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	<title>Älteste &#8211; KfG  -`✞´-  Konferenz für Gemeindegründung</title>
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	<description>Konferenz für Gemeindegründung e.V.</description>
	<lastBuildDate>Tue, 24 Jun 2025 22:00:05 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Die Gefahren des Hirtendienstes</title>
		<link>https://kfg.org/2025/die-gefahren-des-hirtendienstes/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. Hernandes Dias Lopes]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Jun 2025 21:36:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Älteste]]></category>
		<category><![CDATA[Leiterschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Leitungsdienst hat seine Komplexität und erfordert adäquate und emotional gesunde Mitarbeiter. Der Leiter hat mit Spannungen zu tun, und wenn er keine auf Gott zentrierte und ausgeglichene Person ist, wird er emotional zerrissen und kann Konflikte um sich herum erzeugen. Fehlende Berufung, Faulheit, Habgier oder gar eine noch nie wirklich erlebte Bekehrung sind echte Stolpersteine für aktuelle oder zukünftige Älteste.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>Der Artikel von Hernandes Dias Lopes ist aus dem wertvollen Buch „Der Anspruch des Hirtendienstes” (siehe Seite 10) entnommen. Wir danken dem CMV-Verlag, Bielefeld, herzlich für die Abdruckerlaubnis. Die Redaktion</em></p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p>Ich bin durch ganz Brasilien gereist und habe in Hunderten von Kirchen verschiedener Denominationen gepredigt. Ich habe mit Hunderten von Pastoren und Leitern der evangelikalen Kirchen Brasiliens gesprochen. Ich habe viele wunderbare Dinge gesehen: treue Pastoren, die das Wort Gottes mit großer Achtsamkeit predigten; Leben, die durch das erneuernde Wirken des Heiligen Geistes verändert wurden. Ich habe gesehen, wie Familien verändert und Gemeinden in der Wahrheit aufgebaut wurden. Ich habe aber auch andere Situationen erlebt, in denen die finstere, spannungsgeladene Stimmung auf das Wüten eines verheerenden Sturmes hindeutete. Die Pastorenschaft befindet sich in einer Krise der theologischen und moralischen Integrität. Diese Krise breitet sich rasant wie eine Explosion über die gesamte Christenheit aus. Die Konsequenzen dieser Detonation lassen sogar die Strukturen der Gesellschaft erbeben.</p>



<p>Ich reise recht häufig nach Kanada und in die Vereinigten Staaten. Wenn ich mich bei der Einreise den Behörden als Pastor vorstelle, werde ich manchmal sofort abgefangen und in einen speziellen Raum verwiesen, wo ich meine Beweggründe für die Einreise genauer erklären muss. Noch vor einigen Jahren wirkte die einfache Tatsache, dass sich jemand als Pastor vorstellte, gleich einem Türöffner. Heute dagegen schließen sich die Türen. Ich weiß von Pastoren, denen der Kauf eines Fahrzeugs auf Kredit verwehrt wurde, sobald der Händler erfuhr, dass der Käufer ein Pastor war. Die Pastoren sind in Verruf gekommen.</p>



<p>Noch vor einigen Jahren war die Heirat eines Pastors für eine junge Frau so etwas wie ein Fahrschein für eine glückliche Ehe. Eine Frau, die heutzutage eine Ehe mit einem Pastor eingeht, unterschreibt einen Risikovertrag. Es gibt viele Pastoren, die auf der Kanzel glänzen, aber zu Hause einen schlechten Ehemann abgeben. Sie sind freundlich zu den Schafen in der Gemeinde, aber aggressiv der Ehefrau gegenüber. Es gibt viele Pastoren, die in einer Ehekrise stecken. Es gibt viele Pastorenkinder, die rebellieren und von der Kirche enttäuscht sind.</p>



<p>Ich bin überzeugt, dass die moralische Krise der Menschheit auch auf die Gemeinden überschwappt und sich in der moralischen Krise, die im Pastorendienst präsent ist, widerspiegelt. Eine Umfrage, die kürzlich in Brasilien durchgeführt wurde, wies Politiker, Polizisten und Pastoren als die drei Klassen aus, die in Brasilien den schlechtesten Ruf haben.<sup data-fn="31b7f70b-67a6-482f-acc2-348f1f08bda1" class="fn"><a id="31b7f70b-67a6-482f-acc2-348f1f08bda1-link" href="#31b7f70b-67a6-482f-acc2-348f1f08bda1">1</a></sup> Wir erleben eine Umkehrung der Werte. Wir leben in einer Krise der Integrität. Denjenigen, die die Hüter der Ethik sein sollten, wird sie zum Fallstrick. Diejenigen, die das Musterbeispiel für ein makelloses Leben sein sollten, sind in beschämende Skandale verwickelt.</p>



<p>Meine Wahrnehmung ist, dass Pastoren ernsthaften Gefahren ausgesetzt sind, von denen ich im Folgenden einige erwähne:</p>



<h2 class="wp-block-heading">Fehlende Bekehrung</h2>



<p>Es ist schmerzlich, dass einige von denen, die aufstehen, um anderen das Evangelium zu predigen, selbst noch nicht vom Evangelium erreicht worden sind. Es gibt Menschen, die Buße predigen, ohne sie jemals erlebt zu haben. Es gibt Menschen, die die Gnade verkünden, ohne jemals durch sie verwandelt worden zu sein. Einige führen die Verlorenen zur Erlösung und sind dabei selbst verloren (vgl. Matthäus 7,21-23).</p>



<p>Judas Iskariot war ein Jünger Jesu. Er war der Einzige in der Gruppe, der eine spezielle Vertrauensstellung erhielt: Er wurde dazu berufen, sich um die Finanzen zu kümmern. Er genoss das volle Vertrauen der anderen Jünger. Nie zogen sie seine Vertrauenswürdigkeit in Zweifel. Selbst beim Abendmahl, als Jesus ihn als Verräter entlarvte, verstanden die anderen Jünger nicht, worum es ging. Judas war der Anführer der Jünger bei der Auflehnung gegen Marias Tat, als sie eine Alabaster-Flasche mit teurem Parfüm zerbrach, um Jesus zu salben. Er war ein falscher Wohltäter. Er war ein Dieb. Sein Herz war nicht aufrichtig vor Gott. Seine Absichten standen im Widerspruch zu den göttlichen Zielen. Mit Sicherheit predigte er den anderen, nicht aber sich selber. Er war im Auftrag des Herrn Jesus unterwegs, um andere zur Erlösung durch die Buße zu führen, aber er selbst wurde nicht von ihr erreicht. Er lebte eine Lüge. Sein Leben war eine Täuschung. Sein Tod war eine Tragödie. Sein Ende war die Verdammnis.</p>



<p>Schon im 17. Jahrhundert wies Richard Baxter, ein führender Puritaner in England, in seinem berühmten Buch <em>The Approved Pastor</em> auf die Existenz von Pastoren hin, die selbst noch keine Wiedergeburt erlebt haben. Jesus sagte dem Lehrer der jüdischen Religion, einem führenden Juden namens Nikodemus, dass er das Reich Gottes nicht sehen könne, wenn er nicht von neuem geboren werde, und dass er nicht in das Reich Gottes eingehen könne, wenn er nicht aus Wasser und Geist geboren werde (vgl. Johannes 3,3-5). Vor einigen Jahren, nachdem ich auf einer evangelistischen Konferenz gepredigt hatte, kam ein Pastor auf mich zu, sein Gesicht war voller Tränen. Er umarmte mich und sagte: „Ich bin schon seit vielen Jahren Pastor. Ich habe Tausenden von Menschen das Evangelium gepredigt. Ich habe viele Menschen zu Christus geführt, aber erst heute erlebe ich die gesegnete Erfahrung der Wiedergeburt. Ich war noch kein bekehrter und geretteter Mensch.“</p>



<h2 class="wp-block-heading">Fehlende Berufung</h2>



<p>John Mackay, Präsident des <em>Princeton Seminary</em> in New Jersey, in den Vereinigten Staaten, beschäftigt sich in seinem Buch <em>The Meaning of Life</em> mit dieser für die Gesellschaft so wichtigen und grundlegenden Frage: der Berufung. Wir dürfen dieses Thema nicht unterschätzen. Es sollte zu Hause, in der Kirche, in der Wissenschaft und in den höchsten menschlichen Institutionen diskutiert werden. Der Sinn für Berufung ist einer der übergeordneten Sinne des Menschen. Es ist der Sinn, der ihn dazu bringt, die größten Arbeiten mit Selbstlosigkeit und Hingabe auszuführen. In den dunklen Momenten spendet er ihm Licht, in den schwierigen Angelegenheiten flößt er ihm neue Kraft ein. In meinem Buch <em>Mensagens selecionadas</em> (Ausgewählte Botschaften) erwähne ich drei wichtige Wahrheiten über die Berufung.</p>



<p><em>In erster Linie ist die Berufung die Richtschnur für unsere Entscheidungen.</em> Wir leben in einer Gesellschaft, die vom Profit berauscht ist. Menschen werden nach dem bewertet, was sie haben, nicht nach der Würde ihres Charakters. Geld und Profit sind zu den Treibern bei der beruflichen Entscheidung geworden. Auf dem globalen und konsumorientierten Markt ist der Profit der Sauerstoff, der die Lungen der Gesellschaft bewässert. Reichtum befriedigt nicht, aber das Gefühl der erfüllten Pflicht, bewegt durch den Hebel der Berufung, bringt unsagbare Freude.</p>



<p><em>Zweitens ist Berufung das Bewusstsein, am richtigen Ort zu sein und das Richtige zu tun.</em> Das Problem der Berufung ist vielleicht das ernsthafteste und dringendste soziale Problem, das die Grundlage für alle anderen bildet. Das soziale Problem ist nicht nur eine Frage der Aufteilung von Reichtümern, der Produkte der Arbeit, sondern ein Problem der Berufung, der Art und Weise, wie produziert wird. Was für eine Tragödie, wenn eine große Anzahl von Männern in einem Land nach Positionen statt nach Berufungen sucht!</p>



<p><em>Drittens kann Berufung sowohl eine Neigung als auch ein Ruf sein.</em> Im Allgemeinen findet man eine Berufung durch einen dieser beiden Wege: die Entdeckung einer besonderen Fähigkeit oder die Vision einer dringenden Notwendigkeit. Eine Berufung zum Dienst ist ein spezieller Ruf von Gott, verbunden mit einem dringenden Bedürfnis und einer besonderen Fähigkeit.</p>



<p>Es gibt viele Pastoren, die nie von Gott zum Dienst berufen worden sind. Sie sind Freiwillige, aber sie haben keine Berufung. Sie sind durch äußere Einflüsse durch die Tore des Dienstes gegangen und nicht durch einen inneren, wirksamen Ruf des Heiligen Geistes. Sie wurden durch die Verlockung eines höheren Status motiviert oder durch den Glanz eines Leiter-Amtes bewegt, jedoch nie von Gott für diese Pflicht ausgesondert.</p>



<p>Es gibt diejenigen, die mit der falschen Motivation in den Dienst treten. Sie strecken sich nach dem Dienst aus wegen des Profits, andere wegen des Ruhms, wieder andere wegen der Unterkunft. Es gibt einige, die versuchen, ein Medizinstudium, ein Jurastudium oder ein Ingenieurstudium zu absolvieren, und weil sie keinen Erfolg haben, schließen sie daraus, dass Gott sie zum Dienst beruft. Ich vertrete die Position von John Jowett, wenn er in seinem Buch <em>The Preacher, His Life and His Work</em> (Der Prediger, sein Leben und sein Werk) sagt, dass die Überzeugung des Rufes und die Gewissheit der Berufung nicht eintreten, wenn wir alle Türen geschlossen sehen und dann die offene Tür des Dienstes betrachten. Berufung ist, alle anderen Türen geöffnet zu sehen, aber nur auf die Tür des Dienstes zu schauen. Berufung ist wie eine unsichtbare Kette. Sie können nicht dauerhaft vor dieser Berufung fliehen. Der Prophet Jeremia versuchte, seinen Dienst aufzugeben, aber es brannte in seinen Knochen wie Feuer.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Faulheit</h2>



<p>Es ist bedauerlich, dass es Menschen gibt, die die erhabenste aller Berufungen ergreifen und in ihrer Ausübung nachlässig sind. Es ist bedauerlich, dass es Pastoren gibt, die bei der Ausübung der wichtigsten und dringendsten Aufgaben schlaffe Hände haben. Es ist unverständlich, dass einige, die ein Werk ausüben, das die Engel gerne tun würden, widerspenstig und träge in der Arbeit sind.</p>



<p>Das Amt ist eine ausgezeichnete Arbeit, aber es ist auch eine mühsame Arbeit (vgl. 1. Timotheus 3,1). Der Apostel Paulus sagt in 1. Timotheus 5,17: <em>„Die Ältesten, die gut vorstehen, sollen doppelter Ehre wertgeachtet werden, besonders die, welche im Wort und in der Lehre arbeiten.“</em> Es ist wichtig zu beachten, dass die Ausübung des Amtes ein gründliches Studium des Wortes beinhaltet. Die Faulen werden niemals in die Tiefen der Wahrheit vordringen. Sie werden sich keine Mühe geben, nahrhafte Nahrung für die Menschen zu finden. Sie werden sich niemals um den Schutz der Schafe Christi bemühen (vgl. Apostelgeschichte 20,29-30).</p>



