Dieser Artikel stammt aus dem Buch „Angriff auf die Wahrheit“ von Georg Walter. Wir drucken mit freundlichen Erlaubnis des Autors die Seiten 275-290 in gekürzter Form ab. Das Buch ist ohne ISBN im Selbstverlag erschienen. Die Redaktion
C. Peter Wagner, der Begründer der Neuen Apostolischen Reformation, wurde 1956 von einer evangelikalen Missionsgesellschaft als Missionar nach Bolivien ausgesandt, wo er bis 1971 diente. Im Jahre 1971 wurde er als Professor für Gemeindewachstum an das Fuller Seminar berufen. Anfang der 1980er-Jahre entstand eine enge Verbindung von C. Peter Wagner zu John Wimber, dem Gründer der Vineyard-Bewegung, einer charismatischen Strömung, die Zeichen und Wunder als Mittel der Evangelisation betonte – daher wurde diese Bewegung auch als Zeichen- und Wunder-Bewegung (engl. signs and wonders movement) bezeichnet. C. Peter Wagner prägte für letztgenannte Bewegung den Begriff „Dritte Welle des Heiligen Geistes“, die er von der „Ersten Welle des Geistes“, der Pfingstbewegung aus dem Jahre 1906, und der „Zweiten Welle des Geistes“, der charismatischen Bewegung seit Ende der 1950er-Jahre, unterschied.
C. Peter Wagner gilt neben anderen als Schlüsselfigur für die Verbreitung der Lehre der geistlichen Kampfführung. Seiner Ansicht nach beherrschen territoriale dämonische Mächte ganze geografische Gebiete und müssen durch Gebet, Fasten und Proklamationen besiegt werden, um die Evangelisation voranzutreiben. Beeindruckt von John Wimber öffnete sich Peter Wagner unreflektiert immer neuen charismatischen Lehren, die er als Professor eines theologischen Seminars eigentlich auf der Grundlage der Schrift als unbiblisch hätte erkennen und abweisen müssen. Selbst unter einer Reihe von Pfingstlern und Charismatikern gelten seine Lehren als höchst kontrovers.
Peter Wagners Einfluss wuchs, während sich seine Kontakte zu jenen charismatischen Strömungen intensivierten, welche die Wiederherstellung des apostolischen und prophetischen Amtes (Lehre vom Fünffältigen Dienst gemäß Epheser 4) propagierten. Er glaubte, dass das erneute Auftreten von Aposteln und Propheten mit einer mächtigen Salbung und Geistesausrüstung eine letzte endzeitliche Phase einläuten würde. Die Welt würde eine Massenerweckung und Zeichen und Wunder nie da gewesenen Ausmaßes erleben, was selbst die Ereignisse in der Apostelgeschichte in den Schatten stellen würde. Diese Bewegung nannte er zunächst Post-Denominationalismus – also die Zeit nach den Denominationen – und betrachtete sie als die „Vierte Welle des Heiligen Geistes“, die letzte „Welle des Geistes“ vor der Wiederkunft Christi.
Peter Wagner, der sich als evangelikaler Charismatiker bezeichnete, gebrauchte erstmals 1996 den Ausdruck New Apostolic Reformation (NAR, Neue Apostolische Reformation) für die sich formierende Bewegung, die er maßgeblich mit ins Leben rief und als deren Haupt er sich sah. Er glaubte, dass mit dieser Bewegung eine Zeit anbrechen würde, in der es keine Denominationen mehr geben würde, sondern nur noch ein Netzwerk „geisterfüllter“ und „vollmächtiger“ Gemeinden unter der Führung von „Aposteln“ und „Propheten“. Peter Wagner erläuterte im Jahre 1998, wie er zu der Bezeichnung NAR zugunsten von Post-Denominationalismus kam:
„Ich brauchte einen Namen. … Einige Jahre lang habe ich es mit dem Begriff Post-Denominationalismus versucht. Dann ging ich dazu über, die neue Bezeichnung Neue Apostolische Reformation (NAR) für die Bewegung zu gebrauchen.“1
