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Diesen Artikel haben wir mit freundlicher Erlaubnis der Christlichen Verlagsgesellschaft Dillenburg (CVD) aus dem Buch „Das gefälschte Gottesreich“ (siehe auch Buchvorstellungen in dieser Zeitschrift 164 – Ausgabe 4/25) von Holly Pivec & Douglas Geivett entnommen. Wir drucken hier S. 34-39 ab und möchten dieses informative Buch sehr herzlich empfehlen. Die Redaktion

Mehr, Gott! Mehr! Ich muss um jeden Preis mehr von Dir haben!

Der „Apostel“ Bill Johnson

Wer sind die geheimnisvollen Männer und Frauen hinter der Bewegung, die Gemeinden auf der ganzen Welt verändert und den Glauben von Millionen von Christen beeinflusst hat? In diesem Kapitel nehmen wir zwei der einflussreichsten „Apostel“ und „Propheten“ unter die Lupe – den „Apostel“ Bill Johnson und seine rechte Hand, den „Propheten“ Kris Vallotton, beide von der populären und polarisierenden Bethel Church in Redding, Kalifornien. Wir werden beschreiben, wer diese Männer sind, wie sie aus dem Nichts auftauchten und zu den Anführern einer weltweiten Bewegung wurden und was sie antreibt. Wir werden auch ein wenig über uns selbst berichten, damit Sie verstehen, was unsere Motivation dabei ist, diese Leiter zu entlarven, die versuchen, den christlichen Glauben neu zu definieren

Wer ist „Apostel“ Bill Johnson?

Bill Johnson, Pastor in fünfter Generation, ist der Hauptpastor der Bethel Church und geradezu besessen von „Erweckung“ – beziehungsweise der Ausbreitung des Reiches Gottes. Bethels Mission Statement liest sich so: „Bethels Mission ist Erweckung – die persönliche, regionale und globale Ausbreitung des Reiches Gottes durch seine manifeste Gegenwart.“ Und die Ausbreitung des Reiches Gottes, so glaubt Johnson, wird durch Wunder erreicht. Er behauptet, selbst Wunder zu vollbringen, zu prophezeien und Kranke zu heilen. Seine eigenen Wunderkräfte führt er zum großen Teil auf eine übernatürliche Erfahrung im Jahr 1995 zurück, bei der er einen Handel mit Gott abgeschlossen haben will. Dieses Erlebnis ereignete sich ein Jahr vor seiner Ankunft in Bethel, als er Pastor einer Gemeinde in der nahe gelegenen Stadt Weaverville war. Seit Monaten hatte er Gott Tag und Nacht angefleht, ihm „mehr von ihm“ zu geben. Mitten in der Nacht erhörte Gott sein Gebet – allerdings nicht so, wie er es erwartet hatte.

Johnson beschreibt das Erlebnis in dieser Nacht so: Plötzlich wachte ich aus dem Tiefschlaf auf und war sofort hellwach. Eine unerklärliche Kraft begann durch meinen Körper zu fließen, anscheinend nur knapp vor einem Stromschlag. Es war, als hätte man mich an eine Steckdose angeschlossen. Und nun floss ein Strom von 1000 Volt durch meinen Körper. Meine Arme und Beine schossen in stummen Explosionen nach vorne, als ob etwas durch meine Hände und Füße freigesetzt würde. Je mehr ich versuchte, es zu stoppen, desto schlimmer wurde es … Es war ungezügelte Kraft … es war Gott. 1

Obwohl niemand sonst es sehen konnte, war es Johnson zunächst peinlich, was mit ihm geschah. Dann hatte er ein „Bild“ von sich selbst, wie er vor seiner Gemeinde predigte. Plötzlich begannen seine Arme und Beine herumzufuchteln. Das „Bild“ änderte sich: Er ging nun die Hauptstraße seiner Stadt entlang, als er erneut die Kontrolle über seine Arme und Beine verlor. Er glaubte nicht, dass ihm irgendjemand abnehmen würde, dass Gott für das, was mit ihm geschah, verantwortlich war. Das erinnerte ihn an Jakob, einen Patriarchen des Alten Testaments, und wie dieser nach seiner Begegnung mit dem Herrn für den Rest seines Lebens hinkte. Johnson dachte auch an Maria, die Mutter von Jesus, und daran, dass selbst ihr Verlobter zunächst nicht glaubte, dass das Kind in ihr von Gott gezeugt worden war. Es wurde mir klar, dass die Gunst Gottes aus der irdischen Perspektive manchmal anders aussieht als aus der himmlischen. Meine Bitte um mehr von Gott hatte ihren Preis. …