<p>Paulus sagt in 1. Timotheus 3,1 (EÜ): <em>„Das Wort ist gewiss: Wenn jemand nach einem Aufseherdienst trachtet, so begehrt er ein schönes Werk.“</em> Das Hirtenamt ist ein Werk, und zwar ein ausgezeichnetes Werk. Es ist keine Arbeit für faule Menschen, sondern eine Arbeit, die jede Anstrengung, jeden Eifer und jede Sorgfalt erfordert.</p>



<p>Es gibt Pastoren, die viel schlafen, wenig arbeiten und alle Belohnungen haben wollen. Sie wollen Vergütung ohne jegliche Anstrengung. Sie wollen immer die Lorbeeren, aber niemals den Schweiß. Sie wollen die Vorteile, aber niemals das Opfer. Es ist traurig zu erkennen, dass viele Pastoren nicht alles geben, was sie geben könnten. Sie sind achtlose Arbeiter, Hirten ihrer selbst, die sich selbst weiden, anstatt die Herde. Sie sind auf Erleichterungen und persönliche Vorteile aus, ohne jemals ihr Leben in das Leben der Schafe zu investieren (vgl. Hesekiel 34,1-6).</p>



<h2 class="wp-block-heading">Habgier</h2>



<p>Es gibt Hirten, die sich mehr für das Geld ihrer Schafe interessieren als für deren Errettung. Es gibt Pastoren, die mit dem Amt Handel treiben, das Wort zur Ware machen und die Gemeinde in ein profitables Geschäft verwandeln (vgl. 2. Korinther 2,17). Es gibt Pastoren, die Gemeinden wie ein privates Unternehmen organisieren, in dem Vetternwirtschaft herrscht. Sie verwandeln die Kanzel in ein Schaufenster, das Evangelium in ein Produkt, den Tempel in einen Marktplatz und die Gläubigen in Konsumenten. Sie sind betrügerische Arbeiter, gierig, geizig und hinterlistig. Sie sind Liebhaber des Geldes und lassen sich von der Verlockung des Reichtums berauschen.</p>



<p>Es gibt Pastoren, die die Botschaft aus Profitgründen verändern. Sie predigen Wohlstand und täuschen die Menschen mit einseitigen Botschaften, um daraus eigene Vorteile zu ziehen.</p>



<p>Heute sind wir Zeugen des Phänomens der Kommerzialisierung des Glaubens. Pastoren und immer mehr Pastoren lösen sich von der kirchlichen Struktur und brechen mit ihren Denominationen, um eigene Dienststrukturen zu gründen, bei denen der Leiter zum Herrn der Gemeinde wird. Die Kirche wird zum Privateigentum des Pastors. Die Leiterschaft der Gemeinde wird zu einer dynastischen Regierung, in der die Frau ordiniert wird und die Kinder unmittelbare Nachfolger sind. Wir bezweifeln nicht, dass Gott einige zu einem bestimmten Dienst beruft, bei dem die ganze Familie beteiligt und engagiert ist, aber die skrupellose Vermehrung dieses Modells ist sehr beunruhigend.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Emotionale Instabilität</h2>



<p>Es gibt emotional kranke Pastoren in der Ausübung des Dienstes. Sie bräuchten seelsorgerliche Hilfe, aber sie sorgen sich um andere. Sie sollten betreut werden, aber sie betreuen andere. Sie sollten psychisch behandelt werden, aber sie behandeln andere.</p>



<p>Die Gemeinden müssen sorgfältiger prüfen, wen sie in theologische Seminare schicken. Ein Seelsorger ohne emotionales Gleichgewicht kann sich selbst, seiner Familie und der Gemeinde großen Schaden zufügen.</p>



<p>Der Dienst hat seine Komplexität und erfordert adäquate und emotional gesunde Mitarbeiter. Der Pastor hat mit Spannungen zu tun, und wenn er keine ausgeglichene Person ist, wird er emotional zerrissen und kann Konflikte um sich herum erzeugen. Viele Probleme in den Gemeinden sind durch die Unfähigkeit ihrer Pastoren entstanden. Die falsche Handhabung einer scheinbar einfachen Situation kann Probleme lostreten, die nur schwer zu lösen sind.</p>



<p>Der Pastor ist ein Mensch, der Selbstbeherrschung braucht. Es gibt Zeiten, in denen eine unbedachte Reaktion alles in Gefahr bringen kann. Voreiliges Reden kann zu Streit und großen Konflikten führen. Die falsche Art zu sprechen kann wahre Kriege innerhalb der Gemeinde auslösen. Unbesonnene Handlungen können unheilbare Wunden in zwischenmenschliche Beziehungen reißen.</p>



<p>Es gibt keinen rutschigeren Boden für einen emotional empfindlichen Diener als das Pastorenbüro. Viele Pastoren haben in den unruhigen Gewässern dieses unbeobachteten Ortes Schiffbruch erlitten.</p>



<p>Über 50% der Menschen, die das Sprechzimmer eines Pastors betreten, sind weiblich und über 50% der behandelten Themen beziehen sich auf das Gefühls- und Sexualleben. Ein emotional anfälliger Pastor kann sich nur allzu leicht emotional auf einen Ratsuchenden einlassen oder sich von ihm einspannen lassen. Es gibt eine Menge Pastoren, die im Sprechzimmer gescheitert sind. Sie sind wie Simson: Wahre Riesen in bestimmten Bereichen des Lebens, aber emotionale Schwächlinge, die der Verführung nicht standhalten können und die Vision, den Dienst, die Familie und das Leben verlieren.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Angst zu versagen</h2>



<p>Angst ist mehr als ein Gefühl, sie ist ein Geist. Paulus schreibt an Timotheus und sagt, dass Gott uns nicht einen Geist der Furcht gegeben hat, sondern der Kraft, der Liebe und der Selbstbeherrschung (2. Timotheus 1,7). Angst lähmt uns. Angst verändert unser Verständnis der Dinge. Die Jünger Jesu, von Angst überwältigt, sahen Jesus auf den Wellen gehen und schrien entsetzt (Matthäus 14,26): <em>„Es ist ein Geist!”</em> Die Angst trübte ihre Sicht und lähmte ihre Seelen. Jesus erzählte das Gleichnis von den Talenten und sagte, dass der Mann, dem nur ein Talent gegeben wurde, es aus Versagensangst vergrub und von seinem Herrn ausgestoßen wurde (vgl. Matthäus 25,24-27). Es gibt viele Pastoren, die Angst vor dem Versagen auf der Kanzel, in der Seelsorge und in der Verwaltung haben. Es gibt Pastoren, die Angst haben, zu ihren Entscheidungen zu stehen und Angst vor der Meinung der Gemeinde. Es gibt Pastoren, die sich wie Schildkröten verhalten, indem sie sich unter einem dicken Panzer verstecken und denken, diese falsche Rüstung werde sie vor Enttäuschungen schützen.</p>



<p>Craig Groeschel schreibt über diese Angst vor dem Versagen, indem er ein interessantes Experiment erzählt, das von einigen Wissenschaftlern durchgeführt wurde. Hier ist das Experiment:</p>



<p>In der Mitte eines Raumes hängten einige Wissenschaftler ein Bündel frischer Bananen an einen Pfahl. Dann ließen sie vier Affen in den Raum. Sofort bewegten sich die hungrigen Affen in die Richtung der reifen Bananen. Als die Affen versuchten, auf den Pfahl zu klettern, schüttete einer der Wissenschaftler eiskaltes Wasser über sie.</p>



<p>Die Affen zogen sich zurück, versammelten sich und unternahmen einen zweiten Versuch. Sobald sie begannen, den Pfahl zu erklimmen, bekamen sie erneut ein Eisbad. Nach mehreren erfolglosen Versuchen kamen die Affen zu der Überzeugung, dass ein Scheitern unvermeidlich wäre und gaben den Versuch schließlich auf.</p>



<p>Am nächsten Tag nahmen die Forscher einen der vier Affen aus dem Raum und ersetzten ihn durch einen anderen, der am Vortag nicht an dem Experiment teilgenommen hatte. Was tat der Neuankömmling? Furchtlos ging er auf die Bananen zu. Aber noch bevor er den Pfahl erreichen konnte, wurde er von den drei anderen zurückgezogen. Unerschrocken versuchte er es noch einmal, und wieder wurde er von seinen Genossen aufgehalten. Am Ende gab er auf und erlag der fatalen Haltung der anderen.</p>



<p>Jeden Tag ersetzten die Wissenschaftler einen der ursprünglichen Affen. Am fünften Tag hatte von den vier Affen im Raum noch keiner eine kalte Dusche erlebt. Sogar jetzt noch hinderten die anderen Affen jeden neuen Affen, der den Raum betrat, daran, auf den Pfahl zu klettern und die Bananen zu holen, <em>ohne überhaupt zu wissen, warum sie das taten.</em> Das Scheitern der ersten vier bedingte bei allen Neuankömmlingen die Vermeidung jedes weiteren Versuchs.<sup data-fn="720430d4-bf5b-4b29-87c2-2e5e3c9f15c0" class="fn"><a id="720430d4-bf5b-4b29-87c2-2e5e3c9f15c0-link" href="#720430d4-bf5b-4b29-87c2-2e5e3c9f15c0">2</a></sup></p>



<p>Diese Erfahrung ist nicht nur bei Affen üblich, sondern auch bei Menschen. Wir wollen eigenes Versagen verhindern, indem wir auf das Versagen anderer sehen, und verharren in der Angst, neue Versuche zu unternehmen. Angst kann uns die wunderbaren Dinge entziehen, die in unserer Reichweite liegen. Lassen Sie sich durch die Angst vor dem Versagen nicht in einen Laboraffen verwandeln.<sup data-fn="fb236ed0-96c9-4412-afa1-7bd2bf98f877" class="fn"><a id="fb236ed0-96c9-4412-afa1-7bd2bf98f877-link" href="#fb236ed0-96c9-4412-afa1-7bd2bf98f877">3</a></sup> Versagen ist ein Umstand, niemals eine persönliche Eigenschaft. Thomas Alva Edison hatte etwa 2.000 Experimente gemacht, bevor er die Glühbirne erfand. Jemand fragte ihn einmal, ob er nach so vielen Experimenten nicht frustriert sei. Er antwortete: „Nein! Ich habe die elektrische Glühbirne erfunden, und das war ein Sieg, für den 2.000 Schritte nötig waren.” Scheitern ist nur dann ein Scheitern, wenn man nicht daraus lernt. Scheitern muss unser Lehrmeister sein, nicht unser Totengräber. Misserfolge dauern nicht ewig an. Mit Gott an Ihrer Seite bekommen Sie den Mut, große Dinge zu träumen und dafür auch Risiken einzugehen!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Theologische Verirrung</h2>



<p>In vielen Ländern Lateinamerikas erleben die evangelikalen Gemeinden ein seltsames Phänomen. Sie wachsen explosionsartig, aber gleichzeitig verlieren sie auf beschämende Weise ihre evangelikale Identität. Was in Wahrheit wächst, ist nicht das Evangelium, sondern ein anderes Evangelium, ein hybrides, künstliches und mystisches Evangelium. Wir sehen in diesen Ländern eine Kirche florieren, die sich evangelisch nennt, aber kein Evangelium hat. Sie predigt Wohlstand, nicht Erlösung. Sie spricht von Schätzen auf der Erde und nicht von Schätzen im Himmel.</p>



<p>Es gibt eine Vielzahl an Lehren, die wie Winde umher wehen. Die Neuigkeiten schießen wie Pilze aus dem fruchtbaren Boden des lateinamerikanischen Mystizismus. Die Bibel wird wie eine magische Kraft benutzt, um Irrlehren gelähmter Pastoren zu stützen, die um jeden Preis den eigenen Gewinn und das eigene Vorankommen suchen. In diesem Wirrwarr von Neuigkeiten auf dem Markt des Glaubens lassen sich einige Typen von Pastoren unterscheiden.</p>



<p>E<em>rstens gibt es die Mentoren der Neuigkeiten.</em> Diese Pastoren sind wahre Spezialisten in der Kommunikation und Vermarktung. Sie kreieren immer wieder irgendeine Neuigkeit, um die Gemeinde anzulocken. Das Problem bei dieser leidenschaftlichen Suche nach Neuem ist, dass das Wort Gottes den Menschen vorenthalten wird. Anstatt die Menschen mit dem Weizen der Wahrheit zu sättigen, werden sie mit der Spreu der Neuheiten gefüttert (vgl. Jeremia 23,28-32). Wenn ein Pastor diesen Weg einschlägt, muss er sehr kreativ sein, denn eine Neuheit ist für eine Weile attraktiv, verliert aber sogleich ihre Wirkung. Dann ist es notwendig, eine weitere Neuheit zu erfinden. Es ist wie Kaugummi. Am Anfang ist er süß, nach einer gewissen Zeit jedoch kaut man auf einem Stück Schuhsohle herum.</p>



