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	<title>Praxis &#8211; KfG  -`✞´-  Konferenz für Gemeindegründung</title>
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	<description>Konferenz für Gemeindegründung e.V.</description>
	<lastBuildDate>Tue, 14 Oct 2025 05:55:26 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Wie cool darf Kirche sein?</title>
		<link>https://kfg.org/2025/wie-cool-darf-kirche-sein/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Wilfried Plock]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 29 Sep 2025 22:24:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeinde-Gründung, -Bau und -Wachstum]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kfg.org/?p=18462</guid>

					<description><![CDATA[<p>„Hauptsache, es funktioniert“!? Nach diesem Motto scheinen einige moderne Gemeinden, wie die ICF, zu agieren. Doch der Gott der Bibel ist nicht pragmatisch, sondern heilig (3Mo 19,2; 1Petr 1,15-16). Er ist mehr an Heiligkeit interessiert als an Nützlichkeit und Effektivität. Seine Prinzipien stehen himmelhoch über allen noch so gut gemeinten menschlichen Gefühlsregungen.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading">Die International Christian Fellowship (ICF)</h2>



<p><strong>Das Phänomen ICF</strong></p>



<p>Sie ist cool, sie ist hip, sie ist trendy: Die Freikirche ICF hat moderne Gottesdienstformen erfolgreich aus den USA importiert und begeistert mit „celebrations“ und „Jesus-Pop“ insbesondere junge Leute aus dem evangelikalen Milieu.</p>



<p>Die „International Christian Fellowship“ (ICF) – auf Deutsch: „Internationale Christliche Gemeinschaft“ – unter der Leitung von Leo Bigger zählt zu den bekanntesten freikirchlichen Bewegungen im deutschsprachigen Raum. Seit der Gründung 1996 in Zürich hat sich die Kirche stark ausgeweitet, sowohl räumlich als auch über digitale Kanäle, und gilt heute als modernes Aushängeschild evangelikaler Spiritualität in der Schweiz und darüber hinaus.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wie entstand die ICF?</h2>



<p>Ich möchte nur ein paar wenige Stationen anführen. Am Anfang stand Heinz Strupler (Jahrgang 1945), gelernter Florist und später Theologe. Er gründete zahlreiche christliche Werke – darunter das „Institut für Gemeindebau und Weltmission“ (IGW) sowie die ICF Zürich. 1990 initiierte er den ersten überkonfessionellen Lobpreisgottesdienst in Zürich, aus dem später die ICF-Kirche entstand. 1994 übergab er die operative Leitung an Leo Bigger, blieb aber als spiritueller Mentor weiterhin prägend.</p>



<p><strong>Leo Bigger</strong></p>



<p>Bigger wurde 1968 geboren und wuchs in Buchs SG in einer katholischen Familie auf. Er organisierte Discos und leitete die Jugendrockband blackout. Nach seiner Ausbildung zum Offsetdrucker besuchte er die IGW-Bibelschule in Zürich und lernte dort Heinz Strupler kennen.</p>



<p>1995 lebten Leo und Susanna Bigger für etwa drei Monate in Chicago, wo sie in der Willow Creek-Kinderkirche mitarbeiteten und die dortige Gemeindearbeit gründlich studierten. Der USA-Aufenthalt führte dazu, dass Bigger den Ruf Gottes hörte, nach Zürich zurückzukehren und mit neuer Vision in der ICF-Gruppe mitzuarbeiten.</p>



<p>Zur gleichen Zeit diente Matthias Bölsterli als Pastor in der evangelische Limmatgemeinde Zürich. 1996 gründeten Leo Bigger, Matthias Bölsterli und Micky Conod die „International Christian Fellowship Church“ (ICF) als Verein. Seither leitet Bigger diese Kirche, die sich in etlichen Städten der Schweiz, in Deutschland und Europa ausgebreitet hat.<sup data-fn="41dfbe8a-58c4-43eb-981c-d1a63c0e197b" class="fn"><a id="41dfbe8a-58c4-43eb-981c-d1a63c0e197b-link" href="#41dfbe8a-58c4-43eb-981c-d1a63c0e197b">1</a></sup></p>



<p>Zu Biggers Vorbildern gehören die US-amerikanischen Evangelikalen Bill Hybels und Rob Bell und der deutsche Evangelist Reinhard Bonnke, der auch beim fünfzehnjährigen Bestehen der &#8222;International Christian Fellowship Church&#8220; 2011 als Redner auftrat.<sup data-fn="4019f31e-1e30-437f-b4fc-833d2067067a" class="fn"><a id="4019f31e-1e30-437f-b4fc-833d2067067a-link" href="#4019f31e-1e30-437f-b4fc-833d2067067a">2</a></sup></p>



<p>Beim 20-jährigen Jubiläum gratulierte Bill Hybels dem ICF und Pastor Leo Bigger im Hallenstadion Zürich und sprach vom besonderen Segen, der auf der Bewegung ruhen würde. Er erzählte, dass Willow Creek Biggers ICF entscheidend geprägt habe. Das ICF stammt also aus der „Besucherfreundlichen Bewegung“, die im deutschsprachigen Raum vor allem durch Bill Hybels und Rick Warren (Saddleback) bekannt wurde.</p>



<p>Mittlerweile hat sich die ICF-Bewegung – „movement“ genannt – laut eigenen Angaben auf mehr als 65 Gemeinden in 13 Ländern Europas ausgebreitet.<sup data-fn="c6b0516a-6af4-40a1-8a61-74fa00326c4d" class="fn"><a id="c6b0516a-6af4-40a1-8a61-74fa00326c4d-link" href="#c6b0516a-6af4-40a1-8a61-74fa00326c4d">3</a></sup> Das sind stattliche Zahlen.<sup data-fn="77e99442-3dc6-4324-87d8-6f4ddbfbf411" class="fn"><a id="77e99442-3dc6-4324-87d8-6f4ddbfbf411-link" href="#77e99442-3dc6-4324-87d8-6f4ddbfbf411">4</a></sup> Zürich ist übrigens weiterhin der Trendsetter. Der Pastor vom ICF Karlsruhe sagte in einer Predigt in Zürich: „Wir haben jetzt auch ‚Locations‘. Wir machen euch alles nach.“</p>



<p>Die oben angeführten Zahlen kommen nicht von ungefähr. Darum wollen wir fragen:</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was macht die ICF-Bewegung gut?</h2>



<p>Ich gestehe unumwunden ein, dass ich ein zwiespältiges, ambivalentes Verhältnis zur ICF habe. Doch ich möchte fair sein. Es gibt Dinge, die gut sind, ja es gibt m.E. sogar vorbildliche Dinge. Wo können wir uns positive Scheiben abschneiden?</p>



<p><strong>1. Die Mitarbeiter der ICF – und besonders die Leiter – sind motiviert bis in die Haarspitzen</strong></p>



<p>Das oben Beschriebene hätte ohne den Einsatz ungezählter Mitarbeiter nicht erreicht werden können. Die meisten von ihnen tun das ehrenamtlich, also unentgeltlich. Das ist wirklich beeindruckend. Ich nenne zwei Beispiele:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Einige der ICFs haben keine eigenen Gemeindehäuser. Das bedeutet, dass jeden Sonntag die gesamte Veranstaltungstechnik auf- und wieder abgebaut werden muss. Manche Mitarbeiter stehen deswegen um 5:00 Uhr morgens auf. In großen ICF-Kirchen folgen drei oder gar vier Gottesdienste über den Tag verteilt. Darüber hinaus engagieren sich viele Freiwillige in ungezählten Teams in allen anderen Bereichen des Gemeindelebens. Das ist durchaus vorbildlich.</li>



<li>Die Predigten sind meistens gut vorbereitet, werden weitgehend frei vorgetragen und oft durch visuelle Veranschaulichungen unterstützt. Das alles ist durchdacht und benötigt immensen Zeitaufwand. Die „messages“ sind auch oft mutig. Gesellschaftlich umstrittene Themen wie Homosexualität werden thematisiert. Das bringt dem ICF vonseiten „der Welt“ viel Kritik ein.<sup data-fn="28b9deda-1322-45d9-a070-f58d41dde252" class="fn"><a id="28b9deda-1322-45d9-a070-f58d41dde252-link" href="#28b9deda-1322-45d9-a070-f58d41dde252">5</a></sup></li>
</ul>



<ol class="wp-block-list">
<li></li>
</ol>



<p><strong>2. In den ICFs sollen die Menschen mit Jesus Christus in Kontakt kommen</strong></p>



<p>Das nehme ich den Protagonisten ab: Es geht ihnen darum, dass verlorene Zeitgenossen für Zeit und Ewigkeit gerettet werden. Viele Predigten präsentieren (in Ansätzen) das Evangelium von Jesus Christus – und schließen meistens mit einem Aufruf zur Bekehrung oder auch zu neuer Hingabe (oft „commitment“ genannt) der Gläubigen. Ich freue mich aufrichtig über jede Seele, die im Umfeld der ICF-Gemeinden zum rettenden Glauben kommt (Mt 16,25; Luk 15,24; Phil 1,18).</p>



<p>Wie viele Besucher im Umfeld der ICF-Veranstaltungen tatsächlich zum rettenden Glauben kommen, das weiß natürlich allein unser Gott. <em>„Aber der feste Grund Gottes bleibt bestehen und trägt dieses Siegel: Der Herr kennt die Seinen!“</em> (2Tim 2,19)</p>



<p><strong>3. In den ICF-Gemeinden gibt es ein starkes Anliegen, den bedürftigen Menschen ganzheitlich zu helfen</strong></p>



<p>Der Mensch wird gesehen. Das beginnt mit einer wirklich herzlichen Begrüßung. Es kann sein, dass einem vier bis fünfmal die Hand geschüttelt wurde, bis man auf seinem Platz sitzt.<sup data-fn="83cf8f4f-5a7f-4559-b2d2-c9970703bc98" class="fn"><a id="83cf8f4f-5a7f-4559-b2d2-c9970703bc98-link" href="#83cf8f4f-5a7f-4559-b2d2-c9970703bc98">6</a></sup> Dann wird sehr persönlich, zupackend gepredigt (dass oft lehrmäßiger Tiefgang fehlt, steht auf einem anderen Blatt). Und schließlich gibt es so gut wie nach jeder Verkündigung die Gelegenheit zu reagieren sowie Gebet bzw. Seelsorge in Anspruch zu nehmen. Gerade Menschen im urbanen Raum, die oft unter Einsamkeit der Großstadt leiden, wissen diese Angebote sehr zu schätzen.</p>



<p>Diese Zugewandtheit zu den Menschen ist wirklich stark. Und ich halte sie für echt. Man möchte den Menschen nicht nur predigen, sondern ihnen wirklich – im richtigen Sinn verstanden – ganzheitlich helfen. Seminare, Workshops, Schulungen unterstreichen dieses Anliegen. Das ist lobenswert.</p>



<p>Ich möchte hier ergänzen, dass die ICF-Veranstaltungen oft relevante Lebensfragen der Zuhörer direkt adressieren – und das in einer Sprache, die von den Menschen gesprochen und verstanden wird. „Kanaanäisch“ ist wirklich verpönt. Eine weitere Stärke der ICF-Bewegung ist sicherlich ihre Präsenz in den Sozialen Medien.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kritische Anfragen an die ICF-Bewegung</h2>



<p>Manche Leser werden vielleicht jetzt denken: Muss das sein? Warum kann man nicht einfach alles stehen lassen? Wieso immer diese Besserwisserei?</p>



<p>Antwort: Weil uns der HERR gebietet, Lehren und Gemeindebaukonzepte an der Schrift zu prüfen – natürlich nicht in überheblicher Art, sondern demütig und nüchtern (Apg 17,11; 1Thess 5,20-22).</p>



<p>Ich habe kein Gefallen am Aufdecken der Fehler und Schwächen anderer. Mir wäre es lieber, ich könnte hier schließen. Ich bin mir auch sehr wohl meiner eigenen Schwächen bewusst. Aber gerade, weil ICF einen solchen Einfluss auf viele Christen und Gemeinden ausübt, darum müssen sich Leo Bigger und alle anderen ICF-ler mit ihrem Konzept an den Maßstäben der Heiligen Schrift messen lassen. Es geht letztlich um die Wahrheiten des Evangeliums und des neutestamentlichen Gemeindebaus.</p>



<p><strong>1. Sind die Predigten fast immer thematisch und insgesamt zu oberflächlich?</strong></p>



<p>Ich habe mir „messages“ aus ganz unterschiedlichen ICFs angehört. Leider war keine einzige auslegende Botschaft dabei. Die Ausführungen sind thematisch und oft psychologisch gefärbt. Sie drehen sich stark um die Veränderung der Persönlichkeit. Bei einigen Themen wurde Jesus Christus mehr als „kosmischer Therapeut“ präsentiert. Das heißt nicht, dass unser Gott auf diese Weise nicht auch Menschen ansprechen könnte. Aber folgende Anfragen entstehen:</p>



<p>Entfaltet diese Art der Verkündigung echte biblische Lehre? Wird bei dieser Vorgehensweise der ganze Ratschluss Gottes verkündigt (Apg 20,27)? Bekommen die gläubigen Hörer biblische Hilfe zu einem gottwohlgefälligen Leben? Oder dominiert am Ende mehr christlich verbrämte Unterhaltung?</p>



<p><strong>2. Erinnert der Rahmen der Events eher an eine Jugend-Disco als an den Gottesdienst einer neutestamentlichen Gemeinde?</strong></p>



<p>Der Raum ist abgedunkelt. Bühnennebel steigt auf. Der sogenannte Worship erreicht eine Lautstärke<sup data-fn="25102d4f-09f1-4181-b2f4-391b2cf4a99d" class="fn"><a id="25102d4f-09f1-4181-b2f4-391b2cf4a99d-link" href="#25102d4f-09f1-4181-b2f4-391b2cf4a99d">7</a></sup> von bis zu 95 Dezibel. Viele (junge) Leute „rocken“ die Lieder mit, als wären sie auf einem Konzert ihrer Lieblingsband. Die coolen Verkündiger haben ihre Predigtnotizen auf dem Smartphone in der Hand oder auf dem Tablet, das auf dem Stehtisch liegt.</p>



<p>Dann ist da manchmal eine unglaublich schnoddrige Sprache: „Gott ist nicht „ar…ig.“ etc. und sehr viel Denglisch. Der Gottesdienst ist „celebration“, die Liturgie „programing“, die Predigt ist „message“ und der Veranstaltungsort ist die „location“. ‚Okay, Jesus, ich fühle mich nicht „ready“; ich habe „struggles“‘, „freedoms nights“, „explore“, „get free“ und alle sind „easy drauf“.</p>



<p>Auf einer ICF-Website las ich:</p>



<p><em>„Ab sofort treffen wir uns sonntags vor der Abend-Celebration zum Tanz-Hangout!</em></p>



<p><em>• 16:30 bis 16:45 chill-in</em></p>



<p><em>• 16:45 Bring &amp; Share Snack</em></p>



<p><em>• 17:00 bis ca. 18:30 Dance</em></p>



<p><em>Bringt hierzu gerne Freunde mit, jeder Skill vom Anfänger bis Advanced ist herzlich willkommen!“</em></p>



<p>Der Prediger sollte natürlich stylisch gekleidet sein. Sneakers statt Lederschuhe, löchrige Jeans statt Stoffhose, Lederjacke statt Jackett – und am besten noch eine auffällige Halskette und ein paar Tattoos. Das Outfit muss cool sein. Jeder „move“ wird schließlich auf der Bühne und auf den Großbildleinwänden zu sehen sein. Telegenität ist gefragt.</p>



<p>Die ganze Veranstaltung wirkt auf mich mehr wie eine Darbietung, eine Show, eine kulturell-relevante Performance, ein Entertainment-Programm, zugeschnitten auf das Individuum.</p>



<p>Warren W. Wiersbe schreibt in seinem Kommentar:</p>



<p><em>„Die religiösen Neuheiten in den heutigen Gemeinden mögen die Menschen zwar begeistern und unterhalten, doch die Gemeinde wird durch sie weder erbaut noch tragen sie zur Verherrlichung des Herrn bei. Der Gemeindesaal wird zum Theater, die Anbetung zur Unterhaltung, der Gottesdienst wird zu einer Vorstellung und die Gemeinde zum Publikum.“</em><sup data-fn="d66477a1-0022-41b4-9112-97469c1bce69" class="fn"><a id="d66477a1-0022-41b4-9112-97469c1bce69-link" href="#d66477a1-0022-41b4-9112-97469c1bce69">8</a></sup></p>



<p>Eine Aussteigerin berichtet: <em>„Es war wichtig, cool zu sein, „Style“ zu haben. Wenn man nicht cool war, stieg man in der ICF auch nicht auf: Nur die lässigen Leute erschienen auf der Bühne, predigten oder sangen. Dies führte dazu, dass man nie jemanden sah, der dick war.“</em></p>



<p>Jemand sagte sinngemäß: <em>„Das ICF-Christentum hat viele flapsige Sprüche. Aber es umgeht den Kern: Bekehrung, Wiedergeburt, Heiligung, Kreuzesnachfolge. Das alles kommt viel zu wenig vor. Sondern es ist ein lustiger, interessanter Selbstverwirklichungstrip, christlich garniert, mit viel Rock- und Popmusik, mit viel Action sowie mit viel Aktivismus.“</em></p>



<p><strong>3. Absorbiert die ICF-Bewegung viele religiöse Ideen, die gerade auf dem Markt sind?</strong></p>



<p>Noch einmal die Aussteigerin: <em>„Die Lehre der ICF rückte durch den ständigen Wechsel in den religiösen Praktiken und in der Organisation in den Hintergrund. So wurden dauernd neue Konzepte und Ideen anderer „Mega-Churches“ übernommen.</em></p>



<p><em>Als ich der ICF beitrat, war sie nach Vorbild einer koreanischen Kirche organisiert, die über Hauszellen funktionierte, später wurde dann nach dem Vorbild einer amerikanischen Kirche Workshops gegründet. Das Konzept der g/12-Gruppen war hingegen von einer südamerikanischen Gemeinde abgeleitet. Es wurden auch verschiedene Gebetsarten praktiziert. Es gab beispielsweise ein koreanisches Gebet, während dem in der Gruppe alle laut vor sich hin beteten und das beinahe zu einem Geschrei ausartete, durch welches man Jesus lobte und pries.</em></p>



<p><em>Auch in den Gottesdiensten wurden immer wieder neue Themen aufgenommen, wie beispielsweise das Fasten, woraufhin alle zu fasten begannen und Fasten lässig fanden. Bis ein neues Thema Geltung erlangte.</em></p>



<p><em>Einen wichtigen Stellenwert hatten sogenannte Prophetien. Propheten waren Menschen auch aus anderen Kirchen, denen man die Gabe der Prophetie zusprach. Ihre Aussprüche wurden ernst genommen und fanden auch in den Zielsetzungen der ICF Geltung. Es schien, als ob die ICF immer wieder neue Kicks brauchten, damit die Leute dabeiblieben. Da immer etwas lief, hatte man gar keine Zeit, um über die Lehre nachzudenken.“</em><sup data-fn="8544a309-24d5-46bb-b50a-0e14475d9c7b" class="fn"><a id="8544a309-24d5-46bb-b50a-0e14475d9c7b-link" href="#8544a309-24d5-46bb-b50a-0e14475d9c7b">9</a></sup></p>



<p>Ich denke nicht, dass wir nicht von anderen lernen dürften. Im Gegenteil. Aber ständig neue Konzepte aus anderen Kulturen zu hypen, statt biblische Prinzipien in den Mittelpunkt des Gemeindebaus zu stellen, ist durchaus fragwürdig. Hier einige weitere übernommene Elemente:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Aus Insider-Informationen weiß ich, dass in einer großen ICF der Sozo-Grundkurs der Bethel-Church gemacht wurde. Es nahmen mehr als 100 Leute teil. Sozo ist das griechische Wort für <em>heilen </em>und <em>retten</em>. Bei dieser Praxis, die von der Bethel Church stammt, geht es nicht um körperliche, sondern um emotionale und geistliche Heilung.<sup data-fn="4350203a-a08b-46e5-acaf-61b36be14526" class="fn"><a id="4350203a-a08b-46e5-acaf-61b36be14526-link" href="#4350203a-a08b-46e5-acaf-61b36be14526">10</a></sup> Die Bethel-Church in Redding, Kalifornien, mit ihrem Pastor Bill Johnson gehört zu den umstrittensten Gemeinden der „Neuen Apostolischen Reformation“ (NAR).</li>



<li>Leider werden auch viele pseudo-charismatische Elemente praktiziert. Mir fiel auf, dass oft zum Heiligen Geist gebetet wird. Die Schrift lehrt, dass wir zum Vater oder zum Sohn beten sollen (Mt 6,6-8; 1Kor 1,1-2) – aber sie berichtet von keinem einzigen Gebet zum Heiligen Geist, zu Engeln oder zu Menschen.<sup data-fn="49579e5f-0eba-415e-a6be-0353495e332d" class="fn"><a id="49579e5f-0eba-415e-a6be-0353495e332d-link" href="#49579e5f-0eba-415e-a6be-0353495e332d">11</a></sup></li>



<li>Zur charismatisch geprägten, lauten Musik, in die Elemente von Hillsong und Bethel einfließen, will ich hier gar nichts weiter ausführen. Ich lasse stattdessen Dr. Hanniel Strebel zu Wort kommen. Er berichtet, dass er einmal mit seiner Familie die ICF Zürich besuchte.<sup data-fn="99c65d28-a84a-47a0-9e41-538d05e56630" class="fn"><a id="99c65d28-a84a-47a0-9e41-538d05e56630-link" href="#99c65d28-a84a-47a0-9e41-538d05e56630">12</a></sup> Es war für ihn befremdlich zu erleben, dass Kinder unter einem bestimmten Alter nicht am „Gottesdienst“ teilnehmen konnten, weil die Lautstärke der Musik (wie bereits erwähnt: bis zu 95 Dezibel) es nicht zuließ.<sup data-fn="011a55b7-ea33-4ab3-84a3-1d9e686f5fd7" class="fn"><a id="011a55b7-ea33-4ab3-84a3-1d9e686f5fd7-link" href="#011a55b7-ea33-4ab3-84a3-1d9e686f5fd7">13</a></sup> Übrigens, mir wurde aus zuverlässiger Quelle bekannt, dass die Lobpreisleiter einer ICF gebeten wurden, in der ersten Reihe zu sitzen, um den Lobpreis gleich von Beginn an anzufeuern und auf „high energy“ zu bringen. Kommentar überflüssig.</li>



<li>Eine Leiterin einer großen ICF-Gemeinde, die auch immer wieder predigt, befürwortete Yoga-Kurse für Christen.</li>



<li>ICF propagiert die völlige Gleichstellung von Mann und Frau, also das egalitäre und nicht komplementäre (biblische) Modell. Ob diese falsche Sicht übernommen wurde oder von den Gründern mitgebracht wurde, konnte ich nicht herausfinden. Auf jeden Fall predigen, lehren und leiten immer wieder Frauen die Veranstaltungen. Das widerspricht nach meiner Erkenntnis eindeutig der Schrift (Eph 5,23-24; 1Tim 2,12-14).</li>
</ul>



<p>Fazit: Da in der ICF-Bewegung offensichtlich viel zu wenig an der Schrift geprüft wird, ist man scheinbar für alle möglichen und unmöglichen Strömungen offen. Konzepte werden implementiert, es wird experimentiert – und wenn es nicht passt, wird alles wieder eingestampft. Was das mit den beteiligten Menschen macht, darüber haben die Leiter scheinbar wenig nachgedacht.</p>



<p><strong>4. Baut die ICF-Bewegung die Gemeinden nach „pragmatischer“ Philosophie?</strong></p>



<p>Der 1997 verstorbene chinesische Staatsmann Deng Xiaoping definierte Pragmatismus einmal auf originelle Weise: „Es spielt keine Rolle, ob eine Katze schwarz oder weiß ist. Wenn sie Mäuse fängt, ist es eine gute Katze!“ Pragmatismus ist also die Einstellung, Dinge nicht nach übergeordneten Prinzipien zu beurteilen, sondern lediglich nach ihrer Funktionalität. Pragmatismus ist Zweckmäßigkeitsdenken. Hauptsache, es funktioniert! Ist diese Einstellung biblisch haltbar?</p>



<p><strong><em>Kommt „Pragmatismus“ in der Bibel vor?</em></strong></p>



<p>Oh ja! In 4. Mose 20 wird berichtet, dass Mose zu dem Felsen in der Wüste reden sollte. Doch Mose schlug den Stein mit seinem Stab. Das Schlagen hatte Jahre zuvor gemäß Gottes Anweisung schon einmal funktioniert (2Mos 17). Bei Mose vermischten sich Routine, Ungehorsam und Pragmatismus. Hauptsache, der Erfolg stellt sich wiederum ein!</p>



<p>Mose war ungehorsam. Nun müsste man erwarten, dass kein Tropfen Wasser käme. Doch obwohl Mose im Ungehorsam handelte, floss das Wasser in Strömen. Der sichtbare Erfolg war gegeben. Phänomenologisch – vom äußeren Erscheinen her beurteilt – schien Mose alles richtig gemacht zu haben. Aber Gott ist nicht pragmatisch. Mose und Aaron durften wegen dieses Ungehorsams nicht in das verheißene Land!</p>



<p>Die Passage im 4. Buch Mose warnt nach meiner Erkenntnis vor pragmatischem Erfolgsdenken: „Hauptsache, es funktioniert!“ – Es kommt aber gar nicht zuerst darauf an, ob etwas funktioniert. Es kommt vor allem drauf an, ob eine Handlung dem Willen Gottes entspricht!</p>



<p>Natürlich kann die ICF-Bewegung mit großen Zahlen glänzen. Die Zeitschrift Idea Deutschland machte in ihrer Ausgabe Nr. 27/2025 mit der ICF München auf. Schlagzeile: „Deutsche Megakirche – Wie Tobias Teichen und ICF München Menschen begeistern“. Mit wie vielen Kompromissen und weltlichen Anleihen dieser Erfolg womöglich erkauft wurde, wird in dem Artikel gar nicht thematisiert.</p>



<p>Pragmatismus ist kurzsichtig. Er sieht nur den augenblicklichen Vorteil. Nachteile und Spätfolgen werden bewusst oder unbewusst ausgeblendet. Biblische oder ethische Grundsätze und Überzeugungen werden für das Linsengericht eines momentanen Vorteils verkauft. So sieht es auch A.W. Tozer. Er schreibt in seinem brillanten Aufsatz „Pragmatismus und Christentum“:</p>



<p><em>„Die Schwäche dieser Theorie ist ihre tragische Kurzsichtigkeit. Sie betrachtet geistliche Aktivitäten nie auf lange Sicht (sie wagt es nicht einmal), sondern fährt fröhlich fort zu glauben, dass alles gut und richtig sei, weil es wirksam ist. Sie wird geheiligt vom augenblicklichen Erfolg und verwirft jeden Vorwurf, dass am Tage Christi vielleicht alles in Rauch und Flammen aufgeht.“</em><sup data-fn="71786e30-d57c-4b46-beff-e70b8afd20a0" class="fn"><a id="71786e30-d57c-4b46-beff-e70b8afd20a0-link" href="#71786e30-d57c-4b46-beff-e70b8afd20a0">14</a></sup></p>



<p>Der Gott der Bibel ist weder kleinlich noch pragmatisch, sondern heilig (3Mo 19,2; 1Petr 1,15-16). Er ist mehr an Heiligkeit interessiert als an Nützlichkeit und Effektivität. Seine Prinzipien stehen himmelhoch über allen noch so gut gemeinten menschlichen Gefühlsregungen.</p>



<p>Darum muss sich die ICF-Bewegung diese Anfrage gefallen lassen: Wird wirklich gefragt: Was hat Gott in seinem ewig gültigen Wort über neutestamentlichen Gemeindebau angeordnet? Es geht in der Schrift nie um die Frage: Wie werden wir attraktiv für unsere Zeitgenossen?<sup data-fn="c8aa2297-f770-4f58-83e7-30d7e5172e5d" class="fn"><a id="c8aa2297-f770-4f58-83e7-30d7e5172e5d-link" href="#c8aa2297-f770-4f58-83e7-30d7e5172e5d">15</a></sup></p>



<p>Auf der Homepage der größten deutschen ICF-Gemeinde ist beispielsweise zu lesen:</p>



<p><em>„Das ICF München ist eine überkonfessionelle Freikirche auf biblischer Grundlage, die aus dem Traum entstanden ist, Kirche für die Menschen wieder dynamisch, lebensnah und zeitgemäß zu gestalten.“</em></p>



<p>Hier will man Kirche für Menschen attraktiv machen – nicht für Gott! Dieser Ansatz muss auf lange Sicht unweigerlich vom Ziel wegführen. Gottes heiliges Wort muss die Richtschnur sein – nichts anderes! Wenn wir Gemeinden gottzentriert bauen und die Gläubigen dort wirklich „Speise“ für das Wachstum des inneren Menschen bekommen, werden sie auch anziehend für Nichtchristen sein.</p>



<p><em><strong>Der Bauplan für neutestamentliche Gemeinden</strong></em></p>



<p>Alle, die im 21. Jahrhundert Gemeinden bauen wollen, sollten fragen: Was sagt die Schrift? Nicht: Was sagte die Brüderbewegung, der Pietismus, die Puritaner? Ja, nicht einmal: Was sagten die Reformatoren? Sondern: Was lehrt das Neue Testament über Gemeindebau? Dort lesen wir zum Beispiel klipp und klar, dass die gottesdienstliche Versammlung einer Gemeinde drei Stoßrichtungen haben sollte:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>nach oben: Anbetung</li>



<li>nach innen: Erbauung und geistliches Wachstum der Gläubigen</li>



<li>nach außen: Zurüstung, um einer sterbenden Welt das Evangelium zu bringen.</li>
</ul>



<p>In 1. Korinther 14 wird die gottesdienstliche Versammlung der Gemeinde beschrieben. Es gibt einen Hauptbegriff in diesem Kapitel: Auferbauung. Das Wort für „Auferbauung“ (Griechisch: oikodomē; Englisch: edification) findet sich insgesamt sieben Mal! Viermal in substantivischer Form (V. 3,5,12 und 26) sowie dreimal in verbaler Form (2x in V. 4 und in V. 17). Es meint gemäß V. 3 auferbauen, ermutigen, trösten. Das darf man nicht übersehen.</p>



<p>Das bedeutet: Nach den Vorgaben Gottes ist der Hauptzweck der gottesdienstlichen Versammlung die Auferbauung der Gläubigen – nicht die Evangelisierung der Welt! Wenn ein Nichtchrist hereinkommt, wird er selbstverständlich nicht abgewiesen (1Kor 14,23-25). Aber das ist nicht dasselbe wie einen Gottesdienst gezielt auf Nichtchristen auszurichten.</p>



<p>Nach der Schrift sollen die Heiligen durch die verständliche Weitergabe des Wortes Gottes – nicht durch Zungenreden!<sup data-fn="cc9e4907-2488-4cba-a08e-2734a46742e2" class="fn"><a id="cc9e4907-2488-4cba-a08e-2734a46742e2-link" href="#cc9e4907-2488-4cba-a08e-2734a46742e2">16</a></sup> – auferbaut oder geistlich belebt werden. ICF stellt die biblischen Aussagen auf den Kopf. Wir dürfen unsere Gottesdienste nicht zu einer „evangelistischen Dauerkonferenz“ machen. Wenn wir es dennoch tun, handeln wir pragmatisch!</p>



<p>Paulus schreibt sehr ernste Worte an die Korinther:</p>



<p><em>„Denn einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. Wenn aber jemand auf diesen Grund Gold, Silber, kostbare Steine, Holz, Heu, Stroh baut, so wird das Werk eines jeden offenbar werden; der Tag wird es zeigen, weil es durchs Feuer geoffenbart wird. Und welcher Art das Werk eines jeden ist, wird das Feuer erproben. Wenn jemandes Werk, das er darauf gebaut hat, bleibt, so wird er Lohn empfangen; wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden erleiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch“</em> (1Kor 3,11-15).</p>



<p><em><strong>Nebeneffekt „Oberflächlichkeit“</strong></em></p>



<p>Die ICF-Bewegung ist – wie wir bereits gesehen haben – stark von dem besucherfreundlichen Konzept Willow Creeks geprägt. Hat man in Zürich und an anderen Orten auch die warnenden Aussagen aus Chicago vernommen? Hören wir, was Bill Hybels selbst dazu äußerte. Nach einer Sommerstudienpause kam er mit folgenden Gedanken zurück:</p>



<p><em>„Ich war immer noch dabei, mich in der Segnung zu sonnen, die ich bei der Taufe von fast vierhundert Erwachsenen unserer Gemeinde am letzten Juni-Sonntag erlebt hatte. Aber dieses Sonnenbad endete abrupt, als ich mir die ernüchternde Frage stellte: »Ich möchte gerne wissen, wie viele dieser vierhundert gerade Getauften in acht Wochen, bei meiner Rückkehr, immer noch Gott treu folgen, in ihm wachsen und für ihn Frucht bringen.« Die ehrliche Antwort konnte ich mir nur schmerzlich eingestehen. Über den Zeitraum von dreizehn Jahren in dieser Gemeinde haben sich Tausende als auf das Steinige Gesäte erwiesen und als unter die Dornen Gesäte, deren Glaube verwelkte.“</em><sup data-fn="8f214bc2-e94c-4032-8151-1b9e89d962e0" class="fn"><a id="8f214bc2-e94c-4032-8151-1b9e89d962e0-link" href="#8f214bc2-e94c-4032-8151-1b9e89d962e0">17</a></sup></p>



<p>Jemand sagte: „Die ICF-Bewegung ist 20 Kilometer breit – aber nur fünf Zentimeter tief.“</p>



<p><strong>5. Schädigt die ICF-Bewegung andere Gemeinden?</strong></p>



<p>Das wäre ein schwerer Vorwurf.</p>



<p>Seit vielen Jahren kommen solche Klagen an meine Ohren: „Unsere Jugendlichen sind zum ICF abgewandert.“ – „Da war solch eine nette Familie; aber jetzt sind sie beim ICF.“</p>



<p>Mir liegt keine seriöse Statistik vor. Aber ich habe Insider befragt, sogar vollzeitliche angestellte Mitarbeiter, wie viele Besucher (beim ICF gibt es keine Verbindliche Zugehörigkeit oder Mitgliedschaft) ihrer Meinung nach aus anderen Kirchen / Gemeinden zum ICF gewechselt sind. Die Schätzungen schwankten allesamt zwischen 60 und 80 Prozent!</p>