Die NAR als Bewegung war neu, die theologischen Inhalte indes waren nichts anderes als die Neuauflage der Lehren der Spätregen-Bewegung (Latter Rain Movement), einer pfingstlichen Erweckung aus dem Jahre 1948. Die Vertreter der Spätregen-Bewegung allegorisierten die Bibelstelle in Joel 2,23, wo vom Segen des Spätregens die Rede ist, und deuteten dies als einen „Spätregen des Heiligen Geistes“. Der „Frühregen des Geistes Gottes“ war ihrer Ansicht nach zu Pfingsten auf die ersten Jünger in Jerusalem gefallen (Apg 2). Nun nach fast 1900 Jahren erlebte die Spätregen-Bewegung (1948) eine erneute Ausgießung des Gottesgeistes, den „Spätregen des Heiligen Geistes“, der ihrer Ansicht nach in Joel 2 vorausgesagt worden war. Die im Jahre 1906 entstandene Pfingstbewegung allerdings war nach deren Anschauung die erste Bewegung, die den Spätregen Joels bereits empfangen hatte. Im Lauf der Jahrzehnte hingegen fiel die Pfingstbewegung wieder in religiöse Traditionen zurück und stand damit nicht länger unter der Leitung des Heiligen Geistes, so die Deutung führender Leiter der Spätregen-Bewegung. Weiter folgerten sie, dass die verlorene Geistesfülle in der Pfingstbewegung nun durch eine weitere Ausgießung eines geistlichen Spätregens in der sich neu formierenden Spätregen-Bewegung wiederhergestellt werden würde. Der neue Wein des Spätregens sollte nicht in die alten, verbrauchten Schläuche der Pfingstbewegung, sondern in die neuen Schläuche der Spätregen-Bewegung gefüllt werden.
Schon zu Beginn der amerikanischen Pfingstbewegung (1906) war die Lehre des „geistlichen Spätregens“ vom pfingstlichen Evangelisten David Wesley Myland geprägt worden. In seinen beiden Büchern Latter Rain Songs (Lieder des Spätregens) und The Latter Rain Covenant (Der Bund des Spätregens) aus den Jahren 1907 bzw. 1910 vertrat er als Erster die Lehre, dass die Geistesausgießung, aus welcher die klassische Pfingstbewegung hervorging, die Erfüllung eines geistlichen Spätregens war. Eines der offenkundigen Merkmale von Mylands Büchern war der sogenannte „dreifache“ exegetische Ansatz seiner Theologie. Er lehrte, dass es viele Schriftstellen gibt, die nicht nur zwei, sondern drei Bedeutungen haben; sie sind wörtlich, typologisch und prophetisch auszulegen; oder um es mit anderen Worten zu sagen: Sie sind geschichtlich, geistlich und dispensationalistisch auszulegen.
Bei der Gründung der Assemblies of God, der größten Pfingstdenomination der USA, im Jahre 1914 verwarfen deren Gründungsväter die Lehren Mylands und dessen restaurationistische Theologie – die Überzeugung, dass Gottes Geschichte mit der Gemeinde so enden würde, wie sie zu Pfingsten in Jerusalem begonnen hatte, nämlich mit einer einzigartigen Geistesausgießung und Erweckung, welche die ganze Welt erreichen und die Wiederkunft Christi einleiten sollte. Nach Mylands Veröffentlichung seiner beiden Bücher sollten jedoch fast vier Jahrzehnte vergehen, bis seine Lehre über den geistlichen Spätregen neue Popularität erlangte. Sie wurden erneut in der Spätregen-Bewegung in den Jahren 1948-1952 aufgegriffen und durch weitere Sonderlehren ergänzt. Die Spätregen-Bewegung war geprägt von folgenden Überzeugungen:
- Eine globale Endzeiterweckung
- Manifestationen von Zeichen und Wundern
- Die Wiederherstellung des sog. „fünffältigen Dienstes“ nach Epheser 4,11: Dies beinhaltet insbesondere die apostolischen und prophetischen Ämter.
