaben. Sie meinen, dem Gegenüber die Probleme aus dem Weg räumen zu müssen und fühlen sich deshalb möglicherweise schnell überfordert oder auch ausgenutzt. Oft sind dies Menschen, die nicht „Nein“ sagen können oder solche, die ein starkes Geltungsbedürfnis haben – wie jener Manager, der in ein Taxi springt und schreit: <em>„Fahren sie mich irgendwo hin, ich werde überall gebraucht!“</em></li>
</ul>



<p>Fazit: Für einen Seelsorger ist es wichtig, sich <em>selbst </em>einigermaßen zu kennen (vor allem die Schwachstellen), <em>alle </em>Aspekte der Kommunikation (einigermaßen) im Blick zu haben und sie (einigermaßen) richtig zu gewichten! Welcher Aspekt spricht mich besonders an?</p>



<p>Schwierigkeit: die verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten der verbalen Äußerung schließen Fehlinterpretationen und Missverständnisse ein<sup data-fn="bc67a29a-bb25-4d29-9cf6-aa6cc08abe1d" class="fn"><a id="bc67a29a-bb25-4d29-9cf6-aa6cc08abe1d-link" href="#bc67a29a-bb25-4d29-9cf6-aa6cc08abe1d">5</a></sup>. Wir sind deshalb zusätzlich zu verbalen Äußerungen auf Signale angewiesen, die Unsicherheit reduzieren helfen: nonverbale Kommunikation.</p>



<h2 class="wp-block-heading">4. Nonverbale Kommunikation</h2>



<p>Wer aus dem Gesagten den Schluss zieht, besser gar nicht mehr zu reden, der ist damit nicht aus dem Schneider, denn es lässt sich auch ohne Worte viel vermitteln. Beispiel: Meine Enkel verzogen die Gesichter, als ich ihnen kürzlich Zucchinis aus unserem Garten anbot.</p>



<p>Das bedeutet: wir können auch <em>ohne Worte</em>, nonverbal (ohne die Verwendung von Sprache) etwas bzw. sogar sehr viel vermitteln! In diesem Fall entfällt der „Sachaspekt“, die drei anderen Aspekte kommen jedoch verstärkt zum Tragen.</p>



<p>Der Krimi-Autor Alfred Hitchcock sagte einmal: <em>„Richtig verheiratet ist ein Mann erst dann, wenn er jedes Wort versteht, das seine Frau <strong>nicht </strong>gesagt hat!“</em></p>



<p>In Psalm 32,8 sagt der Herr, dass Er uns mit Seinen Augen (also nonverbal) leiten will. Was das wohl für unsere Nachfolge bedeutet?</p>



<p>Beispiel: Zuhörer eines Vortrages gähnen oder schauen dauernd auf die Uhr.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Selbstoffenbarungsaspekt: <em>„mir ist furchtbar langweilig &#8230;“</em>; <em>„ich bin gestern zu spät ins Bett“</em> etc.</li>



<li>Beziehungsaspekt: <em>„Wenn ich den Redner nicht so gut kennen würde, würde ich aufstehen und gehen.“</em></li>



<li>Appellaspekt: <em>„Sei so gut und gönne mir jetzt eine Kaffeepause!“</em></li>
</ul>



<p>Das heißt: Die Bedeutung von Wörtern kann durch nichtsprachliche (nonverbale) Äußerungen <em>bestätigt, verändert, relativiert und sogar aufgehoben</em> werden. Integrität und Echtheit werden wir dadurch vermitteln, indem verbales und nonverbales Verhalten übereinstimmen – das sollte ein normales Kennzeichen eines Gläubigen sein.</p>



<p>Beispiel: Ein Vater sagt zu seinem Sohn: <em>„Warte, ich helf‘ dir gleich!“</em> Er kann damit je nach Situation, Stimmlage. Lautstärke, Gestik und Mimik etc. ganz unterschiedliches ausdrücken: Zuneigung und Anteilnahme, aber auch Warnung und Drohung.</p>



<p><strong>Verbale Kommunikation</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li>was wird gesagt?</li>



<li>Kontrolle leicht möglich</li>



<li>vermittelt einfach „Daten“ (Sachinhalts-Aspekt)</li>



<li>Sprache willkürlich kodiert digital (z.B. Begriffe wie „Haus“, „Baum“)</li>
</ul>



<p><strong>Nonverbale Kommunikation</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li>wie wird es gesagt? („Der Ton macht die Musik“)</li>



<li>eher spontan, wenig beeinflussbar</li>



<li>vermittelt, wie die Daten aufzufassen sind</li>



<li>nonverbale Signale analog (z.B. Bilder oder Gefühlsäußerungen)</li>
</ul>



<p>Zwischenmenschliche Kommunikation ist eine Mischung von digitalen und analogen Modalitäten. Beispiel: Jemand kann sich digital mitteilen, wenn er etwas nicht verstanden hat, indem er sagt: <em>„Das habe ich jetzt nicht verstanden“</em> oder aber analog, indem er die Stirn runzelt.</p>



<p>Und sie ist außerdem meist auch eine Kombination von verbalen und nicht-verbalen Elementen.</p>



<p>Verbale Kommunikation benötigt die Unterstützung der nonverbalen Kommunikation – und zwar auf zwei wichtigen Kanälen:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>visuell-gesturalen Kanal (Mimik, Gestik)</li>
</ul>



<p>=> averbale Kommunikation</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>audio-vokalen Kanal (Lautstärke, Stimmlage etc.)</li>
</ul>



<p>=> paraverbale Kommunikation</p>



<h4 class="wp-block-heading">1. Averbale Aspekte der Kommunikation („Körpersprache“)</h4>



<ul class="wp-block-list">
<li>Körperkontakt: Aggressionshandlungen, sexuelle Handlungen und Fürsorgehandlungen, Begrüßung/Abschied etc.</li>



<li>räumliche Nähe: jeder hat seine persönliche Distanz, auf deren Einhaltung er achtet (&lt;0,50m intim, 1,50m zwanglos-persönlich, 3,50m sozial-konsultativ)</li>



<li>Körperhaltung: Indikator für Status, Gefühlszustand, Einstellung anderen Menschen gegenüber („kalte Schulter zeigen“; „die Stirn bieten“)</li>



<li>Äußere Erscheinung: Körperbau, Kleidung, Gesicht, Haar; Hände können Hinweise auf die soziale Gruppe/Beruf, Status, emotionalen Zustand o.ä. sein.</li>



<li>Mimik und Gestik: Das Gesicht mit seinen 26 Muskeln drückt oft sehr deutlich Gefühle aus (Glück, Überraschung, Trauer, Furcht, Wut, Ekel, Interesse etc.); diese Verhaltensweisen sind teilweise angeboren bzw. verknüpft mit Reaktionen des autonomen Nervensystems (z. B. Erröten, Erblassen, Weinen, Pupillenerweiterung). Am Gesichtsausdruck des Gegenübers kann ich z. B. erkennen, was es empfindet, ob das Gesagte verstanden wurde, ob es sich ernst genommen fühlt, ob ein Wechsel beim Sprechen erfolgen soll etc.</li>



<li>Hände: Unterstreichen bzw. illustrieren das Gesagte; (häufige Hand- Gesichts- Kontakte können Hinweis auf psychische Störung sein).</li>



<li>Kopfhaltung und Kopfbewegung: Nicken als Bekräftigung des Gesagten; Gegenteil: Kopfschütteln (in anderen Kulturen teilweise andere Bedeutung!)</li>



<li>Blickrichtung und Blickkontakt: Blickvermeidung zum Reduzieren von Aufregung, Vermeiden von Intimität, evtl. Scham. Der Aufbau von Beziehung ist weitgehend an Blickkontakt gebunden. Beispiel Autismus: soziale Kontaktstörung, bei der Körper- und Blickkontakt gemieden werden. Optimale Länge des Blickkontaktes: 3,3 Sekunden.</li>
</ul>



<h4 class="wp-block-heading">2. Paraverbale Aspekte der Kommunikation (Begleiterscheinungen des Sprechens):</h4>



<ul class="wp-block-list">
<li>emotionaler Tonfall gibt Hinweise auf die Gefühlslage (harte/weiche, laute/leise, warme/kalte Stimme etc.). Beispiel: Telefondienste in Japan, die Mut zusprechen!</li>



<li>Sprechtempo (schnelles, gehetztes bzw. langsames und schleppendes Sprechen etc.)</li>



<li>Sprechfehler als Hinweis auf unbewusste Wünsche („Freud’sche Fehlleistung“), Anspannung oder einfach auch Ermüdung</li>



<li>Akzent gibt Hinweise auf Status, Nationalität und Gruppenzugehörigkeit, Erziehung etc.</li>



<li>Regredieren auf den ursprünglichen Akzent bei starker Erregung, Angst, Stress</li>
</ul>



[Anm.: eine ‚feuchte Aussprache‘ kann zwar auch eine Begleiterscheinung des Sprechens sein, zählt aber nicht als ‚paraverbaler Aspekt‘!]