<p>Zweitens gibt es diejenigen, die <em>Marionetten </em>sind. Es gibt viele Pastoren, die das Wort Gottes nicht kennen und keine dienstliche Vision haben. Sie folgen den unscharfen Anweisungen ihrer Vorgesetzten. Sie sind Hirten ohne Herde, die im privaten Dienst betrügerischer Arbeiter stehen. Diese Pastoren sind nur Überbringer einer Botschaft, die sie nicht im Wort gefunden haben, die sie der Gemeinde aber weitergeben als wäre sie das Wort Gottes. Diese Pastoren sind verloren und führen das Volk Gottes in die Irre (vgl. Jeremia 23,32).</p>



<p>Drittens gibt es diejenigen, <em>die die gesunde Lehre absichtlich verlassen haben.</em> In einige unserer Seminare haben sich Professoren mit einer stark liberalen Tendenz eingeschlichen. Es gibt Professoren, die die Schrift nicht mehr als irrtumslose und hinlängliche Quelle akzeptieren. Es gibt diejenigen, die nicht an die Wörtlichkeit des biblischen Schöpfungsberichts glauben. Sie nennen sich Christen, sind aber zugleich Jünger Darwins und nicht Christi. Sie sagen, sie glauben an die Bibel, sind aber gleichzeitig Evolutionisten. Andere behaupten, Gott zu dienen, leugnen aber die Inspiration der Heiligen Schrift. In Wirklichkeit sind diese Menschen Wölfe, die in die Herde eindringen, um die Schafe zu verschlingen (vgl. Apostelgeschichte 20,29). Viele unerfahrene Pastoren, die von diesen Irrlehrern geschult werden, verlassen den Weg der Wahrheit und geben sich der Irrlehre hin.</p>



<p>Der Liberalismus ist ein tödliches Gift! Wo immer es hinkommt, tötet es die Kirche. Es gibt viele tote Gemeinden in Europa, in Nordamerika, und jetzt gibt es auch in Lateinamerika Kirchen, die mit diesem Instrument des Todes liebäugeln. Wir haben keine Berichte über einen Liberalen, der eine gesunde Gemeinde aufgebaut hat. Wir haben keine Berichte über einen Liberalen, der ein Werkzeug Gottes für eine große geistliche Erweckung gewesen ist. Der Liberalismus muss verstoßen werden, wenn das, was wir wollen, eine im Wort gefestigte, gottesfürchtige und der missionarischen Arbeit verpflichtete Kirche ist. Es gibt kein Gegengift für eine Kirche, die die gesunde Lehre aufgibt und dem Liberalismus die Hand reicht. Wenn eine Gemeinde den Punkt erreicht, an dem sie ihr Vertrauen in die Irrtumslosigkeit und Zuverlässigkeit der Schrift aufgibt, geht sie dem Abgrund entgegen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Autoritarismus</h2>



<p>Es gibt viele Pastoren, die mit unangemessener Strenge über die Gemeinde herrschen. Sie behandeln die Herde Gottes grausam und tyrannisch. Sie beherrschen die Gemeinde mit Autoritarismus (vgl. 1. Petrus 5,1-4). Sie trotzen denjenigen, die ihr Modell in Frage stellen.</p>



<p>Autoritarismus ist eine Art von Unsicherheit. Es ist ein Minderwertigkeitskomplex in der Gestalt eines Überlegenheitskomplexes. Es ist die Angst, die Macht zu teilen und abgelehnt zu werden. Eine erzwungene Führung hat keinen Wert. Eine Führung, die aus Angst erwächst, ist eines Christen nicht würdig. Eric Fromm, ein angesehener Psychiater, sagt, dass es zwei Arten von Autorität gibt: erzwungene Autorität und erworbene Autorität. Unser Vorbild für Leiterschaft ist die von Jesus ausgeübte. Er war ein dienender Führer. Leitung ist keine privilegierte Position, sondern ein Dienstfeld. Der Leiter ist nicht der, der am lautesten schreit, sondern der, der durch sein Beispiel die Herzen gewinnt und denen dient, die er mit Liebe führt. Der Apostel Petrus sagt, dass der Älteste sich nicht wie einer verhalten soll, der die Gemeinde beherrscht. Vielmehr soll er der Herde ein Vorbild sein (vgl. 1. Petrus 5,3).</p>



<p>Der Apostel Johannes prangerte die selbstsüchtigen und grausamen Praktiken des Diotrephes an, der gerne den ersten Platz in der Gemeinde einnahm (vgl. 3. Johannes 9-11). Er sah in jeder Person, die in die Gemeinde kam, einen Rivalen und keinen Mitarbeiter. Er fühlte sich durch neue Gläubige bedroht. Er unterließ es nicht nur, die Menschen mit Liebe zu empfangen, sondern bemühte sich vielmehr, sie von seinem eitlen Weg zu verscheuchen. Für Diotrephes war der Dienst mehr eine Bühne zur Selbstdarstellung als eine Gelegenheit zum Dienen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Opfer von Willkür</h2>



<p>Es gibt viele Pastoren, die Geiseln widerspenstiger und manipulativer Leiter sind. Diese Pseudo-Leiter verhalten sich wie Herren der Gemeinde und behandeln die ihnen „untergebenen“ Pastoren wie Angestellte, die unter ihrem Joch bleiben müssen.</p>



<p>Es gibt viele Gemeinden, in denen die übergeordneten Leiter sich als Arbeitgeber der untergeordneten Pastoren und sich selbst als Vorsteher der Gemeinde betrachten. Sie sind Leiter, die weder die Herde weiden noch den Pastoren erlauben, dies zu tun. Sie sehen die Pastoren als Rivalen an, die ihnen die Macht zu nehmen drohen. Sie sind mehr Kritiker der Pastoren als deren Mitarbeiter. Sie arbeiten als Kontrolleure der Pastoren, nicht als deren Ermutiger. Sie sind immer bereit, die Schwachstellen eines Pastors hervorzuheben, ermutigen ihn aber nie mit aufrichtigem Lob. Sie tragen ständig die Uniform von Kontrolleuren, anstatt Mithirten der Herde zu sein.</p>



<p>Es gibt eine Menge Machtkämpfe in den Leitungen der Gemeinden. Dieses Kräftemessen erzeugt Verschleiß und viele Tränen. Die meisten Pastoren leiden mehr unter den angespannten zwischenmenschlichen Beziehungen in der Leiterschaft als unter den Pflichten des Dienstes. Die Leiter verursachen mehr Arbeit als die Schafe. Viele Pastoren wurden durch die Willkür ihrer Leiter verletzt, misshandelt, niedergetreten und gedemütigt. Es gibt viele Leiter, die das Leben des Pastors zu einem Albtraum machen. Viele Pastoren sind frustriert und viele Pastorenkinder ärgern sich über die Art und Weise, mit der die Pastorenfamilie behandelt wird. Wir brauchen Heilung für diese Beziehungen!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Falsche Vorstellung vom Dienst</h2>



<p>Der Dienst ist kein Zuckerschlecken, sondern ein Kampfplatz. Das Pastorenzimmer ist weder ein VIP-Raum noch ein roter Teppich. Der Dienst ist kein Vergnügungspark. Dienst ist Kampf, eine Schlacht ohne Waffenstillstand. Wer in den Dienst eintritt, muss sich dessen bewusst sein, dass es Widerstand von außen und Druck von innen gibt. Es gibt externe und interne Kämpfe. Es gibt vom Feind gemachte Konflikte und Kriege, die unter Brüdern ausgetragen werden.</p>



<p>Der Apostel Paulus sah sich mit dem Widerstand durch Feinde und auch durch Gemeindeglieder konfrontiert. Diener sein bedeutet, ständig unter Druck zu leben. Der Dienst ist eine Arena des Kampfes gegen die Macht der Finsternis und die Macht des Fleisches. Es gibt keinen Dienst ohne Spannung. Es gibt keinen Dienst, der schmerzlos ist. Es gibt keinen Dienst ohne Tränen. Pastor zu sein bedeutet, eine sengende Wüste zu durchqueren, anstatt über samtige Teppiche des Ruhms zu gehen. Pastor zu sein ist die Kunst, Steine zu schlucken und Diamanten hervorzuwürgen. Pastor zu sein bedeutet bereit zu sein, sein Leben in das Leben anderer zu investieren, ohne die gebührende Anerkennung zu erhalten. Pastor zu sein bedeutet zu lieben, ohne eine Belohnung zu erwarten, bedeutet, zu geben, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Pastor zu sein bedeutet zu wissen, dass uns unser Lohn nicht hier gegeben wird, sondern im Himmel.</p>



<p>Mit einer romantischen Vorstellung in den Dienst zu treten, ist ein großes Risiko. Das bedeutet nicht, dass der Dienst eine Last oder eine Bürde wäre. Ich glaube, dass der Pastorendienst ein großes Privileg ist. Keine Position auf Erden sollte das Herz eines Pastors dazu verleiten, seinen Blick von seinem Dienst abzuwenden. Die Rolle, die wir spielen, ist so erhaben, dass die Engel gerne unsere Arbeit machen würden. Ein Botschafter für Gott zu sein ist besser, als ein Botschafter für die mächtigste Nation der Welt zu sein. Charles Spurgeon sagte zu seinen Studenten: „Kinder, selbst wenn die Königin von England euch einlädt, Botschafter in irgendeinem Land der Welt zu sein, so lasst euch nicht zu diesem niedrigen Posten herab, indem ihr eure Stellung als Botschafter des Königs der Könige und des Herrn der Herren aufgebt.” Heute sehen wir viele Pastoren, die den Dienst verlassen, um Stadträte, Abgeordnete oder Senatoren zu werden. Sie tauschen ihr Erstgeburtsrecht gegen ein Linsengericht. Das ist ein Fehler und ein unglücklicher Tausch. Obwohl auch die zivile Berufung eine geheiligte Berufung sein kann, soll derjenige, den Gott zum Dienst berufen hat, seine Aufmerksamkeit nicht auf andere Aufgaben richten, mögen sie noch so edel sein.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kaputte Ehe</h2>



<p>D. A. Carson sagt in seinem Buch <em>The body</em>, dass eine der sozialen Gruppen, in denen heutzutage weltweit die meisten Scheidungen vollzogen werden, die pastorale ist. Der Pastor läuft Gefahr, sich um andere zu kümmern und den Ehepartner zu vernachlässigen. Er läuft Gefahr, allen, die zu ihm kommen, besondere Aufmerksamkeit zu schenken und dabei seiner eigenen Familie keine besondere Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Der Pastor läuft Gefahr, ein abwesender Ehemann zu sein, unsensibel für die emotionalen Bedürfnisse seiner Frau.</p>



<p>Es gibt viele Pastoren, die nach außen hin den Schein wahren. Während sie über die Ehe predigen, leben sie in einer kaputten Ehe. Während sie Paaren in Krisen Ratschläge geben, wenden sie die gleichen Prinzipien nicht auf ihre eigene Ehebeziehung an. Es gibt Pastoren, die das eine predigen und das andere machen. Sie verhalten sich anderen gegenüber liebenswürdig und sind bitter ihrer Frau gegenüber. Ihren Schafen gegenüber sind sie tolerant, ihren Kindern gegenüber unversöhnlich. Es gibt Pastoren, die Engel auf der Kanzel sind und Dämonen im eigenen Haus.</p>



<p>Diese Kluft zwischen der Kanzel und dem eigenen Zuhause führt dazu, dass der Diener unglaubwürdig wird, der Dienst seinen Wert verliert und dem Pastoren die Salbung genommen wird, die ihn befähigt, seinen Dienst treu und wirksam zu verrichten. Ist der Pastor kein Segen in seinem eigenen Haus, wird sein Dienst auf der Kanzel zum Scheitern verurteilt sein.</p>



<p>Die wichtigste und erste Herde des Pastors ist seine eigene Familie. Kein Erfolg im Dienst kann das Scheitern der Familie kompensieren. Die Familie des Pastors ist der Stützpfeiler seines Dienstes. Das Wort Gottes sagt, dass der, der seinem eigenen Haus nicht gut vorsteht, nicht fähig ist, der Gemeinde Gottes vorzustehen (vgl. 1. Timotheus 3,4.5). Ich hörte vor einiger Zeit einmal jemanden sagen, Noah sei der größte Evangelist aller Zeiten gewesen. Obwohl es ihm nicht gelungen war, irgendeinen Menschen sonst in die Arche zu bringen, hatte er seine ganze Familie dabei. Es gibt viele Prediger, die sich gebrauchen lassen, um viele zur Errettung zu führen und die dabei ihre eigene Familie verlieren. Der Priester Eli wurde verworfen, weil er seine Söhne mehr liebte als Gott. Er widmete anderen Zeit, aber er kümmerte sich nicht um seine eigenen Söhne (1. Samuel 2,12-17;22-36). Der Pastor lebt beständig unter dem Druck der dringlichen und wichtigen Dinge. Er ist andauernd gefordert, dem Dringlichen seine Aufmerksamkeit zu widmen und manchmal opfert er auf dem Altar der Dringlichkeiten das, was wirklich wichtig ist. Oft läuft der Pastor den dringenden Dingen hinterher und vergisst, sich um sein eigenes Haus zu kümmern.</p>