- Die Handauflegung als Vermittlung von Vollmacht und Geistesgaben
- Christen mit außerordentlicher Bevollmächtigung, um Wunder zu wirken
- Die Unsterblichkeit einer besonderen Schar von Erlösten schon vor der Wiederkunft Christi
- Die lang ersehnte Einheit aller Christen
- Die Auflösung der Denominationen, die sich nach dem Vorbild der Apostelgeschichte als freie Gemeinden geografisch vernetzen und der Leitung von Aposteln unterstellen
- Der Siegeszug der christlichen Gemeinde mit Massenbekehrungen, Wundern und Zeichen, einschließlich Totenauferweckungen
Die amerikanische Pfingstdenomination Assemblies of God (AoG) reagierte prompt und bezog schon ein Jahr später im Jahre 1949 in einem Positionspapier Stellung, in welchem sie die Lehren der Spätregen-Bewegung verwarf. Die AoG hat im Laufe der Jahre weitere Positionspapiere verfasst und revidiert, die sich unter anderem mit Themen wie Endzeiterweckung oder dem Dienst von Aposteln und Propheten auseinandersetzen. Hier zusammenfassend die wichtigsten Kritikpunkte der amerikanischen Pfingstbewegung (AoG) an der Spätregen-Bewegung (die heute Geschichte ist) sowie anderer charismatischer Sonderlehren der letzten Jahrzehnte. Wenngleich die NAR nicht namentlich genannt wird, treffen die hier angeführten Punkte auf diese Bewegung im Wesentlichen ebenso zu:
- Die Pastoralbriefe des Apostels Paulus zeigen klar, dass die Leiterschaft der lokalen Gemein-de in den Händen der Pastoren, Ältesten und Diakone liegt. Ein Hinweis auf das Fortbestehen des apostolischen oder prophetischen Amtes, wie es die Vertreter des fünffältigen Dienstes propagieren, ist nicht schriftgemäß.
- Personen können sich trotz Charakterdefiziten den Titel eines Apostels aneignen, um Autorität über andere Personen zu erlangen, ohne sich verantwortlich anderen Leitern zu unter-stellen.
- Die gegenwärtige Überbetonung von Epheser 4,11 – fünffältiger Dienst – räumt dem Gebot von Epheser 4,12 – die Zurüstung der Heiligen für den Dienst – zu wenig Raum ein.
- Das Neue Testament lehrt nicht, dass das Amt eines Apostels oder Propheten in Form einer hierarchischen Leiterstruktur notwendig ist.
- Das irrige Verständnis des Amtes eines Apostels oder Propheten ist oft mit Exzessen und falschen theologischen Betonungen (z.B. Autoritätsmissbrauch) verbunden. Eine verantwortungsbewusste geistliche Leiterschaft sollte diese Art, das biblische Amt zu missdeuten, erkennen und zurückweisen.
- Die Überbetonung von Handauflegung im Sinne einer Übertragung von Gaben oder Kraft ist abzulehnen.
- Prophetie, die der persönlichen Führung des Gläubigen dienen soll, ist äußerst selten in der Schrift anzutreffen und sollte deshalb niemals die innere Führung durch Geist und durch Wort verdrängen. Persönliche Prophetien zur Regel zu machen, öffnet Tür und Tor für geistlichen Missbrauch.
Es ist zu einer Verdrehung der Schrift gekommen, wobei viele Lehren im Widerspruch zur ursprünglichen Bedeutung von Textstellen der Heiligen Schrift stehen. Hier führt die AoG spezifisch folgende Lehren an:
- dominionistische Lehren über das Reich Gottes (Kingdom Now/Dominion Theology)
- triumphalistische Lehren eines Superendzeit-Christen („manifested Sons of God“ – Offenbarung der Söhne Gottes nach Römer 8)
- die Lehre von „Joels Armee“
- geistliche Kampfführung: Kampf gegen territoriale Geister und Generationenflüche
- exzessive Überbetonung von Satan und seinen Dämonen (dämonisiertes Weltbild)
- Akzeptanz von Manifestationen sowie anderer Praktiken ohne Schriftgrundlage
- Gefahr der Institutionalisierung von Manifestationen als Zeichen göttlicher Gegenwart
- unzulässige Vergeistlichung biblischer Ereignisse oder biblischer Geschichte
- das Wohlstandsevangelium
Dieser Analyse, die einen kurzen Umriss verschiedener Positionspapiere der AoG2 darstellt, ist in allen Punkten zuzustimmen!
Die Spätregen-Bewegung löste sich in den 1960er-Jahren langsam auf und wurde in die entstehende charismatische Bewegung integriert. Wieder sollten etwa vier Jahrzehnte seit der Entstehung dieser Bewegung im Jahre 1948 verstreichen, ehe die Lehren der Spätregen-Bewegung erneut eine Wiederbelebung in der NAR erfuhren. Wie schon zuvor blieb es jedoch nicht bei einer Neubelebung jener Lehren, die man im Kern unter anderem Namen wieder einführte, sondern man arbeitete weitere Sonderlehren in die bereits bestehenden ein. Was mit Myland um 1910 noch recht harmlos begann, entartete in den 1950er-Jahren in der Spätregen-Bewegung und in den 1990er-Jahren in der NAR zu einem Lehrgebäude, das sich mittlerweile immer mehr vom Fundament biblischer Lehre gelöst hat.