<p>Soweit einige Erkenntnisse und Anregungen zum Thema Kommunikation. Wir sehen: Kommunikation ist ein sehr komplexes und kompliziertes Phänomen. Wissenschaftliche Modelle und Systematisierungen können uns zwar helfen, die Prozesse zu beschreiben und sie etwas besser zu verstehen, aber wir sollten nicht meinen, wir könnten durch psychologische Erkenntnisse jede kommunikative Äußerung richtig einschätzen, geschweige denn richtig darauf reagieren. Das beweist uns auch unsere Erfahrungen, denn es ist leider nicht zu vermeiden, dass es hin und wieder zu Kommunikationsstörungen kommt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">5. Kommunikationsstörungen</h2>



<p>Dinge, die sehr komplex und kompliziert sind, sind oft auch sehr störanfällig. In „Der Kleine Prinz“ von Saint-Éxupery sagt der Fuchs zum Kleinen Prinzen: <em>„Die Sprache ist die Quelle der Missverständnisse.“</em> Ja, es ist wirklich erschreckend, wie leicht und wie schnell es im zwischenmenschlichen Bereich zu Störungen im Miteinander kommt. Im Grunde handelt es sich um <em>Kommunikationsprobleme</em>. Viele Nöte in unserem Leben deuten auf eine gestörte Kommunikation mit anderen Menschen und v. a. mit dem Herrn hin – oder auch mit sich selbst. Beispiel: Jemand sagt sich bei allen Anforderungen: <em>„Das kann ich nicht“ </em>(Autosuggestion)</p>



<p>Beispiel: Frau Müller kommt mit ihrem Mann zur Beratung, der aber nur seiner Frau zuliebe mitgeht; er selbst sieht keine Probleme in der Ehe – die völlig unterschiedliche Einschätzung ein und derselben Situation lässt auf Störungen in der Kommunikation des Ehepaars schließen (<em>„Er versteht mich nicht &#8230;“</em> – <em>„Ich weiß gar nicht, was sie hat“</em>).</p>



<p>Paradox: Im sogenannten „Kommunikationszeitalter“ scheinen Kommunikationsprobleme verbreiteter zu sein denn je. Es geht eben nicht in erster Linie um die Quantität, sondern um die Qualität!</p>



<h3 class="wp-block-heading">5.1. Bedingungen für die Entstehung von Kommunikationsstörungen</h3>



<p>Im Folgenden wollen wir uns mit sechs verbreiteten Arten von Kommunikationsstörungen beschäftigen. Sie werden sich bestimmt hier und da wiederfinden. In einem späteren Punkt soll es dann darum gehen, diese Störungen zu vermeiden bzw. zu beheben.</p>



<h4 class="wp-block-heading">5.1.1. Technische und semantische Probleme bei der Kommunikation</h4>



<p>Technisch: Beeinträchtigung der Kommunikation durch äußere Faktoren (Lärm, äußere Unruhe, Telefon). Man sollte die Bedeutung dieses Punktes nicht unterschätzen.</p>



<p>Semantisch: Bedeutung der Zeichen (Wörter) nicht einheitlich. Es ist sehr leicht möglich, dass wir zwar dieselben Worte verwenden, jedoch etwas anderes darunter verstehen, d.h. wir <em>„reden aneinander vorbei“</em>.</p>



<p>Das trifft nach meiner Beobachtung auch immer mehr auf Christen zu. Nicht selten werden ein und dieselben Begriffe (Erlösung, Gnade, Seelsorge etc.) unterschiedlich verstanden und gelebt und führen zu Verwirrung und Spaltung. Grund: Die inhaltliche Füllung der Begriffe geschieht willkürlich, weil Gottes Wort immer weniger mit Ehrfurcht behandelt und ausgelegt wird.</p>



<h4 class="wp-block-heading">5.1.2. Verweigerung verbaler Kommunikation</h4>



<ul class="wp-block-list">
<li>einfach nicht mit dem andern reden wollen (z. B. Kopfschmerzen oder Schläfrigkeit oder viel Arbeit vortäuschen) – obwohl natürlich auch dies Kommunikation ist, denn der Betreffende drückt damit sehr wohl etwas aus – auch wenn nicht geredet wird!</li>



<li>Entwertung dessen, was der andere sagt durch verschiedene Methoden, z. B. Themenwechsel, absichtliches Missverstehen, Überheblichkeit etc.</li>



<li>Abweisung; entweder deutlich sagen, dass man an einem Gespräch nicht interessiert ist oder sein Gegenüber einfach „abblitzen“ lassen</li>



<li>Ausweichen; nicht auf das eingehen, was dem Gegenüber wichtig ist etc.</li>
</ul>



<h4 class="wp-block-heading">5.1.3. Vermischung von Sach- und Beziehungsaspekt</h4>



<p>Der Idealfall, der leider selten ist, sieht so aus: Zwei Individuen sind sich sowohl in Bezug auf den <em>Inhalt </em>ihrer Kommunikation als auch bezüglich ihrer <em>Beziehung </em>einig. Dazwischen liegen Mischformen:</p>



<h5 class="wp-block-heading">1. Uneinigkeit auf Inhaltsebene und Einigkeit auf Beziehungsebene</h5>



<p>(= Harmonie in der Beziehung trotz unterschiedlicher Meinung – dies ist auch unter Christen sehr erstrebenswert). Beispiel: geschwisterliches Verhältnis trotz unterschiedlicher Meinung (z.B. zum Thema Zungenrede, Haarlänge, Politik etc.)</p>



<p>Allerdings: Es darf keine Einigkeit auf Kosten der Wahrheit geben! Manchmal muss man seinem Gegenüber wirklich sagen: <em>„Wenn ich dir in diesem Punkt recht gebe, dann tue ich unrecht, dann bin ich dem Herrn untreu!“</em></p>



<h5 class="wp-block-heading">2. Einigkeit auf der Inhaltsebene und Uneinigkeit auf der Beziehungsebene</h5>



<p>Die Beziehung wird nur durch ein temporäres gemeinsames Ziel aufrechterhalten (z.B. häufig der Fall beim gemeinsamen Bau eines Hauses; wenn dann das „Werk“ fertig ist, geht die Ehe in die Brüche).</p>



<p>Uneinigkeit zwischen Kommunikationspartnern entsteht oft dadurch, dass Sach- und Beziehungsebene vermischt werden.</p>



<p>Beispiel: Ein Mann legt nach einer Missionsveranstaltung einen Scheck über 1.000 Euro in den Korb; seine Frau macht ihm gewaltige Vorwürfe, als sie davon erfährt, es gibt Streit (<em>„Wie kannst du nur so viel Geld spenden …“</em>)</p>



<p>Analyse: Auch die Frau sieht die Spende als richtig an (sachliche Ebene), aber sie fühlt sich übergangen und reagiert deshalb ungehalten (Beziehungsebene). Es geht bei der Auseinandersetzung nicht primär um das Geld, sondern um das verletzte Selbstwertgefühl, das gekränkte Ich! (<em>„Wie kann er nur so viel Geld weggeben, ohne sich vorher mit mir abzusprechen“</em>). Auch diese Art der Kommunikationsstörung dürfte uns nicht ganz fremd sein.</p>



<p>Bei vielen Problemen in Gemeinden, Betrieben und Ehen werden wir feststellen, dass ihre scheinbare Unlösbarkeit mit der Vermischung beider Aspekte zu tun hat.1</p>



<p>Beziehungsprobleme werden unlösbar, wenn man versucht, sie auf der Sachebene auszutragen; es kommt dann zu den unsinnigsten Streitereien. Es ist deshalb wichtig, dass der Seelsorger erkennt, woran die Kommunikation krankt; Beziehungsprobleme können jedenfalls nicht allein auf der Sachebene gelöst werden (dazu neigen Männer eher als Frauen).</p>



<h4 class="wp-block-heading">5.1.4. Falsche Interpunktion</h4>



<p>In einer Kette von Ereignissen oder Interaktionen ist es immer willkürlich, festlegen zu wollen, was Ursache und was Wirkung ist. Probleme ergeben sich hier also aufgrund unseres kausalistischen Denkens (Ursache – Wirkung).</p>



<p>Beispiel: Ein typischer Konflikt bei einem Ehepaar kann darin bestehen, dass der Mann in seinem Rückzugsverhalten die einzige Möglichkeit sieht, sich gegen das Nörgeln seiner Frau zur Wehr zu setzen: <em>„Ich kann dir ja nichts recht machen, deshalb ziehe ich mich zurück.“</em> Die Ehefrau ihrerseits sieht gerade im Rückzug ihres Mannes den Grund ihrer permanent geäußerten Unzufriedenheit, die sie dann auch zum Ausdruck bringt. Auf einen Nenner gebracht tauschen beide permanent folgende Botschaften aus: <em>„Ich meide dich, weil du nörgelst.“</em> und <em>„Ich nörgle, weil du mich meidest.“</em> Graphisch lässt sich dieses fatale Interaktionsmuster folgendermaßen darstellen:</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://kfg.org/wp-content/uploads/2025/03/kommunikationsstoerung-folie2.png"><img decoding="async" width="611" height="458" src="https://kfg.org/wp-content/uploads/2025/03/kommunikationsstoerung-folie2.png" alt="" class="wp-image-18352" srcset="https://kfg.org/wp-content/uploads/2025/03/kommunikationsstoerung-folie2.png 611w, https://kfg.org/wp-content/uploads/2025/03/kommunikationsstoerung-folie2-300x225.png 300w, https://kfg.org/wp-content/uploads/2025/03/kommunikationsstoerung-folie2-500x375.png 500w" sizes="(max-width: 611px) 100vw, 611px" /></a></figure>