<p>Es gibt viele Pastoren mit emotional zerbrochenen Familien. Sie gehen rücksichtsvoll mit ihren Schafen um und sind unsensibel ihrer Familie gegenüber. Sie sind auf der Kanzel liebenswürdig und in ihrem Haus grob. Sanft verhalten sie sich gegenüber den Kindern der anderen und hart den eigenen gegenüber. Viele Pastorenkinder sind verbittert und zornig darüber, wie sie von ihren Vätern behandelt werden: Sie haben nie Zeit. Immer helfen sie anderen, hören anderen zu, arbeiten mit anderen zusammen, aber nie nehmen sie sich Zeit, mit den eigenen Kindern zu sprechen. Es gibt Frauen, die einen Pastor geheiratet haben, und eine immense Einsamkeit erleben. Und es gibt Pastorenkinder, die lebende Eltern haben und doch Waisen sind.</p>



<p>Die Pastoren müssen sich mit großer Dringlichkeit darum bemühen, die Sorge um die Familie wieder zur obersten Priorität zu machen. Die Gemeinde ist ein Segen und wir müssen lernen, sie wie den Augapfel Gottes zu lieben und zu umsorgen, aber wir dürfen das nicht auf Kosten der eigenen Familie tun. Der beste Weg ist, dass die ganze Familie den Dienst liebt und gemeinsam und standhaft arbeitet, um den Pastorendienst zu unterstützen. Wenn die Familie des Pastors die Gemeinde als Konkurrenz ansieht, zieht das viele Unannehmlichkeiten für den Pastor und auch die Gemeinde nach sich.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Umgang mit Geld</h2>



<p>Das, was der Arbeit des Pastors auf der Kanzel, in seinem Büro und in den anderen Bereichen des Dienstes Authentizität verleiht, sind seine moralische Integrität, seine eigene Gottesfurcht und sein amtliches Verantwortungsbewusstsein. Er muss ein tadelloser Mann sein. Sein Ruf muss unbefleckt sein. Er muss ein gutes Zeugnis vor denen haben, die draußen sind (1. Timotheus 3,7). Ein Pastor darf keine offenen Rechnungen in seinem Leben haben. Er darf dort, wo er lebt, keine finanziellen Streitigkeiten haben. Er darf nicht unehrlich in seinen Worten und nachlässig in seinen finanziellen Verpflichtungen sein. Der Pastor darf kein in Schulden verwickelter Mann sein, nicht finanziell verstrickt, nicht unverantwortlich in seinen finanziellen Verpflichtungen. Er darf nicht danach trachten, den Schein zu wahren. Er darf nicht danach streben, eine Lebensweise zur Schau zu stellen, die über seine finanziellen Gegebenheiten hinausgeht.</p>



<p>Viele Pastoren haben aufgrund der mangelnden Fähigkeit, ihr Geld zu verwalten, ihre Glaubwürdigkeit im Dienst verloren. Es gibt Pastoren, die dort, wo sie leben, für unglaubwürdig gehalten werden. Es gibt Pastoren, die leihen und nicht zahlen. Manche Pastoren sind untreu in der Verwaltung von Finanzen, angefangen beim Zurückhalten des Zehnten des Herrn. Wenn ein Pastor den Zehnten des Herrn zurückhält, verliert er die nötige Autorität, um in der Gemeinde Treue zu lehren. Es gibt Pastoren, die mehr ausgeben als sie verdienen. Sie stürzen sich in Schulden und schaffen es nicht, jederzeit ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. Manche Pastoren wissen nicht mit Schecks und Kreditkarten umzugehen. Sie kaufen, was sie nicht brauchen, mit Geld, das sie nicht haben, um Leute zu beeindrucken, die sie noch nicht einmal kennen.</p>



<p>Wir leben in einer Konsumgesellschaft. Uns wird weisgemacht, dass das <em>Haben </em>wichtiger ist als das <em>Sein</em>. Durchgehend werden unsere Sinne durch strahlende Reklame angesprochen. Sie wecken in uns ein tiefes Gefühl der Unzufriedenheit und einen regelrechten Zwang, diese Konsumgüter zu bekommen. In den 1950er-Jahren konsumierten wir ein Fünftel von dem, was wir heutzutage konsumieren. Wir waren deswegen nicht weniger glücklich. In den 1970er-Jahren waren 70% der Familien von einem einzelnen Einkommen abhängig, um die laufenden Kosten zu decken. Heute brauchen mehr als 70% der Familien zwei Einkommen, um ihren Lebensstandard halten zu können. Mit anderen Worten: Der Luxus von gestern ist heute eine dringende Notwendigkeit. Wir haben mehr als wir brauchen. Wir geben mehr für überflüssige Dinge aus als für das Reich Gottes. Wir könnten mit viel weniger auskommen, zumal es nicht Dinge sind, die uns befriedigen. Unsere Freude liegt nicht außerhalb von uns, sondern in uns. Die Bibel sagt, dass die Genügsamkeit zusammen mit der Frömmigkeit eine Quelle großen Gewinns ist (1. Timotheus 6,6).</p>



<h2 class="wp-block-heading">Leben in Sünde</h2>



<p>Für das geistliche Leben eines Mannes gibt es nichts Gefährlicheres als sich an das Heilige zu gewöhnen. Die Söhne Elis, Hofni und Pinhas, waren Priester des Herrn, aber zugleich lebten sie unrein, respektlos und abscheulich. Sie taten das Werk Gottes, lebten aber nicht für Gott. Sie hatten ein Amt, aber kein Leben; sie dienten, hatten jedoch keine Gottesfurcht (1. Samuel 2,12-17). Eines Tages entwickelte sich ein Kampf zwischen den Israeliten und den Philistern. Vor einer bitteren Niederlage, bei der 4.000 Israeliten starben, brachten diese beiden unreinen Priester die Bundeslade ins Lager. Aber die Zerstörung wurde nur noch verheerender. 30.000 Männer starben, die Lade wurde geraubt und die Herrlichkeit des Herrn entfernte sich (1. Samuel 4,1-22). Ein untreuer Diener ist schlimmer als ein Ungläubiger. Charles Spurgeon sagte, dass ein Diener ohne Gottesfurcht in einer Gemeinde der größte Agent des Teufels ist.</p>



<p>Wenn das Leben des Pastors das Leben seines Dienstes ist, sind die Sünden des Pastors die größten Sünden. Die Sünden des Pastors sind gravierender, heuchlerischer und verheerender als die Sünden anderer Personen. Gravierender, weil der Pastor mit einem größeren Wissen sündigt, heuchlerisch, weil der Pastor die Sünde öffentlich von der Kanzel verurteilt und sie im Geheimen ausübt, und verheerender, weil mehr Personen schockiert sind, wenn der Pastor sündigt.</p>



<p>Nicht wenige Diener fallen der Unreinheit und der ehelichen Untreue zum Opfer. Die Zahl der Pastoren, die innerhalb der Gemeinde in unerlaubte sexuelle Beziehungen verwickelt sind, wächst mit erschreckender Geschwindigkeit. Rasend schnell steigt die Zahl der Scheidungen der Pastorenehen. Jedes Jahr wird eine Menge von Pastoren aufgrund von moralischen Angelegenheiten ihres Amtes enthoben. Jopencil Silva beschreibt die Schritte von der Versuchung bis zum Fall. Er sagt, dass Versuchung zum Fall wird, wenn ein Mensch stehen bleibt, wo er nicht hätte stehen bleiben sollen; wenn er dem Gehör schenkt, dem er nicht hätte zuhören sollen; wenn er dorthin schaut, wohin er nicht hätte schauen sollen; und wenn er das probiert, was er nicht hätte probieren sollen.<sup data-fn="d7caaf79-daba-4d4d-8c53-5c2704e1e328" class="fn"><a id="d7caaf79-daba-4d4d-8c53-5c2704e1e328-link" href="#d7caaf79-daba-4d4d-8c53-5c2704e1e328">4</a></sup> Hier ist große Vorsicht geboten, denn die Sünde kann uns länger zurückhalten als wir bleiben möchten; sie kann uns weiter bringen als wir gehen möchten, und sie kann uns mehr kosten als wir bezahlen möchten.</p>



<p>Craig Groeschel warnt in seinem Buch <em>Confessions of a Pastor</em> vor der Gefahr der sexuellen Versuchung. Was als einfacher Gedanke beginnt, kann zu einem Blick werden, dann zu einem längeren Gedanken, und sich schnell zu einer Handlung entwickeln. Die Statistiken sind unglaublich: Konservative Erhebungen zeigen, dass über 60% der Männer und 40% der Frauen schon Ehebruch begangen haben.<sup data-fn="ac759d68-0d60-4cb4-be5d-f3ff754bbb14" class="fn"><a id="ac759d68-0d60-4cb4-be5d-f3ff754bbb14-link" href="#ac759d68-0d60-4cb4-be5d-f3ff754bbb14">5</a></sup> <sup data-fn="1d3a29e1-6990-4fec-b67d-2e3b24e9b0ca" class="fn"><a id="1d3a29e1-6990-4fec-b67d-2e3b24e9b0ca-link" href="#1d3a29e1-6990-4fec-b67d-2e3b24e9b0ca">6</a></sup>Christen, und besonders Pastoren, sind nicht frei von diesem Risiko. Craig Groeschel erzählt die Geschichte der Eskimos und wie sie mit gefährlichen Wölfen umgehen. Diese Geschichte veranschaulicht die Gefahr:</p>



<p>Um die Familien eines Dorfes zu schützen, erlegt jemand einen Hasen oder ein Eichhörnchen. Anschließend tauchen die Einheimischen einen scharfen, zweischneidigen Dolch in das Blut des Tieres und lassen das Metall der Klinge gefrieren. Dann treiben sie das Ende des Dolches fest in den Boden, während das mit gefrorenem Blut bedeckte Metall noch aus der Erde ragt.</p>



<p>In der Nacht vernimmt ein unachtsamer Wolf den Geruch des Blutes und nähert sich, um zu sehen, was es ist. Er beginnt, an der Klinge zu lecken. Das gefrorene Blut und das kalte Metall betäuben die Zunge des Wolfes. Stück für Stück schneidet das Tier in seine eigene Zunge und beginnt, sein eigenes warmes Blut zu schmecken.</p>



<p>Da er keinen Schmerz empfindet, leckt er immer schneller und mit größerer Gefräßigkeit. Ohne es zu merken, schneidet er sich die Zunge ab. Wenn der Wolf merkt, was passiert, ist der Schaden bereits zu groß. Das Tier blutet aus, bis es stirbt.</p>



<p>Diese tragische Geschichte ist ein gutes Bild für sexuelle Versuchung. Viele Pastoren sind bereits am Bluten, ihr Leben ist kaputt. Es gibt viele Diener, die ihre geistliche Sensibilität und Gottesfurcht verloren haben. Sie leben in der Praxis der Sünde, während sie predigen, das Abendmahl reichen und den Versuchten Ratschläge geben. Sie sind Heuchler, die versuchen, andere zu heilen, während sie für sich selbst Heilung suchen sollten.</p>



<p>Es gibt Pastoren, die weiterhin in Sünde leben, ohne Buße zu tun oder vom Dienst zurückzutreten. Es gibt solche, die ihre abscheulichen Praktiken erst dann abbrechen, wenn sie erwischt oder zur Zielscheibe öffentlichen Spottes werden.</p>



<p>Jetzt ist es an der Zeit, dass die Gemeinde für die Pastoren betet! Es ist an der Zeit, dass Pastoren sich in den Staub werfen und zu Gott um eine Heimsuchung vom Himmel und eine Zeit der Wiederherstellung schreien (vgl. Joel 2,17)!</p>