<p>Im Umfeld einer ICF ist die Jugend einer evangelikalen Freikirche geschlossen zum ICF gewechselt. Liebe Freunde, das ist nicht in Ordnung! Ich behaupte nicht, dass solche Dinge bewusst oder absichtlich geschehen würden – aber die ICF nimmt sie zumindest billigend in Kauf.</p>



<p>Wenn ICF-Leiter mit diesen Fakten konfrontiert werden, kommt immer die gleiche Antwort: „Hättet ihr diesen jungen Leuten mehr geboten, wären sie nicht gewechselt.“</p>



<p>Das kann ich nicht gelten lassen. Eine kleine Gemeinde auf dem Land hat weder die Mittel noch die Kraft, solche Events auf die Beine zu stellen. Vielleicht will es diese Land-Gemeinde auch gar nicht. Solche verführerischen Angebote machen falsche Versprechen und fördern eine unberechtigte Unzufriedenheit bei jungen Leuten. Berechtigte Unzufriedenheit mit realen Problemen in der Gemeinde sollte dazu führen, dass Jung und Alt gemeinsam daran arbeiten.</p>



<p>Ich behaupte nicht, dass Leute nur wegen des Musik-Programms und anderer äußerer Angebote zum ICF wechseln. Besonders junge Menschen werden stark von authentischen Persönlichkeiten, z.B. Jugendleitern, angezogen. Trotzdem macht mir die hier erwähnte Statistik allergrößte Sorgen. Die ICF arbeitet sehr stark Event-orientiert. Jungen Menschen wird hier unter Umständen suggeriert, dass sich ein Christenleben von Event zu Event abspielt.</p>



<p>Von der größten deutschen ICF-Community in München ist bekannt, dass sie mehrmals in der Umgebung von München bombastische ICF-Konzerte durchgeführt hat – und siehe da: Einige Zeit später entstand dort eine neue ICF-Gemeinde oder ein Start-Up.</p>



<p>Was hat eine kleine bibeltreue Landgemeinde einer solchen Sogkraft entgegenzusetzen? Steckt hier vielleicht Methode dahinter? Auf jeden Fall existiert inzwischen ein ICF-Netzwerk mit Gemeinden in Augsburg und Freising sowie Startups in Starnberg und Passau.</p>



<p><strong><em>Vitamin-Mangel in der Gemeinde Jesu Christi</em></strong></p>



<p>Ich bin davon überzeugt, dass jedes Aufkommen einer fragwürdigen oder falschen Strömung auf „Vitaminmangel“ in der Gemeinde Jesu zurückzuführen ist.</p>



<p>Was fehlt dem Leib Christi? Fehlt nicht weithin das Erschrecken vor Gottes Heiligkeit, Buße über Lauheit und Kompromisse mit der Sünde, klare Abgrenzung zum materialistischen Lebensstil, sowie die Treue zu Christus und seinem Wort? Fehlt nicht weithin ein authentisches Christentum in der Kraft des Heiligen Geistes? Fehlen nicht geisterfüllte Gläubige und biblisch ausgerichtete Gemeinden in unserem Land?</p>



<p>Bevor wir also das Thema ICF eilfertig abhaken, sollten wir die guten Anregungen von dort aufnehmen und als Anfrage an uns sehen. Darüber hinaus sollten wir uns ernstlich prüfen: Ist unser persönliches Leben völlig an Jesus Christus hingegeben? Hat der christliche Kreis, zu dem wir gehören, wirklich das Anliegen, Gemeinde nach dem Neuen Testament zu sein und immer mehr zu werden? Wollen wir wirklich biblisch bauen? Brennt in uns die Liebe zu Christus gleichermaßen wie die Liebe zu den verlorenen Menschen? Wenn nicht, wollen wir bitte vor der eigenen Türe kehren.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Wort an ICF-ler</h2>



<p>Solltest du zu einer ICF-Kirche gehören oder mit der Bewegung sympathisieren, so bitte ich dich als älterer Diener Gottes herzlich: Überprüfe deine Einstellung. Überprüfe deine Motive. Nimm deine Bibel in die Hand und studiere, was das Neue Testament über Gemeinde und ihre Gottesdienste sagt. Und schließe dich bitte unbedingt einer biblisch ausgerichteten Versammlung von Gläubigen an.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Wort an die Verantwortlichen der ICF-Bewegung</h2>



<p>Brüder, Gott hat euch reich begabt! Ihr könntet dem Herrn meines Erachtens wohlgefälliger dienen, wenn ihr einen konsequent biblisch ausgerichteten Weg gehen würdet. Die konservativen Werte, die ihr durchaus vertretet, passen gar nicht zu dem flippigen Äußeren, in das ihr eure Kernbotschaft verpackt. Schlimmer. Sie passen nicht zu dem Bild, das uns die Schrift von einer neutestamentlichen Gemeinde zeichnet.</p>



<p>Darum bitte ich euch: Werft die Philosophie des Pragmatismus und der Beliebigkeit im Blick auf Gemeindebau über Bord. Ich ermutige euch, auch im Blick auf die Form zu den schlichten Wegen zurückzukehren, die das Evangelium lehrt.</p>



<p><em>Fussnoten</em></p>


<ol class="wp-block-footnotes"><li id="41dfbe8a-58c4-43eb-981c-d1a63c0e197b">2002 besuchte ich die junge ICF-Gemeinde in Zürich. Eine Predigt gab es an jenem Sonntag nicht – stattdessen ein lässiger Talk von Bigger und Bölsterli auf einer Bühnen-Couch. <a href="#41dfbe8a-58c4-43eb-981c-d1a63c0e197b-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 1 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="4019f31e-1e30-437f-b4fc-833d2067067a">https://www.ezw-berlin.de/publikationen/artikel/icf-feierte-15-jaehriges-bestehen-mit-reinhard-bonnke <a href="#4019f31e-1e30-437f-b4fc-833d2067067a-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 2 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="c6b0516a-6af4-40a1-8a61-74fa00326c4d">Der ICF-Jahresbericht 2024 von ICF Zürich nennt insgesamt 68 ICF-Kirchen weltweit in 13 Ländern. Quelle: https://annualreport.icf.ch <a href="#c6b0516a-6af4-40a1-8a61-74fa00326c4d-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 3 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="77e99442-3dc6-4324-87d8-6f4ddbfbf411">Inzwischen haben einige Gemeinden die ICF-Bewegung wieder verlassen, z.B. Frankfurt (wurde zur Urban Lights Church), Leipzig oder Emmental in der Schweiz. <a href="#77e99442-3dc6-4324-87d8-6f4ddbfbf411-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 4 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="28b9deda-1322-45d9-a070-f58d41dde252">Tatsächlich gibt es eine ganze Reihe von Videos und Podcasts im Netz, die der ICF-Bewegung Homophobie, „purity culture“ etc. vorwerfen. <a href="#28b9deda-1322-45d9-a070-f58d41dde252-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 5 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="83cf8f4f-5a7f-4559-b2d2-c9970703bc98">Kritiker sprechen allerdings in diesem Zusammenhang vom sogenannten „love bombing“ (deutsch: mit Liebe bombardiert werden). <a href="#83cf8f4f-5a7f-4559-b2d2-c9970703bc98-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 6 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="25102d4f-09f1-4181-b2f4-391b2cf4a99d">Ich bedaure persönlich sehr, dass offenbar in weiten Teilen der Gemeinde Jesu Christi das Bewusstsein verloren gegangen ist, dass Gott vor allem in der Stille wirken will (z.B. Ps 46,11). <a href="#25102d4f-09f1-4181-b2f4-391b2cf4a99d-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 7 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="d66477a1-0022-41b4-9112-97469c1bce69">Wiersbe-Kommentar AT, Band I, CVD 2016, 1. Aufl., S. 2014 <a href="#d66477a1-0022-41b4-9112-97469c1bce69-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 8 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="8544a309-24d5-46bb-b50a-0e14475d9c7b">https://www.infosekta.ch/media/pdf/ICF_Friess-Interview_Style.pdf Wenn wir hier von der Schweizer Seite infosekta zitieren, wollen wir damit ausdrücklich nicht sagen, dass es sich bei den ICF-Gemeinden um klassische Sekten handelt. Es sind vielmehr charismatisch geprägte Freikirchen, deren Art, Gemeinde zu bauen, wir hier hinterfragen. <a href="#8544a309-24d5-46bb-b50a-0e14475d9c7b-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 9 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="4350203a-a08b-46e5-acaf-61b36be14526">Vgl. „Das gefälschte Gottesreich“, CVD 2024, S. 196-199 <a href="#4350203a-a08b-46e5-acaf-61b36be14526-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 10 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="49579e5f-0eba-415e-a6be-0353495e332d">In seinem Buch „Geist Gottes“, Fontis Verlag, 5. Aufl. 2023, schreibt Leo Bigger wiederholt, der Heilige Geist sei unser größter Fan (S.12). Wo steht das in der Bibel? <a href="#49579e5f-0eba-415e-a6be-0353495e332d-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 11 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="99c65d28-a84a-47a0-9e41-538d05e56630">Vgl. „Bibel und Gemeinde“, https://bibelbund.de/2022/04/wenn-die-form-den-inhalt-dominiert-eine-persoenliche-reflektion-zu-elementen-der-icf-movement <a href="#99c65d28-a84a-47a0-9e41-538d05e56630-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 12 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="011a55b7-ea33-4ab3-84a3-1d9e686f5fd7">Ich empfehle die kleine Schrift „Generation Lobpreis – kapitulieren wir?“ von Dr. Steffen Kirstein (CMD-Verlag, früher: Hünfeld, jetzt: Bochum <a href="#011a55b7-ea33-4ab3-84a3-1d9e686f5fd7-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 13 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="71786e30-d57c-4b46-beff-e70b8afd20a0">A.W. Tozer: „Gott liebt keine Kompromisse“, Hänssler-Verlag, ohne Jahresangabe, S. 63 <a href="#71786e30-d57c-4b46-beff-e70b8afd20a0-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 14 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="c8aa2297-f770-4f58-83e7-30d7e5172e5d">Es gibt im deutschsprachigen Raum eine ganze Reihe Kirchen, die nach ähnlichen Konzepten arbeiten wie die ICF-Bewegung. Ich nenne einige Beispiele: Kirche im Pott – Gelsenkirchen, Hillsong Germany – Düsseldorf, München, Konstanz (Teil der Hillsong Church, Australien), Elim Kirche – Hamburg (BFP), Gospel Forum – Stuttgart (charismatisch, große Eventkirche), C3 Church – Berlin, Leipzig, Köln (C3 Movement, Australien), Jesus Gemeinde – Dresden (BFP, stark missionarisch), Mosaik Church – Frankfurt (modern, interkulturell) etc. Wir beschränken uns hier in unserer Darstellung auf die ICF-Kirchen. <a href="#c8aa2297-f770-4f58-83e7-30d7e5172e5d-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 15 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="cc9e4907-2488-4cba-a08e-2734a46742e2">Der sympathische Leo Bigger ist ein begeisterter Zungenredner. Er erzählt in seinem Buch „Geist Gottes“ (Fontis Verlag), wie er diese vermeintliche Geistesgabe empfing (S. 96) und entfaltet dann auf den folgenden Seiten eine in meinen Augen völlig falsche Lehre über das Zungenreden. U.a. behauptet er, die 3.000 Juden, die sich an jenem ersten Pfingsttag bekehrten, seien durch die Gabe des Zungengebets zur Umkehr gebracht worden (S. 99). In Wirklichkeit gebrauchte Gott die Predigt des Petrus von Kreuz und Auferstehung (Apg 2,36-38). <a href="#cc9e4907-2488-4cba-a08e-2734a46742e2-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 16 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="8f214bc2-e94c-4032-8151-1b9e89d962e0">Pritchard, Gregory: Willow Creek Seeker Services, Evaluating a New Way of Doing Church, Baker Books, Grand Rapids, MI 1996, S. 277 <a href="#8f214bc2-e94c-4032-8151-1b9e89d962e0-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 17 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li></ol><p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://kfg.org/2025/wie-cool-darf-kirche-sein/">Wie cool darf Kirche sein?</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://kfg.org">KfG  -`✞´-  Konferenz für Gemeindegründung</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das Profil eines Gläubigen, Jüngers, Arbeiters und Leiters</title>
		<link>https://kfg.org/2025/das-profil-eines-glaeubigen-juengers-arbeiters-und-leiters/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[LeRoy Eims]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 29 Sep 2025 21:50:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Biblische Lehre / Theologie]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeindepraxis]]></category>
		<category><![CDATA[Praktisches Christenleben]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kfg.org/?p=18454</guid>

					<description><![CDATA[<p>Vier Profile beschreiben den geistlichen Weg vom Gläubigen bis zum Leiter: Der Gläubige erlebt neues Leben und liebt Jesus. Der wachsende Jünger lebt hingebungsvoll, meidet Sünde, folgt Gottes Wort und bekennt sich zu Christus. Der Arbeiter führt andere zu Jesus und begleitet sie im Glauben. Der Leiter schließlich formt Jünger zu Arbeitern, führt Teams und lebt in Treue und Verantwortung.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Dieser Anhang enthält die Profile jeder einzelnen, der genannten Entwicklungsphasen. Die Profile können als Checkliste dienen, um zu prüfen, wie man im jeweiligen Stadium vorankommt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">1. Profil eines Gläubigen</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Er hat die Anzeichen eines neuen Lebens (2Kor 5,17).</li>



<li>Er liebt Jesus.</li>



<li>Er verabscheut Sünde.</li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading">2. Profil eines wachsenden Jüngers</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Er ist ein Nachfolger Jesu Christi, und der Herr steht für ihn in den wichtigsten Lebensbereichen an erster Stelle. Er unternimmt Schritte, um sich von Sünde fernzuhalten (Lk 9,23; Röm 12,1-2).</li>
</ul>



<ul class="wp-block-list">
<li>Er hält am Wort Gottes fest, indem er es sich durch Bibelstudium oder das Auswendiglernen der Schrift einverleibt. Mithilfe des Heiligen Geistes wendet er das Wort Gottes beständig in seinem Leben an (s. Joh 8,31; Jak 1,22-25; Ps 119,59).</li>
</ul>



<ul class="wp-block-list">
<li>Er lebt ein Leben in beständiger Hingabe und wächst im Glauben und in der Fürbitte für andere (Mk 1,35; Hebr 11,6; Kol 4,2-4).</li>
</ul>



<ul class="wp-block-list">
<li>Er besucht regelmäßig die Gemeindezusammenkünfte und lebt die Liebe Christi aus, indem er sich mit anderen Gläubigen identifiziert und ihnen dient (s. Ps 122,1; Hebr 10,25; Joh 13,34-35; 1Joh 4,20-21; Gal 5,13).</li>
</ul>



<ul class="wp-block-list">
<li>In seinem Umfeld und an seinem Arbeitsplatz ist er für sein Bekenntnis zu Jesus Christus bekannt, hat ein Anliegen für das Zeugnisgeben, erzählt freimütig seine Bekehrungsgeschichte und gibt mit wachsender Wirksamkeit das Evangelium weiter (Mt 5,16; Kol 4,6; 1Petr 3,15).</li>
</ul>



<ul class="wp-block-list">
<li>Er ist offen, lernbereit und lehrfähig (Apg 17,11).</li>
</ul>



<ul class="wp-block-list">
<li>Er folgt sichtbar Jesus Christus nach und lernt von ihm, und er zeigt in all den oben genannten Punkten Beständigkeit und Treue (Lk 16,10).</li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading">3. Profil eines Arbeiters</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Er wächst weiter in den Fähigkeiten und Eigenschaften, die unter dem Profil eines wachsenden Jüngers beschrieben sind (1Petr 3,18).</li>
</ul>



<ul class="wp-block-list">
<li>Er hat ein starkes Anliegen für die Verlorenen, und hat die offensichtliche Fähigkeit, Menschen zu Christus zu führen (Mt 9,36-38; Röm 1,6).</li>
</ul>



<ul class="wp-block-list">
<li>Gott gebraucht ihn, um Neubekehrte und Jünger durch persönliche Beziehungen oder in einem Jüngerschaftsteam zu festigen (Kol 1,28-29).</li>
</ul>



<ul class="wp-block-list">
<li>Er ist auch gegenwärtig damit beschäftigt, Menschen zu Jüngern zu machen (Mt 28,19).</li>
</ul>



<ul class="wp-block-list">
<li>Regelmäßiges Bibelstudium in allen Variationen und die Stille Zeit sind in seinem Leben feste Gewohnheiten geworden (Phil 4,9).</li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading">4. Profil eines Leiters</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Er ist ein fähiger Arbeiter, der in den Fähigkeiten und Eigenschaften unter dem Profil eines Arbeiters noch weiterwächst.</li>
</ul>



<ul class="wp-block-list">
<li>Gott hat ihn gebraucht, um andere Jünger zu Arbeitern zu machen (2Tim 2,2).</li>
</ul>



<ul class="wp-block-list">
<li>Er bringt Arbeiter zusammen und leitet sie darin an, wie man den Verlorenen das Evangelium bringt und Gläubigen hilft, fest zu werden (Mk 1,38).</li>
</ul>



<ul class="wp-block-list">
<li>Treue und Aufrichtigkeit sind die Kennzeichen seines Lebens und Dienstes (2Tim 2,19-21).</li>
</ul>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://kfg.org/wp-content/uploads/2025/09/163-Profil-Glaeugiber-Juenger-Arbeiter-Leister-Skizze.png"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="680" height="427" src="https://kfg.org/wp-content/uploads/2025/09/163-Profil-Glaeugiber-Juenger-Arbeiter-Leister-Skizze.png" alt="" class="wp-image-18445" srcset="https://kfg.org/wp-content/uploads/2025/09/163-Profil-Glaeugiber-Juenger-Arbeiter-Leister-Skizze.png 680w, https://kfg.org/wp-content/uploads/2025/09/163-Profil-Glaeugiber-Juenger-Arbeiter-Leister-Skizze-300x188.png 300w, https://kfg.org/wp-content/uploads/2025/09/163-Profil-Glaeugiber-Juenger-Arbeiter-Leister-Skizze-500x314.png 500w" sizes="(max-width: 680px) 100vw, 680px" /></a></figure>
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]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Der Prozess vom Jünger zum Arbeiter</title>
		<link>https://kfg.org/2025/der-prozess-vom-juenger-zum-arbeiter/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[LeRoy Eims]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Sep 2025 22:10:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Leiterschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Praktisches Christenleben]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Jesu Auftrag lautete und lautet, Menschen zu Jüngern zu machen (Mt 28,19) – und sie nicht nur zur Bekehrung zu führen. Wer diesem Ruf folgen will, muss bereit sein, Gläubige auf ihrem Weg zu begleiten, bis sie selbst reife und fruchtbare Nachfolger werden, die wiederum andere zu Jüngern machen. Erst dann ist der nächste Schritt erreicht: die Bereitschaft, als Arbeiter im Reich Gottes zu dienen.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>Mit freundlicher Genehmigung des Betanien-Verlags drucken wir hier einige Auszüge aus „Die verlorene Kunst des Jüngermachens“ von LeRoy Eims, 3. Auflage 2023, ab. Die Redaktion</em></p>



<p>Der Befehl Jesu lautete, Menschen zu Jüngern zu machen (Mt 28,19). Das ist ein bedeutender Schritt weiter als die bloße Ermahnung, selber Jünger zu werden. Wenn wir gemäß Gottes wunderbaren Plan handeln wollen, müssen wir Menschen helfen, zu Jüngern zu werden. Das zu unterlassen bedeutet, die Genialität des Auftrags Jesu nicht begriffen zu haben.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://kfg.org/wp-content/uploads/2025/09/grafik2.jpg"><img decoding="async" width="95" height="225" src="https://kfg.org/wp-content/uploads/2025/09/grafik2.jpg" alt="" class="wp-image-18453"/></a></figure>



<p>Ich möchte fragen: „Wenn du jemanden zu Christus geführt hast, bist du dann glücklich?“ – Natürlich. Du bist begeistert, wie alle anderen unmittelbar Betroffenen – die Person selbst und Gottes Engel im Himmel. Doch bist du zufrieden? – Nein, du solltest nicht zufrieden sein. Jesus befahl uns mehr, als nur Menschen zur Bekehrung zu führen. Er trug uns auf, Jünger zu machen. Darum musst du an demjenigen, den du zu Christus geführt hast, „dranbleiben“ und ihm helfen zu wachsen, bis er selber zu denen gehört, die eifrig und effektiv an der Sache des Herrn arbeiten. Dann wird man ihn als einen reifen, hingegebenen, fruchtbaren Nachfolger Jesu Christi sehen.</p>



<p>Freust du dich nun, dass der Gläubige ein Jünger geworden ist? – Natürlich. Doch bist du zufrieden? – Nein, solange er nicht selber, dauerhaft und ernstlich daran interessiert ist, anderen zu helfen, ebenso zu Jüngern zu werden. Erst dann ist er bereit zum nächsten Schritt in dem Prozess, wie Gott ihn in seinem Reich einsetzen kann: Er ist bereit, ein Arbeiter zu werden.</p>



<p>Doch es gibt auch solche, die nie dieses Stadium erreichen. Sie sind echte Jünger Jesu Christi. Sie bekennen sich öffentlich zum Herrn. Sie leben in Gemeinschaft mit ihm durch das Lesen im Wort und das Gebet. Die Früchte des Geistes werden an ihnen sichtbar (Gal 5,22-23), und sie leisten ihren einzigartigen Beitrag am Leib Christi. Sie unterrichten in der Sonntagschule. Sie bringen sich in verschiedenen Gremien und Gruppen ein. Sie bereichern diese nicht allein durch ihr Wissen über und ihr Engagement, sondern durch ihr gottesfürchtiges Leben und ihren geistlichen Tiefgang. Doch anscheinend fehlt ihnen die Gabe und Berufung, persönlich und aktiv mit anderen zu arbeiten, um sie zu Jüngern zu machen. Es wäre falsch zu versuchen, sie weiter in diese Richtung zu drängen. Sind sie Jünger? Ja! Sind sie Arbeiter, die selbst andere zu Jüngern machen? Nein! Es kann schlimmer Schaden angerichtet werden, wenn übereifrige Lehrmeister versuchen, Leute zu weit zu drängen und sie jenseits ihrer Begabung und Berufung durch Gott zu führen.</p>



<p>Aus der Schrift sehen wir, dass die Sache Jesu ein großes Spektrum verschiedenartiger Mitarbeiter umfasst. Worauf wir in diesem Kapitel und in den nächsten beiden abzielen, hat mit besonderen Arbeitern zu tun. Als Jesus feststellte, dass es nur wenige Arbeiter gibt (Mt 9,37), sprach er von solchen Arbeitern, die direkt an der Ernte beteiligt sind. Von diesen Erntearbeitern sprach Jesus, als er sagte, dass es <em>wenige </em>Arbeiter gibt. Im Reich Gottes sind das die Arbeiter, die direkt in diesem besonderen Dienst stehen, Seelen für Jesus Christus zu ernten, und diesen zu helfen, ebenso in der Ernte mitzuarbeiten. Das soll weder die Arbeit der anderen Jünger Jesu abwerten, noch sie zu Bürgern zweiter Klasse erniedrigen. Auch</p>



<p>die Finanzen der Gemeinde müssen ordentlich verwaltet werden. In der Sonntagsschule werden dringend Mitarbeiter benötigt. Andere Arbeiter in der Gemeinde erledigen treu ihre Aufgaben.</p>



<p>Keine Frage: Die Arbeit derer, die lehren, in Gremien tätig sind, und sich um eine Unzahl anderer Gemeindearbeiten kümmern, ist von ebenso großem Wert. Aber hier geht es speziell um die Sorte von Arbeitern, die Jesus erwähnt (Mt 9,37): Um auf Männer und Frauen, die inbrünstige Zeugen Jesu Christi und weise Bauarbeiter im Leben anderer sind. In diesem Sinn werden wir den Begriff „Arbeiter“ gebrauchen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">A. Eigenschaften eines potentiellen Arbeiters</h2>



<p>Wer zu dieser Aufgabe berufen ist, andere zu Jüngern zu machen, braucht weitere Unterweisung, um für den Dienst ausgerüstet zu werden, zu dem Christus ihn berufen, und den er ihm aufs Herz gelegt hat. Solche Christen haben eine Vision für die Multiplikation von Jüngern und wirken begeistert an dieser Sache mit. Sie haben ein Herz für Menschen und wollen unbedingt ihr Leben dafür einsetzen, ihnen zu helfen. Darum muss ihnen das nötige „Know-how“ beigebracht werden.</p>



<p><strong><em>Ein Anliegen für Multiplikation.</em></strong></p>



<p>Wenn sich jemand nicht wirklich bewusst ist, welche Kraft in der Multiplikation von Jüngern verborgen liegt, wird er nie mit einem anderen durch dick und dünn gehen. „Ihn verkündigen wir, indem wir jeden Menschen ermahnen und jeden Menschen in aller Weisheit lehren, um jeden Menschen vollkommen in Christus darzustellen; wozu ich mich auch bemühe und kämpfend ringe gemäß seiner Wirksamkeit, die in mir wirkt in Kraft“ (Kol 1,28-29).</p>



<p>Ein Experiment verdeutlicht die einschlägige Kraft der Multiplikation: Wenn ein Stück Dünndruckpapier, so dünn wie eine Seite der Bibel, fünfzig Mal gefaltet werden könnte, wie dick wäre es dann? Der Computer gab eine erstaunliche Antwort – es wäre fast 30 Millionen Kilometer hoch. Um das irgendwie in ein für uns greifbares Verhältnis zu setzen, können wir den Vergleich heranziehen, dass der Mond etwa nur 385.000 km von uns entfernt ist.</p>



<p>Auch im geistlichen Bereich ist Multiplikation möglich, wie Paulus Timotheus schrieb: <em>„Was du von mir in Gegenwart vieler Zeugen gehört hast, das vertraue treuen Menschen an, die tüchtig sein werden, auch andere zu lehren!“</em> (2Tim 2,2). Paulus, Timotheus, treue Menschen, andere – dies ist Multiplikation auf geistlichem Gebiet. Wenn jemand einen Jünger hervorgebracht hat, hat er sich als Jünger reproduziert. Er ist ein Arbeiter geworden. Wenn jemand einen Arbeiter herangebildet hat, hat er sowohl weitere Jünger hervorgebracht, als auch sich selbst als Arbeiter reproduziert. Die Multiplikation auf geistlichem Gebiet bringt sowohl Jünger als auch Arbeiter hervor.</p>



<p><strong><em>Ein Anliegen für Menschen.</em></strong></p>



<p>Neben einem Anliegen für diese Art der Multiplikation muss der angehende Arbeiter ein Anliegen für Menschen haben. Er muss fähig sein, bei anderen das Potenzial zu sehen, das Gottes ihnen gegeben hat.</p>



<h2 class="wp-block-heading">B. Das Prinzip, am Leben des anderen teilzuhaben</h2>



<p>Jesus kam in diese Welt, um sich um sein Volk zu kümmern. Und während der gemeinsamen Zeit mit seinen Jüngern bildete er sie aus. Von daher ergibt sich folgender Grundsatz: Ohne persönliche Anteilnahme</p>



<p>kein wirkliches Training. Um die Bedürfnisse unseres Schützlings zu treffen, müssen wir ihn kennen und eine Beziehung zu ihm haben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">C. Eignungskriterien eines potentiellen Arbeiters</h2>



<p>An diesem Punkt deiner Beziehung zu einem Menschen bist du schon viel weiter als das, was in einer Gruppe und durch die Weitergabe allgemeiner Ratschläge für geistliche Gesundheit erreicht werden kann. Weil nun der Zeitfaktor eine wichtige Rolle spielt, kannst du dir nicht leisten, deine Zeit in irgendetwas anderes zu investieren, als in das, was bestimmten Bedürfnissen entspricht und zum Erreichen bestimmter Ziele beiträgt. Da dein Tag nur 24 Stunden hat, und da du nur ein Leben hast, kannst du dir nicht leisten, Zeit zu verschwenden. Das bedeutet, dass du sichergehen musst, dass die Leute, in die du dein Leben investierst, auch die richtigen sind. Sie müssen bereit und imstande sein eifrig das aufzunehmen, was du ihnen vermitteln willst. Und du musst sicherstellen, dass deine Lehrinhalte auch tatsächlich dem entsprechen, was sie für ihr Leben brauchen.</p>



<p>Auswahl ist auch einer der Schlüssel, wenn man Menschen zu Jüngern machen will. Jesus lehrte diesen Grundsatz, indem er auch unter seinen Jüngern eine Auswahl traf. Viele Jünger folgten ihm nach; einmal lesen wir von mindestens siebzig (Lk 10,1). Doch aus ihnen allen erwählte er die Zwölf, um sie in besonderer Weise auszubilden. Zuerst sollten sie ihm nachfolgen und dann in den Dienst miteinbezogen werden. <em>„Kommt, mir nach! Und ich werde euch zu Menschenfischern machen“</em> (Mt 4,19).</p>



<p>Auf was müssen wir achten, wenn wir Arbeiter für ein Jünger machendes Team auswählen? Ich glaube, dass in Jesaja 58,10 das Hauptkriterium genannt wird: „Wenn du dem Hungrigen dein Brot darreichst und die gebeugte Seele sättigst, dann wird dein Licht aufgehen in der Finsternis, und dein Dunkel wird sein wie der Mittag.“ Die Antwort liegt in dem Wort „Hunger“. Die Menschen, die wir auswählen, müssen einen Hunger danach ver-spüren, Menschen zu Jüngern zu machen. Und dieser Hunger kann in drei Punkten zum Ausdruck kommen.</p>



<p><strong><em>1. Ein Hunger, beim Jüngermachen mitzuarbeiten.</em></strong></p>



<p>Deine Seele auszuschütten bedeutet, dein Leben zu geben. Das kostet dich und fordert enorme Belastbarkeit. Wenn du versuchst, dein Leben mit jemandem zu teilen, der nicht dazu bereit ist, wird er abgeschreckt sein. Es wäre zu schnell zu viel. Bedenke, dass ein Baby schneller krank wird, wenn es überfüttert wird, als wenn es einmal zu wenig bekommt. Such darum einen Menschen, der wirklich mitarbeiten will. Dies zeigt sich allgemein darin, dass er sich zur Verfügung stellt. Wenn du ihn brauchst, ist er da. Wenn ihr euch vor dem Frühstück treffen wollt und euch für sechs Uhr früh verabredet, kommt er schon um 5.45 Uhr und kann es kaum erwarten loszulegen.</p>



<p><strong><em>2. Hunger nach Gott.</em></strong></p>



<p>Außer dem Hunger nach Mitarbeit, sollte er auch einen Hunger nach Gott selbst haben. Sein Leben sollte stark auf die Beziehung „himmelwärts“ ausgerichtet sein. Er sollte wie der Psalmist, der seinen Hunger nach Gott im Psalm 42 zum Ausdruck brachte, sagen können: „Wie eine Hirschkuh lechzt nach Wasserbächen, so lechzt meine Seele nach dir, o Gott!“ (Ps 42,2) David sagte: „Meine Seele hängt an dir, deine Rechte hält mich aufrecht“ (Ps 63,9).</p>



<p><strong><em>3. Ein Hunger danach, jeden Preis zu zahlen</em></strong></p>



<p>Er muss die Kosten überschlagen haben und bereit sein, sie zu tragen. An diesem Punkt musst du Klartext reden und ihn wie Jesus herausfordern: <em>„Er sprach aber zu allen: Wenn jemand mir nachkommen will, verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf täglich und folge mir nach!“</em> (Lk 9,23)</p>



<p>Wenn bei dem Kandidaten in diesen drei Punkten ein Hunger vorhanden ist – dabei zu sein, für Gott persönlich, um jeden Preis –, kann er ein Arbeiter Jesu Christi werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">D. Worauf beim Training eines Arbeiters zu achten ist</h2>



<p>In deiner Arbeit mit einem Jünger auf einer persönlichen Ebene – einer Zweierschaft – solltest du dich auf vier Dinge konzentrieren: die Überzeugung, Perspektive, Vorzüglichkeit und Charakterstärke.</p>



<p><strong><em>1. Überzeugung</em></strong></p>



<p>Bis zu diesem Zeitpunkt hat der angehende Arbeiter deine Überzeugungen übernommen. Er weiß, warum du Bibelstellen auswendig lernst, die Bibel studierst und betest. Aber auf lange Sicht wird ihm das nicht ausreichen. Er braucht eigene Überzeugungen. Diese Überzeugungen können sich auf zwei Arten entwickeln: durch sein eigenes Bibelstudium und durch die Beantwortung der Fragen nach dem „Warum“.</p>



<p>Ein anderes Mal arbeitete ich mit einer Gruppe von Leuten zusammen, denen es schwerfiel, die Wichtigkeit von Gottes Wort in ihrem Leben anzuerkennen. Ich schlug vor, einmal Psalm 119 durchzuarbeiten. Das war nichts, das zu schwierig oder umfangreich gewesen wäre. Wir lasen einfach nur den Psalm durch, und achteten auf die verschiedenen Verben. Später lasen wir ihn wieder durch, um nach den verschiedenen Begriffen zu suchen, die für das Wort Gottes gebraucht werden. Beim dritten Lesegang versuchten wir, die Haltung des Psalmisten gegenüber Gottes Wort herauszufinden. Es dauerte ziemlich lange, aber am Ende der Bibelstunde hatten sie sich von Gott selbst von der Wichtigkeit seines Wortes überzeugen lassen.</p>



<p>Zu eigenen Überzeugungen kommt jemand auch, wenn man ihn einmal alle Gründe aufschreiben lässt, warum er all das tun sollte. Warum Stille Zeit haben? Warum beten? Warum die Bibel studieren? Das kann ein echtes Schlüsselerlebnis werden. An Glaubenssätzen hält man fest, aber von Überzeugungen ist man selbst ergriffen.</p>



<p><strong><em>2. Perspektive</em></strong></p>



<p>Wenn du einen Mitarbeiter zurüstest, musst du an seiner Perspektive arbeiten. Wenn jemand zu Christus findet, bleibt er zunächst immer noch ein auf sich selbst fixiertes Individuum. Wenn man dann aber beginnt, im Herrn zu wachsen, verändert sich der Blickwinkel allmählich. Er ist nicht mehr nur auf sich selbst fixiert. Langsam wird er sich der Nöte seiner Mitchristen bewusst. Er beginnt die Welt aus einem anderen Blickwinkel zu sehen.</p>



<p><strong><em>3. Vorzüglichkeit</em></strong></p>



<p>Ein Drittes, was ein Mitarbeiter</p>



<p>besitzen sollte, ist der Sinn für Vorzüglichkeit. Er darf sich nicht mit dem Durchschnitt zufriedengeben. Seinen Dienst für andere soll er mit Fleiß und Kompetenz ausüben. Sein Zeugnis, sein Dienst, seine Mitarbeit sollen das Zeugnis Jesu widerspiegeln, denn <em>„Er hat alles wohlgemacht“</em> (Mk 7,37). Wie geschrieben steht:</p>



