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	<title>Seelsorge &#8211; KfG  -`✞´-  Konferenz für Gemeindegründung</title>
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	<description>Konferenz für Gemeindegründung e.V.</description>
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		<title>Seelsorge an Kranken – eine Aufgabe der Gemeinde</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Dr. Armin Mauerhofer]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 04 Jan 2025 12:36:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theologie]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeinde-Gründung, -Bau und -Wachstum]]></category>
		<category><![CDATA[Seelsorge]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit dem Sündenfall muss der Mensch mit körperlicher Schwachheit, verschiedenen Krankheiten, einschneidenden Behinderungen, Schmerzen und schließlich mit dem Tod fertig werden, weil er sich von Gott abgewandt hat. Gott ist es, der die Krankheiten im Leben der Menschen zulässt oder sogar selbst verursacht. Er ist es auch, der uns nur ein begrenztes Leben gewährt.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>Diesen Artikel haben wir mit freundlicher Erlaubnis des VTR-Verlages aus dem Buch „Seelsorge auf biblischer Grundlage“ von Armin Mauerhofer entnommen. Wir drucken S. 87-101 ab. Die Redaktion</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Das Wesen der Krankheit</h2>



<p>Seit dem Sündenfall muss der Mensch mit körperlicher Schwachheit, verschiedenen Krankheiten, einschneidenden Behinderungen, Schmerzen und schließlich mit dem Tod fertig werden (1Mo 2,17; 3,19; Röm 5,12), weil er sich von Gott abgewandt hat. Gott ist es, der die Krankheiten im Leben der Menschen zulässt (Hiob 2,5-7) oder sogar selbst verursacht (4Mo 12,10). Er ist es auch, der uns nur ein begrenztes Leben gewährt (Ps 90,10).</p>



<p>Selbst die Menschen, die Jesus als persönlichen Retter im Glauben angenommen haben, haben körperliche Schwachheiten (2Kor 12,9-10), Krankheiten (2Tim 4,20) und oft auch Behinderungen und Schmerzen zu ertragen. Auch sie müssen schließlich sterben (1Thes 4,13).</p>



<h2 class="wp-block-heading">Verschiedene Ursachen, die zu einer Erkrankung führen können</h2>



<p><em><strong>Erkrankungen, die durch ein ­sündiges Verhalten ausgelöst ­werden</strong></em></p>



<p>Es ist hier vor allem an Krankheiten zu denken, die die Folge eines Suchtverhaltens sind, sei es das Rauchen, der übermäßige Alkoholgenuss, der Drogenkonsum oder das hemmungslose Ausleben der Sexualität.<sup data-fn="32742906-0f34-48e2-a3a4-258868ed077d" class="fn"><a id="32742906-0f34-48e2-a3a4-258868ed077d-link" href="#32742906-0f34-48e2-a3a4-258868ed077d">1</a></sup></p>



<p>In diesem Zusammenhang möchte ich auf Psalm 107,17.18 hinweisen: <em>„Die Toren litten wegen ihres gottlosen Weges und wegen ihrer Sünden. Ihre Seele ekelte vor jeder Speise, sie rührten an die Pforten des Todes.“</em></p>



<p>Zudem kann es auch durch okkulte Sünden zu einer körperlichen Erkrankung kommen. Ich kann aber die Auffassung von Willem J. Ouweneel, dass viele Erkrankungen im Leben der Menschen, die an Christus glauben, dämonisch verursacht sind, nicht teilen.<sup data-fn="793363e0-2576-4920-a8cc-2b5765380e13" class="fn"><a id="793363e0-2576-4920-a8cc-2b5765380e13-link" href="#793363e0-2576-4920-a8cc-2b5765380e13">2</a></sup> Dazu fehlen die biblischen Belege.</p>



<p><strong><em>Das sündige Verhalten anderer verursacht die Krankheit</em></strong></p>



<p>Es kann sein, dass eine Frau an Aids erkrankt, weil ihr HIV-positiver Freund seine Krankheit verschwiegen hat. Ein Mann liegt wochenlang wegen eines Beckenbruchs im Krankenhaus, weil ihn ein Betrunkener mit seinem Auto auf dem Fußgängerstreifen angefahren hat.</p>



<p>Menschen müssen wegen des falschen, sündigen Verhaltens anderer leiden. Jesus weist im Gleichnis vom barmherzigen Samariter auf diese Möglichkeit hin (Lk 10,30).<sup data-fn="90752127-0025-4ede-b328-76c4115aba4c" class="fn"><a id="90752127-0025-4ede-b328-76c4115aba4c-link" href="#90752127-0025-4ede-b328-76c4115aba4c">3</a></sup></p>



<p><strong><em>Psychosomatische Erkrankungen</em></strong></p>



<p>Es handelt sich hier um körperliche Erkrankungen, die ihre Ursache überwiegend oder ganz im psychischen Bereich haben. Dazu gehören Migräne, nervöse Magenleiden, verschiedene Arten von Herzbeschwerden, Rückenschmerzen, krampfartige Darmerkrankungen, Reizblase, Bluthochdruck usw.<sup data-fn="0cfc615b-92a6-45e4-9d5a-f55ea3befb6d" class="fn"><a id="0cfc615b-92a6-45e4-9d5a-f55ea3befb6d-link" href="#0cfc615b-92a6-45e4-9d5a-f55ea3befb6d">4</a></sup></p>



<p>Oft sind es unverarbeitete Lebensprobleme wie z.B. eine Scheidung, die Abtreibung eines Kindes usw., die einen Menschen innerlich stark belasten und so zu einer psychosomatischen Erkrankung führen können (Ps 32,2-5).</p>



<p>Auch der Umstand, dass andere durch ihr Verhalten in schwerwiegender Weise an uns schuldig geworden sind, kann psychosomatische Auswirkungen haben, besonders dann, wenn wir diesen Menschen mit Hass, Groll und Bitterkeit begegnen.<sup data-fn="c3509a9e-18d1-4241-a063-70a810fa65d9" class="fn"><a id="c3509a9e-18d1-4241-a063-70a810fa65d9-link" href="#c3509a9e-18d1-4241-a063-70a810fa65d9">5</a></sup> Es ist hier u.a. an sexuellen Missbrauch, erlittene Gewalttätigkeiten, massiven Vertrauensmissbrauch und schwerste Demütigungen zu denken.</p>



<p>Außerdem können lang andauernder Stress bei Überforderung am Arbeitsplatz oder große Probleme und Schwierigkeiten in der Ehe psychosomatische Auswirkungen haben. Vor allem kommt es, wie Otto Benkert nachweist, zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen.<sup data-fn="cdf95c82-ac5e-416e-a0c0-72573de7644f" class="fn"><a id="cdf95c82-ac5e-416e-a0c0-72573de7644f-link" href="#cdf95c82-ac5e-416e-a0c0-72573de7644f">6</a></sup></p>



<p><strong><em>Erkrankung durch einen Unfall</em></strong></p>



<p>Unfälle irgendwelcher Art können zu Leiden, Schwächung der Gesundheit und Behinderungen führen. Bei einigen Menschen kann es zu einem chronischen Leiden oder sogar zu Invalidität kommen.</p>



<p><strong><em>Erkrankungen, deren Ursache wir nicht kennen</em></strong></p>



<p>Es gibt körperliche Erkrankungen, die Gott aus unerklärlichen Gründen im Leben der Menschen zulässt und deren Ursachen wir letztlich nicht erklären können.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Sinn von Leiden und Krankheit</h2>



<p><strong><em>a. Im Leben von Menschen, die nicht an Jesus glauben</em></strong></p>



<p>Krankheit kann nach biblischem Verständnis nie nur in einem innerweltlichen, kausal-mechanischen bzw. biologischen Zusammenhang eingeordnet werden.<sup data-fn="e65b5f2b-d608-40bb-815a-aa186e07b412" class="fn"><a id="e65b5f2b-d608-40bb-815a-aa186e07b412-link" href="#e65b5f2b-d608-40bb-815a-aa186e07b412">7</a></sup> Vielmehr braucht Gott die Krankheit bei einem Menschen, der noch nicht an Jesus glaubt, um ihn in seiner Selbstsicherheit, Arroganz, Oberflächlichkeit und Gleichgültigkeit aufzurütteln. Er wird mitten im Leben mit der Tatsache konfrontiert, dass er sterben könnte. Gott macht in seiner Liebe einen jeden Menschen auf die Tatsache seines Sterbens und auf ein Weiterleben nach dem Tod aufmerksam (Ps 90,12; Hebr 9,27).</p>



<p>Das Ziel der Krankheit im Leben eines nicht an Christus glaubenden Menschen besteht darin, dass er die Sünden in seinem Leben einsieht, bereut und sie in Reue Jesus bekennt und dankend die von ihm angebotene Vergebung im Glauben annimmt (1Joh 1,9). Damit er seine Schuldhaftigkeit vor Gott erkennen kann, hat Gott den Menschen sein Wort, die Bibel, gegeben (Ps 107,20). Deshalb sollten wir als Seelsorger die noch nicht an Jesus glaubenden kranken Menschen mit der Heilsbotschaft der Bibel konfrontieren und sie auffordern, diese im Glauben anzunehmen. Die gläubige Annahme der Vergebung der Sünden und die Aufnahme von Jesus führen zu einem inneren Heilwerden, das auch in positiver Weise den Leib beeinflussen kann (Ps 32,1.2; Spr 3,7.8). Wenn ein Mensch Jesus im Glauben als persönlichen Retter angenommen hat, weiß er, dass wenn er jetzt sterben würde, er zu Jesus in den Himmel käme (Joh 17,24; Phil 3,20). Dies bewirkt in seinem Leben eine tiefe Geborgenheit, die sich heilend auf seinen Körper auswirken kann.<sup data-fn="c4d74a1f-26bc-49ff-a574-197a4fefddc5" class="fn"><a id="c4d74a1f-26bc-49ff-a574-197a4fefddc5-link" href="#c4d74a1f-26bc-49ff-a574-197a4fefddc5">8</a></sup></p>



<p><strong><em>b. Im Leben der an Christus ­glaubenden Menschen</em></strong></p>



<p>Es gibt auch im Leben der Menschen, die an Jesus glauben, Krankheiten, die Folge eines sündigen Verhaltens sein können (Joh 5,14). Jesus führt sie in Krankheitsnöte, damit sie Zeit haben, bestimmte Sünden, die sie in ihrem Alltag immer wieder zur Seite geschoben haben, einzusehen. Er sucht sie dann dazu zu bewegen, diese erkannten Sünden in Reue vor ihm zu bekennen, damit er sie wieder mit seinem Blut reinwaschen kann (1Joh 1,7). Vielleicht will Jesus ihnen mit Hilfe der Krankheit aufzeigen, dass sie bestimmten Menschen, die durch ihr Verhalten oder durch Worte an ihnen schuldig geworden sind und die sie deshalb bis jetzt innerlich abgelehnt haben, vergeben sollten. Die Bibel lehrt uns nämlich, dass wenn wir anderen, die an uns schuldig geworden sind, nicht vergeben, dies in Gottes Augen Sünde ist (Mt 6,15).</p>



<p>Auch der unwürdige Abendmahlsgenuss kann im Leben von glaubenden Menschen zu Schwachheiten und Krankheiten führen (1Kor 11,29.30). Dies ist dann der Fall, wenn sie das Abendmahl nehmen, obwohl sie ganz bewusst unbereinigte Sünden – ja vielleicht sogar eine Sucht – in ihrem Leben dulden. Solange ein Gläubiger in der Kraft des innewohnenden Christus gegen Sünden in seinem Leben kämpft, ist dies ebengerade ein Zeichen, dass er sie nicht duldet.</p>



<p>Durch körperliche Schwachheiten und Krankheiten kann ihr Glaube gefestigt und bewährt werden. Es steht in 1. Petrus 1,6.7: <em>„Darin jubelt ihr, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es nötig ist, in mancherlei Versuchungen (Prüfungen) betrübt worden seid, damit die Bewährung (Echtheit) eures Glaubens viel kostbarer erfunden wird als die des vergänglichen Goldes, das durch Feuer erprobt wird, zu Lob und Herrlichkeit und Ehre in der Offenbarung Jesu Christi.“</em> Jesus will alle falsche Selbstsicherheit durch das Leiden in ihrem Leben zerbrechen. Sein Anliegen ist es, dass sie sich im Glauben an ihn klammern und in ihm Halt, Geborgenheit und Sicherheit suchen und finden (Ps 23,4).<sup data-fn="a00ed74d-491f-4ff7-ad65-d22c25778de2" class="fn"><a id="a00ed74d-491f-4ff7-ad65-d22c25778de2-link" href="#a00ed74d-491f-4ff7-ad65-d22c25778de2">9</a></sup></p>



<p>Krankheiten bewirken in ihrem Leben auch eine bewusste Distanz zur Sünde. In 1. Petrus 4,1.2 steht: <em>„Da nun Christus im Fleisch gelitten hat, so wappnet auch ihr euch mit derselben Gesinnung – denn wer im Fleisch gelitten hat, hat mit der Sünde abgeschlossen –, um die noch übrige Zeit im Fleisch nicht mehr den Begierden der Menschen, sondern dem Willen Gottes zu leben.“</em> Durch Leiden wächst in ihrem Leben der Wunsch, nicht der Sünde, sondern Gott zu dienen und das zu tun, was er von ihnen will.</p>



<p>Zudem haben körperliche Schwachheiten und Krankheiten auch eine demütigende Funktion (2Kor 12,7-10). Jesus, der Herr der Gemeinde, lässt es nicht zu, dass bewährte Christen sich aufgrund besonderer Gnadenerweise Gottes, die sie empfangen haben, über andere erheben.</p>



<p>Schließlich können Krankheiten einfach dazu dienen, dass Menschen, die Jesus wirklich lieben, sich vor ihm demütigen und sich ihm in ihrer schwierigen Situation anvertrauen, wie dies Hiob gemacht hat (Hiob 16,19-21; 19,25-27). Leiden sind außerdem die Türe, um die Herrlichkeit Gottes noch tiefer und umfassender zu erkennen (Hiob 42,2).</p>



<p>Mit Hilfe der Krankheiten will Gott den Blick der an ihn Glaubenden auf die vor ihnen liegende Herrlichkeit ausrichten. Paulus schreibt in Römer 8,18: <em>„Denn ich denke, dass die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.“</em> Ja, sie sollen lernen, ihr Leben von der Ewigkeit her zu gestalten (2Kor 4,17). Dies bestimmt natürlich auch die Prioritäten, die sie in ihrem Leben setzen.</p>



<p>Gott kann an ihn glaubende Menschen auch deshalb in Krankheitsnöte führen, um durch sein Eingreifen seine unendlich große Macht und Herrlichkeit auf dieser Erde zu offenbaren (Joh 9,1-3).</p>



<p>Ziel der Krankheiten und Schwachheiten im Leben der an Jesus glaubenden Menschen ist es, ihren Glauben zu stärken und zu festigen. Gott braucht einerseits die Krankheiten, um Sünden in ihrem Leben aufzudecken, die sie bis jetzt nicht ernst genommen haben. Diese sollen sie in Reue Jesus bekennen und er wird sie ihnen vergeben. Andererseits benutzt er die Krankheiten auch dazu, um sie willig zu machen, Menschen zu vergeben, die an ihnen schuldig geworden sind. Weiter will Gott durch die Krankheit im Leben seiner Kinder eine größere Distanz zur Sünde schaffen, damit sie noch brauchbarer werden für den Bau seiner Gemeinde. Sie sollen mit Hilfe der Krankheitsnöte lernen, ihr Leben bewusst von der vor ihnen liegenden Herrlichkeit her zu gestalten. Letztlich soll durch das helfende und heilende Eingreifen Gottes in ihren körperlichen Schwachheiten, Krankheiten und Leiden Jesus verherrlicht werden. Sie können also letztlich jeder Krankheit einen tieferen Sinn abgewinnen.<sup data-fn="2bf3dd78-d7bd-4462-bf3a-5e1b18542803" class="fn"><a id="2bf3dd78-d7bd-4462-bf3a-5e1b18542803-link" href="#2bf3dd78-d7bd-4462-bf3a-5e1b18542803">10</a></sup></p>



<h2 class="wp-block-heading">Krankheit und Heilung aus biblischer Sicht</h2>



<p>Am Anfang unserer Überlegungen steht die Überzeugung, dass Jesus am Kreuz von Golgatha sowohl unsere Sünden als auch die Auswirkungen derselben, nämlich die Schmerzen, Leiden, Krankheiten und den Tod getragen und überwunden hat (Jes 53,1-5; Mt 8,17; 1Petr 2,24; Hebr 2,14).<sup data-fn="86948174-00a2-4e72-9826-0b62d03c000e" class="fn"><a id="86948174-00a2-4e72-9826-0b62d03c000e-link" href="#86948174-00a2-4e72-9826-0b62d03c000e">11</a></sup></p>



<p>Wir haben aber zu beachten, dass sich das, was Jesus am Kreuz im Blick auf unsere Leiden und Krankheiten erkämpft hat, heilsgeschichtlich durchsetzt. Was ich unter heilsgeschichtlich verstehe, entfalte ich in den folgenden Ausführungen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Auswirkungen heute</h2>



<p>Wir leben heute in der heilsgeschichtlichen Zeit der Gemeinde, die an Pfingsten mit der Ausgießung des Heiligen Geistes begann und mit der Wiederkunft Jesu beendet wird. Das eigentliche Ziel Gottes in dieser Zeit ist, dass Menschen Jesus im Glauben als ihren Retter annehmen und dadurch Glieder seiner Gemeinde werden.</p>



<p>In dieser Zeit ist der Leib eines jeden Menschen noch von den Folgen des Sündenfalls gezeichnet. Er muss schließlich sterben. Leiden, Krankheiten und Schmerzen sind ein Hinweis auf diese Sterblichkeit.</p>



<p>Wenn ein Mensch Jesus im Glauben als persönlichen Retter annimmt, wird er innerlich ganz neu. Er ist eine neue Schöpfung (2Kor 5,17) und ein neuer Mensch (Kol 3,10). Ja, er ist ein Gotteskind (Joh 1,12), hat das ewige Leben (1Joh 5,11) und ist ein Glied des Leibes Jesu, der Gemeinde (1Kor 12,13).</p>



<p>Er behält aber ein „irdisches Zelthaus“ (2Kor 5,1). Mit diesem „irdischen Zelthaus“ ist unser Leib gemeint, der von der Vergänglichkeit und vom Tod gezeichnet bleibt (1Kor 15,42-44). Deshalb werden Menschen, die an Jesus glauben, in unserer heilsgeschichtlichen Zeit noch krank (2Tim 4,20), haben körperliche Schwachheiten zu tragen (2Kor 12,9-10) und werden schließlich sterben (1Thes 4,13).</p>



<p>Dies ist deshalb so, weil der Leib bei der Bekehrung und Wiedergeburt nicht in das neumachende Heilshandeln Gottes einbezogen worden ist (Röm 8,23). Der an Christus glaubende Mensch bleibt in seiner Leiblichkeit Teil der gefallenen und leidenden Schöpfung (Röm 8,19-23), bis zur Wiederkunft Jesu. Die, welche an Jesus Christus glauben, leben in einer Spannung. Einerseits sind sie geistlich neu geworden, andererseits warten sie auf die Erlösung ihres vom Tod gezeichneten Leibes. In unserer heilsgeschichtlichen Zeit kann Jesus aufgrund der Tatsache, dass er die Schwachheiten, Krankheiten und den Tod überwunden hat, heilend in das Leben von Menschen eingreifen (Mk 16,18; Jak 5,15.16). Er ist aber im Blick auf das heilende Eingreifen souverän.</p>



<p>Es gilt also ganz klar festzuhalten, dass Jesus aufgrund seiner Göttlichkeit und Allmacht, sowie der Überwindung von allen Leiden, Krankheiten und dem Tod am Kreuz heute heilend in das Leben von Menschen eingreifen kann. Es gibt keine Krankheit, die er nicht heilen könnte. Dieses heilende Eingreifen ist aber in seine Souveränität gestellt. Er greift nur ein, <em>wenn es im jeweiligen Fall seinem Willen entspricht.</em></p>



<p>Im Blick auf Heilungswunder ist es wichtig, dass wir nicht aus den Augen verlieren, dass Gott die Rettung eines Menschen durch Christus mehr bedeutet, als seine körperliche Heilung, da diese leider immer nur etwas Vorläufiges ist. Die Rettung aber führt zu einer inneren Neuschöpfung (2Kor 5,17), die ewige Auswirkungen nach sich zieht, auch für den Leib. Der Bibel geht es immer zuerst um das Heil des Menschen und dann um seine Gesundheit.<sup data-fn="08b3a5f5-6e6a-4f3a-be8f-20de640c7e41" class="fn"><a id="08b3a5f5-6e6a-4f3a-be8f-20de640c7e41-link" href="#08b3a5f5-6e6a-4f3a-be8f-20de640c7e41">12</a></sup></p>



<p>Jede Heilung hat Zeichencharakter (Mk 16,17-20). Wenn an Christus glaubende Menschen Kranken die Hände auflegen und diese gesund werden, weist dieses Wunder als Zeichen auf Jesus, den Sieger von Golgatha hin, der die Sünden getragen und die Folgen der Sünden, zu welchen auch die Krankheiten gehören, überwunden hat. Ein solches Zeichen kann zur Ausbreitung des Evangeliums beitragen (Apg 9,32-35).</p>



<p>Jesus Christus gibt seiner Gemeinde immer wieder Menschen, die die „Gnadengaben der Heilungen“ haben (1Kor 12,9.28). Wenn jemand diese „Gaben der Heilungen“ hat, ist das keine Garantie, dass nun alle Kranken durch seinen Dienst gesund werden, da ja die Mehrzahlform „von Heilungen“ deutlich macht, dass jede einzelne Heilung eine Gnadengabe ist. Paulus, der ganz offensichtlich diese Gabe hatte (Apg 14,8-10; 19,11.12), ließ Trophimus krank in Milet zurück (2Tim 4,20) und riet Timotheus, wegen seines Magens ein wenig Wein zu trinken (1Tim 5,23). Und doch schenkt es Jesus, der Herr der Gemeinde, dass durch Gläubige, die diese Gnadengabe haben, Kranke gesund werden dürfen.</p>



<p>Zudem werden die Kranken in Jakobus 5,14 darauf hingewiesen, <em>die Ältesten der Gemeinde zu sich zu rufen</em>, damit diese sie mit Öl salben und über ihnen beten. Wir lesen dann weiter in Jakobus 5,15: <em>„Und das Gebet des Glaubens wird den Kranken retten, und der Herr wird ihn aufrichten, und wenn er Sünden begangen hat, wird ihm vergeben werden.“</em></p>



<p>In unserer heilsgeschichtlichen Zeit beruht jede Heilung auf einem besonderen gnädigen Eingreifen Gottes, das in seinem souveränen Handeln begründet ist. Gott kann sehr wohl heilend im Leben von Menschen eingreifen, aber er tut es aus uns unerklärlichen Gründen nicht immer.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Auswirkungen im Blick auf die Zukunft</h2>



<p>Die heilsgeschichtliche Zeit, in der wir heute leben, wird durch die Wiederkunft Jesu abgeschlossen. Es folgt dann eine neue heilsgeschichtliche Epoche.</p>



<p>Die Bibel lehrt uns, dass der Sieg Jesu am Kreuz über alle Leiden, Schmerzen, Krankheiten und den Tod bei seiner Wiederkunft für alle die, welche an ihn glauben, zur vollen Entfaltung kommen wird. Sie werden entweder auferstehen oder verwandelt werden (1Kor 15,51-53). Im Augenblick der Auferstehung oder Verwandlung werden sie erleben, wie sie entweder einen neuen Leib erhalten oder ihr Leib verwandelt wird (Röm 8,23). Dieser neue Leib, der dem Auferstehungsleib Jesu gleich sein wird (Phil 3,21; 1Joh 3,1.2), ist unvergänglich und kennt keine Schwachheiten mehr und kann nicht mehr krank werden (1Kor 15,42-44).</p>



<p>Dieser von Jesus am Kreuz errungene Sieg wird sich dann vollumfänglich durchsetzen, wenn Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde erschaffen hat. Wir lesen in Offenbarung 21,4: <em>„Und er wird jede Träne von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein: denn das Erste ist vergangen.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Vergleich mit Jesus und den Aposteln</h2>



<p>Es gibt nun aber Gläubige, die behaupten, dass Jesus in jedem Fall heilend eingreifen will. Um diese Behauptung zu erhärten, weisen sie darauf hin, dass Jesus uns, seine Nachfolger, ihm völlig gleichgestellt habe, so dass wir dieselben, ja, sogar noch größere Wunder tun können als er (Joh 14,12).<sup data-fn="0657d597-b5ee-4e7e-bcfc-1bb8fdb81606" class="fn"><a id="0657d597-b5ee-4e7e-bcfc-1bb8fdb81606-link" href="#0657d597-b5ee-4e7e-bcfc-1bb8fdb81606">13</a></sup> Weiterhin sind sie davon überzeugt, dass wir wie die Apostel Kranke heilen, Dämonen austreiben und Tote auferwecken können.<sup data-fn="87670383-5a43-4987-a60d-f35b511bf824" class="fn"><a id="87670383-5a43-4987-a60d-f35b511bf824-link" href="#87670383-5a43-4987-a60d-f35b511bf824">14</a></sup></p>



<p><em><strong>a. Betrachten wir nun die Krankenheilungen im Leben Jesu:</strong></em></p>



<p>In Matthäus 4,23 lesen wir: <em>„Und Jesus heilte jede Krankheit und jedes Gebrechen unter dem Volk.“</em> (vgl. Mt 9,35) Jesus heilte Aussätzige, Blinde, Lahme, Taubstumme, Fieberkranke usw. Es gibt keinen Fall von Krankheit, der außerhalb seines heilenden und wiederherstellenden Wirkens blieb. Er heilte alle Kranken, die zu ihm gebracht wurden oder selber zu ihm kamen (Mt 8,16).<sup data-fn="4af49b63-554c-4997-8e82-3313178600ce" class="fn"><a id="4af49b63-554c-4997-8e82-3313178600ce-link" href="#4af49b63-554c-4997-8e82-3313178600ce">15</a></sup> Wichtig ist aber zu beachten, dass die Krankenheilungen in den Evangelien als <em>Beweis seiner Messianität</em> verstanden werden. Dies macht die Antwort deutlich, die Jesus den Johannesjüngern gab, als sie ihn fragten, ob er wirklich der Messias sei. Jesus antwortete ihnen: <em>„Geht hin und verkündet Johannes, was ihr hört und seht: Blinde werden sehend, und Lahme gehen, Aussätzige werden rein, und Taube hören, und Tote werden auferweckt, und Armen wird gute Botschaft verkündigt.“</em> (Mt 11,4.5; vgl. Jes 35,5.6; 61,1) Zudem wiesen die Wunder, die Jesus tat, auf die neue Heilszeit hin, die mit ihm angebrochen war, nämlich auf den Anbruch seines Reiches hier auf dieser Erde.</p>



<p>Peter Beyerhaus ist der Überzeugung, dass die vielen Krankenheilungen Jesu auch auf sein vor ihm liegendes umfassendes Erlösungswerk hinwiesen.<sup data-fn="1808b025-7f7f-488e-8286-5408d619d634" class="fn"><a id="1808b025-7f7f-488e-8286-5408d619d634-link" href="#1808b025-7f7f-488e-8286-5408d619d634">16</a></sup></p>



<p><strong><em>b. Die Krankenheilungen im Leben der Apostel:</em></strong></p>



<p>Als Jesus noch bei seinen Jüngern war, gab er ihnen Vollmacht, Kranke zu heilen, Tote aufzuerwecken und Dämonen auszutreiben (Mt 10,8). Diese Wunder waren wie bei Jesus selbst ein Hinweis auf das mit ihm anbrechende Reich Gottes.</p>



<p>Nach Pfingsten waren diese Wunder (Apg 3,1-9; 5,12-16 usw.) ein Hinweis auf ihren Aposteldienst, den Jesus ihnen gegeben hatte (2Kor 12,12). Diese Zeichen und Wunder beglaubigten ihre Botschaft von der Versöhnung mit Gott (2Kor 5,18-21). Zugleich wiesen sie auf die Vollmacht hin, die Jesus ihnen im Blick auf den Bau seiner Gemeinde gegeben hatte.</p>



<p>Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der messianische Dienst Jesu und der Dienst der Apostel unwiederholbar sind. Wir dürfen uns im Blick auf den Dienst an den Kranken nicht mit Jesus und den Aposteln gleichsetzen.</p>



<p>Die, welche nun lehren, dass Jesus aufgrund seines Erlösungswerks in jeder Krankheitssituation heilend eingreifen wolle, erleben, dass dies nicht der Fall ist. Sie erleben, dass Menschen, mit denen sie beten, nicht geheilt werden. Um an ihrer These festhalten zu können, dass Jesus wirklich alle heilen will, haben sie für das Nichteingreifen Jesu in bestimmten Situationen folgende Erklärungen:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Die, welche nicht geheilt werden, glauben einfach zu wenig. Wenn sie Jesus wirklich ihr ganzes Vertrauen schenken würden, könnten sie durchaus geheilt werden.</li>



<li>Zudem könnte es sein, dass bestimmte Sünden im Leben eines Menschen eine Heilung verunmöglichen. Wenn nämlich ein Mensch bereit wäre, über alle Sünden wirklich in Reue Buße zu tun, könnte er bestimmt gesund werden.<sup data-fn="dea7c8c0-5a77-45cf-b493-5ac94f27ff89" class="fn"><a id="dea7c8c0-5a77-45cf-b493-5ac94f27ff89-link" href="#dea7c8c0-5a77-45cf-b493-5ac94f27ff89">17</a></sup> Übrigens vertraten diese Auffassung auch die Freunde von Hiob (Hiob 22,26-30).</li>
</ul>



<p>Diese Erklärungen für eine nicht eintretende Heilung machen oft das Leiden und die Krankheit der betroffenen Personen noch schwerer als sie schon sind, weil ihnen selbst die Schuld für die nicht eintretende Heilung geben wird. Diese Erklärungsversuche können leidende Menschen innerlich zur Verzweiflung treiben und zu einem Zusammenbruch des Vertrauens in Gott führen.</p>



<p>Wir haben gesehen, dass wir in unserer heilsgeschichtlichen Zeit nicht davon ausgehen können, dass Jesus alle Menschen aufgrund seines Sieges am Kreuz von Golgatha von ihren Schwachheiten und Krankheiten in ihrem irdischen Leben heilt. Er kann aber sehr wohl im Leben bestimmter Menschen heilend eingreifen, aber das ist in seine Souveränität gestellt.</p>



<p>Daraus ergibt sich, dass diese eben entfalteten Erklärungsversuche für eine nicht eintretende Heilung in ihrer Einseitigkeit falsch sind.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Schwerpunkte in der Seelsorge an Kranken</h2>



<p>Eine schwere Erkrankung wird grundsätzlich als ein notvoller Einschnitt erlebt. Es ist dem Kranken nicht mehr möglich, seine Arbeit zu Hause oder im Beruf auszuführen. Weiter ist er im Spital abhängig von anderen Menschen, seien es Ärzte oder Krankenschwestern. Vielleicht ist er auch an Apparate gebunden. Irgendwie ist er zum Außenseiter der Gesellschaft geworden. Der Kranke fühlt sich deshalb einsam, allein, da er ja auch aus seiner gewohnten Umgebung herausgerissen worden ist.</p>