<p></p>



<p><em><strong>Fußnoten</strong></em></p>


<ol class="wp-block-footnotes"><li id="31b7f70b-67a6-482f-acc2-348f1f08bda1">Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2020 genießt in Deutschland die Polizei als Institution das größte Vertrauen der Bevölkerung (84%). Die Kirchen (und damit die Pastoren) dagegen stehen auf dem elften (und damit vorletzten) Platz. Nur 24% der Befragten gaben an, ihnen zu vertrauen. Das Vertrauen in die Kirchen (und Pastoren) ist nicht einmal halb so groß wie in die Bundesregierung (61%). Noch weniger Vertrauen als die Kirchen genießen laut dieser Umfrage nur noch die privaten Rundfunksender (19%). Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/814334/umfrage/vertrauen-in-die-institutionen-in-deutschland/ (Zugriff am 10.08.2021) <a href="#31b7f70b-67a6-482f-acc2-348f1f08bda1-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 1 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="720430d4-bf5b-4b29-87c2-2e5e3c9f15c0">Groeschel, Craig: Confissões de um pastor. São Paulo: Vida, 2006, S. 168-169 <a href="#720430d4-bf5b-4b29-87c2-2e5e3c9f15c0-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 2 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="fb236ed0-96c9-4412-afa1-7bd2bf98f877">Ebd., S. 170 <a href="#fb236ed0-96c9-4412-afa1-7bd2bf98f877-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 3 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="d7caaf79-daba-4d4d-8c53-5c2704e1e328">Silva, Jopencil M.: Cuidado com as tentações do ministério. Governador Valadares: Design, 2007, S. 19.20 <a href="#d7caaf79-daba-4d4d-8c53-5c2704e1e328-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 4 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="ac759d68-0d60-4cb4-be5d-f3ff754bbb14">Groeschel, Craig: Confissões de um pastor, S. 48 <a href="#ac759d68-0d60-4cb4-be5d-f3ff754bbb14-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 5 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="1d3a29e1-6990-4fec-b67d-2e3b24e9b0ca">In den deutschen Umfragen (veröffentlicht am 01.01.2018) geben 64% der Befragten (sowohl Männer als auch Frauen) an, von mindestens einem Seitensprung ihres Partners zu wissen. Mehr als ein Drittel der Befragten gibt an, von mehr als nur einem Seitensprung des Partners zu wissen.<br>Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/933/umfrage/anzahl-bekannter-seitenspruenge-in-aktueller-partnerschaft-frauen/ und https://de.statista.com/statistik/daten/studie/928/umfrage/anzahl-bekannter-seitenspruenge-in-aktueller-partner-schaft-maenner/ (Zugriff am 10.08.2021) <a href="#1d3a29e1-6990-4fec-b67d-2e3b24e9b0ca-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 6 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li></ol><p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://kfg.org/2025/die-gefahren-des-hirtendienstes/">Die Gefahren des Hirtendienstes</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://kfg.org">KfG  -`✞´-  Konferenz für Gemeindegründung</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Der Hirte und die Kranken</title>
		<link>https://kfg.org/2025/der-hirte-und-die-kranken/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Eddie Rasnake]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Apr 2025 08:12:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Älteste]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeindepraxis]]></category>
		<category><![CDATA[Leiterschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kfg.org/?p=18375</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die christliche Fürsorge unterscheidet die Gemeinde von dem Egoismus der Welt. Ein wichtiger Teil des Hirtendienstes in der Gemeinde ist es daher, leiblichen, praktischen und emotionalen Bedürfnissen von Familien zu begegnen, die eine Gesundheitskrise erleben. Gleichzeitig kann man nicht genug betonen, dass die Verantwortung bei der gesamten Gemeinde liegt.</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://kfg.org/2025/der-hirte-und-die-kranken/">Der Hirte und die Kranken</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://kfg.org">KfG  -`✞´-  Konferenz für Gemeindegründung</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>Diesen Artikel haben wir mit freundlicher Erlaubnis des Rigatio-Verlages aus dem Ältestenkurs „Hütet die Herde“ von Eddie Rasnake entnommen (ISBN: 9783957900517). Wir möchten den gesamten Kurs sehr empfehlen. Die Redaktion</em></p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading"><br>Der Hirte sorgt für die Herde</h2>



<p>Ein wichtiger Teil des Hirtendienstes in der Gemeinde ist es, leiblichen, praktischen und emotionalen Bedürfnissen von Familien zu begegnen, die eine Gesundheitskrise erleben. Erwachsene neigen dazu, in ihrem Verhalten und Denken eingefahren zu sein, sodass eine geistliche Veränderung oft nur langsam und mühevoll vonstattengeht. Krankheitszeiten sind Ausnahmezeiten, in denen sich Erwachsene besonders öffnen und bereit sind, einen geistlichen Dienst anzunehmen – sei er evangelistisch oder glaubensstärkend. Wenn man körperlichen, praktischen und emotionalen Nöten begegnet, öffnet sich oft auch eine Tür für die geistliche Not. Bietet man in solchen Zeiten Hirtendienst an, ist die praktische Hilfe nicht der Endzweck, sondern ein Mittel zum geistlichen Dienst.</p>



<p>Hirtendienst in Krankheitszeiten ist ein Dienst der Gnade, Ermutigung und Tröstung; auch die Bedürfnisse des Leibes sollen gestillt werden. Die Bibel sagt viel über Krankheit. Sie führt verschiedene Arten von Krankheiten auf – von Beulen, über Blutkrankheiten, Hautkrankheiten, Fußleiden, Lähmung, parasitäre Erkrankungen bis hin zu drei verschiedenen Arten von Blindheit.</p>



<p>Das Ziel des Hirtendienstes ist nicht, die Existenz von Krankheiten zu diskutieren oder nach besonderen Gründen hinter dem Leiden eines Menschen Ausschau zu halten, sondern dem Gemeindeglied in diesen Umständen zu dienen.</p>



<p>Wenn wir darüber nachdenken wollen, wie man Kranken dient, beginnen wir bei Jesus Christus, dem großen Arzt. Während seines ganzen Dienstes hat Jesus geheilt. Das war die göttliche Methode, den Kranken zu helfen. Wenn wir uns mit dem Dienst an Kranken beschäftigen, müssen wir beachten, dass Jesus nicht jede Krankheit als Strafe Gottes ansah, wie es in den Tagen des Alten Testaments üblich war. Die Heilige Schrift nennt mindestens fünf Gründe für Krankheit:</p>



<ol class="wp-block-list">
<li>um Gott zu verherrlichen (Joh 9,1-3).</li>



<li>als eine Prüfung, die zu geistlichem Wachstum und Abhängigkeit von Gott führt (Hi 2,7-8; 2Kor 12,8).</li>



<li>als Ruf zur Umkehr von Sünde (persönliche Sünde: 1Kor 11,30; Sünde in der Familie: Joh 9,1-2 [implizit]; Sünde eines Führers: 2Mos 9,8-17; Sünde eines ganzen Volkes: Jes 1,4-8)</li>



<li>damit Sünde gerichtet wird (1Kor 11,30; 2Sam 12,15; 1Chr 21,8-17; Jes 1,4-8).</li>



<li>als Mittel, um einen Gläubigen heimzuholen (Joh 11,4 [implizit]).</li>
</ol>



<p>Jesus heilte den Körper. Aber es ist wichtig zu beachten, dass er dieselbe Sorge für die geistliche Gesundheit der Menschen zeigte. Seine Beschäftigung mit der Krankheit war nicht Selbstzweck, sondern bedeutete die Beseitigung einer „Störung“, damit er einem Menschen in seinen geistlichen Nöten helfen konnte. Interessant ist, dass der Heilungsdienst von Jesus ein Werkzeug war, um die rettende Macht des Evangeliums zu verkünden. Als Älteste haben wir nicht die Macht, nach Belieben körperlich zu heilen – das steht allein Gott zu. Wir können um Heilung beten, aber ebenso wichtig ist: Wir können uns zum Dienst an anderen in solchen Umständen gebrauchen lassen – ganz gleich, ob der Herr ihre körperlichen Leiden heilen will oder nicht.</p>



<p>Krankheit finden wir in der Bibel reichlich, und heute stellen wir fest, dass der Hirtendienst in solchen Zeiten niemals ein „Kurzzeitdienst“ ist. Wir sehen in der Heiligen Schrift, dass Christus für den Dienst an den Kranken zur Verfügung stand. Er fühlte Mitleid mit ihnen. Sein Dienst an ihren leiblichen Bedürfnissen ging Hand in Hand mit seinem Bestreben, den geistlichen Nöten von Männern und Frauen zu begegnen. Folglich ist der Hirtendienst an Kranken eine Möglichkeit, evangelistisch oder auch in der Jüngerschaft zu arbeiten. Drei biblische Wörter beschreiben diesen Dienst in besonderer Weise: Hirten sollen die Herde <strong><em>ermutigen, trösten und ihr Gnade zeigen.</em></strong> Krankheitszeiten sind Gelegenheiten zu geistlichem Wachstum. Sie sind aber auch Zeiten, wo Satan versucht, durch Depression und Selbstmitleid zu wirken. Ermutigung und Tröstung können einem Gläubigen helfen, die richtige Sicht auf diese Art der Prüfung zu bekommen.</p>



<p>Wem das nicht gelingt, den kann die Gnade auf den richtigen Weg zurückführen. Solche Ermutigung kommt vom Herrn, nicht von uns. Wir lesen: <em>„Übrigens nun, Brüder, bitten und ermahnen wir euch in dem Herrn Jesus“</em> (1Thes 4,1). Christus, und niemand von uns, ist die höchste Quelle geistlicher Ermutigung. Wenn ein Ältester ein Krankenzimmer betritt, eine Karte schreibt oder ein Trauerhaus betritt, dann tut er das, um „in dem Herrn Jesus“ zu ermutigen, nicht in seinem Fleisch.</p>



<p>Um dienen zu können, müssen wir in Hingabe zu ihm leben und ihm jede Situation anvertrauen. Niemand verhält sich in einer Prüfung perfekt. Deswegen gehört Gnade zum Hirtendienst an Kranken dazu. Das heißt, wir zeigen bedingungslose Liebe und helfen der Person in ihrer Not, ohne darüber nachzudenken, ob die Person würdig ist. Gottes Gnade hat uns die Erlösung geschenkt, als wir sie nicht verdienten. Ebenso sollen wir anderen Gnade in schweren Zeiten zeigen, weil Christus in uns lebt. Der Kranke in der Gemeinde braucht nicht meine oder Ihre Gnade – er braucht die Gnade Gottes. Es geht nicht einfach darum, was wir tun – es geht um die Frucht dessen, was wir sind. Wenn wir uns die Zeit nehmen, einen Besuch zu machen, brauchen wir manchmal nichts zu sagen oder zu tun. Der wahre Dienst geschieht oft nicht, weil wir etwas gesagt oder getan haben, sondern weil wir durch den Besuch unsere Fürsorge gezeigt haben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Praktische Gedanken</h2>



<p>Während die dienende Fürsorge ohne Zweifel zu den Aufgaben eines Ältesten gehört, kann man nicht genug betonen, dass bei der gesamten Gemeinde die Verantwortung liegt. Die vorrangige Aufgabe eines Ältesten als Hirte ist die „Ausrüstung der Heiligen für das Werk des Dienstes“ (Eph 4,11-12). Darum ist es wichtig, andere in diese fürsorgliche Arbeit miteinzubeziehen. Damit verbunden ist die Tatsache, dass Jesus sehr früh ein Dienst-Modell eingeführt hat, wonach er seine Jünger immer zu zweit aussandte (Mk 6,7; Lk 10,1). Wann immer es möglich ist, nehmen Sie jemanden mit, der an diesem Prozess teilhat und so ausgerüstet wird, diesen Dienst bei Bedarf auch ohne Sie zu tun. Je größer die Gemeinde, desto größer der Bedarf an Fürsorge. Darum ist es wichtig, dass wir uns reproduzieren.</p>



<p>Es gibt fünf Arten von Krankenfürsorge und Notzeiten, denen man im Rahmen des Hirtendienstes einer Gemeinde begegnet.</p>



<p><strong>1. Gesundheitskrisen.</strong> Das kann eine unerwartete Krankheit sein, ein Autounfall, Herzinfarkt, Schlaganfall … Die Liste ist endlos, aber das typische an dieser Art ist, dass sie mit nur wenig oder ganz ohne Vorwarnung kommt. Den Krankenbesucher erwartet eine Situation, in der es um Leben und Tod geht. Ist dann die kritische Phase durchlaufen, schließt sich die zweite Phase an.</p>



<p><strong>2. Krankenfürsorge.</strong> Solche Ereignisse sind eher vorhersagbar und reichen von einem aufreibenden Termin, wie einer Untersuchung oder einer Operation, bis zu einem freudigen Ereignis, z. B. der Geburt eines Kindes. Diese nicht notfallmäßigen Situationen erlauben es, dass man Besuche vorab plant.</p>



<p><strong>3. Nachsorge.</strong> Das ist die Genesungsphase für die ersten beiden Arten und findet gewöhnlich zu Hause statt. Auch jetzt muss man sich um die Menschen kümmern, aber in dieser Situation genügt oft ein Anruf oder eine Karte.</p>



<p><strong>4. Langzeiterkrankung.</strong> Das ist vielleicht die schwierigste Situation. Hat ein Gemeindeglied eine langwierige Erkrankung, ist die Gemeinde sehr gefordert zu helfen. In solchen Fällen ist die Familie auch stets sehr angespannt und braucht ebenso wie der Kranke Fürsorge.</p>