<p><em>„Der Gott des Friedens aber, der den großen Hirten der Schafe aus den Toten heraufgeführt hat durch das Blut eines ewigen Bundes, unseren Herrn Jesus, vollende euch in allem Guten, damit ihr seinen Willen tut, indem er in uns schafft, was vor ihm wohlgefällig ist, durch Jesus Christus, dem die Herrlichkeit sei von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen“</em> (Hebr. 13,20-21).</p>



<p>Wenn wir mit allem Guten ausgerüstet sein sollen, um Gottes Willen zu tun, muss dies durch Jesus Christus geschehen. Schließlich ist er der Einzige, der jemals alles wohlgemacht hat. Wenn also in unseren Schützlingen der Wunsch heranwachsen soll, ihr Bestes zu geben, müssen wir sie dazu bringen, sich ganz Jesus auszuliefern und ihn durch sich leben lassen.</p>



<p><strong><em>4. Charakterstärke</em></strong></p>



<p>Als Letztes möchten wir auf die Beziehung des Mitarbeiters zu Gott und seinen geistlichen Charakter eingehen. <em>„Denn das Reich Gottes besteht nicht im Wort, sondern in Kraft“</em> (1Kor 4,20). Dies ist moralische Kraft und Seelenqualität. Dies ist von lebenslanger Bedeutung. Wir werden in diesem Leben nie perfekt im Glauben, in der Reinheit, der Ehrlichkeit, Demut und anderen Tugenden sein. Wir wachsen und reifen lediglich auf diese Ziele zu.</p>



<p>Der Apostel Johannes sagte:</p>



<p><em>„Seht, welch eine Liebe uns der Vater gegeben hat, dass wir Kinder Gottes heißen sollen! Und wir sind es. Deswegen erkennt uns die Welt nicht, weil sie ihn nicht erkannt hat. Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes, und es ist noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden; wir wissen, dass wir, wenn es offenbar werden wird, ihm gleich sein werden, denn wir werden ihn sehen, wie er ist. Und jeder, der diese Hoffnung auf ihn hat, reinigt sich selbst, wie er rein ist“ </em>(1Joh 3,1-3).</p>



<p>Ein Arbeiter ist nun ein Jünger plus noch etwas. In der Schrift wird er als ein Feldarbeiter beschrieben, als Erntearbeiter. Er sät und erntet (Joh 4,37-38). Er pflanzt und bewässert (1Kor 3,7-9). Er legt den Grund und ein anderer baut darauf (1Kor 3,10). Er macht Menschen zu Jüngern (Mt 28,19-20). Ein Arbeiter ist damit beschäftigt, die Verlorenen zu gewinnen und die Gläubigen aufzuerbauen.</p>



<p>Das ist die Bedeutung von Evangelisation und Zurüstung. Arbeiter am Reich Gottes die helfen, den Missionsbefehl auszuführen. Jesus sagte, dass genau da eine Not herrscht. In erster Linie sollte unser Anliegen sein, dass aus unserem Dienst Arbeiter hervorgehen.</p>
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		<title>Geistliches Wachstum durch das Paulus­-Timotheus­-Prinzip</title>
		<link>https://kfg.org/2025/geistliches-wachstum-durch-das-paulus-timotheus-prinzip/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[LeRoy Eims]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 Sep 2025 21:51:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Leiterschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der geistliche Weg eines Christen beginnt mit der Bekehrung und führt über die Jüngerschaft hin zum Dienst für den Herrn. Dabei stellt sich die Frage, welche geistliche Nahrung und welche Art von Begleitung notwendig sind, damit reife und verlässliche Mitarbeiter in der Gemeinde Jesu Christi heranwachsen können.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>Mit freundlicher Genehmigung des Betanien-Verlags drucken wir hier einige Auszüge aus „Die verlorene Kunst des Jüngermachens“ von LeRoy Eims, 3. Auflage 2023, ab. Die Redaktion</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Grundsätzliches</h2>



<p>Jeder an Jesus Christus Gläubige sollte Gelegenheit haben, persönlich ernährt zu werden und sich zu ent-wickeln. Von jedem Neubekehrten wird erwartet, dass er sein volles Potential für Gott ausschöpft. Und bei den Meisten wäre das der Fall, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten; wenn ihnen nur jemand die erforderliche Nahrung geben, die nötige Hilfe leisten und die angemessene Unterweisung vermitteln würde, und wenn sie jemandem so wichtig wären, dass er etwas für sie leiden, etwas für sie opfern und viel für sie beten würde.</p>



<p>In diesem Artikel möchten wir den Wachstumsprozess im Leben eines Christen betrachten, von seiner Bekehrung zu Christus an, bis er ein <em>Jünger </em>und schließlich ein <em>Arbeiter </em>für den Herrn wird. Wir werden untersuchen, welcher Nahrung und Führung es bedarf, damit geistlich reife Arbeiter in der Gemeinde Jesu Christi heranwachsen können.</p>



<p>Die Konzepte und Prinzipien, die wir näher betrachten werden, entstammen keinem wildwüchsigen, unausgegorenen Gedankengang. Wahres Wachstum braucht Zeit und Tränen, Liebe und Geduld. Der Leiter braucht den Glauben, um die Menschen so zu sehen, wie Gott sie haben möchte. Und er braucht eine gewisse Erkenntnis, um ihnen zu helfen, an diesem Ziel anzukommen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Notwendigkeit der Multiplikation</h2>



<p>Schaut man den Dienst der Apostel nach Jesu Himmelfahrt und dem daran anschließenden Dienst jener Jünger, die jene ausgebildet hatten, an, können wir eine Menge sehen, was für unser eigenes Leben und unseren Dienst anwendbar ist.</p>



<p>Manche Gemeindeleiter haben mich gefragt: „Glaubst du wirklich, dass dieses Jüngerschaftstraining auch in der Gemeinde von heute funktioniert?“ Meine Antwort war immer dieselbe: Es funktionierte in der Gemeinde in Jerusalem; es funktionierte in der Gemeinde in Antiochien. Die ganze Methode hat ihren Ursprung in der neutestamentlichen Gemeinde. Es gibt keinen erdenklichen Grund, warum sie heute nicht angewandt werden könnte.</p>



<p>Der Missionsbefehl gilt immer noch. Die Botschaft des Evangeliums ist dieselbe. Unser Dienst geschieht durch denselben Heiligen Geist. Wir haben dasselbe Wort Gottes. Und wir haben die Verheißung, die Jesus im Zusammenhang mit dem Jüngermachen gab: <em>„Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt.“</em> (Mt 28,20). Wo also liegt heute das Problem? Warum sehen wir das so wenig praktiziert? Warum sind hingegebene, reife Jünger, die Frucht bringen, so rar? Der Hauptgrund liegt darin, dass wir zu oft auf Programme oder Materialien oder andere Dinge vertraut haben, die die Arbeit abnehmen sollen.</p>



<p>Der Dienst wird nicht durch Programme, sondern von Menschen getan. Er muss nicht durch etwas, sondern von jemandem ausgeübt werden. Jünger können nicht in Massenproduktion gemacht werden. Wir können Menschen nicht in ein Programm stecken und meinen, am Ende des Produktionsablaufes kämen Jünger dabei heraus. Jünger auszubilden kostet Zeit. Jeder braucht individuelle, persönliche Betreuung. Es kostet Stunden der Fürbitte. Es kostet Geduld und Einfühlungsvermögen, um ihnen beizubringen, wie sie selbstständig das Wort Gottes studieren, ihre Seele nähren und die Bibel in der Kraft des Heiligen Geistes auf ihr Leben anwenden können. Und man muss ihnen in all diesem ein Vorbild sein.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Gemeinde vor Ort</h2>



<p>In jeder Gemeinde sind die Interessen an der Sache des Herrn sehr verschieden. Manche Leute wollen einfach nur zuschauen und zuhören. Sie kommen aus ganz unterschiedlichen Gründen: Gewohnheit, Pflichtgefühl, Gruppenzwang, Geschäftsverbindungen, oder um soziale Kontakte zu pflegen. Manche sind Christen, die einfach nur mitschwimmen, und manche sind Nicht-Christen, die einfach nur da sind.</p>



<p>Zu den Zuschauern kommt noch eine Gruppe hinzu: Die Mitwirkenden. Diese Leute übernehmen freiwillig einen Dienst in der Gemeinde, und geben in den meisten Fällen ihr Bestes. Vielleicht begrüßen sie die Leute vor dem Gottesdienst für die Erwachsenen, helfen als Platzanweiser, dienen in Ausschüssen oder als Leiter in einer der vielen Kreise und Gruppen in der Gemeinde. Manche halten Kinderstunden oder Bibelunterricht oder setzen sich in einer Vielzahl von anderen Bereichen ein. Diese Mitwirkenden bilden das Rückgrat der Gemeinde. Ohne sie würde all das nicht funktionieren.</p>



<p>Jeder einzelne von uns hat spezielle Bedürfnisse, um die sich nur andere Menschen kümmern können. Kein System oder Programm wird automatisch diese Bedürfnisse stillen können. Als Individuen haben wir alle besondere Nöte, in denen nur andere Menschen helfen können. Hier besteht die Gefahr, nicht zu erkennen, dass manche noch nicht für ein Jüngerschaftstraining bereit sind oder das eigentlich gar nicht wollen. Manche Gemeindehirten haben neu den Wunsch entdeckt, Jünger zu machen und haben es dann eilig, diesen Dienst in die Gemeinde einzuführen. Doch dadurch vertreiben sie manche guten Leute, oder geben ihnen das Gefühl, Christen zweiter Klasse zu sein. Oft wird vorschnell gehandelt, weil man unerfahren ist und meint, jeder sollte jetzt plötzlich ein perfekter Jünger sein. Nicht alle können diese Erwartungen erfüllen und somit fühlen sich viele verletzt.</p>



<p>Damit die Gemeinde am wirkungsvollsten arbeiten kann, müssen Ungläubige ebenso wie lauwarme und hingegebene Gläubige dort abgeholt werden, wo sie stehen. Damit sich Leute zu Jüngerschaftsbeziehungen</p>



<p>ermutigen lassen, sind zuallererst drei Dinge wichtig: Sie müssen motiviert sein, Jünger zu werden, tägliche Gemeinschaft mit Jesus Christus zu pflegen und als Zeugnis für ihn zu leben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">1. Motivation zu Jüngerschaft und Engagement</h3>



<p>Der erste Schritt, um eine Gruppe von Jüngern zusammenzubekommen, die etwas lernen wollen, ist die Motivation. Sie müssen in zwei Richtungen motiviert werden – innerlich und äußerlich. Innerlich müssen sie motiviert werden, Gemeinschaft mit Jesus Christus zu haben, und äußerlich müssen sie zu Zeugen für Jesus Christus werden. Der gesamte Prozess sollte mit viel Gebet und Bedacht angegangen werden. So, wie man ein neues Bauprojekt in Angriff nimmt.</p>



<p>Bevor man in einer Gemeinde mit einem Jüngerschaftstraining beginnt, bedarf es der gleichen Art des Weitblicks und der Planung. Der Schlüssel dazu ist, langsam vorzugehen und nicht zu versuchen, mit zu vielen zu viel und zu schnell zu machen. Die Zuschauer sind immer noch da, und viele von ihnen möchten auch Zuschauer bleiben. Menschen zur Nachfolge Jesu zu ermutigen, ist ein Projekt, das Andere begeistert. Zu gegebener Zeit wirst du erkennen können, wer wirklich ein Jünger werden will. Die dazu bereit sind, werden dann selbst merken, wie wichtig es ist, Zeit im Wort Gottes zu verbringen – es zu lesen, zu studieren, auswendig zu lernen – und eine tägliche Gebetszeit einzurichten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">2. Gemeinschaft mit dem Herrn</h3>



<p>Wenn wir feststellen, dass Jüngerschaftstraining in unserer Gemeinschaft bei manchen ein Interesse an geistlichen Dingen geweckt hat,</p>



<p>können wir eine weitere Idee in den fruchtbaren Boden einpflanzen. Dieses Mal geht es darum, regelmäßige Gemeinschaft mit dem Herrn zu haben. Es ist unser Ziel, dass aus unserer Gruppe Menschen hervorgehen, die das Wort Gottes beständig, regelmäßig und ganz persönlich verinnerlichen, und ein wirksames Gebetsleben haben. Sie sind Menschen, die täglich neu in einer gesunden Gemeinschaft mit Jesus Christus leben, und durch deren Leben Christus für die Leute sichtbar wird.</p>



<p>Um dies zu erreichen, müssen wir sichergehen, dass die geistliche Ernährung nicht nur von der wöchentlichen Predigt abhängt, sondern, dass die Jünger auch im Stande sind, sich selbst täglich aus dem Wort Gottes zu ernähren. Das Problem ist nicht, dass keine geistliche Nahrung vorhanden ist. Das Problem liegt darin, dass viele Christen nicht wissen, wie sie sich diese Nahrung beschaffen können. Sie sind wie Babys in einer Speisekammer, umgeben von vielerlei Babygläschen – Fleisch, Obst, Gemüse&#8230; Doch sie würden geradewegs verhungern, wenn niemand da wäre, der ihnen die Gläser öffnet.</p>



<p>Nachdem er auferstanden war, befahl Jesus dem Petrus, die Lämmer und Schafe zu weiden. Zu dieser Aufgabe gehört es, die Schafe so zu führen, dass sie sich selbst ernähren können. Wenn ein Mensch zum Glauben an Jesus Christus kommt, braucht er jemanden, der ihm hilft zu lernen, wie er sich selbst ernähren kann. Und in Gemeinden gibt es Leute, die nie gelernt haben, wie man sich selbst aus dem Wort versorgt.</p>



<p>Unsere erste und wichtigste Verantwortung als Christen ist es, eine starke, tägliche, beständige Gemeinschaft mit dem Herrn Jesus zu pflegen, indem wir uns durch sein Wort ernähren. Und wir müssen anderen helfen, es ebenso zu tun.</p>



<h3 class="wp-block-heading">3. Das Zeugnis für den Herrn</h3>



<p>Anderen beizubringen, wie man für den Herrn Zeugnis gibt, ist eines der schönsten und erfüllendsten Aspekte einer Jüngerschaftsbeziehung. Doch wird niemand Zeugnis geben, wenn er nicht Zeit mit Jesus verbracht hat. Wir müssen den Jüngern zwei wichtige Prinzipien erklären: Erstens</p>



<p>ist das Zeugnis etwas, das Gott tut; und zweitens, gebraucht er dazu Menschen.</p>



<p><strong><em>Gott tut es.</em></strong></p>



<p>Das erste Prinzip beim Zeugnisgeben ist, dass es Gott ist, der es tut. Es ist keine Erfindung von Menschen und wird nicht durch menschliche Kraft bewirkt. Wenn in dieser Welt irgendetwas von geistlichem Wert getan wird, dann nur, weil Gott am Werk ist. Sowohl im Altern als auch im Neuen Testament stellen wir das überall fest. Von diesem Prinzip, muss jeder überzeugt sein, der ein fruchtbarer, hingegebener, lebenslanger Zeuge Jesu Christi sein will. Ein richtiges Verständnis dieses Prinzips vertreibt unsere Furcht und Nervosität beim Zeugnisgeben. Wir vertrauen ganz auf Gott. Er ist es, der durch uns wirkt.</p>



<p><strong><em>Gott gebraucht Menschen.</em></strong></p>



<p>Das zweite Prinzip beim Zeugnisgeben ist, dass Gott Menschen dazu gebraucht. Gläubige Männer und Frauen sind seine auserwählten Werkzeuge, um das Evangelium unter den Menschen zu verbreiten. Wie fruchtbar wir sind, hängt davon ab, wie eng wir in Gemeinschaft mit Christus leben. Darum muss diese Gemeinschaft an erster Stelle stehen. Zeugnisgeben ist nicht Überarbeitung, sondern Überfluss. Dabei wirkt Christus durch Menschen zu anderen Menschen. Paulus sagte:<em> „Denn ich werde nicht wagen, etwas von dem zu reden, was Christus nicht durch mich gewirkt hat zum Gehorsam der Nationen durch Wort und Werk“</em> (Röm 15,18). Es war Christus, der durch Paulus zu den Menschen sprach.</p>



<p>Es ist bemerkenswert, dass die letzten Worte, die Jesus auf dem Ölberg seinen Jüngern sagte, und die ersten Worte an den neuen Apostel auf der Straße nach Damaskus, vom Zeugnisgeben handelten. Das ist es, was sich Gott von seinen Erlösten wünscht. Gott hatte Paulus errettet, um ihn in seinem großen Plan, der Weltevangelisation, einzusetzen. Er war gerettet, um Zeuge zu sein.</p>



<p>Evangelisation ist das, was unser Jüngerschaftsprogramm am Leben erhalten wird. Ohne Evangelisation würden die Pläne Gottes nicht erfüllt. Wir Gläubige sind keine Eimer, die mit all den Reichtümern Christi gefüllt werden sollen, sondern Kanäle des Segens, um der Welt die Rettung zu bringen.</p>



<p>Zeugnisgeben muss mit viel Gebet, Sorgfalt und Planung einhergehen. Dann werden die von uns herangebildeten, reifen und hingegebenen Jünger aktive Zeugen sein. Es gibt unzählige Möglichkeiten, und die Not ist groß. Doch hingegebene Jünger, die in Gemeinschaft mit dem Herrn leben, können von solchen Möglichkeiten Gebrauch machen und helfen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Prozess des Jüngermachens</h2>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://kfg.org/wp-content/uploads/2025/09/grafik.png"><img decoding="async" width="416" height="137" src="https://kfg.org/wp-content/uploads/2025/09/grafik.png" alt="" class="wp-image-18451" srcset="https://kfg.org/wp-content/uploads/2025/09/grafik.png 416w, https://kfg.org/wp-content/uploads/2025/09/grafik-300x99.png 300w" sizes="(max-width: 416px) 100vw, 416px" /></a></figure>



<h3 class="wp-block-heading">1.Was ein Neubekehrter braucht</h3>



<p>Wir müssen wissen, was nötig ist, damit jemand ein Jünger Jesu wird, und wie man dieser Person dabei helfen kann.</p>



<p><strong><em>Heilsgewissheit</em></strong></p>



<p>Das Erste, was ein Neubekehrter haben muss, ist Heilsgewissheit. Er muss sich sicher sein, dass er wirklich wiedergeboren ist. Und wenn du es bist, der ihn helfend begleitet, solltest auch du dir in diesem Punkt sicher sein. Ich habe Menschen erlebt, die sich „entschieden“ hatten, doch als ich versuchte, ihnen zu helfen, in der Gnade und der Erkenntnis Jesu Christi zu wachsen, musste ich feststellen, dass sie noch immer tot in ihren Übertretungen und Sünden waren. Sie hatten kein geistliches Leben. Ich musste auf die harte Tour lernen, dass es unmöglich ist, einen Menschen zu einem Jünger zu machen, der geistlich tot ist.</p>



<p>Paulus sagte: <em>„Daher, wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden“</em> (2Kor 5,17). Um zu erkennen, ob ein Mensch wirklich neues Leben bekommen hat, muss bei ihm ein Sinneswandel gegenüber Jesus Christus und Sünde erkennbar sein. Dies bedeutet weder, dass er nun völlig die Lehre der Herrschaft Christi über sein Leben versteht,</p>



<p>noch, dass er alle seine alten Probleme gelöst hat. Doch seine grundlegenden Einstellungen haben sich verändert. Nun betrachtet er Jesus ehrerbietend (s. 1Jo 5,11-12) und hat eine ablehnende Haltung der Sünde gegenüber (1Jo 1,9). Mit anderen Worten: Er zeigt Anzeichen von neuem Leben.</p>



<p><strong><em>Angenommen sein</em></strong></p>



<p>Ein weiteres Bedürfnis eines Neubekehrten ist Angenommensein. Zwei Dinge müssen ihm klargemacht werden: Du bist geliebt und angenommen. Diese sind zwei Seiten ein und derselben Medaille.</p>



<p>In seiner Haltung gegenüber den Thessalonichern ist Paulus ein Beispiel dafür. <em>„So, in Liebe zu euch hingezogen, waren wir willig, euch nicht allein das Evangelium Gottes, sondern auch unser eigenes Leben mitzuteilen, weil ihr uns lieb geworden wart“</em> (1Thes 2,8). Kein Wunder, dass diese Thessalonicher in ihrem Glaubensleben und ihrem Zeugnis solche Fortschritte machten, „so dass ihr allen Gläubigen in Mazedonien und in Achaja zu Vorbildern geworden seid.“</p>



<h3 class="wp-block-heading">2. Die Grundbedürfnisse eines wachsenden Christen</h3>



<p>Außer Sicherheit und Annahme hat ein wachsender Christ vier weitere Grundbedürfnisse. Er braucht Schutz, Gemeinschaft, Nahrung und Unterweisung.</p>



<p><strong><em>Er braucht Schutz.</em></strong></p>



<p>Für seine Gläubigen und Schützlinge durchlebte Paulus fortwährende Geburtswehen, bis Christus in ihnen Gestalt annahm (s. Gal 4,19). Neugeborene brauchen Schutz. Auf der Säuglingsstation eines Krankenhauses sterilisieren die Krankenschwestern alle Utensilien; sie tragen einen Gesichtsschutz, um das neue Leben vor schädlichen Keimen zu schützen. Genauso ist es mit neugeborenen Christen. Sie müssen vor falschen Lehren und einer Vielzahl verschiedener feindlicher Angriffe geschützt werden.</p>



<p><strong><em>Er braucht Gemeinschaft.</em></strong></p>



<p>Er ist in eine Familie hinein geboren und braucht die Gemeinschaft mit seinen Brüdern und Schwestern in Christus. Als meine Frau und ich zum Glauben kamen, war eine Frau aus der Gemeinde sehr bemüht, uns mit gleichaltrigen Christen zusammenzubringen. Sie nahm sich Zeit und schlug Bibelstellen mit uns nach, um unsere vielen Fragen zu beantworten. Sie machte uns mit anderen Gemeindegliedern bekannt, die uns unter der Woche zu sich nach Hause einluden. Darunter war ein Landwirt, ein Bankier, ein Friseur. Sie nahmen uns mit in ihr Leben hinein und gaben uns das Gefühl, in der Gemeinde zuhause und willkommen zu sein.</p>



<p><strong><em>Er braucht Nahrung.</em></strong></p>



<p>Der Neubekehrte bekommt seine Nahrung auf zweierlei Weise. Die eine ist, ihn direkt im Wort zu unterweisen. Wenn meine Frau und ich unsere neuen gläubigen Freunde besuchten, kam das Gespräch stets auf geistliche Themen. Wir stellten Fragen, und sie zückten ihre Bibeln und zeigten uns die Antworten. Bald war ich überzeugt, dass die Antwort auf jede Frage in diesem Buch zu finden war. Wenn sie einmal auf eine unserer Fragen keine Antwort hatten, fragten sie die Gemeindeleiter, die ihnen halfen, die Antwort zu finden, von der sie uns dann berichteten. Auch bei der Erwachsenen-Sonntagschule und im Gottesdienst lernten sie die Schrift immer besser kennen.</p>



<p>Doch erst als ich Waldron Scott begegnete, lernte ich die zweite Weise kennen, wie man durch das Wort ernährt werden kann. Damals gaben mir meine Freunde Nahrung aus der Bibel, aber Scotty zeigte mir, wie ich mich selbst ernähren konnte. Er begann mit Virginia und mir ein grundlegendes Bibelstudium mit Fragen und Antworten. Die Antworten mussten wir uns selbst erarbeiten. Er brachte uns bei, wie wir die Schrift auswendig lernen und uns selbstständig aus der Bibel ernähren konnten.</p>



<p>Tue dein Bestes, damit er dem Stadium entwächst, wo er noch deine Hilfe braucht, um seine geistliche Ration zu bekommen. Zeige ihm, wie man sich selbst ernährt. Wenn wir ihm nicht diese lebensnotwendige Gewohnheit beibringen, wird er für den Rest seines Lebens von anderen abhängig sein. Gott möchte, dass er wächst und sich zu einem kräftigen Jünger Jesu entwickelt, der wiederum anderen helfen und ihm zeigen kann, wie auch sie solch einen Vorgang wiederholen können</p>



<p><strong><em>Er braucht Unterweisung.</em></strong></p>



<p>Auch hier ist Paulus uns ein Beispiel: <em>„wie ihr ja wisst, dass wir euch, und zwar jeden Einzelnen von euch, wie ein Vater seine Kinder ermahnt und getröstet und beschworen haben, des Gottes würdig zu wandeln, der euch zu seinem Reich und seiner Herrlichkeit beruft“</em> (1Thes 2,11-12).</p>



<p>Wenn wir einen Neubekehrten anleiten, sollten wir uns auf die „Wie-Fragen“ konzentrieren. Die Antworten auf die „Warum-Fragen“ folgen später. Zuerst muss der junge Gläubige das Wie erlernen. Paulus sagte den Thessalonichern: <em>„Übrigens nun, Brüder, bitten und ermahnen wir euch in dem Herrn Jesus, da ihr ja von uns Weisung empfangen habt, wie ihr wandeln und Gott gefallen sollt – wie ihr auch wandelt – dass ihr darin noch reichlicher zunehmt.“</em> (1Thes 4,1). Der wachsende Gläubige muss erlernen, wie man eine morgendliche Stille Zeit im Wort Gottes und Gebet verbringt, wie man das Wort Gottes auswendig lernt, wie man die Bibel studiert, wie man das Evangelium klar und einfach weitersagt. Diese Dinge brauchen Zeit. Doch es ist unsere Verantwortung, ihm das beizubringen.</p>



<p>All das setzt voraus, dass wir diese Dinge selbst leben. Als Waldron Scott mit mir anfing, die Schrift auswendig zu lernen, sagte er: <em>„Das ist etwas, das mir selbst sehr geholfen hat.“</em> Und gab mir einen kleinen Stapel mit Verskarten, die speziell für Jungbekehrte konzipiert waren. Ein Vorbild zu sein, ist eine der besten Weisen, einem anderen etwas beizubringen. Paulus schreibt: <em>„Was ihr auch gelernt und empfangen und gehört und an mir gesehen habt, das tut! Und der Gott des Friedens wird mit euch sein.“</em> (Phil 4,9).</p>



<h3 class="wp-block-heading">3. Die wichtigsten Eigenschaften des Wachstums</h3>



<p>Wer einem Neubekehrten beim Wachstum helfen will, muss ihm helfen, in seinem Leben zwei der wichtigsten Eigenschaften zu entwickeln: ein tiefes Verlangen nach Gemeinschaft mit Jesus Christus und die Beständigkeit.</p>



<p><strong><em>Gemeinschaft mit Jesus Christus</em></strong></p>



<p>Das Kennzeichen von Männern und Frauen Gottes war zu allen Zeiten eine tiefe Nähe zu und enge Gemeinschaft mit Jesus Christus. Wir müssen dem Neubekehrten helfen, dass diese Haltung ein fester Bestandteil seines Lebens wird. Deshalb bete, dass er Hunger auf Gottes Wort und Freude daran hat. Bete anhand von Bibelversen für ihn, dass diese Wahrheiten in seinem Leben sichtbar werden. Einige Beispiele:</p>



<p><strong>Montag:</strong> <em>„Wie liebe ich dein Gesetz! Es ist mein Nachdenken den ganzen Tag.“</em> (Ps 119,97). Bete: „Herr, möge er dein Gesetz liebgewinnen und täglich darüber nachsinnen.“</p>



<p><strong>Dienstag:</strong> <em>„Wunderbar sind deine Zeugnisse, darum bewahrt sie meine Seele.“</em> (Ps 119,129). Bete: „Herr möge er erkennen, wie wunderbar dein Wort ist und ihm vollkommen gehorchen.“</p>



<p><strong>Mittwoch:</strong> <em>„Ich habe meinen Mund weit aufgetan und gelechzt, denn ich sehne mich nach deinen Geboten.“</em> (Ps 119,131). Bete: „Möge er ein solches Verlangen nach deinem Wort bekommen.“</p>



<p><strong>Donnerstag:</strong> <em>„Wohlgeläutert ist dein Wort, dein Knecht hat es lieb.“</em> (Ps 119,140). Bete: „Herr, bitte gebe ihm eine große Liebe zu deinem Wort.“</p>



<p><strong>Freitag:</strong> <em>„Meine Augen sind den Nachtwachen zuvorgekommen, um nachzudenken über dein Wort.“</em> (Ps 119,148). Bete: „Möge er sich auf die Nacht freuen, weil er beim Einschlafen über dein Wort nachsinnen kann.“</p>



<p><strong>Samstag:</strong> <em>„Ich freue mich über dein Wort wie einer, der große Beute macht.“</em> (Ps 119,162). Bete: „Herr, hilf ihm, sich stets an deinem Wort zu freuen.“</p>



<p><strong><em>Beständigkeit</em></strong></p>



<p>Die zweite wichtige Eigenschaft, die sich im Leben eines Neubekehrten entwickeln sollte, ist die Beständigkeit oder Treue. Doch Beständigkeit kann nicht erzwungen werden. Ich habe es versucht und dabei versagt. So musste ich erkennen, das Treue und Beständigkeit Früchte sind, die der Heilige Geist von innen her wirkt und nicht durch menschliche Anstrengung von außen aufgesetzt werden kann. Wir können auf dreierlei Weise etwas dafür tun, dass diese Treue durch die Kraft des Heiligen Geistes bei einem Junggläubigen zum Vorschein kommt:</p>



<ol class="wp-block-list">
<li>Gib ihm kleine Aufgaben im Bibelstudium, die er an einem Stück erledigen kann, und von denen du weißt, dass sie ihm zum Segen sein werden. Hilfreich sind tägliche Bibellesehilfen oder Andachtsbücher, die einen kleinen Aufgabenteil (Fragenbeantwortung) beinhalten.</li>



<li>Mach mit ihm zusammen „Stille Zeit“. Schlag ihm vor, dass ihr euch frühmorgens vor der Arbeit bzw. Schule kurz zum Bibellesen und Beten trefft. Besuche ihn zu Hause, trinke eine Tasse Kaffee mit ihm, und verbring mit ihm zusammen etwas Zeit mit dem Herrn. Da diese Dinge viel leichter abgeschaut als beigebracht werden, wird er von dir lernen, wenn du es mit ihm zusammen tust.</li>



<li>Frag immer wieder nach und ermutige ihn regelmäßig. Das ist sehr wichtig; doch die Betonung liegt auf dem Wort ermutigen.</li>
</ol>



<p>Während meines ersten Jahres im Dienst der Universität fanden einige Männer zu Christus. Wann ich sie im Wohnheim traf, quetschte ich sie immer sofort aus, wie es ihnen im Bibelstudium, Auswendiglernen und ihrer Beziehung zu Gott ging. Bald nannten sie mich den alten „Herrn Oberaufseher“. Wenn es in ihrem Leben einmal nicht so vorbildlich lief, mieden sie mich einfach. Bald wurde mir klar: Es ist schwer, jemand in seinem Glaubensleben wachsen zu helfen, wenn er mich meidet. Darum musste ich mich ändern. Und so wurde ich einige Zeit später als „der Mutmacher“ bekannt. Je mehr ich andere ermutigte, desto mehr Veränderung fand statt.</p>



<p>Die Neubekehrten wuchsen und wir hatten wunderbare Gemeinschaft. In ihrem Weg mit dem Herrn wurden sie beständig.</p>
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		<title>Paulus und das missionarische Team</title>
		<link>https://kfg.org/2025/paulus-und-das-missionarische-team/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Peter Lüling]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Sep 2025 21:26:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Leiterschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Praktisches Christenleben]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kfg.org/?p=18448</guid>

					<description><![CDATA[<p>Paulus war kein Einzelgänger – nur selten finden wir ihn ohne Weggefährten. Im Laufe seines Dienstes arbeitete er mit über 40 verschiedenen Mitarbeitern zusammen. Es lohnt sich, seine Arbeitsweise und den Teamgedanken, der sein Wirken prägte, näher zu betrachten.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Paulus war kein Einzelkämpfer. Wir sehen ihn selten allein. Insgesamt bestand sein Team (seine Mannschaft) aus mehr als 40 Mitarbeitern. Wir wollen uns seine Arbeitsweise genauer anschauen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Junge Leute</h2>



<p>Junge Menschen zwischen 15 und 30 Jahren sind voller Tatendrang und Energie. Es ist ein besonderes Alter, voller Kraft und Unermüdlichkeit. Noch stehen so viele Zukunftsperspektiven offen. Pläne werden geschmiedet, die Karriere gestartet, geliebt und geheiratet, Familien gegründet und Häuser gebaut. Es ist die Zeit der größten Lernfähigkeit und Abschlüsse. Hier müssen viele Prüfungen bestanden und wichtigste Entscheidungen getroffen werden. Später werden nie wieder so viele Leistungstests gemacht wie in dieser Zeit.</p>



<p><em>„Der Schmuck der Jünglinge ist ihre Kraft, und graues Haar die Zierde des Alters“</em> (Spr 20,29).</p>



<p>Gott beruft häufig gerade Menschen in diesem Alter. Er berief den Stamm Levi und gab klare Anweisungen, in welcher Altersspanne dieser Stamm und insbesondere die Familie Aarons arbeiten sollten.</p>



<p>Leviten starteten ihren Dienst in der Stiftshütte und später im Tempel mit 25 Jahren (4Mo 8,24), Priester mit 30 Jahren (4Mo 4,3.23.30.35.39.43.47) und endeten jeweils mit 50 Jahren! Samuel, David, Daniel und Jeremia waren jung, als Gott sie für seinen Dienst berief.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Alte und Junge</h2>



<p>Zudem ist es in der Bibel interessant festzustellen, dass Gott häufig mit jungen Leuten arbeitet, die von älteren angeleitet werden. Schon Mose hatte seinen Schüler Josua lange um sich. Elisa hatte seine Prophetenschüler. Unser Herr gab neben seinem Verkündigungsdienst das vollkommene Vorbild der Anleitung von jungen Mitarbeitern. Allgemein wird davon ausgegangen, dass die zwölf Jünger zwischen 18 und 30 Jahren alt waren, als der Herr sie in die Nachfolge berief. Die meisten von ihnen waren unverheiratet und hoch flexibel. Paulus setzte genau das fort. Zunächst wurde er wenige Tage an die Hand genommen, dann ein Jahrzehnt in der Einsamkeit zugerüstet, bevor er im Team auf die erste Missionsreise ging. Auch Petrus hatte Mitarbeiter (1Petr 5,12). Was die meisten Vorbilder verbindet, ist die Tatsache, dass ein Älterer Jüngere anleitet und diese Personen noch häufig unterwegs waren. Ausnahmen wie Johannes der Täufer oder Elia bestätigen diese Regel; sie wurden für besondere Dienste vom Herrn verwendet.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Das Beispiel Paulus</h2>