<p>Gerade durch diese notvolle Situation, in der sich der Kranke schwach und hilflos fühlt, sucht Gott etwas Positives in seinem Leben zu bewirken. Jeder Schwerkranke fragt nach dem Sinn dieser Krankheit.</p>



<p>Als Seelsorger haben wir zuerst am Ergehen der Kranken aufrichtig Anteil zu nehmen. Wir haben ihnen auch genügend Zeit zu geben, über ihre Krankheit und die damit verbundenen Ängste zu reden.<sup data-fn="5b1826d8-7ad5-415c-8865-2bcb623346c9" class="fn"><a id="5b1826d8-7ad5-415c-8865-2bcb623346c9-link" href="#5b1826d8-7ad5-415c-8865-2bcb623346c9">18</a></sup> Noch nicht an Jesus glaubende Kranke suchen wir einfühlsam zu Jesus, ihrem Retter zu führen.</p>



<p>Manfred Weise, Professor für Innere Medizin, schreibt:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Viele Menschen sind gerade in großer Krankheitsnot offen für das Evangelium. Sie fragen: Muss ich sterben und was ist dann? Wofür habe ich gelebt? Hier gilt es in Liebe und Weisheit auf den Retter Jesus Christus hinzuweisen.“<sup data-fn="e1837bc1-f438-4c9c-9629-27884be23ea0" class="fn"><a id="e1837bc1-f438-4c9c-9629-27884be23ea0-link" href="#e1837bc1-f438-4c9c-9629-27884be23ea0">19</a></sup></p>
</blockquote>



<p>Wir helfen ihnen, ihre Sünden Jesus zu bekennen und zeigen ihnen, wie sie Jesus als Herrn in ihr Leben aufnehmen können. Diese Annahme von Jesus als Retter und Herrn gibt den Kranken eine tiefe innere Geborgenheit und einen letzten Halt. Dies kann sich positiv auf den Heilungsprozess auswirken.</p>



<p>Bei Menschen, die schon an Jesus glauben, fragen wir behutsam, ob sie in dieser schweren Situation noch bestimmte Sünden belasten. Wenn dies der Fall sein sollte, geben wir ihnen gleich die Gelegenheit, diese in unserer Gegenwart Jesus zu bekennen. Wir können ihnen dann auf Grund von 1. Johannes 1,9 die Vergebung zusprechen. Oft müssen bestimmte Sünden noch im zwischenmenschlichen Bereich bereinigt werden. Besonders wichtig ist es, dass sie den Menschen, von denen sie innerlich verletzt und gekränkt wurden, bewusst mit Hilfe von Jesus vergeben. Dieses Bekennen sowie Bereinigen der Sünden und das bewusste Vergeben führen zu einer inneren Befreiung und Entlastung, die sich positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken können (Ps 32,1.2).</p>



<p>Anschließend ermutigen wir sie vom Wort Gottes her die Schmerzen und Leiden, die Gott in ihrem Leben eben zulässt, <em>anzunehmen </em>(Ps 91,14.15).<sup data-fn="4c406498-0ac7-467f-8ebc-57f61accc97f" class="fn"><a id="4c406498-0ac7-467f-8ebc-57f61accc97f-link" href="#4c406498-0ac7-467f-8ebc-57f61accc97f">20</a></sup> Wir haben zudem noch darauf hinzuweisen, dass Jesus die mit dieser Krankheit verbundene Niedergeschlagenheit, Hilflosigkeit und Angst kennt. Ja, es ist tröstlich zu wissen, dass er in diesem finsteren Tal bei ihnen ist und sie versteht (Ps 23,4).</p>



<p>Die Seelsorger sollten die Kranken auffordern, die Bemühungen der Ärzte im Bereich der Untersuchungen, der Behandlung – einschließlich einer nötigen Operation – und die medikamentöse Hilfe dankend anzunehmen. Gott kann das alles brauchen, um ihnen zu helfen und sie zu heilen. Sie sollen auch für alle, die sie fachkundig pflegen, sei es im Krankenhaus, in der Kur oder zu Hause, Gott danken. Sie sollen zudem allen mit Wertschätzung begegnen.<sup data-fn="00aa2971-8667-4be0-a976-ec0e842945d0" class="fn"><a id="00aa2971-8667-4be0-a976-ec0e842945d0-link" href="#00aa2971-8667-4be0-a976-ec0e842945d0">21</a></sup></p>



<p>Die Seelsorger sollen die Kranken immer wieder ermutigen, um das heilende Eingreifen Gottes zu bitten (Jak 5,13). Jesus kann aufgrund seines Sieges am Kreuz von Golgatha in allen Schwachheiten, Krankheiten, Schmerzen und Leiden helfend und heilend eingreifen. Wenn er dies nicht sofort tut, dürfen sie weiter im Vertrauen auf die unbegrenzten Möglichkeiten Gottes um Heilung bitten.<sup data-fn="cda58a1c-9b64-4716-93c1-504f6aed2676" class="fn"><a id="cda58a1c-9b64-4716-93c1-504f6aed2676-link" href="#cda58a1c-9b64-4716-93c1-504f6aed2676">22</a></sup> Während des seelsorgerlichen Gesprächs mit dem Kranken lesen wir ihm ermutigende Bibelworte vor und sagen kurz einige Gedanken dazu. Solche Worte können zu einer Quelle innerer Ruhe, Ermutigung und Kraft werden.</p>



<p>Das seelsorgerliche Gespräch schließen wir mit einem Gebet ab. Wir beten dafür, dass der Kranke die Kraft hat, die ihm auferlegte Krankheit zu tragen und bitten Jesus, doch helfend und heilend einzugreifen. Wichtig ist, dass wir Gott zutrauen, dass er den Kranken heilen kann. Während wir um das helfende und heilende Eingreifen Jesu beten, kann es geschehen, dass wir durch den Heiligen Geist innerlich bewegt werden, dem Kranken die Hände aufzulegen, so wie es in Markus 16,18 steht. Es ist aber nicht richtig, wenn wir nach dem Gebet dem Kranken die Heilung zusprechen. Wir sind die Bittenden und Gott antwortet, wie er es für richtig findet.<sup data-fn="dcd4123a-167b-400f-b21c-fd0742fe6902" class="fn"><a id="dcd4123a-167b-400f-b21c-fd0742fe6902-link" href="#dcd4123a-167b-400f-b21c-fd0742fe6902">23</a></sup></p>



<p>Abschließend können wir ein krankes Gemeindeglied ermutigen, doch die Ältesten zu sich zu rufen, damit sie es mit Öl salben und über ihm beten (Jak 5,14.15). Gott kann es aufgrund des glaubenden Gebets der Ältesten aufrichten und heilen.</p>



<p>Es kann eine große Ermutigung und Stärkung sein, <em>wenn die Gemeinde für die kranken Gemeindeglieder betet</em>. Wir lesen in Matthäus 18,19.20:<em> „Wiederum sage ich euch: Wenn zwei von euch auf der Erde übereinkommen, irgendeine Sache zu erbitten, so wird sie ihnen werden von meinem Vater, der in den Himmeln ist. Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte.“</em> Gott kann also aufgrund des gemeinsamen Gebets der Gemeinde heilend eingreifen.</p>



<p>Wenn wir Kranke seelsorgerlich begleiten, erleben wir, wie Jesus die Gebete von uns, den Ältesten und der Gemeinde oft ganz verschieden beantwortet. Wir erleben, wie Kranke sofort vollständig geheilt werden. Es kann aber auch sein, dass aufgrund der Gebete ein langsamer Heilungsprozess einsetzt, der bis zur Heilung führt. Manchmal scheint Gott überhaupt nicht einzugreifen. Wir erleben aber, wie er dem Kranken die Kraft schenkt, die Krankheit ohne innere Auflehnung zu tragen. Wir können und wollen Gott nicht vorschreiben, wie er handeln soll. Hoffnung und Demut sind die Elemente, die es erlauben, bei jeder Krankheit für das helfende und heilende Eingreifen Gottes zu bitten, auch wenn die Krankheit sehr lange dauert.<sup data-fn="42949bd2-cbae-402d-a0c3-696f2ea0062a" class="fn"><a id="42949bd2-cbae-402d-a0c3-696f2ea0062a-link" href="#42949bd2-cbae-402d-a0c3-696f2ea0062a">24</a></sup></p>



<p>Alle, die erlebt haben, wie Jesus heilend in ihrem Leben eingegriffen hat, sollen ihr Leben aus Dankbarkeit Jesus weihen. Zugleich sollen sie jeder Sünde mit einem ganz klaren Nein begegnen (Joh 5,14).</p>



<h2 class="wp-block-heading">Einige Gedanken zum Salben mit Öl</h2>



<p>Im Jakobusbrief werden die an Jesus glaubenden Menschen dazu ermutigt und aufgefordert, wenn sie krank sind, die Ältesten der Gemeinde zu sich zu rufen. Diese sollen <em>„über ihnen beten und sie mit Öl salben im Namen des Herrn“</em> (Jak 5,14b). Für die Salbung mit Öl ist jedes pflanzliche Öl brauchbar. Das Öl, welches bei der Salbung eines Kranken gebraucht wird, ist ein Bild für den Heiligen Geist (Sach 4,2-6; 2Kor 1,21.22). Jeder Gläubige darf wissen, dass ihm durch den Heiligen Geist die Auswirkungen des von Jesus vollbrachten Erlösungswerkes innerlich zugänglich gemacht worden sind (Joh 16,14.15). Er hat aufgrund des Erlösungswerkes Jesu Vergebung seiner Sünden empfangen. Er weiß auch, dass Jesus durch den Heiligen Geist in ihm wohnt (Joh 14,17.18) und dass er dadurch ein Gotteskind ist (Joh 1,12). Jesus hat, wie oben ausgeführt, am Kreuz auch unsere Krankheiten, Leiden und Schmerzen getragen (Jes 53,4). Wenn nun der Kranke das Öl auf seinem Körper spürt, von dem ihm ein wenig auf die Stirne gestrichen wird, darf er glauben, dass ihm der Heilige Geist auch die Überwindung der Krankheit durch Christus äußerlich – an seinem Körper – zugänglich machen kann. Das Öl wird ihm also zur Denkhilfe. Er weiß aber, dass es in der Souveränität Gottes steht, ob er heilend eingreift oder nicht.</p>



<p>Die Ältesten haben dann noch<em> „über der Person zu beten“</em>, die sie mit Öl gesalbt haben, indem sie ihr die Hände auflegen.</p>



<p>Im Jakobusbrief wird darauf hingewiesen, dass <em>„dieses Gebet des Glaubens den Kranken retten wird“</em> (Jak 5,15a). Es ist wichtig, dass die Ältesten, während sie mit dem Kranken beten, Jesus, dem Sieger über Sünde, Krankheit und Tod zutrauen, dass er jetzt rettend und heilend eingreifen kann. Das Wort „retten“ betont, dass es Jesus selbst dann, wenn er im körperlichen Bereich eingreift, um eine ganzheitliche Hilfe geht. Im Geschehen der Heilung geht es zuerst und zuletzt um eine vertiefte Gottesbeziehung, deshalb wird sie im vorgegebenen Text auch mit der Vergebung der Sünden in Verbindung gebracht. Jesus will immer zuerst das innere Heilsein des Menschen. Deshalb sollte mit jedem, der mit Öl gesalbt wird, vorgängig ein seelsorgerliches Gespräch geführt werden, in welchem er aufgefordert wird, eventuelle Sünden in Reue Jesus zu bekennen und wenn nötig im zwischenmenschlichen Bereich zu bereinigen. Natürlich haben auch die Ältesten, die mit dem Kranken beten, verborgene Sünden in Reue Jesus zu bekennen und die Vergebung in Anspruch zu nehmen (1Joh 1,7). Ein durch das Blut Jesu gereinigtes Leben aller Beteiligten schafft dem Eingreifen Gottes freie Bahn.<sup data-fn="b564a272-882f-4310-8039-29e25f19dda6" class="fn"><a id="b564a272-882f-4310-8039-29e25f19dda6-link" href="#b564a272-882f-4310-8039-29e25f19dda6">25</a></sup></p>



<p>Außerdem wird gesagt, dass der Herr den Kranken „aufrichtet“. Dies kann bedeuten, dass Jesus den Kranken sofort heilt. Es kann aber auch sein, dass Gott im Krankheitsverlauf eine Wendung schenkt und ein Heilungsprozess einsetzt. Manchmal besteht dieses Aufrichten auch darin, dass Gott dem Kranken die Kraft und Geduld schenkt, die Krankheit ohne innere Auflehnung und ohne Groll zu ertragen, selbst wenn sie zum Tod führt. Paulus schreibt in diesem Zusammenhang: <em>„Deshalb ermatten wir nicht, sondern wenn auch unser äußerer Mensch aufgerieben wird, so wird doch der innere Tag für Tag erneuert. Denn das schnell vorübergehende Leichte unserer Bedrängnis bewirkt uns ein über die Maßen überreiches, ewiges Gewicht von Herrlichkeit“</em> (2Kor 4,16.17).<sup data-fn="ac33be47-4a1a-4e30-85e8-8188c85217bb" class="fn"><a id="ac33be47-4a1a-4e30-85e8-8188c85217bb-link" href="#ac33be47-4a1a-4e30-85e8-8188c85217bb">26</a></sup></p>



<h2 class="wp-block-heading">Medizinisches und seelsorgerliches Handeln</h2>



<p>Zunächst sind wir für die großen Fortschritte in der Schulmedizin sehr dankbar und nehmen sie in Krankheitssituationen gern in Anspruch. Ich denke hier vor allem an die enormen Fortschritte im diagnostischen Bereich, an die operativen Eingriffsmöglichkeiten und an die Qualitätssteigerung im therapeutischen Bereich durch Apparate und Medikamente. Doch hat die Medizin, trotz all ihrer Fortschritte, auch ihre Grenzen. Dazu kommt, dass sich die heutige Medizin sehr stark auf das Körperliche konzentriert. Gerade deshalb sollte die ärztliche Behandlung durch die seelsorgerliche Begleitung ergänzt werden. Bei allen medizinischen Bemühungen gilt es doch zu beachten, dass Gott dem Patienten ganzheitlich helfen möchte. Er möchte ihm äußerlich, aber auch innerlich helfen, indem er entweder zur Rettung durch den Glauben an Jesus findet oder als ein an Christus glaubender Mensch noch mehr ins Bild Gottes umgestaltet wird. Deshalb bedarf alle Bemühung um Heilung im Leben eines Menschen die ergänzende Botschaft der biblischen Heils- und Heiligungsverkündigung und die liebende, einfühlsame Begleitung durch die, welche diese Botschaft weitergeben. Der Arzt Daniel E. Fountain schreibt dazu:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Den Glauben an Christus und den ganzen Reichtum der medizinischen Wissenschaft zusammenbringen, eröffnet die Chance auf viele wunderbare Heilungen, die sonst womöglich nicht geschehen würden.“<sup data-fn="22697d3f-4279-4bdf-958c-f9fb790b7cd7" class="fn"><a id="22697d3f-4279-4bdf-958c-f9fb790b7cd7-link" href="#22697d3f-4279-4bdf-958c-f9fb790b7cd7">27</a></sup></p>
</blockquote>



<h2 class="wp-block-heading">Die Gemeinde Jesu als heilende Gemeinschaft</h2>



<p>Körperliche Schwachheiten und Krankheiten haben sehr oft ihren Grund in gestörten zwischenmenschlichen Beziehungen, sei es in großen Problemen in der Ehe, Familie oder am Arbeitsplatz. Der Genesungsprozess kann bei schwachen und kranken Menschen wesentlich unterstützt werden, wenn sich Menschen innerhalb der Gemeinde Jesu in Liebe diesen Personen zuwenden und sie rücksichtsvoll und mit viel Einfühlungsvermögen zu Jesus ihrem Retter führen oder ihren Glauben an Jesus stärken. Dies ist vor allem in Hauskreisen möglich.</p>



<p>Die Gemeindeglieder nehmen Anteil am Ergehen dieser Schwachen und Kranken (Gal 6,2) und beten mit ihnen und für sie. Dieses anteilnehmende und fürbittende Gebet um Genesung ist eine der mächtigsten heilenden Kräfte der Gemeinde Jesu (Jak 5,16). Da sich die Gemeindeglieder als Leib Jesu verstehen, in dem jedes Glied auf das andere angewiesen ist, gehört es zum Wesen der Gemeinde, dass sich die einzelnen Gemeindeglieder, aber auch der Verkündiger und die diakonischen Ehepaare um die Schwachen und Kranken kümmern, indem sie sie im Krankenhaus oder zu Hause besuchen, ihnen einfühlsam zuhören<sup data-fn="aa0eff04-a766-4051-8aa5-577437e43639" class="fn"><a id="aa0eff04-a766-4051-8aa5-577437e43639-link" href="#aa0eff04-a766-4051-8aa5-577437e43639">28</a></sup> und ihnen wenn nötig tatkräftig helfen, sei es im Haushalt, Garten, usw. Zudem begegnen sie ihnen mit Wertschätzung (1Thes 5,14). Wir lesen in 1. Korinther 12,26a: <em>„Und wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit.“</em> Die Gemeindeglieder, insbesondere die diakonischen Ehepaare, sind bereit, die leidenden und kranken Gemeindeglieder mit aufopfernder und selbstloser Liebe zu begleiten, unterstützt von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus dem diakonischen Team. Dies können sie darum, weil Jesus ihnen die Kraft dazu schenkt.</p>



<p><strong>Fussnoten</strong></p>


<ol class="wp-block-footnotes"><li id="32742906-0f34-48e2-a3a4-258868ed077d">Vreemann, W., Was hilft, was heilt? Ein Arzt beantwortet Fragen zur alternativen Medizin, Dillenburg 2005, 3.Aufl., S. 25. <a href="#32742906-0f34-48e2-a3a4-258868ed077d-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 1 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="793363e0-2576-4920-a8cc-2b5765380e13">Ouweneel, W.J., Heilt die Kranken! Über die biblische Lehre von Krankheit, Heilung und Befreiung, Lüdenscheid 2005, S. 191-193. <a href="#793363e0-2576-4920-a8cc-2b5765380e13-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 2 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="90752127-0025-4ede-b328-76c4115aba4c">Kotsch, M., Krankheit und Gesundheit in der Bibel, in: Bibel und Gemeinde, Zeitschrift des Bibelbundes, Berlin Nr. 3/2007, S. 13-14. <a href="#90752127-0025-4ede-b328-76c4115aba4c-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 3 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="0cfc615b-92a6-45e4-9d5a-f55ea3befb6d">Vreemann, W., Was hilft, was heilt?, S. 25. <a href="#0cfc615b-92a6-45e4-9d5a-f55ea3befb6d-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 4 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="c3509a9e-18d1-4241-a063-70a810fa65d9">Fountain, D.E., Die heilende Kraft Gottes. Krankheit, Heilung und der Faktor Glaube, Schwarzenfeld 2008, S. 99. <a href="#c3509a9e-18d1-4241-a063-70a810fa65d9-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 5 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="cdf95c82-ac5e-416e-a0c0-72573de7644f">Benkert, O., StressDepression. Die neue Volkskrankheit und was man dagegen tun kann, München 2005, S. 118-119. <a href="#cdf95c82-ac5e-416e-a0c0-72573de7644f-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 6 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="e65b5f2b-d608-40bb-815a-aa186e07b412">Beyerhaus, P., Er sandte sein Wort. Theologie der christlichen Mission, Bd. 1, Die Bibel in der Mission, Wuppertal; Bad Liebenzell 1996, S. 547. <a href="#e65b5f2b-d608-40bb-815a-aa186e07b412-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 7 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="c4d74a1f-26bc-49ff-a574-197a4fefddc5">Fountain, D.E., Die heilende Kraft Gottes, S. 35. <a href="#c4d74a1f-26bc-49ff-a574-197a4fefddc5-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 8 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="a00ed74d-491f-4ff7-ad65-d22c25778de2">Scheffbuch, R., Würdig und vorbereitet. Wie wir gut leben und sterben können, Basel; Gießen 2006, S. 86. <a href="#a00ed74d-491f-4ff7-ad65-d22c25778de2-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 9 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="2bf3dd78-d7bd-4462-bf3a-5e1b18542803">Fountain, D.E., Die heilende Kraft Gottes, S. 206-208. <a href="#2bf3dd78-d7bd-4462-bf3a-5e1b18542803-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 10 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="86948174-00a2-4e72-9826-0b62d03c000e">Beyerhaus, P., Er sandte sein Wort, S. 560. <a href="#86948174-00a2-4e72-9826-0b62d03c000e-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 11 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="08b3a5f5-6e6a-4f3a-be8f-20de640c7e41">Ballon, G., Seelsorge in der Gemeinde – Bibelarbeit über Jak 5,13-20, in: Seelsorge in der Gemeinde, hg. v. W. Haubeck; W. Heinrichs; M. Schröder, Witten 2004, S. 34. <a href="#08b3a5f5-6e6a-4f3a-be8f-20de640c7e41-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 12 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="0657d597-b5ee-4e7e-bcfc-1bb8fdb81606">Hari, D.; Naegeli, U.-H., Du bist Gottes Stellvertreter auf Erden, Schiers 2005, S. 15.37.<br>Ich bin der Ansicht, dass mit diesen größeren Werken gemeint ist, dass wir Menschen zur Rettung durch Christus hinführen können. Wenn nämlich ein Mensch diese Rettung annimmt, ist er eine neue Schöpfung. Er ist befähigt, ein neues, Gott wohlgefälliges Leben zu führen und wird, wenn der Herr Jesus wiederkommt, einen neuen, unsterblichen Leib erhalten, der keine Krankheiten, Schmerzen mehr kennt und auch nie mehr sterben wird. <a href="#0657d597-b5ee-4e7e-bcfc-1bb8fdb81606-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 13 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="87670383-5a43-4987-a60d-f35b511bf824">Ebd., S. 61. <a href="#87670383-5a43-4987-a60d-f35b511bf824-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 14 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="4af49b63-554c-4997-8e82-3313178600ce">Bittner, W.J., Heilung. Zeichen der Herrschaft Gottes, Schwarzenfeld 2007, S. 44. <a href="#4af49b63-554c-4997-8e82-3313178600ce-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 15 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="1808b025-7f7f-488e-8286-5408d619d634">Beyerhaus, P., Er sandte sein Wort, S. 560. 96 <a href="#1808b025-7f7f-488e-8286-5408d619d634-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 16 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="dea7c8c0-5a77-45cf-b493-5ac94f27ff89">Kropf, M., Alternative Heilmethoden. Ein ärztlicher Leitfaden aus biblischer Sicht, Karlsruhe 2008 5 , S. 188-200; Mauerhofer, M., Hilfe! Ich muss ins Krankenhaus. Ein Begleiter für diese Zeit, Lahr 1995, S. 33. <a href="#dea7c8c0-5a77-45cf-b493-5ac94f27ff89-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 17 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="5b1826d8-7ad5-415c-8865-2bcb623346c9">Klessmann, M., Seelsorge. Begleitung, Begegnung, Lebensdeutung im Horizont des christlichen Glaubens. Ein Lehrbuch, Neukirchen-Vluyn 2008, S. 357-358. <a href="#5b1826d8-7ad5-415c-8865-2bcb623346c9-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 18 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="e1837bc1-f438-4c9c-9629-27884be23ea0">Zit. nach Weise, M., Evangelisation im Gesundheitsdienst, in: Heil oder Heilung? Dienst an Kranken im 21. Jahrhundert, hg. v. W. Nestvogel; M. Weise, Oerlinghausen 2007, S. 34. <a href="#e1837bc1-f438-4c9c-9629-27884be23ea0-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 19 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="4c406498-0ac7-467f-8ebc-57f61accc97f">Laubach, F., Krankheit und Heilung in biblischer Sicht, Wuppertal 1976, S. 30-32. <a href="#4c406498-0ac7-467f-8ebc-57f61accc97f-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 20 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="00aa2971-8667-4be0-a976-ec0e842945d0">Vreemann, W., Was hilft, was heilt?, S. 261-262. <a href="#00aa2971-8667-4be0-a976-ec0e842945d0-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 21 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="cda58a1c-9b64-4716-93c1-504f6aed2676">Bittner, W.J., Heilung. Zeichen der Herrschaft Gottes, S. 139. <a href="#cda58a1c-9b64-4716-93c1-504f6aed2676-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 22 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="dcd4123a-167b-400f-b21c-fd0742fe6902">Großmann, S., Ich bitte Dich, dass Du mich heilst. Die Gabe der Krankenheilung im Neuen Testament und heute, Gießen; Basel 2007, S. 45. <a href="#dcd4123a-167b-400f-b21c-fd0742fe6902-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 23 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="42949bd2-cbae-402d-a0c3-696f2ea0062a">256 Ebd., S. 72-73. <a href="#42949bd2-cbae-402d-a0c3-696f2ea0062a-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 24 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="b564a272-882f-4310-8039-29e25f19dda6">Bittner, W.J., Heilung. Zeichen der Herrschaft Gottes, S. 57. <a href="#b564a272-882f-4310-8039-29e25f19dda6-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 25 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="ac33be47-4a1a-4e30-85e8-8188c85217bb">Mauerhofer, A., Gemeindebau nach biblischem Vorbild, Nürnberg; Hamburg 2010 2 , S. 88-89. <a href="#ac33be47-4a1a-4e30-85e8-8188c85217bb-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 26 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="22697d3f-4279-4bdf-958c-f9fb790b7cd7">Zit. nach Fountain, D.E., Die heilende Kraft Gottes, S. 245. <a href="#22697d3f-4279-4bdf-958c-f9fb790b7cd7-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 27 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="aa0eff04-a766-4051-8aa5-577437e43639">Vogel, N., Mit Krankheit leben, Lahr 2004 2 , S. 53. <a href="#aa0eff04-a766-4051-8aa5-577437e43639-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 28 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li></ol><p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://kfg.org/2025/seelsorge-an-kranken-eine-aufgabe-der-gemeinde/">Seelsorge an Kranken – eine Aufgabe der Gemeinde</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://kfg.org">KfG  -`✞´-  Konferenz für Gemeindegründung</a>.</p>
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		<item>
		<title>Zweifacher Kummer (Psalm 6)</title>
		<link>https://kfg.org/2024/zweifacher-kummer-psalm-6/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[William MacDonald]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Sep 2024 21:34:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theologie]]></category>
		<category><![CDATA[Praktisches Christenleben]]></category>
		<category><![CDATA[Seelsorge]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es war schlimm genug, mit einer ernsten Krankheit gemartert zu sein; aber Davids Leid traf zusammen mit dem quälenden Druck durch seine Widersacher. Vielleicht waren sie über seinen hoffnungslosen Zustand entzückt.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Diese Ausführungen haben wir mit freundlicher Genehmigung des CLV-Verlages dem „Kommentar zum Alten Testament“ von William MacDonald entnommen (Bielefeld, 2. Aufl. 2010, S. 544-545). Die Redaktion.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p>Es war schlimm genug, mit einer ernsten Krankheit gemartert zu sein; aber Davids Leid traf zusammen mit dem quälenden Druck durch seine Widersacher. Vielleicht waren sie über seinen hoffnungslosen Zustand entzückt.</p>



<p>6,1-2 David sah in seiner Krankheit einen Schlag, den Gott ihm zugefügt hatte wegen irgendeiner Sünde. Wir machen das gewöhnlich selbst auch so. Oft ist dies der erste Gedanke, der uns in den Sinn kommt. Und diese Diagnose ist manchmal zutreffend: Einige Krankheiten werden tatsächlich durch Sünden hervorgerufen, die wir nicht vor Gott bekannt haben (1Kor 11,30). Aber dies ist keineswegs immer der Fall. Gott lässt manchmal Krankheiten zu als Ausgangspunkt, um seine Kraft und Herrlichkeit zu zeigen (Joh 9,3; 11,4), oder als Mittel, um geistliche Frucht hervorzubringen (Röm 5,3), oder als natürliches Ergebnis von Überarbeitung (Phil 2,30) oder wegen hohen Alters (Pred 12,3-6). Wenn uns Krankheit trifft, sollten wir als Erstes sicherstellen, dass wir keine Sünden in unserem Leben haben, die wir nicht vor Gott bekannt haben. Dann sollten wir Gott bitten, seine Absichten mit der Krankheit auszuführen und uns zu heilen. Danach ist es richtig, den Arzt aufzusuchen und Arzneien zu verwenden. Doch müssen wir aufpassen, dass wir unser Vertrauen auf den Herrn setzen und nicht auf die Mittel, die er benutzt (2Chr 16,12). Alle Heilung kommt von Gott, ob sie in Form eines Wunders geschieht oder auf gewöhnliche Weise. Wenn er es in einem bestimmten Fall vorzieht, nicht zu heilen, wird er Gnade zum Leiden oder zum Sterben geben. Gewöhnlich bekommen wir die Gnade zum Sterben nicht bevor wir sie nötig haben.</p>



<p>6,3-4 Der Psalmist hat wortgewaltig und mit deutlichen Ausdrücken um Heilung gefleht. Er schwand dahin. Seine Gebeine schmerzten ihm unablässig. Selbst sein gesamtes Innenleben – seine Gefühle, sein Verstand und sein Wille – war betroffen. Aber es schien, als zögere der HERR zu antworten. Bis wann würde es dauern, bis er den Leidenden in Gnade heilt?</p>



<p>6,5 David bittet den HERRN, von einer Haltung scheinbarer Gleichgültigkeit umzukehren und seine Seele von Krankheit und Tod zu retten. Er beruft sich wegen der Befreiung von seinem Elend einzig auf die unerschütterliche Gnade des HERRN. </p>



<p>6,6 Dann folgt eine ungewöhnliche Begründung dafür, dass Gott ihn heilen sollte: Wenn David nämlich sterben sollte, so hätte Gott nichts davon. Solange David lebt, kann er sich an den Herrn erinnern und ihn preisen. Doch wenn er stirbt, wäre Gott vergessen. Der Körper ohne Geist könnte ihm nicht danken. Dieses Argument hat eine gewisse Stichhaltigkeit, sofern es den Leib betrifft; denn der Leichnam ist ohne Gedächtnis und ohne die Fähigkeit zum Loben. Was aber den Geist und die Seele angeht, spiegelt dieses Argument die begrenzte Erkenntnis wider, die die Heiligen des Alten Testaments über das Leben nach dem Tod besaßen. Dank der volleren Offenbarung, die Christus brachte, wissen wir jetzt, dass ein Gläubiger, wenn er stirbt, seinen irdischen Leib verlässt, um bei Christus zu sein, was auch viel besser ist (Phil 1,23). Er ist aus dem Leib ausgewandert und daheim beim Herrn (2Kor 5,8).</p>



<p>So gelangt der Gläubige nicht in einen Schwebezustand oder Seelenschlaf, sondern ist bewusst in der Gegenwart des Herrn und bringt ihm Preis und Anbetung dar. Zu Davids Gunsten muss gesagt werden, dass er wunderbaren Gebrauch von dem Licht machte, das er besaß, indem er es in das Gefüge seines Gebets einwob. Machten unsere Gebete genauso guten Gebrauch von dem höheren Licht, das wir haben, welche Vorbilder für Lob und Bitte wären sie!</p>