<p>Ich möchte hier etwas Humorvolles einfügen. Der Klassenlehrer fragt:<em> „Wer hat die Schlägerei begonnen?“</em> Thomas betreten: <em>„Es fing damit an, dass Erich zurückschlug!“</em> – Wir sehen: Schuld ist immer der andere.</p>



<p>Beispiel: Auf politischer Ebene geschieht oft dasselbe: Wettrüsten; Land X hat immer einen Grund aufzurüsten, wenn es behauptet, Land Y sei überlegen; Land Y seinerseits nimmt das Aufrüsten von Land X als Alibi für seine eigenen militärischen Anstrengungen. In der Praxis läuft dieses Pingpong rückwärts (also von der Gegenwart in die Vergangenheit gerichtet).</p>



<p>Beispiel: „Partner-Pingpong“ (aus einer Zeitung):</p>



<p>Sie zündet sich nach dem Frühstück eine Zigarette an.</p>



<p>Er: „Musst du unbedingt schon so früh am Tag deine Gesundheit ruinieren?“</p>



<p>Eine vorbildliche Frau hätte vielleicht geantwortet: „Du hast recht, Liebling, ich werde versuchen, das Rauchen aufzugeben.“ Aber sie ist keine vorbildliche Frau, also sagt sie gereizt: „Es ist ja <em>meine </em>Gesundheit!“</p>



<p>Er: „Und es ist <em>meine </em>Wohnung, die du vollqualmst.“</p>



<p>Sie: „Unsere!“</p>



<p>Er: „Wer zahlt eigentlich die Miete dafür?“</p>



<p>Sie: „Und wer rackert sich ab, um sie in Ordnung zu halten?“</p>



<p>Er wirft die Serviette hin: „Kann man nicht <em>einen </em>Tag ohne Krach frühstücken?“</p>



<p>Sie: „Ich habe nicht angefangen.“</p>



<p>Er: „Nein, du fängst ja nie an. Wie war das zum Beispiel vorgestern nach dem Kino?“</p>



<p>Sie: „Den blöden Film hattest doch du ausgesucht!“</p>



<p>Er: „Liebe Güte, diese Logik! Immer kommst du vom Thema ab.“</p>



<p>Sie hält sich symbolisch die Ohren zu: „Und du fängst immer gleich an zu brüllen. Das war damals in Palma schon so, da hast du das halbe Hotel aufgeweckt&#8230;“</p>



<p>Wir schmunzeln – und kennen dieses unselige Kommunikationsmuster doch zur Genüge aus eigener Erfahrung.</p>



<p>Wir müssen uns Kommunikation als einen <em>ununterbrochenen Austausch von Mitteilungen</em> vorstellen: Jedes Verhalten ist Ursache und Wirkung zugleich. Deshalb ist es in der Regel müßig, bei zwischenmenschlichen Konflikten den (alleinigen) Verursacher ausfindig machen zu wollen.</p>



<p>Das heißt allerdings nicht, dass sich die Frage nach der Schuld dadurch erübrigen würde. Wo Schuld vorliegt, kann es nur durch Vergebung zu einer Lösung kommen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">5.1.5. Symmetrische und komplementäre Kommunikation</h4>



<p>Von <em>symmetrischer Kommunikation</em> spricht man dann, wenn beide Kommunikationspartner dem anderen gegenüber dasselbe Verhalten zeigen können: beide können Vorschläge machen, einander kritisieren, sich Ratschläge geben etc. (Ehepartner, Umgang mit Geschwistern). Das heißt, sie stehen sich ebenbürtig gegenüber, sie bewegen sich auf „Augenhöhe“.</p>



<p><em>Komplementarität </em>ist dann gegeben, wenn beide Partner (evtl. aufgrund einer Rangordnung) unterschiedliche Verhaltensweisen zeigen, die sich aber ergänzen und aufeinander zugeschnitten sind: Der eine fragt, der andere antwortet; der eine lehrt, der andere lernt etc. Komplementarität kann sich auch in der Redezeit ausdrücken.</p>



<p>Die Beziehung eines Kleinkindes zu seinen Eltern ist zunächst von Komplementarität geprägt, muss aber mit zunehmendem Alter und zunehmender Reife verstärkter Symmetrie Platz machen. Viele Störungen resultieren aus der Tatsache, dass Eltern sich nicht richtig auf die Entwicklung ihrer Kinder einstellen. (Beispiel: Ein Vater beharrt auf der komplementären Kommunikation mit seinem 18-jährigen Sohn, indem er ihm laufend Anweisungen gibt).</p>



<p>In der Seelsorge kann komplementäre Interaktion blockierend wirken, weil der Seelsorger den Ratsuchenden nicht ernst nimmt oder dessen Neigung zur Regression unterstützt. Auf der anderen Seite ist auch ein kumpelhaftes <em>„wir werden die Nuss schon knacken“</em> kontraproduktiv.</p>



<p>Beide Formen der Kommunikation haben ihre Bedeutung, jedoch auch ihre Grenzen.</p>



<p>Beispiel: Beim Herrn Jesus finden wir immer die richtige Mischung von symmetrischer und komplementärer Interaktion, z.B. in der Begegnung mit der kanaanäischen Frau (Mt 15,21-28): Er lässt sich einerseits auf ein ganz „normales“ Gespräch mit ihr ein (Er lässt sich für die damalige Zeit herab, mit einer Frau zu reden), zeigt aber andererseits Seine Souveränität und Macht.</p>



<h4 class="wp-block-heading">5.1.6. Paradoxe Kommunikation</h4>



<p>Damit ist gemeint, dass innerhalb der verbalen bzw. der <em>verbalen und nonverbalen</em> Kommunikation Widersprüche liegen. Einfaches Beispiel:</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://kfg.org/wp-content/uploads/2025/03/kommunikationsstoerung-folie3.png"><img loading="lazy" decoding="async" width="517" height="387" src="https://kfg.org/wp-content/uploads/2025/03/kommunikationsstoerung-folie3.png" alt="" class="wp-image-18353" srcset="https://kfg.org/wp-content/uploads/2025/03/kommunikationsstoerung-folie3.png 517w, https://kfg.org/wp-content/uploads/2025/03/kommunikationsstoerung-folie3-300x225.png 300w, https://kfg.org/wp-content/uploads/2025/03/kommunikationsstoerung-folie3-500x374.png 500w" sizes="auto, (max-width: 517px) 100vw, 517px" /></a></figure>



<p>Es ist offensichtlich, dass hier etwas nicht stimmt!</p>



<p>Weniger lustig: Eine Mutter schimpft ihre Kinder wegen deren Unselbständigkeit, tut aber andererseits alles, um sie in der Abhängigkeit zu halten.</p>



<p>Beispiel: Seelsorger zum Ratsuchenden: <em>„Als Christ müssten Sie sich doch freuen!“</em></p>



<p>Analyse: Wenn ein (möglicherweise sogar depressiv strukturierter) Ratsuchender sich freuen könnte, hätte er möglicherweise gar keinen Seelsorger aufgesucht. Die Aufforderung, etwas zu empfinden (nämlich Freude), was gar nicht da ist, kann Ratsuchende in weitere Nöte bringen und ihn bspw. zum Heuchler machen (dies ist besonders dann aktuell, wenn der Seelsorger rasche „Erfolge“ sehen will).</p>



<p>Die Entstehung von <em>Schizophrenie </em>wird u. a. damit erklärt, dass dem Individuum in seiner früheren Kindheit häufig paradoxe Handlungsaufforderungen gegeben wurden.</p>



<p>Beispiel: Der Vater sagt mit einer lauten Stimme, die das Gegenteil von Annahme und Liebe ausdrückt: <em>„Komm auf meinen Schoß!“</em> Das Kind ist unsicher, welcher Wahrnehmung es trauen soll &#8230;</p>



<p>Exkurs: Die Bibel erwähnt übrigens einige Situationen, in denen die sogenannten Frommen Jesus in <em>paradoxe </em>Situationen brachten; und es ist sehr interessant, wie der Herr damit umging. In Matthäus 22,15-22 versuchten die Jünger der Pharisäer, Ihn mit der Frage nach der Steuer aufs Glatteis zu führen. Was hättest du auf diese Frage („Ist es erlaubt, dem Kaiser die Steuer zu geben, oder nicht?“ [Vers 17]) geantwortet? Der Herr meistert die Situation jedenfalls souverän. Ein weiteres Beispiel: Jesus und die Ehebrecherin (Joh 8,2-11).</p>



<p>Jeder kennt wahrscheinlich irgendjemanden, der sich widersprüchlich (paradox) verhält und dem man es nie recht machen kann, egal was man tut. Normale Folge: Man meidet diesen Menschen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">6. Erfolgreiche Kommunikation</h2>



<p>Wenn Kommunikation nicht rund läuft, erleben wir das in der Regel als Spannung. Die Frage ist, was wir „prophylaktisch“ tun können?</p>



<p>Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, als würde das Beherzigen einiger Kommunikationsregeln jegliche Kommunikations- und damit auch Beziehungsprobleme verhindern. Wir alle erfahren ja immer wieder, wie wir trotz besseren Wissens Dinge tun, die nicht in Ordnung sind. Wieviel mehr gilt das für unsere Zunge, die Jakobus als ein<em> „… unstetes Übel, voll tödlichen Giftes“</em> (Jak 3,8) bezeichnet. Dennoch dürfen wir auch in diesem wichtigen Bereich unseres Lebens dazulernen. Im Folgenden sei deshalb nur auf einige Dinge hingewiesen, die wir in bestimmten Situationen bedenken sollten. Das ist eine ziemliche Herausforderung, aber Gott hat uns erfreulicherweise so konstruiert, dass wir über ausreichend geistige Kapazität verfügen, die uns befähigt, neben dem Zuhören auf eine Menge anderer Signale zu achten (v.a. nonverbale Signale) und sogar „vorauszudenken“ (d.h. Fragen, Stellungnahmen, Antworten etc. im Voraus zu überlegen).</p>