<p>Paulus war selten alleine unterwegs, er hat vielmehr die meiste Zeit mit einem Team zusammengearbeitet. Es überrascht, dass Paulus mit insgesamt mehr als 40 (mit)reisenden Mitarbeitern zusammengewirkt hat. Doch nur 15 dieser Mitreisenden haben über einen bedeutenden Zeitraum mit ihm zusammengearbeitet. Zehn hielten bis zu seinem Tod einen nennenswerten Kontakt aufrecht. Diese zehn Mitarbeiter arbeiteten mit Paulus über einen Mindestzeitraum von 14 Jahren bis zu max. 25 Jahren zusammen. Diese Zeiträume lassen sich aus dem Bericht der Apostelgeschichte und Erwähnungen in den Briefen ableiten.</p>



<p>Tabelle 1 zeigt überdeutlich, dass Paulus ein Stratege war. Ständig umgab er sich mit jungen Leuten, die ihm halfen, von ihm lernten, ihn unterstützten und dabei die Art und Weise seines Dienstes verstanden und übernahmen.</p>



<figure class="wp-block-table"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td></td><td><strong>Stelle</strong></td><td><strong>Name</strong></td><td><strong>Tat</strong></td><td><strong>Besonderheiten</strong></td><td></td></tr><tr><td>1</td><td>Apg 9,10-19</td><td>Ananias</td><td>Erste Schritte</td><td></td><td></td></tr><tr><td>2</td><td>Apg 12,24-25; 13,2f</td><td>Barnabas</td><td>Erste Schritte<br>Erste Missionsreise</td><td>Apg 13,9<br>Apg 13,13</td><td>„Paulus“<br>Zuerst genannt</td></tr><tr><td>3</td><td>Apg 12,24-25; 13,1-; Kol 4,10;<br>Phlm 1,24</td><td>Johannes Markus</td><td>Diener und Schüler</td><td>Apg 13,13</td><td>Trennung!!<br>War auch mit Petrus unterwegs<br>1Petr 5,13</td></tr><tr><td>4</td><td>Apg 13,1</td><td>Simeon Niger</td><td>Gemeinsamer Dienst</td><td></td><td></td></tr><tr><td>5</td><td>Apg 13,1</td><td>Luzius</td><td>Gemeinsamer Dienst</td><td></td><td></td></tr><tr><td>6</td><td>Apg 13,1</td><td>Manaen</td><td>Gemeinsamer Dienst</td><td></td><td></td></tr><tr><td>7</td><td>Apg 15,40</td><td>Silas</td><td>Zweite Missionsreise</td><td>War auch mit Petrus unterwegs 1Petr 5,12</td><td></td></tr><tr><td>8</td><td>Apg 16,1</td><td>Timotheus</td><td>Diener und Schüler</td><td></td><td></td></tr><tr><td>A</td><td>Apg 16,14</td><td>Lydia</td><td>Helferin</td><td></td><td></td></tr><tr><td>9-10</td><td>Apg 18; Röm 16,3-5</td><td>Aquila, Priscilla</td><td>Mitarbeiter</td><td></td><td></td></tr><tr><td>11</td><td>Apg 18,24; Tit 3,13</td><td>Apollos</td><td>Mitarbeiter</td><td></td><td></td></tr><tr><td>12</td><td>Apg 19,22</td><td>Erastus</td><td>Diener</td><td></td><td></td></tr><tr><td>13</td><td>Apg 19,29; 20,4</td><td>Gajus</td><td>Reisegefährte</td><td></td><td></td></tr><tr><td>14</td><td>Apg 19,29; 20,4; Kol 4,10; Phlm 1,24</td><td>Aristarchus</td><td>Reisegefährte</td><td></td><td></td></tr><tr><td>15</td><td>Apg 20,4</td><td>Sopater</td><td>Begleiter</td><td></td><td></td></tr><tr><td>16</td><td>Apg 20,4</td><td>Sekundus</td><td>Begleiter</td><td></td><td></td></tr><tr><td>17</td><td>Apg 20,4; Eph 6,21; Kol 4,7; 2Tim 4,12; Tit 3,12</td><td>Tychikus</td><td>Begleiter, Mitknecht, treuer Diener, geliebter Bruder</td><td></td><td></td></tr><tr><td>18</td><td>Apg 20,4; 21,29; 2Tim 4,20</td><td>Trophimus</td><td>Begleiter</td><td></td><td></td></tr><tr><td>19</td><td>Apg 20,6; Kol 4,14; Phlm 24</td><td>Lukas</td><td>Begleiter Schreiber</td><td></td><td></td></tr><tr><td>B</td><td>Röm 16,1</td><td>Phöbe</td><td>Schwester und Beistand</td><td></td><td></td></tr><tr><td>20</td><td>Röm 16,7</td><td>Andronikus</td><td>Mitgefangener</td><td></td><td></td></tr><tr><td>21</td><td>Röm 16,7</td><td>Junias</td><td>Mitgefangener Junia</td><td></td><td></td></tr><tr><td>22</td><td>Röm 16,9</td><td>Urbanus</td><td>Mitarbeiter</td><td></td><td></td></tr><tr><td>23</td><td>1Kor 1,1</td><td>Sosthenes</td><td>Bruder</td><td></td><td></td></tr><tr><td>24</td><td>1Kor 16,17</td><td>Stephanas</td><td>Mitarbeiter</td><td></td><td></td></tr><tr><td>25</td><td>1Kor 16,17</td><td>Fortunatus</td><td>Mitarbeiter</td><td></td><td></td></tr><tr><td>26</td><td>1Kor 16,17</td><td>Achaikus</td><td>Mitarbeiter</td><td></td><td></td></tr><tr><td>27</td><td>2Kor 2,13; 7,7.13.14; 8,6.16.23</td><td>Titus</td><td>Mitarbeiter, Genosse</td><td></td><td></td></tr><tr><td>28</td><td>Phil 2,25</td><td>Epaphroditus</td><td>Mitarbeiter, Mitstreiter</td><td></td><td></td></tr><tr><td>C</td><td>Phil 3,2</td><td>Evodia</td><td>Mitkämpferin</td><td></td><td></td></tr><tr><td>D</td><td>Phil 3,2</td><td>Syntyche</td><td>Mitkämpferin</td><td></td><td></td></tr><tr><td>29</td><td>Phil 3,3</td><td>Clemens</td><td>Mitarbeiter</td><td></td><td></td></tr><tr><td>30</td><td>Kol 4,9</td><td>Onesimus</td><td>geliebtes Kind</td><td></td><td></td></tr><tr><td>31</td><td>Kol 4,11</td><td>Jesus Justus</td><td>Mitarbeiter</td><td></td><td></td></tr><tr><td>32</td><td>Kol 1,7; 4,12; Phlm 1,23</td><td>Epaphras</td><td>geliebter Mitknecht, treuer Diener, Knecht</td><td></td><td></td></tr><tr><td>33</td><td>Kol 4,14; 2Tim 4,10; Phlm 24</td><td>Demas</td><td>Mitarbeiter</td><td></td><td></td></tr><tr><td>34</td><td>2Tim 4,10</td><td>Kreszens</td><td>Mitarbeiter</td><td></td><td></td></tr><tr><td>35</td><td>2Tim 4,20</td><td>Erastus</td><td>Mitarbeiter</td><td></td><td></td></tr><tr><td>36</td><td>2Tim 4,21</td><td>Eubulus</td><td>Mitarbeiter</td><td></td><td></td></tr><tr><td>37</td><td>2Tim 4,21</td><td>Pudens</td><td>Mitarbeiter</td><td></td><td></td></tr><tr><td>38</td><td>2Tim 4,21</td><td>Linus</td><td>Mitarbeiter</td><td></td><td></td></tr><tr><td>E</td><td>2Tim 4,21</td><td>Klaudia</td><td>Mitarbeiterin</td><td></td><td></td></tr><tr><td>39</td><td>Tit 3,12</td><td>Artemas</td><td>Mitarbeiter</td><td></td><td></td></tr><tr><td>40</td><td>Tit 3,13</td><td>Zenas</td><td>Mitarbeiter</td><td></td><td></td></tr><tr><td>41</td><td>Phlm 1,2; Kol 4,17</td><td>Archippus</td><td>Mitkämpfer</td><td></td><td></td></tr></tbody></table><figcaption class="wp-element-caption">Tabelle 1 – Paulus&#8216; Mitarbeiter</figcaption></figure>



<p>Seine Prioritäten, seine Ängste und Nöte genauso wie alle Wunder, die er erlebte, konnten sie hautnah miter-leben. Darüber hinaus aber konnte Paulus dadurch seinen Wirkungskreis deutlich erweitern, oder anders gesagt: Bei ihm gab es immer Quantität mit Qualität. Beides litt nicht, obwohl er nicht überall zugleich sein konnte. Paulus lernte, dem Heiligen Geist in seinen Mitarbeitern zu vertrauen, und lehrte das auch seine Nachahmer. Auf diese Weise wurden die vom ihm gelebten Prinzipien multipliziert.</p>



<figure class="wp-block-table"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td><strong>Person</strong></td><td><strong>Jahre der Verbundenheit</strong></td><td><strong>Jahre am gleichen Ort</strong></td><td><strong>Dauerhafte physische Anwesenheit</strong></td></tr><tr><td>Titus</td><td>25</td><td>13</td><td>50&nbsp;%</td></tr><tr><td>Timotheus</td><td>19</td><td>9</td><td>50&nbsp;%</td></tr><tr><td>Lukas</td><td>18</td><td>6,5</td><td>30&nbsp;%</td></tr><tr><td>Aristarchus</td><td>11-17</td><td>6,5</td><td>30&nbsp;%</td></tr><tr><td>Aquila &amp; Priscilla</td><td>17</td><td>4</td><td>25&nbsp;%</td></tr><tr><td>Tychikus</td><td>14</td><td>4</td><td>25&nbsp;%</td></tr><tr><td>Trophimus</td><td>14</td><td>2</td><td>15&nbsp;%</td></tr><tr><td>Markus</td><td>20</td><td>2,5</td><td>10&nbsp;%</td></tr><tr><td>Erastus</td><td>16</td><td>2</td><td>10&nbsp;%</td></tr></tbody></table><figcaption class="wp-element-caption">Tabelle 2 – Langzeitteam <em>(Harold W. Hoehner, Chronology of the Apostolic Age (Th.D.). Dallas, TX: Dallas Theological Seminary)</em></figcaption></figure>



<p>Obenstehende Tabelle 2 verdeutlicht eine realistischere Sicht auf Paulus&#8216; Beziehungen innerhalb der Teams. Nicht alle Mitarbeiter hatten im Rahmen seines Dienstes die gleiche Nähe zu ihm. Die Dauer des gemeinsamen Dienstes für jeden Arbeiter ist eine Schätzung, keine exakte Größe. Ebenso ist die prozentuale Zeit der persönlichen Anwesenheit eine gerundete Nennung. Lukas und Aristarchus sind in dieser Liste der gemeinsamen Zeit mit Paulus ganz oben angesiedelt. Die meiste Zeit, die sie zusammen mit Paulus verbrachten, war während der Gefängnisaufenthalte und auf den Missionsreisen. Es ist tröstlich zu beobachten, dass Paulus dort auch nicht immer alleine war.</p>



<p>Selten hatte Paulus mehr als zwei dieser Männer zur gleichen Zeit bei sich. Die Tabelle 3 zeigt einen Überblick über die Zahl der Mitarbeiter, die Paulus zu einer bestimmten Phase seiner Missionsarbeit begleiteten. In den Fällen, wo Paulus nicht im Sinne einer Pionierarbeit tätig war oder wenn er sich für einen ungewöhnlich langen Zeitraum in einer Stadt niederließ, ist der Ort in Klammern angegeben.</p>



<figure class="wp-block-table"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td><strong>Anzahl der Personen mit Paulus</strong></td><td><strong>Zusammensein mit Paulus (Monate)</strong></td><td><strong>Namen</strong></td></tr><tr><td>2</td><td>3</td><td><span style="background-color:lightgreen;">Barnabas, Markus</span></td></tr><tr><td>1</td><td>14</td><td><span style="background-color:lightgreen;">Barnabas</span></td></tr><tr><td>1</td><td>7</td><td><span style="background-color:lightgreen;">Barnabas (Antiochien)</span></td></tr><tr><td>1</td><td>1</td><td><span style="background-color:lightgreen;">Silas</span></td></tr><tr><td>2</td><td>2</td><td><span style="background-color:lightgreen;">Silas, Timotheus</span></td></tr><tr><td>3</td><td>4</td><td><span style="background-color:lightgreen;">Silas, Timotheus, Lukas</span></td></tr><tr><td>2</td><td>5</td><td><span style="background-color:lightgreen;">Silas, Timotheus</span></td></tr><tr><td>2</td><td>1</td><td><span style="background-color:lightgreen;">Aquila, Priscilla</span></td></tr><tr><td>4</td><td>18</td><td>Silas, Timotheus, Priscilla, Aquila</td></tr><tr><td>2</td><td>6</td><td><span style="background-color:yellow;">Timotheus, Titus (?) (Antiochien)</span></td></tr><tr><td>13 (an- und abwesend)</td><td>3,5 Jahre</td><td><span style="background-color:yellow;">(Ephesus)</span></td></tr><tr><td>8-11</td><td>1</td><td><span style="background-color:yellow;">(Reise nach Jerusalem)</span></td></tr><tr><td>10 (an- und abwesend)</td><td>2 Jahre</td><td><span style="background-color:yellow;">(Gefangenschaft in Rom)</span></td></tr><tr><td>1</td><td>6</td><td><span style="background-color:yellow;">Timotheus (Ephesus)</span></td></tr><tr><td>1</td><td>12</td><td><span style="background-color:yellow;">Timotheus (Ephesus)</span></td></tr><tr><td>1</td><td>2 Jahre (?)</td><td><span style="background-color:yellow;">Titus (Spanien ?)</span></td></tr><tr><td>5 (an- und abwesend)</td><td>4</td><td><span style="background-color:yellow;">Timotheus, Tychikus, Artemas, Apollos, Zenas (Kleinasien, Griechenland)</span></td></tr><tr><td>3 (an- und abwesend)</td><td>12</td><td><span style="background-color:yellow;">Titus, Erastus (?), Trophimus (?) (Nikopolis)</span></td></tr><tr><td>8 (an- und abwesend)</td><td>6</td><td>(Gefangenschaft in Rom)</td></tr></tbody></table><figcaption class="wp-element-caption">Tabelle 3 – Größe des Teams (Ebd.)<br>(<span style="background-color:lightgreen;">Grün</span>: vorwiegend Pionierarbeit | <span style="background-color:yellow;">Gelb</span>: vorwiegend Gemeindearbeit)</figcaption></figure>



<p> </p>



<p>Im Durchschnitt waren nicht mehr als zwei Partner bei Paulus – oft hatte er auch nur einen Mitarbeiter um sich. Es fällt auf, dass die von Paulus am meisten favorisierten Mitarbeiter (Timotheus und Titus) selten mit ihm als Trio zusammen gewesen sind. Die Drei können nur einige wenige Male für insgesamt ein paar Monate gemeinsam ausgemacht werden. Demnach bestand keine Notwendigkeit, diese unterschiedlichen Persönlichkeiten für längere Dienstzeiten zusammenzuschmieden. Ganz selten war Paulus in einem größeren Mitarbeiterteam unterwegs.</p>



<p>Zu beobachten ist, dass im Durchschnitt die Pionierarbeit relativ wenig</p>



<p>Zeit beanspruchte Paulus aber der Arbeit in der Gemeinde relativ viel Zeit beimaß. Paulus verweilte auf seinen drei Missionsreisen nur kurz an einem Ort. Menschen bekehrten sich und wurden relativ schnell der Gemeinde hinzugefügt. Er reiste dann in der Regel weiter, manchmal freiwillig, andere Male gezwungenermaßen.</p>



<p>Ähnlich verhielt es sich mit der Größe des Teams. Bei der Pionierarbeit waren es relativ kleine Gruppen, in der Gemeindearbeit über einen längeren Zeitraum relativ große Gruppen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Führung</h2>



<p>Die Hierarchie innerhalb des Teams war klar. Paulus war als Apostel die Führungspersönlichkeit. Bei dem Herrn Jesus und seinen zwölf Jüngern war es ebenso. Das scheint im Neuen Testament ein durchgehender Gedanke zu sein. Die, die das Christentum maßgeblich geprägt haben, unser Herr (Fundament) und Paulus (Baumeister), haben gleichzeitig das Prinzip der Schulung vorgelebt. Pädagogik heißt „an die Hand nehmen“ – das haben uns diese großen Lehrer vorgemacht. Gab es wirkungsvollere „Weltveränderer“? Auch im Alten Testament wird deutlich, dass es Erste unter Gleichen gab. In der gesamten Schrift ist es Gottes durchgehender Gedanke, dass die Autorität von oben kommt. Daher ist es ratsam und richtig, sich an dieses Vorbild zu halten. Auch wenn der Teamgedanke in Betrieben und in unseren Schulen heute anders definiert wird.</p>



<p>Das missionarische Team des Paulus hatte neben der Gemeindearbeit wichtige Funktionen. Sicher, es war die Gründungs- und Pionierzeit der Gemeinde Jesu. Und der die göttliche Offenbarung über die Ordnung in den Gemeinden vermittelte, war gerade Paulus. Und doch beschreibt das Neue Testament Paulus und seine Mitarbeiter ausführlich. Sie waren im Team unterwegs und in den Gemeinden sehr wichtige (wenn auch nur vorübergehend) Unterstützer und Mitarbeiter.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Zusammenfassung</h2>



<p>Wenn wir alle Geschichten und Verse über das missionarische Team lesen, gewinnt man folgenden Eindruck:</p>



<ol class="wp-block-list">
<li>Paulus mit seinen mehr als 40 Mitarbeitern war sehr flexibel und äußerst effizient. Wenn es an einem Ort Schwierigkeiten gab oder Unterstützung notwendig war, konnte dem schnell nachgekommen werden, was sicherlich auch an der moralischen Autorität des Paulus lag, der an vielen Orten ja der Gemeindegründer war.Offensichtlich gab es eine sehr gute Kommunikation im Team. Paulus war in den vielen Ortsgemeinden immer auf dem Laufenden. Und sein Gebetsleben ist außergewöhnlich, was in jedem seiner Briefe an die Gemeinden deutlich wird.<br> </li>



<li>Paulus konnte „im Vorbeigehen“ junge Leute zum Dienst am Evangelium und in der Gemeinde anleiten. Der Eindruck wird erweckt, dass der Schwerpunkt für diese Anleitung mehr intern (im allgemeinen Gemeindeleben) als extern (in der Missionsarbeit und Evangelisation) lag. Das mag besonders daran gelegen haben, dass sich in vielen Gemeinden immer wieder ungute Entwicklungen einstellten. In Apostelgeschichte 16 nahm er den jungen Timotheus einfach mit. Dieser hatte ein gutes Zeugnis, aber er war jung und unerfahren. Sobald sie unterwegs waren, hatte Paulus „Orientierungsschwierigkeiten“. Diese Herausforderungen waren die ersten Eindrücke, die der Schüler mitnahm. Dabei lernte Timotheus den Menschen, Diener und Apostel hautnah kennen und wertschätzen. Und dabei konnte er auch seine Bewältigungsstrategien abschauen.<br> </li>



<li>Sie lernten bei der Zusammenarbeit seine Arbeitsweise, seine Liebe, seine Gesinnung kennen: „Du aber hast genau erkannt meine Lehre, mein Betragen, meinen Vorsatz, meinen Glauben, meine Langmut, meine Liebe, mein Ausharren, meine Verfolgungen, meine Leiden“ (2Tim 3,10-11). Im 1. Thessalonicherbrief beschreibt Paulus ausführlich seine Beweggründe bei der Missionsarbeit. Und diese lernten seine Mitarbeiter „im Vorbeigehen“ und konnten diese später nachahmen, wie zum Beispiel Timotheus in Philipper 2.<br> </li>



<li>Es war Jüngerschaft bei jeder Gelegenheit: im Schiff, beim Wandern, und nicht nur in der Schule des Tyrannus (die zwei Jahre dauerte). Es war kein Schulklima, sondern die Realität. Die „Hausaufgaben“ wurde unterwegs erledigt und Paulus konnte ihnen helfen (learnig by doing). Es waren keine rein „geistlichen“, sondern praktische Übungen. Und daher erscheint diese Art der Ausbildung so effektiv. Vielleicht nach folgendem Schema:
<ul class="wp-block-list">
<li>Ich arbeite! Du schaust zu!</li>



<li>Ich arbeite! Du hilfst mir!</li>



<li>Du arbeitest! Ich helfe dir!</li>



<li>Du arbeitest! Ich schaue zu!<br> </li>
</ul>
</li>



<li>Folgende Schritte wären dabei sicher gut zu beachten:
<ul class="wp-block-list">
<li>Sag ihm „warum“</li>



<li>Zeig ihm „wie“</li>



<li>Begleite ihn Schritt für Schritt durch den Vorgang</li>



<li>Erkläre ihm, was ihr getan habt</li>



<li>Beobachte seine Fortschritte<br> </li>
</ul>
</li>



<li>Durch diese Arbeitsweise konnte der Wirkungskreis deutlich vergrößert werden. Selbst dann, wenn Paulus im Gefängnis festgesetzt war, konnte das Team weiterarbeiten. In der Regel war er unterwegs, machte seine Missionsreisen, blieb nicht mehr als drei Jahre an einem Ort. Aber die Auferbauung der Heiligen ging durch seine Mitarbeiter weiter. Titus hat an vielen Orten geholfen, die Grundlagen der Apostel zu vertiefen und darauf aufzubauen.<br> </li>



<li>An ihm konnten sie besonders Demut lernen. Paulus vermeidet falsche Herrschaftsansprüche (vgl. 1Kor 1,12-13 und 3,4.22). Er war nur ein Mitarbeiter, der gepflanzt hatte. Andere hatten begossen und die Korinther hatten ihre Verantwortung. Er macht den Korinthern deutlich, und damit auch seinem ganzen Mitarbeiterstab, um was es eigentlich ging. „Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn.“ Aus unterschiedlichen Persönlichkeiten und Gaben werden oft unterschiedliche Theologien konstruiert, doch darauf ließ sich Paulus nicht ein! Er arbeitete aktiv gegen Spaltungen und niemals band er seine Leute an sich, sondern an das Haupt der Gemeinde.<br> </li>



<li>Paulus arbeitete viel mit Ledigen zusammen! Es waren junge Männer, die hingegeben, einsatzfreudig und lernwillig waren! Dieser Punkt erklärt besonders seine Effektivität. Sein Dienst wurde durch sie weitergeführt und sein Wirkungskreis vergrößert. Aquila und Priscilla sind eine Ausnahme dieser Regel. Sie waren aber genauso flexibel und mobil wie die Ledigen und werden sehr ausführlich im Neuen Testament beschrieben. Sicher sind die beiden ein gutes Beispiel für jedes Ehepaar, nicht zu bürgerlich zu werden. Petrus war ja auch verheiratet und dennoch drei Jahre mit seinem Meister unterwegs.</li>
</ol>



<h2 class="wp-block-heading">Und wir?</h2>



<p>Teamarbeit ist ein biblisches Prinzip. Es ist notwendig, dies auch in unserer Zeit umzusetzen. Paulus war kein Übermensch, was an den Gebetsaufrufen für ihn selbst deutlich wird (Röm 15,30; Kol 4,3; 1Thess 5,25; 2Thess 3,1).</p>



<p>Wir schaffen das alles auch nicht allein. Aber sollten diese Beobachtungen uns nicht dahin bringen, unsere Vorstellungen von (Gemeinde-)Leben zu überdenken? Deutschland ist Missionsland, und es gibt zu viele Gegenden ohne lebendige und biblisch funktionierende Gemeinden!</p>



<p>Wer zieht dort hin? Wer macht dort „Pionierarbeit“ mit einem Team? Gibt es ältere vorbildhaft Vorangehende, die jüngere Geschwister mitnehmen und sie anleiten?</p>



<p>Bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter aussende in seine Ernte!</p>



<p></p>
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]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Gefahren des Hirtendienstes</title>
		<link>https://kfg.org/2025/die-gefahren-des-hirtendienstes/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. Hernandes Dias Lopes]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Jun 2025 21:36:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Älteste]]></category>
		<category><![CDATA[Leiterschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kfg.org/?p=18412</guid>

					<description><![CDATA[<p>Der Leitungsdienst hat seine Komplexität und erfordert adäquate und emotional gesunde Mitarbeiter. Der Leiter hat mit Spannungen zu tun, und wenn er keine auf Gott zentrierte und ausgeglichene Person ist, wird er emotional zerrissen und kann Konflikte um sich herum erzeugen. Fehlende Berufung, Faulheit, Habgier oder gar eine noch nie wirklich erlebte Bekehrung sind echte Stolpersteine für aktuelle oder zukünftige Älteste.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>Der Artikel von Hernandes Dias Lopes ist aus dem wertvollen Buch „Der Anspruch des Hirtendienstes” (siehe Seite 10) entnommen. Wir danken dem CMV-Verlag, Bielefeld, herzlich für die Abdruckerlaubnis. Die Redaktion</em></p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p>Ich bin durch ganz Brasilien gereist und habe in Hunderten von Kirchen verschiedener Denominationen gepredigt. Ich habe mit Hunderten von Pastoren und Leitern der evangelikalen Kirchen Brasiliens gesprochen. Ich habe viele wunderbare Dinge gesehen: treue Pastoren, die das Wort Gottes mit großer Achtsamkeit predigten; Leben, die durch das erneuernde Wirken des Heiligen Geistes verändert wurden. Ich habe gesehen, wie Familien verändert und Gemeinden in der Wahrheit aufgebaut wurden. Ich habe aber auch andere Situationen erlebt, in denen die finstere, spannungsgeladene Stimmung auf das Wüten eines verheerenden Sturmes hindeutete. Die Pastorenschaft befindet sich in einer Krise der theologischen und moralischen Integrität. Diese Krise breitet sich rasant wie eine Explosion über die gesamte Christenheit aus. Die Konsequenzen dieser Detonation lassen sogar die Strukturen der Gesellschaft erbeben.</p>



<p>Ich reise recht häufig nach Kanada und in die Vereinigten Staaten. Wenn ich mich bei der Einreise den Behörden als Pastor vorstelle, werde ich manchmal sofort abgefangen und in einen speziellen Raum verwiesen, wo ich meine Beweggründe für die Einreise genauer erklären muss. Noch vor einigen Jahren wirkte die einfache Tatsache, dass sich jemand als Pastor vorstellte, gleich einem Türöffner. Heute dagegen schließen sich die Türen. Ich weiß von Pastoren, denen der Kauf eines Fahrzeugs auf Kredit verwehrt wurde, sobald der Händler erfuhr, dass der Käufer ein Pastor war. Die Pastoren sind in Verruf gekommen.</p>



<p>Noch vor einigen Jahren war die Heirat eines Pastors für eine junge Frau so etwas wie ein Fahrschein für eine glückliche Ehe. Eine Frau, die heutzutage eine Ehe mit einem Pastor eingeht, unterschreibt einen Risikovertrag. Es gibt viele Pastoren, die auf der Kanzel glänzen, aber zu Hause einen schlechten Ehemann abgeben. Sie sind freundlich zu den Schafen in der Gemeinde, aber aggressiv der Ehefrau gegenüber. Es gibt viele Pastoren, die in einer Ehekrise stecken. Es gibt viele Pastorenkinder, die rebellieren und von der Kirche enttäuscht sind.</p>



<p>Ich bin überzeugt, dass die moralische Krise der Menschheit auch auf die Gemeinden überschwappt und sich in der moralischen Krise, die im Pastorendienst präsent ist, widerspiegelt. Eine Umfrage, die kürzlich in Brasilien durchgeführt wurde, wies Politiker, Polizisten und Pastoren als die drei Klassen aus, die in Brasilien den schlechtesten Ruf haben.<sup data-fn="31b7f70b-67a6-482f-acc2-348f1f08bda1" class="fn"><a id="31b7f70b-67a6-482f-acc2-348f1f08bda1-link" href="#31b7f70b-67a6-482f-acc2-348f1f08bda1">1</a></sup> Wir erleben eine Umkehrung der Werte. Wir leben in einer Krise der Integrität. Denjenigen, die die Hüter der Ethik sein sollten, wird sie zum Fallstrick. Diejenigen, die das Musterbeispiel für ein makelloses Leben sein sollten, sind in beschämende Skandale verwickelt.</p>



<p>Meine Wahrnehmung ist, dass Pastoren ernsthaften Gefahren ausgesetzt sind, von denen ich im Folgenden einige erwähne:</p>



<h2 class="wp-block-heading">Fehlende Bekehrung</h2>



<p>Es ist schmerzlich, dass einige von denen, die aufstehen, um anderen das Evangelium zu predigen, selbst noch nicht vom Evangelium erreicht worden sind. Es gibt Menschen, die Buße predigen, ohne sie jemals erlebt zu haben. Es gibt Menschen, die die Gnade verkünden, ohne jemals durch sie verwandelt worden zu sein. Einige führen die Verlorenen zur Erlösung und sind dabei selbst verloren (vgl. Matthäus 7,21-23).</p>



<p>Judas Iskariot war ein Jünger Jesu. Er war der Einzige in der Gruppe, der eine spezielle Vertrauensstellung erhielt: Er wurde dazu berufen, sich um die Finanzen zu kümmern. Er genoss das volle Vertrauen der anderen Jünger. Nie zogen sie seine Vertrauenswürdigkeit in Zweifel. Selbst beim Abendmahl, als Jesus ihn als Verräter entlarvte, verstanden die anderen Jünger nicht, worum es ging. Judas war der Anführer der Jünger bei der Auflehnung gegen Marias Tat, als sie eine Alabaster-Flasche mit teurem Parfüm zerbrach, um Jesus zu salben. Er war ein falscher Wohltäter. Er war ein Dieb. Sein Herz war nicht aufrichtig vor Gott. Seine Absichten standen im Widerspruch zu den göttlichen Zielen. Mit Sicherheit predigte er den anderen, nicht aber sich selber. Er war im Auftrag des Herrn Jesus unterwegs, um andere zur Erlösung durch die Buße zu führen, aber er selbst wurde nicht von ihr erreicht. Er lebte eine Lüge. Sein Leben war eine Täuschung. Sein Tod war eine Tragödie. Sein Ende war die Verdammnis.</p>



<p>Schon im 17. Jahrhundert wies Richard Baxter, ein führender Puritaner in England, in seinem berühmten Buch <em>The Approved Pastor</em> auf die Existenz von Pastoren hin, die selbst noch keine Wiedergeburt erlebt haben. Jesus sagte dem Lehrer der jüdischen Religion, einem führenden Juden namens Nikodemus, dass er das Reich Gottes nicht sehen könne, wenn er nicht von neuem geboren werde, und dass er nicht in das Reich Gottes eingehen könne, wenn er nicht aus Wasser und Geist geboren werde (vgl. Johannes 3,3-5). Vor einigen Jahren, nachdem ich auf einer evangelistischen Konferenz gepredigt hatte, kam ein Pastor auf mich zu, sein Gesicht war voller Tränen. Er umarmte mich und sagte: „Ich bin schon seit vielen Jahren Pastor. Ich habe Tausenden von Menschen das Evangelium gepredigt. Ich habe viele Menschen zu Christus geführt, aber erst heute erlebe ich die gesegnete Erfahrung der Wiedergeburt. Ich war noch kein bekehrter und geretteter Mensch.“</p>



<h2 class="wp-block-heading">Fehlende Berufung</h2>



<p>John Mackay, Präsident des <em>Princeton Seminary</em> in New Jersey, in den Vereinigten Staaten, beschäftigt sich in seinem Buch <em>The Meaning of Life</em> mit dieser für die Gesellschaft so wichtigen und grundlegenden Frage: der Berufung. Wir dürfen dieses Thema nicht unterschätzen. Es sollte zu Hause, in der Kirche, in der Wissenschaft und in den höchsten menschlichen Institutionen diskutiert werden. Der Sinn für Berufung ist einer der übergeordneten Sinne des Menschen. Es ist der Sinn, der ihn dazu bringt, die größten Arbeiten mit Selbstlosigkeit und Hingabe auszuführen. In den dunklen Momenten spendet er ihm Licht, in den schwierigen Angelegenheiten flößt er ihm neue Kraft ein. In meinem Buch <em>Mensagens selecionadas</em> (Ausgewählte Botschaften) erwähne ich drei wichtige Wahrheiten über die Berufung.</p>



<p><em>In erster Linie ist die Berufung die Richtschnur für unsere Entscheidungen.</em> Wir leben in einer Gesellschaft, die vom Profit berauscht ist. Menschen werden nach dem bewertet, was sie haben, nicht nach der Würde ihres Charakters. Geld und Profit sind zu den Treibern bei der beruflichen Entscheidung geworden. Auf dem globalen und konsumorientierten Markt ist der Profit der Sauerstoff, der die Lungen der Gesellschaft bewässert. Reichtum befriedigt nicht, aber das Gefühl der erfüllten Pflicht, bewegt durch den Hebel der Berufung, bringt unsagbare Freude.</p>



<p><em>Zweitens ist Berufung das Bewusstsein, am richtigen Ort zu sein und das Richtige zu tun.</em> Das Problem der Berufung ist vielleicht das ernsthafteste und dringendste soziale Problem, das die Grundlage für alle anderen bildet. Das soziale Problem ist nicht nur eine Frage der Aufteilung von Reichtümern, der Produkte der Arbeit, sondern ein Problem der Berufung, der Art und Weise, wie produziert wird. Was für eine Tragödie, wenn eine große Anzahl von Männern in einem Land nach Positionen statt nach Berufungen sucht!</p>



<p><em>Drittens kann Berufung sowohl eine Neigung als auch ein Ruf sein.</em> Im Allgemeinen findet man eine Berufung durch einen dieser beiden Wege: die Entdeckung einer besonderen Fähigkeit oder die Vision einer dringenden Notwendigkeit. Eine Berufung zum Dienst ist ein spezieller Ruf von Gott, verbunden mit einem dringenden Bedürfnis und einer besonderen Fähigkeit.</p>



<p>Es gibt viele Pastoren, die nie von Gott zum Dienst berufen worden sind. Sie sind Freiwillige, aber sie haben keine Berufung. Sie sind durch äußere Einflüsse durch die Tore des Dienstes gegangen und nicht durch einen inneren, wirksamen Ruf des Heiligen Geistes. Sie wurden durch die Verlockung eines höheren Status motiviert oder durch den Glanz eines Leiter-Amtes bewegt, jedoch nie von Gott für diese Pflicht ausgesondert.</p>