<p>6,7-8 Durch die Beschreibung des Elends des Psalmisten erhalten wir eine kleine Vorstellung von seinem Zustand. Er war von Gram und Seufzen völlig zermürbt. Die ganze Nacht schwemmte er sein Kissen wegen seines Weinens und benetzte sein Bett mit seinen Tränen. Seine Augen waren eingesunken wegen seines tiefen Kummers; sein Augenlicht schwand dahin wegen der Gewalttaten aller seiner Feinde. Es schien, als sei sein Leben bis zum Überlaufen mit Sorgen erfüllt, sodass er es nicht mehr ertragen konnte.</p>



<p>6,9-11 Aber das Gebet verändert die Dinge. Durch die verborgene, geheimnisvolle Mitteilung des Heiligen Geistes erlangte er die Sicherheit, dass der HERR die Stimme seines Weinens gehört und auf sein Gebet geantwortet hatte. Gestärkt durch diese Zusicherung, befiehlt er seinen Feinden, zu weichen. Er lässt sich nicht mehr durch ihr Drohen einschüchtern, denn er begreift: Sie werden sich plötzlich zurückziehen, besiegt und zuschanden werden, wenn der Herr aufsteht, um sie zu bestrafen.</p>
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		<title>Aspekte biblischer Anthropologie für eine bibelorientierte Seelsorge</title>
		<link>https://kfg.org/2024/aspekte-biblischer-anthropologie-fuer-eine-bibelorientierte-seelsorge/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Klaus Giebel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Apr 2024 14:05:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theologie]]></category>
		<category><![CDATA[Seelsorge]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kfg.org/?p=18161</guid>

					<description><![CDATA[<p>Der Mensch – geschaffen, gefallen<br />
und wieder hergestellt. Wir können<br />
nicht über seelische und psychische<br />
Herausforderungen der Menschen nachdenken, ohne Gottes Wort grundlegend einzubeziehen. Es geht im Wesentlichen immer wieder um die Wiederherstellung der Beziehung zwischen Gott und Mensch.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-pullquote"><blockquote><p>Der Mensch – geschaffen, gefallen und wieder hergestellt</p></blockquote></figure>



<h2 class="wp-block-heading">1. Gottes Schöpfung – der Mensch im Urzustand</h2>



<p>Der Mensch ist Geschöpf Gottes. Aber nicht nur die Tatsache, dass der Mensch geschaffen wurde, sondern auch das Wie und Wozu geben Aufschluss darüber, wer der Mensch ist. An dieser Stelle können wir natürlich nur einige Aspekte andeuten. Nach 1. Mose 1,26-27 und 1. Mose 2,7 lässt sich sagen, dass der Mensch sowohl von seinem Ursprung her als auch bezüglich der Zielsetzung zum Bild Gottes geschaffen wurde. Mit Ausführungen über seine materielle und geistige Beschaffenheit wird ihm auch eine Zweckbestimmung gegeben: er wird zum Botschafter Gottes auf Erden. Gegenüber der übrigen Schöpfung repräsentiert er den lebendigen Schöpfer, er ist der „König der Erde“ (Erich Sauer).</p>



<p>Die Frage, die Theologen stets beschäftigt hat, ist, worin diese „Ebenbildlichkeit“ (oder einfach, wie manche Theologen es vorziehen, die „Bildlichkeit“) besteht. Die Bedeutung <em>zäläm (lat. imago, griech. eikon)</em> ist primär Bild, Abbild, Abbildung. Das andere Wort, <em>demuth (lat. similitudo, griech. homoiosis)</em>, bedeutet Gleichung, Gestalt, Nachbildung, Ähnlichkeit.<sup data-fn="59dc6e96-6e0b-442d-b008-9eb6018855c3" class="fn"><a id="59dc6e96-6e0b-442d-b008-9eb6018855c3-link" href="#59dc6e96-6e0b-442d-b008-9eb6018855c3">1</a></sup></p>



<p>Der Versuch einiger griechischer und lateinischer Kirchenväter, in ersterem den körperlichen Bereich („Abbild“, konkrete Ähnlichkeit) und in letzterem Begriff (abstrakte Ähnlichkeit) mehr den sittlichen Aspekt der Gottebenbildlichkeit zu sehen, ist aus der Begriffsbildung heraus nicht gerechtfertigt.<sup data-fn="a43064c0-195c-444b-9bd5-9f94a66a1f5e" class="fn"><a id="a43064c0-195c-444b-9bd5-9f94a66a1f5e-link" href="#a43064c0-195c-444b-9bd5-9f94a66a1f5e">2</a></sup> Die beiden Begriffe verstärken sich und heben hervor, dass der Mensch als Bild, als Gleichnis für Gott, geschaffen wurde. Damit sind die Parameter für die grundlegende Wesensbestimmung des Menschen gelegt: Der Mensch widerspiegelt innerhalb der Schöpfung das Wesen Gottes, ohne dabei mit Gott identisch zu sein. Er ist geprägt von der Abhängigkeit gegenüber seinem Schöpfer. Gott schuf sich also ein Gegenüber, zu dem er reden konnte, das ihn verstand und seine Pläne und Absichten in besonders hervorragender Weise vertreten konnte. Wenn der Mensch sich von Gott anreden lassen kann, dann liegt darin seine Würde und Bedeutung.</p>



<p>Alle Modelle, die den Menschen partikular betrachten („Triebwesen“, „animal rationale“ etc&#8230;) verkennen die Bedeutung dieser Dimension des Menschen, der ein von Gott zu Erreichender ist. Letztlich will sich Gott immer beim Menschen Gehör verschaffen. Der am Wort Gottes ausgerichtete Seelsorger, wird dies zu keinem Zeitpunkt der Beziehung zu einer ratsuchenden Person außer Acht lassen. Auch nach dem Sündenfall bleibt der Mensch formal ein im Bild Gottes Geschaffener.<sup data-fn="0e1b9e55-f4ba-4f8d-b083-dbcf427ccfc3" class="fn"><a id="0e1b9e55-f4ba-4f8d-b083-dbcf427ccfc3-link" href="#0e1b9e55-f4ba-4f8d-b083-dbcf427ccfc3">3</a></sup></p>



<p>Ein anderer Gesichtspunkt, der sich aus den Aussagen des Schöpfungsberichts ergibt, ist die wesensmäßige Einheit des Menschen. Der Mensch wurde eine lebende Seele <em>(hebr. näphäsch chajah)</em>, was bedeutet, dass es nicht Gottes Absicht war, einem unsichtbaren Teil des Menschen eine sichtbare Hülle zu geben, sondern dass der sichtbare und der verborgene Mensch aufs Engste zusammengehören. Zur Gottesebenbildlichkeit gehören eine geistige Dimension sowie der Leib.<sup data-fn="e36a5409-2bfc-4969-aafc-3ee9bc945734" class="fn"><a id="e36a5409-2bfc-4969-aafc-3ee9bc945734-link" href="#e36a5409-2bfc-4969-aafc-3ee9bc945734">4</a></sup> Dies geht auch aus anderen Zusammenhängen hervor. Wer den Leib tötet, vergreift sich am „Bild Gottes“ – ebenso, wer den Menschen mit Worten verletzt.<sup data-fn="e97c2732-778b-4a07-95a2-f261b1f31cfa" class="fn"><a id="e97c2732-778b-4a07-95a2-f261b1f31cfa-link" href="#e97c2732-778b-4a07-95a2-f261b1f31cfa">5</a></sup> Sowohl seine moralische, also auch seine geistigen Fähigkeiten sowie sein Ichbewusstsein, die Fähigkeit zur Kommunikation mit sich, mit anderen, all das macht die Einzigartigkeit des Menschen aus. Die Kommunikationsfähigkeit scheint nach dem biblischen Zeugnis eine besonders herausragende Eigenschaft zu sein, die den Menschen als das Gegenüber Gottes auszeichnet, und zwar auf unterschiedlichen Ebenen.<sup data-fn="842b3f28-2ee4-4ddd-ad22-e5b51fe6716a" class="fn"><a id="842b3f28-2ee4-4ddd-ad22-e5b51fe6716a-link" href="#842b3f28-2ee4-4ddd-ad22-e5b51fe6716a">6</a></sup></p>



<p>Ein weiterer Aspekt dieser schöpfungsmäßigen Dimension ist, dass der Mensch dazu berufen ist, seinem Schöpfer Liebe, Ehre, Dank und Anbetung zu erweisen (Röm 1,18-23). Wenn der Mensch nicht mehr auf den Schöpfer bezogen denkt, dann wird es sich ein anderes „Gegenüber“ suchen, d.h. der Mensch wird zum Götzendiener.<sup data-fn="5e6af464-daf7-41db-a589-a0eb501be92b" class="fn"><a id="5e6af464-daf7-41db-a589-a0eb501be92b-link" href="#5e6af464-daf7-41db-a589-a0eb501be92b">7</a></sup> Diese Glaubensdimension des Menschen kann nicht fein säuberlich von anderen Bereichen seines Lebens getrennt werden. Nicht erst wenn der Mensch selbst von seiner Religion spricht oder spezifisch religiös handelt ist er religiös. Alle Ebenen seiner Werte, Überzeugungen, sein Fragen nach Sinn und Bedeutung sind letztlich ein Ausdruck seiner Religiosität. Er kann seine Herkunft nicht wirklich leugnen, nur verzerren und den Schöpfer durch ein horizontalisiertes, anthropozentrisches, säkulares Denken entehren. Es gibt aber keine wirklich neutralen Bereiche, die nicht „religiös“ besetzt werden müssen. Das hat zur Folge, dass alle Denk-, Gefühls- und Willensvorgaben eines Menschen auch einer ethisch-glaubensmäßigen Dimension unterworfen werden. Der Mensch darf und soll sich immer auch seinem Schöpfer gegenüber verantwortlich wissen. Er soll sich seiner religiösen Vorurteile und Prägungen bewusst werden und unter das Wort des lebendigen Gottes kommen, so dass er seine Identität begreifen kann.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Fazit</h3>



<p>Der von Gott geschaffene Mensch ist nicht abstrakt, d. h. ohne diesen Bezug zu erklären. Wenn der biblische Offenbarungsrahmen ernst genommen wird, dann zeigt das den Menschen als eine Einheit. Die Arbeit an einer biblisch ausgerichteten Psychologie wird sich deshalb immer diesem „Ganzheitlichkeitsmodell“ des Menschen verpflichtet wissen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">2. Der gefallene Mensch</h2>



<p>Die zweite grundlegende Dimension des Menschen ist sein gefallener Zustand. Seine grundlegende Verantwortlichkeit wird dadurch unterstrichen, dass Gott ihn nach seinem Abfall persönlich sucht und zur Rechenschaft zieht. Gott spricht zum Menschen, als dieser sich vor ihm verbirgt („&#8230;wo bist du?“<sup data-fn="2af7fc7d-8580-4950-a0d1-c7d0162095c0" class="fn"><a id="2af7fc7d-8580-4950-a0d1-c7d0162095c0-link" href="#2af7fc7d-8580-4950-a0d1-c7d0162095c0">8</a></sup>). „Wenn wir Christen &#8230; von der Sünde sprechen, dann nehmen wir den Menschen in seiner Würde und Verantwortlichkeit als ein zurechnungsfähiges Gegenüber Gottes ernst.“<sup data-fn="fb24536b-09e6-4233-9a49-8ff5ace4af92" class="fn"><a id="fb24536b-09e6-4233-9a49-8ff5ace4af92-link" href="#fb24536b-09e6-4233-9a49-8ff5ace4af92">9</a></sup></p>



<p>Das Wesen des Menschen wurde auf mehrfache Art betroffen:</p>



<p>1) Im Bericht vom Abfall des Menschen<sup data-fn="12c83532-6e3b-464d-a3da-c990974d49ce" class="fn"><a id="12c83532-6e3b-464d-a3da-c990974d49ce-link" href="#12c83532-6e3b-464d-a3da-c990974d49ce">10</a></sup> von Gott greift der Mensch ach der Frucht des Baumes der „Erkenntnis des Guten und Bösen“. Dieser Griff wird mit dem Anspruch verbunden, „sein zu wollen wie Gott“. Die Erkenntnis, um die es geht, ist prinzipiell ethisch<sup data-fn="79220af4-dc71-4e13-8c14-56942e52d277" class="fn"><a id="79220af4-dc71-4e13-8c14-56942e52d277-link" href="#79220af4-dc71-4e13-8c14-56942e52d277">11</a></sup> , d.h., der Mensch macht eine konkrete Erfahrung mit dem Bösen; er übertritt faktisch ein göttliches Gebot, widerspricht also aktiv dem Willen Gottes. Die damit verbundene Aussicht, die die Schlange gibt, „ihr werdet sein wie Gott“, wird zum Leitmotiv des autonomen Menschen. Ihm wird darin suggeriert, er könne Gott als Gegenüber umgehen und sich autonom bewegen. Tatsächlich ändert sich die Gottesbeziehung mit dieser Handlung: der Mensch erfährt eine Autonomie, die aber leidvoll als tödliche Trennung von seinem Schöpfer erfahren wird.<sup data-fn="c3574293-f171-4e27-b9fd-4bfda16f3e23" class="fn"><a id="c3574293-f171-4e27-b9fd-4bfda16f3e23-link" href="#c3574293-f171-4e27-b9fd-4bfda16f3e23">12</a></sup> Letztlich stehen alle philosophischen und geistigen Ansprüche des Menschen, außerhalb der Gottesbeziehung Lösungen zu suchen, im Dienste dieser ursprünglichen Autonomiebewegung. Sie enthalten aber auch gleichzeitig die Aussage, dass der Zugang zum wahren Leben versperrt ist. Es kann kein vom Menschen erdachtes oder erschaffenes Paradies geben!</p>



<p>2) Sünde wird biblisch als Gesetzlosigkeit beschrieben.<sup data-fn="5c2e6f7d-5b8d-425b-936a-e87789f93eec" class="fn"><a id="5c2e6f7d-5b8d-425b-936a-e87789f93eec-link" href="#5c2e6f7d-5b8d-425b-936a-e87789f93eec">13</a></sup> Das Gesetz als Ausdruck des Willens Gottes sowie seines Charakters, seiner Überzeugungen, ist für den Menschen, der in seinem Bild geschaffen ist, immer gut und richtig. Die Bibel vertritt deshalb keine Situationsethik; es gibt lediglich situative Anpassungen, die einem pädagogischen Handeln Gottes entsprechen, aber keine Normverletzungen zum Maßstab machen.<sup data-fn="8fa759fc-ec2c-41ee-bad9-008201e97cb3" class="fn"><a id="8fa759fc-ec2c-41ee-bad9-008201e97cb3-link" href="#8fa759fc-ec2c-41ee-bad9-008201e97cb3">14</a></sup> Sünde ist mangelnde Übereinstimmung mit dem guten Willen Gottes. Der Mensch ist ein Gesetzesübertreter. Deshalb dürfen die ethischen Aspekte aller Arten von Problemlösungen nicht ausgeklammert werden.</p>



<p>3) Die Folgen der Sünde führen für alle Nachkommen Adams zu einer neuen Seinsbestimmung.<sup data-fn="471a783b-c8d2-41c8-b55c-cefc8635a20d" class="fn"><a id="471a783b-c8d2-41c8-b55c-cefc8635a20d-link" href="#471a783b-c8d2-41c8-b55c-cefc8635a20d">15</a></sup> Er lebt in einem „Sein zum Tode“. Der Mensch als solcher ist schuldig und ererbt eine sündige Natur, die ihn nicht mehr fähig macht, nicht zu sündigen („non posse non peccare“)<sup data-fn="d29118bb-98cf-4d42-83a8-45077aaf424a" class="fn"><a id="d29118bb-98cf-4d42-83a8-45077aaf424a-link" href="#d29118bb-98cf-4d42-83a8-45077aaf424a">16</a></sup>. Die Sünden, die der Mensch begeht, betreffen nicht nur seine Beziehung zu Gott (genauso wenig wie nur sein Geist etwas mit seiner Beziehung zu Gott zu tun hat), sondern auch alle anderen Beziehungsebenen (zu den Mitmenschen, zur Schöpfung, zu sich selbst, zu seiner Geschlechtlichkeit).</p>



<p>Daraus ergibt sich unter anderem: Die Sünde, in der der Mensch gefangen ist, ist nicht wirklich nur ein angelerntes Fehlverhalten, das durch Lernprozesse wieder rückgängig gemacht werden kann.<sup data-fn="1f35dd46-0de5-4ce9-a760-a7e79afd199f" class="fn"><a id="1f35dd46-0de5-4ce9-a760-a7e79afd199f-link" href="#1f35dd46-0de5-4ce9-a760-a7e79afd199f">17</a></sup> Unterschiedliche Dimensionen von Fehlverhalten, Denkfehlern, Willens­problemen und Gefühlskonflikten lassen sich im Wesentlichen durch die vielfältigen Schattierungen und graduellen Erweiterungsmöglichkeiten dieses „Seins zum Tode“ erklären. Es gibt durchaus ein Mehr oder ein Weniger an Sünde auf der horizontalen Ebene. Kain steigerte den Abfall von Gott, indem er seinen Bruder umbrachte.<sup data-fn="b97ee1b9-b03a-42c6-b19b-85e078d708f1" class="fn"><a id="b97ee1b9-b03a-42c6-b19b-85e078d708f1-link" href="#b97ee1b9-b03a-42c6-b19b-85e078d708f1">18</a></sup></p>



<h3 class="wp-block-heading">Fazit</h3>



<p>Mit dem Sündenfall ging nicht die Gottesebenbildlichkeit des Menschen an sich verloren. Das bedeutet, dass der an den Menschen gerichtete Anspruch, dieses Bild Gottes widerzuspiegeln, nicht aufgehört hat; der Mensch wurde kein Tier, er blieb Mensch in seiner Wesensbestimmung! Gleichzeitig ist aber nichts übrig im Menschen, was noch als heil oder ganz gesehen werden kann. Der Mensch als Ganzes ist ein Sünder, ein Feind Gottes, der sich nicht unter Gottes Ordnung stellen will.<sup data-fn="a1af2efc-dad6-463b-bba0-e1137f488caf" class="fn"><a id="a1af2efc-dad6-463b-bba0-e1137f488caf-link" href="#a1af2efc-dad6-463b-bba0-e1137f488caf">19</a></sup> Jeder Anspruch, sich und die Welt ohne Anerkennung des Schöpfers heilen zu wollen, ist ein Versuch, diesem Dilemma zu entkommen. Aber der Mensch verlor die vitale Beziehung zu seinem Schöpfer und damit auch das Recht, sein Repräsentant auf Erden zu sein. Gott selber nahm aber den Schöpfungsakt nicht zurück, sondern hielt an dieser Vorgabe fest, den Menschen zu seinem Verwalter auf Erden zu machen. Er stellte den Menschen aber unter die Vorschatten des Gerichts. D.h., er ließ auch den gefallenen Menschen unter neuen Bedingungen in dieser Verantwortung. Die Nachkommen Adams widerspiegelten dieses gebrochene Bild; sie waren im Bild Adams als des gefallenen Menschen.<sup data-fn="499ec43c-7761-4fa1-bfae-69d3abfcca28" class="fn"><a id="499ec43c-7761-4fa1-bfae-69d3abfcca28-link" href="#499ec43c-7761-4fa1-bfae-69d3abfcca28">20</a></sup> Der dreifache Tod des Menschen (geistlich, Beginn des physischen Todes und ewig)<sup data-fn="5bb68f22-0100-44df-8d69-1146b2fba38b" class="fn"><a id="5bb68f22-0100-44df-8d69-1146b2fba38b-link" href="#5bb68f22-0100-44df-8d69-1146b2fba38b">21</a></sup> zeigt, dass der Mensch unter dem Gericht Gottes lebt. Gott traf einige Maßnahmen, die dem Menschen helfen sollen, sich dieser Situation bewusst zu werden und dadurch daran erinnert zu werden, dass er nicht in einer idealen Welt, sondern einer Welt, die diesem Unheilszustand Rechnung trägt, leben muss. Aus dieser Situation der Unvollkommenheit, die nicht mit dem ursprünglichen Willen Gottes übereinstimmt, ergeben sich viele Ansätze um den Auftrag, hier und heute Hilfe für den ganzen Menschen zu bieten, richtig einzuordnen. Zentral bleibt festzuhalten, dass der Mensch sich selbst nicht wirklich helfen kann. Unordnung und Leiden, Todesverfallenheit und damit verbundene Krankheit, sind immer auch ein Ruf, zu dem Ursprung und Schöpfer aller Dinge zurück zu kehren. Dieser Ruf darf nicht durch säkularisierte Heilungsversprechen oder anthropozentrierte Ersatzmaßnahmen außer Kraft gesetzt werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">3. Der neue Mensch</h2>



<p>Auch die Heilsabsicht Gottes zielt auf den ganzen Menschen. <sup data-fn="da4ed046-68c6-4e18-9e5b-ab21930b2b93" class="fn"><a id="da4ed046-68c6-4e18-9e5b-ab21930b2b93-link" href="#da4ed046-68c6-4e18-9e5b-ab21930b2b93">22</a></sup> Als Jesus dokumentierte, dass das messianische Zeitalter mit seinem Kommen angebrochen war, zeigte er dies durch das Heilen und Befreien der Menschen in einem umfassenden Sinn<sup data-fn="34de1e74-dca0-44fc-82f8-13f206511510" class="fn"><a id="34de1e74-dca0-44fc-82f8-13f206511510-link" href="#34de1e74-dca0-44fc-82f8-13f206511510">23</a></sup> und bewies dadurch seine messianische Sendung: der Messias wird die Schöpfung erneuern – und er fängt bei seinem direkten „Ansprechpartner“ bezüglich seiner Schöpfung an, dem Menschen. Dieser muss allerdings ganz neu und von Grund auf seinen Bezug zum Schöpfer wieder finden.</p>



<p>Allerdings ist der erste Schritt dazu nicht primär die leibliche, sondern die geistliche Zurechtbringung.<sup data-fn="aa94208b-06c2-4504-9913-692262c54019" class="fn"><a id="aa94208b-06c2-4504-9913-692262c54019-link" href="#aa94208b-06c2-4504-9913-692262c54019">24</a></sup> Es gibt ein Primat der geistbezogenen Gottesbeziehung, die aber nicht mit einer Abwertung oder Verachtung der leiblichen Existenz einher geht.<sup data-fn="da3e19a5-f47d-42b9-863e-a917a62412c3" class="fn"><a id="da3e19a5-f47d-42b9-863e-a917a62412c3-link" href="#da3e19a5-f47d-42b9-863e-a917a62412c3">25</a></sup> Der Körper und auch das Innere des Menschen – Verstand, Wille, Gefühl, Motivation etc. – werden dabei nicht von einer geistlichen Bedeutung des Menschen abgekoppelt oder könnten eine unabhängige Behandlung erfahren.<sup data-fn="16d8c2d0-4925-44fb-95bc-57df3335ea39" class="fn"><a id="16d8c2d0-4925-44fb-95bc-57df3335ea39-link" href="#16d8c2d0-4925-44fb-95bc-57df3335ea39">26</a></sup></p>



<p>Die Bibel spaltet die Wirklichkeit nicht in einen Bereich auf, der Gott entzogen ist und einen, zu dem Gott Zugang hat. Vielmehr ist er der Herr der ganzen Erde, die er dann auch zu seiner Zeit erneuern wird.<sup data-fn="1813369e-2b64-437e-8b87-902f3d1ba43e" class="fn"><a id="1813369e-2b64-437e-8b87-902f3d1ba43e-link" href="#1813369e-2b64-437e-8b87-902f3d1ba43e">27</a></sup> Für die Gegenwart gilt: Begrenzungen, Einschränkungen, Erfahrung von Leid und Schmerz, werden nicht glorifiziert („Märtyrerkomplex“), müssen aber trotzdem als etwas gesehen werden, was auch geduldet und getragen werden muss und nicht einfach immer überwunden werden kann. Partielle Heilung, Hilfe ist möglich, das Tragen der Last, das Vermitteln der Barmherzigkeit Gottes steht nicht im Widerspruch zu der Aussage, dass wir in einer gefallenen Situation leben. Es ist nur wichtig, dass der Prozess der Veränderung wiederum nicht eine Sache säkularer Heilungsmethoden sein kann, wenn es um die geist-seelisch-leibliche Einheit des Menschen geht. Der Christ hat vielmehr die Sicht, dass sein Menschsein bereits im Hier und Heute auf die neue Schöpfung Gottes angelegt ist.</p>



<p>Diesem Anspruch, diesem Auftrag, kann und darf sich der Seelsorger im Gegensatz zu einem auf die Immanenz angelegten Therapeuten an keiner Stelle entziehen. Er teilt seine Existenz nicht auf, genauso wenig wie der Chirurg den Menschen, den er vor sich sieht, nur als „Lunge“ oder als „Hüftgelenk“ wahrnehmen sollte (wenn dies auch im Sprachgebrauch der OPs manchmal so scheinen mag). Das heißt nicht, dass es nicht methodische Zwischenwege geben könnte. Sie dürfen aber keine Eigendynamik entfalten und als methodisches Gesetz kein Korsett für das souveräne Handeln Gottes darstellen. Nach biblischem Verständnis dient der Leib schon jetzt dazu, mit der geistig-seelischen Erneuerung konform zu gehen, auch wenn er ein unvollkommenes „Werkzeug“ ist. Der Widerspruch zwischen sterblicher Existenz und dem Wissen um das ewige Leben, wird schmerzlich erfahren, aber auch als große Herausforderung für die praktische Heiligung <sup data-fn="83b1ad04-cbdf-4043-add1-58c2919f3c3b" class="fn"><a id="83b1ad04-cbdf-4043-add1-58c2919f3c3b-link" href="#83b1ad04-cbdf-4043-add1-58c2919f3c3b">28</a></sup> gesehen. Dazu dient der einzig vollkommene Mensch, der in der Geschichte aufgetreten ist, das ist Christus, als Maßstab.</p>



<p>Er ist aber auch der Inhalt dieser Erneuerung: Der Christ ist ein Mensch, der sich analog zur Person Christi entfaltet, weil Christus zuerst Herr der Gemeinde ist, dann aber auch Herr der ganzen Schöpfung. Dies spiegelt sich in der Art und Weise wider, wie alle Lebensbereiche und -bezüge auf Christus hin angelegt sind.<sup data-fn="71acb039-5768-4b8f-b1fc-73be4a22c1b9" class="fn"><a id="71acb039-5768-4b8f-b1fc-73be4a22c1b9-link" href="#71acb039-5768-4b8f-b1fc-73be4a22c1b9">29</a></sup> Das Bild Gottes im Menschen, der Mensch als im Bild Gottes geschaffen, wird nicht „an sich“ wiederhergestellt, sondern als Neuschöpfung in Christus.<sup data-fn="5fad5185-fbca-4505-ad8f-86bdfaaad2dc" class="fn"><a id="5fad5185-fbca-4505-ad8f-86bdfaaad2dc-link" href="#5fad5185-fbca-4505-ad8f-86bdfaaad2dc">30</a></sup> Der Römerbrief im 5. Kapitel thematisiert die Abhängigkeit des natürlichen Menschen von diesem ersten Menschen, Adam, und weist auf die Abhängigkeit der neuen, erlösten Menschennatur, den zweiten Adam hin. Entsprechend wird für die christliche Seelsorge ein völlig neuer Zusammenhang sichtbar: Der Mensch „in Christus“ ist ein konkretes Gegenüber, keine rein „spirituelle“ Angelegenheit. Paulus bezieht das auf seinen gesamten Dienst und seinen Umgang mit den Menschen, die nicht mehr nach ihrer natürlichen, von Gott losgelösten Voraussetzungen verstanden werden, sondern aus dem Dienst der Versöhnung heraus, den Gott selbst eingeleitet hat.<sup data-fn="37f07e66-275d-42dc-8ef0-7f99f5249318" class="fn"><a id="37f07e66-275d-42dc-8ef0-7f99f5249318-link" href="#37f07e66-275d-42dc-8ef0-7f99f5249318">31</a></sup></p>



<p>Aus all diesem folgt, dass der Mensch, dessen „Seele“ gesund werden soll, aus biblischer Sicht in allen Phasen, in denen er sich befindet, diesem Prozess untergeordnet werden müsste. Nicht der Seelsorger sorgt sich um die Seele des Menschen, sondern er vermittelt die Zusammenhänge der gebrochenen Existenz des Menschen auf verständliche Art und Weise, so dass sowohl in der Diagnostik als auch bei der Hilfestellung der Zugang Gottes zum Herzen des Ratsuchenden nicht versperrt wird. Mit anderen Worten, dem Wort Gottes Raum zu geben, dass es gehört, verstanden und angenommen wird, ist die oberste Priorität, will man den Menschen als ein im besten biblischen Sinn „geistliches Gegenüber“ nicht verlieren.</p>



<p>Eine humanistische, säkularistische oder anthropozentrische Sicht vom Menschen, die den Menschen als ein entwicklungsfähiges, steuerbares Wesen zeigt, unternimmt dagegen den Versuch, aufgrund einzelner Erfahrungsaspekte einen Weg zu zeigen, wie die Folgen des Sündenfalls teilweise aufgehoben werden können. Der biblisch motivierte Seelsorger weiß um die Begrenztheit aller menschlichen Hilfe und wird sowohl das Wort als auch die Diakonie (dazu gehört auch der Bereich der Humanmedizin) in den Dienst dieses Auftrags stellen wollen. Lebenserleichterung und -hilfe haben keinen Selbstzweckcharakter, sondern sind Zeugnis von der umfassenden Fürsorge Gottes für den Menschen. Leiden, auch schwerere geistig-seelische Störungen sind eine Anfrage, wie und wo der Gott des Lebens eingreifen kann und bringen den Schrei nach umfassender Erlösung mit sich. Wann und wo nun praktische Hilfen, Aufklärung, Trost, Rat, Ermutigung zu geben sind, das alles wird zunächst durch den schöpfungsbezogenen und heilsgeschichtlichen Bezug vorgegeben und kann mit Erfahrungswissen und Einsicht in somatische und innerseelische Zusammenhänge<sup data-fn="db5425a3-e593-4cd0-82d8-4e02b66c092c" class="fn"><a id="db5425a3-e593-4cd0-82d8-4e02b66c092c-link" href="#db5425a3-e593-4cd0-82d8-4e02b66c092c">32</a></sup> verbunden werden.</p>