Im Vordergrund stand die Erkenntnis, dass Gott einen Tausch machen wollte – seine verstärkte Präsenz für meine Würde. … Mitten in den Tränen kam ein Punkt, an dem es kein Zurück mehr gab. Ich gab gern nach und rief: „Mehr, Gott! Mehr! Ich muss um jeden Preis mehr von Dir haben! Wenn ich mein Ansehen verliere und dafür mehr von dir bekomme, bin ich gern bereit, diesen Handel einzugehen. Gib mir einfach mehr von Dir!“2 Seine Begegnung mit Gott gibt Johnson bis heute Kraft. Infolgedessen treibt er die Bethel Church dazu an, die Gegenwart Gottes zu „beherbergen“ und durch wundersame Zeichen und Wunder „den Himmel auf die Erde zu holen“. Seine persönliche Vision ist es, dass alle Gläubigen die Gegenwart Gottes erfahren und Wunder wirken können. Er und andere Leiter der Gemeinde glauben, dass Gott in der Bethel Church besonders präsent ist und dass dort regelmäßig Wunder und Heilungen geschehen. Unter seiner Führung verließ die Bethel Church den pfingstkirchlichen Gemeindeverband „Assemblies of God“ und wurde eine eigenständige Gemeinde. Dadurch wurde es ihren Leitern ermöglicht, Johnsons umstrittene Auffassung von Erweckung durch Wundertaten ungehindert umzusetzen.

Obwohl die Hälfte der 2000 Mitglieder nach Johnsons Amtsantritt die Gemeinde verließ, ist sie inzwischen auf mehr als 11 000 Menschen angewachsen. Er reist auch um die Welt, spricht auf Konferenzen und lehrt mit anderen bekannten „Aposteln“, „Propheten“ und Leitern von Organisationen, die von der NAR beeinflusst sind (z. B. Benny Hinn, Brian Houston, Randy Clark, Ché Ahn, Mike Bickle und Heidi Baker).

Wer ist „Apostel“ Kris Vallotton?

Der Partner von Bill Johnson ist Kris Vallotton, stellvertretender Leiter bei Bethel und oberster „Prophet“ der Kirche. Im Gegensatz zu einem Apostel, der in einer NAR-Gemeinde das Sagen hat und bei allen wichtigen Entscheidungen das letzte Wort hat, besteht die Aufgabe des Propheten darin, direkte Offenbarungen von Gott zu empfangen und sie dem Apostel weiterzugeben. Daher arbeiten ein Apostel und ein Prophet wie Johnson und Vallotton oft zusammen. Beide behaupten, eine besondere „Bundes“-Beziehung eingegangen zu sein, die auf Lebenszeit angelegt ist und es ihnen ermöglicht, die wundersamen Gaben und Salbungen des jeweils anderen „anzuzapfen“. Wie Johnson behauptet auch Vallotton, bemerkenswerte Begegnungen mit Gott gehabt zu haben. Bei einer dieser Begegnungen im Jahr 1985 soll Gott ihm gesagt haben, dass er eine besondere Berufung für sein Leben habe. Jesus kam mitten in meinem abendlichen Bad in mein Badezimmer und sagte zu mir: „Ich habe dich dazu berufen, ein Prophet für die Völker zu sein. Du wirst vor Königen und Königinnen sprechen. Du wirst Premierminister und Präsidenten beeinflussen. Ich werde dir Türen öffnen, damit du mit Bürgermeistern, Gouverneuren, Botschaftern und Regierungsvertretern auf der ganzen Welt sprechen kannst. 3

Vallotton glaubt also, dass er zum „Propheten für die Völker“ berufen wurde. Wie wir in unserem Buch zeigen, ist seine prophetische Erfolgsbilanz allerdings gelinde gesagt glanzlos. Im Jahr 1998 wurde Vallotton von Johnson eingeladen, Teil von Bethel zu werden und die „Bethel School of Supernatural Ministry“ zu gründen.