<p>Es gibt diejenigen, die mit der falschen Motivation in den Dienst treten. Sie strecken sich nach dem Dienst aus wegen des Profits, andere wegen des Ruhms, wieder andere wegen der Unterkunft. Es gibt einige, die versuchen, ein Medizinstudium, ein Jurastudium oder ein Ingenieurstudium zu absolvieren, und weil sie keinen Erfolg haben, schließen sie daraus, dass Gott sie zum Dienst beruft. Ich vertrete die Position von John Jowett, wenn er in seinem Buch <em>The Preacher, His Life and His Work</em> (Der Prediger, sein Leben und sein Werk) sagt, dass die Überzeugung des Rufes und die Gewissheit der Berufung nicht eintreten, wenn wir alle Türen geschlossen sehen und dann die offene Tür des Dienstes betrachten. Berufung ist, alle anderen Türen geöffnet zu sehen, aber nur auf die Tür des Dienstes zu schauen. Berufung ist wie eine unsichtbare Kette. Sie können nicht dauerhaft vor dieser Berufung fliehen. Der Prophet Jeremia versuchte, seinen Dienst aufzugeben, aber es brannte in seinen Knochen wie Feuer.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Faulheit</h2>



<p>Es ist bedauerlich, dass es Menschen gibt, die die erhabenste aller Berufungen ergreifen und in ihrer Ausübung nachlässig sind. Es ist bedauerlich, dass es Pastoren gibt, die bei der Ausübung der wichtigsten und dringendsten Aufgaben schlaffe Hände haben. Es ist unverständlich, dass einige, die ein Werk ausüben, das die Engel gerne tun würden, widerspenstig und träge in der Arbeit sind.</p>



<p>Das Amt ist eine ausgezeichnete Arbeit, aber es ist auch eine mühsame Arbeit (vgl. 1. Timotheus 3,1). Der Apostel Paulus sagt in 1. Timotheus 5,17: <em>„Die Ältesten, die gut vorstehen, sollen doppelter Ehre wertgeachtet werden, besonders die, welche im Wort und in der Lehre arbeiten.“</em> Es ist wichtig zu beachten, dass die Ausübung des Amtes ein gründliches Studium des Wortes beinhaltet. Die Faulen werden niemals in die Tiefen der Wahrheit vordringen. Sie werden sich keine Mühe geben, nahrhafte Nahrung für die Menschen zu finden. Sie werden sich niemals um den Schutz der Schafe Christi bemühen (vgl. Apostelgeschichte 20,29-30).</p>



<p>Paulus sagt in 1. Timotheus 3,1 (EÜ): <em>„Das Wort ist gewiss: Wenn jemand nach einem Aufseherdienst trachtet, so begehrt er ein schönes Werk.“</em> Das Hirtenamt ist ein Werk, und zwar ein ausgezeichnetes Werk. Es ist keine Arbeit für faule Menschen, sondern eine Arbeit, die jede Anstrengung, jeden Eifer und jede Sorgfalt erfordert.</p>



<p>Es gibt Pastoren, die viel schlafen, wenig arbeiten und alle Belohnungen haben wollen. Sie wollen Vergütung ohne jegliche Anstrengung. Sie wollen immer die Lorbeeren, aber niemals den Schweiß. Sie wollen die Vorteile, aber niemals das Opfer. Es ist traurig zu erkennen, dass viele Pastoren nicht alles geben, was sie geben könnten. Sie sind achtlose Arbeiter, Hirten ihrer selbst, die sich selbst weiden, anstatt die Herde. Sie sind auf Erleichterungen und persönliche Vorteile aus, ohne jemals ihr Leben in das Leben der Schafe zu investieren (vgl. Hesekiel 34,1-6).</p>



<h2 class="wp-block-heading">Habgier</h2>



<p>Es gibt Hirten, die sich mehr für das Geld ihrer Schafe interessieren als für deren Errettung. Es gibt Pastoren, die mit dem Amt Handel treiben, das Wort zur Ware machen und die Gemeinde in ein profitables Geschäft verwandeln (vgl. 2. Korinther 2,17). Es gibt Pastoren, die Gemeinden wie ein privates Unternehmen organisieren, in dem Vetternwirtschaft herrscht. Sie verwandeln die Kanzel in ein Schaufenster, das Evangelium in ein Produkt, den Tempel in einen Marktplatz und die Gläubigen in Konsumenten. Sie sind betrügerische Arbeiter, gierig, geizig und hinterlistig. Sie sind Liebhaber des Geldes und lassen sich von der Verlockung des Reichtums berauschen.</p>



<p>Es gibt Pastoren, die die Botschaft aus Profitgründen verändern. Sie predigen Wohlstand und täuschen die Menschen mit einseitigen Botschaften, um daraus eigene Vorteile zu ziehen.</p>



<p>Heute sind wir Zeugen des Phänomens der Kommerzialisierung des Glaubens. Pastoren und immer mehr Pastoren lösen sich von der kirchlichen Struktur und brechen mit ihren Denominationen, um eigene Dienststrukturen zu gründen, bei denen der Leiter zum Herrn der Gemeinde wird. Die Kirche wird zum Privateigentum des Pastors. Die Leiterschaft der Gemeinde wird zu einer dynastischen Regierung, in der die Frau ordiniert wird und die Kinder unmittelbare Nachfolger sind. Wir bezweifeln nicht, dass Gott einige zu einem bestimmten Dienst beruft, bei dem die ganze Familie beteiligt und engagiert ist, aber die skrupellose Vermehrung dieses Modells ist sehr beunruhigend.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Emotionale Instabilität</h2>



<p>Es gibt emotional kranke Pastoren in der Ausübung des Dienstes. Sie bräuchten seelsorgerliche Hilfe, aber sie sorgen sich um andere. Sie sollten betreut werden, aber sie betreuen andere. Sie sollten psychisch behandelt werden, aber sie behandeln andere.</p>



<p>Die Gemeinden müssen sorgfältiger prüfen, wen sie in theologische Seminare schicken. Ein Seelsorger ohne emotionales Gleichgewicht kann sich selbst, seiner Familie und der Gemeinde großen Schaden zufügen.</p>



<p>Der Dienst hat seine Komplexität und erfordert adäquate und emotional gesunde Mitarbeiter. Der Pastor hat mit Spannungen zu tun, und wenn er keine ausgeglichene Person ist, wird er emotional zerrissen und kann Konflikte um sich herum erzeugen. Viele Probleme in den Gemeinden sind durch die Unfähigkeit ihrer Pastoren entstanden. Die falsche Handhabung einer scheinbar einfachen Situation kann Probleme lostreten, die nur schwer zu lösen sind.</p>



<p>Der Pastor ist ein Mensch, der Selbstbeherrschung braucht. Es gibt Zeiten, in denen eine unbedachte Reaktion alles in Gefahr bringen kann. Voreiliges Reden kann zu Streit und großen Konflikten führen. Die falsche Art zu sprechen kann wahre Kriege innerhalb der Gemeinde auslösen. Unbesonnene Handlungen können unheilbare Wunden in zwischenmenschliche Beziehungen reißen.</p>



<p>Es gibt keinen rutschigeren Boden für einen emotional empfindlichen Diener als das Pastorenbüro. Viele Pastoren haben in den unruhigen Gewässern dieses unbeobachteten Ortes Schiffbruch erlitten.</p>



<p>Über 50% der Menschen, die das Sprechzimmer eines Pastors betreten, sind weiblich und über 50% der behandelten Themen beziehen sich auf das Gefühls- und Sexualleben. Ein emotional anfälliger Pastor kann sich nur allzu leicht emotional auf einen Ratsuchenden einlassen oder sich von ihm einspannen lassen. Es gibt eine Menge Pastoren, die im Sprechzimmer gescheitert sind. Sie sind wie Simson: Wahre Riesen in bestimmten Bereichen des Lebens, aber emotionale Schwächlinge, die der Verführung nicht standhalten können und die Vision, den Dienst, die Familie und das Leben verlieren.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Angst zu versagen</h2>



<p>Angst ist mehr als ein Gefühl, sie ist ein Geist. Paulus schreibt an Timotheus und sagt, dass Gott uns nicht einen Geist der Furcht gegeben hat, sondern der Kraft, der Liebe und der Selbstbeherrschung (2. Timotheus 1,7). Angst lähmt uns. Angst verändert unser Verständnis der Dinge. Die Jünger Jesu, von Angst überwältigt, sahen Jesus auf den Wellen gehen und schrien entsetzt (Matthäus 14,26): <em>„Es ist ein Geist!”</em> Die Angst trübte ihre Sicht und lähmte ihre Seelen. Jesus erzählte das Gleichnis von den Talenten und sagte, dass der Mann, dem nur ein Talent gegeben wurde, es aus Versagensangst vergrub und von seinem Herrn ausgestoßen wurde (vgl. Matthäus 25,24-27). Es gibt viele Pastoren, die Angst vor dem Versagen auf der Kanzel, in der Seelsorge und in der Verwaltung haben. Es gibt Pastoren, die Angst haben, zu ihren Entscheidungen zu stehen und Angst vor der Meinung der Gemeinde. Es gibt Pastoren, die sich wie Schildkröten verhalten, indem sie sich unter einem dicken Panzer verstecken und denken, diese falsche Rüstung werde sie vor Enttäuschungen schützen.</p>



<p>Craig Groeschel schreibt über diese Angst vor dem Versagen, indem er ein interessantes Experiment erzählt, das von einigen Wissenschaftlern durchgeführt wurde. Hier ist das Experiment:</p>



<p>In der Mitte eines Raumes hängten einige Wissenschaftler ein Bündel frischer Bananen an einen Pfahl. Dann ließen sie vier Affen in den Raum. Sofort bewegten sich die hungrigen Affen in die Richtung der reifen Bananen. Als die Affen versuchten, auf den Pfahl zu klettern, schüttete einer der Wissenschaftler eiskaltes Wasser über sie.</p>



<p>Die Affen zogen sich zurück, versammelten sich und unternahmen einen zweiten Versuch. Sobald sie begannen, den Pfahl zu erklimmen, bekamen sie erneut ein Eisbad. Nach mehreren erfolglosen Versuchen kamen die Affen zu der Überzeugung, dass ein Scheitern unvermeidlich wäre und gaben den Versuch schließlich auf.</p>



<p>Am nächsten Tag nahmen die Forscher einen der vier Affen aus dem Raum und ersetzten ihn durch einen anderen, der am Vortag nicht an dem Experiment teilgenommen hatte. Was tat der Neuankömmling? Furchtlos ging er auf die Bananen zu. Aber noch bevor er den Pfahl erreichen konnte, wurde er von den drei anderen zurückgezogen. Unerschrocken versuchte er es noch einmal, und wieder wurde er von seinen Genossen aufgehalten. Am Ende gab er auf und erlag der fatalen Haltung der anderen.</p>



<p>Jeden Tag ersetzten die Wissenschaftler einen der ursprünglichen Affen. Am fünften Tag hatte von den vier Affen im Raum noch keiner eine kalte Dusche erlebt. Sogar jetzt noch hinderten die anderen Affen jeden neuen Affen, der den Raum betrat, daran, auf den Pfahl zu klettern und die Bananen zu holen, <em>ohne überhaupt zu wissen, warum sie das taten.</em> Das Scheitern der ersten vier bedingte bei allen Neuankömmlingen die Vermeidung jedes weiteren Versuchs.<sup data-fn="720430d4-bf5b-4b29-87c2-2e5e3c9f15c0" class="fn"><a id="720430d4-bf5b-4b29-87c2-2e5e3c9f15c0-link" href="#720430d4-bf5b-4b29-87c2-2e5e3c9f15c0">2</a></sup></p>



<p>Diese Erfahrung ist nicht nur bei Affen üblich, sondern auch bei Menschen. Wir wollen eigenes Versagen verhindern, indem wir auf das Versagen anderer sehen, und verharren in der Angst, neue Versuche zu unternehmen. Angst kann uns die wunderbaren Dinge entziehen, die in unserer Reichweite liegen. Lassen Sie sich durch die Angst vor dem Versagen nicht in einen Laboraffen verwandeln.<sup data-fn="fb236ed0-96c9-4412-afa1-7bd2bf98f877" class="fn"><a id="fb236ed0-96c9-4412-afa1-7bd2bf98f877-link" href="#fb236ed0-96c9-4412-afa1-7bd2bf98f877">3</a></sup> Versagen ist ein Umstand, niemals eine persönliche Eigenschaft. Thomas Alva Edison hatte etwa 2.000 Experimente gemacht, bevor er die Glühbirne erfand. Jemand fragte ihn einmal, ob er nach so vielen Experimenten nicht frustriert sei. Er antwortete: „Nein! Ich habe die elektrische Glühbirne erfunden, und das war ein Sieg, für den 2.000 Schritte nötig waren.” Scheitern ist nur dann ein Scheitern, wenn man nicht daraus lernt. Scheitern muss unser Lehrmeister sein, nicht unser Totengräber. Misserfolge dauern nicht ewig an. Mit Gott an Ihrer Seite bekommen Sie den Mut, große Dinge zu träumen und dafür auch Risiken einzugehen!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Theologische Verirrung</h2>



<p>In vielen Ländern Lateinamerikas erleben die evangelikalen Gemeinden ein seltsames Phänomen. Sie wachsen explosionsartig, aber gleichzeitig verlieren sie auf beschämende Weise ihre evangelikale Identität. Was in Wahrheit wächst, ist nicht das Evangelium, sondern ein anderes Evangelium, ein hybrides, künstliches und mystisches Evangelium. Wir sehen in diesen Ländern eine Kirche florieren, die sich evangelisch nennt, aber kein Evangelium hat. Sie predigt Wohlstand, nicht Erlösung. Sie spricht von Schätzen auf der Erde und nicht von Schätzen im Himmel.</p>



<p>Es gibt eine Vielzahl an Lehren, die wie Winde umher wehen. Die Neuigkeiten schießen wie Pilze aus dem fruchtbaren Boden des lateinamerikanischen Mystizismus. Die Bibel wird wie eine magische Kraft benutzt, um Irrlehren gelähmter Pastoren zu stützen, die um jeden Preis den eigenen Gewinn und das eigene Vorankommen suchen. In diesem Wirrwarr von Neuigkeiten auf dem Markt des Glaubens lassen sich einige Typen von Pastoren unterscheiden.</p>



<p>E<em>rstens gibt es die Mentoren der Neuigkeiten.</em> Diese Pastoren sind wahre Spezialisten in der Kommunikation und Vermarktung. Sie kreieren immer wieder irgendeine Neuigkeit, um die Gemeinde anzulocken. Das Problem bei dieser leidenschaftlichen Suche nach Neuem ist, dass das Wort Gottes den Menschen vorenthalten wird. Anstatt die Menschen mit dem Weizen der Wahrheit zu sättigen, werden sie mit der Spreu der Neuheiten gefüttert (vgl. Jeremia 23,28-32). Wenn ein Pastor diesen Weg einschlägt, muss er sehr kreativ sein, denn eine Neuheit ist für eine Weile attraktiv, verliert aber sogleich ihre Wirkung. Dann ist es notwendig, eine weitere Neuheit zu erfinden. Es ist wie Kaugummi. Am Anfang ist er süß, nach einer gewissen Zeit jedoch kaut man auf einem Stück Schuhsohle herum.</p>



<p>Zweitens gibt es diejenigen, die <em>Marionetten </em>sind. Es gibt viele Pastoren, die das Wort Gottes nicht kennen und keine dienstliche Vision haben. Sie folgen den unscharfen Anweisungen ihrer Vorgesetzten. Sie sind Hirten ohne Herde, die im privaten Dienst betrügerischer Arbeiter stehen. Diese Pastoren sind nur Überbringer einer Botschaft, die sie nicht im Wort gefunden haben, die sie der Gemeinde aber weitergeben als wäre sie das Wort Gottes. Diese Pastoren sind verloren und führen das Volk Gottes in die Irre (vgl. Jeremia 23,32).</p>



<p>Drittens gibt es diejenigen, <em>die die gesunde Lehre absichtlich verlassen haben.</em> In einige unserer Seminare haben sich Professoren mit einer stark liberalen Tendenz eingeschlichen. Es gibt Professoren, die die Schrift nicht mehr als irrtumslose und hinlängliche Quelle akzeptieren. Es gibt diejenigen, die nicht an die Wörtlichkeit des biblischen Schöpfungsberichts glauben. Sie nennen sich Christen, sind aber zugleich Jünger Darwins und nicht Christi. Sie sagen, sie glauben an die Bibel, sind aber gleichzeitig Evolutionisten. Andere behaupten, Gott zu dienen, leugnen aber die Inspiration der Heiligen Schrift. In Wirklichkeit sind diese Menschen Wölfe, die in die Herde eindringen, um die Schafe zu verschlingen (vgl. Apostelgeschichte 20,29). Viele unerfahrene Pastoren, die von diesen Irrlehrern geschult werden, verlassen den Weg der Wahrheit und geben sich der Irrlehre hin.</p>



<p>Der Liberalismus ist ein tödliches Gift! Wo immer es hinkommt, tötet es die Kirche. Es gibt viele tote Gemeinden in Europa, in Nordamerika, und jetzt gibt es auch in Lateinamerika Kirchen, die mit diesem Instrument des Todes liebäugeln. Wir haben keine Berichte über einen Liberalen, der eine gesunde Gemeinde aufgebaut hat. Wir haben keine Berichte über einen Liberalen, der ein Werkzeug Gottes für eine große geistliche Erweckung gewesen ist. Der Liberalismus muss verstoßen werden, wenn das, was wir wollen, eine im Wort gefestigte, gottesfürchtige und der missionarischen Arbeit verpflichtete Kirche ist. Es gibt kein Gegengift für eine Kirche, die die gesunde Lehre aufgibt und dem Liberalismus die Hand reicht. Wenn eine Gemeinde den Punkt erreicht, an dem sie ihr Vertrauen in die Irrtumslosigkeit und Zuverlässigkeit der Schrift aufgibt, geht sie dem Abgrund entgegen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Autoritarismus</h2>



<p>Es gibt viele Pastoren, die mit unangemessener Strenge über die Gemeinde herrschen. Sie behandeln die Herde Gottes grausam und tyrannisch. Sie beherrschen die Gemeinde mit Autoritarismus (vgl. 1. Petrus 5,1-4). Sie trotzen denjenigen, die ihr Modell in Frage stellen.</p>



<p>Autoritarismus ist eine Art von Unsicherheit. Es ist ein Minderwertigkeitskomplex in der Gestalt eines Überlegenheitskomplexes. Es ist die Angst, die Macht zu teilen und abgelehnt zu werden. Eine erzwungene Führung hat keinen Wert. Eine Führung, die aus Angst erwächst, ist eines Christen nicht würdig. Eric Fromm, ein angesehener Psychiater, sagt, dass es zwei Arten von Autorität gibt: erzwungene Autorität und erworbene Autorität. Unser Vorbild für Leiterschaft ist die von Jesus ausgeübte. Er war ein dienender Führer. Leitung ist keine privilegierte Position, sondern ein Dienstfeld. Der Leiter ist nicht der, der am lautesten schreit, sondern der, der durch sein Beispiel die Herzen gewinnt und denen dient, die er mit Liebe führt. Der Apostel Petrus sagt, dass der Älteste sich nicht wie einer verhalten soll, der die Gemeinde beherrscht. Vielmehr soll er der Herde ein Vorbild sein (vgl. 1. Petrus 5,3).</p>



<p>Der Apostel Johannes prangerte die selbstsüchtigen und grausamen Praktiken des Diotrephes an, der gerne den ersten Platz in der Gemeinde einnahm (vgl. 3. Johannes 9-11). Er sah in jeder Person, die in die Gemeinde kam, einen Rivalen und keinen Mitarbeiter. Er fühlte sich durch neue Gläubige bedroht. Er unterließ es nicht nur, die Menschen mit Liebe zu empfangen, sondern bemühte sich vielmehr, sie von seinem eitlen Weg zu verscheuchen. Für Diotrephes war der Dienst mehr eine Bühne zur Selbstdarstellung als eine Gelegenheit zum Dienen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Opfer von Willkür</h2>



<p>Es gibt viele Pastoren, die Geiseln widerspenstiger und manipulativer Leiter sind. Diese Pseudo-Leiter verhalten sich wie Herren der Gemeinde und behandeln die ihnen „untergebenen“ Pastoren wie Angestellte, die unter ihrem Joch bleiben müssen.</p>



<p>Es gibt viele Gemeinden, in denen die übergeordneten Leiter sich als Arbeitgeber der untergeordneten Pastoren und sich selbst als Vorsteher der Gemeinde betrachten. Sie sind Leiter, die weder die Herde weiden noch den Pastoren erlauben, dies zu tun. Sie sehen die Pastoren als Rivalen an, die ihnen die Macht zu nehmen drohen. Sie sind mehr Kritiker der Pastoren als deren Mitarbeiter. Sie arbeiten als Kontrolleure der Pastoren, nicht als deren Ermutiger. Sie sind immer bereit, die Schwachstellen eines Pastors hervorzuheben, ermutigen ihn aber nie mit aufrichtigem Lob. Sie tragen ständig die Uniform von Kontrolleuren, anstatt Mithirten der Herde zu sein.</p>



<p>Es gibt eine Menge Machtkämpfe in den Leitungen der Gemeinden. Dieses Kräftemessen erzeugt Verschleiß und viele Tränen. Die meisten Pastoren leiden mehr unter den angespannten zwischenmenschlichen Beziehungen in der Leiterschaft als unter den Pflichten des Dienstes. Die Leiter verursachen mehr Arbeit als die Schafe. Viele Pastoren wurden durch die Willkür ihrer Leiter verletzt, misshandelt, niedergetreten und gedemütigt. Es gibt viele Leiter, die das Leben des Pastors zu einem Albtraum machen. Viele Pastoren sind frustriert und viele Pastorenkinder ärgern sich über die Art und Weise, mit der die Pastorenfamilie behandelt wird. Wir brauchen Heilung für diese Beziehungen!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Falsche Vorstellung vom Dienst</h2>



<p>Der Dienst ist kein Zuckerschlecken, sondern ein Kampfplatz. Das Pastorenzimmer ist weder ein VIP-Raum noch ein roter Teppich. Der Dienst ist kein Vergnügungspark. Dienst ist Kampf, eine Schlacht ohne Waffenstillstand. Wer in den Dienst eintritt, muss sich dessen bewusst sein, dass es Widerstand von außen und Druck von innen gibt. Es gibt externe und interne Kämpfe. Es gibt vom Feind gemachte Konflikte und Kriege, die unter Brüdern ausgetragen werden.</p>



<p>Der Apostel Paulus sah sich mit dem Widerstand durch Feinde und auch durch Gemeindeglieder konfrontiert. Diener sein bedeutet, ständig unter Druck zu leben. Der Dienst ist eine Arena des Kampfes gegen die Macht der Finsternis und die Macht des Fleisches. Es gibt keinen Dienst ohne Spannung. Es gibt keinen Dienst, der schmerzlos ist. Es gibt keinen Dienst ohne Tränen. Pastor zu sein bedeutet, eine sengende Wüste zu durchqueren, anstatt über samtige Teppiche des Ruhms zu gehen. Pastor zu sein ist die Kunst, Steine zu schlucken und Diamanten hervorzuwürgen. Pastor zu sein bedeutet bereit zu sein, sein Leben in das Leben anderer zu investieren, ohne die gebührende Anerkennung zu erhalten. Pastor zu sein bedeutet zu lieben, ohne eine Belohnung zu erwarten, bedeutet, zu geben, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Pastor zu sein bedeutet zu wissen, dass uns unser Lohn nicht hier gegeben wird, sondern im Himmel.</p>



<p>Mit einer romantischen Vorstellung in den Dienst zu treten, ist ein großes Risiko. Das bedeutet nicht, dass der Dienst eine Last oder eine Bürde wäre. Ich glaube, dass der Pastorendienst ein großes Privileg ist. Keine Position auf Erden sollte das Herz eines Pastors dazu verleiten, seinen Blick von seinem Dienst abzuwenden. Die Rolle, die wir spielen, ist so erhaben, dass die Engel gerne unsere Arbeit machen würden. Ein Botschafter für Gott zu sein ist besser, als ein Botschafter für die mächtigste Nation der Welt zu sein. Charles Spurgeon sagte zu seinen Studenten: „Kinder, selbst wenn die Königin von England euch einlädt, Botschafter in irgendeinem Land der Welt zu sein, so lasst euch nicht zu diesem niedrigen Posten herab, indem ihr eure Stellung als Botschafter des Königs der Könige und des Herrn der Herren aufgebt.” Heute sehen wir viele Pastoren, die den Dienst verlassen, um Stadträte, Abgeordnete oder Senatoren zu werden. Sie tauschen ihr Erstgeburtsrecht gegen ein Linsengericht. Das ist ein Fehler und ein unglücklicher Tausch. Obwohl auch die zivile Berufung eine geheiligte Berufung sein kann, soll derjenige, den Gott zum Dienst berufen hat, seine Aufmerksamkeit nicht auf andere Aufgaben richten, mögen sie noch so edel sein.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kaputte Ehe</h2>



<p>D. A. Carson sagt in seinem Buch <em>The body</em>, dass eine der sozialen Gruppen, in denen heutzutage weltweit die meisten Scheidungen vollzogen werden, die pastorale ist. Der Pastor läuft Gefahr, sich um andere zu kümmern und den Ehepartner zu vernachlässigen. Er läuft Gefahr, allen, die zu ihm kommen, besondere Aufmerksamkeit zu schenken und dabei seiner eigenen Familie keine besondere Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Der Pastor läuft Gefahr, ein abwesender Ehemann zu sein, unsensibel für die emotionalen Bedürfnisse seiner Frau.</p>



<p>Es gibt viele Pastoren, die nach außen hin den Schein wahren. Während sie über die Ehe predigen, leben sie in einer kaputten Ehe. Während sie Paaren in Krisen Ratschläge geben, wenden sie die gleichen Prinzipien nicht auf ihre eigene Ehebeziehung an. Es gibt Pastoren, die das eine predigen und das andere machen. Sie verhalten sich anderen gegenüber liebenswürdig und sind bitter ihrer Frau gegenüber. Ihren Schafen gegenüber sind sie tolerant, ihren Kindern gegenüber unversöhnlich. Es gibt Pastoren, die Engel auf der Kanzel sind und Dämonen im eigenen Haus.</p>



<p>Diese Kluft zwischen der Kanzel und dem eigenen Zuhause führt dazu, dass der Diener unglaubwürdig wird, der Dienst seinen Wert verliert und dem Pastoren die Salbung genommen wird, die ihn befähigt, seinen Dienst treu und wirksam zu verrichten. Ist der Pastor kein Segen in seinem eigenen Haus, wird sein Dienst auf der Kanzel zum Scheitern verurteilt sein.</p>



<p>Die wichtigste und erste Herde des Pastors ist seine eigene Familie. Kein Erfolg im Dienst kann das Scheitern der Familie kompensieren. Die Familie des Pastors ist der Stützpfeiler seines Dienstes. Das Wort Gottes sagt, dass der, der seinem eigenen Haus nicht gut vorsteht, nicht fähig ist, der Gemeinde Gottes vorzustehen (vgl. 1. Timotheus 3,4.5). Ich hörte vor einiger Zeit einmal jemanden sagen, Noah sei der größte Evangelist aller Zeiten gewesen. Obwohl es ihm nicht gelungen war, irgendeinen Menschen sonst in die Arche zu bringen, hatte er seine ganze Familie dabei. Es gibt viele Prediger, die sich gebrauchen lassen, um viele zur Errettung zu führen und die dabei ihre eigene Familie verlieren. Der Priester Eli wurde verworfen, weil er seine Söhne mehr liebte als Gott. Er widmete anderen Zeit, aber er kümmerte sich nicht um seine eigenen Söhne (1. Samuel 2,12-17;22-36). Der Pastor lebt beständig unter dem Druck der dringlichen und wichtigen Dinge. Er ist andauernd gefordert, dem Dringlichen seine Aufmerksamkeit zu widmen und manchmal opfert er auf dem Altar der Dringlichkeiten das, was wirklich wichtig ist. Oft läuft der Pastor den dringenden Dingen hinterher und vergisst, sich um sein eigenes Haus zu kümmern.</p>



<p>Es gibt viele Pastoren mit emotional zerbrochenen Familien. Sie gehen rücksichtsvoll mit ihren Schafen um und sind unsensibel ihrer Familie gegenüber. Sie sind auf der Kanzel liebenswürdig und in ihrem Haus grob. Sanft verhalten sie sich gegenüber den Kindern der anderen und hart den eigenen gegenüber. Viele Pastorenkinder sind verbittert und zornig darüber, wie sie von ihren Vätern behandelt werden: Sie haben nie Zeit. Immer helfen sie anderen, hören anderen zu, arbeiten mit anderen zusammen, aber nie nehmen sie sich Zeit, mit den eigenen Kindern zu sprechen. Es gibt Frauen, die einen Pastor geheiratet haben, und eine immense Einsamkeit erleben. Und es gibt Pastorenkinder, die lebende Eltern haben und doch Waisen sind.</p>



<p>Die Pastoren müssen sich mit großer Dringlichkeit darum bemühen, die Sorge um die Familie wieder zur obersten Priorität zu machen. Die Gemeinde ist ein Segen und wir müssen lernen, sie wie den Augapfel Gottes zu lieben und zu umsorgen, aber wir dürfen das nicht auf Kosten der eigenen Familie tun. Der beste Weg ist, dass die ganze Familie den Dienst liebt und gemeinsam und standhaft arbeitet, um den Pastorendienst zu unterstützen. Wenn die Familie des Pastors die Gemeinde als Konkurrenz ansieht, zieht das viele Unannehmlichkeiten für den Pastor und auch die Gemeinde nach sich.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Umgang mit Geld</h2>



<p>Das, was der Arbeit des Pastors auf der Kanzel, in seinem Büro und in den anderen Bereichen des Dienstes Authentizität verleiht, sind seine moralische Integrität, seine eigene Gottesfurcht und sein amtliches Verantwortungsbewusstsein. Er muss ein tadelloser Mann sein. Sein Ruf muss unbefleckt sein. Er muss ein gutes Zeugnis vor denen haben, die draußen sind (1. Timotheus 3,7). Ein Pastor darf keine offenen Rechnungen in seinem Leben haben. Er darf dort, wo er lebt, keine finanziellen Streitigkeiten haben. Er darf nicht unehrlich in seinen Worten und nachlässig in seinen finanziellen Verpflichtungen sein. Der Pastor darf kein in Schulden verwickelter Mann sein, nicht finanziell verstrickt, nicht unverantwortlich in seinen finanziellen Verpflichtungen. Er darf nicht danach trachten, den Schein zu wahren. Er darf nicht danach streben, eine Lebensweise zur Schau zu stellen, die über seine finanziellen Gegebenheiten hinausgeht.</p>



<p>Viele Pastoren haben aufgrund der mangelnden Fähigkeit, ihr Geld zu verwalten, ihre Glaubwürdigkeit im Dienst verloren. Es gibt Pastoren, die dort, wo sie leben, für unglaubwürdig gehalten werden. Es gibt Pastoren, die leihen und nicht zahlen. Manche Pastoren sind untreu in der Verwaltung von Finanzen, angefangen beim Zurückhalten des Zehnten des Herrn. Wenn ein Pastor den Zehnten des Herrn zurückhält, verliert er die nötige Autorität, um in der Gemeinde Treue zu lehren. Es gibt Pastoren, die mehr ausgeben als sie verdienen. Sie stürzen sich in Schulden und schaffen es nicht, jederzeit ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. Manche Pastoren wissen nicht mit Schecks und Kreditkarten umzugehen. Sie kaufen, was sie nicht brauchen, mit Geld, das sie nicht haben, um Leute zu beeindrucken, die sie noch nicht einmal kennen.</p>



<p>Wir leben in einer Konsumgesellschaft. Uns wird weisgemacht, dass das <em>Haben </em>wichtiger ist als das <em>Sein</em>. Durchgehend werden unsere Sinne durch strahlende Reklame angesprochen. Sie wecken in uns ein tiefes Gefühl der Unzufriedenheit und einen regelrechten Zwang, diese Konsumgüter zu bekommen. In den 1950er-Jahren konsumierten wir ein Fünftel von dem, was wir heutzutage konsumieren. Wir waren deswegen nicht weniger glücklich. In den 1970er-Jahren waren 70% der Familien von einem einzelnen Einkommen abhängig, um die laufenden Kosten zu decken. Heute brauchen mehr als 70% der Familien zwei Einkommen, um ihren Lebensstandard halten zu können. Mit anderen Worten: Der Luxus von gestern ist heute eine dringende Notwendigkeit. Wir haben mehr als wir brauchen. Wir geben mehr für überflüssige Dinge aus als für das Reich Gottes. Wir könnten mit viel weniger auskommen, zumal es nicht Dinge sind, die uns befriedigen. Unsere Freude liegt nicht außerhalb von uns, sondern in uns. Die Bibel sagt, dass die Genügsamkeit zusammen mit der Frömmigkeit eine Quelle großen Gewinns ist (1. Timotheus 6,6).</p>



<h2 class="wp-block-heading">Leben in Sünde</h2>



<p>Für das geistliche Leben eines Mannes gibt es nichts Gefährlicheres als sich an das Heilige zu gewöhnen. Die Söhne Elis, Hofni und Pinhas, waren Priester des Herrn, aber zugleich lebten sie unrein, respektlos und abscheulich. Sie taten das Werk Gottes, lebten aber nicht für Gott. Sie hatten ein Amt, aber kein Leben; sie dienten, hatten jedoch keine Gottesfurcht (1. Samuel 2,12-17). Eines Tages entwickelte sich ein Kampf zwischen den Israeliten und den Philistern. Vor einer bitteren Niederlage, bei der 4.000 Israeliten starben, brachten diese beiden unreinen Priester die Bundeslade ins Lager. Aber die Zerstörung wurde nur noch verheerender. 30.000 Männer starben, die Lade wurde geraubt und die Herrlichkeit des Herrn entfernte sich (1. Samuel 4,1-22). Ein untreuer Diener ist schlimmer als ein Ungläubiger. Charles Spurgeon sagte, dass ein Diener ohne Gottesfurcht in einer Gemeinde der größte Agent des Teufels ist.</p>



<p>Wenn das Leben des Pastors das Leben seines Dienstes ist, sind die Sünden des Pastors die größten Sünden. Die Sünden des Pastors sind gravierender, heuchlerischer und verheerender als die Sünden anderer Personen. Gravierender, weil der Pastor mit einem größeren Wissen sündigt, heuchlerisch, weil der Pastor die Sünde öffentlich von der Kanzel verurteilt und sie im Geheimen ausübt, und verheerender, weil mehr Personen schockiert sind, wenn der Pastor sündigt.</p>