<p></p>


<ol class="wp-block-footnotes"><li id="59dc6e96-6e0b-442d-b008-9eb6018855c3">vgl. S. Külling, fundamentum 3/82, SS. 5-6 <a href="#59dc6e96-6e0b-442d-b008-9eb6018855c3-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 1 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="a43064c0-195c-444b-9bd5-9f94a66a1f5e">1.Mo. 5,3 ist von der Ähnlichkeit und Abbildlichkeit Seths gegenüber Adam die Rede. Hier werden beide Begriffe umgekehrt verwendet. <a href="#a43064c0-195c-444b-9bd5-9f94a66a1f5e-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 2 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="0e1b9e55-f4ba-4f8d-b083-dbcf427ccfc3">1.Mo. 9, 6; 1.Kor. 11,7; Jak.3,9; Apg. 17,28 <a href="#0e1b9e55-f4ba-4f8d-b083-dbcf427ccfc3-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 3 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="e36a5409-2bfc-4969-aafc-3ee9bc945734">s. z.B. 1.Kor. 15,44: der Körper kann – eschatologisch – zu einem ‚geistlichen Leib’ umgestaltet werden <a href="#e36a5409-2bfc-4969-aafc-3ee9bc945734-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 4 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="e97c2732-778b-4a07-95a2-f261b1f31cfa">1.Mo. 9,6; Jak. 3,9 <a href="#e97c2732-778b-4a07-95a2-f261b1f31cfa-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 5 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="842b3f28-2ee4-4ddd-ad22-e5b51fe6716a">Spr. 20,27: Der Geist des Menschen ist eine Leuchte des HERRN, durchforscht alle Kammern des Leibes,<br>vgl. Joh. 4,24; Röm. 8,16; 1.Kor. 2,10-13 <a href="#842b3f28-2ee4-4ddd-ad22-e5b51fe6716a-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 6 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="5e6af464-daf7-41db-a589-a0eb501be92b">Thomas Schirrmacher zeigt in seiner Ethik (Bd.1, Hänssler-Verlag, Neuhausen-Stuttgart, 1994, S. 36-37) auf, dass nach Röm. 1,20-23.25 der Mensch „Gott nicht die Verehrung verweigern“ kann, „indem er sich auf neutrales Gebiet zurückzieht, sondern nur, indem er an die Stelle des Schöpfers etwas anderes stellt, das er verehrt.“ <a href="#5e6af464-daf7-41db-a589-a0eb501be92b-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 7 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="2af7fc7d-8580-4950-a0d1-c7d0162095c0">1.Mo. 3,9; vgl. 4,9 <a href="#2af7fc7d-8580-4950-a0d1-c7d0162095c0-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 8 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="fb24536b-09e6-4233-9a49-8ff5ace4af92">Kettling, Siegfried: Wer bist du, Adam? Brockhaus-Verlag, Wuppertal 1979<sup>2</sup> <a href="#fb24536b-09e6-4233-9a49-8ff5ace4af92-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 9 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="12c83532-6e3b-464d-a3da-c990974d49ce">1.Mo. 3 <a href="#12c83532-6e3b-464d-a3da-c990974d49ce-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 10 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="79220af4-dc71-4e13-8c14-56942e52d277">So S. Külling, Genesis 18.Teil, fundamentum 2/1985, S. 11 <a href="#79220af4-dc71-4e13-8c14-56942e52d277-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 11 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="c3574293-f171-4e27-b9fd-4bfda16f3e23">s. 1.Mo. 3,22, wo Gott tatsächlich sagt, dass der Mensch geworden ist „wie unsereiner“. Aber ihm wird<br>gleichzeitig die Möglichkeit genommen, am „Baum des Lebens“ Anteil zu haben. <a href="#c3574293-f171-4e27-b9fd-4bfda16f3e23-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 12 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="5c2e6f7d-5b8d-425b-936a-e87789f93eec">Joh. 3,4; Jak. 2,9-10; Röm. 2,12-14; Röm. 4,15 <a href="#5c2e6f7d-5b8d-425b-936a-e87789f93eec-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 13 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="8fa759fc-ec2c-41ee-bad9-008201e97cb3">Ein Beispiel wäre die im Alten Testament teilweise tolerierte Polygamie, die aber niemals zur Norm erklärt<br>wurde. Jesus macht deutlich, dass der ursprüngliche Gesetzeswille hinsichtlich der Ehe in der Schöpfungsgeschichte zu suchen ist (Matth. 19,3-9). <a href="#8fa759fc-ec2c-41ee-bad9-008201e97cb3-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 14 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="471a783b-c8d2-41c8-b55c-cefc8635a20d">Röm 5,12 Deshalb, wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und der Tod durch die<br>Sünde, so ist der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben. <a href="#471a783b-c8d2-41c8-b55c-cefc8635a20d-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 15 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="d29118bb-98cf-4d42-83a8-45077aaf424a">Hiob 4,14; Jer. 17,9; Jes. 6,5; Röm. 8,5-8; Eph. 4,17-19 <a href="#d29118bb-98cf-4d42-83a8-45077aaf424a-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 16 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="1f35dd46-0de5-4ce9-a760-a7e79afd199f">Thomas Schirrmacher meint in seiner Ethik I (a.a.O., S.38): „Der Gedanke, dass man den Menschen durch<br>Bildung verbessern und die Übel der Menschheit durch intellektuelle Aufklärung beseitigen könne, ist eines der Grundprobleme der griechischen Philosophie, des Humanismus und der Aufklärung.“ <a href="#1f35dd46-0de5-4ce9-a760-a7e79afd199f-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 17 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="b97ee1b9-b03a-42c6-b19b-85e078d708f1">1Jo 3,12: nicht wie Kain, der von dem Bösen stammte und seinen Bruder umbrachte. Und warum brachte er ihn um? Weil seine Werke böse waren und die seines Bruders gerecht. <a href="#b97ee1b9-b03a-42c6-b19b-85e078d708f1-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 18 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="a1af2efc-dad6-463b-bba0-e1137f488caf">S. Jer. 17,9 <a href="#a1af2efc-dad6-463b-bba0-e1137f488caf-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 19 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="499ec43c-7761-4fa1-bfae-69d3abfcca28">1.Mo. 3,17-19; 5,1-4 <a href="#499ec43c-7761-4fa1-bfae-69d3abfcca28-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 20 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="5bb68f22-0100-44df-8d69-1146b2fba38b">Mo. 2,17; 1.Mo. 3,22-24; Röm. 5,12; 1.Kor. 15,21; Offenb. 21,8 <a href="#5bb68f22-0100-44df-8d69-1146b2fba38b-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 21 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="da4ed046-68c6-4e18-9e5b-ab21930b2b93">1.Thess. 5,23: „Gott…heilige euch völlig..Möge euer Geist, Seele und Leib untadelig bewahrt werden…“ <a href="#da4ed046-68c6-4e18-9e5b-ab21930b2b93-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 22 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="34de1e74-dca0-44fc-82f8-13f206511510">Luk. 4,18, zit. Jes. 42,7 <a href="#34de1e74-dca0-44fc-82f8-13f206511510-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 23 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="aa94208b-06c2-4504-9913-692262c54019">Röm. 8,23 spricht von der „Erstlingsgabe des Geistes“ während Christen dann umso klarer wissen, dass sie auf die „Erlösung des Leibes“ warten können. <a href="#aa94208b-06c2-4504-9913-692262c54019-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 24 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="da3e19a5-f47d-42b9-863e-a917a62412c3">2.Kor. 4,16 unterscheidet Paulus den „äußeren“ und den „inneren“ Menschen, wobei er die Leidenserfahrung des ersteren mit der Erneuerungserfahrung des letzteren in Beziehung setzt. <a href="#da3e19a5-f47d-42b9-863e-a917a62412c3-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 25 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="16d8c2d0-4925-44fb-95bc-57df3335ea39">S. hierzu die Ausführungen von Roland Antholzer zum Thema Dichotomie-Trichotomie an späterer Stelle <a href="#16d8c2d0-4925-44fb-95bc-57df3335ea39-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 26 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="1813369e-2b64-437e-8b87-902f3d1ba43e">Ps. 47,3; Sach. 14,9. Dabei gilt sicher, dass der Leib ebenso wie diese irdische Schöpfung durchaus eine<br>Sonderstellung einnimmt: er wird als letztes erlöst und muss sich bis zu seiner Neuschöpfung mit vorläufigen Lösungen zufrieden geben. An dieser Stelle ist auch die medizinische Wissenschaft gefordert, ebenso wie der Staat eine Bedeutung hat für das Gemeinwohl und die Erhaltung der Erde. Dies zu erörtern würde den Rahmen hier sprengen. <a href="#1813369e-2b64-437e-8b87-902f3d1ba43e-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 27 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="83b1ad04-cbdf-4043-add1-58c2919f3c3b">Unter dem Begriff der Heiligung versteht die Bibel den Prozess des Einswerdens mit Christus auch in der<br>praktisch-lebensbezogenen, zeitlichen Existenz (s. z.B. Röm. 6,11-13 „…stellt eure Glieder nicht der Sünde zur Verfügung… sondern stellt euch Gott zur Verfügung.. als Lebende“ ). Der bereits gerechtfertigte kann diese Aufforderung als Konsequenz seines geschenkten neuen Seins in Christus verstehen. <a href="#83b1ad04-cbdf-4043-add1-58c2919f3c3b-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 28 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="71acb039-5768-4b8f-b1fc-73be4a22c1b9">Eph. 4,15 macht diesen Zusammenhang exemplarisch deutlich: „in Wahrheit reden“ hat damit zu tun, dass das „Haupt“ Christus, die Mitte und das Ziel der Gemeinde ist. Aktuelle Veränderungen in der Struktur des Denkens und der Kommunikation sind also nicht technische Veränderungen oder gelernte Verhaltensweisen, sondern entsprechen der begonnenen Neuschöpfung des Menschen in Christus. Dazu dienen die auf praktische Veränderung zielenden Forderungen des Neuen Testaments, die keine neue Gesetzlichkeit vermitteln, sondern im Rahmen der heilsstiftenden Erneuerung der Herrschaft Christi zu sehen sind. <a href="#71acb039-5768-4b8f-b1fc-73be4a22c1b9-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 29 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="5fad5185-fbca-4505-ad8f-86bdfaaad2dc">Der Zusammenhang zwischen Kol. 3,10 (vgl. Eph. 4,24), wo das Bild des „Anziehens“ des „neuen Menschen“<br>verwendet wird und seine ähnliche Formulierung mit Gal. 3,27, wo dieser Mensch Christus selbst ist, lässt darauf schließen, dass es dem Apostel Paulus darum geht, die Wiederherstellung des Bildes Gottes im Menschen ganz und gar christologisch zu deuten: Christus ist der neue Mensch und die Erneuerung des Menschen kann nur Christusähnlichkeit bedeuten. <a href="#5fad5185-fbca-4505-ad8f-86bdfaaad2dc-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 30 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="37f07e66-275d-42dc-8ef0-7f99f5249318">2.Kor. 5,15-18: „…daher kennen wir niemand mehr nach dem Fleisch….wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung..“ <a href="#37f07e66-275d-42dc-8ef0-7f99f5249318-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 31 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="db5425a3-e593-4cd0-82d8-4e02b66c092c">Roland Antholzer: „Geist, Seele, Leib – der Mensch in seiner Beschaffenheit“, S. 3: Die Bedeutung des<br>dichotomen Menschenbildes für die Seelsorge. <a href="#db5425a3-e593-4cd0-82d8-4e02b66c092c-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 32 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li></ol><p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://kfg.org/2024/aspekte-biblischer-anthropologie-fuer-eine-bibelorientierte-seelsorge/">Aspekte biblischer Anthropologie für eine bibelorientierte Seelsorge</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://kfg.org">KfG  -`✞´-  Konferenz für Gemeindegründung</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Psychopharmaka – Segen oder Fluch?</title>
		<link>https://kfg.org/2024/psychopharmaka-segen-oder-fluch/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. Martin Schumacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 Apr 2024 14:01:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Seelsorge]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kfg.org/?p=18160</guid>

					<description><![CDATA[<p>Eine der häufigsten psychiatrischen<br />
Diagnosen ist eine Depression. Auch<br />
hier können sehr unterschiedliche<br />
Ursachen die gleiche Symptomatik<br />
hervorrufen. In der Praxis werden jedoch meist keine weiteren medizinischen Abklärungen durchgeführt und in der Regel alle Patienten mit einem Antidepressivum behandelt.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Psychopharmaka werden vor allem von Christen sehr kontrovers beurteilt. Die einen sehen in ihnen einen Segen, die anderen bezeichnen sie als „Teufelszeug“, das man auf keinen Fall einnehmen sollte. Dieser Artikel hat das Ziel, Hinweise für ein besseres Verständnis und eine angemessene Beur-teilung von Psychopharmaka zu geben. Dabei sollen auch praktische Hinweise für Interessierte und Betroffene nicht zu kurz kommen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was sind Psychopharmaka?</h2>



<p>Psychopharmaka (im Folgenden mit PP abgekürzt) sind ganz allgemein Stoffe (Chemikalien oder Pflanzenextrakte), die eine erwünschte Wirkung auf die Psyche ausüben. In Wikipedia findet sich folgende Definition: „Ein Psychopharmakon (Plural: Psychopharmaka) ist eine psychoaktive Substanz, die als Arzneistoff genutzt wird. Sie beeinflusst die neuronalen Abläufe im Gehirn und bewirkt dadurch eine Veränderung der psychischen Verfassung.“ Alle PP sind chemische Substanzen, die als solche völlig wertneutral sind. Die Unterscheidung zwischen ärztlich verordneten PP und „Drogen“ (z. B. Heroin, Kokain, Methylamphetamin/Crack) ist aus pharmakologischer Sicht willkürlich und behörd-lichen Entscheidungen geschuldet. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass aus pharmakologischer Sicht kein prinzipieller Unterschied zwischen Medikamenten (Ritalin®, Attentin® und Elvanse®) zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und Rauschdrogen wie Methamphetamin (Meth, Crystal) und Kokain besteht. Auch die altbekannte halluzinogene Rauschdroge Ketamin wird neuerdings zur Behandlung therapieresistenter Depressionen eingesetzt (Ketalar®, Ketanest S®). Bereits in der Antike wurden pflanzliche Substanzen wie Opium, Kokain, Cannabis oder auch Alkohol zur medizinischen Beeinflussung der Psyche eingesetzt. Mit dem Aufkommen der organisch-chemischen Industrie im 19. Jahrhundert wurden ab etwa 1870 die ersten synthetischen PP hergestellt und in der Medizin eingesetzt. In den 30er und 40er-Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelte man die Psychostimulanzien Amphetamin und Methyphenidat (Ritalin®). Im Jahr 1949 entdeckten Forscher die antimanische Wirkung von Lithiumsalzen. Die beiden Jahrzehnte zwischen 1950 und 1970 werden als „goldenes Zeitalter“ der Psychopharmakologie bezeichnet. In diesen Jahren wurde eine ganze Reihe völlig neuer psychoaktiver Wirkstoffe zur Behandlung von Psychosen, Depressionen und Angstzuständen entdeckt, die die therapeutischen Möglichkeiten der Psychiatrie revolutionierten.</p>



<p>Der Einsatz von Substanzen zur Beeinflussung der Psyche hat eine sehr lange Tradition. Seit den 1950er-Jahren, mit der Entdeckung der Neuroleptika, Antidepressiva und Benzodiazepine (z. B. Valium®), hat die Anwendung dieser modernen PP explosionsartig zugenommen. Allerdings wurden in den letzten 50 Jahren keine wirklich neuen PP entwickelt. Vielmehr sind die älteren Präparate den neueren in ihrer Wirksamkeit oft überlegen. Die neusten Entwicklungen auf diesem Gebiet mit der erfolgten Zulassung von Ketamin/Esketamin und dem Trend zum Einsatz von Ecstasy, Psilocybin und anderen Halluzinogenen zur Behandlung von psychischen Störungen, ist besorgniserregend.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wie sieht die Verschreibungspraxis von Psychopharmaka aus?</h2>



<p>Im Jahr 2021 wurden in der Bundesrepublik Deutschland 2,5 Milliarden Tagesdosen PP verordnet (Ludwig 2023). Gemessen an der Zahl der Verordnungen (Rezepte) in der BRD standen PP im selben Jahr an 3. Stelle. Diese Zahlen weisen auf ein gravierendes Problem hin. Wenn man bedenkt, dass es vor 1950 nur sehr wenige Verordnungen von PP gab (alle wichtigen PP wurden erst später entdeckt und auf den Markt gebracht), wird der rasante Aufstieg dieser Medikamente deutlich. Der Anstieg der Verschreibungszahlen ist bis heute ungebrochen. An der Spitze stehen die Antidepressiva. Die Zahl der Tagesdosen dieser Medikamente hat sich in den letzten 40 Jahren mehr als verzehnfacht.</p>



<p>Wie lässt sich dieser hohe Gebrauch von PP erklären? Hier spielen mehrere Faktoren eine wichtige Rolle. </p>



<p>1. Mit der Entdeckung der modernen PP und Neurotransmitter (Botenstoffe des Nervensystems) begann der Niedergang des psychodynamischen Verständnisses psychischer Störungen, das davon ausging, dass diese Störungen durch psychische Faktoren verursacht werden, und wurde durch ein biologisches Modell ersetzt. Unter der Annahme, dass biologische Faktoren (z. B. Neuro-transmitter-Ungleichgewichte) die eigentliche Ursache psychischer Probleme sind, ist eine Therapie mit chemischen Substanzen, die diese postulierten Ungleichgewichte korrigieren, verständlich.</p>



<p>2. Darüber hinaus wird bei immer mehr Menschen eine psychische Störung diagnostiziert. Die Grenzen zwischen „normal“ und „krank“ verschwimmen zunehmend, neue Diagnosen kommen hinzu und damit steigt zwangsläufig auch die Zahl der Menschen mit psychischen Störungen (Frances 2014). Früher als normal angesehene Charaktereigenschaften wie Schüchternheit oder Ängstlichkeit und verständliche psychische Reaktionen auf Probleme des Lebens werden heute zunehmend pathologisiert und häufig medikamentös behandelt. Die offiziellen Verzeichnisse psychischer Störungen (ICD-10 und DSM-5) enthalten mittlerweile über 400 verschiedene Einträge. Eine psychische Beeinträchtigung wird in erster Linie durch das Vorliegen mehrerer Symptome definiert. Da die Symptome jedoch nicht spezifisch sind und ein und dasselbe Symptom häufig für mehrere verschiedene Störungen aufgeführt wird, führt dies leicht zu einer „Multimorbidität“, d. h. zur gleichzeitigen Diagnose mehrerer psychischer Störungen, die in der Regel jeweils mit einem anderen Psychopharmakon behandelt werden. So kann es leicht vorkommen, dass eine Person mit den Diagnosen Schizophrenie, Depression und Ängsten drei oder mehr verschiedene PP verschrieben bekommt, obwohl es sich in Wirklichkeit nur um Symptome eines einzigen Problems handelt. Häufig erhalten auch Patienten mit nur einer psychiatrischen Diagnose gleichzeitig mehrere PP. Diese „Polypharmazie“ ist ein Merkmal der modernen psychiatrischen Praxis, das es zu vermeiden gilt. </p>



<p>3. Darüber hinaus tragen auch Veränderungen in der modernen Gesellschaft und im persönlichen Lebensstil dazu bei, dass immer mehr Menschen psychische Probleme haben. Moderne Antidepressiva und Neuroleptika werden nicht mehr nur bei Depressionen oder Psychosen eingesetzt, sondern auch bei ganz anderen Indikationen wie Ängsten, Zwängen, Persönlichkeitsstörungen, Schlafproblemen, Demenz und vielem mehr. Professor Bschor nennt in seinem Buch 20 Gründe für die hohen Verschreibungszahlen von PP, insbesondere von Antidepressiva (Bschor 2018).</p>



<p>Besonders gefährdete Patientengruppen, bei denen PP eingesetzt werden, sind Kinder, Jugendliche und ältere Menschen. Hier ist Vorsicht und Zurückhaltung geboten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Hypothesen über die Ursachen psychischer Störungen </h2>



<p>Die ersten synthetischen PP wurden alle durch Zufall entdeckt. Die Erforschung der Wirkmechanismen von Antidepressiva und Neuroleptika erhielt durch die Entdeckung der Neurotransmitter einen starken Auftrieb. Bald darauf stellte man erste Hypothesen über die biochemischen Ursachen psychischer Störungen auf. Diese basieren auf den pharmakologischen Wirkmechanismen der PP und gehen davon aus, dass sich dadurch die zugrunde liegende biologische Fehlfunktion der psychischen Störung erklären lassen. Die Serotonin-Hypothese der Depression besagt, die Ursache einer Depression liege in einem Mangel des Neurotransmitters Serotonin im synaptischen Spalt, dem Hohlraum zwischen den Enden zweier Nervenzellen. Andere Forscher haben anstelle eines Serotoninmangels den Mangel eines anderen Neurotransmitters, des Noradrenalins, als Ursache von Depressionen vorgeschlagen.</p>



<p>Die Dopamin-Hypothese der Schizophrenie besagt, dass Schizophrenie durch einen Überschuss (bzw. eine Überaktivität) des Neurotransmitters Dopamin verursacht wird. Diese Hypothesen sind attraktiv, weil sie auf elegante Weise die postulierten Ursachen psychischer Störungen mit deren Behebung oder Korrektur verbinden. Sie werden auch heute noch herangezogen, um Betroffenen und Angehörigen die Ursache ihrer Probleme und die Wirkungsweise von PP zu erklären. Häufig wird ein Vergleich mit der Zuckerkrankheit (Insulinmangel bzw. Insulinresistenz) und deren Behandlung durch Insulinspritzen angeführt. Dort gleicht man einen offensichtlichen Mangel durch die Verabreichung des fehlenden natürlichen Hormons Insulin aus. Ein Vergleich mit den oben genannten Neuro-transmitter-Hypothesen ist jedoch nicht zulässig. Was für Diabetes und seine Behandlung gilt, trifft auf psychische Störungen nicht zu.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Depression: Die Serotoninmangel-Hypothese</h2>



<p>Es gibt eine ganze Reihe von Beobachtungen und Fakten, die den beiden genannten Hypothesen widersprechen, und sie wurden auch nie wissenschaftlich bewiesen. Der bekannte deutsche Psychiatrieprofessor und Depressionsexperte Tom Bschor bezeichnet die Serotonin-Hypothese der Depression als „das Märchen vom Serotoninmangel“. Die tatsächlichen Ursachen psychischer Störungen sind offensichtlich wesentlich komplexer als die genannten einfachen Hypothesen und es gibt bis heute keine allgemein anerkannten Modelle und Erklärungen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wirkungen der Psychopharmaka</h2>



<p>Alle PP beeinflussen einen oder mehrere neurochemische Vorgänge im Gehirn. Dieses reagiert, in-dem es sich an den durch das Medikament hervorgerufenen neuen Zustand anpasst und ihn zu kompensieren versucht. Insbesondere nach längerer Einnahme von PP kann es daher zu einer Verschlechterung oder Chronifizierung und zu Problemen beim Absetzen kommen.<br>Der durch PP erzeugte neue neurochemische Zustand kann von den Betroffenen als hilfreich empfunden werden. Die subjektiv empfundene hilfreiche Wirkung eines Psychopharmakons setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen. Es sind dies vor allem der Placeboeffekt, die natürliche Heilungstendenz des psychischen Leidens und der Anteil, der auf das Medikament selbst zurückzuführen ist.<br>In der folgenden Tabelle aus einem Buch der englischen Psychiatrieprofessorin Joanna Moncrieff werden zwei verschiedene Modelle der Wirkungsweise von PP vorgestellt. Das wirkstoffzentrierte Modell beschreibt meiner Meinung nach die wissenschaftlichen Beobachtungen zutreffender.</p>



<figure class="wp-block-table"><table><tbody><tr><td>K<strong>rankheitszentriertes Modell</strong></td><td><strong>Wirkstoffzentriertes Modell</strong></td></tr><tr><td>PP <em>korrigieren </em>einen unnormalen Zustand des Gehirns</td><td>PP <em>erzeugen </em>einen unnormalen Zustand des Gehirns</td></tr><tr><td>PP wirken <em>spezifisch </em>auf Krankheiten</td><td>PP sind psychoaktive Substanzen</td></tr><tr><td>Die therapeutischen Effekte beruhen auf der Wirkung auf die Pathologie der Krankheit oder dem biologischen Mechanismus, der die Symptome erzeugt</td><td>Hilfreiche Effekte sind das Produkt von wirkstoffinduzierten Veränderungen der normalen Hirnfunktion</td></tr><tr><td>PP wirken bei «Kranken» anders als bei Gesunden</td><td>PP zeigen bei «Kranken» und bei Gesunden die gleichen Wirkungen</td></tr><tr><td>Beispiele: Insulin bei Diabetes, Antibiotika bei bak-teriellen Infektionen</td><td>Beispiel: Alkohol bei sozialer Phobie</td></tr></tbody></table></figure>



<p>Der Begriff „Antidepressiva“ ist irreführend. Der Name suggeriert, dass diese Medikamente gezielt gegen Depressionen wirken. Das ist aber nicht der Fall. Sie wirken nicht bei jeder „Depression“ (siehe nächster Abschnitt) und man setzt sie auch bei vielen anderen psychiatrischen Krankheitsbildern (z.B.<br>Ängsten und Zwängen) ein. Gleiches gilt für Antipsychotika (früher Neuroleptika genannt), die nicht spezifisch bei Psychosen wirken, sondern auch bei vielen anderen psychischen Problemen verschrieben werden. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass PP psychische Störungen nicht im Sinne einer heilenden Wirkung beeinflussen, sondern eher eine unspezifische Unterdrückung von Symptomen bewirken. In dieser Hinsicht kann man sie mit Medikamenten (z. B. Aspirin®, Ibuprofen®) zur Behandlung von Fieber oder Schmerzen vergleichen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Arten von psychischen Störungen und ihre Diagnose</h2>



<p>Für die Behandlung psychischer Störungen ist die richtige Diagnose von entscheidender Bedeutung. In allen anderen medizinischen Disziplinen spielen körperliche Untersuchungen, Laboranalysen, bildgebende Verfahren usw. eine maßgebliche Rolle für die Diagnose einer Krankheit. In der Psychiatrie ist dies anders, da die biologischen Ursachen der meisten psychischen Störungen nicht bekannt sind und es daher auch keine spezifischen Untersuchungen gibt. Deshalb werden Krankheitsbilder anhand von Symptomen definiert. Diese Definitionen finden sich in der ICD-10 (10. Ausgabe der Internationalen Klassifikation der Krankheiten, herausgegeben von der WHO). In Kapitel V dieses Diagnosemanuals sind die psychischen Störungen aufgelistet und jeweils mit einem Code versehen (z. B. F20.0: Paranoide Schizophrenie). Da die Ursachen in der Regel nicht bekannt sind, wird nicht der Begriff psychische „Krankheit“, sondern immer der unspezifische Begriff „Störung“ verwendet. Wichtige Gruppen psychischer Störungen sind u. a. psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen (bei Drogenmissbrauch und Abhängigkeit), Schizophrenie und wahnhafte Störungen, affektive Störungen (Depression, Manie, bipolare Störung), neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen (z. B. Ängste, Panikattacken, psychosomatische Störungen) und Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen (z. B. „Borderline“).</p>



<p>Psychiatrische Symptome sind unspezifisch und lassen keine Rückschlüsse auf ihre Ursache zu. Beispielsweise kann das Symptom „Atemnot“ (Dyspnoe) durch völlig unterschiedliche Erkrankungen verursacht werden, z. B. durch einen Herzinfarkt, eine Lungenembolie, eine Lungenentzündung, Asthma oder COPD. Es liegt auf der Hand, dass die spezifische Therapie je nach Ursache sehr unterschiedlich sein muss: z. B. ein Bronchodilatator oder Kortison bei Asthma und ein Antibiotikum bei einer (bakteriellen) Lungenentzündung. </p>



<p>Eine der häufigsten psychiatrischen Diagnosen ist eine Depression (Ehrenberg 2015, Giger-Bütler 2023, Hari 2021). Sie wird diagnostiziert, wenn einige relevante Symptome vorliegen. Auch hier können sehr unterschiedliche Ursachen die gleiche Symptomatik hervorrufen. In der Praxis werden je-doch meist keine weiteren medizinischen Abklärungen durchgeführt und in der Regel alle Patienten mit einem Antidepressivum behandelt. Es ist offensichtlich, dass Depressionen, die durch Ehe- oder Beziehungsprobleme, chronischen Stress, erlittene Traumata, Verluste oder Sünde (z. B. nach Abtreibung eines Kindes) ausgelöst werden, nicht das Gleiche sind wie eine schwere Depression, die ohne erkennbaren Grund („aus heiterem Himmel“) immer wieder auftritt und mit vielen körperlichen Symptomen einhergeht (früher Melancholie genannt). Bei den erstgenannten Gründen ist eine Behandlung mit Antidepressiva nicht angezeigt. Sie kann sogar schädlich sein, da sie die Lösung der zugrundeliegenden Probleme verhindern kann. Psychosoziale Probleme lassen sich mit PP nicht lösen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Antidepressiva in solchen Fällen keine klinisch relevante, das heißt über den Placeboeffekt hinausgehende Wirksamkeit zeigen. Die Erkenntnisse aus diesem Beispiel sind auch auf andere psychische Störungen, einschließlich der Schizophrenie, übertragbar. In jedem Fall muss eine umfassende (über die Symptomebene hinausgehende) Abklärung erfolgen. Nur in relativ wenigen Fällen ist eine medikamentöse Behandlung mit PP notwendig und sinnvoll.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wie häufig sind psychische Störungen?</h2>



<p>Das Bundesministerium für Gesundheit der BRD teilt mit (Stand: Juli 2023), dass fast jeder dritte Mensch im Laufe seines Lebens an einer behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankung leidet. Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) berichtet, dass in Deutschland jährlich etwa 27,8 % der erwachsenen Bevölkerung von einer psychischen Erkrankung betroffen sind (Stand: Oktober 2020). Zu den häufigsten Erkrankungen zählen Angststörungen (verschiedene Ängste und Phobien, 15,4 %), gefolgt von affektiven Störungen, d. h. Veränderungen der Stimmungslage (9,8 %). Psychische Erkrankungen gehören in Deutschland nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bösartigen Neubildungen (d. h. Krebs) und Muskel-Skelett-Erkrankungen zu den vier wichtigsten Ursachen für den Verlust an gesunden Lebensjahren. Menschen mit psychischen Erkrankungen haben im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung eine um etwa 10 Jahre verkürzte Lebenserwartung. </p>



<p>Die Deutsche Rentenversicherung (Stand Nov. 2021) gibt an, dass die Zahl der Frühverrentungen aufgrund psychischer Erkrankungen von 51 500 (2000) auf 73 000 (2020) gestiegen ist (+42%). Auch der Anteil der Erwerbsminderungsrenten aufgrund psychischer Erkrankungen ist im gleichen Zeitraum von 24,2% auf 41,5% gestiegen. Wie lässt sich diese besorgniserregende Entwicklung erklären? Und dies trotz der hohen Verordnungszahlen von PP? Der amerikanische Journalist Robert Whitaker hat zu diesem Thema ein sehr informatives Buch geschrieben, in dem er diese Entwicklung beschreibt und die Rolle der PP mit vielen wissenschaftlichen Belegen beleuchtet (Whitaker 2024).</p>



<h2 class="wp-block-heading">Einteilung der Psychopharmaka</h2>



<p>Grundsätzlich werden PP nach ihrer Indikation in verschiedene Klassen oder Gruppen eingeteilt (z. B. Antidepressiva bei Depressionen, Antipsychotika bei Psychosen). Allerdings muss man betonen, dass diese Einteilung idealisiert ist und im psychiatrischen Alltag nicht strikt eingehalten wird. Moderne PP aus den Gruppen der Antidepressiva und Neuroleptika kommen bei einer Vielzahl von psychischen Störungen häufig zum Einsatz.</p>



<p>In den folgenden Abschnitten sind die verschiedenen PP zunächst mit dem Wirkstoffnamen und dann in Klammern mit einem oder mehreren gebräuchlichen Handelsnamen aufgeführt. Viele PP sind mittlerweile auch als Generika erhältlich, wobei der Handelsname dann häufig den Wirkstoffnamen erhält (z. B. Quetiapin-ratiopharm®). Zu beachten ist, dass die Handelsnamen von Präparaten mit dem gleichen Wirkstoff je nach Anbieter und Land oft unterschiedlich sind. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Antidepressiva </h2>