David Pytches charakterisierte die Spätregen-Bewegung treffend:
„Die Spätregen-Bewegung … war größtenteils unterlaufen von zügelloser prophetischer Rede. Männer und Frauen, die keiner Autorität unterstanden, prophezeiten alle möglichen Worte über andere. Ihre Prophetien wurden nie geprüft. Gott ist nicht die Quelle von Verwirrung. Es gibt eine göttliche Ordnung für diese Dinge (1Kor 14,31). … Weil man diese Prinzipien nicht beachtete, distanzierte sich die AoG schließlich von der Bewegung. Außenstehende konnten nur ihr Bedauern zum Ausdruck bringen: ›Wenn die Pfingstler damit nicht fertig werden, wer dann?‹“
Die Spätregen-Bewegung überlebte kaum zwei Jahrzehnte; deren geistliche Führer hingegen leben und wirken zum Teil noch heute. Einige von ihnen gehören zum engsten Kreis von C. Peter Wagner.
Bill Hamon, Jim Laffoon, Ern Baxter und Paul Cain waren maßgeblich aktiv an der Wiederbelebung der Spätregen-Bewegung Ende der 1940er-Jahre beteiligt. Bill Hamon und Paul Cain gelten heute in der NAR als führende Propheten ebenso wie der Prophet Jim Laffoon. Laffoon war bis 2003 Mitglied im Apostolischen Rat der Prophetischen Ältesten (ACPE) von Peter Wagner. Im Jahre 2004 gründete Jim Laffoon mit Rick Joyner auf eine „Offenbarung Gottes“ hin die Organisation Every Nation (zuvor: Morning Star, ursprünglich von Rick Joyner gegründet). Laut Peter Wagner ist auch die Organisation Every Nation der NAR zuzurechnen.
Ern Baxter war Privatsekretär des äußerst umstrittenen pfingstlichen Heilers William Branham (1909-1965), den er von 1947 bis 1952 auf seinen evangelistischen Heilungsfeldzügen begleitete, ehe er sich von ihm aufgrund von Lehrdifferenzen trennte. Branham hielt sich für den Propheten Elia und sagte die Wiederkunft Christi für das Jahr 1977 voraus. Er lehnte die Lehre der Trinität ab und bezeichnete alle Denominationen, die sich von seiner Lehre distanzierten und sich nicht seiner sektiererischen Gruppierung anschlossen, als „Samen der Schlange“ (die Nachkommen Kains). Seine eigenen Nachfolger sah er als den wahren „göttlichen Samen“ (die Nachkommen Sets) an. Bis heute gibt es weltweit Ableger dieser extrem-charismatischen Sekte (u.a. in Deutschland).
Ein weiteres Mitglied des Apostolischen Rates der Prophetischen Ältesten (ACPE) von Peter Wagner ist Paul Cain. Er gehört den sogenannten Kansas-City-Propheten unter Mike Bickle an, zu denen im weiteren Sinne auch Bill Hamon, Rick Joyner, Lou Engle, James Goll, John Paul Jackson und Bob Jones zählen. Paul Cain war es, der – gleich Mylands Lehre der „prophetischen“ Auslegung – sich über alle exegetischen Prinzipien hinwegsetzte und ohne Berücksichtigung von Kontext, historischem Hintergrund und dem Literalsinn (wörtliche Bedeutung) einer Schriftstelle die Armee in Joel 2,11 „im Geiste“ umdeutete. Für ihn war sie nicht eine Armee, durch welche Gott Gericht an seinem unbußfertigen Volk Israel ausübte, sondern er erklärte sie kurzerhand aufgrund einer „prophetischen Offenbarung“ zur vollmächtigen Endzeitarmee von Charismatikern, welche ihren geistlichen Siegeszug über die Erde antreten würde.