<p>Nicht wenige Diener fallen der Unreinheit und der ehelichen Untreue zum Opfer. Die Zahl der Pastoren, die innerhalb der Gemeinde in unerlaubte sexuelle Beziehungen verwickelt sind, wächst mit erschreckender Geschwindigkeit. Rasend schnell steigt die Zahl der Scheidungen der Pastorenehen. Jedes Jahr wird eine Menge von Pastoren aufgrund von moralischen Angelegenheiten ihres Amtes enthoben. Jopencil Silva beschreibt die Schritte von der Versuchung bis zum Fall. Er sagt, dass Versuchung zum Fall wird, wenn ein Mensch stehen bleibt, wo er nicht hätte stehen bleiben sollen; wenn er dem Gehör schenkt, dem er nicht hätte zuhören sollen; wenn er dorthin schaut, wohin er nicht hätte schauen sollen; und wenn er das probiert, was er nicht hätte probieren sollen.<sup data-fn="d7caaf79-daba-4d4d-8c53-5c2704e1e328" class="fn"><a id="d7caaf79-daba-4d4d-8c53-5c2704e1e328-link" href="#d7caaf79-daba-4d4d-8c53-5c2704e1e328">4</a></sup> Hier ist große Vorsicht geboten, denn die Sünde kann uns länger zurückhalten als wir bleiben möchten; sie kann uns weiter bringen als wir gehen möchten, und sie kann uns mehr kosten als wir bezahlen möchten.</p>



<p>Craig Groeschel warnt in seinem Buch <em>Confessions of a Pastor</em> vor der Gefahr der sexuellen Versuchung. Was als einfacher Gedanke beginnt, kann zu einem Blick werden, dann zu einem längeren Gedanken, und sich schnell zu einer Handlung entwickeln. Die Statistiken sind unglaublich: Konservative Erhebungen zeigen, dass über 60% der Männer und 40% der Frauen schon Ehebruch begangen haben.<sup data-fn="ac759d68-0d60-4cb4-be5d-f3ff754bbb14" class="fn"><a id="ac759d68-0d60-4cb4-be5d-f3ff754bbb14-link" href="#ac759d68-0d60-4cb4-be5d-f3ff754bbb14">5</a></sup> <sup data-fn="1d3a29e1-6990-4fec-b67d-2e3b24e9b0ca" class="fn"><a id="1d3a29e1-6990-4fec-b67d-2e3b24e9b0ca-link" href="#1d3a29e1-6990-4fec-b67d-2e3b24e9b0ca">6</a></sup>Christen, und besonders Pastoren, sind nicht frei von diesem Risiko. Craig Groeschel erzählt die Geschichte der Eskimos und wie sie mit gefährlichen Wölfen umgehen. Diese Geschichte veranschaulicht die Gefahr:</p>



<p>Um die Familien eines Dorfes zu schützen, erlegt jemand einen Hasen oder ein Eichhörnchen. Anschließend tauchen die Einheimischen einen scharfen, zweischneidigen Dolch in das Blut des Tieres und lassen das Metall der Klinge gefrieren. Dann treiben sie das Ende des Dolches fest in den Boden, während das mit gefrorenem Blut bedeckte Metall noch aus der Erde ragt.</p>



<p>In der Nacht vernimmt ein unachtsamer Wolf den Geruch des Blutes und nähert sich, um zu sehen, was es ist. Er beginnt, an der Klinge zu lecken. Das gefrorene Blut und das kalte Metall betäuben die Zunge des Wolfes. Stück für Stück schneidet das Tier in seine eigene Zunge und beginnt, sein eigenes warmes Blut zu schmecken.</p>



<p>Da er keinen Schmerz empfindet, leckt er immer schneller und mit größerer Gefräßigkeit. Ohne es zu merken, schneidet er sich die Zunge ab. Wenn der Wolf merkt, was passiert, ist der Schaden bereits zu groß. Das Tier blutet aus, bis es stirbt.</p>



<p>Diese tragische Geschichte ist ein gutes Bild für sexuelle Versuchung. Viele Pastoren sind bereits am Bluten, ihr Leben ist kaputt. Es gibt viele Diener, die ihre geistliche Sensibilität und Gottesfurcht verloren haben. Sie leben in der Praxis der Sünde, während sie predigen, das Abendmahl reichen und den Versuchten Ratschläge geben. Sie sind Heuchler, die versuchen, andere zu heilen, während sie für sich selbst Heilung suchen sollten.</p>



<p>Es gibt Pastoren, die weiterhin in Sünde leben, ohne Buße zu tun oder vom Dienst zurückzutreten. Es gibt solche, die ihre abscheulichen Praktiken erst dann abbrechen, wenn sie erwischt oder zur Zielscheibe öffentlichen Spottes werden.</p>



<p>Jetzt ist es an der Zeit, dass die Gemeinde für die Pastoren betet! Es ist an der Zeit, dass Pastoren sich in den Staub werfen und zu Gott um eine Heimsuchung vom Himmel und eine Zeit der Wiederherstellung schreien (vgl. Joel 2,17)!</p>



<p></p>



<p><em><strong>Fußnoten</strong></em></p>


<ol class="wp-block-footnotes"><li id="31b7f70b-67a6-482f-acc2-348f1f08bda1">Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2020 genießt in Deutschland die Polizei als Institution das größte Vertrauen der Bevölkerung (84%). Die Kirchen (und damit die Pastoren) dagegen stehen auf dem elften (und damit vorletzten) Platz. Nur 24% der Befragten gaben an, ihnen zu vertrauen. Das Vertrauen in die Kirchen (und Pastoren) ist nicht einmal halb so groß wie in die Bundesregierung (61%). Noch weniger Vertrauen als die Kirchen genießen laut dieser Umfrage nur noch die privaten Rundfunksender (19%). Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/814334/umfrage/vertrauen-in-die-institutionen-in-deutschland/ (Zugriff am 10.08.2021) <a href="#31b7f70b-67a6-482f-acc2-348f1f08bda1-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 1 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="720430d4-bf5b-4b29-87c2-2e5e3c9f15c0">Groeschel, Craig: Confissões de um pastor. São Paulo: Vida, 2006, S. 168-169 <a href="#720430d4-bf5b-4b29-87c2-2e5e3c9f15c0-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 2 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="fb236ed0-96c9-4412-afa1-7bd2bf98f877">Ebd., S. 170 <a href="#fb236ed0-96c9-4412-afa1-7bd2bf98f877-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 3 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="d7caaf79-daba-4d4d-8c53-5c2704e1e328">Silva, Jopencil M.: Cuidado com as tentações do ministério. Governador Valadares: Design, 2007, S. 19.20 <a href="#d7caaf79-daba-4d4d-8c53-5c2704e1e328-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 4 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="ac759d68-0d60-4cb4-be5d-f3ff754bbb14">Groeschel, Craig: Confissões de um pastor, S. 48 <a href="#ac759d68-0d60-4cb4-be5d-f3ff754bbb14-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 5 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="1d3a29e1-6990-4fec-b67d-2e3b24e9b0ca">In den deutschen Umfragen (veröffentlicht am 01.01.2018) geben 64% der Befragten (sowohl Männer als auch Frauen) an, von mindestens einem Seitensprung ihres Partners zu wissen. Mehr als ein Drittel der Befragten gibt an, von mehr als nur einem Seitensprung des Partners zu wissen.<br>Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/933/umfrage/anzahl-bekannter-seitenspruenge-in-aktueller-partnerschaft-frauen/ und https://de.statista.com/statistik/daten/studie/928/umfrage/anzahl-bekannter-seitenspruenge-in-aktueller-partner-schaft-maenner/ (Zugriff am 10.08.2021) <a href="#1d3a29e1-6990-4fec-b67d-2e3b24e9b0ca-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 6 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li></ol><p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://kfg.org/2025/die-gefahren-des-hirtendienstes/">Die Gefahren des Hirtendienstes</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://kfg.org">KfG  -`✞´-  Konferenz für Gemeindegründung</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Der Hirte und die Kranken</title>
		<link>https://kfg.org/2025/der-hirte-und-die-kranken/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Eddie Rasnake]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Apr 2025 08:12:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Älteste]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeindepraxis]]></category>
		<category><![CDATA[Leiterschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kfg.org/?p=18375</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die christliche Fürsorge unterscheidet die Gemeinde von dem Egoismus der Welt. Ein wichtiger Teil des Hirtendienstes in der Gemeinde ist es daher, leiblichen, praktischen und emotionalen Bedürfnissen von Familien zu begegnen, die eine Gesundheitskrise erleben. Gleichzeitig kann man nicht genug betonen, dass die Verantwortung bei der gesamten Gemeinde liegt.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>Diesen Artikel haben wir mit freundlicher Erlaubnis des Rigatio-Verlages aus dem Ältestenkurs „Hütet die Herde“ von Eddie Rasnake entnommen (ISBN: 9783957900517). Wir möchten den gesamten Kurs sehr empfehlen. Die Redaktion</em></p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading"><br>Der Hirte sorgt für die Herde</h2>



<p>Ein wichtiger Teil des Hirtendienstes in der Gemeinde ist es, leiblichen, praktischen und emotionalen Bedürfnissen von Familien zu begegnen, die eine Gesundheitskrise erleben. Erwachsene neigen dazu, in ihrem Verhalten und Denken eingefahren zu sein, sodass eine geistliche Veränderung oft nur langsam und mühevoll vonstattengeht. Krankheitszeiten sind Ausnahmezeiten, in denen sich Erwachsene besonders öffnen und bereit sind, einen geistlichen Dienst anzunehmen – sei er evangelistisch oder glaubensstärkend. Wenn man körperlichen, praktischen und emotionalen Nöten begegnet, öffnet sich oft auch eine Tür für die geistliche Not. Bietet man in solchen Zeiten Hirtendienst an, ist die praktische Hilfe nicht der Endzweck, sondern ein Mittel zum geistlichen Dienst.</p>



<p>Hirtendienst in Krankheitszeiten ist ein Dienst der Gnade, Ermutigung und Tröstung; auch die Bedürfnisse des Leibes sollen gestillt werden. Die Bibel sagt viel über Krankheit. Sie führt verschiedene Arten von Krankheiten auf – von Beulen, über Blutkrankheiten, Hautkrankheiten, Fußleiden, Lähmung, parasitäre Erkrankungen bis hin zu drei verschiedenen Arten von Blindheit.</p>



<p>Das Ziel des Hirtendienstes ist nicht, die Existenz von Krankheiten zu diskutieren oder nach besonderen Gründen hinter dem Leiden eines Menschen Ausschau zu halten, sondern dem Gemeindeglied in diesen Umständen zu dienen.</p>



<p>Wenn wir darüber nachdenken wollen, wie man Kranken dient, beginnen wir bei Jesus Christus, dem großen Arzt. Während seines ganzen Dienstes hat Jesus geheilt. Das war die göttliche Methode, den Kranken zu helfen. Wenn wir uns mit dem Dienst an Kranken beschäftigen, müssen wir beachten, dass Jesus nicht jede Krankheit als Strafe Gottes ansah, wie es in den Tagen des Alten Testaments üblich war. Die Heilige Schrift nennt mindestens fünf Gründe für Krankheit:</p>



<ol class="wp-block-list">
<li>um Gott zu verherrlichen (Joh 9,1-3).</li>



<li>als eine Prüfung, die zu geistlichem Wachstum und Abhängigkeit von Gott führt (Hi 2,7-8; 2Kor 12,8).</li>



<li>als Ruf zur Umkehr von Sünde (persönliche Sünde: 1Kor 11,30; Sünde in der Familie: Joh 9,1-2 [implizit]; Sünde eines Führers: 2Mos 9,8-17; Sünde eines ganzen Volkes: Jes 1,4-8)</li>



<li>damit Sünde gerichtet wird (1Kor 11,30; 2Sam 12,15; 1Chr 21,8-17; Jes 1,4-8).</li>



<li>als Mittel, um einen Gläubigen heimzuholen (Joh 11,4 [implizit]).</li>
</ol>



<p>Jesus heilte den Körper. Aber es ist wichtig zu beachten, dass er dieselbe Sorge für die geistliche Gesundheit der Menschen zeigte. Seine Beschäftigung mit der Krankheit war nicht Selbstzweck, sondern bedeutete die Beseitigung einer „Störung“, damit er einem Menschen in seinen geistlichen Nöten helfen konnte. Interessant ist, dass der Heilungsdienst von Jesus ein Werkzeug war, um die rettende Macht des Evangeliums zu verkünden. Als Älteste haben wir nicht die Macht, nach Belieben körperlich zu heilen – das steht allein Gott zu. Wir können um Heilung beten, aber ebenso wichtig ist: Wir können uns zum Dienst an anderen in solchen Umständen gebrauchen lassen – ganz gleich, ob der Herr ihre körperlichen Leiden heilen will oder nicht.</p>



<p>Krankheit finden wir in der Bibel reichlich, und heute stellen wir fest, dass der Hirtendienst in solchen Zeiten niemals ein „Kurzzeitdienst“ ist. Wir sehen in der Heiligen Schrift, dass Christus für den Dienst an den Kranken zur Verfügung stand. Er fühlte Mitleid mit ihnen. Sein Dienst an ihren leiblichen Bedürfnissen ging Hand in Hand mit seinem Bestreben, den geistlichen Nöten von Männern und Frauen zu begegnen. Folglich ist der Hirtendienst an Kranken eine Möglichkeit, evangelistisch oder auch in der Jüngerschaft zu arbeiten. Drei biblische Wörter beschreiben diesen Dienst in besonderer Weise: Hirten sollen die Herde <strong><em>ermutigen, trösten und ihr Gnade zeigen.</em></strong> Krankheitszeiten sind Gelegenheiten zu geistlichem Wachstum. Sie sind aber auch Zeiten, wo Satan versucht, durch Depression und Selbstmitleid zu wirken. Ermutigung und Tröstung können einem Gläubigen helfen, die richtige Sicht auf diese Art der Prüfung zu bekommen.</p>



<p>Wem das nicht gelingt, den kann die Gnade auf den richtigen Weg zurückführen. Solche Ermutigung kommt vom Herrn, nicht von uns. Wir lesen: <em>„Übrigens nun, Brüder, bitten und ermahnen wir euch in dem Herrn Jesus“</em> (1Thes 4,1). Christus, und niemand von uns, ist die höchste Quelle geistlicher Ermutigung. Wenn ein Ältester ein Krankenzimmer betritt, eine Karte schreibt oder ein Trauerhaus betritt, dann tut er das, um „in dem Herrn Jesus“ zu ermutigen, nicht in seinem Fleisch.</p>



<p>Um dienen zu können, müssen wir in Hingabe zu ihm leben und ihm jede Situation anvertrauen. Niemand verhält sich in einer Prüfung perfekt. Deswegen gehört Gnade zum Hirtendienst an Kranken dazu. Das heißt, wir zeigen bedingungslose Liebe und helfen der Person in ihrer Not, ohne darüber nachzudenken, ob die Person würdig ist. Gottes Gnade hat uns die Erlösung geschenkt, als wir sie nicht verdienten. Ebenso sollen wir anderen Gnade in schweren Zeiten zeigen, weil Christus in uns lebt. Der Kranke in der Gemeinde braucht nicht meine oder Ihre Gnade – er braucht die Gnade Gottes. Es geht nicht einfach darum, was wir tun – es geht um die Frucht dessen, was wir sind. Wenn wir uns die Zeit nehmen, einen Besuch zu machen, brauchen wir manchmal nichts zu sagen oder zu tun. Der wahre Dienst geschieht oft nicht, weil wir etwas gesagt oder getan haben, sondern weil wir durch den Besuch unsere Fürsorge gezeigt haben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Praktische Gedanken</h2>



<p>Während die dienende Fürsorge ohne Zweifel zu den Aufgaben eines Ältesten gehört, kann man nicht genug betonen, dass bei der gesamten Gemeinde die Verantwortung liegt. Die vorrangige Aufgabe eines Ältesten als Hirte ist die „Ausrüstung der Heiligen für das Werk des Dienstes“ (Eph 4,11-12). Darum ist es wichtig, andere in diese fürsorgliche Arbeit miteinzubeziehen. Damit verbunden ist die Tatsache, dass Jesus sehr früh ein Dienst-Modell eingeführt hat, wonach er seine Jünger immer zu zweit aussandte (Mk 6,7; Lk 10,1). Wann immer es möglich ist, nehmen Sie jemanden mit, der an diesem Prozess teilhat und so ausgerüstet wird, diesen Dienst bei Bedarf auch ohne Sie zu tun. Je größer die Gemeinde, desto größer der Bedarf an Fürsorge. Darum ist es wichtig, dass wir uns reproduzieren.</p>



<p>Es gibt fünf Arten von Krankenfürsorge und Notzeiten, denen man im Rahmen des Hirtendienstes einer Gemeinde begegnet.</p>



<p><strong>1. Gesundheitskrisen.</strong> Das kann eine unerwartete Krankheit sein, ein Autounfall, Herzinfarkt, Schlaganfall … Die Liste ist endlos, aber das typische an dieser Art ist, dass sie mit nur wenig oder ganz ohne Vorwarnung kommt. Den Krankenbesucher erwartet eine Situation, in der es um Leben und Tod geht. Ist dann die kritische Phase durchlaufen, schließt sich die zweite Phase an.</p>



<p><strong>2. Krankenfürsorge.</strong> Solche Ereignisse sind eher vorhersagbar und reichen von einem aufreibenden Termin, wie einer Untersuchung oder einer Operation, bis zu einem freudigen Ereignis, z. B. der Geburt eines Kindes. Diese nicht notfallmäßigen Situationen erlauben es, dass man Besuche vorab plant.</p>



<p><strong>3. Nachsorge.</strong> Das ist die Genesungsphase für die ersten beiden Arten und findet gewöhnlich zu Hause statt. Auch jetzt muss man sich um die Menschen kümmern, aber in dieser Situation genügt oft ein Anruf oder eine Karte.</p>



<p><strong>4. Langzeiterkrankung.</strong> Das ist vielleicht die schwierigste Situation. Hat ein Gemeindeglied eine langwierige Erkrankung, ist die Gemeinde sehr gefordert zu helfen. In solchen Fällen ist die Familie auch stets sehr angespannt und braucht ebenso wie der Kranke Fürsorge.</p>



<p><strong>5. Bettlägerige.</strong> Das sind zum einen die, die zu Hause dauerhaft ans Bett gebunden sind oder die in einem Pflegeheim leben. Letztere stellen eine besondere Gruppe von Langzeitbedürftigen dar. Sie brauchen zuerst Ermutigung, weil sie ihre umstandsbedingte Isolation von den regulären Aktivitäten der Gemeinde trennt. Diesen besonderen Bedürfnissen begegnet man am besten, indem man ein Team von Freiwilligen bildet. Oft sind Senioren und Rentner in der Gemeinde für einen solchen Dienst besonders gut geeignet. Im Allgemeinen können sie mehr Zeit als andere darauf verwenden und sind in der Regel auch einfühlsamer.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Fürsorge-Struktur</h2>



<p>Sorge um die Kranken und Alten ist die Aufgabe der ganzen Gemeinde, und nicht nur einiger weniger Leiter. Man muss ein Bewusstsein für diese Aufgabe entwickeln, und je größer eine Gemeinde ist, desto größer kann die Herausforderung sein. Es ist entscheidend, dass große Gemeinden darauf achten, in beständigen kleinen Schritten zu arbeiten. Wie wir an Jitros Rat an Mose in 2. Mose 18,13-26 erkennen, ist die Struktur sehr wichtig. Ansonsten kann es passieren, dass ein Leiter bei dem Versuch ausbrennt, die Bedürfnisse aller zu stillen. Jitro empfahl Mose, fähige Männer auszuwählen und sie einzusetzen als <em>„Oberste von Tausend, Oberste von Hundert, Oberste von Fünfzig, Oberste von Zehn“</em> (V. 21). Er schlug außerdem vor, dass diese „Unterhirten“ die wichtigen Fragen herausfilterten, um die sich dann Mose persönlich kümmerte; mit den weniger wichtigen Themen würden sie sich beschäftigen. Wie auch immer die Arbeit in einer Gemeinde aufgeteilt ist, sollte die Fürsorge einen eigenen Aufgabenbereich bilden. Wenn Menschen zusammenleben – wie das ja in einer Gemeinde der Fall ist –, sind sie natürlich immer die Ersten, wenn es um das Leisten von Fürsorge geht. Diakone spielen dabei eine Rolle, und manche Situationen erfordern die persönliche Aufmerksamkeit der Ältesten. Wichtig ist aber vor allem eine Struktur, die solche Situationen erkennt, damit kein Kranker oder Bedürftiger übersehen wird. Während es kurzfristig einfacher erscheint, wenn man sich als Ältester selbst darum kümmert, statt die Gemeinde für diesen Dienst zu organisieren, stellt dies langfristig keine wahre Leiterschaft dar und führt geradewegs zum Burnout. Eine Form, wie Älteste <em>„über ihren Bereich herrschen“</em> (1Petr 5,3), besteht darin, dass sie für den Leib das tun, was der Leib selbst tun sollte.</p>



<p>Ich würde Ihnen raten, sich die Zeit zu nehmen und die Leitungsstruktur zu organisieren, die Jitro als ersten Schritt vorschlägt. Teilen Sie die ganze Gemeinde unter den Ältesten auf – vielleicht nach Wohnort, Alter oder Hauskreisstruktur. Organisieren Sie dann diejenigen – ob Diakone, Lehrer oder andere Freiwillige –, die unter jedem Ältesten an diesem Fürsorgedienst teilnehmen.</p>



<p>Klären Sie, um welche Bedürfnisse sich jede Ebene von Leitern kümmern soll und welche Situationen es erfordern, dass sich die nächste Ebene darum kümmert. Die Kommunikation ist entscheidend. Diese verschiedenen Ebenen der fürsorglichen Leiterschaft helfen den Ältesten, besser über die Nöte in der Gemeinde informiert zu sein. Sie stellen außerdem sicher, dass auch den Bedürfnissen begegnet wird, die Älteste nicht unbedingt für die Wichtigsten halten. Apostelgeschichte 6 macht deutlich, dass Unterhirten erforderlich sind, damit die Ältesten sich ihren vorrangigen Aufgaben widmen können: dem Gebet und dem Dienst am Wort.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Fürsorge Ausbildung</h2>



<p>Während Struktur wichtig für den Anfang ist, gehört mehr dazu, um die Bedürfnisse der Gemeinde zu stillen. Jeder, der an irgendeinem Platz dient, braucht zwei wichtige Dinge, um erfolgreich zu dienen. Er braucht 1. einen klaren Blick für den Dienst und 2. eine Zurüstung für die Aufgabe. Das Entwickeln eines Blicks bzw. Bewusstseins für diesen Dienst ist wichtig für die ganze Gemeinde. Ich empfehle, sonntags in gewissen Abständen über die Grundlagen der Fürsorge zu predigen, damit alle verstehen, dass dies eine Aufgabe für alle ist, und nicht nur für die Leiter. Vielleicht ist eine Predigtreihe über die Einander-Gebote der Bibel eine gute Möglichkeit, diesen Blick zu entwickeln und deutlich zu machen, dass sich jeder an der gegenseitigen Fürsorge beteiligen sollte. Das Wort Gottes muss definieren, wie jede Gemeinde arbeitet. Wenn man das Thema Fürsorge dabei auslässt, ist dies ein schlechter Dienst an uns allen. Eine zweite Voraussetzung für die Unterhirten ist die gute Zurüstung, damit sie auf die Situationen vorbereitet sind, wo sie dienen sollen. Wie macht man einen Krankenbesuch? Hier einige Hilfen, wie so ein Besuch aussehen könnte und wie man sich darauf vorbereiten kann.</p>



<p><strong><em>1. Gesundheitskrise</em></strong></p>



<p>Wenn der Besuch in einer solchen Phase geschieht, sollte man auf Folgendes achten:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Schritt 1: </strong>Beten Sie um Weisheit, Feingefühl und Mitleid im Umgang mit der kranken Person. Beten Sie für alle konkreten Gesichtspunkte, die Ihnen in diesem Fall bekannt sind, und machen Sie den Besuch sobald wie möglich.</li>



<li><strong>Schritt 2:</strong> Seien Sie sensibel für die Bedürfnisse in dieser Situation. Einfach da zu sein und zu schweigen, ist oft zunächst der beste Dienst. Erwarten Sie nichts. Manchmal gibt es nichts zu sagen, und am meisten haben Sie durch die Zeit gedient, die Sie sich genommen haben.</li>



<li><strong>Schritt 3:</strong> Informieren Sie sich taktvoll über die Situation. Achten Sie aufmerksam auf jedes Detail, das man Ihnen mitteilt. Notieren Sie sich, was Sie an die Gemeinde weitergeben sollten.</li>



<li><strong>Schritt 4:</strong> Wenn Sie mit der Familie sprechen, achten Sie auf deren unmittelbare Bedürfnisse, z. B.: Gibt es Kinder, um die man sich kümmern muss? Sollte man für Essen sorgen? Kann man helfen, Verwandte oder Freunde zu kontaktieren?</li>



<li><strong>Schritt 5:</strong> Seien Sie flexibel. Jede Situation ist anders. Vertrauen Sie darauf, dass der Herr Ihnen alle Weisheit gibt, die Sie in dieser konkreten Situation brauchen.</li>



<li><strong>Schritt 6:</strong> Seien Sie einfühlsam, damit Sie Ihren Besuch zur richtigen Zeit beenden. Bleiben Sie nicht zu lange, gehen Sie aber auch nicht zu früh. Wenn Sie den Eindruck haben, dass es Zeit ist zu gehen, fragen Sie nach Gebetsanliegen (z. B.: „Wofür sollen wir als Gemeinde beten?“). Beten Sie dann für den Kranken und versuchen Sie, positiv und ermutigend zu sein. Ich erinnere dabei immer an 1. Petrus 5,7, wo wir eingeladen werden: „Alle eure Sorgen werft auf ihn, denn er ist besorgt für euch.“ Ich lasse immer eine Karte mit meiner Telefonnummer da, falls jemand weitere Gespräche möchte oder es neue Informationen gibt. Solche Karten sind immer praktisch.Manchmal macht man einen Besuch im Krankenhaus und der Kranke ist vielleicht zu einer Untersuchung fort oder die Zeit für einen Besuch ist unpassend, weil der Kranke schläft. In einem solchen Fall kann man die Karte mit der kurzen Notiz dalassen, dass man für den Kranken betet.</li>



<li><strong>Schritt 7:</strong> Erzählen Sie der Gemeinde von Ihrem Besuch, und geben Sie die besonderen Anliegen weiter.</li>
</ul>



<p><strong><em>2. Gewöhnliche Krankenfürsorge</em></strong></p>



<p>Bei diesen routinemäßigen Situationen sind die meisten zuvor genannten Schritte ebenfalls relevant. Aber achten Sie auf Besonderheiten in dieser speziellen Situation. Bedenken Sie: Ihre Aufgabe besteht nicht darin, alle Bedürfnisse des Kranken zu stillen. Sie sind einfach berufen, sich dem Herrn zur Verfügung zu stellen und Teil des Dienstes der Fürsorge zu sein. Manchmal sieht das so aus, dass man Kontakt zu anderen Gemeindegliedern herstellt. Ganz egal, wie die Umstände auch sein mögen, es geht immer darum, die Aufmerksamkeit des Kranken auf den Herrn zu lenken, weil er der Eine ist, der alle Bedürfnisse stillen kann. Es ist immer angemessen, sich Zeit zum Beten für den Kranken zu nehmen.</p>



<p><strong><em>3. Nachsorge</em></strong></p>



<p>Für diese Situationen sollte man immer unter Gebet entscheiden, welche Art von Kontakt angemessen ist (Karte, Anruf, persönlicher Besuch). Jede Kommunikation sollte das Angebot enthalten, Gebetsanliegen an die Gemeinde weiterzugeben. Wenn es passend ist, eine Karte zu schreiben, nehme ich mir vor dem Schreiben immer Zeit, um für den Kranken zu beten. Ich lasse in den Text einfließen, dass wir für ihn beten. Bei einem Anruf oder persönlichen Besuch fragt man am besten nach Gebetsanliegen und betet dann auch gleich dafür.</p>



<p><strong><em>4. Langzeiterkrankung</em></strong></p>



<p>Zu dieser Art der Fürsorge gehören gewöhnlich viele Kontakte, wenn diese auch nicht immer aus persönlichen Besuchen bestehen müssen. Es ist wichtig, der Person gegenüber einfühlsam zu sein. Manche geselligen Menschen wünschen häufige Kontakte und lange Besuche, während andere lieber zurückgezogen sind. In einer Situation mit Langzeitkranken muss man auch auf die Bedürfnisse der pflegenden Angehörigen achten.</p>



<p><strong><em>5. Bettlägerige und Menschen in Pflegeheimen</em></strong></p>



<p>Wie bei allen anderen Situationen ist auch hier Unterscheidungsvermögen für die speziellen Bedürfnisse des Bedürftigen nötig. Wie ich zuvor schon gesagt habe, ist ein Team von Mitarbeitern oft eine große Hilfe, um solche Dienste zu tun. Die Gemeinde könnte ein Budget zur Verfügung stellen, damit die Mitarbeiter regelmäßig kleine Geschenke zu den Krankenbesuchen mitbringen können. Schokolade, Blumen oder andere jahreszeitliche Aufmerksamkeiten verleihen einem Besuch etwas Besonderes. Wir wollen das geben, wonach sich jeder in Not sehnt: persönlichen Kontakt, Gebet und Aufmerksamkeit für seine besonderen Bedürfnisse.</p>



<p>Die Zeit, die man dem Fürsorgedienst in der Gemeinde widmet, ist sehr wichtig. Gott hat die Gemeinde so gestaltet, dass sie sich selbst versorgen kann. Er hat jedem Glied Gaben gegeben, die sicherstellen, dass jeder etwas beizutragen hat. In Apostelgeschichte 4,34 lesen wir von der ersten Gemeinde: <em>„Denn es war auch keiner bedürftig unter ihnen“</em>, denn jeder bekam das, was er brauchte. Jesus sagte im Obersaal: <em>„Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt“</em> (Joh 13,35). Die christliche Fürsorge unterscheidet die Gemeinde von dem Egoismus der Welt. Wenn der Leib Christi heute in einer gesunden Weise funktioniert, haben wir das gleiche Ergebnis wie die erste Gemeinde: <em>„Der Herr aber tat täglich hinzu, die gerettet werden sollten“</em> (Apg 2,47).</p>
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		<item>
		<title>Kriterien konstruktiver Kommunikation</title>
		<link>https://kfg.org/2025/kriterien-konstruktiver-kommunikation/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Markus Garbers]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 21 Mar 2025 22:10:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wir unterschätzen die Auswirkungen guter und schlechter Kommunikation. Manchmal denken wir: Unser Glaube verbindet uns und wir haben alle das gleiche Ziel. Dann funktioniert die Zusammenarbeit schon automatisch. Schon Paulus wusste es besser.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>Dieser Artikel erschien zuerst auf www.steps-leaders.de, einem Portal für Mitarbeiter in der Jugendarbeit. Deshalb wird hier und da von „Jugendlichen“, „Jugendkreis“ usw. gesprochen. Da die biblischen Prinzipien der Kommunikation für jedes Lebensalter und jede Lebenssituation gelten, teilen wir ihn – mit der freundlichen Erlaubnis des Autors – gerne auch an dieser Stelle. Die Redaktion</em></p>



<p>Wir unterschätzen die Auswirkungen guter und schlechter Kommunikation. Manchmal denken wir: Unser Glaube verbindet uns und wir haben alle das gleiche Ziel. Dann funktioniert die Zusammenarbeit schon automatisch. Schon Paulus wusste es besser. Im vierten Kapitel seines Briefes an die Gemeinde in Ephesus beschreibt er göttliche Umgangsprinzipien. Die meisten der zehn „Kriterien der konstruktiven Kommunikation“ habe ich daraus abgeleitet. Wenn du diese Eigenschaften liest, kann man schnell verzweifeln, weil man als Christ merkt, dass man echt nicht perfekt ist. Das wird auch so bleiben. Das soll uns auch nicht stressen. Deswegen schreibt Paulus davor so viel von der Gnade. Du und ich – niemand von uns kann perfekt kommunizieren. Wir sollen uns nach dem Artikel auch nicht selbst anstrengen besser zu werden, sondern demütig werden und die Gnade Gottes dankbar in Anspruch nehmen. Der Artikel soll dazu dienen, uns zu reflektieren und Gott an meinem Reden und Zuhören arbeiten zu lassen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">1. Demütige Grundhaltung</h2>



<p><em>Mit aller Demut … (Epheser 4,2)</em></p>



<p>Hast du auch gerne Recht? Ich jedenfalls. Paulus schreibt direkt am Anfang, wie wichtig eine demütige Haltung ist. Demut ist eher das Gegenteil von Hochmut (Selbstüberschätzung). Wer hochmütig ist, meint alles besser zu wissen und zu können. Wer demütig ist, schätzt sich richtig ein. Er weiß, dass er als Sünder falsch liegen kann und erhebt sich deshalb nicht über die Meinung des anderen. Wer demütig ist, kann daher andere Meinungen sehr gut ertragen und Verständnis für schlechtes Verhalten aufbringen, weil er selbst nur aus Gnade errettet ist. Das heißt nicht, dass ich schweigen, alles tolerieren und nicht zu meiner Überzeugung stehen sollte. Demütige Menschen sind die besten Teamplayer.</p>



<h2 class="wp-block-heading">2. Wertschätzung und Freundlichkeit</h2>



<p><em>… und begegnet den anderen ­freundlich (NeÜ)</em></p>



<p>Wir können freundlich sein, wo wir höflich sein müssen. In Situationen, wo wir sein können, wie wir sind, zeigt sich aber, wie freundlich wir wirklich sind. In Epheser 4,32 wiederholt Paulus, dass wir freundlich und mitfühlend sein sollen. Wenn ich in Teammeetings gehe oder zu meinem Jugendkreis fahre, nehme ich mir aktiv vor, freundlich und wertschätzend zu sein. Mein freundliches Wesen kann die ganze Stimmung positiv prägen. Meine ernst gemeinte Wertschätzung und mein Interesse an dem anderen zeigt meine wirkliche Liebe für ihn.</p>



<h2 class="wp-block-heading">3. Ertragen statt persönlich nehmen</h2>



<p><em>… habt Geduld miteinander und ­ertragt euch gegenseitig in Liebe (NeÜ)</em></p>