<p>Antidepressiva sind das Flaggschiff der medikamentösen Behandlung psychischer Störungen. Sie kommen nicht nur bei Depressionen zum Einsatz, sondern auch bei vielen anderen Krankheitsbildern wie z. B. bei Ängsten, sozialen Phobien, posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS), Panikstörungen, Zwangsstörungen, Bulimie, Persönlichkeitsstörungen und bipolaren Depressionen. In diesem Sinne verschreiben auch viele Hausärzte sie gerne als regelrechte „Allheilmittel“ selbst bei leichteren psychischen Problemen. Bevorzugt werden heute meist moderne Präparate, mit denen wir uns daher zunächst beschäftigen wollen. Die Diskussion älterer Antidepressiva und ihrer Anwendungsgebiete folgt am Ende dieses Abschnitts. Im Folgenden sind die wichtigsten modernen Antidepressiva aufgeführt. Sie wurden alle nach 1980 in Deutschland zugelassen. Dies sind: Fluvoxamin (Fevarin®), Fluoxe-tin (Fluctin®), Citalopram/Escitalopram (Cipralex®, Escitalex®), Sertralin (Gladem®, Zoloft®), Paroxetin (Paroxedura®, Paroxat®, Seroxat®), Vortioxetin (Brintellix®), Venlafaxin (Efexor®, Trevilor®), Duloxetin (Duloxalta®, Cymbalta®), Mirtazapin (Remeron®), Trazodon (Trittico®). Am beliebtesten sind Citalopram/Escitalopram, Sertralin und Venlafaxin, die zusammen etwa 2/3 der verschriebenen modernen Antidepressiva ausmachen.<br>Wie sieht es mit der Wirksamkeit dieser Medikamente bei der Behandlung von Depressionen aus? In einer grossen Meta-Analyse aus dem Jahr 2018, in der die Ergebnisse vieler klinischer Studien mit insgesamt mehr als 110 000 Patienten zusammengefasst wurden, zeigte sich eine mittlere Wirksamkeit, die nur wenig über der eines Placebos (Scheinmedikament ohne Wirkstoff) liegt. Lediglich bei ca. 15 % der Patienten wurde eine Symptomreduktion von mindestens 50 % festgestellt.<br>In einer großen klinischen Studie (STARD) des es Nationalen Instituts für seelische Gesundheit der USA (NIMH) mit über 4000 Patienten untersuchte man die Wirksamkeit von Antidepressiva unter sehr realitätsnahen Bedingungen über einen längeren Zeitraum. Dabei erhielten alle Patienten zunächst das bekannte Antidepressivum Citalopram und wurden bei Nichtansprechen in bis zu drei weiteren Schritten auf andere Antidepressiva umgestellt. Oder sie bekamen zusätzlich andere Präparate mit unterschiedlichem Wirkmechanismus. Insgesamt zeigten in der ersten Behandlungsstufe (Citalopram) nur 26% der Patienten eine Remission (Rückbildung) der depressiven Symptomatik. In den weiteren Behandlungsschritten nahm der Anteil der Patienten mit Remission kontinuierlich ab. Auffällig ist auch der hohe Anteil von Patienten, die wegen mangelnder Wirksamkeit oder starker Nebenwirkungen aus der Studie ausschieden, obwohl die Betreuung der Patienten während der Studie ausgesprochen gut war. Untersucht wurde ebenso die Frage, wie stabil die Wirkung über einen längeren Zeitraum ist. Am Ende des einjährigen Beobachtungszeitraums zeigten insgesamt nur noch 108 der 4041 Patienten (d. h. 2,7%), die zu Beginn an der Studie teilgenommen hatten, eine anhaltende Remission. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Wirksamkeit moderner medikamentöser Depressionstherapien mangelhaft ist. </p>



<p>Wie erklärt sich dann, dass viele Menschen mit Depressionen berichten, ihnen hätten Antidepressiva geholfen? Umfangreiche Studiendaten zeigen, dass sich die Wirkung von Antidepressiva aus mehreren Komponenten zusammensetzt: natürlicher Krankheitsverlauf: 24 %, Placeboeffekt: 51 % und zusätzlicher Medikamenteneffekt: 25 %. Der tatsächliche Effekt eines Antidepressivums beträgt also im Durchschnitt nur ¼ des beobachteten Gesamteffekts. Neben dem starken Placeboeffekt der Antidepressiva ist zu beachten, dass die meisten Depressionen einen gutartigen Verlauf nehmen und nach einigen Wochen oder Monaten von selbst, d.h. ohne Behandlung, aufhören. Verglichen mit einer Psychotherapie sind Antidepressiva ähnlich wirksam. Diese kritische Sichtweise, dass moderne Antidepressiva nur eine geringe Wirksamkeit haben, wird inzwischen auch von zahlreichen Psychiatern geteilt. Bemerkenswert ist, dass die „Leitlinie Unipolare Depression“ der deutschen psychiatrischen Fachgesellschaften zur Behandlung leichter und mittelschwerer Depressionen in erster Linie Psychotherapie (und nicht Antidepressiva) empfiehlt. </p>



<p>Es folgt ein kurzer Überblick über die älteren (oder traditionellen) Antidepressiva, die heute nur noch selten zum Einsatz kommen. Es sind dies z. B. Amitryptylin (Saroten®), Imipramin (Tofranil®), Clomipramin (Anafranil®), Doxepin (Aponal®), Trimipramin (Surmontil®, Stangyl®), Moclobemid (Aurorix®) und Tranylcypromin (Jatrosom®). Die Wirksamkeit des ersten Antidepressivums (Imipramin) wurde bei schwer depressiven Patienten in stationärer Behandlung nachgewiesen. Spätere klinische Studien zur Effektivität von Antidepressiva wurden überwiegend mit ambulant behandelten Patienten durchgeführt, die meist nur leicht bis mittelschwer depressiv waren.</p>



<p>In diesem Zusammenhang ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass es zwei Arten von Depressionen gibt, die man deutlich unterscheiden muss. Die erste ist die endogene Depression (früher auch Melancholie genannt), die eine schwere Erkrankung darstellt. Sie tritt oft familiär gehäuft auf und hat einen periodischen Verlauf mit immer wiederkehrenden Episoden. Zwischen den Episoden ist der Betroffene in der Regel symptomfrei. Diese Form ist eher mit körperlichen Missempfindungen, einer ausgeprägten Verlangsamung (oder Beschleunigung) des Denkens und der Motorik und einem morgendlichen Tief verbunden. Häufig treten auch wahnhafte Gedanken auf. Solche Patienten fühlen sich nicht depressiv, sondern oft eher „innerlich tot“. Es besteht ein erhöhtes Suizidrisiko. Die andere, weitaus häufigere Form wurde früher als neurotische oder reaktive Depression bezeichnet. Sie ist charakter- und temperamentbedingt und eine Reaktion auf schwierige Lebensumstände, in der Regel weniger schwerwiegend, kann aber einen chronischen Verlauf nehmen. Bei diesen Patienten sind sowohl ältere als auch moderne Antidepressiva kaum wirksamer als ein Placebo. Für die medikamentöse Behandlung der Melancholie eignen sich vor allem die oben genannten älteren Antidepressiva. Das wirksamste Psychopharmakon zur Behandlung von periodisch wiederkehrenden schweren Depressionen (Melancholie und bipolare Depression) ist Lithium. Mehr dazu im Abschnitt über Phasenprophylaktika.</p>



<p>Ich möchte noch einmal darauf hinweisen, dass die Symptome einer Depression durch sehr viele körperliche Erkrankungen hervorgerufen werden können, die es abzuklären gilt. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Nebenwirkungen</h2>



<p>Neben ihrer bescheidenen Wirksamkeit weisen die modernen Antidepressiva einen weiteren Schwachpunkt auf: eine ganze Reihe von zum Teil schwerwiegenden Nebenwirkungen, die leider oft nicht die erforderliche Beachtung finden und vielen Betroffenen nicht hinreichend bekannt sind. Diese Nebenwirkungen sind keine seltenen Ereignisse, sondern treten bei der Mehrheit der Patienten auf. Besonders wichtige unerwünschte Wirkungen, die jedoch nicht bei jedem Antidepressivum auftreten: </p>



<p>Suizid und Aggression </p>



<p>Antidepressiva sollten eigentlich Suizide verhindern. Doch leider erhöhen sie das Risiko. Die Aggressivität kann sich auch gegen andere richten und zu schrecklichen Gewalttaten führen. Dieses Problem tritt vor allem in den ersten Wochen der Einnahme auf. </p>



<p>Sexuelle Nebenwirkungen </p>



<p>Diese sind sowohl bei Männern als auch bei Frauen häufig und äussern sich in einer verminderten Empfindlichkeit der Geschlechtsorgane (ein Experte spricht von einer „genitalen Anästhesie“), einem eingeschränkten Sexualtrieb und der Unfähigkeit, einen Orgasmus zu erreichen. In einigen Fällen kann dieses Problem auch nach Absetzen des Antidepressivums langfristig bestehen bleiben. </p>



<p>Emotionale Abstumpfung</p>



<p>Dies betrifft sowohl freudige als auch traurige Gefühle. Manche Menschen verlieren völlig die Fähigkeit, Gefühle zu empfinden und kommen sich vor wie ein Zombie. Die daraus resultierende Gleichgültigkeit wirkt sich negativ auf die Motivation zur Veränderung und die Hoffnung auf Besserung aus. </p>



<p>Auslösen einer manischen Phase </p>



<p>Antidepressiva können eine manische Phase auslösen, auch wenn dieses Symptom vorher nicht beobachtet wurde. Sie sollten bei bipolarer Depression nicht eingesetzt werden. </p>



<p>Akathisie </p>



<p>Darunter versteht man die Unfähigkeit, körperlich ruhig zu bleiben (Sitz- und Stehunruhe). Damit verbunden ist eine innere Unruhe, die sehr quälend sein kann. </p>



<p>Absetzsyndrom </p>



<p>Moderne Antidepressiva verursachen bei etwa der Hälfte der Patienten erhebliche Probleme bei der Dosisreduktion oder beim Absetzen. Diese treten meist in den ersten Tagen nach dem Absetzen auf und können mehrere Monate anhalten. Zu den Absetzproblemen gehören grippeähnliche Symptome, Schlaflosigkeit, Übelkeit, Empfindungsstörungen und Angstzustände. Einige Betroffenen empfinden diese als so schwerwiegend, dass sie es vorziehen, das Antidepressivum langfristig weiter einzunehmen. </p>



<p>Bei dauerhafter Einnahme kann eine Depression chronisch werden und der Krankheitsverlauf sich insgesamt verschlechtern (Fava 2023). </p>



<h2 class="wp-block-heading">Neuroleptika/Antipsychotika</h2>



<p>Die bekannte englische Psychiatrieprofessorin Joanna Moncrieff bezeichnet Neuroleptika in ihrem Buch „The Bitterest Pills“ als „die bittersten Pillen“. Diese Medikamente kann man zu Recht so nennen, denn sie werden wegen ihrer zum Teil sehr unangenehmen Nebenwirkungen von vielen Patienten nur ungern eingenommen. Dabei ist zu beachten, dass dies nicht für alle Neuroleptika gleicher-massen gilt. Zudem hängt die Ausprägung der Nebenwirkungen stark von der eingesetzten Dosis ab. In den frühen wissenschaftlichen Beschreibungen der Wirkung von Chlorpromazin, das Anfang der 1950er-Jahre als erstes modernes PP eingeführt wurde, bezeichnete man es als „Neuroleptikum“ (neuron: Nerv, lepsis: ergreifen/gefangen nehmen). Man sah die Wirkung in einer (unspezifischen) Unterdrückung der Nervenaktivität und setzte es damals neben Erregungszuständen, Manie und Schizophrenie auch bei ganz unterschiedlichen psychischen Krankheitsbildern erfolgreich ein. Die Wirkung besteht im Wesentlichen darin, dass auf chemischem Wege ein Zustand der Gleichgültigkeit und Distanz gegenüber den bestehenden psychischen Problemen erzeugt wird. Neuroleptika werden auch Antipsychotika genannt, was sich auf die Unterdrückung der Hauptmerkmale einer Psychose (Wahn und Halluzinationen) bezieht. </p>



<p>Die Wirkung der Neuroleptika auf Wahnvorstellungen, Halluzinationen und Denkstörungen beruht auf einer unspezifischen Symptomunterdrückung und geht mit einer Indifferenz (Gleichgültigkeit) gegenüber Gefühlen, Gedanken und Eindrücken einher. Insbesondere bei quälenden Wahnideen und psychotischen Ängsten kann dies durchaus als hilfreich und erwünscht erlebt werden. Patienten, die Neuroleptika einnehmen, berichten jedoch häufig, dass ihre Wahnvorstellungen oder Halluzinationen nicht völlig verschwinden. Sie werden aber nicht mehr als so belastend und beängstigend empfunden. Außerdem schützen sie vor äußerem Stress und erzeugen gewissermaßen ein „dickes Fell“. Wie stark die Wirkung ist, hängt vom Präparat und vor allem von der Dosis ab. Sie sollte nur so hoch sein, dass der gewünschte Effekt erzielt wird. Bei einigen Neuroleptika (unten mit einem Stern gekennzeichnet) treten bei Überschreiten einer bestimmten Dosis „extrapyramidale Symptome“ (EPS) auf, die sehr störend sein können. Dazu gehören akute Dystonien (unwillkürliche Muskelbewegungen), Rigor (Muskelsteifheit) und Tremor (Zittern). Diese Nebenwirkungen entsprechen zum Teil dem Krankheitsbild der Parkinson-Krankheit. Eine andere Gruppe von Neuroleptika (unten mit zwei Sternen** gekennzeichnet) verursacht keine oder nur wenig EPS. Dafür treten als unerwünschte Nebenwirkung Stoffwechselstörungen auf, die sich in einer zum Teil drastischen Gewichtszunahme, Bluthochdruck und der Entstehung eines Diabetes Typ 2 äußern können (zusammen: metabolisches Syndrom). Alle diese Neuroleptika haben auch eine stark sedierende (dämpfende) Wirkung. Eine wichtige Nebenwirkung vieler Neuroleptika ist das sogenannte „Neuroleptika-induzierte dysphorische Syndrom“. Dabei handelt es sich um einen medikamentös erzeugten Zustand, der leicht mit der Negativsymptomatik einer Schizophrenie oder einer Depression verwechselt werden kann. Viele Patienten berichten, dass sie unter der Einnahme von Neuroleptika unter einer belastenden „emotionalen Abstumpfung“ leiden, bei der sie weder Freude noch Trauer empfinden können. In diesem Fall sollte nicht zusätzlich ein Antidepressivum oder ein anderes Neuroleptikum eingenommen werden, sondern man sollte die Dosis reduzieren, ein besser verträgliches Präparat einnehmen oder das Neuroleptikum nach Möglichkeit ganz absetzen.<br>Gebräuchliche Neuroleptika sind die folgenden: Risperidon* (Risperdal®), Aripiprazol* (Abilify®, Ar-poya®), Olanzapin** (Zyprexa®), Quetiapin** (Seroquel®), Haloperidol* (Haldol®), Cariprazin* (Reagila®), Ziprasidon (Zeldox®), Amisulprid* (Solian®) und Clozapin** (Leponex®). Die heutzutage am meisten verordneten Präparate sind Quetiapin, Olanzapin und Risperidon.</p>



<p>Im Folgenden einige interessante Ergebnisse der großen klinischen Studie CATIE, in der man die Wirksamkeit und Nebenwirkungen von vier neueren „atypischen“ Neuroleptika mit einem älteren (typischen) Neuroleptikum verglich. In dieser realitätsnahen Studie erhielten insgesamt 1432 Patienten mit der Diagnose Schizophrenie über einen Zeitraum von 18 Monaten die üblichen Dosen der oben genannten Neuroleptika. Besonders bemerkenswert ist die Beobachtung, dass es keine signifikanten Unterschiede zwischen den fünf untersuchten Präparaten gab. Etwa 3⁄4 der Studienteilnehmer schieden vorzeitig aus der Studie aus, insbesondere wegen mangelnder Wirkung oder unerwünschter Nebenwirkungen. Darüber hinaus mussten ca. 15 % der Teilnehmer trotz der Einnahme der Neuroleptika wegen einer Verschlechterung ihres psychischen Zustandes hospitalisiert werden.<br>Es wird oft behauptet, Neuroleptika machen nicht abhängig. Dies ist jedoch nicht der Fall, und viele Menschen haben nach längerer Einnahme Probleme mit dem Absetzen. Ein zu rasches Absetzen führt häufig zum Wiederauftreten psychotischer Symptome, die aber oft nicht Ausdruck der zugrunde liegenden Problematik sind, sondern eine Reaktion des Gehirns auf das plötzliche Fehlen des Neuroleptikums. Das Absetzen sollte daher immer langsam und in kleinen Schritten erfolgen. Eine langfristige Einnahme kann verschiedene schwerwiegende Folgen haben, die oft chronisch und the-rapieresistent sind. Dazu gehören Spätdyskinesien (d. h. unwillkürliche Muskelbewegungen wie Zucken, Tics, Grimassieren, Herausstrecken der Zunge usw.), Akathisie, Diabetes (vor allem bei Clozapin, Olanzapin und Quetiapin) und die sogenannte Supersensitivitätspsychose. Diese geht mit einer Verschlechterung der psychotischen Symptomatik (trotz Neuroleptika) einher und kann ein Absetzen des Präparates unmöglich machen.<br>Neuroleptika sollte man nur bei starker psychomotorischer Erregung, Wahn und/oder Halluzinationen („Stimmen hören“) einsetzen. Bei quälenden Wahnvorstellungen, starken psychotischen Ängsten oder großer psychischer Erregung können sie sehr hilfreich sein (eine andere Möglichkeit sind Benzodiazepine). Einzelne Nebenwirkungen werden möglicherweise als psychische Probleme fehlinterpretiert. Die Dosis sollte so niedrig wie möglich sein und die Einnahmedauer so kurz wie nötig. Der Einsatz von Neuroleptika bei Kindern, Jugendlichen und älteren Menschen ist problematisch und sollte sehr zurückhaltend erfolgen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Stimmungsstabilisierer/Phasenprophylaktika</h2>



<p>In diesem Abschnitt geht es insbesondere um die medikamentöse Behandlung von psychischen Störungen, die sich in periodisch wiederkehrenden Phasen von Manie und Depression äußern. Früher sprach man von „manisch-depressivem Irresein“ (MDI) und meinte damit wiederkehrende schwere Depressionen (Melancholie) und/oder Manien. Diese Krankheitsbilder waren sehr selten und so schwerwiegend, dass in der Regel eine stationäre Behandlung erforderlich war. Heute werden unipolare und bipolare Verläufe getrennt klassifiziert und meist nur bipolare Verläufe mit sogenannten „Stimmungsstabilisierern“, auch Phasenprophylaktika genannt, behandelt. Mit Ausnahme von Lithium setzt man alle Medikamente dieser Gruppe auch zur Behandlung von Epilepsie ein. Die wichtigsten Stimmungsstabilisierer sind Lithium (Quilonum®, Hypnorex®, Lithiofor®), Valproat (Convulex®, Ergenyl®), Carbamazepin (Tegretal®), Pregabalin (Lyrica®) und Lamotrigin (Lamical®).<br>Die weitaus größte Bedeutung innerhalb dieser Medikamentengruppe hat Lithium, das in Form eines Salzes (z. B. Lithiumcarbonat) verabreicht wird. Bei der medikamentösen Behandlung der bipolaren Depression sollte Lithium das Mittel der Wahl sein. Leider ist dies in der Praxis nicht der Fall und viele Psychiater geben anderen Medikamenten (Neuroleptika und/oder Antidepressiva) den Vorzug. Lithium wirkt sowohl in akuten Phasen als auch prophylaktisch (vorbeugend). Bei etwa 1/3 der Patienten wird langfristig eine vollständige Beschwerdefreiheit erreicht. Bei unzureichender Wirkung oder schweren Nebenwirkungen wird Lithium durch Valproat, Carbamazepin oder Lamotrigin als Mittel der zweiten Wahl ersetzt. Insgesamt werden diese Medikamente zu wenig angewendet.<br>Neuere Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass es einen fließenden Übergang zwischen den beiden Polen Manie und Depression gibt. Einige Menschen, deren psychisches Problem als Depression diagnostiziert wurde, haben auch einen mehr oder weniger großen Anteil an Manie (die sich oft nicht als Euphorie, sondern als Reizbarkeit äußert). In diesem Fall sollten Antidepressiva vermieden und eine Behandlung mit Stimmungsstabilisierern durchgeführt werden. Lithium und Lamotrigin sind auch zur Behandlung und Prophylaxe von wiederkehrenden rein depressiven Phasen (Melancholie) gut geeignet.<br>Die Behandlung der bipolaren Depression mit Antidepressiva bringt keinen Nutzen, ist aber mit erheblichen Risiken verbunden. Der langfristige Krankheitsverlauf kann negativ beeinflusst und manische Phasen ausgelöst werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Sedativa/Hypnotika</h2>



<p>Die folgenden Arzneimittel werden insbesondere bei Erregtheit/Unruhe, Ängsten, Panikattacken und Schlaflosigkeit eingesetzt. An erster Stelle sind hier die sogenannten Benzodiazepine zu nennen. Dabei handelt es sich um eine alte Medikamentengruppe, die man seit etwa 60 Jahren verwendet. Früher wurden Medikamente wie Valium und Librium („Mutters kleine Helfer“) in großer Zahl zur Behandlung leichterer unspezifischer psychischer Störungen verschrieben, ausgelöst durch Alltagsprobleme. Dazu gehören psychosomatische Beschwerden („vegetative Dystonie“), Angstzustände, Depressionen und Schlafstörungen. Alle Benzodiazepine haben folgende Wirkkomponenten: anxiolytisch (angstlösend), sedierend (beruhigend), antiepileptisch, muskelentspannend und hypnotisch (schlaffördernd). Bei den zahlreichen Benzodiazepinen können die einzelnen Komponenten unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Der Hauptunterschied zwischen den verschiedenen Präparaten liegt in der Wirkdauer.<br>Benzodiazepine sind wirksame Medikamente, die man früher erfolgreich gegen verschiedene Formen von Angst und Depression (die sehr häufig gemeinsam auftreten) einsetzte. In den 80er-Jahren wurde ihr Abhängigkeitspotenzial erkannt und dann an ihrer Stelle die weniger wirksamen modernen Antidepressiva (SSRI) verschrieben. In den folgenden Jahren ging die Zahl der Benzodiazepin-Verordnungen stark zurück. Das Absetzen von Benzodiazepinen nach längerer regelmäßiger Einnahme kann sehr problematisch sein, daher ist hier Vorsicht geboten. Einige häufig verwendete Benzodiazepine sind Bromazepam (Bromazanil®), Oxazepam (Praxiten®, Adumbran®, Seresta®), Lorazepam (Tavor®, Temesta®), Alprazolam (Tafil®), Chlordiazepoxid (Librium®) und Diazepam (Valium®), wobei Lorazepam und Diazepam am häufigsten verordnet werden. Gesunder und ausreichender Schlaf ist für das psychische Wohlbefinden des Menschen sehr wichtig. Länger andauernde Schlaflosigkeit kann zu psychischen Problemen führen. Eine gute Schlafhygiene ist daher unerlässlich. Erst wenn alle Änderungen der Lebensgewohnheiten keinen Erfolg gebracht haben und die Schlafstörungen ein größeres Problem darstellen, sollte man in Absprache mit einem Arzt an eine medikamentöse Behandlung denken. Dem Ausbruch einer schweren psychischen Störung geht oft eine Phase der Schlaflosigkeit voraus. Diese Entwicklung lässt sich möglicherweise durch den kurzfristigen Einsatz von Schlafmitteln aufhalten.<br>Als Hypnotika (Schlafmittel) werden heute meist die sogenannten „Z-Substanzen“ verordnet, z. B. Zolpidem (Stilnox®, Bikalm®) und Zopiclon (Ximovan®, Imovane®). Der biochemische Wirkmechanismus ist der gleiche wie bei den Benzodiazepinen. Das Abhängigkeitspotenzial ist mit dem der Benzodiazepine vergleichbar.<br>Zur Verbesserung des Schlafs werden auch sedierende Antidepressiva wie Doxepin, Mirtazapin, Trazodon oder Trimipramin verschrieben, was durchaus hilfreich sein kann. Sedierende Neuroleptika wie z. B. Quetiapin sind als Schlafmittel nicht zu empfehlen.<br>Eine andere Option ist der Einsatz von sedierenden Antihistaminika, die man meist rezeptfrei in einer Apotheke beziehen kann. Auch diese Präparate sollten nur kurzfristig und im Notfall zur Beruhigung und als Schlafmittel verwendet werden. Im Folgenden sind einige Präparate aufgelistet: Diphenhydramin (Betadorm®, Halbmond®, Benocten®), Doxylamin (Hoggar®), Hydroxyzin (Atarax®).</p>



<h2 class="wp-block-heading">Alternativen zu Psychopharmaka</h2>



<p>Pflanzliche Mittel (Phytopharmaka) wie Baldrian und Passionsblume werden oft als „sanfte“ Mittel zur Beruhigung und Schlafförderung empfohlen. Dagegen ist bei geringfügigen Problemen sicher nichts einzuwenden. Eine gute Übersicht gibt das Buch des Arztes Dr. Wormer. Bei Mangelzuständen ist die Einnahme von Vitaminen, Eisenpräparaten, Mineralien oder anderen Nahrungsergänzungsmitteln anzuraten (Wormer 2022). Auch Johanniskrautpräparate (z. B. Jarsin®) können bei leichten bis mittelschweren Depressionen hilfreich sein. Homöopathische Mittel, Schüssler-Salze und ähnliche Präparate der Alternativmedizin werden nicht empfohlen. Bei einer saisonal abhängigen Depression („Winterblues“) erwies sich eine Lichttherapie als wirksam. Die entsprechenden Lampen kann ein Arzt verordnen, oder man kauft oder leiht sie in einer Apotheke. Klinische Studien zeigten, dass bei Depressionen und anderen psychischen Problemen Sport hilfreich ist. Eine gesunde Lebensweise mit ausreichend Schlaf, einer ausgewogenen naturbelassenen Ernährung, körperlicher Betätigung und guten Kontakten mit anderen Menschen tragen zur seelischen Gesundheit bei (Prock 2019).</p>



<h2 class="wp-block-heading">Abschließende Bewertung der Psychopharmaka und praktische Ratschläge</h2>



<p>Im Allgemeinen erhalten zu viele Menschen PP, ihre Wirksamkeit ist geringer und die Nebenwirkungen und Risiken sind höher als allgemein angenommen. Die Dosis sollte immer so niedrig wie möglich und die Einnahmedauer nur so lang wie nötig sein. Die gleichzeitige Einnahme mehrerer PP ist mit erhöhten Nebenwirkungen und Risiken verbunden und zu vermeiden.<br>Bei psychotischer Angst, längerer Schlaflosigkeit, unerträglicher Niedergeschlagenheit, quälendem Wahn/Halluzinationen und wiederkehrenden Episoden von Depression und/oder Manie sind PP hilfreich.<br>Es ist wichtig festzuhalten, dass der Anteil der Menschen, die im Laufe ihres Lebens an einer schweren psychischen Störung („endogene Psychosen“, d. h. Melancholie, Manie, Schizophrenie, bipolare Störung) erkranken, sehr gering ist (&lt; 5 %). Das bedeutet, der weitaus grössere Teil der psychisch Erkrankten (ca. 95 %) leidet eher an funktionellen Störungen, die keine Krankheit im eigentlichen Sinne darstellen.<br>Da PP oft nicht die erhoffte Wirksamkeit zeigen, wird versucht, durch Wechsel auf andere Präparate der gleichen Gruppe, Erhöhung der Dosis, Kombination mehrerer PP der gleichen Gruppe oder Hinzunahme von PP aus anderen Gruppen (z. B. Neuroleptika bei Depressionen) doch noch die gewünschte Wirksamkeit zu erzielen. Dieses „Ausprobieren“ kommt in der Praxis häufig vor, hat aber wenig Aussicht auf Erfolg, wie sich bei der Besprechung der Ergebnisse der STAR*D-Studie zeigte. Im Kapitel „Was tun, wenn das Antidepressivum nicht hilft“ im Buch von Prof. Bschor werden die verschiedenen Strategien kritisch diskutiert (Bschor 2018). Die modernen Antidepressiva, die den grössten Teil der verschriebenen PP ausmachen, haben im Durchschnitt nur eine sehr bescheidene Wirkung (im Vergleich zu Placebo). Mirtazapin und Trazodon wirken beruhigend und schlaffördernd und sind zu bevorzugen.<br>Vor Beginn der Einnahme von PP sind folgende Überlegungen notwendig: Lassen sich die psychischen Probleme durch psychosoziale Faktoren/Auslöser erklären? In diesem Fall ist es besser, vorrangig an der Beseitigung der Auslöser zu arbeiten. Entscheidet man sich für die PP, ist es wichtig, die Ein-nahme und einen Absetzplan mit dem Arzt zu besprechen.<br>Vor häufigem Wechsel und Kombinationen von PP („Ausprobieren“) muss gewarnt werden. Dies führt meist nicht zum Erfolg. In jedem Fall sollte der Arzt einen sinnvollen Behandlungsplan vorlegen, dem der Patient zustimmen kann. Eine langfristige Einnahme (d. h. über Jahre) bedarf besonderer Gründe und sollte nicht ohne Absetzversuche erfolgen.</p>



<p>Das Buch „Gott ist mehr als genug“ von Jim Berg enthält zwei Zeugnisse von gläubigen Frauen, die jahrelang PP eingenommen haben, dann aber einen besseren Weg fanden (Berg 2018). Dieses Buch möchten wir als seelsorgerliche Hilfe für Betroffene empfehlen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Biblisch-seelsorgerliche Aspekte</h2>