<p><strong>5. Bettlägerige.</strong> Das sind zum einen die, die zu Hause dauerhaft ans Bett gebunden sind oder die in einem Pflegeheim leben. Letztere stellen eine besondere Gruppe von Langzeitbedürftigen dar. Sie brauchen zuerst Ermutigung, weil sie ihre umstandsbedingte Isolation von den regulären Aktivitäten der Gemeinde trennt. Diesen besonderen Bedürfnissen begegnet man am besten, indem man ein Team von Freiwilligen bildet. Oft sind Senioren und Rentner in der Gemeinde für einen solchen Dienst besonders gut geeignet. Im Allgemeinen können sie mehr Zeit als andere darauf verwenden und sind in der Regel auch einfühlsamer.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Fürsorge-Struktur</h2>



<p>Sorge um die Kranken und Alten ist die Aufgabe der ganzen Gemeinde, und nicht nur einiger weniger Leiter. Man muss ein Bewusstsein für diese Aufgabe entwickeln, und je größer eine Gemeinde ist, desto größer kann die Herausforderung sein. Es ist entscheidend, dass große Gemeinden darauf achten, in beständigen kleinen Schritten zu arbeiten. Wie wir an Jitros Rat an Mose in 2. Mose 18,13-26 erkennen, ist die Struktur sehr wichtig. Ansonsten kann es passieren, dass ein Leiter bei dem Versuch ausbrennt, die Bedürfnisse aller zu stillen. Jitro empfahl Mose, fähige Männer auszuwählen und sie einzusetzen als <em>„Oberste von Tausend, Oberste von Hundert, Oberste von Fünfzig, Oberste von Zehn“</em> (V. 21). Er schlug außerdem vor, dass diese „Unterhirten“ die wichtigen Fragen herausfilterten, um die sich dann Mose persönlich kümmerte; mit den weniger wichtigen Themen würden sie sich beschäftigen. Wie auch immer die Arbeit in einer Gemeinde aufgeteilt ist, sollte die Fürsorge einen eigenen Aufgabenbereich bilden. Wenn Menschen zusammenleben – wie das ja in einer Gemeinde der Fall ist –, sind sie natürlich immer die Ersten, wenn es um das Leisten von Fürsorge geht. Diakone spielen dabei eine Rolle, und manche Situationen erfordern die persönliche Aufmerksamkeit der Ältesten. Wichtig ist aber vor allem eine Struktur, die solche Situationen erkennt, damit kein Kranker oder Bedürftiger übersehen wird. Während es kurzfristig einfacher erscheint, wenn man sich als Ältester selbst darum kümmert, statt die Gemeinde für diesen Dienst zu organisieren, stellt dies langfristig keine wahre Leiterschaft dar und führt geradewegs zum Burnout. Eine Form, wie Älteste <em>„über ihren Bereich herrschen“</em> (1Petr 5,3), besteht darin, dass sie für den Leib das tun, was der Leib selbst tun sollte.</p>



<p>Ich würde Ihnen raten, sich die Zeit zu nehmen und die Leitungsstruktur zu organisieren, die Jitro als ersten Schritt vorschlägt. Teilen Sie die ganze Gemeinde unter den Ältesten auf – vielleicht nach Wohnort, Alter oder Hauskreisstruktur. Organisieren Sie dann diejenigen – ob Diakone, Lehrer oder andere Freiwillige –, die unter jedem Ältesten an diesem Fürsorgedienst teilnehmen.</p>



<p>Klären Sie, um welche Bedürfnisse sich jede Ebene von Leitern kümmern soll und welche Situationen es erfordern, dass sich die nächste Ebene darum kümmert. Die Kommunikation ist entscheidend. Diese verschiedenen Ebenen der fürsorglichen Leiterschaft helfen den Ältesten, besser über die Nöte in der Gemeinde informiert zu sein. Sie stellen außerdem sicher, dass auch den Bedürfnissen begegnet wird, die Älteste nicht unbedingt für die Wichtigsten halten. Apostelgeschichte 6 macht deutlich, dass Unterhirten erforderlich sind, damit die Ältesten sich ihren vorrangigen Aufgaben widmen können: dem Gebet und dem Dienst am Wort.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Fürsorge Ausbildung</h2>



<p>Während Struktur wichtig für den Anfang ist, gehört mehr dazu, um die Bedürfnisse der Gemeinde zu stillen. Jeder, der an irgendeinem Platz dient, braucht zwei wichtige Dinge, um erfolgreich zu dienen. Er braucht 1. einen klaren Blick für den Dienst und 2. eine Zurüstung für die Aufgabe. Das Entwickeln eines Blicks bzw. Bewusstseins für diesen Dienst ist wichtig für die ganze Gemeinde. Ich empfehle, sonntags in gewissen Abständen über die Grundlagen der Fürsorge zu predigen, damit alle verstehen, dass dies eine Aufgabe für alle ist, und nicht nur für die Leiter. Vielleicht ist eine Predigtreihe über die Einander-Gebote der Bibel eine gute Möglichkeit, diesen Blick zu entwickeln und deutlich zu machen, dass sich jeder an der gegenseitigen Fürsorge beteiligen sollte. Das Wort Gottes muss definieren, wie jede Gemeinde arbeitet. Wenn man das Thema Fürsorge dabei auslässt, ist dies ein schlechter Dienst an uns allen. Eine zweite Voraussetzung für die Unterhirten ist die gute Zurüstung, damit sie auf die Situationen vorbereitet sind, wo sie dienen sollen. Wie macht man einen Krankenbesuch? Hier einige Hilfen, wie so ein Besuch aussehen könnte und wie man sich darauf vorbereiten kann.</p>



<p><strong><em>1. Gesundheitskrise</em></strong></p>



<p>Wenn der Besuch in einer solchen Phase geschieht, sollte man auf Folgendes achten:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Schritt 1: </strong>Beten Sie um Weisheit, Feingefühl und Mitleid im Umgang mit der kranken Person. Beten Sie für alle konkreten Gesichtspunkte, die Ihnen in diesem Fall bekannt sind, und machen Sie den Besuch sobald wie möglich.</li>



<li><strong>Schritt 2:</strong> Seien Sie sensibel für die Bedürfnisse in dieser Situation. Einfach da zu sein und zu schweigen, ist oft zunächst der beste Dienst. Erwarten Sie nichts. Manchmal gibt es nichts zu sagen, und am meisten haben Sie durch die Zeit gedient, die Sie sich genommen haben.</li>



<li><strong>Schritt 3:</strong> Informieren Sie sich taktvoll über die Situation. Achten Sie aufmerksam auf jedes Detail, das man Ihnen mitteilt. Notieren Sie sich, was Sie an die Gemeinde weitergeben sollten.</li>



<li><strong>Schritt 4:</strong> Wenn Sie mit der Familie sprechen, achten Sie auf deren unmittelbare Bedürfnisse, z. B.: Gibt es Kinder, um die man sich kümmern muss? Sollte man für Essen sorgen? Kann man helfen, Verwandte oder Freunde zu kontaktieren?</li>



<li><strong>Schritt 5:</strong> Seien Sie flexibel. Jede Situation ist anders. Vertrauen Sie darauf, dass der Herr Ihnen alle Weisheit gibt, die Sie in dieser konkreten Situation brauchen.</li>



<li><strong>Schritt 6:</strong> Seien Sie einfühlsam, damit Sie Ihren Besuch zur richtigen Zeit beenden. Bleiben Sie nicht zu lange, gehen Sie aber auch nicht zu früh. Wenn Sie den Eindruck haben, dass es Zeit ist zu gehen, fragen Sie nach Gebetsanliegen (z. B.: „Wofür sollen wir als Gemeinde beten?“). Beten Sie dann für den Kranken und versuchen Sie, positiv und ermutigend zu sein. Ich erinnere dabei immer an 1. Petrus 5,7, wo wir eingeladen werden: „Alle eure Sorgen werft auf ihn, denn er ist besorgt für euch.“ Ich lasse immer eine Karte mit meiner Telefonnummer da, falls jemand weitere Gespräche möchte oder es neue Informationen gibt. Solche Karten sind immer praktisch.Manchmal macht man einen Besuch im Krankenhaus und der Kranke ist vielleicht zu einer Untersuchung fort oder die Zeit für einen Besuch ist unpassend, weil der Kranke schläft. In einem solchen Fall kann man die Karte mit der kurzen Notiz dalassen, dass man für den Kranken betet.</li>



<li><strong>Schritt 7:</strong> Erzählen Sie der Gemeinde von Ihrem Besuch, und geben Sie die besonderen Anliegen weiter.</li>
</ul>



<p><strong><em>2. Gewöhnliche Krankenfürsorge</em></strong></p>



<p>Bei diesen routinemäßigen Situationen sind die meisten zuvor genannten Schritte ebenfalls relevant. Aber achten Sie auf Besonderheiten in dieser speziellen Situation. Bedenken Sie: Ihre Aufgabe besteht nicht darin, alle Bedürfnisse des Kranken zu stillen. Sie sind einfach berufen, sich dem Herrn zur Verfügung zu stellen und Teil des Dienstes der Fürsorge zu sein. Manchmal sieht das so aus, dass man Kontakt zu anderen Gemeindegliedern herstellt. Ganz egal, wie die Umstände auch sein mögen, es geht immer darum, die Aufmerksamkeit des Kranken auf den Herrn zu lenken, weil er der Eine ist, der alle Bedürfnisse stillen kann. Es ist immer angemessen, sich Zeit zum Beten für den Kranken zu nehmen.</p>



<p><strong><em>3. Nachsorge</em></strong></p>



<p>Für diese Situationen sollte man immer unter Gebet entscheiden, welche Art von Kontakt angemessen ist (Karte, Anruf, persönlicher Besuch). Jede Kommunikation sollte das Angebot enthalten, Gebetsanliegen an die Gemeinde weiterzugeben. Wenn es passend ist, eine Karte zu schreiben, nehme ich mir vor dem Schreiben immer Zeit, um für den Kranken zu beten. Ich lasse in den Text einfließen, dass wir für ihn beten. Bei einem Anruf oder persönlichen Besuch fragt man am besten nach Gebetsanliegen und betet dann auch gleich dafür.</p>



<p><strong><em>4. Langzeiterkrankung</em></strong></p>



<p>Zu dieser Art der Fürsorge gehören gewöhnlich viele Kontakte, wenn diese auch nicht immer aus persönlichen Besuchen bestehen müssen. Es ist wichtig, der Person gegenüber einfühlsam zu sein. Manche geselligen Menschen wünschen häufige Kontakte und lange Besuche, während andere lieber zurückgezogen sind. In einer Situation mit Langzeitkranken muss man auch auf die Bedürfnisse der pflegenden Angehörigen achten.</p>



<p><strong><em>5. Bettlägerige und Menschen in Pflegeheimen</em></strong></p>



<p>Wie bei allen anderen Situationen ist auch hier Unterscheidungsvermögen für die speziellen Bedürfnisse des Bedürftigen nötig. Wie ich zuvor schon gesagt habe, ist ein Team von Mitarbeitern oft eine große Hilfe, um solche Dienste zu tun. Die Gemeinde könnte ein Budget zur Verfügung stellen, damit die Mitarbeiter regelmäßig kleine Geschenke zu den Krankenbesuchen mitbringen können. Schokolade, Blumen oder andere jahreszeitliche Aufmerksamkeiten verleihen einem Besuch etwas Besonderes. Wir wollen das geben, wonach sich jeder in Not sehnt: persönlichen Kontakt, Gebet und Aufmerksamkeit für seine besonderen Bedürfnisse.</p>



<p>Die Zeit, die man dem Fürsorgedienst in der Gemeinde widmet, ist sehr wichtig. Gott hat die Gemeinde so gestaltet, dass sie sich selbst versorgen kann. Er hat jedem Glied Gaben gegeben, die sicherstellen, dass jeder etwas beizutragen hat. In Apostelgeschichte 4,34 lesen wir von der ersten Gemeinde: <em>„Denn es war auch keiner bedürftig unter ihnen“</em>, denn jeder bekam das, was er brauchte. Jesus sagte im Obersaal: <em>„Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt“</em> (Joh 13,35). Die christliche Fürsorge unterscheidet die Gemeinde von dem Egoismus der Welt. Wenn der Leib Christi heute in einer gesunden Weise funktioniert, haben wir das gleiche Ergebnis wie die erste Gemeinde: <em>„Der Herr aber tat täglich hinzu, die gerettet werden sollten“</em> (Apg 2,47).</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Die Berufung zum Hirten</title>
		<link>https://kfg.org/2025/die-berufung-zum-hirten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. Hernandes Dias Lopes]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Apr 2025 07:58:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theologie]]></category>
		<category><![CDATA[Älteste]]></category>
		<category><![CDATA[Biblische Lehre / Theologie]]></category>
		<category><![CDATA[Leiterschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kfg.org/?p=18373</guid>