<p>Ganz neue Dimensionen der Kommunikation tun sich seit einigen Jahren durch die Möglichkeiten der modernen Medien auf. Wir sollten selbstkritisch beobachten, wie sehr uns diese faszinierenden elektronischen Kommunikationsmittel bestimmen.</p>



<p>Das international tätige Flurry-Institut stuft weltweit 870 Millionen Menschen als Handy- und Smartphone-süchtig ein.2 Das Sicherheits-Unternehmen AVG (Holland) hat in einer Untersuchung festgestellt, dass Smartphones zunehmend das familiäre Zusammenleben (Kommunikation) beeinträchtigen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">6.1. Exkurs: Geschlechtsspezifische Unterschiede</h3>



<p>Auch wenn im Zuge von „Gender Mainstreaming“ Geschlechtsunterschiede zunehmend geleugnet werden, zeigen sich diese doch nicht nur beim Temperaturempfinden, sondern vor allem auch in der Art verbaler Kommunikation. Diese Unterschiede werden in vielen Witzen karikiert, und ich weiß nicht, ob dadurch über die Frauen oder über die Männer mehr Vorurteile (oder Weisheiten?) verbreitet werden.</p>



<p>Ein humorvoll gemeintes Beispiel: Da fragt der Scheidungsrichter den Mann: <em>„Warum haben Sie mit ihrer Frau ein Jahr lang nichts gesprochen?“</em> – Ehemann: <em>„Ich bin ein höflicher Mensch; ich wollte sie nicht unterbrechen.“</em></p>



<p>Tatsache ist jedoch, dass das Kommunikationsbedürfnis schon bei kleinen Mädchen ausgeprägter ist als bei Jungs: sie lernen früher sprechen und sind sprachlich flexibler als Jungs. Daraus entwickelt sich ein lebenslanges Talent: Der durchschnittliche Mann redet pro Tag 20.000 Wörter, die durchschnittliche Frau ca. 30.000! Wenn der Mann abends von der Arbeit kommt, kann es sein, dass er – je nach Beruf – seinen Vorrat bis auf etwa 50 Worte aufgebraucht hat, die Frau hat noch mindestens einen Vorrat von 10.000 Worten. Da sind Probleme vorprogrammiert. Natürlich gibt es auch hier im Zuge zunehmender Berufstätigkeit von Frauen Verschiebungen.</p>



<p>Ein weiterer Unterschied liegt darin, dass Männer eher darüber reden, was sie denken, während Frauen eher ihre Gefühle mitteilen. Diese Unterschiede gilt es zu beachten, wenn Kommunikation (speziell in der Ehe) erfolgreich sein soll.</p>



<p>Laut Prof. Kurt Hahlweg, Psychologe von der Uni Braunschweig, bestätigen empirische Untersuchungen geschlechtsspezifische Unterschiede in der Kommunikation. Besonders Männer würden dazu erzogen, keine Schwächen zu zeigen, das bedeute auch: nicht über Probleme zu reden! Frauen dagegen neigen in der Partnerschaft dazu, die Mutterrolle einzunehmen; oft wollen sie ihren Partner grundlegend ändern, wozu sie sich v.a. der Sprache bedienen.</p>



<p>Meines Erachtens ist es allerdings <em>nicht </em>erstrebenswert, dass Männer in derselben Intensität über ihre Gefühle reden können wie Frauen. Wer Erfahrungen mit Frauengruppen hat (ich habe ein Jahr in einem Mädchenwohnheim gearbeitet!), der weiß, dass die Überbetonung des Beziehungsaspektes – zu dem Frauen neigen – auch Nachteile haben kann. Natürlich ist auch die männliche Eigenart, sich eher auf der Sachebene zu bewegen, nicht gerade erfüllend. Über die oft belächelte Einsilbigkeit der Männer gibt es natürlich auch Witze. Z.B. sagt der eine Mann zum anderen: <em>„Du könntest mich ja auch mal fragen, wie’s mir geht!“</em> Fragt der andere Mann: <em>„Und, wie geht es dir?“</em> Antwortet der Erste: <em>„Ach, frag‘ mich bloß nicht!“</em></p>



<p>Es ist verkürzt, Geschlechtsunterschiede im Kommunikationsverhalten allein mit Sozialisation (Erziehung) erklären zu wollen. Viele neurophysiologische Untersuchungen weisen gewaltige Unterschiede in den Gehirnstrukturen von Männern und Frauen nach, die sich natürlich auch im Kommunikationsverhalten ausdrücken. Wenn verbale Kommunikation speziell zwischen Mann und Frau gelingen soll, dann gilt es auch, die geschlechtsabhängigen Unterschiede im Wahrnehmen, Denken und Empfinden und der Kommunikation zu berücksichtigen.</p>



<p>Ich beschließe diesen interessanten Punkt mit einem Zitat von James Dobson: <em>„Viele Frauen verlieben sich in den starken, stillen Typ und lehnen ihn dann (als Ehemann) für den Rest ihres Lebens ab, weil er zu wenig mit ihnen spricht.“</em></p>



<h3 class="wp-block-heading">6.2. Metakommunikation</h3>



<p>Unter Metakommunikation verstehen wir „Kommunikation über Kommunikation“, d.h. wir machen die Kommunikation selbst zum Thema.</p>



<p>Beispiel: Erinnern wir uns an den Ehemann, der bei der einer Missionsveranstaltung ohne Absprache mit seiner Frau einen größeren Geldbetrag spendet. Das Problem wäre schnell behoben, wenn sie zum Beispiel sagen würde: <em>„Ich finde es ja richtig, dass wir Missionare unterstützen, aber ich fühlte mich einfach übergangen und hätte es richtig gefunden, wenn du vorher mit mir darüber gesprochen hättest &#8230;“</em> Der Ehemann hätte dafür Verständnis zeigen und um Vergebung bitten können und die Störung wäre beseitigt gewesen.</p>



<p>Metakommunikation besteht darin, die Art des Redens und des Umgangs miteinander zum Gegenstand des Gesprächs zu machen. Sie verlangt den Mut zur Selbstoffenbarung (z.B. <em>„Deine Äußerung hat mich verletzt“</em>). Da Metakommunikation für manchen etwas ungewohnt ist, kann es hilfreich sein, bei Beziehungsproblemen einen „Kommunikationshelfer“ (z.B. Seelsorger) hinzuzuziehen, damit v.a. über die Art des Umgangs miteinander gesprochen werden kann.</p>



<p>In der Seelsorge ist Metakommunikation ein wesentliches Element (ebenso in Supervision und Psychotherapie).</p>



<p>An dieser Stelle möchte ich nochmals an die sechs Punkte erinnern, über die wir im Zusammenhang der Entstehung von Kommunikationsstörungen [5.1.] kennengelernt haben:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Technische und semantische Probleme bei der Kommunikation</li>



<li>Verweigerung von Kommunikation</li>



<li>Vermischung von Sach- und Beziehungsaspekt</li>



<li>Falsche Interpunktion</li>



<li>Symmetrische und komplementäre Kommunikation</li>



<li>Paradoxe Kommunikation</li>
</ul>



<h3 class="wp-block-heading">6.3. Faktoren des Gelingens von Kommunikation, speziell in der Seelsorge</h3>



<p>Die folgenden, eher praktischen, Hinweise sind nicht nach Wichtigkeit geordnet und erheben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Banaler Hinweis: Gott hat dem Menschen <em>einen </em>Mund, jedoch <em>zwei </em>Ohren gegeben – das ist bestimmt kein Konstruktionsfehler. Möglicherweise will ER uns dadurch auch etwas zum zeitlichen Gebrauch beider Organe sagen. Außerdem: Wer schweigt, kann besser zuhören. <em>„Ihr wisst doch, meine geliebten Brüder: Jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn!“</em> (Jak 1,19)</li>



<li>Wir sollten uns um <em>verständliches </em>Reden bemühen. Kommunikationstheoretisch heißt das, dass wir Information so kodieren, dass unser Gegenüber in der Lage ist, sie zu dekodieren. Das kann beispielsweise bedeuten, dass wir uns bei der Wortwahl auf unser Gegenüber einstellen und damit „Dekodierungsprobleme“ vermeiden. Wir brauchen keine psychotherapeutische Ausbildung und den damit verbundenen Wortschatz, um seelsorgerlich helfen zu können. Verständliches Reden zeichnet sich vor allem auch durch Einfachheit aus.4 Ein klares, geradliniges Denken wird sich auch in unserer Sprache niederschlagen.</li>



<li>Hilfsmittel zur Einschätzung der Verständlichkeit von Kommunikation (hilfreich für Prediger, Lehrer, Referenten etc.):</li>



<li>Wir müssen uns bewusst sein, dass Reden, speziell das seelsorgerliche Gespräch, eine verantwortungsvolle Tätigkeit ist. Ernst Jünger sagte: „Worte sind wie Steinwürfe; wir wissen nicht, wen sie hinter der Mauer der Zeit treffen“. Wie schnell ist etwas gesagt, was nie mehr ungesagt gemacht werden kann!</li>
</ul>