<p>Psychisches Leiden ist so alt wie die Menschheit und gehört zum Leben wie körperliche Krankheit und Tod. Im Wort Gottes finden wir Depressionen, Ängste, psychosomatische Probleme und Wahn-sinn (5. Mose 28,28; Dan 4,29-34; 1. Sam 21,16). Der von Gott geschaffene Mensch ist eine Einheit von Körper und Geist/Seele. Zwischen diesen Teilen bestehen enge Beziehungen. So wie ein betrübter Geist körperliche Leiden auslösen kann (psycho-somatisch), ist es auch möglich, dass sich körperliche Krankheiten auf den Zustand des Geistes auswirken (somato-psychisch). Es gibt nicht nur körperliche, sondern auch seelische Schmerzen. Diese können ganz unterschiedlicher Art und Intensität sein. Seelische Schmerzen können unerträglich stark sein und Menschen in den Suizid treiben. Wie geht man mit solchen Schmerzen in rechter Weise um? Für Christen sollte klar sein, dass alle Umstände des Lebens einen Sinn haben und Teil von Gottes Plan und seiner Zulassung sind. Hiob sagte in seinem großen Leid zu seiner Frau: „Wir sollten das Gute von Gott annehmen, und das Böse sollten wir nicht auch annehmen?“ (Hiob 2,10). Deshalb gilt es, alles Leid in unserem Leben zuerst aus der Hand Gottes anzunehmen und ein Ja dazu zu haben. In dieser Situation ist es wichtig, als Erstes nach Gott und seinen Gedanken zu fragen. Von König Asa lesen wir: „Und Asa wurde krank an seinen Füssen im 39. Jahr seines Königreichs, und seine Krankheit war sehr schwer; doch suchte er in seiner Krankheit nicht den HERRN, sondern die Ärzte“ (2. Chr 16,12; vgl. Luk 8,43). Asa liebte den Herrn, aber in dieser leidvollen Situation traf er die falsche Entscheidung. Das sollte uns eine Warnung sein. Es ist die Erfahrung vieler Kinder Gottes, dass sie in schwierigen Situationen und in großem Leid Gott in besonderer Weise kennengelernt haben.<br>Gott kann im Leid besonders durch Sein Wort zu uns reden (Ps 119,143). Das geistliche Leben wird dadurch belebt und gestärkt. Durch das Leid ist uns die Möglichkeit gegeben, uns selbst und unsere Motive, Gott und auch unsere Mitmenschen besser kennenzulernen. Auf die Frage nach dem Warum des Leidens finden wir oft keine Antwort und bei längerer Dauer sind Vertrauen, Hoffnung und Geduld gefragt (vgl. Luk 8,43 und Luk 13,11). In Gottes Plan hat alles seine Zeit (Pred 3,1-8; 1. Petr 5,6), auch das Heilen (Pred 3,3). Wie schön ist es, wenn ein Kind Gottes bekennen kann: „Siehe, zum Heil ward mir bitteres Leid“ (Jes 38,17). Selbst erlebtes Leid und erfahrene Hilfe Gottes kann auch für andere zum Segen werden: Damit wir die zu trösten vermögen, die in allerlei Bedrängnis sind, durch den Trost, mit dem wir selbst von Gott getröstet werden (2. Kor 1,4).<br>Nach Gottes Gedanken soll Sein Kind, das leidet, in der Not nicht allein sein. Dies ist ein Aspekt, der uns die Wichtigkeit der örtlichen Gemeinde vor Augen führt. In Gal 6,2 heisst es: „Einer trage des an-deren Lasten, so sollt ihr das Gesetz des Christus erfüllen!“ Verständnis, Trost und Ermutigung sind Balsam für die leidende Seele. Der Auftrag Gottes ist klar: „Wir ermahnen euch aber, Brüder: Verwarnt die Unordentlichen, tröstet die Kleinmütigen, nehmt euch der Schwachen an, seid langmütig gegen jedermann!“ (1. Thess 5,14). Unter Kleinmütigen und Schwachen dürfen wir sicher auch Men-schen mit seelischen Problemen und Nöten verstehen. In diesem Dienst kommt dem Wort Gottes eine besondere Rolle zu: „Wie gut ist ein Wort, das zur rechten Zeit gesprochen wird!“ (Spr 15,23; vgl. Spr 25,11).<br>In der Heiligen Schrift werden mehrfach Ärzte erwähnt. Lukas, der Verfasser des 3. Evangeliums und der Apostelgeschichte, war Arzt (Kol 4,14). Auch von Medizin, z. B. Balsam, ist die Rede (Jer 8,22; 51,8). In 1. Tim 5,23 wird Timotheus angewiesen: „Trinke nicht mehr nur Wasser, sondern gebrauche ein wenig Wein um deines Magens willen und wegen deines häufigen Unwohlseins“. Im Zusammenhang mit unserem Thema kann man Wein auch als sanftes Psychopharmakon betrachten (Spr 31,6). Es ist also nicht falsch, zur rechten Zeit einen Arzt aufzusuchen, und es ist auch keine Sünde, PP einzunehmen. Aber letztlich sollen wir unser Vertrauen nicht auf Menschen und Medikamente setzen, sondern auf den lebendigen Gott (Jer 17,5; Spr 3,5). Gott allein kann heilen &#8211; der Arzt und seine Therapien sind nur Hilfsmittel. Der christliche Arzt Dr. Lechler hat einige wertvolle Büchlein zu dieser Thematik geschrieben (siehe Literaturverzeichnis).<br>So wie manche körperlichen Schmerzen auch mit den stärksten Schmerzmitteln nicht verschwinden, so können auch seelische Leiden trotz aller PP, die keine Wundermittel sind und ihre klaren Grenzen haben, bestehen bleiben. Erinnern wir uns in diesem Zusammenhang an die Verheissung des Wortes Gottes: „Denn ich bin überzeugt, dass die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns geoffenbart werden soll … Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung mitseufzt und in Wehen liegt bis jetzt; und nicht nur sie, sondern auch wir, die wir die Erstlingsgabe des Geistes haben, auch wir erwarten seufzend die Sohnesstellung, die Erlösung unseres Leibes“ (Röm 8,18.22-23).<br>Ja, es wird der Tag kommen, von dem es heisst: „Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, weder Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu!“ (Offb 21,4-5).</p>



<p>Für Interessierte steht eine ausführlichere Abhandlung über Psychopharmaka zur Verfügung (Schumacher 2021).</p>



<h2 class="wp-block-heading"><br>Literaturverzeichnis</h2>



<p><strong>Berg</strong>,<strong> </strong>Gott ist mehr als genug. Grundlagen für eine ruhige Seele. Impact 2018</p>



<p><strong>Bschor</strong>, Antidepressiva. Wie man die Medikamente bei der Behandlung von Depressionen richtig an-wendet und wer sie nicht nehmen sollte. Südwest 2018</p>



<p><strong>Ehrenberg</strong>, Das erschöpfte Selbst. Depression und Gesellschaft in der Gegenwart. Campus Verlag 2015</p>



<p><strong>Fava</strong>, Antidepressiva absetzen. Anleitung zum personalisierten Begleiten von Absetzproblemen. Schattauer 2023</p>



<p><strong>Frances</strong>, Normal. Gegen die Inflation psychiatrischer Diagnosen. DuMont Buchverlag 2014</p>



<p><strong>Giger-Bütler</strong>, Was ist Depression wirklich? Plädoyer für ein neues Verständnis. Patmos 2023</p>



<p><strong>Hari</strong>, Der Welt nicht mehr verbunden. Die wahren Ursachen von Depressionen und unerwartete Lö-sungen. HarperCollins 2021</p>



<p><strong>Lechler</strong>, Verschiedene Bücher zum Thema Seelsorge Dr. Alfred Lechler (1887 &#8211; 1971) war ein gläubiger Psychiater und Seelsorger, der viele wertvolle Bücher zum Thema Seelsorge geschrieben hat, die jedoch nur noch antiquarisch erworben werden können. Einige seiner Bücher können kostenlos hier als PDF heruntergeladen werden: <a href="https://biblische-lehre-wm.de/download-2/seelsorge" rel="noopener">https://biblische-lehre-wm.de/download-2/seelsorge</a></p>



<p><strong>Ludwig</strong>, Mühlbauer &amp; Seifert, Arzneiverordnungs-Report 2022. Springer 2023</p>



<p><strong>Prock</strong>, Welchen Stellenwert hat Lebensstilmedizin in der Seelsorge? 3L-Verlag 2019</p>



<p><strong>Schumacher</strong>, Psychopharmaka und Seelsorge. Script 2021 Dieses Dokument enthält eine umfangreiche Abhandlung zum Thema Psychopharmaka mit vielen kommentierten Literaturhinweisen. Es kann kostenlos hier heruntergeladen werden: <a href="https://biblische-lehre-wm.de/wp-content/uploads/Psychopharmaka-und-Seelsorge-MSchumacher.pdf" rel="noopener">https://biblische-lehre-wm.de/wp-content/uploads/Psychopharmaka-und-Seelsorge-MSchumacher.pdf</a></p>



<p><strong>Whitaker</strong>, Anatomie einer Epidemie. Wundermittel, Psychopharmaka und die Zunahme psychischer Erkrankungen. Kohlhammer 2024 (deutsche Ausgabe erscheint im April 2024)</p>



<p><strong>Wormer</strong>, Natürliche Antidepressiva. Sanfte Wege aus dem Stimmungstief. Mankau Verlag 2022</p>
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		<item>
		<title>Die GIBB-Seelsorge-Konzeption</title>
		<link>https://kfg.org/2024/die-gibb-seelsorge-konzeption/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Roland Antholzer]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Apr 2024 13:50:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Seelsorge]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Gemeindeorientierte Initiative für Biblische Beratung (GIBB) sieht sich in erster Linie als Antwort auf den Mangel in unseren Gemeinden, sich den Mühseligen und Beladenen in Liebe und Wahrheit zuzuwenden und wirksame Hilfe anzubieten. Die Verantwortung dazu liegt in der Bibel begründet: „Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen“ (Gal 6,2).</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em><strong>Gemeindeorientierte Initiative für Biblische Beratung (GIBB)</strong></em></p>



<p>Im Jahr 1986 begannen wir mit der GIBB-Arbeit. Wir, das sind außer mir zwei Brüder, die sich in Tübingen vom Studium und von der gemeinsamen Gemeinde her kannten.</p>



<p>Unser Anliegen war es, etwas gegen ein gefährliches Defizit in den christlichen Gemeinden zu unternehmen. Es ging um das Defizit in Sachen Seelsorge. Nach und nach kamen andere Brüder dazu. Da die Entwicklung dahin lief, dass ich 90% der Schulungs- und Seminartätigkeit machen würde, sah ich im Jahr 1993 die Notwendigkeit, aus dem Beruf auszusteigen. Ich war als Psychologe in einer christlichen Klinik für alkoholkranke Männer tätig. Im selben Jahr erschien auch mein erstes Buch „Plädoyer für eine biblische Seelsorge“.</p>



<p>Von 1995-2003 führten wir ein sogenanntes Osteuropaprojekt durch. Ich hielt in diesen Jahren Schulungen in Russland, in Polen, in Kroatien und sehr intensiv in Weißrussland und Ungarn. Seit 1990 hatten wir ca. 28.000 Teilnehmer.</p>



<p>Die GIBB-Arbeit versteht sich als gemeindeorientiert und biblisch.</p>



<p><strong><em>Gemeindeorientiert… das heißt:</em></strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Wir meinen, dass der angestammte Platz der Seelsorge die Gemeinde ist.</li>



<li>Unser Anliegen ist es daher, der Gemeinde Jesu zu dienen und Gemeindeglieder für die Seelsorge zuzurüsten.</li>



<li>Wir sind / waren als GIBB-Mitarbeiter alle in Gemeinden in leitender Funktion aktiv und behalten so den Bodenkontakt.</li>



<li>Wir verstehen uns nicht als gemeindeunabhängiges Werk, sondern unterordnen uns örtlichen Gemeinden.</li>
</ul>



<p><strong><em>Biblisch… das heißt:</em></strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Wir meinen, dass die Bibel die einzige autoritative Grundlage für die Seelsorge ist.</li>



<li>Wir lehnen alle Lehren und Methoden ab, die der geoffenbarten Wahrheit Gottes widersprechen.</li>



<li>Wir verzichten auf Methoden der modernen Psychotherapien, weil wir meinen, dass sie dem Anliegen der Seelsorge entgegenwirken.</li>



<li>Psychologische Erkenntnisse, soweit sie mit der biblischen Wahrheit vereinbar und für die Seelsorge brauchbar sind, beziehen wir ein.</li>
</ul>



<p><strong><em>Unsere Hauptaufgaben:</em></strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Schulungen und Seminare</li>



<li>Aufklärung und Information</li>



<li>Stationäre Hilfe (liegt zurzeit brach)</li>
</ul>



<p>Im Folgenden möchte ich unsere Seelsorge-Konzeption vorstellen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">1. Definition und Begriff</h2>



<p>Die Gemeindeorientierte Initiative für biblische Beratung sieht sich in erster Linie als Antwort auf den Mangel in unseren Gemeinden, sich den Mühseligen und Beladenen in Liebe und Wahrheit zuzuwenden und wirksame Hilfe anzubieten. Die Verantwortung dazu liegt in der Bibel begründet: <em>„Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen“</em> (Gal 6,2).</p>



<p>Seelsorge muss dem Anspruch gerecht werden, geistlich, ganzheitlich, nüchtern und ausgewogen zu sein. Biblische Beratung und biblische Seelsorge meint zunächst eine Seelsorge, die sich völlig und ganz auf das Wort Gottes gründet. Dies setzt voraus, dass wir die Bibel als von Gottes Geist eingegeben, irrtumslos und absolut verbindlich für die Gestaltung unseres Lebens ansehen (2Tim 3,16.17). Von daher vermögen wir biblische Seelsorge von außerbiblischen und unbiblischen Vorgangsweisen abzugrenzen. Biblische Beratung und biblische Seelsorge soll auch gemeindeorientiert sein. Das heißt, dass die Initiative kein gemeindeunabhängiges Werk sein möchte, sondern sich der Aufsicht durch neutestamentliche Ortsgemeinden unterstellt. Das heißt weiterhin, dass alle Mitarbeiter in örtlichen Gemeinden aktiv im Dienst stehen. Und schließlich wollen sie durch die Förderung einer biblischen Seelsorge in den Gemeinden dazu beitragen, dass die Gläubigen im Sinne von Epheser 4,12 zugerüstet werden zum Dienst am Leib Christi. Das Kreuz ist Ausgangspunkt und Zielpunkt biblischer Beratung. <em>„Ruhe für unsere Seelen”</em> ist uns nur verheißen, wenn wir bereit sind, den Kreuzesweg zu gehen (Mt 11,29). Nur auf dem Weg des Sterbens kann unser Leben fruchtbar werden im Dienst. Befreiung von seelischen Nöten wird in den meisten Fällen (soweit nicht körperlich verursacht) erwünschtes Nebenprodukt sein.</p>



<h2 class="wp-block-heading">2. Menschen- bzw. Weltbild</h2>



<p>Der Mensch ist ursprünglich als vollkommenes, im Bilde Gottes geschaffenes Wesen durch die Sünde Adams seinem Schöpfer entfremdet und zum Spielball der ihm innewohnenden Sünde und gottfeindlicher Mächte geworden. Die Sünde ist seither als zerstörende und krankmachende Kraft in seinem Leben wirksam. Durch den Glauben an Christus, den Sohn Gottes, kann aber der Mensch wiedergeboren werden zu einem neuen Leben, Vergebung seiner ganzen Lebensschuld erfahren und von der Macht der Sünde befreit werden. Er ist nun eine neue Schöpfung, in Christus gerecht gemacht und mit ewigem Leben und unverlierbarem Heil ausgestattet.</p>



<p>In Bezug auf seine Beschaffenheit vertreten wir eine substantielle Dichotomie und eine funktionelle Trichotomie, d. h. der Mensch besteht aus zwei Teilen, dem materiellen und vergänglichen Leib und dem immateriellen unvergänglichen Geist bzw. der Geist-Seele. Beim lebendigen Menschen können wir funktionell zwischen Leib, Seele und Geist unterscheiden. Seelische Störung ist immer eine Funktionsstörung des ganzen Menschen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">3. Ethik</h2>



<p>Die Ethik biblischer Beratung gründet sich auf das biblische Menschenbild und das Wort Gottes, das als von Gottes Geist eingegeben, irrtumslos und maßgebend für die Gestaltung unseres Lebens anzusehen ist. Die biblischen Aussagen zu Herkunft, Bedeutung und Ziel des Menschen gelten als verbindliche Grundlage für unser Leben. Der Christ hat in Christus eine neue Identität. Darin begründet sich auch sein Wert. Wenn er sich diese neue Identität im Glauben zu eigen macht, wird er zur Freiheit gegenüber Menschen befreit und zum Gehorsam gegenüber Christus motiviert. Die Tatsache, dass er es noch mit dem „Fleisch” zu tun hat, impliziert aber auch, dass er bis an sein Lebensende ein fehlender und lernender Mensch bleibt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">4. Beratungsziele</h2>



<p>Biblische Beratung sieht als Ziel für den Einzelnen nicht primär dessen psychische Gesundheit, sondern sein Heil bzw. seine Heiligung. Gottes letztes und eigentliches Ziel mit seinen Kindern ist uns in Epheser 1,12 aufgezeigt: <em>„&#8230; auf dass wir etwas seien zum Lob seiner Herrlichkeit”</em>. Das können wir aber nur dann, wenn wir Christi Wesen an uns tragen, immer mehr in Sein Bild umgestaltet werden. Dieses Ziel schließt die psychische Gesundung mit ein, geht aber wesentlich darüber hinaus.</p>



<p>Durch den Glauben an Jesus Christus und die Umgestaltung durch den Heiligen Geist erhält der Mensch eine neue Natur, erfährt Vergebung seiner Schuld und wird von der Macht der Sünde befreit. Die Seelsorge soll helfen, dass diese neue Natur zur prägenden Kraft im Leben des Ratsuchenden wird, so dass Christi Gnade und Gerechtigkeit zunehmend ihre heilende Wirkung im Leben des Ratsuchenden entfalten kann. Je klarer sein Leben Christus untergeordnet und hingegeben ist, desto mehr wird er auch in seiner Psyche gesunden.</p>



<p>So geht es nicht um bloße Einstellungsänderung bzw. Verhaltensmodifikation, sondern um Veränderung, die aus einem geänderten Herzenszustand erwächst. Das grundlegende Ziel ist demnach Heiligung. Heiligung heißt, dass der Christ das, was er durch die Wiedergeburt schon ist (nämlich heilig, gerecht und vollkommen), nun auch immer besser verwirklichen und ausleben kann (Kol 1,29). Anders gesagt: Christus soll in ihm Gestalt gewinnen (Gal 4,19). Ein weiteres Ziel ist, dass sein Leben fruchtbar wird für Gott (2Tim 3,17). Das kann bei verschiedenen Menschen sehr unterschiedlich aussehen und hängt von seinen vorgegebenen und vielleicht auch nicht veränderbaren Grenzen seelischer oder körperlicher Art ab, die ihm gesteckt sind.</p>



<h2 class="wp-block-heading">5. Entstehungsgeschichte</h2>



<p>Die Gemeindeorientierte Initiative für biblische Beratung e. V. (GIBB) wurde im Jahre 1985 gegründet, und ist aus dem Arbeitskreis für biblische Beratung (ABB) hervorgegangen. Jahrelang trug dieser Arbeitskreis das Anliegen auf dem Herzen, etwas für eine biblische Seelsorge zu tun. Nach vielen Gesprächen und Gebet war 1985 der Zeitpunkt gekommen, die Initiative für eine biblische Beratung zu ergreifen. Es handelt sich um eine Initiative von gläubigen Psychologen, Theologen, Sozialpädagogen und Ärzten, die es sich zum Ziel gesetzt hat, dem Mangel an biblischer Seelsorge in den Gemeinden durch Schulung von Gemeindemitarbeitern entgegenzuwirken.</p>



<p>Geplant war von Anfang an auch die Schaffung einer stationären Einrichtung für psychisch belastete Christen, in der sie seelsorgerlich betreut werden, und die auf biblischer Grundlage arbeitet. Von 1999-2012 wurde unter der Aufsicht und Unterstützung durch GIBB der „Lebenshof Engishausen“ (87743 Egg a. d. Günz) betrieben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">6. Selbstverständnis des Seelsorgers</h2>



<p>Das eigentliche Subjekt der Seelsorge ist und bleibt Gott. Der Seelsorger ist daher immer nur Werkzeug in der Hand Gottes. Um brauchbar zu sein, sollte er in der Heiligung leben. Als ein unvollkommener Mensch, der selbst aus der Gnade Gottes lebt, wird er sich mit unter die Not und Schuld des Ratsuchenden stellen und ihn so zur Einsicht seiner bisher sündigen und fleischlichen Wege führen können. Er ist dabei letztlich immer auf die Führung und Mitwirkung des Geistes Gottes angewiesen. Der Seelsorger ist kein Heiler, sondern eher ein Pädagoge. Als solcher sollte er dem Ratsuchenden nicht nur durch Worte, sondern durch das Vorbild seines eigenen Lebens Richtung weisen. Deshalb ist das „Sein“ des Seelsorgers dem „Tun“ vorgeordnet.</p>



<h2 class="wp-block-heading">7. Arbeitsweise des Seelsorgers</h2>



<p>Seelsorgerliches Handeln hat ein breites Spektrum. Es bedeutet zunächst: zuhören, einfühlen, verstehen, ermutigen, Hoffnung vermitteln, Vergebung zusprechen, trösten, aber auch ermahnen, zurechtweisen, verwarnen, herausfordern, konfrontieren. Zu den Grundelementen einer biblischen Beratung gehört zunächst die diagnostische Phase, in der der Seelsorger nach einer gründlichen Problemanalyse und evtl. auch Anamnese versucht zu verstehen, um welche Problematik es sich handelt. Hat der Berater die wesentlichen Zusammenhänge erkannt, so wird er nun versuchen, sie dem Ratsuchenden nahe zu bringen. Er wird den Ratsuchenden ermahnen und zurechtweisen. Beide Vorgangsweisen sind sehr differenziert zu sehen, und der Umgang damit sollte sehr behutsam sein.</p>



<p>Oft können wir nicht sehr viel mehr tun, als den Ratsuchenden auf einen Weg zu führen, den er dann selbst gehen muss. Wir haben als Seelsorger die Aufgabe, im Herzen des Ratsuchenden Wege zu bahnen für Gottes Willen (Ps 84,6). Auch das Aufrichten und Trösten ist von großer Wichtigkeit. Der Ratsuchende sollte grundsätzlich jedes Gespräch mit Hoffnung verlassen.</p>



<p>Das Beraten im engeren Sinne soll dem Ratsuchenden konkrete Hilfestellung und Wegweisung zur Veränderung von Gewohnheiten und lebenspraktischen Fertigkeiten vermitteln. Es wird darum gehen, ihm zu helfen, selbst das Pro und Contra einer Entscheidung herauszufinden, ihn zu der Entscheidung herauszufordern und ihm zu helfen, sie in seinen Alltag umzusetzen. Letzteres könnte auch die Aufgabe eines Mentors sein, der ihn in Form einer Zweierschaft ein Stück seines Weges begleitet. Bei all dem ist es sehr wichtig, dass wir den Ratsuchenden nicht nur mit dem Anspruch des Gehorsams konfrontieren, sondern ihm auch einen Weg aufzeigen, wie er Freude und Kraft zu einem gehorsamen Wandel bekommen kann. Andernfalls bringen wir ihn unter einen gesetzlichen Zwang. Daher wird das Tun des Seelsorgers oft nicht viel mehr sein können, als in dem Ratsuchenden Motivation zu wecken, sich in seiner Problematik Gott zu unterstellen und sich von Ihm an die Hand nehmen zu lassen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">8. Interventionen und Methoden</h2>



<p>Erkenntnisse der Humanwissenschaften werden in der biblischen Seelsorge und Beratung genutzt, und sind insbesondere in der diagnostischen Phase des Seelsorgeprozesses von Bedeutung. Kriterium für die Auswahl des psychologischen Wissens ist die Kongruenz mit dem biblischen Menschenbild. So werden unter anderem Erkenntnisse der Wahrnehmungspsychologie, der Kommunikationspsychologie und der Persönlichkeitspsychologie, diagnostische Methoden sowie Erkenntnisse aus dem Bereich der Psychiatrie und Psychosomatik in das Konzept der biblischen Seelsorge integriert. Die Gemeindeorientierte Initiative für biblische Beratung hält jedoch die verschiedenen psychotherapeutischen Ansätze für keinesfalls wertfrei. Deshalb werden in das Konzept der biblischen Beratung grundsätzlich keine psychotherapeutischen Methoden einbezogen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">9. Rolle des Ratsuchenden</h2>



<p>Er sollte willig sein, sich in seiner Problematik unter Gott zu stellen, und die Autorität Seines Wortes zu akzeptieren. Er sollte außerdem bereit sein, sich durch den Geist Gottes verändern zu lassen und biblisch begründete Korrektur durch den Seelsorger anzunehmen. Die Bereitschaft zur aktiven Mitarbeit wird von Anfang an erwartet und eingefordert.</p>



<h2 class="wp-block-heading">10. Besonderheiten</h2>



<p>Die Bibel wird als das eigentliche Instrument seelsorgerlichen Handelns angesehen und auch konkret zum Einsatz gebracht. Daneben helfen diverse Modelle biblischer Psychologie nicht nur dem Seelsorger, die Problematik besser zu verstehen und biblisch richtig einzuordnen, sondern sie dienen auch dazu, diese Einsichten dem Ratsuchenden didaktisch optimal vermitteln zu können.</p>



<h2 class="wp-block-heading">11. Kosten</h2>



<p>Da der Ansatz von GIBB gemeindeorientiert ist und davon ausgeht, dass Seelsorge im Raum der Gemeinde stattfindet als ein Dienst unter andern, soll dafür kein Geld genommen werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">12. Dauer</h2>



<p>Es wird empfohlen, von vornherein ein zeitliches Limit für regelmäßige Beratungsgespräche (ca. 5-6 Termine) festzulegen. Ist eine Beratung darüber hinaus erforderlich, können zunächst die Abstände zwischen den Terminen kontinuierlich verlängert werden. In schwierigen Fällen wäre an eine weitere Begleitung (z. B. durch einen Mentor in Form einer Zweierschaft) zu denken.</p>



<h2 class="wp-block-heading">13. Setting</h2>



<p>Normale Gemeindeseelsorge wird nicht nur „konsultativ” sein in dem Sinne, dass die Initiative von dem Ratsuchenden ausgeht. Oft wird es auch so sein, dass der Seelsorger den Ratsuchenden anspricht. Seelsorge vollzieht sich auch nicht nur im vorher terminierten Gespräch unter vier Augen. Sie ist schon das kurze Wort der Ermutigung, die in Liebe ausgesprochene Ermahnung, das gemeinsame Gebet, ein Wort Gottes zur rechten Zeit, ein kurzes Gespräch nach dem Bibelabend, ein Lob, ein Dankeschön – ja, auch eine konkrete praktische Hilfeleistung.</p>



<p>Biblische Beratung wird sowohl Einzelnen, als auch Paaren angeboten. Bei Eheproblemen wird ein gemischtes Vorgehen empfohlen: mit jedem der Partner einzeln und mit beiden zusammen. Wo es um Probleme der Sucht geht oder um die Veränderung eingeschliffener Lebensgewohnheiten, wäre – soweit möglich – eine zeitweise Einbindung in eine Lebensgemeinschaft wünschenswert. Die Familie des Betroffenen sollte nach Möglichkeit immer mit einbezogen werden. In wenigen Fällen wird eine stationäre Behandlung erforderlich sein. Das Ziel der Schaffung einer stationären Einrichtung wurde 1999 realisiert. Daneben wird auch eine fachliche Unterstützung anderer stationärer Einrichtungen für psychisch Belastete durch GIBB angeboten.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Körperliche Ursachen psychischer Störungen</title>
		<link>https://kfg.org/2024/koerperliche-ursachen-psychischer-stoerungen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. Martin Schumacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Apr 2024 22:10:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Seelsorge]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kfg.org/?p=18157</guid>

					<description><![CDATA[<p>Depressionen, Psychosen, Zwänge, Ängste und Panik – was ist die Ursache all dieser und anderer psychischen Störungen? Die Antwort auf diese Frage ist nicht so eindeutig, wie viele es sich wünschen würden. Und auch Hausärzte haben oft eine nicht ausreichende Kenntnis auf dem Gebiet der somato-psychischen Medizin.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Unspezifische Verhaltens- und Stimmungsänderungen sind oft das erste und manchmal für längere Zeit das einzige und ausschließliche Anzeichen für eine unerkannte körperliche Erkrankung. Durch ihre offensichtliche und überzeugende &#8222;psychologische&#8220; Natur und Präsentation führen solche maskierten körperlichen Zustände den Arzt häufig in die Irre und verhindern so jede weitere medizinische (d.h. somatische) Untersuchung, was zu Fehldiagnosen und damit zwangsläufig zu einer fehlgeleiteten Behandlung führt.“</p>
<cite>Erwin Koranyi (1924 – 2012), kanadischer Psychiatrieprofessor</cite></blockquote>



<p>Depressionen, Psychosen, Zwänge, Ängste und Panik – was ist die Ursache all dieser und anderer psychischen Störungen? Die Antwort auf diese Frage ist nicht so eindeutig, wie viele es sich wünschen würden. Manche sind überzeugt, dass die Ursache psychischer Probleme in den Sünden der Leidenden oder ihrer mangelhaften Gottesbeziehung liegt, andere orten sie in unverarbeiteten Konflikten der Kindheit, erlittenen Traumata, negativen Einflüssen der Umwelt, den Genen oder in einem Ungleichgewicht der Neurotransmitter.</p>



<p>Der Mensch ist ein komplexes Geschöpf, der zudem auch noch Teil sozialer Systeme wie Familie und Gesellschaft ist. Er ist eine Einheit aus Körper und Geist-Seele (1Mo 2,7), die sehr eng miteinander verbunden sind und sich gegenseitig beeinflussen. Diese einfachen Feststelllungen deuten schon darauf hin, dass es viele verschiedene mögliche Ursachen psychischer Störungen gibt. Der Einfluss der Seele (gr. Psyche) auf den Körper (gr. Soma) ist den meisten gut bekannt und wird auch in der Bibel bezeugt (z. B. Spr 17,22; Ps 32,3). Mit dieser Thematik beschäftigt sich die medizinische Fachrichtung der Psychosomatik. Es gibt jedoch in umgekehrter Richtung auch den Einfluss des Körpers auf die Seele, der weniger gut bekannt ist. Dieser spezielle Zusammenhang und sein Einfluss auf die seelische Gesundheit soll der Gegenstand dieses Artikels sein.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Mögliche Ursachen psychischer Störungen</h2>



<p>Über die Ursache(n) psychischer Probleme gibt es unter Christen sehr unterschiedliche Meinungen. In der modernen Psychiatrie dominiert ein biologisches Modell psychischer Störungen. Dieses Modell konzentriert sich auf die Gene, die Morphologie und die Neurochemie des Gehirns („Ungleichgewichte“ von Neurotransmittern wie Serotonin, Dopamin und Glutamat). Jedoch haben weder das Humangenomprojekt (1990-2003), die Dekade des Gehirns (1990-1999), noch die Einführung moderner bildgebender Verfahren (MRI/MRT, PET, SPECT) das Rätsel der Ursachen psychischer Störungen lösen können. Tatsächlich gibt es bis heute keine biologischen, chemischen oder physikalischen Tests, die eine psychische Störung mit ausreichender Zuverlässigkeit diagnostizieren können. In der Praxis ist es daher üblich, dass ein Psychiater aufgrund eines Gesprächs eine Diagnose stellt. Umfangreiche Laboruntersuchungen, bildgebende Verfahren, genetische Analysen usw. werden in der Regel nicht durchgeführt.</p>



<p>Das triadische System der deutschen Psychiatrie teilt die psychischen Störungen nach den folgenden drei möglichen Ursachen ein:</p>



<ol class="wp-block-list">
<li>Endogen („im Inneren erzeugt&#8220;, bisher unbekannte Ursache, genetische Komponente wird vermutet)</li>



<li>Psychogen („in der Psyche begründet“, oft auch neurotisch oder reaktiv genannt)</li>



<li>Exogen („durch äussere Einflüsse entstehend“, körperlich/somatisch/organisch bedingt)</li>
</ol>



<p>Zur ersten Gruppe gehören die endogenen Psychosen (melancholische Depression, Manie, bipolare Störungen, Schizophrenien und Mischformen), deren Ursachen noch nicht bekannt sind, man aber eine organische Erkrankung annimmt. Der Anteil der Menschen, die während ihres Lebens an einer endogenen Psychose erkranken, beträgt weniger als 5%.</p>