Um Joels Armee auszubilden, gründete Mike Bickle, Pastor der charismatischen Gemeinde Kansas City Fellowship (heute: Metro Christian Fellowship), mit dem Propheten Paul Cain im Jahre 2002 die charismatische Bibelschule Forerunner School of Ministry (Vorreiter-Schule des Dienstes), um charismatische Christen für die kommende Megaerweckung vorzubereiten. Mike Bickle hat eine ganz besondere Berufungsgeschichte vorzuweisen. In einem Hotel im ägyptischen Kairo erschien ihm der Herr und sprach zu ihm: „Ich lade dich ein, teilzuhaben an einem Werk, das die Enden der Erde erreichen wird.“ Der Herr warnte ihn auch davor, dass Brüder, die angeblich keine so tiefe und enge Beziehung zu ihrem HERRN haben wie er, seine Berufung infrage stellen würden. Das erklärt auch, warum Mike Bickle keine oder nur äußerst zögerlich die Bereitschaft zur Korrektur erkennen lässt. Das Urteil von David Pytches hierzu: „Das Wort des Herrn war kristallklar. Diese von Gott gegebenen Prinzipien standen für Mike Bickle seit diesem Zeitpunkt niemals zur Debatte.“3
Ein Kritiker Mike Bickles, der charismatische Pastor Ernie Gruen, veröffentlichte im Januar 1990 eine 233 Seiten umfassende Dokumentation, in welcher er die Lehre und Praxis der Gemeinde von Mike Bickle und seiner „Propheten“ infrage stellte. Dabei wurde er allein in Kansas City von 40 anerkannten Charismatikern unterstützt. Das Dokument erreichte Tausende charismatischer Pastoren und stieß auf große Zustimmung. John Wimber, Gründer der Vineyard-Bewegung, übernahm für eine gewisse Zeit die Rolle eines geistlichen Vaters für Mike Bickle und seine Propheten. Später soll er sich frustriert aus dieser Rolle zurückgezogen und sich von Bickle distanziert haben. Wimber soll am Ende Gruens Einschätzung sogar in großem Umfang geteilt haben.
Einige der Voraussagen der Kansas-City-Propheten im Herbst 1989 besagten, dass die Mormonen sich bekehren und sich der prophetischen Bewegung anschließen würden, dass im Jahre 1990 eintausend geistliche Leiter in den USA sterben würden, weil sie ihre Salbung missbraucht hatten. Ferner offenbarten die Propheten, dass die Gemeinde von Mike Bickle 11 weitere Gemeinden in Kansas City mit je einem Propheten über sich gründen würde. Es sollte ein Verbund von 12 Gemeinden entstehen – die symbolträchtige Zahl 12 spielt hierbei auf die 12 Apostel der Urgemeinde an. Über diese Gemeinden sollten 12 vollmächtige Propheten eingesetzt werden, die das in die Zukunft weisende Vorbild und Muster für die Missionierung weiterer Städte darstellen sollten. Bis heute ist von alledem nichts eingetreten! Weiter sagten die Propheten die Offenbarung der vollmächtigen „Söhne Gottes“ (engl. manifested sons of God) innerhalb von 30 Jahren (also bis 2019) voraus; diese „neue Generation“ von Christen werde Tote auferwecken und Kranke heilen. Wieder einmal hat sich erneut eine Prophetie als falsch erwiesen. […]
Noch warten viele Charismatiker auf die große Endzeiterweckung. Die Sehnsucht nach Wundern und geistlichen Erfahrungen macht diese Christen geistlich verwundbar. Charismatiker mögen sich einer Selbstprüfung unterziehen, ob nicht sie es sind, die am ehesten zu einer leichten Beute für endzeitliche Verführung werden können. Nicht nur für sie – aber besonders für sie – gilt in der heutigen Zeit: Wer stehe, sehe zu, dass er nicht falle. Glaube ist nicht Leichtgläubigkeit. Blind geistlichen Leitern zu folgen, heißt nichts anderes, als den eigenen Fehlern noch jene der geistlichen Leiter hinzuzufügen; und niemand sollte geistlichen Leitern folgen, die nicht der Wahrheit folgen – so der weise Ratschlag A. W. Tozers.
Fussnoten
- C. Peter Wagner, The New Apostolic Churches, Gospel Light Publications, 1998, S. 18. ↩︎
- URL: http://ag.org/top/Beliefs/Position_Papers/index.cfm. Im Besonderen die Positionspapiere: Apostles and Prophets (Nr. 2), Endtime Revival – Spirit-Led and Spirit-Controlled (Nr. 12). ↩︎
- David Pytches, Some said it Thundered – A Personal Encounter with the Kansas City Prophets, Nelson Publishers, Nashville, USA, 1991, S. 13. ↩︎