<p><em>„Werdet nicht viele Lehrer, meine Brüder, da ihr wisst, dass wir ein schwereres Urteil empfangen werden! Denn wir alle straucheln oft. Wenn jemand nicht im Wort strauchelt, der ist ein vollkommener Mann, fähig, auch den ganzen Leib zu zügeln. Wenn wir aber den Pferden die Zäume in die Mäuler legen, damit sie uns gehorchen, lenken wir auch ihren ganzen Leib. Siehe, auch die Schiffe, die so groß und von heftigen Winden getrieben sind, werden durch ein sehr kleines Steuerruder gelenkt, wohin das Trachten des Steuermanns will. So ist auch die Zunge ein kleines Glied und rühmt sich großer Dinge. Siehe, welch kleines Feuer, welch einen großen Wald zündet es an! Auch die Zunge ist ein Feuer; als die Welt der Ungerechtigkeit erweist sich die Zunge unter unseren Gliedern, ‹als diejenige›, die den ganzen Leib befleckt und den Lauf des Daseins entzündet und von der Hölle entzündet wird. Denn jede Art, sowohl der wilden Tiere als auch der Vögel, sowohl der kriechenden als auch der Seetiere, wird gebändigt und ist gebändigt worden durch die menschliche Art; die Zunge aber kann keiner der Menschen bändigen: ‹sie ist› ein unstetes Übel, voll tödlichen Giftes“</em> (Jak 3,1-8).</p>



<p>Matthäus 15,11.18 spricht von der Verunreinigung des Menschen durch sein Reden:</p>



<p><em>„Nicht das, was zum Munde eingeht, verunreinigt den Menschen; sondern was aus dem Munde herauskommt, das verunreinigt den Menschen. Was aber aus dem Munde herauskommt, das kommt aus dem Herzen, und das verunreinigt den Menschen.“</em></p>



<p>Es muss klar sein, was recht und was unrecht ist. Bezugsrahmen aller Gesprächsinhalte ist das Wort Gottes; von ihm her müssen alle Aussagen (die des Ratsuchenden und des Seelsorgers) beurteilt werden. Psalm 119,104 sagt: <em>„Aus deinen Vorschriften empfange ich Einsicht.“</em></p>



<p>Und Psalm 119,23 bezeugt: <em>„Deine Zeugnisse sind meine Lust, mein Ratgeber sind sie“.</em></p>



<p>Gerade im Gespräch über Gefühle und Empfindungen ist eine „Bezugsgröße“ nötig, da wir sonst leicht ins Schwimmen geraten. So schön es ist, jemanden zu haben, der einen versteht, so wichtig ist auch das Korrektiv. Es ist nicht immer hilfreich, sich nur „verstanden“ zu fühlen (vgl. Gesprächspsychotherapie).</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Geeigneten äußeren Rahmen schaffen, dafür sorgen, dass der Kommunikationsprozess nicht gestört wird durch Zeitdruck, Unruhe, Telefon etc. Dies betrifft das seelsorgerliche Gespräch, aber auch das Gespräch mit der Ehefrau, dem Kind etc. Es ist etwas sehr Wertvolles, seinem Gegenüber ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken.</li>



<li>Wahrhaftigkeit: Unser Reden muss auf zwei Pfeilern stehen: Wahrheit und Liebe. Wahrheit ohne Liebe ist hart und verletzend, Liebe ohne Wahrheit ist Gefühlsduselei. Wahrheit kann verletzend sein, wenn die Liebe fehlt – aber sie ist heilend, wenn sie von Liebe getragen wird.</li>
</ul>



<p>Erinnern wir uns an die „paradoxe Kommunikation“: Wenn wir Widersprüchlichkeiten zwischen unserem Reden und Verhalten oder innerhalb unserer Aussagen vermeiden, erfährt uns unser Gegenüber als integer und authentisch. In der Seelsorge sollte der Ratsuchende von Anfang an zur Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit verpflichtet werden; dabei kann ihm der Seelsorger als Vorbild (Modell) dienen. Falls es dem Ratsuchenden (noch) schwerfällt, die Wahrheit zu meinem bestimmten Punkt zu sagen, soll er lieber schweigen – dies muss der Seelsorger akzeptieren.</p>



<p>Beispiel: Wer jemals mit Menschen mit Abhängigkeitsproblemen zu tun hatte (egal ob Alkohol, Drogen, Pornografie oder Glückspiel) weiß, wie zerstörerisch die Lüge ist. Ein typisches Kennzeichen von Suchtkranken ist, dass Lügen zum Lebensstil geworden ist.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Der Seelsorger sollte sich selbst prüfen und wissen, wo seine eigenen Schwachstellen sind. Beispiel: Auch ein Seelsorger besitzt möglicherweise ein Stück Eitelkeit; er darf sich nicht „fangen“ lassen, wenn ihm auf der Beziehungsebene Bewunderung vermittelt wird, weil er sich damit in die Gefahr der Parteilichkeit begibt.</li>



<li>Der Seelsorger sollte seine Zunge im Zaum halten können (Spr 13,3; Jak 3,2 etc.); keine vorschnellen Ratschläge, keine „frommen“ Sprüche.</li>
</ul>



<p>Es kann passieren (und das ist sehr demütigend), dass es uns wie Mose geht (2Mos 12,12-14), der, nachdem er den Ägypter erschlagen hatte, von einem Stammesgenossen zur Rechenschaft gezogen wurde.</p>



<p>Paulus drückt es in 1. Korinther 9,27 so aus: <em>„sondern ich zerschlage meinen Leib und knechte ihn, damit ich nicht, nachdem ich anderen gepredigt, selbst verwerflich werde.“</em></p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Der Seelsorger muss über die Art und Weise des Miteinander-Redens nachdenken und ggf. das Gespräch darüber führen (vgl. die Ausführungen über Metakommunikation). Unklarheiten hinsichtlich eines Aspektes der Kommunikation müssen thematisiert werden;</li>
</ul>



<p>Beispiel: Der Seelsorger zum Ratsuchenden: <em>„Sie sagen, dass es Ihnen nichts ausmacht, wenn Ihr Mann so viel am Computer sitzt und haben dabei doch feuchte Augen&#8230;“</em>. Das persönliche Ergehen wird durch non-verbale Signale oft besser ausgedrückt als durch Worte – wir müssen es nur wahrnehmen und auch zur rechten Zeit thematisieren.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Da dyadische Kommunikationssysteme dazu neigen, eine eigene Dynamik zu entwickeln („sich im Kreis drehen“ bzw. „sich hochschaukeln“) ist eine „gesunde“ Distanz des Seelsorgers zum Ratsuchenden notwendig. Bei eigenen Verstrickungen (z.B. bei eigenen Eheproblemen) besteht die Notwendigkeit, einen „Dritten“ einzubeziehen: in erster Linie den Herrn, aber auch einen Außenstehenden (evtl. anderer Seelsorger). Wenn wir es mit Ehe- und Partnerschaftsproblemen zu tun haben, sollten wir möglichst mit <em>beiden </em>Partnern reden und uns die Kommunikationsstrukturen genauer ansehen. Oft findet sich dann ein Ansatzpunkt.</li>



<li>Der Seelsorger darf sich nicht in Ursache-Wirkungs-Kreisen fangen lassen; dies kann v. a. bei der Klärung von Beziehungsproblemen fatal werden. (Wer hat mit dem Streit angefangen? Etc.)</li>



<li>Die eigene Kommunikation mit Gott muss funktionieren. Es bedarf der inneren Vorbereitung durch Gebet mit der Bitte um Weisheit, richtiges Hinhören, Konzentration etc. Das Wissen um kommunikationspsychologische Zusammenhänge kann uns als Werkzeug dienen, darf uns aber nicht selbstsicher machen.</li>



<li>Der Seelsorger sollte sich bewusst sein, dass hinter Kommunikationsstörungen (letztlich immer) Sünde steht (vgl. Adam und Eva nach dem Sündenfall). Mit Sünde muss <em>biblisch </em>umgegangen werden: Erkenntnis, Bekenntnis, Vergebung, Umkehr.</li>
</ul>



<h3 class="wp-block-heading">6.4. Schweigen ist Gold: Grenzen verbaler Kommunikation</h3>



<p>In unserer Zeit wird sehr viel gesprochen oder kommuniziert. Dadurch hat diese Zeit sogar einen Namen erhalten: Kommunikationszeitalter. Kommunikation kennt keine Grenzen mehr. In der Wirtschaft (Politik) zählt die Kommunikationsfähigkeit zu den „Schlüsselqualifikationen“.</p>



<p>Es gibt Menschen, die sehr viel reden, ohne etwas zu sagen – bei manchen Berufen scheint dies sogar Voraussetzung zu sein. Die „Inflation der Worte&#8220; greift wie eine Seuche um sich. Deshalb sollte uns weniger die Quantität als vielmehr die Qualität unseres Redens ein Anliegen sein. In Sprüche 10,19 heißt es: <em>„Wo viele Worte sind, da geht es ohne Sünde nicht ab; wer aber seine Lippen im Zaum hält, der ist klug.“</em></p>