<p>Störungen mit einer exogenen Ursache beruhen auf körperlichen Erkrankungen (nicht nur des Gehirns). Dies ist der Fokus dieses Beitrags. In der Geschichte der Psychiatrie waren die Entdeckungen zur Neurosyphilis grundlegend, da dadurch erstmals eine psychische Krankheit auf eine somatische Ursache (nämlich der Infektion des Gehirns mit dem Bakterium Treponema pallidum) zurückgeführt werden konnte. Eine weitere wichtige Entdeckung auf diesem Gebiet war die Verursachung einer Psychose durch den Mangel eines Vitamins (Niacin/Vitamin B3), der sog. Pellagrapsychose. In dem von der WHO herausgegebenen und bei uns verbindlichen Diagnosemanual ICD-10 werden im Kapitel V, Gruppe F00-F09 (besonders F06 und F07, siehe auch die Einträge unter F02.8), „Organische psychische Störungen“ vorgestellt, die für uns von Interesse sind und eine passende Diagnose bzw. Klassifizierung erlauben (Dilling 2015). Das Wissen über die körperlichen Ursachen ist also vorhanden, kommt jedoch in der Praxis oft nicht zur Anwendung.</p>



<p>Die psychogenen Ursachen seelischer Störungen sind sehr vielfältiger Natur (z. B. eine schwierige Kindheit, belastende Lebensumstände, Stress, Verluste, Beziehungsprobleme, erlittene Traumata). Die Persönlichkeit/das Temperament der Betroffenen spielt auch eine wichtige Rolle. Auch Auswirkungen der modernen Gesellschaft wie fehlende Beziehungen und Einsamkeit, übermäßige Beschäftigung mit elektronischen Medien, ungesunde Ernährung („Fastfood“) oder Schlafmangel sind mögliche Gründe. Das Aussehen solcher psychogen verursachter Störungen umfasst die ganze Breite der psychiatrischen Krankheitsbilder. Zu dieser Gruppe gehört die Mehrzahl der auftretenden psychischen Störungen.</p>



<p>Sogar schizophrenieähnliche Krankheitsbilder können psychogen verursacht werden. In der Regel treten diese Krankheitsbilder spontan auf, dauern nur wenige Wochen und haben bei Elimination der auslösenden Faktoren eine gute Prognose.</p>



<p>In der Psychiatrie hat man vor etwa 40 Jahren die Diagnose psychischer Störungen auf das Vorhandensein bestimmter Symptome (ohne Berücksichtigung der Ursache) umgestellt. Dies ist mit verschiedenen Risiken verbunden, da psychiatrische Symptome unspezifisch sind. So können ganz verschiedene Ursachen wie z. B. ein Karzinom, ein Vitaminmangel oder der Tod eines Kindes das gleiche Krankheitsbild einer Depression hervorrufen. Auf der anderen Seite ist es so, dass eine bestimmte Ursache, z. B. Syphilis, ganz verschiedene psychiatrische Krankheitsbilder verursachen kann. Dies deutet schon die Wichtigkeit einer sorgfältigen internistisch-neurologischen Untersuchung zur Abklärung der möglichen Ursache an.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Eine Fallgeschichte</h2>



<p>Um die Relevanz und Wichtigkeit des Erkennens der wahren Ursache einer psychischen Störung besser zu verstehen, wollen wir uns nun eine wahre Krankengeschichte vor Augen führen (Lamparter 2018). Ein verheirateter 40-jähriger Verkaufsleiter leidet seit 15 Jahren an ausgeprägten Kopfschmerzen, zeitweisem Schwindel und seit 5 Jahren an einer Abgeschlagenheit, die ihn bei der Ausübung seines anspruchsvollen Berufs behindert. Seine Stimmung ist ängstlich-depressiv. Der Patient ist als Einzelkind, dessen Eltern sich im Alter von 4 Jahren scheiden ließen, unter schwierigen Umständen aufgewachsen. In der Berufswelt hatte er wiederholt Probleme mit Autoritätspersonen. Eine internistische Abklärung ist ohne Befund. Von einem Neurologen, der seine Kopfschmerzen erfolglos behandelt hat, wird er zur Psychotherapie überwiesen, die er jedoch nach 9 Sitzungen abbricht. Die Diagnose lautet „Chronische Kopfschmerzsymptomatik bei Autonomiekonflikt und selbstunsicherer Persönlichkeit“. Eine weitere, später durchgeführte erfolglose Psychotherapie wird nach 22 Sitzungen vom Patienten abgebrochen. Starke einschießende Schmerzen wurden vom Psychotherapeuten als „Aufschrei der Seele“ interpretiert. Der Chefarzt einer Schmerzklinik stellte aufgrund einer „bizarren Schmerzschilderung“ gar die Diagnose einer Schizophrenie. Acht Jahre nach dem ersten Arztbesuch hat sich die gesundheitliche Situation körperlich und psychisch sehr verschlechtert. Der Patient ist bettlägerig und berentet. Eine erneute umfassende medizinische Untersuchung zeigt nun die Ursache all der verschiedenen körperlichen und psychischen Symptome: Neurosyphilis. Nach all den Leidensjahren, von denen er die meisten auf der „Psychoschiene“ war, starb der Patient an seiner Syphilisinfektion. Diese wäre in den ersten Jahren seiner Erkrankung sehr gut behandelbar gewesen.</p>



<p>Wie obige Fallgeschichte zeigt, kann die Fehldiagnose einer körperlichen Erkrankung als psychogen („Psychogener Fehler“) schwerwiegende Folgen haben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Mögliche körperliche Ursachen psychischer Störungen</h2>



<p>Im Prinzip kann jede Krankheit oder Substanz, die im Gehirn einen pathologischen Zustand erzeugen kann, eine psychische Störung hervorrufen.</p>



<p>Wie die untenstehende Auflistung andeutet, gibt es eine sehr grosse Zahl an möglichen körperlichen Ursachen psychischer Probleme. Fast alle Medikamente (insbesondere, wenn man mehrere gleichzeitig nimmt) können bei prädisponierten Menschen psychische Probleme verursachen, dies gilt insbesondere für Ältere. Unter den Medikamenten sind diejenigen mit einer anticholinergen Wirkung besonders problematisch (es ist eine gewisse Ironie, dass auch manche Psychopharmaka zu dieser Gruppe gehören). Auch viele „normale“ Erkrankungen können psychische Störungen verursachen. Nun werden sich sicher manche die Frage stellen, warum diese Krankheiten nicht behandelt werden und dadurch die psychischen Probleme gar nicht erst entstehen oder wieder verschwinden. Oft ist es so, dass psychische Symptome die ersten Anzeichen sind und die eigentliche körperliche Erkrankung mit ihrer typischen Symptomatik sich erst viel später manifestiert. Hausärzte haben oft eine nicht ausreichende Kenntnis auf dem Gebiet der somato-psychischen Medizin. Dadurch werden wichtige Labortests und andere Untersuchungen nicht angefordert und so das grundlegende Problem nicht erkannt. Psychiater und Psychotherapeuten führen in der Regel keine körperlichen Untersuchungen durch und vertrauen darauf, dass alles Nötige schon vom Hausarzt oder dem überweisenden Arzt abgeklärt wurde. Auch legen sie ihr Hauptaugenmerk auf die psychiatrischen Symptome, die jedoch leider keinen Rückschluss auf die Ursache zulassen. Die ausgeprägte Spezialisierung in der Medizin (statt einer gesamtheitlichen Betrachtung des Menschen) und die jetzige Situation in der medizinischen Versorgung mit langen Wartezeiten und einem zeitlich nur kurzen Kontakt mit dem Arzt tragen zu dieser Misere bei.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Körperliche Erkrankungen, die psychische Störungen hervorrufen können</h2>



<p>Die untenstehende Auflistung zeigt eine Übersicht der möglichen Ursachen psychischer Störungen mit einigen Beispielen. Weitere körperliche Krankheiten und die am häufigsten von ihnen verursachten psychischen Symptome werden im Anhang gezeigt. Die Anzahl der möglichen Ursachen ist sehr gross und füllt ganze Bücher. So wurden z. B. für die Symptomatik einer Depression hunderte möglicher körperlichen Ursachen beschrieben.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Hirntumore, Hirnabzess, Schädel-Hirn Trauma</li>



<li>Epilepsien (Temporallappenepilepsie)</li>



<li>Endokrine Erkrankungen (Schilddrüse, Nebenschilddrüse, Nebenniere)</li>



<li>Gehirnentzündungen (Bakterien, Viren, Pilze, Protozoen, Würmer, Autoimmun)</li>



<li>Erbkrankheiten (Chorea Huntington, Morbus Wilson, Porphyrie)</li>



<li>Elekrolytstörungen (Hyponaträmie)</li>



<li>Krebs (Pankreas, Lunge, Brust, Eierstock, Prostata, Hypophyse)</li>



<li>Mangelzustände (Eisen, B-Vitamine, Mineralien, Spurenelemente)</li>



<li>Intoxikationen (Schwermetalle, Organische Gifte)</li>



<li>Medikamente (Fluorchinolon-Antibiotika, Isoretinoine, Kortison, „Antibabypille“)</li>



<li>Autoimmunerkrankungen (Lupus, Multiple Sklerose, Hashimoto, Diabetes Typ I, Zöliakie)</li>



<li>Allergien/Unverträglichkeiten (Fruktose-, Laktoseintoleranz)</li>



<li>Organerkrankungen (Herz, Niere, Leber, Pankreas)</li>



<li>Neurologische Erkrankungen (Multiple Sklerose, Parkinson, Demenz)</li>



<li>Infektionen (Influenza, Syphilis, Borreliose, HIV, Herpes-Viren, Toxoplasmose)</li>
</ul>



<p>In den letzten Jahren wurde die Wichtigkeit von Autoimmun-Gehirnentzündungen (Enzephalitiden) ohne begleitende neurologische Auffälligkeiten als Ursache von schwerwiegenden Erkrankungen wie Psychosen, Depressionen, Bipolaren Störungen und Zwangsstörungen erkannt und erfolgreich mit immunsuppressiven Therapien behandelt.</p>



<p>Für das Krankheitsbild einer Schizophrenie wird eine Vielzahl organischer Ursachen beschrieben (Tebartz van Elst 2021), was für Betroffene ganz neue Möglichkeiten der Behandlung und ursächlichen Heilung aufzeigt. Auch Infektionen des Gehirns mit allen möglichen Erregern können die verschiedensten psychischen Störungen hervorrufen (Niehaus 2021), die dann nicht mit Psychopharmaka, sondern mit Antibiotika, Virostatika u. ä. behandelt werden sollten. Hier sollte z. B. an eine Borreliose und an Syphilis, die wieder auf dem Vormarsch ist, gedacht werden. Einen besonderen Fokus auf die körperlichen Ursachen psychischer Probleme bei Kindern und Teenagern (z.B. Depressionen, Ängste, Autismus und ADHS) findet man in den Büchern des Arztes Dr. Kenneth Bock (Bock 2008/2022).</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wie groß ist das Ausmaß dieser Problematik?</h2>



<p>Die Psychiater Koranyi &amp; Potoczny haben 1998 eine Übersichtsarbeit publiziert, in der sie 21 Studien über die Häufigkeit körperlicher Erkrankungen bei Psychiatriepatienten aus den Jahren 1937 bis 1991 ausgewertet haben. Bei insgesamt 9200 Patienten wurde bei einer unabhängigen Untersuchung bei 50% eine körperliche Erkrankung festgestellt. Bei 58% dieser Patienten war die Diagnose vorher nicht bekannt und bei 27% hatte die körperliche Erkrankung eine direkte Beziehung zum psychiatrischen Krankheitsbild. Es bestand also bei ca. 14% (dieser Wert umfasst bei den o. g. 21 Studien den Bereich von 7 bis 37%) der psychiatrischen Patienten eine körperliche Erkrankung, die nachträglich als Ursache des psychiatrischen Krankheitsbildes identifiziert wurde. Die meisten dieser Patienten waren stationär in psychiatrischen Kliniken untergebracht. Unter Beachtung der Tatsache, dass früher moderne bildgebende Verfahren (MRT, CT) und manche Labormethoden noch nicht verfügbar waren, ist die mittle Häufigkeit von 14% wohl nach oben zu korrigieren. Auch ist zu berücksichtigen, dass die Verursachung psychiatrischer Krankheitsbilder durch Autoimmun-Entzündungen des Gehirns erst im Jahr 2007 entdeckt wurde. In diesem Sinn wird der Anteil körperlich bedingter psychischer Störungen immer grösser und aus psychiatrischen „Fällen“ werden solche für die Neurologie oder die Innere Medizin.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Hinweise auf eine körperliche Ursache</h2>



<p>Wenn mit dem Auftreten von psychischen Symptomen die folgenden Beobachtungen oder Bedingungen vorhanden sind, oder diesen vorausgehen, sollte immer an eine körperliche Ursache der psychischen Störung gedacht werden und eine entsprechende medizinische Untersuchung veranlasst werden.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Optische/visuelle Halluzinationen</li>



<li>Erhöhte Körpertemperatur</li>



<li>Neurologische Symptome (Bewegung, Sprache, kognitive Probleme, Bewusstseinstrübung)</li>



<li>Höheres Alter (ohne frühere psychische Probleme)</li>



<li>Einnahme von Medikamenten oder Drogen</li>



<li>Einseitige Ernährung (vegetarisch, vegan, „Fastfood“)</li>



<li>Ungewöhnliche Kopfschmerzen</li>



<li>Plötzliche Verhaltensänderung</li>



<li>Steifer Nacken</li>



<li>Geschmacksverlust</li>



<li>Plötzliche Angst vor Auslöschung der Existenz</li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading">Häufige Ursachen psychischer Störungen</h2>



<p>Es gibt einige körperliche Ursachen, die relativ häufig vorkommen und mit wenig Aufwand und Kosten abgeklärt werden können. Der Hausarzt kann die entsprechenden Laboruntersuchungen veranlassen. Triviale Faktoren wie Schlaf- und Bewegungsmangel, Übergewicht, übermässiger Konsum von koffeinhaltigen oder alkoholischen Getränken, usw. sollten nicht vergessen werden.</p>



<p>Ein Eisenmangel kommt, insbesondere bei menstruierenden Frauen, relativ häufig vor. Solch ein Eisenmangel darf nicht mit einer Anämie (Hämoglobinwert/Hb erniedrigt) verwechselt werdet, die einen schwerwiegenderen Zustand darstellt. Eine Anämie kann verschiedene Ursachen haben, die immer abgeklärt und entsprechend behandelt werden sollten. Bei einem Eisenmangel können psychische Symptome auftreten, obwohl der Hb-Wert noch im Normalbereich liegt. Laboranalytisch sollten der Ferritinwert (Soll: &gt; 80 µg/l) und die Transferritinsättigung (Soll: &gt;30 %) bestimmt werden. Des Weiteren ist eine gute Funktion der Schilddrüse für die psychische Gesundheit von grosser Wichtigkeit. Sowohl eine Unter- (Hypothyreose) als auch eine Überfunktion (Hyperthyreose) gehen oft mit psychiatrischen Symptomen einher. Hier bringen die Laborwerte TSH (Soll: 0.4 &#8211; 2.5 mU/l), fT3 und fT4 Klarheit. Auch die Funktion der Nebenniere sollte überprüft werden. Dies geschieht am besten mit einem Cortisol-Tagesprofil, das einfach mit 3-4 Speichelproben erstellt werden kann. Zur Abklärung von (unerkannten) Autoimmunerkrankungen sollten ein ANA-Test (Antinukleäre Antikörper) gemacht werden. Weiterhin werden Laboranalysen der B-Vitamine (insbesondere B1, B3, B6, B12 und Folsäure) empfohlen. Routineuntersuchungen wie das Blutbild, Elektrolyte, Gesamteiweiss, Nieren- und Leberwerte und CRP/Blutsenkung stellen eine notwenige Ergänzung dar.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was ist zu tun?</h2>



<p>Wenn eine psychische Störung so schwerwiegend ist, dass eine stationäre Behandlung nötig ist, mit grossem Leid verbunden ist, oder hartnäckig über längere Zeit bestehen bleibt, sollte eine umfassende somatische Untersuchung veranlasst werden. Dies ist auch bei jedem erstmaligen Auftreten einer Psychose angezeigt.</p>



<p>Neben einer ausführlichen Anamnese sollte eine körperliche Untersuchung, umfassende Laboranalysen von Blut und Liquor (Nervenwasser), ein MRT (oder CT) des Kopfes, und ein EEG gemacht werden.</p>



<p>Zum Schluss noch einige Empfehlungen für Seelsorger. Sie stehen in der Gefahr, bei Menschen mit psychischen Problemen mögliche organische Ursachen nicht in Betracht zu ziehen. Es ist offensichtlich, dass z. B. bei einer durch einen Hirntumor oder eine Schilddrüsenunterfunktion verursachten Depression auch das beste Seelsorgekonzept versagen wird. Seelsorger sollten also immer mögliche körperliche Ursachen in Betracht ziehen und Ratsuchende zu einer ärztlichen Abklärung motivieren. Um sich mit dieser Thematik vertraut zu machen, wird die Lektüre von Fallgeschichten empfohlen (Lamparter 2018, Morrison 2000/2015).</p>



<p></p>



<p><em>Literaturverzeichnis</em></p>



<ol class="wp-block-list">
<li>Bock, Das entzündete Gehirn – wenn der Körper die Seele krank macht. Die versteckte Ursache von Depressionen, Angststörungen und anderen psychischen Erkrankungen bei Jugendlichen verstehen und behandeln. Riva 2022</li>



<li>Bock &amp; Stauth, Healing the New Childhood Epidemics. Autism, ADHD, Asthma, and Allergies. Ballantine Books 2008</li>



<li>Bullmore, Die entzündete Seele. Ein radikal neuer Ansatz zur Heilung von Depressionen. Goldmann 2019</li>



<li>Dilling, Mombour &amp; Schmid, Internationale Klassifikation psychischer Störungen. ICD–10 Kapitel V (F). Hogrefe 2015<br>Eine Onlineversion kann hier eingesehen werden: <a href="https://www.dimdi.de/static/de/klassifikationen/icd/icd-10-gm/kode-suche/htmlgm2020/chapter-v.htm" rel="noopener">https://www.dimdi.de/static/de/klassifikationen/icd/icd-10-gm/kode-suche/htmlgm2020/chapter-v.htm</a></li>



<li>Kapfhammer, Depression, Angst, traumatischer Stress und internistische Erkrankungen. Eine psychosomatische und somatopsychische Perspektive. Springer 2023</li>



<li>Kasten, Somatopsychologie. Körperliche Ursachen psychischer Störungen von A bis Z. Ernst Reinhardt Verlag 2010</li>



<li>Lamparter &amp; Schmidt, Wirklich psychisch bedingt? Somatische Differenzialdiagnosen in der Psychosomatischen Medizin und Psychotherapie. Schattauer 2018</li>



<li>Morrison, Der zweite Blick: Psychische Störungen als Symptome somatischer Krankheiten. Hogrefe 2000 (nur noch über Fernleihe erhältlich, englisches Original siehe nächster Eintrag)</li>



<li>Morrison, When Psychological Problems Mask Medical Disorders. Guilford Publications 2015</li>



<li>Niehaus &amp; Pfuhl, Die Psycho-Trojaner. Wie Parasiten uns steuern. Hirzel 2021</li>



<li>Tebartz van Elst, Vom Anfang und Ende der Schizophrenie. Eine neuropsychiatrische Perspektive auf das Schizophrenie-Konzept. Kohlhammer 2021<br>Eine ausführliche Buchrezension findet man hier: <a href="https://biblische-seelsorge.org/2019/02/22/rezension-vom-anfang-und-ende-der-schizophrenie" rel="noopener">https://biblische-seelsorge.org/2019/02/22/rezension-vom-anfang-und-ende-der-schizophrenie</a></li>



<li>Welch, Ist das Gehirn schuld? 3L-Verlag 2004</li>
</ol>



<p>In englischer Sprache gibt es eine umfassende und detaillierte Literatur zu dieser Thematik. Empfehlungen auf Nachfrage.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Trauern und Trösten</title>
		<link>https://kfg.org/2024/trauern-und-troesten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Roland Antholzer]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Apr 2024 13:55:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Seelsorge]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kfg.org/?p=18159</guid>

					<description><![CDATA[<p>Leid ist eine allgemein menschliche<br />
Erfahrung. Und weil der Tod so untrennbar mit dem Leben verwoben ist, weil keiner von uns dieser Macht<br />
ausweichen kann, daher ist auch die Trauer unser aller Erfahrung – vielleicht nicht im Moment, aber früher oder später doch. Der Artikel beleuchtet die verschiedenen Phasen des Trauerns und zeigt auf, wie wahrer Trost in diesen schweren Stunden aussehen kann.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading">Der Prozess des Trauerns</h2>



<figure class="wp-block-pullquote"><blockquote><p>»Siehe, um Trost war mir sehr bange.«</p><cite>Jesaja 38,17</cite></blockquote></figure>



<p>Leid ist eine allgemeinmenschliche Erfahrung. Und weil der Tod so untrennbar mit dem Leben verwoben ist, weil keiner von uns dieser Macht ausweichen kann, daher ist auch die Trauer unser aller Erfahrung – vielleicht nicht im Moment, aber früher oder später doch. Wir könnten sagen: Trauer ist eine Grunderfahrung des Menschen, die – wie die Angst – in einer gefallenen Welt unausweichlich ist. Und alle kommen wir in die Situation, dass wir selbst trostbedürftig werden und hoffentlich auch Trost erfahren. Oder wir sollen selbst zu Tröstern werden an denen, die im Leid sind und denen wir verbunden sind.</p>



<p>Wir leben heute in einer sehr individualistischen Zeit, einer Zeit, in der Jugend und Gesundheit angebetet werden, einer Zeit, deren Merkmal Leidensscheu ist, in der Krankheit und Tod in die Krankenhäuser und Pflegeheime verbannt wurden, damit man ja nicht damit konfrontiert wird und sich mit diesen Dingen auseinander setzen muss. Das hat Folgen: Vor allem macht es den Menschen unfähig, mit dem in sein Leben einbrechenden Leid fertig zu werden, unfähig sowohl zum Trauern als auch zum Trösten. Kaum irgendwo erleben wir unsere Hilflosigkeit so bedrängend wie da, wo wir einem Trauernden Trost vermitteln sollen.</p>



<p>Wenn nun im Folgenden von Trauer die Rede ist, dann soll damit weniger der emotionale Zustand der Traurigkeit gemeint sein, sondern vielmehr der Prozess, der sich in einem Menschen abspielt, der einen Verlust erlitten hat. „Traurigkeit“, „Kummer“ und „Gram“, das sind die vorherrschenden Emotionen, die ein Mensch erfährt, wenn er trauert. Gram besteht hauptsächlich aus Kummer oder Traurigkeit, obwohl er oft ein Muster von Emotionen und affektiv-kognitiven Strukturen ist, das Furcht, Schuldgefühl oder Zorn einschließt. Gram ist die typische Reaktion auf Verlust.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Trauer ist Reaktion auf Verlust</h2>



<p>Trauer ist immer Reaktion auf eine Verlusterfahrung. Der Verlust kann ein zeitweiliger sein, wie etwa bei der Trennung von einem Menschen oder bei einer vorübergehenden Erkrankung. Es kann sich aber auch um einen permanenten Verlust handeln, wie es beim Tod der Fall ist. Der Verlust kann real sein oder eingebildet, er kann physisch sein oder psychisch. Die Ursache des tiefsten und umfassendsten Grams ist der Verlust des Menschen, den man am innigsten liebt. Es gibt aber auch andere Formen von Verlust, die mehr auf die eigene Person bezogen sind. Carroll E. Izard weist darauf hin, dass Verlust immer gleichzeitig ein reales Ereignis und ein perzeptives oder psychisches Ereignis ist. Ein realer Verlust (etwa des Arbeitsplatzes) kann symbolisch einen Verlust von Ehre oder einen „Gesichtsverlust“ darstellen. Er führt folgende typische Verlustsituationen an:<sup data-fn="8a5d80e6-2b21-440a-8096-66b4dbae0007" class="fn"><a id="8a5d80e6-2b21-440a-8096-66b4dbae0007-link" href="#8a5d80e6-2b21-440a-8096-66b4dbae0007">1</a></sup></p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Verlust, der im Verlauf von Wachstum und Entwicklung auftritt (nährende Brust, Milchzähne, Status als Mittelpunkt elterlicher Aufmerksamkeit)</li>



<li>Verlust der eigenen Attraktivität (Wie können sich manche Frauen über die ersten Fältchen im Gesicht grämen!)</li>



<li>Verlust der früheren Vitalität</li>



<li>Verlust irgendeiner sensorischen oder motorischen Fähigkeit</li>



<li>Verlust von Geisteskraft</li>



<li>Verlust positiver Einstellungen zu sich selbst wie etwa der Selbstachtung</li>



<li>Verlust von materiellen Objekten wie Geld, Reichtümern, Grundbesitz</li>
</ul>



<p>Zu ergänzen wäre diese Auflistung noch mit weiteren Situationen:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Verlust einer geliebten Person (Scheidung oder Tod)</li>



<li>Verlust an Bedeutung (Arbeitslosigkeit, Pensionierung usw.)</li>



<li>Verlust an Sicherheit (durch traumatische Erfahrungen wie Krieg, Unfall, als Opfer von Verbrechen usw.)</li>



<li>Verlust einer Chance, einer ungenutzten Möglichkeit, wo man etwas verpasst hat, was man hätte haben können (Auch der Verlust von etwas, was man nie hatte, kann heftige Trauer auslösen!)</li>
</ul>



<p>Wir sehen, dass mehrere dieser Verlustsituationen ins besondere mit dem Alterungsprozess verknüpft sind. Auch die Wahrscheinlichkeit, einen geliebten Menschen durch Tod zu verlieren, ist bei älteren Menschen wesentlich größer als bei jungen. Ältere Menschen sind also in besonderer Weise von Verlust betroffen. Wenn man dann noch bedenkt, dass die soziale Unterstützung von Senioren in unserer individualistischen Kultur der Klein- und Kleinstfamilie ebenfalls sehr fraglich ist, kann man verstehen, warum Altersdepressionen und Altersalkoholismus stark zugenommen haben.</p>



<p>In diesem Artikel möchte ich aber unsere Aufmerksamkeit speziell auf den Gram richten, der aus der permanenten Trennung von einem geliebten Menschen oder aus seinem Tod resultiert. Es geht also um den typischen Trauerfall und um die Frage, wie der Prozess des Trauerns abläuft. Natürlich lassen sich diese Erkenntnisse teilweise auch auf andere Verlustsituationen übertragen. Bei jedem einigermaßen schwerwiegenden Verlust werden wir trauern, wenn auch die Trauer nicht immer gleich intensiv sein wird. Wenn bei einem jungen Menschen die erste Liebesbeziehung in die Brüche geht, kann das einen intensiven Trauerprozess mit sich bringen. Ich überlasse es aber dem Leser, aus dem Speziellen das Allgemeine herauszufiltern. Im Prinzip könnte man sagen: Alles, was nicht ausschließlich mit dem Tod eines Menschen zu tun hat, kann sich auch in anderen „Trauerfällen“ zeigen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Phasen der Trauer</h2>



<p>Wenn man sich die Fachliteratur zum Thema „Trauer“ ansieht, dann fällt auf, dass zwar übereinstimmend versucht wird, den komplexen Vorgang des Trauerns durch eine Einteilung in Phasen griffiger zu machen. Bei der Beschreibung der Trauerphasen kommen die verschiedenen Autoren jedoch zu teilweise sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Manche teilen ihn in drei Phasen ein, andere in acht oder zehn. Übereinstimmung besteht hinsichtlich der 1. Phase des Schocks. Bei näheren Vergleichen der verschiedenen Theorien fiel mir auf, dass sie sich letztlich doch nicht so sehr unterscheiden. Die Unterschiede liegen meist in der Begrifflichkeit. Außerdem werden manche Aspekte bei dem einen als eigene Phase aufgefasst, während sie bei anderen einem anderen Phasenbegriff untergeordnet sind. Ich habe mich für eine Einteilung entschieden, die mir am sinnvollsten erschien, weil sie die meisten Theorien zu integrieren vermag. Sie geht von vier Phasen aus: der Phase des Schocks, der Phase der Kontrolle, der Phase der Regression und zuletzt der Phase der Adaptation. <sup data-fn="b7805393-42b8-4cdc-bf1f-0de38685b796" class="fn"><a id="b7805393-42b8-4cdc-bf1f-0de38685b796-link" href="#b7805393-42b8-4cdc-bf1f-0de38685b796">2</a></sup></p>



<h3 class="wp-block-heading">Phase 1: Der Schock</h3>



<p>Direkt nach dem Verlusterlebnis steht der Betroffene wie unter einem Schock. Dieser kann stärker oder weniger stark ausgeprägt sein, je nachdem, ob der Tod vorhersehbar war oder nicht. Am stärksten ist der Schock bei einer unerwarteten Todesnachricht, etwa nach einem Verkehrs- oder Arbeitsunfall. Wenig ausgeprägt ist er dann, wenn der Tod schon lange erwartet worden war. Im letzteren Fall ist ein Teil der Trauer schon vorweggenommen worden. Es wird dann zwar das Gefühl der Traurigkeit für eine kurze Zeit reaktiviert, hat aber nicht mehr das volle Gewicht. Vielfach ist, besonders bei einer langen Pflegezeit, der Tod sogar mit dem Gefühl einer Erleichterung verbunden. Die Phase des Schocks hält meist nur für wenige Stunden an und ist auch bei längerer Dauer normalerweise nach ein bis zwei Tagen vorüber.</p>



<p>Der Schock kann sich ganz verschieden äußern. Die Varianz zeigt sich vom psychischen Zusammenbruch bis zu einer stoischen, scheinbar unberührten Reaktion. Zur ersten Reaktion hier ein Beispiel aus der Literatur:<sup data-fn="8858452d-f29b-41f9-85c5-96fe98dfc79a" class="fn"><a id="8858452d-f29b-41f9-85c5-96fe98dfc79a-link" href="#8858452d-f29b-41f9-85c5-96fe98dfc79a">3</a></sup></p>



<p><em>„Die verwitwete Frau war 33 Jahre alt und Gattin eines Reporters, der acht Tage vor seinem Tod einen Autounfall hatte und seit dieser Zeit zwischen Leben und Tod schwebte. Beim Eintritt seines Todes waren seine Ehefrau, der Chefarzt, eine Krankenschwester und ein Bruder des Verstorbenen anwesend. Sobald der Arzt die Feststellung des Todes machte, stieß die Ehefrau einen schweren Seufzer aus und sank in einem Sessel zusammen. Ihr Schwager und die Schwester bewahrten sie davor, auf den Boden zu stürzen. Ihre Augen blieben offen, aber waren starr und auf keinen Gegenstand gerichtet. Krankenpfleger brachten sie in ein Bett im anliegenden Raum und gaben ihr Stimulantien.</em></p>



<p><em>Nach einer halben Stunde wurde der Schwager informiert, sie könne nach Hause gebracht werden, und zusammen mit einem weiteren Schwager, der inzwischen eingetroffen war, schafften die beiden es, sie zum Wagen zu bringen. Sie mussten sie dabei stützen und nahezu tragen. Während der Autofahrt weinte die Frau leise vor sich hin und sagte nichts. Einer der Schwager teilte später mit, auch zu Hause habe sie sich merkwürdig verhalten. Sie schien zu erkennen, was vorging, aber schenkte den Ereignissen keine Aufmerksamkeit. Der Schwager führte dies auf den Schock zurück und meinte, sie alle hätten sich wie in einem Zustand der Trance gefühlt.</em></p>