					<description><![CDATA[<p>„Die Berufung zum Hirtenamt ist die erhabenste aller Berufungen.“ Nicht die Gemeinde, nicht ein Mensch, sondern Gott selbst beruft zu diesem Dienst. Es geht dabei jedoch nicht um irgendwelche Privilegien oder Eitelkeiten, sondern darum, die Menschen zu lieben, denen man dient.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>Der Artikel von Hernandes Dias Lopes ist aus dem wertvollen Buch „Der Anspruch des Hirtendienstes” (siehe Seite 10) entnommen. Wir danken dem CMV-Verlag, Bielefeld, herzlich für die Abdruckerlaubnis. Die Redaktion</em></p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p>Die Berufung zum Hirtenamt ist die erhabenste aller Berufungen. John Jowett sagt in seinem Buch <em>The Preacher, His Life and His Work</em>, dass die pastorale Berufung nicht eintritt, wenn man versucht, Medizin zu studieren, und die Prüfung nicht besteht, es mit dem Ingenieurswesen probiert und keinen Erfolg hat, an die Tür eines anderen Studiengangs klopft und ebenfalls scheitert, und dann zu dem Schluss kommt, dass Gott die Tür des Pastorendienstes öffnet. Im Gegenteil: Pastorale Berufung bedeutet, dass alle anderen Türen offen sind, man sich aber nur danach sehnt, durch die Tür des Dienstes einzutreten. Berufung ist wie unsichtbare Handschellen. Der Ruf Gottes ist unwiderruflich und nicht übertragbar. Wenn er ruft, ruft er wirksam!</p>



<p>Gott beruft verschiedene Menschen, in verschiedenen Lebensumständen, in verschiedenen Altersstufen, für verschiedene Ämter. Er rief Jeremia im Bauch seiner Mutter. Er rief Jesaja zur Zeit einer nationalen Krise. Er rief Petrus, nachdem dieser geheiratet hatte. Er rief Paulus, als dieser die Gemeinde verfolgte.</p>



<p>Der Prophet Jeremia sagt, dass Gott derjenige ist, der seinem Volk Hirten nach seinem Herzen gibt (Jeremia 3,15): <em>„Und ich will euch Hirten nach meinem Herzen geben, die sollen euch weiden mit Erkenntnis und Einsicht.“</em> Der Hirte ist kein freiwilliger Helfer, sondern eine von Gott berufene Person. Sein Dienst wird nicht gesucht, er wird empfangen (vgl. Apostelgeschichte 20,24). Seine Berufung ist nicht irdisch, sondern himmlisch (Apostelgeschichte 26,19). Seine Motivation gründet sich nicht auf menschliche Vorteile, sondern auf die Erfüllung der göttlichen Ziele.</p>



<p>Es ist eine große Gefahr, den Hirtendienst mit anderen Zielen oder Motivationen anzutreten. Der Dienst ist keine Erfolgsbühne, sondern eine Arena des Todes (vgl. 1. Korinther 4,9). Der Dienst ist keine Künstlergarderobe, in der wir uns Masken aufsetzen und eine Rolle annehmen, die sich von dem unterscheidet, was wir wirklich sind, sondern er ist ein Arbeitsfeld, dessen Kern die Heiligkeit ist. Das Leben des Hirten ist das Leben seines Dienstes. Das Pastorenamt ist keine Plattform der Privilegien, sondern ein Feld des Dienstes; es ist kein Jahrmarkt der Eitelkeiten, sondern ein Ort der demütigen, aufopfernden Arbeit.</p>



<p>Das Ideal des Dienstes anzunehmen, bedeutet, andere Ideale aufzugeben. Ich war von Mutterleib an Gott geweiht. Meine Mutter war mit einem schrecklichen Dilemma konfrontiert. Sie musste zwischen ihrem Leben und meinem wählen. Ihre Risikoschwangerschaft ließ ihr keine Wahl. Der medizinischen Prognose zum Trotz gab sie Gott ein Gelübde: Wenn der Herr ihr und mein Leben verschonen würde, würde sie mich für den Dienst weihen. Gott erhörte ihr Gebet, und ich wurde geboren. Meine Mutter bewahrte dieses Gelübde in ihrem Herzen und betete beständig zum Herrn, dass Gott mich in den Dienst rufen würde. Sie erzählte mir nichts von ihrem Gelübde, um mich nicht zu beeinflussen. Mein Traum seit meiner Kindheit war es, Anwalt und Politiker zu werden. Seit meiner Kindheit verpasste ich keine einzige Wahlveranstaltung. Ich hörte den Rednern aufmerksam zu und begeisterte mich immer mehr für eine politische Karriere. An dem Tag, an dem ich 18 wurde, bekam ich meine Wahlkarte und trat einer Partei bei. Mein Verstand war aufgewühlt und mein rastloses Herz sehnte sich leidenschaftlich danach, in dieses Leben einzutreten. Aber Gott hatte Wohlgefallen daran, mein Leben zu berühren und mich in den Dienst zu rufen, bevor ich 19 wurde. Ich habe sofort meine Träume aufgegeben und mich auf Gottes Bestimmung eingelassen. Heute würde ich den Dienst gegen kein anderes Privileg eintauschen. Ich weiß, dass es keinen erhabeneren Beruf gibt als Botschafter Gottes, Diener der Versöhnung, Hirte der Seelen, Prediger des heiligen Evangeliums Christi zu sein. Ich bin durch ganz Brasilien gereist, habe in anderen Ländern gepredigt. Ich habe die gute Nachricht des Evangeliums bis in die entlegensten Winkel unseres Landes und der Welt gebracht. Keine irdische Freude, die die Welt demjenigen bieten kann, der ein Prediger des Evangeliums Jesu Christi ist, ist mit der Freude vergleichbar, Prediger des Evangeliums zu sein.</p>



<p>Jemand hat einmal gesagt, dass, wenn das Ideal größer ist als das Leben, es sich lohnt, sein Leben für das Ideal zu geben. Charles Studd, ein Spitzensportler in England, der sich im 19. Jahrhundert zu Christus bekehrte, ließ den Ruhm der Sportwelt hinter sich, um sein Leben der Missionsarbeit in Indien und Afrika zu widmen. Als ihn jemand fragte, ob das, was er tat, nicht ein zu großes Opfer sei, antwortete er: „Wenn Jesus Christus Gott ist und er sein Leben für mich gegeben hat, gibt es kein zu großes Opfer, das ich für ihn bringen kann.” Ich stimme mit dem Märtyrer in Südamerika, dem Missionar Jim Elliot, überein, wenn er sagt: „Der ist kein Narr, der hingibt, was er nicht behalten kann, um zu gewinnen, was er nicht verlieren kann.”</p>



<p>Betrachten wir einige wichtige Wahrheiten, die mit Jeremia 3,15 im Zusammenhang stehen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">GOTT gibt seiner Gemeinde Hirten</h2>



<p>Es gibt zwei Wahrheiten, die ich hier hervorheben möchte. Erstens: <em>Die göttliche Wahl beruht nicht auf unseren Fähigkeiten, sondern auf Gnade.</em> Wir sehen das an der Berufung Jeremias. Dieser war noch sehr jung, als er in den Prophetendienst berufen wurde (vgl. Jeremia 1,6). Er sah sich nicht im Stande, zum Volk zu reden. Es war Gott, der ihm das Wort in den Mund legte. Jona war ein Mann, der Schwierigkeiten hatte, seinen Feinden zu vergeben, und Gott rief ihn und sandte ihn, gegen seinen Willen, um sein Werk zu tun (vgl. Jona 1,2; 3,1.2). Paulus betrachtete sich als den kleinsten der Apostel, den geringsten der Heiligen und den Sündigsten von allen, aber Gott stellte ihn an den Platz der höchsten Ehre in der Geschichte der Gemeinde. Unsere Wahl für den Dienst beruht nicht auf Verdiensten, sondern auf Gnade. Das Tor zum Dienst ist die Demut. Kein Hirte kann mit Hochmut und Stolz wirksam das Werk Gottes tun. Stolz geht dem Verderben voraus. Eitelkeit ist die Vorstufe zum Scheitern. Alle Ehre, die nicht Gott gegeben wird, ist eitle Ehre. Wir sind nicht im Dienst, weil wir jemand sind, wir sind im Dienst, um den Einzigen zu verkünden, der würdig ist, alle Ehre, alle Herrlichkeit und alles Lob zu empfangen.</p>



<p>Zweitens ist es <em>Gott, der den Gliedern des Leibes ihren Platz zuweist, wie es ihm gefällt</em>. Alle Erlösten haben Gaben und Aufgaben im Leib, aber nicht alle sind für das Hirtenamt berufen (vgl. Epheser 4,11). Nicht wir entscheiden, sondern Gott. Wer für diese erhabene Arbeit berufen ist, kann nicht stolz sein, denn er hat nichts, was er nicht empfangen hat. Eine gläubige Person darf nicht in den Pastorendienst treten, ohne speziell zu diesem Dienst berufen worden zu sein, noch sollte eine berufene Person diesen Ruf ablehnen.</p>



<p>Viele Menschen denken irrtümlicherweise, dass der Pastor einen herausragenden Platz in der Hierarchie der Gemeinde einnimmt. Aber in der Gemeinde Gottes gibt es keine Hierarchie. Der Pastor ist nicht höher als das kleinste Mitglied der Gemeinde. Er ist ein Diener Christi und Diener der Gemeinde. Diejenigen, die in den Dienst treten und Gottes Herde mit unangemessener Strenge behandeln und meinen, sie hätten die Herrschaft über Gottes Schafe, befinden sich in einem gefährlichen Irrtum (vgl. 1. Petrus 5,1-4).</p>



<p>Wir haben mit großer Traurigkeit gesehen, wie manche Pastoren versuchen, sich selbst abzuschirmen, indem sie in einem Elfenbeinturm leben, jenseits von Gut und Böse. Ermahnungen und Korrekturen durch Gemeindeglieder oder sogar andere Pastoren akzeptieren sie nicht. Sie verteidigen sich inbrünstig und sagen, dass niemand den „Gesalbten des Herrn“ antasten dürfe. Sie reißen den Text aus seinem Zusammenhang und benutzen das Wort Gottes nur, um sich selbst zu schützen oder ihre Sünden zu verbergen. Die pastorale Leiterschaft ist lediglich eine Position. Der Pastor ist nicht wichtiger als jede andere Person in der Herde. So wie der Ehemann das Haupt der Ehefrau ist, aber nicht wichtiger als die Ehefrau. So wie Gott das Haupt Christi, aber nicht größer als Christus ist. In gleicher Weise ist auch die Leiterschaft des Pastors eine funktionelle Leiterschaft. Der Hirte und die Gemeindeglieder stehen alle auf der gleichen Ebene; alle sind Diener Christi und sollten sich als solche gegenseitig ermahnen.</p>



<p>Der Apostel Paulus sagte zu den Ältesten von Ephesus (Apostelgeschichte 20,24): <em>„Aber auf das alles nehme ich keine Rücksicht; mein Leben ist mir auch selbst nicht teuer, wenn es gilt, meinen Lauf mit Freuden zu vollenden und den Dienst, den ich von dem Herrn Jesus empfangen habe, nämlich das Evangelium der Gnade Gottes zu bezeugen.”</em> Der Dienst ist keine Aufgabe, auf die wir uns aus eigener Initiative stürzen, er ist ein Auftrag, den wir von Jesus bekommen. Er ist kein Aufruf zur Bequemlichkeit, sondern eine Aufforderung zur Selbstverleugnung. Er ist nicht das Streben nach Status und Macht, sondern der Wunsch nach einem anstrengenden, aber vorzüglichen Werk (vgl. 1. Timotheus 3,1).</p>



<p>Ashbell Green Simonton war das neunte Kind einer gottesfürchtigen Familie. Sein Vater war ein Arzt, und zwei Legislaturperioden lang Abgeordneter der Kammer. Simonton war der Jüngste unter seinen Geschwistern. In seiner Kindheit weihten ihn seine Eltern dem Herrn, und zu seiner Zeit berief ihn Gott in den Dienst. Er trat in das Princeton Seminary in New Jersey, USA, ein. Er war ein brillanter Student. Als er bei seinem Abschluss eine Predigt von Charles Hodge hörte, wurde er von Gott aufgefordert, sich der Missionsarbeit zu widmen. Gott neigte sein Herz nach Brasilien. Einige Leute versuchten, ihn von seinem Vorhaben abzuhalten, indem sie ihm sagten, dass es verrückt sei, seine Familie, sein Land und so vielversprechende Angebote der Kirche seines Landes aufzugeben, um in ein so armes und von so vielen epidemischen Krankheiten betroffenes Land zu gehen. Simonton antwortete daraufhin: „Der sicherste Ort, an dem ein Mensch sein kann, wenn auch umgeben von Bedrohungen und Gefahren, ist im Zentrum des Willens Gottes.“ Dieser junge Mann verließ im Alter von 26 Jahren sein Heimatland und ging nach Brasilien. Tapfer und mutig arbeitete er und hatte nach einer äußerst kurzen Zeitspanne von nur acht Jahren die Presbyterianische Kirche von Brasilien organisiert, eine Glaubensgemeinschaft, die bis heute der treuen Predigt der Heiligen Schriften verschrieben ist.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Gott gibt seiner Gemeinde HIRTEN</h2>