<p>Nimmst du Kritik eher persönlich oder kannst du gut mit negativen Rückmeldungen leben? Ich habe Kritik immer sehr persönlich genommen. Das ändert sich gerade erst. Weil meine Identität in Jesus fest wird. Ich kenne meine Berufung und meine Begabung. Ich weiß, dass ich an dem Platz bin, wo Jesus mich sieht. Ich weiß, dass er mich liebt und ich nicht aufgeben soll. Deshalb kann Kritik mich nicht mehr persönlich so erschüttern, sondern ich prüfe, was der andere auszusetzen hat, und behalte nur die sachlichen Tipps dahinter. Mit dieser Haltung kann ich komisch destruktive Kommentare und Persönlichkeiten in der Gemeindearbeit viel besser ertragen. Vielleicht hilft dir das ja auch.</p>



<h2 class="wp-block-heading">4. Konstruktiv und zielführend</h2>



<p><em>Kein faules Wort komme aus eurem Mund, sondern nur eins, das gut ist zur Erbauung, damit es dem Hörer Gnade gibt! (Epheser 4,29)</em></p>



<p>Ich liebe Sticheleien und humorvolle Schnackerei (norddeutsch für dumm schwätzen). Aber ganz schnell kommen Wörter aus meinem Mund, die für andere Gift sind. Ich habe es nicht so gemeint, aber das Wort ist ausgesprochen. Deswegen ist Paulus so radikal. Wir sollen schon vorher darüber nachdenken, was unsere Worte anrichten können. Wird es den anderen ermutigen? Wird es ihn aufbauen? Wird es ihn voranbringen oder nur runterziehen? Will ich dem anderen gerade nur meine Meinung geigen, weil sich die schon lange bei mir aufgestaut hat, oder möchte ich, dass man mir Gnade und Barmherzigkeit abspürt?</p>



<p><strong>5. Überlegt und beruhigt</strong></p>



<p><em>Alle Bitterkeit und Wut und Zorn und Geschrei und Lästerung sei von euch weggetan, samt aller Bosheit. (Epheser 4,31)</em></p>



<p><em>Wer seine Worte zügelt, besitzt ­Erkenntnis; und wer kühlen Geist bewahrt, ist ein verständiger Mann. (Sprüche 17,27)</em></p>



<p>Paulus wünscht sich, dass Zorn- und Wutausbrüche verschwinden, weil sie nicht zu Jesusnachfolgern passen. Gerade wenn du ein aufbrausender Typ bist, sind Geduld und Besonnenheit große Baustellen. Salomo gibt in den Sprüchen den Tipp, unsere Worte zu zügeln. Also einfach mal auf die Zunge beißen und Lippen zusammenpressen, bevor meine Worte emotional verletzen. Wenn mich Emails oder Nachrichten verletzen, erstmal eine Nacht drüber schlafen und mich im Gebet bei Gott aussprechen. Meinen Zorn und Grimm sollte ich Gott bringen, damit ihn andere nicht erleben müssen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">6. Offenheit und Ehrlichkeit</h2>



<p><em>Lasst uns also in Liebe wahrhaftig sein … (Epheser 4,15 NeÜ)</em></p>



<p>In unserer toleranten Gesellschaft sind wir zu feige geworden, ehrlich und offen unsere Meinung zu äußern (außer in digitalen Kommentaren). Lieber lassen. Paulus sagt, dass wir als Christen in Liebe wahrhaftig sein sollen. Das heißt authentisch ehrlich und gleichzeitig liebevoll sein. Das ist ein Balance-Akt. Manche fallen auf der Seite der Wahrhaftigkeit herunter und präsentieren die Wahrheit knallhart und sachlich. Andere fallen auf der anderen Seite herunter und sagen lieber nichts, um den Frieden zu erhalten. Wenn du eher harmoniebedürftig bist, erfindest du Ausreden, versuchst alles irgendwie passend zu argumentieren, damit sich bloß niemanden angriffen fühlt und sich jeder gut versteht. Tobias Teichen sagt: „Was du tolerierst, förderst du“. Wenn du merkst: „Ich müsste mit einem Teammitglied oder einem Jugendlichen dringend ein Gespräch suchen und ihm ehrlich sagen, dass sein Verhalten in die falsche Richtung geht“ – dann tue das! Sei mutig und bezeuge bedacht und ehrlich, was du denkst. Mit der nötigen Portion Liebe und Demut.</p>



<p>„Nicht alles, was wahr ist, muss gesagt werden, doch alles, was gesagt wird, soll wahrhaftig sein.“ (Voltaire)</p>



<h2 class="wp-block-heading">7. Das Vier-Augen-Prinzip</h2>



<p><em>Wenn aber dein Bruder an dir ­gesündigt hat, so geh hin und weise ihn zurecht unter vier Augen. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder gewonnen. (Matthäus 18,15 – Schlachter 2000)</em></p>



<p>Ein bekannter Prediger erzählte, dass er Leute, die zu ihm kommen und sich über andere beschweren, grundsätzlich fragt: „Hast du denn schon mit der Person direkt geredet?“. Wenn das nicht der Fall ist, weist er sie in der Regel mit ihrer Beschwerde ab. Die besten Gespräche finden persönlich statt. Beschwere dich nicht bei deinem Partner oder besten Freund über andere, wenn du noch nicht ehrlich mit dem anderen darüber gesprochen hast. Lasst uns als Christen lieber miteinander statt übereinander reden. Schreib keine Briefe, Emails oder WhatsApp, wenn du enttäuscht und sogar sauer bist. Ruf die Person direkt an oder lade sie ein. Es sollte verboten werden, dass sich Geschwister irgendwelche bösen Briefe schicken, weil man nicht auf die Reaktionen und Emotionen des anderen eingehen kann, sondern alles schreibt, um den Streit zu gewinnen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">8. Vergeben statt Nachtragen</h2>



<p><em>Seid aber zueinander gütig, mitleidig und vergebt einander, so wie auch Gott durch Christus euch vergeben hat! (Epheser 4,32)</em></p>



<p>Jesus hat unsere Sünden zum Kreuz getragen. Deshalb kann und wird er sie uns nie nachtragen. Wir Christen sind da manchmal leider anders. Wir sind nachtragend und müssen lernen, wirklich zu vergeben und den anderen durch Gottes Augen zu sehen. Auch wenn wir enttäuscht und verletzt wurden. Mir hilft der Blick auf Jesus. Er vergibt mir jeden Tag. Er zeigt Mitleid mit meinen Schwächen und distanziert sich nicht von mir. Kannst du deinem Jugendlichen oder Teamkollegen vergeben, selbst wenn er dich schon wieder enttäuscht hat? Selbst dann, wenn er sich noch nicht entschuldigt hat?</p>



<h2 class="wp-block-heading">9. Zuhören und Hineinversetzen</h2>



<p><em>Wer Antwort gibt, bevor er zuhört, dem ist es Narrheit und Schande. (Sprüche 18,13)</em></p>



<p>Wer nicht zuhören kann, interessiert sich nicht wirklich für den anderen, sondern ist eigentlich nur an sich interessiert und wünscht sich keine soziale Interaktion. Wer sein Gegenüber liebt, hört zu! Ohne aufs Smartphone zu schauen. Wer antwortet, bevor er die Situation richtig eingeschätzt hat und der andere ausreden konnte, der überfährt den anderen und will nur schnell eine Lösung präsentieren. Wenn ich konzentriert zuhöre, fühlt sich der andere geliebt und wertgeschätzt, weil ich mich für ihn interessiere.</p>



<h2 class="wp-block-heading">10. Angemessener Rahmen</h2>



<p><em>Wenn du deinen Nachbarn allzu früh am Morgen schon freundlich grüßt, wird er das als einen Fluch ­empfinden! (Sprüche 27,14)</em></p>



<p>Freitagabends und jeder ist total erschöpft. Kennst du solche angespannten Situationen? Oder in einer hektischen Verkehrssituation. Oder nach dem Tod eines Verwandten. Oder nach der schmerzhaften Trennung einer Beziehung. Wir müssen unsere Worte den Situationen anpassen. Nicht die Wahrheit weglassen, aber genau überlegen, wann wir wieviel sagen. Was ist wirklich angebracht in dem Moment? Was kann der andere jetzt aufnehmen? Wenn Jugendliche und Freunde Probleme haben, hilft es häufig viel mehr, Verständnis zu zeigen, statt die Lösung zu präsentieren.</p>



<p>„Wer Beziehung will, muss gut kommunizieren, und wer gut kommunizieren will, muss Beziehung zum Ziel haben!“ (Karsten Kranzmann)</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Kommunikationsstörungen</title>
		<link>https://kfg.org/2025/kommunikationsstoerungen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Joe Kley]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 21 Mar 2025 20:46:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kfg.org/?p=18350</guid>

					<description><![CDATA[<p>Der Autor möchte Mut machen zum Gespräch in der Ehe, der Familie und der Gemeinde sowie zur Seelsorge ermutigen. Er will auch darauf hinweisen, dass wir Kommunikation nicht leichtfertig betreiben sollten. Jeder Gläubige (nicht nur der Seelsorger) ist zu einem Leben in Wahrhaftigkeit und Heiligung verpflichtet.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>Dieser Artikel war zuerst das Vortragsmanuskript zu einem gleichnamigen Seminar. Wir haben aus der Rede eine „Schreibe“ gemacht. Hier und da ist der Text vielleicht etwas holprig geblieben. Das bitten wir zu entschuldigen. Die Redaktion</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">1. Einleitung</h2>



<p>Es handelt sich bei dieser Ausarbeitung um einen Artikel zum Thema „Kommunikation“ – keine Bibelarbeit oder Predigt. Dennoch sollen Bezüge zur Bibel aufgezeigt werden, denn Kommunikation ist eine göttliche „Erfindung“.</p>



<h3 class="wp-block-heading">1.1. Bedeutung der Kommunika­tion aus biblischer Sicht</h3>



<p>Als Gott den Menschen nach seinem Bilde schuf (1Mo 1,27) gab er ihm als Zeichen der Gott-Ebenbildlichkeit u. a. die Sprache und damit die Fähigkeit zur <strong>Kommunikation</strong>, d.h. des differenzierten Austausches mit einem Gegenüber. Kommunikation ermöglicht das Erleben von <em>Gemeinschaft </em>und befriedigt damit ein ganz wesentliches Grundbedürfnis des Menschen. Sprache an sich ist ein Wunder, und jeder, der sich mit Linguistik beschäftigt, kommt ins Staunen. Durch die Sprache <em>unterscheidet </em>sich der Mensch von allen anderen Geschöpfen. Auch wenn bei vielen Lebewesen eine Art von Verständigung untereinander stattfindet, ist sie doch von menschlicher Kommunikation grundverschieden.</p>



<p>Gott selbst kommunizierte sogar mit seinem Geschöpf und hob es damit in eine Sonderstellung innerhalb der Schöpfung. In der Bibel begegnen wir den Begriffen „reden“, „sprechen“ und „sagen“ etwa 4000-mal!</p>



<p>Ein Leben <em>ohne </em>Kommunikation ist schlichtweg undenkbar:</p>



<p>Wenn mit Babys nicht gesprochen wird, können sie sich geistig und seelisch nicht entwickeln. Von Kaiser Friedrich II. wird berichtet, dass er aus wissenschaftlicher Neugier die Ursprache des Menschen herausfinden wollte. Zu diesem Zweck befahl er den Pflegerinnen, Säuglinge zu stillen und zu pflegen, aber jegliches Reden, Zärtlichkeiten und Liebkosungen zu unterlassen. In der Folge sollen alle Kinder an diesem Mangel gestorben sein („soziale Deprivation“). Außerdem: Hospitalismus-Forschung (René Spitz: „Vom Säugling zum Kleinkind“); Anmerkung: Leider wird der Nachweis von R. Spitz über die Bedeutung der Beziehung zwischen Mutter und Säugling für dessen gesamte Entwicklung in unserer Zeit ignoriert.</p>



<p>Ebenso weiß man heute, dass <em>Zellen </em>im Körper (nicht nur Gehirnzellen) untereinander in Verbindung stehen und gegenseitig Informationen austauschen. Gelingt diese Kommunikation nicht, kann es zu Störungen (Krebs) kommen.</p>



<p>Die Bibel betont von Anfang bis Ende die Wichtigkeit des <em>Wortes </em>und der Kommunikation. Dass Menschen reden können, ist ein Beweis der Gott-Ebenbildlichkeit. Der christliche Glaube ist in erster Linie ein <strong>„Wort-Glaube“</strong>: So ist die <em>Schöpfung</em> das Resultat des Redens Gottes (1Mo 1,3: <em>„Und Gott sprach …“</em>). Jesus Christus wird in Johannes 1 als <em>„das Wort“</em> (griech. logos) bezeichnet. Hebräer 1,1.2a: <em>„Nachdem Gott in vergangenen Zeiten vielfältig und auf vielerlei Weise zu den Vätern geredet hat durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den [im] Sohn.“</em></p>



<p>Hebräer 4,12: <em>„Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, …“</em> Und Gottes Wort ist unvergänglich: <em>„Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.“</em> [Mt 24,35] etc. Gott redet – das ist unser Glück!</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Gott <em>schuf </em>die Welt (samt Inhalt) und das gesamte Universum durch Sein Wort (Hebr 11,3: <em>„… dass die Welten durch Gottes Wort bereitet worden sind, &#8230;“</em>)</li>



<li>Er <em>erhält </em>auch alles – durch dasselbe Wort (Hebr 1,3: <em>„er trägt alle Dinge durch das Wort seiner Kraft“</em>)</li>
</ul>



<p>Das heißt: Gott konnte und kann <em>alles </em>durch Sein Wort – aber: zu unserer Erlösung von Schuld und Tod musste Er Seinen Sohn geben. Die Schuld des Menschen vor Gott ist durch Reden <em>nicht </em>zu beseitigen; zur Reinigung von unseren Sünden bedurfte es viel mehr. Das kann uns neu dankbar machen für die Größe der Errettung, die Gott uns in Jesus Christus schenkt.</p>



<p>Wie bei allem Wertvollen, was Gott dem Menschen anvertraut hat, liegen in der Kommunikation Licht und Dunkelheit, Chance und Gefahr, Hilfe und Zerstörung, Hoffnung und Entmutigung. Sprüche 18,21 bringt dies drastisch und auch treffend zum Ausdruck: <em>„Tod und Leben steht in der Gewalt der Zunge &#8230;“</em></p>



<p>Beim ersten Menschenpaar herrschte wunderbare Harmonie bis zu dem Zeitpunkt, als das Infragestellen des Wortes Gottes zur Kommunikationsstörung führte, unter der die Menschheit bis heute leidet.</p>



<p>In der Seelsorge spielt Kommunikation eine zentrale Rolle, denn es geht darum, dem Ratsuchenden auf kommunikativem Wege Rat, Hilfe, Ermahnung, Ermunterung und Korrektur zu geben. Da die Probleme des Ratsuchenden zum großen Teil <em>Kommunikationsprobleme </em>im weitesten Sinne sind (das schließt die Kommunikation zwischen Gott und Mensch ein) und auch die Beratungssituation selbst sich der Kommunikation bedient, kann die Beschäftigung mit diesem Themenkomplex für unser soziales Miteinander und den Dienst der Seelsorge [biblische Beratung] sehr hilfreich sein.</p>



<h3 class="wp-block-heading">1.2. Bedeutung psychologischer Erkenntnisse</h3>



<p>Die Bibel äußert sich erstaunlich oft zum Thema Kommunikation im Sinne des rechten bzw. unrechten Gebrauches der Zunge (v. a. Sprüche und Jakobus-Brief<sup data-fn="e49297ca-c54a-418e-812e-3a09edfb8653" class="fn"><a id="e49297ca-c54a-418e-812e-3a09edfb8653-link" href="#e49297ca-c54a-418e-812e-3a09edfb8653">1</a></sup>). Von daher müsste der Verweis auf das Wort Gottes, das uns Maßstab richtigen Denkens und Verhaltens ist, eigentlich genügen. Allerdings erhebt die Bibel nicht den Anspruch, alle Bereiche unseres Lebens so umfassend zu behandeln, dass jegliches Weiterdenken an einem Thema überflüssig wäre. Ansonsten müssten wir jede Wissenschaft ablehnen.<sup data-fn="b09100ec-8045-4f2b-822b-723b78ffe5e3" class="fn"><a id="b09100ec-8045-4f2b-822b-723b78ffe5e3-link" href="#b09100ec-8045-4f2b-822b-723b78ffe5e3">2</a></sup></p>



<p>In der Psychologie und Psychotherapie sind Sprache und Kommunikation wichtige Forschungsgebiete. Viele der dabei gewonnenen Erkenntnisse können uns helfen, den äußerst komplexen und komplizierten Vorgang der Kommunikation besser zu verstehen, <em>ohne </em>– und das möchte ich sehr betonen – dass wir damit die Prämissen humanistischer Wissenschaft übernehmen müssten. So ist es mein Anliegen, einige kommunikationspsychologische Erkenntnisse zu vermitteln, die sich in grundsätzliche biblische Aussagen einfügen lassen. Wir haben damit eher die Chance, mit Kommunikation und deren Störungen anders bzw. besser umgehen zu können.</p>



<p>Ziel dieses Artikels ist auf jeden Fall nicht die Vermittlung therapeutischer Methoden, sondern die Schärfung unserer Wahrnehmung und damit Befähigung zu bewussterem und angemessenerem Umgang mit einer überaus wunderbaren Gabe Gottes: der Kommunikation. Viele Ergebnisse aus der Kommunikationsforschung können dazu beitragen, andere und sich selbst besser zu verstehen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">2. Kommunikation: ein komplexes Geschehen</h2>



<h3 class="wp-block-heading">2.1. Definition</h3>



<p>Kommunikation ist etwas, womit jeder ständig lebt, worüber aber im Allgemeinen wenig nachgedacht wird; sie ist so selbstverständlich wie die Luft, die wir einatmen. Im Grunde ist dies auch gut so – zumindest so lange Kommunikation funktioniert. Erfahrungsgemäß nehmen wir viele Dinge erst wahr und beschäftigen uns damit, wenn sie uns Probleme machen.<sup data-fn="49ad5b03-6c9e-4fee-911b-923ef691a488" class="fn"><a id="49ad5b03-6c9e-4fee-911b-923ef691a488-link" href="#49ad5b03-6c9e-4fee-911b-923ef691a488">3</a></sup></p>



<p>Definition:</p>



<p><code>Kommunikation ist eine Form der Interaktion zum Zweck der Vermittlung von Information (dabei ist Information sehr weit gefasst, bezieht sich also nicht nur auf Worte).</code></p>



<p>Vom lat. <em>„communicare“</em> = teilhaben, mitteilen (Adjektiv: <em>„communis“</em>= gemeinsam).</p>



<p>Kommunikation ist auch deshalb wissenschaftlich relativ gut erforscht, weil sie schlechthin das Medium der Psychotherapie ist (obwohl es auch eine Menge sog. körperorientierter Therapieverfahren gibt). Sprache/Kommunikation als Mittel von Therapie spiegelt sich auch in einer allgemein anerkannten Definition von Psychotherapie wider: <em>„Psychotherapie ist ein bewusster und geplanter interaktioneller Prozess zur Beeinflussung von Verhaltensstörungen und Leidenszuständen, die in einem Konsens (möglichst zwischen Patient, Therapeut und Bezugsgruppe) für behandlungsbedürftig gehalten werden, mit psychologischen Mitteln (durch Kommunikation) meist verbal, aber auch averbal, in Richtung auf ein definiertes Ziel (Symptomminimalisierung und/oder Strukturänderung der Persönlichkeit) mittels lehrbarer Techniken auf der Basis einer Theorie des normalen und pathologischen Verhaltens.“</em><sup data-fn="5f542a46-d5e9-4649-bb89-849e7ec23a72" class="fn"><a id="5f542a46-d5e9-4649-bb89-849e7ec23a72-link" href="#5f542a46-d5e9-4649-bb89-849e7ec23a72">4</a></sup></p>



<h3 class="wp-block-heading">2.2. Formen der Kommunikation</h3>



<ul class="wp-block-list">
<li><em>Intrapersonale Kommunikation:</em> Austausch, der innerhalb einer Person abläuft (Beispiel: Aufnahme von Daten aus der Umwelt, Selbstgespräche). Denken und Sprache sind untrennbar miteinander verbunden. Man kann nur in den Grenzen denken, wie man Worte dafür hat.</li>



<li><em>Interpersonale Kommunikation: </em>Austausch von Informationen zwischen wenigstens zwei Kommunikationspartnern/Personen.</li>



<li><em>Mediengebundene Kommunikation</em> (Massenkommunikation): Austausch von Informationen zwischen Massenmedien und einem Medienkonsumenten. Diese Form der Kommunikation bestimmt zunehmend unseren Alltag.</li>
</ul>



<h3 class="wp-block-heading">2.3. Zweck der Kommunikation</h3>



<p>Wenn wir fragen, wozu Kommunikation überhaupt gut ist (wozu sie dient), dann finden wir fünf Erklärungen:</p>



<ol class="wp-block-list">
<li>der egozentrischen Äußerung (<em>„Mir ist kalt“</em>)</li>



<li>Informationssammlung (Fragen stellen)</li>



<li>Informationsübermittlung (Wissensübermittlung: Vortrag, Schule)</li>



<li>Beeinflussung des Verhaltens anderer (<em>„Mach’ bitte die Tür zu!“</em>)</li>



<li>Herstellung und Aufrechterhaltung einer Beziehung; „small talk“</li>
</ol>



<p>Beispiel: Gespräche übers Wetter (wie gut, dass wir das Wetter haben, sonst gäbe es möglicherweise noch weniger Beziehungen).</p>



<h3 class="wp-block-heading">2.4. Kommunikationsmodell</h3>



<p>Menschliche Kommunikation ist ein äußerst komplexes Geschehen. Deshalb soll uns ein einfaches Modell aus der Nachrichtentechnik zu besserem Verständnis verhelfen (Mitte der 40-er Jahre des 19. Jahrhunderts).</p>



<p>Das Modell ist an sich banal (wie viele Modelle), das Wissen um die verschiedenen Komponenten der Kommunikation kann uns aber helfen, sowohl Kommunikation selbst als auch Kommunikationsstörungen besser zu verstehen.</p>



<p>Grundsätzlich muss eine Nachricht vom Sender <em>verschlüsselt </em>(enkodiert) und vom Empfänger <em>entschlüsselt </em>(dekodiert) werden. Das heißt der jeweilige Sender fasst seine Nachricht in Lauten (beim Sprechen) oder in Zeichen (beim Schreiben) ab, die vom Empfänger entschlüsselt (dekodiert) werden müssen.</p>



<p>Dem Kommunikationsprozess im zwischenmenschlichen Bereich wird dieses Modell allerdings nicht gerecht, da es Wechselwirkungen zwischen Sender und Empfänger nicht berücksichtigt. Menschliche Kommunikation ist ja keine Einbahnstraße.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://kfg.org/wp-content/uploads/2025/03/kommunikationsstoerung-folie1.png"><img loading="lazy" decoding="async" width="565" height="423" src="https://kfg.org/wp-content/uploads/2025/03/kommunikationsstoerung-folie1.png" alt="" class="wp-image-18351" srcset="https://kfg.org/wp-content/uploads/2025/03/kommunikationsstoerung-folie1.png 565w, https://kfg.org/wp-content/uploads/2025/03/kommunikationsstoerung-folie1-300x225.png 300w, https://kfg.org/wp-content/uploads/2025/03/kommunikationsstoerung-folie1-500x374.png 500w" sizes="auto, (max-width: 565px) 100vw, 565px" /></a></figure>



<p>Der Ratsuchende (z.B. Ehemann) und der Seelsorger sind sowohl Sender als auch Empfänger von Information. Dass es dabei um viel mehr als um das gesprochene Wort geht, ist klar. Als Funktionsmodell dargestellt würde das in etwa so aussehen wie auf Seite 10 dargestellt.</p>



<p>Wörter oder Begriffe sind keine festen Größen, auf die es bestimmte richtige oder falsche Reaktionen gibt. Kommunikation ist sehr vielschichtig und wir müssen unser Modell weiter ausbauen. So kommen wir zunächst zu den verschiedenen Aspekten der Kommunikation, um uns einige Dinge bewusst zu machen, die normalerweise unbewusst (entweder richtig oder falsch) ablaufen. Das Wissen um diese unterschiedlichen Aspekte ist teilweise sehr praktisch und kann im Umgang mit anderen sehr hilfreich sein!</p>



<h2 class="wp-block-heading">3. Aspekte der Kommunikation:</h2>



<p>Beispiel: Eine Frau sagt zum Seelsorger/in: <em>„Mein Mann ist nie zu Hause.“</em></p>



<p>Diese kurze und einfache Aussage (sechs Worte, 21 Buchstaben) ist eine Nachricht, die hinsichtlich verschiedener Aspekte analysiert werden kann. Wir sehen dabei, dass die Sache gar nicht so einfach ist, wie sie zunächst scheint.</p>



<h3 class="wp-block-heading">3.1. Sachaspekt (Sachinhalt)</h3>



<p>Die Nachricht der Ehefrau enthält zunächst eine rein sachliche Information, nämlich die, dass ihr Mann sich (selten bis) nie in der ehelichen Wohnung aufhält. Das heißt diese Aussage ist klar, sachlich, verständlich, offen. Man ist sich einig darüber, was mitgeteilt wird. Der Sachaspekt bezieht sich also auf die <em>objektiven </em>Gegebenheiten, er vermittelt Fakten.</p>



<p>Kurz: Es geht darum, worüber ich <em>informieren </em>möchte.</p>



<p>Allerdings bringt die Ratsuchende mit ihrer Äußerung noch viel mehr zum Ausdruck; der Sachaspekt ist nur die „Spitze des Eisbergs“:</p>



<h3 class="wp-block-heading">3.2. Selbstoffenbarungsaspekt</h3>



<p>Jede Nachricht enthält auch Informationen über die Person des Senders, z.B. dass sie Deutsche – oder zumindest der deutschen Sprache mächtig – ist. Außerdem, dass sie sich verlassen fühlt, dass sie deprimiert ist etc. Sie teilt also <em>indirekt etwas über sich selbst</em> mit, über ihre Befindlichkeit, Pläne, Wünsche etc. Den meisten wäre es wahrscheinlich sehr unangenehm, wenn sie wüssten, dass sie etwas über sich selbst aussagen, was sich der willentlichen Kontrolle weitgehend entzieht.</p>



<p>Was sagt die Frau möglicherweise über sich selbst?</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><em>„Ich fühle mich im Stich gelassen.“</em> (Enttäuschung über ihren Mann)</li>



<li><em>„Alles andere ist ihm wichtiger als ich.“</em> (Kränkung)</li>



<li><em>„Er kann mir bald gestohlen bleiben.“</em> (Wut, Aggression)</li>
</ul>



<p>Kurz: Es geht darum, was ich selbst von mir kundgebe (gewollt oder ungewollt).</p>



<p>Was die Frau <em>wirklich </em>meint, kann nur erschlossen werden. In diesem Zusammenhang spielt das „Lesen zwischen den Zeilen“ eine große Rolle. Ich gehe später unter dem Thema „nonverbale Kommunikation“ darauf ein.</p>



<h3 class="wp-block-heading">3.3. Beziehungsaspekt</h3>



<p>Durch ihre Äußerung teilt die Ehefrau <em>indirekt auch etwas über ihre Beziehung zum Seelsorger</em> (und natürlich auch zu ihrem Ehemann) mit. Mit der Nachricht wird also gleichzeitig etwas über die Qualität der Beziehung des Redenden (Sender) zum Hörenden (Empfänger) vermittelt.</p>



<p>Mögliche Mitteilung: <em>„Zu Ihnen habe ich Vertrauen und würde gerne mehr erzählen…“</em></p>



<p>In der Regel nehmen wir den Beziehungsaspekt sehr sensibel wahr und reagieren empfindlich darauf: Sehr schnell fühlen wir uns in Frage gestellt, nicht ernst genommen oder korrigiert. Wir wissen um die Schwierigkeiten im Umgang mit Menschen, die „alles sehr persönlich nehmen“. Schon die banale Frage: <em>„Darf ich Ihnen in den Mantel helfen?“</em> kann die Reaktion auslösen: <em>„Meinen Sie, ich kann das nicht allein?“</em></p>



<p>Kurz: Beim Beziehungsaspekt geht es darum, <em>wie ich zu meinem Gegenüber</em> stehe.</p>



<p>Je unklarer eine Beziehung ist, desto eher wird eine Nachricht falsch interpretiert.</p>



<h3 class="wp-block-heading">3.4. Appellaspekt</h3>



<p>Mit einer Botschaft verbinden wir in der Regel eine bestimmte <em>Absicht</em>, d.h. wir wollen etwas damit erreichen, was wir uns vielleicht nicht direkt zu sagen getrauen.</p>



<p>Kurz: Es geht darum, wozu ich dich veranlassen möchte.</p>



<p>Mit der lapidaren Aussage: <em>„Wir haben keinen Kaffee mehr“</em> verknüpft der Ehemann eindeutig die Erwartung, dass seine Frau möglichst bald einkaufen geht.</p>



<p>Auch die Frau in unserem Beispiel verknüpft mit ihrer Aussage (bewusst oder weniger bewusst) eine Absicht/Erwartung:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><em>„So kann es nicht weitergehen, was soll ich tun?“</em></li>



<li><em>„Könnten Sie vielleicht einmal mit meinem Mann reden?“</em> etc.</li>
</ul>



<p>Der Sach-, Selbstoffenbarungs- und Beziehungsaspekt werden oft genutzt, um einem <em>Appell </em>Nachdruck zu verleihen, wie dieses nette (fiktive) Beispiel zeigt:</p>



<p>Beispiel: Martha sagt schluchzend zu ihrem Mann: <em>„Ich habe gar nichts anzuziehen.“</em> Der Appell ist deutlich: „Ich möchte mir ein neues Kleidungsstück kaufen!“ Sie vermittelt Unglücklichsein [Selbstoffenbarung] und gibt ihrem Mann das Gefühl, dass nur er (denn er ist ja ein guter Ehemann) in der Lage ist, diesen unerträglichen Zustand zu beenden [Beziehung].</p>



<p>Welch‘ ungeheurer Reichtum liegt doch in unserer Fähigkeit zur Kommunikation!</p>



<h3 class="wp-block-heading">3.5. Aspekt bezogene Reaktionen</h3>



<p>Wir wollen festhalten, dass ein und dieselbe Nachricht viele verschiedene Botschaften enthalten kann. Wie wir sie <em>interpretieren </em>und wie wir darauf <em>reagieren</em>, hängt davon ab, welchen Aspekt bzw. welche Aspekte wir <em>wahrnehmen </em>und wie wir sie <em>gewichten</em>. Eine Ehefrau beispielsweise fühlt sich leicht unverstanden, wenn ihr Mann nur den Sachaspekt ihrer Botschaft wahrnimmt. Das ist oft ein großes Problem in Beziehungen. Im obigen Beispiel würde der Ehemann sagen: <em>„Dein Kleiderschrank ist doch voll!“</em> – womit er möglicherweise nicht einmal Unrecht hätte – sie würde sich allerdings überhaupt nicht verstanden und ernst genommen fühlen.</p>



<p>Im Falle unseres Beispiels mit der Ehefrau (<em>„Mein Mann ist nie zu Hause.“</em>) können wir als Gesprächspartner sehr unterschiedlich reagieren, je nachdem, auf welchen der vier Aspekte der Botschaft wir besonders eingehen:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><em>Sachaspekt: „Es kann doch nicht sein, dass ihr Mann permanent auf Montage ist.“</em> oder <em>„Seien Sie froh, dass er nicht dauernd zu Hause sitzt.“</em></li>



<li><em>Selbstoffenbarungsaspekt: „Na, so schlimm wird’s wohl nicht sein …“</em></li>



<li><em>Beziehungsaspekt: „Ich kann mir vorstellen, dass Ihnen das zu schaffen macht, wollen Sie mir mehr darüber erzählen?“</em></li>



<li><em>Appellaspekt: „Ich kann Ihren Mann nicht ändern, aber ich möchte gerne für Ihre Ehe beten…“</em></li>
</ul>



<p>Bei den drei Freunden von Hiob war das Problem, dass sie hauptsächlich den Sachaspekt wahrnehmen! Sie sagten ja nicht nur Falsches, aber für Hiob waren sie dennoch <em>„leidige Tröster“</em> (Hiob 16,2). Sie dachten folgendermaßen:</p>



<ol class="wp-block-list">
<li>Gott segnet die Gerechten und lässt die Sünder leiden;</li>



<li>Hiob leidet;</li>



<li>Also hat Hiob gesündigt!</li>
</ol>



<p>Dagegen verlässt der Herr Jesus im Gespräch mit der Samariterin (Joh 4) sofort die Sachebene (<em>„Gib mir zu trinken!“</em>) und ist nach wenigen Worten auf der Beziehungsebene, wo ihre eigentlichen Probleme lagen. Kurze Zeit später bekehren sich viele Samaritaner …</p>



<p>Noch eine Anmerkung: Es ist möglich, dass wir persönlichkeitsbedingt oder geschlechtsbedingt auf einen Aspekt im Kommunikationsprozess besonders ansprechen und reagieren:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Wenn dies der <em>Sachaspekt </em>ist, werden wir uns mit den Fakten begnügen – mit dem Resultat, dass uns das Erleben und die Gefühle des anderen weitgehend verschlossen bleiben werden. Unser Gegenüber fühlt sich unverstanden und möglicherweise auch nicht ernst genommen. Wahrscheinlich neigen Männer eher zu dieser Kommunikationsvariante.</li>



<li>Überbetonung des <em>Selbstoffenbarungsaspektes </em>erweckt den Eindruck einer egozentrischen Person, um die sich alles dreht.</li>



<li>Wenn wir den <em>Beziehungsaspekt </em>überbetonen, nehmen wir Aussagen unseres Gegenübers sehr schnell persönlich oder lassen uns in Beziehungen verstricken. Oder wir identifizieren uns mit ihm und verlieren die nötige Distanz. Es kann auch sein, dass Lob uns parteiisch macht (<em>„Sie verstehen mich wenigstens…“</em>)</li>



<li>Menschen, die auf den <em>Appellaspekt </em>besonders stark ansprechen, sehen für sich selbst überall Aufgaben. Sie meinen, dem Gegenüber die Probleme aus dem Weg räumen zu müssen und fühlen sich deshalb möglicherweise schnell überfordert oder auch ausgenutzt. Oft sind dies Menschen, die nicht „Nein“ sagen können oder solche, die ein starkes Geltungsbedürfnis haben – wie jener Manager, der in ein Taxi springt und schreit: <em>„Fahren sie mich irgendwo hin, ich werde überall gebraucht!“</em></li>
</ul>