Vallotton schreibt: Im selben Jahr lag ich eines Morgens auf dem Boden und betete, als der Herr so deutlich zu mir sprach, dass es mich völlig überwältigte. Er sagte: „In dieser Stunde bricht eine neue Epoche an. Ähnlich wie bei der protestantischen Reformation steht eine weitere Reformation bevor, die das eigentliche Fundament des Christentums zutage fördern wird. Diese Bewegung des Geistes wird deine Vorstellungen darüber, was die Gemeinde ist und wie sie funktionieren sollte, völlig neu definieren.“ Ich fragte ihn: „Wie wird dieser Übergang aussehen?“ Er sagte: „Meine Gemeinde bewegt sich von der Trennung durch Denominationen zum Apostelamt.“ 4

Vallotton ist inzwischen Bestsellerautor. Unter seiner Leitung ist die „Bethel School of Supernatural Ministry“ (ein dreijähriges Vollzeitprogramm) von jährlich nur 37 Studenten auf mehr als 2600 angewachsen. Durch seinen wachsenden Einfluss als Prophet erhielt Vallotton sogar eine Audienz beim Papst. Gemeinsam gelten Johnson und Vallotton nicht nur in ihrer Heimatgemeinde, sondern auch in der internationalen Bethel-Church-Bewegung als Apostel und Propheten. In dieser Stellung behaupten sie, der weltweiten Kirche neue „Offenbarungen“ weiterzugeben, sprich: Wahrheiten von großer Tragweite, die die Kirche einmal besaß und später verloren hat. Diese verlorenen Wahrheiten werden nun angeblich von Johnson, Vallotton und anderen „Aposteln“ und „Propheten“ wiederhergestellt, damit alle Christen wundersame Kräfte entwickeln können. Auch wenn die beiden das nicht gern zugeben, sind sie Teil einer größeren Bewegung von „Aposteln“ und „Propheten“, die als „Neue Apostolische Reformation“ (NAR) bekannt ist. Diese Propheten und Apostel tauchten in den 1980er- und 1990er-Jahren in den Kirchen der Vereinigten Staaten auf. 5 Wie Johnson und Vallotton behaupten auch sie, eigene göttliche Begegnungen gehabt und persönliche Treffen mit Jesus und Engeln und sogar Ausflüge in den Thronsaal des Himmels unternommen zu haben. 6

Fussnoten

  1. Bill Johnson, When Heaven Invades Earth: A Practical Guide to a Life of Miracles (Shippensburg, PA: Destiny Image, 2003), Kapitel 10, Kindle. Deutsche Ausgabe: Und der Himmel bricht herein – Wie man ein Leben voller Wunder führt. Ein praktischer Leitfaden (Vaihingen/Enz: Grain-Press Verlag 2007/2008). ↩︎
  2. Johnson, When Heaven Invades Earth, Kapitel 10, Kindle. ↩︎
  3. Kris Vallotton, „Phrophetic Gifting vs. Calling: How to Know Which One You Carry“, KV Ministries, 4. Juni 2021, abgerufen am 9. August 2021, https://www.krisvallotton.com/prophetic-gifting-vs-calling. ↩︎
  4. Kris Vallotton, Heavy Rain: How to Flood Your World with God’s Transforming Power (Bloomington, MN: Chosen, 2016), Kapitel 1, Kindle. Deutsche Ausgabe: Wie im Himmel also auch auf Erden – Verändere die Welt, in der du lebst (Vaihingen/Enz: Grain-Press Verlag 2012). ↩︎
  5. Sie fragen sich vielleicht, wie jemand in der NAR ein Apostel oder Prophet wird. Die Anhänger glauben, dass Gott ihnen die geistliche Gabe der Apostelschaft oder Prophetie verleiht, die von anderen anerkannt wird. Das Amt des Apostels oder Propheten wird ihnen oft während einer öffentlichen Beauftragungszeremonie verliehen. Menschen, die das Amt eines Apostels oder Propheten anstreben, zahlen manchmal für einen Online-Kurs und erhalten ein Zertifikat, das sie als Apostel oder Prophet ausweist. Ein Beispiel für einen ehemaligen NAR-Apostel, der auf diese Weise zum Apostel wurde, finden Sie bei Alisa Childers und Dawain Atkinson, „An Ex-NAR Apostle Tells His Story, with Dawain Atkinson“, YouTube-Video, 44:26, hochgeladen von Alisa Childers, 28. Februar 2021, abgerufen am 23. Dezember 2021, https://www.youtube.com/watch?v=PwlfBFbh3rk&t=1424s. ↩︎
  6. Hören Sie sich z. B. die Tonaufnahmen des Gesprächs zwischen dem Propheten Bob Jones und dem NAR-Führer Mike Bickle an, in denen Bickles angebliche Reise in Das den Thronsaal des Himmels beschrieben wird. Siehe Mike Bickle und Bob Jones, „Visions and Revelations: Mike Bickle with Bob Jones 1988“, Internet Archive, abgerufen am 21. Dezember 2021, https://archive.org/details/VisionsAndRevelations-MikeBickleWithBobJones1988 (beginnend mit Aufnahme Nr. 3 bei 1:21:00 und weiter bis Aufnahme Nr. 4). ↩︎