<p>Gott ruft nicht nur, sondern er legt auch den Auftrag fest. Was ist ein Hirte? Was bedeutet es, eine Herde zu weiden? Zuallererst ist es die Aufgabe eines Hirten, <em>die Herde Gottes mit dem Wort Gottes zu versorgen.</em> Es ist nicht unsere Aufgabe, für die Nahrung zu sorgen, sondern die Nahrung anzubieten. Die Nahrung ist das Wort. Dem Volk Gottes das Wort vorzuenthalten, ist eine schwere Sünde. Viele Gemeinden sind heute krank, weil sie sich von giftigen Kräutern ernähren.<sup data-fn="ae467763-9eaf-4278-a673-55d284dc6cd1" class="fn"><a id="ae467763-9eaf-4278-a673-55d284dc6cd1-link" href="#ae467763-9eaf-4278-a673-55d284dc6cd1">1</a></sup> Da ist der Tod im Topf! Es gibt viele Irrlehren, die auf den evangelikalen Kanzeln kursieren. Es gibt viele Neuerungen, die dem Wort Gottes fremd sind, die in die Liturgie, in die Botschaft und in die Musik eindringen und am Ende das geistliche Leben der Gemeinde schwächen. Es gibt Gemeinden, die hungern, weil sie die nahrhafte Speise des Wortes nicht erhalten. Ihre Pastoren geben sich nicht dem Wort hin. Sie studieren das Wort nicht und sinnen nicht darüber nach. Sie predigen aus der Leere ihres Verstandes und der Täuschung ihres Herzens. Es gibt immer noch Gemeinden, die ausgelaugt und unterernährt sind, weil sie nicht ausreichend Nahrung erhalten. Der Hirte muss ein unermüdlicher Student des Wortes Gottes sein. Er muss jeden Tag reichlich Nahrung für seine Herde haben. Ein hungriges Schaf wird unruhig und neigt dazu, sich an gefährliche Stellen zu verirren. Es gibt auch Gemeinden, die sich mit der Spreu menschlicher Traditionen füllen, statt die reiche göttliche Versorgung zu bekommen. Wir brauchen dringend eine Erweckung auf den Kanzeln.</p>



<p>Eine weitere Aufgabe des Hirten ist es, <em>die Herde Gottes vor den Angriffen reißender Wölfe zu schützen.</em> Jesus warnte vor der Tatsache, dass der Teufel die Söhne des Bösen dann in die Gemeinde einschleust, wenn diese schläft (vgl. Matthäus 13,24.25). Paulus hält die Hirten der Gemeinde zur Wachsamkeit an, damit die reißenden Wölfe nicht in die Herde eindringen (vgl. Apostelgeschichte 20,29.30). Irrlehren sind die Zähne des Wolfes. Wenn die Kirche aufhört, die apostolische Lehre zu wahren, gelangen die neuesten Waren des Glaubensmarktes in die Gemeinde, und in diesem Zuge kommen oft Praktiken, die der Heiligen Schrift fremd sind. Die Hirten müssen die Literatur, die in die Gemeinde kommt, daraufhin überprüfen, ob sie dem Wort entspricht. Sie müssen die Texte der Lieder, die in der Gemeinde gesungen werden, analysieren, um nicht lehrmäßigen Missverständnissen zu verfallen. Gemeindeleiter dürfen die Kanzel der Gemeinde nicht Personen überlassen, von denen bekannt ist, dass sie sich nicht der Treue der Schrift gegenüber verpflichtet haben.</p>



<p>Einmal, an einem Sonntagmorgen, predigte ich in der Kirche, der ich seit über zwanzig Jahren vorstehe, als eine auffällig gekleidete Frau hereinkam und sich in den vorderen Teil der Kirche, in die dritte Bank setzte. Während ich predigte, ließ sie mir einen kleinen Zettel aushändigen: „Der Heilige Geist hat mich heute hierher gesandt, weil ich eine Botschaft von Gott für diese Gemeinde zu überbringen habe.“ Ich las die Notiz, steckte sie in meine Tasche und beendete meine Botschaft, erteilte den Segen und ging zur Tür, um die Gläubigen zu begrüßen. Diese Frau, die nun wütend war, konfrontierte mich an der Tür der Kirche und sagte mir, dass ich den Heiligen Geist daran gehindert hätte, an diesem Morgen zur Gemeinde zu sprechen. Ich antwortete ihr: „Der Heilige Geist hat zur Gemeinde gesprochen, Sie haben nicht zugehört. Ich habe heute Morgen treu das Wort Gottes gepredigt.” Dann sagte ich noch: „Ich kenne Sie nicht, ich weiß nicht, woher Sie kommen, noch, wohin Sie gehen. Ich weiß nicht, was Sie glauben, und ich habe Verantwortung für diese Herde, deswegen kann ich die Kanzel nicht jemandem überlassen, den ich nicht kenne.” Die Frau ging wütend davon und ich erfuhr, dass sie in dieser Woche in einigen Gemeinden große Spannungen verursachte, indem sie auf verschiedene Kanzeln stieg und das Gift gefährlicher Irrlehren verbreitete.</p>



<p>Drittens bedeutet das Hirtenamt, <em>Freude am „Geruch der Schafe” zu finden.</em> Die Aufgabe des Hirten ist es zu weiden. Das Schaf ist ein Tier, das nicht auf sich selbst aufpassen kann. Wenn es sich von der Herde entfernt, wird es eine leichte Beute der Räuber. Das Schaf ist kurzsichtig und kann die rutschigen und gefährlichen Stellen nicht deutlich sehen. Das Schaf braucht einen Hirten und der Hirte muss in der Nähe des Schafes sein, um ihm in seinen Bedürfnissen zu helfen. Es ist der Hirte, der die hungrigen Schafe zu grünen Weiden und die durstigen Schafe zu ruhigen Wassern führt. Es ist der Hirte, der mit den Schafen durch die dunklen Täler geht und ihnen Sicherheit gibt. Es ist der Hirte, der das schwache Schaf in seinen Armen trägt und das in den Abgrund gefallene rettet. Es ist der Hirte, der das bockige Schaf zurechtweist, welches das Leben der Herde in Gefahr bringt.</p>



<p>Viertens ist es die Aufgabe des Hirten, <em>die Schafe zu ermutigen.</em> Der Hirtendienst ist sehr umfangreich. Der Hirte lehrt, weidet, führt, schützt, erzieht, stärkt, ermutigt und tröstet die Schafe. Es ist nicht seine Aufgabe, das zerbrochene Schilfrohr zu zerbrechen oder den glimmenden Docht zu löschen (vgl. Matthäus 12,20). Es ist nicht seine Aufgabe, die Schafe einzuschüchtern oder sie wegen ihrer Fehler zu schlagen. Der Hirte handelt mit der Beharrlichkeit eines Vaters (vgl. 1. Korinther 4,14-21) und der Sanftheit einer Mutter (vgl. 1. Thessalonicher 2,7). Der Hirte benutzt die Rute der Zucht, aber auch den Hirtenstab der Rettung. Der Hirte ist jemand, der bereit ist, das Schaf in seinen Armen zu tragen und sein Leben dafür zu geben. Er muss nicht nur Freude daran haben, zu seiner Herde zu predigen, sondern auch Freude an der Herde haben, zu der er predigt. Seine Aufgabe ist es, ein Ermutiger derer zu sein, die auf dem Weg ins himmlische Kanaan sind!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Gott gibt Hirten nach seinem Herzen</h2>



<p>Der Hirte nach dem Herzen Gottes ist sich dessen bewusst, dass Gott ihn berufen hat, Christus zu lieben und die Schafe in Demut zu weiden. Der Hirte ist nicht der Herr der Herde. Gott gibt uns nie Macht, indem er uns das Recht überträgt, die Gemeinde zu besitzen. Die Kirche gehört nicht uns, sondern Gott. Die Schafe sind nicht unser, sondern Gottes Eigentum.</p>



<p>Das Pastorenamt ist keine privilegierte Position, sondern eine Plattform des Dienstes. Es gibt viele Pastoren, die sich wie Gutsbesitzer verhalten. Sie sind die Besitzer der Schafe, nicht ihre Hirten. Diese Hirten schauen darauf, was sie an den Schafen verdienen können, nicht darauf, wie sie den Schafen dienen können. Diese Hirten suchen den Gewinn, nicht das Wohl der Schafe. Statt das Leben für die Schafe zu geben, wollen sie, dass die Schafe ihr Leben für sie geben. Es gibt andere Hirten, die wie Mietlinge erscheinen. Das sind die betrügerischen Arbeiter, die die Schafe ausbeuten und für sich ausnutzen. Anstatt ihre Zeit, ihr Herz und ihr Leben in das Leben der Schafe zu investieren, versuchen sie, alles aus den Schafen herauszuholen, was sie können. Sie sind Hirten ihrer selbst, nicht Hirten der Herde Gottes.</p>



<p>Der Hirte nach dem Herzen Gottes weidet die Herde unter dem Stab des Oberhirten. Kein Hirte hütet die Herde Gottes treu, wenn er sein Hirtenamt nicht unter dem Stab Christi ausübt und dem Volk Gottes eine gesunde Lehre vermittelt. Die Weisung der Wahrheit muss in seinem Mund sein. Die treue Lehre der Heiligen Schrift muss die Richtschnur seines Dienstes sein. Wir sind nicht berufen, unsere eigenen Ideale zu predigen, sondern das Wort Gottes zu verkünden!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Vortrefflichkeit, mit der der Hirtendienst verrichtet werden sollte</h2>



<p>Wir haben zwei wichtige Wahrheiten hervorgehoben: Erstens muss ein Hirte <em>die Herde Gottes mit Erkenntnis weiden</em>. Er muss ein Gelehrter sein. Er muss das Wort kennen, sich von dem Wort ernähren und das Wort predigen. Paulus sagt, dass diejenigen, die sich im Wort mühen, einer doppelten Ehre würdig sind (1. Timotheus 5,17). Wir müssen bis zur Erschöpfung studieren. Wir müssen die Goldminen der Wahrheit freilegen und den unergründlichen Reichtum des Evangeliums Christi dem Volk Gottes anbieten. Wir sind Verwalter: Wir müssen dem Volk Gottes ein appetitliches und ausgewogenes Menü anbieten.</p>



<p>Die weltlichen Lehrstühle beschämen die Kanzeln, denn obwohl sie eine menschliche, irdische, zeitliche Botschaft verkünden, bereiten sie sich gründlicher und hingegebener darauf vor, als die Prediger auf den Kanzeln, und diese predigen eine göttliche, himmlische, ewige Botschaft. Wir müssen uns als bewährte Mitarbeiter darstellen. Wir müssen bei der Verrichtung des Dienstes einen überragenden Standard an den Tag legen. Auch muss der Hirte über ein großes Allgemeinwissen verfügen. Er sollte auf dem neuesten Stand sein. Er muss den Text und den Kontext lesen. Die Bibel und die Menschen lesen. Er muss die Bibel in der einen und die Zeitung in der anderen Hand haben. Der Hirte darf kein welt- und gesellschaftsfremder Mann sein. Er muss ein genauer Kenner seiner Zeit sein (vgl. 1. Chronik 12,32). John Stott sagt, dass die Predigt, die der Pastor hält, eine Brücke zwischen zwei Welten sein müsse: dem alten Text und dem zeitgenössischen Hörer. Der Hirte muss beide Welten kennen: sowohl den Text als auch seine Zuhörer.</p>



<p>Zweitens muss ein Hirte <em>die Herde Gottes mit Verstand weiden</em>. Das bedeutet, Gottes Herde mit Weisheit und Feingefühl zu weiden. Weisheit bedeutet, Wissen für den besten Zweck einzusetzen. Wir müssen die Schafe Gottes mit Zärtlichkeit behandeln. Paulus sagt, dass der Hirte wie ein Vater und auch wie eine Mutter ist (vgl. 1. Thessalonicher 2,7-12). Er weint mit denen, die weinen, und freut sich mit denen, die fröhlich sind. Der Hirte behandelt jedes Schaf entsprechend seiner Bedürfnisse, seinem Temperament, seiner besonderen Wesensart. Er ist sanft zu den Kindern, wie es auch Jesus war, der sie in seine Arme nahm. Er begegnet den Gleichaltrigen wie Brüdern und den Älteren wie Vätern. Es ist eine Sache, das Predigen zu lieben, aber es ist eine andere Sache, die Menschen zu lieben, zu denen wir predigen. Wir müssen das Predigen lieben und auch die Menschen lieben, zu denen wir predigen.</p>



<p>Fußnoten</p>


<ol class="wp-block-footnotes"><li id="ae467763-9eaf-4278-a673-55d284dc6cd1">Siehe das Buch dieses Autors: Morte na panela, erschienen bei Editorial Hagnos, 2007, das sich speziell mit diesem Thema beschäftigt. <a href="#ae467763-9eaf-4278-a673-55d284dc6cd1-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 1 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li></ol><p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://kfg.org/2025/die-berufung-zum-hirten/">Die Berufung zum Hirten</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://kfg.org">KfG  -`✞´-  Konferenz für Gemeindegründung</a>.</p>
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