<p>Auf jeden Fall ist sinnvolles Schweigen besser als gedankenloses Reden. Ich denke an eine Ehefrau in der paarspezifischen Beratung, die ihrem Mann permanent „klärende Gespräche“ aufdrückte und alles ergründen wollte. Wie wichtig ist es zu erkennen, wo schweigen angebracht ist – und zwar kein beleidigtes, sondern konstruktives Schweigen!</p>



<p>Es gibt Situationen, wo durch verbale Kommunikation mehr Schaden als Nutzen angerichtet wird. Die drei Freunde Hiobs sind ein gutes Beispiel dafür, dass auch das Schweigen seinen Platz hat. Es war zwar eine enorme Leistung, dass sie mit ihrem Freund Hiob sieben Tage lang schweigend auf der Erde saßen – allerdings wäre es besser gewesen, wenn sie es nicht bei den sieben Tagen und Nächten belassen hätten.</p>



<p>Prediger 3,7 führt aus: Es gibt eine <em>„Zeit fürs Zerreißen und Zeit fürs Zusammennähen, Zeit fürs Schweigen und Zeit fürs Reden, &#8230;“</em> Ernest Hemingway sagte einmal: <em>„Man braucht zwei Jahre, um sprechen und 50 Jahre, um schweigen zu lernen.“</em></p>



<p>Wie oft sind wir sehr schnell mit unserer Zunge! Auch Seelsorger stehen in der Gefahr, für jedes Problem gleich eine Erklärung oder ein Rezept parat haben zu wollen. Es gibt auch eine Zeit fürs Schweigen, und wir sollten den Herrn um Weisheit bitten, den richtigen Zeitpunkt dafür zu erkennen. Besonders schwer fällt uns das Schweigen, wenn wir angegriffen werden und uns in Frage gestellt fühlen. Jesus war da ganz anders. Manchmal hilft beten mehr als reden.</p>



<p>In diesem Zusammenhang gibt Petrus den Ehefrauen, deren Ehepartner nicht gläubig sind, folgenden Rat:</p>



<p><em>„Ebenso ihr Frauen, ordnet euch den eigenen Männern unter, damit sie, wenn auch einige dem Wort nicht gehorchen, ohne Wort durch den Wandel der Frauen gewonnen werden, indem sie euren in Furcht reinen Wandel angeschaut haben!“ </em>(1Petr 3,1.2)</p>



<h3 class="wp-block-heading">6.5. Umgang mit speziellen Kommunikationsschwierigkeiten</h3>



<p>Zum Schluss noch exemplarisch einige häufig vorkommende Situationen, in die ein Seelsorger (jedoch nicht nur er) gerät; wir greifen dabei auf das bisher Ausgeführte zurück.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Ratsuchende übermittelt auf der verbalen Ebene Informationen, die nicht mit den nonverbalen Signalen übereinstimmen („paradoxe Kommunikation“).</li>



<li>Der Seelsorger sollte dies ansprechen und um die Klärung bemüht sein (Metakommunikation). Möglicherweise hat der Ratsuchende aufgrund seiner Eineindeutigkeit Schwierigkeiten im sozialen Bereich, indem er z. B. für andere widersprüchlich wirkt und dadurch schlecht Vertrauen aufbauen kann.</li>



<li>Der Ratsuchende redet sehr viel und wirr, hüpft von einem Thema zum anderen oder redet belangloses Zeug.5</li>



<li>Der Seelsorger sollte das Gespräch strukturieren, z.B. indem er die Themen mit den Ratsuchenden vorher abspricht und ihn im Gespräch immer wieder an diese Absprache erinnert (sich evtl. Notizen machen und bestimmte Punkte herausgreifen).</li>



<li>Der Ratsuchende redet so gut wie nichts, die Gesprächspausen sind unerträglich lang etc.</li>



<li>Wir sollten auf die Fragetechnik achten: offene Fragen stellen (keine ja/nein-Fragen); Problematik ggf. ansprechen, Ursachen herausfinden. Geduld ist nötig, bis Vertrauen entstanden ist.</li>



<li>Der Ratsuchende ist sehr gefühlsbetont und „zieht“ den Seelsorger auf seine Ebene.</li>



<li>Der Seelsorger muss nüchtern sein, ohne das Empfinden des Ratsuchende abzuwerten. Der Maßstab ist und bleibt das Wort Gottes. Es kann beispielsweise sein, dass der Seelsorger unterscheiden muss, ob Tränen bei der ratsuchenden Person Bemitleidet-werden-wollen oder echte Reue und Buße bedeuten.</li>



<li>Ratsuchende und Seelsorger „reden aneinander vorbei“.</li>



<li>sich über die Bedeutung von Begriffen absprechen (z. B.: <em>„Was verstehen Sie unter &#8230;?“</em>). Beispiel: Ratsuchender:<em> „Ich habe die Sünde wider den Heiligen Geist begangen&#8230;“</em> (Mk 3,19)</li>



<li>Man sollte sich auf ein Thema einigen, damit man nicht „vom Hundertsten ins Tausendste“ kommt.</li>



<li>Der Ratsuchende ist verbittert und gibt anderen die Schuld für seine Schwierigkeiten und Nöte.6</li>



<li>Deutlich machen, dass der Ratsuchende für sich selbst verantwortlich ist (und nicht für das Fehlverhalten anderer). Ggf. die Schriftpassage Matthäus 7,1-5 (Balken im eigenen Auge) lesen.</li>



<li>etc.</li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading">7. Schluss</h2>



<p>Thesen zur Kommunikation (Zusammenfassung)</p>



<ol class="wp-block-list">
<li>Die Fähigkeit zur Kommunikation ist ein Geschenk Gottes und Ausdruck der Gott-Ebenbildlichkeit. Dies verpflichtet zu einem verantwortungsvollen Einsatz dieser Gabe.</li>



<li>Kommunikation ist ein komplexes, störanfälliges Geschehen.</li>



<li>Es ist unmöglich, <em>nicht </em>zu kommunizieren – auch Schweigen teilt etwas mit.</li>



<li>Effektive Kommunikation muss man <em>erlernen </em>– dazu gibt uns auch die Bibel an vielen Stellen Anleitung und Vorbilder. Beim Thema Heiligung steht ‚Kommunikation‘ an oberster Stelle.</li>



<li>Kommunikation ist vielschichtig: Eine Nachricht kann auf verschiedenen Ebenen unterschiedliche Botschaften enthalten (vgl. die vier Aspekte…)</li>



<li>Probleme zwischen Menschen sind Kommunikationsprobleme und können nur durch (verbale) Kommunikation gelöst werden. Dasselbe gilt für die Beziehung zu Gott.</li>
</ol>



<p>Die Ausführungen über Kommunikation sind auf den ersten Blick entmutigend. Da liegt der Gedanke nahe: <em>„Wenn das alles so kompliziert ist, lasse ich lieber die Finger davon!“</em> (Resignation). Eine andere (durchaus gesunde) Position: <em>„Man darf die Dinge nicht so kompliziert sehen; wenn ein Tausendfüßler über den abwechselnden Gebrauch seiner Beine nachdenken würde, würde er stolpern!“</em></p>



<p>Der Schriftsteller Friedrich M. von Bodenstedt (1819 – 1892) meint: <em>„Zwei Dinge sind schädlich für jeden, der die Stufen des Glücks will ersteigen: Schweigen, wenn Zeit ist zu reden, und Reden, wenn Zeit ist zu schweigen.“</em> Und Weisheit ist zu erkennen, wann welches von beidem dran ist!</p>



<p>Mein Anliegen ist: Ich möchte Mut machen zum Gespräch in der Ehe, der Familie und der Gemeinde; ermutigen zur Seelsorge. Aber auch darauf hinweisen, dass wir Kommunikation nicht leichtfertig betreiben sollten. Jeder Gläubige (nicht nur der Seelsorger) ist zu einem Leben in Wahrhaftigkeit und Heiligung verpflichtet.</p>



<p>Nur in der engen Beziehung zum Herrn und in der Abhängigkeit von Ihm ist es möglich, dem Anspruch von Jakobus 3,2b zu genügen:</p>



<p><em>„Denn wir alle fehlen mannigfach. Wenn jemand im Wort (d. h. im Reden) nicht fehlt, der ist ein vollkommener Mann und kann den ganzen Leib im Zaum halten“.</em></p>



<p></p>



<p><strong>Fußnoten</strong></p>


<ol class="wp-block-footnotes"><li id="e49297ca-c54a-418e-812e-3a09edfb8653">Wenn wir alle diese Aussagen beherzigen würden, sähe es in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen anders aus. <a href="#e49297ca-c54a-418e-812e-3a09edfb8653-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 1 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="b09100ec-8045-4f2b-822b-723b78ffe5e3">Wir nehmen bspw. gerne die Errungenschaften der Medizin in Anspruch, um unsere Schmerzen und Gebrechen zu lindern. Das ist nicht unbiblisch. <a href="#b09100ec-8045-4f2b-822b-723b78ffe5e3-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 2 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="49ad5b03-6c9e-4fee-911b-923ef691a488">So wächst in der Regel das Interesse an der eigenen Wirbelsäule proportional zu den Beschwerden, die sie uns bereitet. <a href="#49ad5b03-6c9e-4fee-911b-923ef691a488-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 3 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="5f542a46-d5e9-4649-bb89-849e7ec23a72">Psychotherapie: Grundlagen, Verfahren, Indikationen. 2. Aufl. München 1978, S. 4. Eine gewisse Systematik wird uns helfen, Kommunikation besser zu verstehen. Bitte durch einige Fachbegriffe nicht erschrecken/verwirren lassen. <a href="#5f542a46-d5e9-4649-bb89-849e7ec23a72-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 4 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="bc67a29a-bb25-4d29-9cf6-aa6cc08abe1d">Leider fehlt es uns oft an &#8222;Echtheit&#8220; (sie ist in der Gesprächstherapie eine bedeutsame Therapeuten-Variable); unserer Rede ist nicht immer verlässlich und eindeutig. Unser „Ja“ ist nicht immer ein „Ja“, unser &#8222;Nein&#8220; nicht immer ein &#8222;Nein&#8220; (vgl. Mt 5,37: „Eure Rede sei: Ja, ja! Nein, nein! Was aber mehr ist als dieses, ist aus dem Bösen&#8220;). <a href="#bc67a29a-bb25-4d29-9cf6-aa6cc08abe1d-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 5 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li></ol>