<p><em>Die Frau weigerte sich, das Mittagessen zu sich zu nehmen. Als ihr einziger Sohn am späten Nachmittag aus der Schule zurückkam, brach sie in Tränen aus und weinte mehr als zehn Minuten lang. Sie berichtete später über das Gefühl eines schrecklichen Schocks bei der Todesnachricht. Sie hatte keine Erinnerung an ihren Zusammenbruch, bis sie sich in dem Wagen wiederfand.“</em></p>



<p>Dieses Beispiel zeigt den Schock in deutlich wahrnehmbarer Form. Er muss aber durchaus nicht immer so deutlich sichtbar sein. Möglicherweise vermag der Hinterbliebene in dieser Zeit nicht einmal zu weinen. Für Außenstehende mag es so aussehen, als bestehe gar keine echte Trauer. Doch diese kontrollierte Form des Schocks hat letztlich nur die Funktion, ihn vor der vollen emotionalen Wirkung der Tragödie zu schützen. Der Betroffene umgibt seine Seele gewissermaßen mit einem Schutzschild, sorgt für eine zeitweilige Narkose.</p>



<p>Die Schockphase wird nach einer gewissen Zeit in ein starkes und häufiges Weinen übergehen. Das Weinen kann aber auch sofort auftreten. Diese erste Phase ist eine Zeit der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Seelsorgerliche Hilfe</h4>



<p>Beides, Schock und Weinen, darf dem Trauernden nicht versagt werden. Es handelt sich hier um völlig normale Reaktionen. Bemerkungen wie: „Hören Sie doch auf zu weinen. Sie sollten sich freuen: Ihr Mann ist doch jetzt bei Gott“, sind völlig fehl am Platz. In Psalm 42,4 heißt es: „Meine Tränen sind meine Speise Tag und Nacht.“</p>



<p>Man sagt ja: „Wein dich nur aus, es tut dir gut“. Diese Volksweisheit ist jetzt wissenschaftlich erhärtet worden. William H. Frey, Biochemiker in Minneapolis, hat nach 15-jähriger Forschung in seinem Buch „Crying, The Mystery of Tears“ eine einleuchtende Theorie aufgestellt. Frey vermutet, dass Menschen durch das Weinen Chemikalien abbauen, die unter emotionalem Stress freigesetzt worden sind. Er verweist u.a. auf die Tatsache, dass die Konzentration von Mangan in Tränen 30-mal höher ist als im Blut. Außerdem sei es ein Unterschied, ob man aus Trauer, Freude oder Verzweiflung Tränen vergießt oder ob einen schlicht äußere Reize – wie z.B. Zwiebelschneiden – zu Tränen rühren. In gefühlsmäßig vergossenen Tränen wurde eine um 24% höhere Proteinkonzentration gemessen als in den Zwiebeltränen. Vor allem drei Stoffe konnten nachgewiesen werden: ein Endorphin, das Schmerzgefühle reduziert (Leuzin-Encephalin), ACTH (ein Hormon, das als deutlichstes Indiz für Stress gilt) und Prolaktin, das die Tränenproduktion fördert.</p>



<p>Ist der Tod im Krankenhaus eingetreten, was in unseren westlichen Gesellschaften bei ca. 70% aller Menschen der Fall ist, fällt gewöhnlich dem Arzt oder der Stationsschwester die Aufgabe zu, die Angehörigen zu informieren. In dem darauf folgenden kurzen Gespräch werden Fragen nach der Ursache des Todes gestellt und fast immer auch die Frage, ob der Verstorbene noch hat leiden müssen. Vor allem kommt regelmäßig die Frage auf, ob der Tod nicht vielleicht vermeidbar gewesen wäre. Hier sollte der Arzt nicht nur hervorheben, dass von ärztlicher Seite alle Möglichkeiten ausgeschöpft wurden, sondern den Angehörigen versichern, dass auch von ihrer Seite aus alles getan worden sei, um den Tod zu vermeiden. Da sich die Trauernden immer Vorwürfe machen, irgendetwas versäumt zu haben, und dieses Versäumnis in seiner Bedeutung für den Tod des Angehörigen bei weitem überschätzen, kann das zu einer gewissen Entlastung beitragen. Soweit wir es in dieser Phase privat mit einem Trauernden zu tun haben, werden wir vor allem dafür zu sorgen haben, dass er jetzt Schonung erfährt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Phase 2: Kontrolle</h3>



<p>Diese Phase, die gewöhnlich zwischen drei und sieben Tagen dauert und ihr Ende mit der Beerdigung und der Abreise der Verwandten erreicht, ist durch eine doppelte Form der Kontrolle gekennzeichnet, durch die Kontrolle, die der Trauernde sich selbst gegenüber ausübt, und durch die Kontrolle, die die Durchführung einer angemessenen Bestattung erfordert. Man hat mit Verwandten und Freunden umzugehen, aber auch mit Amtspersonen, dem Bestatter oder dem Pfarrer. Der Trauernde erfährt sich selbst in dieser Phase wie gelähmt und kaum dazu fähig, eigene Entscheidungen zu treffen. Gerade die Geschäftigkeit seiner Umgebung lässt den Trauernden spüren, wie groß die Distanz zwischen dieser und ihm selbst geworden ist. Die Welt wird unwirklich, alles, was in ihr geschieht, vollzieht sich für den Trauernden in einem großen Abstand; er kommt sich darin nur als ein entfernter Beobachter vor.</p>



<p><em>„Mechanisch gehe ich hinter dem Sarg her, zu betäubt, um irgendwelche Gefühle zu haben. Bin ich es selbst, die ihren Mann begräbt – oder ist es nur meine Hülle? Alles Leben in mir ist erstorben. Es kann gar nicht wahr sein, dass der Lebenssprühende und Heitere tot sein soll! Unmöglich! Langsam wird der Sarg ins Grab gesenkt. Mit tränenlosen Augen starre ich ihm nach. Da wird mir bewusst: Hier wird ein Teil von mir selbst begraben – der vertrauteste Mensch, den es für mich gibt. In 14-jähriger Ehe sind wir zu einer Einheit zusammengewachsen, und jetzt hat der Tod uns gespalten. Ich sehe ein Bild vor meinem inneren Auge: Ein Baum, vom Blitz getroffen, klafft auseinander, von der Krone bis zur Wurzel. Die eine Hälfte ist zu Boden gestürzt und fällt den Abhang hinunter. Die andere steht zwar noch aufrecht, ist aber ein Wrack, trauernd, blutend; ein halber Baum, kaum noch lebensfähig. Werde ich weiterleben können ohne meinen Mann? Nein, denke ich, an dieser Wunde muss ich verbluten. Sie ist unheilbar.“</em><sup data-fn="736b1c43-a50f-4fe7-b464-b0b4936d7de0" class="fn"><a id="736b1c43-a50f-4fe7-b464-b0b4936d7de0-link" href="#736b1c43-a50f-4fe7-b464-b0b4936d7de0">4</a></sup></p>



<h4 class="wp-block-heading">Seelsorgerliche Hilfe</h4>



<p>Wie können wir helfen? Seien Sie dem Betroffenen nahe und zur Hilfe bereit. Aber nehmen Sie ihm nichts ab, was er selbst tun kann. Je eher er eigene Entscheidungen treffen und sich mit dem unmittelbaren Problem auseinander setzen muss, desto besser wird es ihm gehen. Ermutigen Sie ihn dazu, sich auszuweinen und auszusprechen. Predigen Sie ihn nicht an. Bei Beerdigungen spricht die Predigt selten die an, um die es geht, nämlich die unmittelbar Betroffenen. Sie leben wie hinter einer Glasbausteinwand. Man sieht ihre Silhouette, aber es fehlt der Zugang, man dringt nicht durch. Eventuell könnte man ihm eine Karte geben mit einem kurzen Vers. Wie Hannelore Risch bezeugt hat, habe sie eine solche Karte erhalten mit der Aussage: „Mein Vater, ich verstehe Dich nicht, aber ich vertraue Dir!“ Dieses kurze Wort habe ihr Herz erreicht.<sup data-fn="0925fcbd-32bc-4b54-a021-b928a282b092" class="fn"><a id="0925fcbd-32bc-4b54-a021-b928a282b092-link" href="#0925fcbd-32bc-4b54-a021-b928a282b092">5</a></sup></p>



<h3 class="wp-block-heading">Phase 3: Regression</h3>



<p>Ohne Zweifel ist die regressive Phase der kritischste Zeitraum im Prozess des Trauerns. Hier steht der Trauernde Erfahrungen gegenüber, die für ihn selbst nicht nur äußerst schmerzlich, sondern oft auch von erschreckender Natur sind. Der Begriff „Regression“ stammt aus dem Vokabular der Psychoanalyse. Er meint ein Zurückgehen auf früher durchlebte Stufen der Entwicklung. Dieser Mechanismus kommt dort zum Einsatz, wo wir einer Situation gegenüber hilflos sind und wo unsere sonst üblichen Bewältigungsstrategien nicht ausreichen. Wir möchten damit eine drohende Gefährdung abwenden oder doch wenigstens unter Kontrolle bringen. Typisch für diese Phase ist die Tatsache, dass der Trauernde ausschließlich mit dem Verstorbenen beschäftigt ist. Man spricht hier von Präoccupation mit dem Verstorbenen. Das Denken und Erleben des Trauernden ist völlig von der Auseinandersetzung mit dem Verstorbenen in Anspruch genommen, sodass alles andere daraus verdrängt wird. Sein Verhalten ist geprägt von Verletzbarkeit, Empfindlichkeit, Misstrauen und Angst. Ich führe im Folgenden einige der in dieser Phase bestimmenden Erfahrungen an.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Isolation</h4>



<p>Wir müssen uns vor Augen halten, dass der Trauernde nicht nur einen Menschen verloren hat, sondern dass dieser Mensch zugleich eine gemeinsame Daseinswelt bedeutete, die mit seinem Tod ein Ende gefunden hat. Damit nun die psychische Organisation nicht völlig zusammenbricht – was im Extremfall bedeuten würde, dem Toten nachzusterben –, kann für den Kontakt mit der Umwelt nur ein Minimum an Energie aufgewendet werden. Der Trauernde zieht sich von allen Anforderungen, Entscheidungen und Gesprächen zurück und wird apathisch. Er steht unter starker Spannung, ist in erhöhtem Maße reizbar und verletzlich. Schon bei für Außenstehende geringfügig erscheinenden Anlässen kann er sehr emotional reagieren und in massives Weinen und Klagen verfallen. Andererseits fühlt er sich rasch überfordert, und alles ist ihm zu viel. So kann er etwa, ganz entgegen seiner üblichen Gewohnheit, in Fragen der Kleidung und Körperpflege nachlässig werden. Oft entwickelt er auch starke Verlassenheitsgefühle.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Feindseligkeit</h4>



<p>Der Trauernde wird zornig auf verschiedene Menschen. Auf die Ärzte, dass sie nicht mehr getan haben, auf das Krankenhauspersonal, weil es nicht aufmerksamer war, ja sogar auf den Verstorbenen selbst. Ein Ehemann kann etwa sagen: „Warum ist sie gestorben und hat mich mit den drei Kindern allein gelassen?“ Ein Kind kann auf einen Elternteil zornig sein, weil er nicht mehr getan hat, um den Tod des anderen zu verhindern. Nicht zuletzt wird der Trauernde zornig gegen Gott, weil er den Tod des geliebten Menschen zugelassen hat. Er hadert und ist sich dessen oft selbst nicht einmal bewusst. Dies ist besonders bei Menschen der Fall, die sonst keine Gottesbeziehung haben. Aber als Christen reagieren wir spontan meist nicht viel anders. Auch dazu finden wir in dem Erfahrungsbericht von Hannelore Risch ein anschauliches Beispiel. So schreibt sie:</p>



<p><em>„Meine Gedanken suchen den Schuldigen am Tod meines Mannes. Die Ärzte sind schuld; sie haben die Krankheit nicht rechtzeitig erkannt. Sie sprachen nicht deutlich genug vom Risiko der Operation. Wir hätten sonst nicht eingewilligt. Nein, ich bin schuld: Ich hätte bei den ersten Krankheitsanzeichen auf eine Berufsänderung dringen sollen. Er selbst war schuld, wage ich sogar zu denken. Er hätte auf seine Gesundheit achten müssen. Niemand stirbt an einer Krankheit, sondern nur am Willen Gottes, erinnere ich mich. Also ist Gott schuld: Er hätte den Tod verhindern können. Nicht nur die Kinder und ich, wie viele haben ihn doch um Genesung angefleht. Es wäre ihm leicht gewesen, unsere Bitte zu erfüllen; aber er wollte nicht.“</em><sup data-fn="94dbff2a-37c3-4a4f-9b0b-270d40e3a44d" class="fn"><a id="94dbff2a-37c3-4a4f-9b0b-270d40e3a44d-link" href="#94dbff2a-37c3-4a4f-9b0b-270d40e3a44d">6</a></sup></p>



<p>Mit diesen spontanen Zorn- und Ärger-Reaktionen stellen sich regelmäßig auch Schuldgefühle und Gewissensbisse ein.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Schuldgefühle</h4>



<p>Sobald die erste Schockreaktion überwunden ist, kommt der Trauernde ins Nachdenken und Grübeln.</p>



<p>Eine fast unvermeidliche Folge sind Schuldgefühle und Selbstvorwürfe: „Wenn doch nur …“, „Warum habe ich mir nicht mehr Zeit für sie genommen?“, „Hätte ich doch einen anderen Arzt hinzugezogen“ usw. Schuldgefühle gegenüber dem Verstorbenen, die schon früher vorhanden, aber verdrängt worden waren, kommen jetzt wieder an die Oberfläche und peinigen den Trauernden. Vor dieser Erfahrung wird niemand verschont, auch der nicht, der eine sehr harmonische Beziehung hatte. Jede – auch die beste – Beziehung ist defizitär. Keiner kann wohl von sich sagen: Ich habe meinem Partner, meinen Kindern, meinen Eltern usw. jede nur denkbare Liebe entgegengebracht. Schuldgefühle können auch von der Erleichterung herrühren, die man nach einer langen Pflegezeit empfindet. Vielleicht hat man sich wegen der Belastung schon den Tod des Kranken gewünscht. Sie können auch auf die Vorwürfe zurückgehen, die man gegen den Toten, die Angehörigen, die Ärzte usw. ungerechterweise erhoben hat. Nicht zuletzt kann der Hinterbliebene – so seltsam es anmutet – sogar eine Schuld des Überlebens empfinden. Das kommt vor allem dann vor, wenn der Trauernde sich dem Verstorbenen gegenüber als minderwertig oder weniger wertvoll vorgekommen ist und nun meint, es wäre doch richtiger gewesen, wenn er, der Hinterbliebene, gestorben wäre.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Vereinfachung komplexer Zusammenhänge</h4>



<p>Symptomatisch für die Regressionsphase ist das starke Bedürfnis des Trauernden, seine Lebenswelt einfacher zu gestalten. Dasselbe finden wir ja auch bei Depressiven. Es ist eine durchaus verständliche Reaktion auf die Erfahrung der Hilflosigkeit und der Überforderung. Diese Tendenz zur Vereinfachung komplexer Zusammenhänge zeigt sich vor allem im Denken. Wir finden daher bei Trauernden die auch für Depressive typischen Denkfehler wie Personalisierung, Kurzschlussdenken und Übergeneralisierung.</p>



<p><em>Personalisierung </em>zeigt sich etwa darin, dass man nicht mehr in Sachzusammenhängen denkt, sondern nahezu alles mit Personen in Zusammenhang bringt. Das geschieht unter Umständen sogar da, wo ein solcher Zusammenhang einem Unbeteiligten als willkürlich, ja abwegig erscheint. Obschon in der Regel eine Mehrzahl von Faktoren zum Tod geführt hat, kann der Trauernde ausschließlich bestimmte Personen verantwortlich machen.</p>



<p><em>Kurzschlussdenken </em>liegt da vor, wo der Tod z.B. als unmittelbare Strafe Gottes für bestimmte Sünden des Hinterbliebenen interpretiert wird. Oder er wird auf einzelne Nachlässigkeiten oder die Nichtbeachtung von Symptomen zurückgeführt, die in keinem Zusammenhang mit dem tödlichen Ausgang stehen.</p>



<p><em>Übergeneralisierung </em>ist es, wenn der Verstorbene verworfen wird, weil er so „treulos“ war, den Trauernden allein zu lassen, oder wenn – was häufiger geschieht – der Verstorbene glorifiziert wird. Alle negativen Eigenschaften scheinen vergessen zu sein, die positiven werden übertrieben dargestellt.</p>



<p>Die genannten Denkfehler ergeben sich aus dem Bedürfnis des Trauernden, seine Welt einfacher zu gestalten, um sie so besser in den Griff zu bekommen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Selbstwertminderung</h4>



<p>Das Selbstwertgefühl und die Selbstachtung des Trauernden sind in erheblicher Weise vermindert. Er fühlt sich durch den Verlust gedemütigt und beraubt. Man weiß es ja von Kindern, dass sie sich als minderwertig und ihren Altersgenossen gegenüber als unterlegen empfinden, wenn sie keinen Vater oder keine Mutter mehr haben. Der Verlust des Ehepartners kann durchaus das gleiche Empfinden hervorrufen. Hier sind vor allem Frauen betroffen, die in ihrer Aktivität stark auf den Verstorbenen ausgerichtet waren. Die Versorgung und Pflege ihres Mannes war ein Teil ihrer Identität geworden und hatte ihnen Bedeutung vermittelt. Durch den Tod des Mannes ist ein Vakuum entstanden, das nun wieder gefüllt werden muss. Obwohl sich der Trauernde oft selbst zurückzieht und Kontakte meidet, hat er durchaus Kontaktwünsche und empfindet es als schmerzlich, wenn auch die anderen ihm aus dem Weg gehen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Rastlose Aktivität</h4>



<p>Die Leidtragenden stürzen sich zunehmend in eine rastlose Aktivität, unternehmen viel, verlieren aber auch rasch das Interesse an einer Sache und wenden sich einer anderen zu. Es fällt ihnen schwer, zu ihrer üblichen Routine zurückzukehren. Die gewohnten Aktivitäten verlieren ihre Bedeutung. Sie waren ja zu einem großen Teil nur deshalb wichtig, weil sie gemeinsam mit dem Verstorbenen unternommen wurden. Beides, die Frage nach der Identität wie auch die innere Unruhe, wird von Hannelore Risch beschrieben:</p>



<p><em>„Obwohl ich äußerlich vieles tue und sehr beschäftigt wirke, lebe ich in Wirklichkeit isoliert von meiner Umwelt. Mein äußerer Mensch sieht und hört zwar, was um mich vorgeht, aber meine Seele irrt durch gewundene Gänge und sucht ihn, den sie verloren hat. Habe ich mit ihm nicht auch mich selber verloren? Was bin ich ohne meinen Mann? Nicht nur er ist weggegangen, ich selber kann mich nicht mehr finden. Ergebnisloses Suchen – wie erschöpft und verstört es mich! Wie lange wird dieser Zustand andauern?“</em><sup data-fn="2a156445-e9d6-46ca-877b-8f70c0b37187" class="fn"><a id="2a156445-e9d6-46ca-877b-8f70c0b37187-link" href="#2a156445-e9d6-46ca-877b-8f70c0b37187">7</a></sup></p>



<p>Seelsorgerliche Hilfen</p>



<p>Von der Tendenz des Trauernden, sich zurückzuziehen, sollten wir uns nicht davon abhalten lassen, ihn immer mal wieder zu besuchen. Trotz des Rückzugs besteht ein starker Wunsch nach Kontakt. Hier liegt unsere Chance als Tröster. Dabei dürfen wir aber nicht empfindlich reagieren, wenn wir mal abgewiesen werden. Der Trauernde darf sagen: „Jetzt möchte ich lieber allein sein.“ Der Trauernde bestimmt jetzt das Gesprächsthema. Mit Ratschlägen sollten wir äußerst zurückhaltend sein. Vor allem sollten wir vermeiden, dem Trauernden andere Menschen als leuchtende Beispiele für heldenhaftes Verhalten in Leidsituationen vor Augen zu halten: „Denk doch mal an die Joni Eareckson, wie die ihre Querschnittslähmung bewältigt hat!“ Dazu möchte ich Liliane Giudice zitieren, eine Frau, die ihre eigenen Erfahrungen als Trauernde in dem Buch „Ohne meinen Mann – Aufzeichnungen einer Witwe“ schildert.</p>



<p>Sie sagt: <em>„Man tröste nie eine Witwe, indem man ihr sagt, andere Frauen hätten nicht nur ihren Mann, sondern auch noch ihr Kind verloren. Wer trauert, ist wie ausgebrannt. Es gibt keine Potenzierung der Trauer – mehr als zu Asche kann man nicht verbrennen.“</em><sup data-fn="064117e2-12c7-44a0-9fcd-7c593c5981a2" class="fn"><a id="064117e2-12c7-44a0-9fcd-7c593c5981a2-link" href="#064117e2-12c7-44a0-9fcd-7c593c5981a2">8</a></sup></p>



<p>Muss ich es noch sagen, dass man im Gespräch mit Trauernden unbedingt Phrasen vermeiden sollte? Man sollte in dieser Phase auch nicht nach Zukunftsplänen fragen. „Denn das Wesen der Trauer ist: Sie hat keine Zukunft. Sie ist nur schmerzvolle Gegenwart und übervolle Vergangenheit.“<sup data-fn="bcb3129b-631d-4709-ac66-d4bb2708a63e" class="fn"><a id="bcb3129b-631d-4709-ac66-d4bb2708a63e-link" href="#bcb3129b-631d-4709-ac66-d4bb2708a63e">9</a></sup></p>



<p>Als Seelsorger sollten wir zunächst Verständnis für feindselige Reaktionen haben: Sie sind gewissermaßen normal, insofern sie fast immer eintreten. Andererseits gilt es auch im Sinn zu behalten, dass sie dennoch sündige Reaktionen sind. Wir müssen allerdings aufpassen, dass wir nicht vorschnell mit Zurechtweisung und Ermahnung kommen. Das ist zwar irgendwann unumgänglich, doch gilt es hier sehr sensibel den rechten Zeitpunkt zu erspüren. Jedenfalls kann dem anderen die Sündhaftigkeit seiner Reaktion nur dann hilfreich aufgezeigt werden, wenn wir uns mit ihm als sündhafte Menschen auf der gleichen Ebene sehen können und ihm dies auch zu verstehen geben.</p>



<p>Wir sollten dem Trauernden die Schuldgefühle nicht ausreden. Doch dürfen wir sein Denken da korrigieren, wo es auf Abwege gekommen ist, wo er sich in vermeintliche Schuld verrannt hat. In jedem Fall darf ihm vermittelt werden: <em>„So wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns von aller Ungerechtigkeit reinigt“</em> (1. Johannes 1,9). Unsere Umkehr und das damit verbundene Eingeständnis unserer Schuld bei der Bekehrung wurden von Gott mit einer völligen Vergebung unserer ganzen Lebensschuld beantwortet! Nun gilt die Verheißung: <em>„Ich, ich bin es, der deine Verbrechen auslöscht um meinetwillen, und deiner Sünden will ich nicht gedenken“</em> (Jesaja 43,25). Diese wunderbare Botschaft dürfen wir dem ausrichten, der sich selbst wegen längst vergebener Schuld quält. Allerdings ist damit der Schmerz über die Schuld nicht beseitigt. Er soll und braucht auch nicht beseitigt werden. Es gilt zu akzeptieren, dass dieser Schmerz nur durch den zeitlichen Abstand abnehmen kann.</p>



<p>Denkfehler dürfen wir mit viel Zurückhaltung und Feingefühl korrigieren. Oft müssen wir sie auch einfach hinnehmen und dabei im Blick haben, dass es sich hier – sofern der Trauerprozess normal verläuft – nur um vorübergehende Verzerrungen handelt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Phase 4: Adaptation</h3>



<p>Die Phase der Adaptation, der zunehmenden Anpassung an die Umwelt, ist zunächst dadurch gekennzeichnet, dass die regressiven Formen der Trauer nach und nach aufgegeben und durch adaptative ersetzt werden. Der Verlust wird in seinem vollen Ausmaß anerkannt, der Trauernde beginnt sich mehr und mehr von dem Bild des Verstorbenen zu befreien. Er klammert sich nicht mehr bildlich gesprochen an ihn, sondern gibt ihn mehr und mehr frei. Zugleich beginnt er, die Person, die er verloren hat, in sich selber wieder aufzubauen. Er entwickelt ein anderes Bild von ihm, ein realitätsgerechteres Bild. Überhaupt gewinnt er zunehmend das Gefühl für die Realität zurück. Es kommt zu einer Neuorientierung in Bezug auf sein Leben, indem er sich Fragen stellt wie: „Wer bin ich ohne die verlorene Person? Was kann ich noch? Wo sind noch Aufträge für mich, Aufgaben, in denen ich mich nützlich machen und meine Gaben und Möglichkeiten entfalten kann?“</p>



<p>Auch in dieser Phase kommen immer wieder Tage, an denen sich der Trauernde zurückversetzt sieht in die regressive Phase. Während er sich die meiste Zeit einer positiven Bewältigung sicher ist, fällt er gelegentlich in frühere Zustände der Verzweiflung und Apathie zurück. So schreibt Spiegel: „Auf Perioden, in denen der Hinterbliebene das Gefühl hat, der Welt wiedergeschenkt zu sein, folgen andere, in denen die Welt so unwirklich erscheint wie zu Beginn des Trauerprozesses. Besonders Tage und Zeiten, die mit dem Verstorbenen verbunden sind, wie der Geburtstag, der Tag, an dem die Diagnose auf einen letalen Ausgang sicher war, der Todestag, aber auch Zeiten, in denen sich das Todesgedenken häuft, wie der November, können dann erneut die ganze Schwere der Trauer zurückrufen, auch wenn diese Perioden kurzfristiger sind und schneller abklingen.“<sup data-fn="b8200cc3-1436-4b4d-9f95-54fb0e37b58d" class="fn"><a id="b8200cc3-1436-4b4d-9f95-54fb0e37b58d-link" href="#b8200cc3-1436-4b4d-9f95-54fb0e37b58d">10</a></sup> Als Problemtage wären ergänzend noch der Hochzeitstag und Weihnachten zu erwähnen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Seelsorgerliche Hilfe</h4>



<p>In der adaptativen Phase erschließt sich für den Seelsorger ein weites Betätigungsfeld. Der Trauernde ist jetzt offen für Hilfe und auch für Korrektur und Ermahnung aus der Schrift. Wir können ihm Freundschaft anbieten, ihn in die Gemeinde mitnehmen. Wir können unsere ganze Phantasie einsetzen, um ihm zu helfen, seine Gaben zu entdecken und neue Aufgaben zu übernehmen. Wir können Arrangements treffen, dass der Trauernde andere Kontakte bekommt und nicht ausschließlich auf uns selbst fixiert ist.</p>



<p>Gerade in dieser Zeit der Trauer stellen viele ihre Gebete, ihre Anrufe und all die kleinen Aufmerksamkeiten, die so hilfreich sind, ein, weil sie annehmen, der Leidtragende käme jetzt gut zurecht. Diese Tendenz müssten wir umkehren. Eigentlich müssen wir den Leidtragenden in den ersten zwei Jahren der Trauer Gott mehr anbefehlen als in den ersten zwei Wochen. Ich habe nun versucht, den Trauerprozess etwas durchsichtig zu machen und aufzuzeigen, wie unsere seelsorgerliche Hilfe in den verschiedenen Phasen aussehen kann.</p>



<p>Zum Schluss dieses Abschnitts möchte ich noch ein Wort aus der Schrift anführen:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Eines Mannes Geist erträgt seine Krankheit, aber einen niedergeschlagenen Geist, wer richtet den auf?“</p>
<cite>Sprüche 18,14</cite></blockquote>



<p>Der Geist des Menschen soll über das Physische herrschen, und er tut es normalerweise auch. Doch wer richtet einen niedergeschlagenen Geist auf? Wir verstehen, dass hier etwas oder besser jemand gefragt ist, der über unserem menschlichen Geist steht. Wir Menschen vermögen da immer nur Stückwerk zu verrichten, wir bleiben trotz aller gut gemeinten und auch positiven Bemühungen letztlich eben doch „leidige Tröster“.</p>



<p>Wer richtet einen niedergeschlagenen Geist auf, wer anders als eben der, der mit jedem menschlichen Leiden vertraut ist und doch weit über uns steht, der sich schon im Alten Testament mit den Worten vorstellt: „Ich, ich bin euer Tröster.“?</p>



<p></p>



<p><strong>Fußnoten</strong></p>


<ol class="wp-block-footnotes"><li id="8a5d80e6-2b21-440a-8096-66b4dbae0007">Izard, Carroll E.: Die Emotionen des Menschen. Beltz Verlag, Weinheim 1981, S. 341. <a href="#8a5d80e6-2b21-440a-8096-66b4dbae0007-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 1 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="b7805393-42b8-4cdc-bf1f-0de38685b796">Bei dieser Einteilung und deren Beschreibung orientierte ich mich an dem Buch: Spiegel, Yorick, Der Prozess des Trauerns. Analyse und Beratung. Chr. Kaiser Verlag, München 1989. <a href="#b7805393-42b8-4cdc-bf1f-0de38685b796-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 2 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="8858452d-f29b-41f9-85c5-96fe98dfc79a">Fulcomer, D.M., The Adjustive Behavior of Some Recently Bereaved Spouses (Philosophische Dissertation, Northwestern University), Evanston, II, 1942. Zitiert nach: Spiegel, Yorick, a.a.O., S. 62. <a href="#8858452d-f29b-41f9-85c5-96fe98dfc79a-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 3 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="736b1c43-a50f-4fe7-b464-b0b4936d7de0">Risch, Hannelore: Gott tröstet. Von der Kraft, die Trauer zu überwinden. R. Brockhaus Verlag, Wuppertal 1982, S. 9. <a href="#736b1c43-a50f-4fe7-b464-b0b4936d7de0-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 4 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="0925fcbd-32bc-4b54-a021-b928a282b092">ebd., S. 21 <a href="#0925fcbd-32bc-4b54-a021-b928a282b092-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 5 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="94dbff2a-37c3-4a4f-9b0b-270d40e3a44d">ebd., S. 17 <a href="#94dbff2a-37c3-4a4f-9b0b-270d40e3a44d-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 6 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="2a156445-e9d6-46ca-877b-8f70c0b37187">ebd., S. 14 <a href="#2a156445-e9d6-46ca-877b-8f70c0b37187-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 7 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="064117e2-12c7-44a0-9fcd-7c593c5981a2">Giudice, Liliane, Ohne meinen Mann. Aufzeichnungen einer Witwe, Kreuz Verlag, Stuttgart 1971. Zitiert nach: Risch, Hannelore, a.a.O., S. 41 <a href="#064117e2-12c7-44a0-9fcd-7c593c5981a2-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 8 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="bcb3129b-631d-4709-ac66-d4bb2708a63e">Risch, Hannelore, a.a.O., S. 40 <a href="#bcb3129b-631d-4709-ac66-d4bb2708a63e-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 9 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="b8200cc3-1436-4b4d-9f95-54fb0e37b58d">Spiegel, Yorick, a.a.O., S. 76-77 <a href="#b8200cc3-1436-4b4d-9f95-54fb0e37b58d-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 10 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li></ol><p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://kfg.org/2024/trauern-und-troesten/">Trauern und Trösten</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://kfg.org">KfG  -`✞´-  Konferenz für Gemeindegründung</a>.</p>
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