<p></p>
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]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Zehn praktische Anregungen zur schriftlichen Kommunikation</title>
		<link>https://kfg.org/2025/zehn-praktische-anregungen-zur-schriftlichen-kommunikation/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Wilfried Plock]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 15 Mar 2025 11:19:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Praktisches Christenleben]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wenn Konflikte im Spiel sind, ist der mündliche Weg der schriftlichen Kommunikation prinzipiell vorzuziehen. Manche Dinge müssen jedoch schriftlich weitergegeben werden. Für diese Fälle möchte der Autor zehn praktische Impulse weitergeben.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Grundsätzlich gilt: Physikalisch gesehen ist Papier ein schlechter Wärmeleiter. Ich überlege also, wann ich<br>Dinge besser im direkten mündlichen Gespräch ansprechen kann. Wenn Konflikte im Spiel sind, ist der mündliche Weg prinzipiell vorzuziehen. Manche Dinge müssen jedoch schriftlich kommuniziert werden. Für diese<br>Fälle möchte ich nachfolgend zehn praktische Impulse weitergeben.</p>



<p>1. Ich schreibe grundsätzlich immer mit Bitte und Danke.</p>



<p>2. Wenn ich um etwas gebeten werde und ich kann es nicht gleich erledigen, gebe ich einen „Zwischenbescheid“. Dann sieht der andere, dass ich seine Nachricht erhalten habe. Und er weiß, wann er etwa mit der Antwort oder Erledigung rechnen kann. Leider muss ich oft nach einer oder mehreren Wochen bei jemandem nachfragen, ob er meine Mitteilung erhalten hat.</p>



<p>3. Wenn ich jemanden um etwas bitte und ich erhalte daraufhin eine Absage, bekommt der Betreffende auf jeden Fall eine freundliche Antwort. Sonst denkt er am Ende, ich sei beleidigt.</p>



<p>4. Ich bemühe mich, keinen emotionsgeladenen, aggressiven oder zynischen Schreibstil zu pflegen.</p>



<p>5. Wenn ich eine Nachricht mit persönlichem Inhalt schreibe, setze ich niemanden in das so genannte BCC; d.h. ich lasse keine Dritten heimlich mitlesen. So etwas geht gar nicht! Ich leite auch später niemandem diese Mail weiter.</p>



<p>6. Wenn ich eine Nachricht bekomme und möchte sie gerne einen Dritten lesen lassen, frage ich beim Absender um Erlaubnis dafür.</p>



<p>7. Wenn eine Mail an einen bestimmten Personenkreis gerichtet war, antworte ich nur diesem Personenkreis und nehme nicht – ohne Erlaubnis – weitere Personen mithinein.</p>



<p>8. Ich leite keine Problem-Mails aus unserer Familie, Gemeinde oder unserem Missionswerk an Dritte weiter, die damit gar nichts zu tun haben. Auch so etwas ist tabu.</p>



<p>9. Ich halte es für sehr schädlich, wenn die schriftliche Kommunikation zu folgenden sündigen Verhaltensweisen missbraucht wird: Diffamierung bzw. Diskreditierung einer Person, Rufschädigung, Verleumdung, Weitergabe von ungesicherten oder gar falschen Informationen, Keile-Treiben zwischen Christen etc. Im Blick auf Punkt 9 habe ich auch schon versagt und musste dazuzulernen.</p>



<p>10. Ich benutze schriftliche Äußerungen keinesfalls, um Beschlüsse von Autoritäten auf diesem Wege zu unterlaufen oder sogar, um Leiter zu stürzen.</p>



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<p></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Kommunikation unter Christen</title>
		<link>https://kfg.org/2025/kommunikation-unter-christen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Johannes P. Fijnvandraat]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 08 Mar 2025 07:21:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Praktisches Christenleben]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kfg.org/?p=18338</guid>

					<description><![CDATA[<p>Man muss nicht „in Zungen“ reden, um für andere unverständlich zu sein. Ein lautes und gut artikuliertes Sprechen ist bestimmt nicht ohne weiteres eine Garantie für gutes Verstehen! Der natürliche Mensch versteht die Dinge nicht, die vom Geist Gottes sind, auch wenn man noch so laut und deutlich spricht. Aber auch für Mitgläubige kann man eine unverständliche Sprache sprechen oder schreiben.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>Originaltitel: „Gedankenaustausch unter Brüdern“ aus Hilfe und Nahrung, Ernst-Paulus-Verlag, 1988, S. 55–62</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Einleitung</h2>



<p>Trotz aller unserer fast vollkommenen Kommunikationsmittel werden die Missverständnisse, Zwistigkeiten und Meinungsverschiedenheiten zwischen den Menschen in dieser Zeit immer größer statt kleiner! Offenbar gibt es Hindernisse nicht technischer Art, die einem guten Gedankenaustausch zwischen den Menschen im Weg stehen. Diese Hindernisse müssen nicht in den Kommunikationsmitteln gesucht werden, sondern in den Menschen, die miteinander in Verbindung treten wollen. Kommunikationsmittel, ob es sich nun um Papier, Telefon, Satelliten im All oder was auch immer handelt, sind in sich völlig neutrale Dinge. Das Problem besteht aber darin, dass man von Papier, selbst Briefpapier mit einem bunten gedruckten Briefkopf, und von allen anderen Kommunikationsmitteln einen bösen Gebrauch machen kann. Es ist wichtig, dass wir uns auf die Bedingungen für eine fruchtbare und segensreiche Kommunikation besinnen. Bevor wir das tun, ist es aber notwendig, die Aufmerksamkeit auf eine bestimmte kennzeichnende Eigenschaft von Kommunikation zu richten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Jede Kommunikation ist in gewisser Hinsicht subjektiv</h2>



<p>Wenn zwei Menschen miteinander sprechen, ist das auf beiden Seiten eine subjektive Sache, d.h., es ist für beide Seiten nicht bloß eine äußerliche, sondern vor allen Dingen eine innerliche Erfahrung. Wenn ich jemandem zuhöre, wird das, was ich von dem Gesagten aufnehme, durch mein Wahrnehmungsvermögen, mein Urteilsvermögen, meine Fähigkeit zu folgen, zu verarbeiten, anzuwenden usw. mitbestimmt. Wenn zwei Menschen dasselbe sagen hören, hören sie damit noch nicht dasselbe. Der eine wird unter den folgenden Worten etwas völlig anderes verstehen als der andere: „Der Doktor sagte, der Notar sei ein ganz netter Mann.“ Es hängt von meiner Meinung über den Doktor und den Notar ab, was ich unter diesen Worten verstehe! Viele Schwierigkeiten zwischen Gläubigen sind auf diese Eigenschaft jeder Kommunikation, die Subjektivität, zurückzuführen. Ein Bruder oder eine Schwester sagt etwas, zwei andere Gläubige hören daraus zwei verschiedene Dinge und ziehen daraus total verschiedene Schlussfolgerungen, und schon ist eine Meinungsverschiedenheit geboren. Kommt der Faktor Misstrauen noch dazu, dann folgen rasch gegenseitige Beschuldigungen von Unwahrhaftigkeit, Lügen und vieles mehr!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Bedingungen für einen guten Gedankenaustausch zwischen Gläubigen</h2>



<h3 class="wp-block-heading">1. Eine erste Forderung ist <strong>Verständlichkeit</strong></h3>



<p>Man muss wirklich noch nicht „in Zungen“ reden, um für andere unverständlich zu sein. Ein lautes und gut artikuliertes Sprechen oder selbst Schreien ist bestimmt nicht ohne weiteres eine Garantie für gutes Verstehen! Der natürliche Mensch versteht die Dinge nicht, die vom Geist Gottes sind, auch wenn man noch so laut und deutlich spricht. Aber auch für Mitgläubige kann man eine unverständliche Sprache sprechen oder schreiben. Die Forderung nach Verständlichkeit hat deshalb folgende Konsequenzen:</p>



<ol class="wp-block-list">
<li>Man muss sich in die Denk- und Gefühlswelt des (oder der) anderen hineindenken. Das erfordert Aufmerksamkeit, Mühe und Selbstzucht. Dieser Faktor ist auch in den Worten des Paulus mit eingeschlossen: <em>„Ich bin den Juden geworden wie ein Jude … und den Schwachen bin ich geworden wie ein Schwacher.“</em></li>



<li>Man muss sich klar ausdrücken und vermeiden, verworren zu reden. Lukas zeigt das deutlich in Lukas 1,3.</li>



<li>Menschliche Sprache ist eine Sache des Geistes und nicht nur des Gefühls. Unsere Rede sollte deshalb von einem gesunden Verstand beherrscht sein.</li>
</ol>



<h3 class="wp-block-heading">2. Ein zweites Erfordernis ist <strong>gutes Zuhören</strong></h3>



<p>Beim Empfangen von Mitteilungen muss man auch innerlich gut hören. Dabei sollte man versuchen, sich recht in die Gedanken und Gefühle des anderen hineinzuversetzen. Auch das bedeutet, sich Mühe zu geben und nicht egozentrisch zu sein.</p>



<h3 class="wp-block-heading">3. Ferner ist Kommunikation eine Sache <strong>unseres Willens</strong></h3>



<p>Bei gegenseitiger Kommunikation muss man sich für den anderen öffnen und sich damit unter Umständen eine Blöße geben. Vor allem das Letzte bedeutet, dass man bereit ist, sich verwundbar zu machen. Manche Kommunikation zwischen Gläubigen misslingt, weil man nicht bereit ist, sich dem anderen zu öffnen. Man fürchtet, das eigene Terrain, das eigene Gesicht oder die eigene Überzeugung zu verlieren mit der Folge, dass man sich äußerst krampfhaft und unbeugsam benimmt und nicht wirklich sagt, was man denkt oder fühlt. Bei unterschiedlicher Einsicht führt dies unvermeidlich zu einer bedauernswerten Verhärtung der Standpunkte.</p>



<p>Sich selbst verwundbar zu machen, bedeutet unter anderem:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Eigene Unsicherheit nicht verschleiern durch nachdrückliche Beteuerungen, die die eigene Möglichkeit eines Fehlers oder Irrtums verneinen. Paulus lässt sich in 1. Korinther 1,16 in Frage stellen, indem er schreibt: <em>„Sonst weiß ich nicht, ob ich jemand anders getauft habe.“</em> Gerade dadurch wurden seine Ausführungen bekräftigt!</li>



<li>Nicht schweigen, um persönlichen Vorwürfen aus dem Weg zu gehen. Abraham schwieg, als der Pharao ihm seine Halblüge vorwarf (1Mo 12,18-20). Erst nachdem er zum zweiten Mal denselben Fehler gemacht hat, kommt er dazu, die volle Wahrheit zu sagen (siehe 1Mo 20,11.13).</li>



<li>Dem anderen eine wirkliche Chance geben, damit er sich verteidigen, deine Auffassungen widerlegen oder Kritik üben kann. Es ist eine schlechte Gewohnheit, jemanden nach stundenlangen Gesprächen über allerlei Dinge beim Aufbrechen, wenn keine Zeit mehr bleibt, um viel zu entgegnen, die eigentlichen Beschwerden vorzubringen. Der Satz <em>„Ach ja, was ich dir noch sagen wollte …“</em> – obwohl man gerade deswegen das Gespräch angeknüpft hatte – zeugt meistens von Unaufrichtigkeit! Aus demselben Grund ist auch das In-Eile-Weitergeben von ein paar kritischen Bemerkungen nach dem Ablauf einer Zusammenkunft, wenn kaum Zeit für ein ausführliches Gespräch besteht, eine deutliche Weigerung, sich selbst in Frage stellen zu lassen. Man missbraucht den Faktor Zeit, um sich selbst zu decken! Matthäus 18,5 lehrt mit den Worten <em>„Geh hin und …“</em>, dass man für so etwas eine besondere Zeit reservieren muss!</li>



<li>Von vornherein die eigenen schwachen Stellen erkennen und sie auch nennen, wo es ehrlicherweise notwendig ist oder auch nur notwendig erscheint. Petrus scheut sich nicht zu erklären, dass er das eine oder andere in den Briefen des Paulus schwer verständlich findet, und bekennt damit bescheiden seine eigene Schwachheit (siehe 2Pet 3,15.16). Gerade damit verweist er anmaßende und unbescheidene Irrlehrer auf ihren Platz!</li>



<li>Sich nicht über den anderen stellen mit frommen Phrasen wie <em>„Der Herr hat mir deutlich gemacht“</em> und so die eigene Meinung für den anderen bindend machen. Wer in der betreffenden Frage eine andere Meinung hat, bekommt damit von vornherein den Stempel aufgedrückt, dass er zu denen gehört, die sich gegen den Willen des Herrn wenden. Paulus gibt uns in 1. Korinther 7,40 ein prächtiges Vorbild, wie es sein soll. Man achte besonders auf die Worte „Meinung“ und „auch“, die die anderen nicht herabsetzen, wenn sie anders denken als er.</li>
</ul>



<p>David gibt uns ein sehr schönes Vorbild, wie wir uns in Frage stellen lassen sollen, wenn er in Psalm 139,23.24 sagt: <em>„Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne meine Gedanken! Und sieh, ob ein Weg der Mühsal bei mir ist, und leite mich auf ewigem Weg!“</em></p>



<p>Gute Kommunikation ist also auch eine Sache unseres Willens. Wo der Wille fehlt, eigene Standpunkte loszulassen, wenn uns gezeigt wird, dass wir falsch stehen, ist selbst eine vollkommene Kommunikation fruchtlos! So sagt der Herr Jesus: <em>„Wenn jemand seinen [Gottes] Willen tun will, so wird er von der Lehre wissen, ob sie aus Gott ist oder ob ich aus mir selbst rede“</em> (Joh 7,17). Zu den Bewohnern Jerusalems musste Er sagen: <em>„Ihr habt nicht gewollt.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">4. Fruchtbare Kommunikation ist an moralische Werte gebunden</h2>



<p>Um nicht irrezuführen, muss Kommunikation mit <em>Aufrichtigkeit, Wahrheit und Vertrauen</em> verbunden sein. Das gilt sowohl für den, der spricht, als auch für den, der hört. Für das richtige Hören von Gottes Botschaft gilt: <em>„Den Aufrichtigen geht Licht auf“</em> (Ps 112,4). Die Bibelschreiber waren sich der moralischen Forderungen, die an eine Kommunikation gestellt werden, durchaus bewusst. Paulus konnte sagen: <em>„Ich sage die Wahrheit in Christus, ich lüge nicht, wobei mein Gewissen mir Zeugnis gibt im Heiligen Geist“</em> (Röm 9,1). Johannes sagt in Johannes 19,35: <em>„Und der es gesehen hat, hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist wahrhaftig; und er weiß, dass er sagt, was wahr ist.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">5. Eine gute Kommunikation muss unter der Kontrolle der Hirtenfürsorge für den anderen stehen</h2>



<p>Das bedeutet unter anderem, dass wir nicht berufen sind, unter allen Umständen alle Argumente gegenüber jedem auf den Tisch zu bringen. Der große Meister gibt uns in dieser Hinsicht ein deutliches Beispiel: <em>„Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen“</em> (Joh 16,12). Viele Unannehmlichkeiten wären unter Gläubigen nicht vorgekommen, wenn man diesem göttlichen Vorbild mehr Aufmerksamkeit geschenkt hätte. Wie wenig werden oft der Charakter und die Umstände berücksichtigt, die die Fähigkeit des anderen, Schläge einzustecken, beeinträchtigen. Wie oft benehmen wir uns wie ein Elefant im Porzellanladen! In dem Satz <em>„Ich hab’ ihm die Wahrheit gesagt“</em> sollten wir die Betonung einmal etwas mehr auf „ihm“ anstatt nur auf „Wahrheit“ legen und dann gut bedenken, wer und was er ist. Natürlich kann da auch „ihr“ oder „ihnen“ stehen! Ist er ein Herzpatient und deshalb emotionell empfindlich und schnell gereizt als Folge seines Leidens? Oder habe ich selbst eine ziemlich unempfindliche Natur und eine besonders gute Fähigkeit, Schläge einzustecken, weil ich eine harte und strenge Erziehung erfahren habe? Bin ich daher mit meiner dicken Haut wohl der Richtige, um eine sanfte, empfindsame Natur anzufassen? Oder umgekehrt, bin ich so leicht erregt, dass es für mich besser wäre, zu schweigen, als dem anderen das Nötige zu sagen?</p>



<p>Kurzum, Brüder und Schwestern, lasst uns mehr bedenken, dass für eine fruchtbare Kommunikation im Umgang miteinander <em>große Sorgfalt</em> erforderlich ist. Vielleicht könnten wir eine großartige Erklärung über die typologische und daraus folgende evangelistische Bedeutung des Briefes an Philemon geben, während wir in unserem eigenen Verhalten deutlich zeigen, dass wir kein Jota von dem prächtigen praktischen Vorbild einer hochstehenden und guten Kommunikation verstanden haben, das uns darin durch den Apostel Paulus und vor allen Dingen durch den Heiligen Geist gegeben ist.</p>



<p>Selbst wenn jemand von Natur aus ein Hitzkopf oder ein Fanatiker ist, kann er oder sie sich trotzdem total verändern, indem er oder sie sich von dem großen Vorbild „nährt“, das der Herr Jesus uns in seinen Gesprächen mit den Menschen gegeben hat. Ein hervorragendes Beispiel sehen wir in dem Leben des Hitzkopfes und Fanatikers Paulus. Man beachte bezüglich seines natürlichen Charakters unter anderem Apostelgeschichte 9,1 und die Worte<em> „über die Maßen“</em> in Apostelgeschichte 26,11!</p>
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