<p>Fazit: Für einen Seelsorger ist es wichtig, sich <em>selbst </em>einigermaßen zu kennen (vor allem die Schwachstellen), <em>alle </em>Aspekte der Kommunikation (einigermaßen) im Blick zu haben und sie (einigermaßen) richtig zu gewichten! Welcher Aspekt spricht mich besonders an?</p>



<p>Schwierigkeit: die verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten der verbalen Äußerung schließen Fehlinterpretationen und Missverständnisse ein<sup data-fn="bc67a29a-bb25-4d29-9cf6-aa6cc08abe1d" class="fn"><a id="bc67a29a-bb25-4d29-9cf6-aa6cc08abe1d-link" href="#bc67a29a-bb25-4d29-9cf6-aa6cc08abe1d">5</a></sup>. Wir sind deshalb zusätzlich zu verbalen Äußerungen auf Signale angewiesen, die Unsicherheit reduzieren helfen: nonverbale Kommunikation.</p>



<h2 class="wp-block-heading">4. Nonverbale Kommunikation</h2>



<p>Wer aus dem Gesagten den Schluss zieht, besser gar nicht mehr zu reden, der ist damit nicht aus dem Schneider, denn es lässt sich auch ohne Worte viel vermitteln. Beispiel: Meine Enkel verzogen die Gesichter, als ich ihnen kürzlich Zucchinis aus unserem Garten anbot.</p>



<p>Das bedeutet: wir können auch <em>ohne Worte</em>, nonverbal (ohne die Verwendung von Sprache) etwas bzw. sogar sehr viel vermitteln! In diesem Fall entfällt der „Sachaspekt“, die drei anderen Aspekte kommen jedoch verstärkt zum Tragen.</p>



<p>Der Krimi-Autor Alfred Hitchcock sagte einmal: <em>„Richtig verheiratet ist ein Mann erst dann, wenn er jedes Wort versteht, das seine Frau <strong>nicht </strong>gesagt hat!“</em></p>



<p>In Psalm 32,8 sagt der Herr, dass Er uns mit Seinen Augen (also nonverbal) leiten will. Was das wohl für unsere Nachfolge bedeutet?</p>



<p>Beispiel: Zuhörer eines Vortrages gähnen oder schauen dauernd auf die Uhr.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Selbstoffenbarungsaspekt: <em>„mir ist furchtbar langweilig &#8230;“</em>; <em>„ich bin gestern zu spät ins Bett“</em> etc.</li>



<li>Beziehungsaspekt: <em>„Wenn ich den Redner nicht so gut kennen würde, würde ich aufstehen und gehen.“</em></li>



<li>Appellaspekt: <em>„Sei so gut und gönne mir jetzt eine Kaffeepause!“</em></li>
</ul>



<p>Das heißt: Die Bedeutung von Wörtern kann durch nichtsprachliche (nonverbale) Äußerungen <em>bestätigt, verändert, relativiert und sogar aufgehoben</em> werden. Integrität und Echtheit werden wir dadurch vermitteln, indem verbales und nonverbales Verhalten übereinstimmen – das sollte ein normales Kennzeichen eines Gläubigen sein.</p>



<p>Beispiel: Ein Vater sagt zu seinem Sohn: <em>„Warte, ich helf‘ dir gleich!“</em> Er kann damit je nach Situation, Stimmlage. Lautstärke, Gestik und Mimik etc. ganz unterschiedliches ausdrücken: Zuneigung und Anteilnahme, aber auch Warnung und Drohung.</p>



<p><strong>Verbale Kommunikation</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li>was wird gesagt?</li>



<li>Kontrolle leicht möglich</li>



<li>vermittelt einfach „Daten“ (Sachinhalts-Aspekt)</li>



<li>Sprache willkürlich kodiert digital (z.B. Begriffe wie „Haus“, „Baum“)</li>
</ul>



<p><strong>Nonverbale Kommunikation</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li>wie wird es gesagt? („Der Ton macht die Musik“)</li>



<li>eher spontan, wenig beeinflussbar</li>



<li>vermittelt, wie die Daten aufzufassen sind</li>



<li>nonverbale Signale analog (z.B. Bilder oder Gefühlsäußerungen)</li>
</ul>



<p>Zwischenmenschliche Kommunikation ist eine Mischung von digitalen und analogen Modalitäten. Beispiel: Jemand kann sich digital mitteilen, wenn er etwas nicht verstanden hat, indem er sagt: <em>„Das habe ich jetzt nicht verstanden“</em> oder aber analog, indem er die Stirn runzelt.</p>



<p>Und sie ist außerdem meist auch eine Kombination von verbalen und nicht-verbalen Elementen.</p>



<p>Verbale Kommunikation benötigt die Unterstützung der nonverbalen Kommunikation – und zwar auf zwei wichtigen Kanälen:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>visuell-gesturalen Kanal (Mimik, Gestik)</li>
</ul>



<p>=> averbale Kommunikation</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>audio-vokalen Kanal (Lautstärke, Stimmlage etc.)</li>
</ul>



<p>=> paraverbale Kommunikation</p>



<h4 class="wp-block-heading">1. Averbale Aspekte der Kommunikation („Körpersprache“)</h4>



<ul class="wp-block-list">
<li>Körperkontakt: Aggressionshandlungen, sexuelle Handlungen und Fürsorgehandlungen, Begrüßung/Abschied etc.</li>



<li>räumliche Nähe: jeder hat seine persönliche Distanz, auf deren Einhaltung er achtet (&lt;0,50m intim, 1,50m zwanglos-persönlich, 3,50m sozial-konsultativ)</li>



<li>Körperhaltung: Indikator für Status, Gefühlszustand, Einstellung anderen Menschen gegenüber („kalte Schulter zeigen“; „die Stirn bieten“)</li>



<li>Äußere Erscheinung: Körperbau, Kleidung, Gesicht, Haar; Hände können Hinweise auf die soziale Gruppe/Beruf, Status, emotionalen Zustand o.ä. sein.</li>



<li>Mimik und Gestik: Das Gesicht mit seinen 26 Muskeln drückt oft sehr deutlich Gefühle aus (Glück, Überraschung, Trauer, Furcht, Wut, Ekel, Interesse etc.); diese Verhaltensweisen sind teilweise angeboren bzw. verknüpft mit Reaktionen des autonomen Nervensystems (z. B. Erröten, Erblassen, Weinen, Pupillenerweiterung). Am Gesichtsausdruck des Gegenübers kann ich z. B. erkennen, was es empfindet, ob das Gesagte verstanden wurde, ob es sich ernst genommen fühlt, ob ein Wechsel beim Sprechen erfolgen soll etc.</li>



<li>Hände: Unterstreichen bzw. illustrieren das Gesagte; (häufige Hand- Gesichts- Kontakte können Hinweis auf psychische Störung sein).</li>



<li>Kopfhaltung und Kopfbewegung: Nicken als Bekräftigung des Gesagten; Gegenteil: Kopfschütteln (in anderen Kulturen teilweise andere Bedeutung!)</li>



<li>Blickrichtung und Blickkontakt: Blickvermeidung zum Reduzieren von Aufregung, Vermeiden von Intimität, evtl. Scham. Der Aufbau von Beziehung ist weitgehend an Blickkontakt gebunden. Beispiel Autismus: soziale Kontaktstörung, bei der Körper- und Blickkontakt gemieden werden. Optimale Länge des Blickkontaktes: 3,3 Sekunden.</li>
</ul>



<h4 class="wp-block-heading">2. Paraverbale Aspekte der Kommunikation (Begleiterscheinungen des Sprechens):</h4>



<ul class="wp-block-list">
<li>emotionaler Tonfall gibt Hinweise auf die Gefühlslage (harte/weiche, laute/leise, warme/kalte Stimme etc.). Beispiel: Telefondienste in Japan, die Mut zusprechen!</li>



<li>Sprechtempo (schnelles, gehetztes bzw. langsames und schleppendes Sprechen etc.)</li>



<li>Sprechfehler als Hinweis auf unbewusste Wünsche („Freud’sche Fehlleistung“), Anspannung oder einfach auch Ermüdung</li>



<li>Akzent gibt Hinweise auf Status, Nationalität und Gruppenzugehörigkeit, Erziehung etc.</li>



<li>Regredieren auf den ursprünglichen Akzent bei starker Erregung, Angst, Stress</li>
</ul>



[Anm.: eine ‚feuchte Aussprache‘ kann zwar auch eine Begleiterscheinung des Sprechens sein, zählt aber nicht als ‚paraverbaler Aspekt‘!]



<p>Soweit einige Erkenntnisse und Anregungen zum Thema Kommunikation. Wir sehen: Kommunikation ist ein sehr komplexes und kompliziertes Phänomen. Wissenschaftliche Modelle und Systematisierungen können uns zwar helfen, die Prozesse zu beschreiben und sie etwas besser zu verstehen, aber wir sollten nicht meinen, wir könnten durch psychologische Erkenntnisse jede kommunikative Äußerung richtig einschätzen, geschweige denn richtig darauf reagieren. Das beweist uns auch unsere Erfahrungen, denn es ist leider nicht zu vermeiden, dass es hin und wieder zu Kommunikationsstörungen kommt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">5. Kommunikationsstörungen</h2>



<p>Dinge, die sehr komplex und kompliziert sind, sind oft auch sehr störanfällig. In „Der Kleine Prinz“ von Saint-Éxupery sagt der Fuchs zum Kleinen Prinzen: <em>„Die Sprache ist die Quelle der Missverständnisse.“</em> Ja, es ist wirklich erschreckend, wie leicht und wie schnell es im zwischenmenschlichen Bereich zu Störungen im Miteinander kommt. Im Grunde handelt es sich um <em>Kommunikationsprobleme</em>. Viele Nöte in unserem Leben deuten auf eine gestörte Kommunikation mit anderen Menschen und v. a. mit dem Herrn hin – oder auch mit sich selbst. Beispiel: Jemand sagt sich bei allen Anforderungen: <em>„Das kann ich nicht“ </em>(Autosuggestion)</p>



<p>Beispiel: Frau Müller kommt mit ihrem Mann zur Beratung, der aber nur seiner Frau zuliebe mitgeht; er selbst sieht keine Probleme in der Ehe – die völlig unterschiedliche Einschätzung ein und derselben Situation lässt auf Störungen in der Kommunikation des Ehepaars schließen (<em>„Er versteht mich nicht &#8230;“</em> – <em>„Ich weiß gar nicht, was sie hat“</em>).</p>



<p>Paradox: Im sogenannten „Kommunikationszeitalter“ scheinen Kommunikationsprobleme verbreiteter zu sein denn je. Es geht eben nicht in erster Linie um die Quantität, sondern um die Qualität!</p>



<h3 class="wp-block-heading">5.1. Bedingungen für die Entstehung von Kommunikationsstörungen</h3>



<p>Im Folgenden wollen wir uns mit sechs verbreiteten Arten von Kommunikationsstörungen beschäftigen. Sie werden sich bestimmt hier und da wiederfinden. In einem späteren Punkt soll es dann darum gehen, diese Störungen zu vermeiden bzw. zu beheben.</p>



<h4 class="wp-block-heading">5.1.1. Technische und semantische Probleme bei der Kommunikation</h4>



<p>Technisch: Beeinträchtigung der Kommunikation durch äußere Faktoren (Lärm, äußere Unruhe, Telefon). Man sollte die Bedeutung dieses Punktes nicht unterschätzen.</p>



<p>Semantisch: Bedeutung der Zeichen (Wörter) nicht einheitlich. Es ist sehr leicht möglich, dass wir zwar dieselben Worte verwenden, jedoch etwas anderes darunter verstehen, d.h. wir <em>„reden aneinander vorbei“</em>.</p>



<p>Das trifft nach meiner Beobachtung auch immer mehr auf Christen zu. Nicht selten werden ein und dieselben Begriffe (Erlösung, Gnade, Seelsorge etc.) unterschiedlich verstanden und gelebt und führen zu Verwirrung und Spaltung. Grund: Die inhaltliche Füllung der Begriffe geschieht willkürlich, weil Gottes Wort immer weniger mit Ehrfurcht behandelt und ausgelegt wird.</p>



<h4 class="wp-block-heading">5.1.2. Verweigerung verbaler Kommunikation</h4>



<ul class="wp-block-list">
<li>einfach nicht mit dem andern reden wollen (z. B. Kopfschmerzen oder Schläfrigkeit oder viel Arbeit vortäuschen) – obwohl natürlich auch dies Kommunikation ist, denn der Betreffende drückt damit sehr wohl etwas aus – auch wenn nicht geredet wird!</li>



<li>Entwertung dessen, was der andere sagt durch verschiedene Methoden, z. B. Themenwechsel, absichtliches Missverstehen, Überheblichkeit etc.</li>



<li>Abweisung; entweder deutlich sagen, dass man an einem Gespräch nicht interessiert ist oder sein Gegenüber einfach „abblitzen“ lassen</li>



<li>Ausweichen; nicht auf das eingehen, was dem Gegenüber wichtig ist etc.</li>
</ul>



<h4 class="wp-block-heading">5.1.3. Vermischung von Sach- und Beziehungsaspekt</h4>



<p>Der Idealfall, der leider selten ist, sieht so aus: Zwei Individuen sind sich sowohl in Bezug auf den <em>Inhalt </em>ihrer Kommunikation als auch bezüglich ihrer <em>Beziehung </em>einig. Dazwischen liegen Mischformen:</p>



<h5 class="wp-block-heading">1. Uneinigkeit auf Inhaltsebene und Einigkeit auf Beziehungsebene</h5>



<p>(= Harmonie in der Beziehung trotz unterschiedlicher Meinung – dies ist auch unter Christen sehr erstrebenswert). Beispiel: geschwisterliches Verhältnis trotz unterschiedlicher Meinung (z.B. zum Thema Zungenrede, Haarlänge, Politik etc.)</p>



<p>Allerdings: Es darf keine Einigkeit auf Kosten der Wahrheit geben! Manchmal muss man seinem Gegenüber wirklich sagen: <em>„Wenn ich dir in diesem Punkt recht gebe, dann tue ich unrecht, dann bin ich dem Herrn untreu!“</em></p>



<h5 class="wp-block-heading">2. Einigkeit auf der Inhaltsebene und Uneinigkeit auf der Beziehungsebene</h5>



<p>Die Beziehung wird nur durch ein temporäres gemeinsames Ziel aufrechterhalten (z.B. häufig der Fall beim gemeinsamen Bau eines Hauses; wenn dann das „Werk“ fertig ist, geht die Ehe in die Brüche).</p>



<p>Uneinigkeit zwischen Kommunikationspartnern entsteht oft dadurch, dass Sach- und Beziehungsebene vermischt werden.</p>



<p>Beispiel: Ein Mann legt nach einer Missionsveranstaltung einen Scheck über 1.000 Euro in den Korb; seine Frau macht ihm gewaltige Vorwürfe, als sie davon erfährt, es gibt Streit (<em>„Wie kannst du nur so viel Geld spenden …“</em>)</p>



<p>Analyse: Auch die Frau sieht die Spende als richtig an (sachliche Ebene), aber sie fühlt sich übergangen und reagiert deshalb ungehalten (Beziehungsebene). Es geht bei der Auseinandersetzung nicht primär um das Geld, sondern um das verletzte Selbstwertgefühl, das gekränkte Ich! (<em>„Wie kann er nur so viel Geld weggeben, ohne sich vorher mit mir abzusprechen“</em>). Auch diese Art der Kommunikationsstörung dürfte uns nicht ganz fremd sein.</p>



<p>Bei vielen Problemen in Gemeinden, Betrieben und Ehen werden wir feststellen, dass ihre scheinbare Unlösbarkeit mit der Vermischung beider Aspekte zu tun hat.1</p>



<p>Beziehungsprobleme werden unlösbar, wenn man versucht, sie auf der Sachebene auszutragen; es kommt dann zu den unsinnigsten Streitereien. Es ist deshalb wichtig, dass der Seelsorger erkennt, woran die Kommunikation krankt; Beziehungsprobleme können jedenfalls nicht allein auf der Sachebene gelöst werden (dazu neigen Männer eher als Frauen).</p>



<h4 class="wp-block-heading">5.1.4. Falsche Interpunktion</h4>



<p>In einer Kette von Ereignissen oder Interaktionen ist es immer willkürlich, festlegen zu wollen, was Ursache und was Wirkung ist. Probleme ergeben sich hier also aufgrund unseres kausalistischen Denkens (Ursache – Wirkung).</p>



<p>Beispiel: Ein typischer Konflikt bei einem Ehepaar kann darin bestehen, dass der Mann in seinem Rückzugsverhalten die einzige Möglichkeit sieht, sich gegen das Nörgeln seiner Frau zur Wehr zu setzen: <em>„Ich kann dir ja nichts recht machen, deshalb ziehe ich mich zurück.“</em> Die Ehefrau ihrerseits sieht gerade im Rückzug ihres Mannes den Grund ihrer permanent geäußerten Unzufriedenheit, die sie dann auch zum Ausdruck bringt. Auf einen Nenner gebracht tauschen beide permanent folgende Botschaften aus: <em>„Ich meide dich, weil du nörgelst.“</em> und <em>„Ich nörgle, weil du mich meidest.“</em> Graphisch lässt sich dieses fatale Interaktionsmuster folgendermaßen darstellen:</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://kfg.org/wp-content/uploads/2025/03/kommunikationsstoerung-folie2.png"><img loading="lazy" decoding="async" width="611" height="458" src="https://kfg.org/wp-content/uploads/2025/03/kommunikationsstoerung-folie2.png" alt="" class="wp-image-18352" srcset="https://kfg.org/wp-content/uploads/2025/03/kommunikationsstoerung-folie2.png 611w, https://kfg.org/wp-content/uploads/2025/03/kommunikationsstoerung-folie2-300x225.png 300w, https://kfg.org/wp-content/uploads/2025/03/kommunikationsstoerung-folie2-500x375.png 500w" sizes="auto, (max-width: 611px) 100vw, 611px" /></a></figure>



<p>Ich möchte hier etwas Humorvolles einfügen. Der Klassenlehrer fragt:<em> „Wer hat die Schlägerei begonnen?“</em> Thomas betreten: <em>„Es fing damit an, dass Erich zurückschlug!“</em> – Wir sehen: Schuld ist immer der andere.</p>



<p>Beispiel: Auf politischer Ebene geschieht oft dasselbe: Wettrüsten; Land X hat immer einen Grund aufzurüsten, wenn es behauptet, Land Y sei überlegen; Land Y seinerseits nimmt das Aufrüsten von Land X als Alibi für seine eigenen militärischen Anstrengungen. In der Praxis läuft dieses Pingpong rückwärts (also von der Gegenwart in die Vergangenheit gerichtet).</p>



<p>Beispiel: „Partner-Pingpong“ (aus einer Zeitung):</p>



<p>Sie zündet sich nach dem Frühstück eine Zigarette an.</p>



<p>Er: „Musst du unbedingt schon so früh am Tag deine Gesundheit ruinieren?“</p>



<p>Eine vorbildliche Frau hätte vielleicht geantwortet: „Du hast recht, Liebling, ich werde versuchen, das Rauchen aufzugeben.“ Aber sie ist keine vorbildliche Frau, also sagt sie gereizt: „Es ist ja <em>meine </em>Gesundheit!“</p>



<p>Er: „Und es ist <em>meine </em>Wohnung, die du vollqualmst.“</p>



<p>Sie: „Unsere!“</p>



<p>Er: „Wer zahlt eigentlich die Miete dafür?“</p>



<p>Sie: „Und wer rackert sich ab, um sie in Ordnung zu halten?“</p>



<p>Er wirft die Serviette hin: „Kann man nicht <em>einen </em>Tag ohne Krach frühstücken?“</p>



<p>Sie: „Ich habe nicht angefangen.“</p>



<p>Er: „Nein, du fängst ja nie an. Wie war das zum Beispiel vorgestern nach dem Kino?“</p>



<p>Sie: „Den blöden Film hattest doch du ausgesucht!“</p>



<p>Er: „Liebe Güte, diese Logik! Immer kommst du vom Thema ab.“</p>



<p>Sie hält sich symbolisch die Ohren zu: „Und du fängst immer gleich an zu brüllen. Das war damals in Palma schon so, da hast du das halbe Hotel aufgeweckt&#8230;“</p>



<p>Wir schmunzeln – und kennen dieses unselige Kommunikationsmuster doch zur Genüge aus eigener Erfahrung.</p>



<p>Wir müssen uns Kommunikation als einen <em>ununterbrochenen Austausch von Mitteilungen</em> vorstellen: Jedes Verhalten ist Ursache und Wirkung zugleich. Deshalb ist es in der Regel müßig, bei zwischenmenschlichen Konflikten den (alleinigen) Verursacher ausfindig machen zu wollen.</p>



<p>Das heißt allerdings nicht, dass sich die Frage nach der Schuld dadurch erübrigen würde. Wo Schuld vorliegt, kann es nur durch Vergebung zu einer Lösung kommen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">5.1.5. Symmetrische und komplementäre Kommunikation</h4>



<p>Von <em>symmetrischer Kommunikation</em> spricht man dann, wenn beide Kommunikationspartner dem anderen gegenüber dasselbe Verhalten zeigen können: beide können Vorschläge machen, einander kritisieren, sich Ratschläge geben etc. (Ehepartner, Umgang mit Geschwistern). Das heißt, sie stehen sich ebenbürtig gegenüber, sie bewegen sich auf „Augenhöhe“.</p>



<p><em>Komplementarität </em>ist dann gegeben, wenn beide Partner (evtl. aufgrund einer Rangordnung) unterschiedliche Verhaltensweisen zeigen, die sich aber ergänzen und aufeinander zugeschnitten sind: Der eine fragt, der andere antwortet; der eine lehrt, der andere lernt etc. Komplementarität kann sich auch in der Redezeit ausdrücken.</p>



<p>Die Beziehung eines Kleinkindes zu seinen Eltern ist zunächst von Komplementarität geprägt, muss aber mit zunehmendem Alter und zunehmender Reife verstärkter Symmetrie Platz machen. Viele Störungen resultieren aus der Tatsache, dass Eltern sich nicht richtig auf die Entwicklung ihrer Kinder einstellen. (Beispiel: Ein Vater beharrt auf der komplementären Kommunikation mit seinem 18-jährigen Sohn, indem er ihm laufend Anweisungen gibt).</p>



<p>In der Seelsorge kann komplementäre Interaktion blockierend wirken, weil der Seelsorger den Ratsuchenden nicht ernst nimmt oder dessen Neigung zur Regression unterstützt. Auf der anderen Seite ist auch ein kumpelhaftes <em>„wir werden die Nuss schon knacken“</em> kontraproduktiv.</p>



<p>Beide Formen der Kommunikation haben ihre Bedeutung, jedoch auch ihre Grenzen.</p>



<p>Beispiel: Beim Herrn Jesus finden wir immer die richtige Mischung von symmetrischer und komplementärer Interaktion, z.B. in der Begegnung mit der kanaanäischen Frau (Mt 15,21-28): Er lässt sich einerseits auf ein ganz „normales“ Gespräch mit ihr ein (Er lässt sich für die damalige Zeit herab, mit einer Frau zu reden), zeigt aber andererseits Seine Souveränität und Macht.</p>



<h4 class="wp-block-heading">5.1.6. Paradoxe Kommunikation</h4>



<p>Damit ist gemeint, dass innerhalb der verbalen bzw. der <em>verbalen und nonverbalen</em> Kommunikation Widersprüche liegen. Einfaches Beispiel:</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://kfg.org/wp-content/uploads/2025/03/kommunikationsstoerung-folie3.png"><img loading="lazy" decoding="async" width="517" height="387" src="https://kfg.org/wp-content/uploads/2025/03/kommunikationsstoerung-folie3.png" alt="" class="wp-image-18353" srcset="https://kfg.org/wp-content/uploads/2025/03/kommunikationsstoerung-folie3.png 517w, https://kfg.org/wp-content/uploads/2025/03/kommunikationsstoerung-folie3-300x225.png 300w, https://kfg.org/wp-content/uploads/2025/03/kommunikationsstoerung-folie3-500x374.png 500w" sizes="auto, (max-width: 517px) 100vw, 517px" /></a></figure>



<p>Es ist offensichtlich, dass hier etwas nicht stimmt!</p>



<p>Weniger lustig: Eine Mutter schimpft ihre Kinder wegen deren Unselbständigkeit, tut aber andererseits alles, um sie in der Abhängigkeit zu halten.</p>



<p>Beispiel: Seelsorger zum Ratsuchenden: <em>„Als Christ müssten Sie sich doch freuen!“</em></p>



<p>Analyse: Wenn ein (möglicherweise sogar depressiv strukturierter) Ratsuchender sich freuen könnte, hätte er möglicherweise gar keinen Seelsorger aufgesucht. Die Aufforderung, etwas zu empfinden (nämlich Freude), was gar nicht da ist, kann Ratsuchende in weitere Nöte bringen und ihn bspw. zum Heuchler machen (dies ist besonders dann aktuell, wenn der Seelsorger rasche „Erfolge“ sehen will).</p>



<p>Die Entstehung von <em>Schizophrenie </em>wird u. a. damit erklärt, dass dem Individuum in seiner früheren Kindheit häufig paradoxe Handlungsaufforderungen gegeben wurden.</p>



<p>Beispiel: Der Vater sagt mit einer lauten Stimme, die das Gegenteil von Annahme und Liebe ausdrückt: <em>„Komm auf meinen Schoß!“</em> Das Kind ist unsicher, welcher Wahrnehmung es trauen soll &#8230;</p>



<p>Exkurs: Die Bibel erwähnt übrigens einige Situationen, in denen die sogenannten Frommen Jesus in <em>paradoxe </em>Situationen brachten; und es ist sehr interessant, wie der Herr damit umging. In Matthäus 22,15-22 versuchten die Jünger der Pharisäer, Ihn mit der Frage nach der Steuer aufs Glatteis zu führen. Was hättest du auf diese Frage („Ist es erlaubt, dem Kaiser die Steuer zu geben, oder nicht?“ [Vers 17]) geantwortet? Der Herr meistert die Situation jedenfalls souverän. Ein weiteres Beispiel: Jesus und die Ehebrecherin (Joh 8,2-11).</p>



<p>Jeder kennt wahrscheinlich irgendjemanden, der sich widersprüchlich (paradox) verhält und dem man es nie recht machen kann, egal was man tut. Normale Folge: Man meidet diesen Menschen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">6. Erfolgreiche Kommunikation</h2>



<p>Wenn Kommunikation nicht rund läuft, erleben wir das in der Regel als Spannung. Die Frage ist, was wir „prophylaktisch“ tun können?</p>



<p>Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, als würde das Beherzigen einiger Kommunikationsregeln jegliche Kommunikations- und damit auch Beziehungsprobleme verhindern. Wir alle erfahren ja immer wieder, wie wir trotz besseren Wissens Dinge tun, die nicht in Ordnung sind. Wieviel mehr gilt das für unsere Zunge, die Jakobus als ein<em> „… unstetes Übel, voll tödlichen Giftes“</em> (Jak 3,8) bezeichnet. Dennoch dürfen wir auch in diesem wichtigen Bereich unseres Lebens dazulernen. Im Folgenden sei deshalb nur auf einige Dinge hingewiesen, die wir in bestimmten Situationen bedenken sollten. Das ist eine ziemliche Herausforderung, aber Gott hat uns erfreulicherweise so konstruiert, dass wir über ausreichend geistige Kapazität verfügen, die uns befähigt, neben dem Zuhören auf eine Menge anderer Signale zu achten (v.a. nonverbale Signale) und sogar „vorauszudenken“ (d.h. Fragen, Stellungnahmen, Antworten etc. im Voraus zu überlegen).</p>



<p>Ganz neue Dimensionen der Kommunikation tun sich seit einigen Jahren durch die Möglichkeiten der modernen Medien auf. Wir sollten selbstkritisch beobachten, wie sehr uns diese faszinierenden elektronischen Kommunikationsmittel bestimmen.</p>



<p>Das international tätige Flurry-Institut stuft weltweit 870 Millionen Menschen als Handy- und Smartphone-süchtig ein.2 Das Sicherheits-Unternehmen AVG (Holland) hat in einer Untersuchung festgestellt, dass Smartphones zunehmend das familiäre Zusammenleben (Kommunikation) beeinträchtigen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">6.1. Exkurs: Geschlechtsspezifische Unterschiede</h3>



<p>Auch wenn im Zuge von „Gender Mainstreaming“ Geschlechtsunterschiede zunehmend geleugnet werden, zeigen sich diese doch nicht nur beim Temperaturempfinden, sondern vor allem auch in der Art verbaler Kommunikation. Diese Unterschiede werden in vielen Witzen karikiert, und ich weiß nicht, ob dadurch über die Frauen oder über die Männer mehr Vorurteile (oder Weisheiten?) verbreitet werden.</p>



<p>Ein humorvoll gemeintes Beispiel: Da fragt der Scheidungsrichter den Mann: <em>„Warum haben Sie mit ihrer Frau ein Jahr lang nichts gesprochen?“</em> – Ehemann: <em>„Ich bin ein höflicher Mensch; ich wollte sie nicht unterbrechen.“</em></p>



<p>Tatsache ist jedoch, dass das Kommunikationsbedürfnis schon bei kleinen Mädchen ausgeprägter ist als bei Jungs: sie lernen früher sprechen und sind sprachlich flexibler als Jungs. Daraus entwickelt sich ein lebenslanges Talent: Der durchschnittliche Mann redet pro Tag 20.000 Wörter, die durchschnittliche Frau ca. 30.000! Wenn der Mann abends von der Arbeit kommt, kann es sein, dass er – je nach Beruf – seinen Vorrat bis auf etwa 50 Worte aufgebraucht hat, die Frau hat noch mindestens einen Vorrat von 10.000 Worten. Da sind Probleme vorprogrammiert. Natürlich gibt es auch hier im Zuge zunehmender Berufstätigkeit von Frauen Verschiebungen.</p>



<p>Ein weiterer Unterschied liegt darin, dass Männer eher darüber reden, was sie denken, während Frauen eher ihre Gefühle mitteilen. Diese Unterschiede gilt es zu beachten, wenn Kommunikation (speziell in der Ehe) erfolgreich sein soll.</p>



<p>Laut Prof. Kurt Hahlweg, Psychologe von der Uni Braunschweig, bestätigen empirische Untersuchungen geschlechtsspezifische Unterschiede in der Kommunikation. Besonders Männer würden dazu erzogen, keine Schwächen zu zeigen, das bedeute auch: nicht über Probleme zu reden! Frauen dagegen neigen in der Partnerschaft dazu, die Mutterrolle einzunehmen; oft wollen sie ihren Partner grundlegend ändern, wozu sie sich v.a. der Sprache bedienen.</p>



<p>Meines Erachtens ist es allerdings <em>nicht </em>erstrebenswert, dass Männer in derselben Intensität über ihre Gefühle reden können wie Frauen. Wer Erfahrungen mit Frauengruppen hat (ich habe ein Jahr in einem Mädchenwohnheim gearbeitet!), der weiß, dass die Überbetonung des Beziehungsaspektes – zu dem Frauen neigen – auch Nachteile haben kann. Natürlich ist auch die männliche Eigenart, sich eher auf der Sachebene zu bewegen, nicht gerade erfüllend. Über die oft belächelte Einsilbigkeit der Männer gibt es natürlich auch Witze. Z.B. sagt der eine Mann zum anderen: <em>„Du könntest mich ja auch mal fragen, wie’s mir geht!“</em> Fragt der andere Mann: <em>„Und, wie geht es dir?“</em> Antwortet der Erste: <em>„Ach, frag‘ mich bloß nicht!“</em></p>



<p>Es ist verkürzt, Geschlechtsunterschiede im Kommunikationsverhalten allein mit Sozialisation (Erziehung) erklären zu wollen. Viele neurophysiologische Untersuchungen weisen gewaltige Unterschiede in den Gehirnstrukturen von Männern und Frauen nach, die sich natürlich auch im Kommunikationsverhalten ausdrücken. Wenn verbale Kommunikation speziell zwischen Mann und Frau gelingen soll, dann gilt es auch, die geschlechtsabhängigen Unterschiede im Wahrnehmen, Denken und Empfinden und der Kommunikation zu berücksichtigen.</p>



<p>Ich beschließe diesen interessanten Punkt mit einem Zitat von James Dobson: <em>„Viele Frauen verlieben sich in den starken, stillen Typ und lehnen ihn dann (als Ehemann) für den Rest ihres Lebens ab, weil er zu wenig mit ihnen spricht.“</em></p>



<h3 class="wp-block-heading">6.2. Metakommunikation</h3>



<p>Unter Metakommunikation verstehen wir „Kommunikation über Kommunikation“, d.h. wir machen die Kommunikation selbst zum Thema.</p>



<p>Beispiel: Erinnern wir uns an den Ehemann, der bei der einer Missionsveranstaltung ohne Absprache mit seiner Frau einen größeren Geldbetrag spendet. Das Problem wäre schnell behoben, wenn sie zum Beispiel sagen würde: <em>„Ich finde es ja richtig, dass wir Missionare unterstützen, aber ich fühlte mich einfach übergangen und hätte es richtig gefunden, wenn du vorher mit mir darüber gesprochen hättest &#8230;“</em> Der Ehemann hätte dafür Verständnis zeigen und um Vergebung bitten können und die Störung wäre beseitigt gewesen.</p>



<p>Metakommunikation besteht darin, die Art des Redens und des Umgangs miteinander zum Gegenstand des Gesprächs zu machen. Sie verlangt den Mut zur Selbstoffenbarung (z.B. <em>„Deine Äußerung hat mich verletzt“</em>). Da Metakommunikation für manchen etwas ungewohnt ist, kann es hilfreich sein, bei Beziehungsproblemen einen „Kommunikationshelfer“ (z.B. Seelsorger) hinzuzuziehen, damit v.a. über die Art des Umgangs miteinander gesprochen werden kann.</p>



<p>In der Seelsorge ist Metakommunikation ein wesentliches Element (ebenso in Supervision und Psychotherapie).</p>



<p>An dieser Stelle möchte ich nochmals an die sechs Punkte erinnern, über die wir im Zusammenhang der Entstehung von Kommunikationsstörungen [5.1.] kennengelernt haben:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Technische und semantische Probleme bei der Kommunikation</li>



<li>Verweigerung von Kommunikation</li>



<li>Vermischung von Sach- und Beziehungsaspekt</li>



<li>Falsche Interpunktion</li>



<li>Symmetrische und komplementäre Kommunikation</li>



<li>Paradoxe Kommunikation</li>
</ul>



<h3 class="wp-block-heading">6.3. Faktoren des Gelingens von Kommunikation, speziell in der Seelsorge</h3>



<p>Die folgenden, eher praktischen, Hinweise sind nicht nach Wichtigkeit geordnet und erheben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Banaler Hinweis: Gott hat dem Menschen <em>einen </em>Mund, jedoch <em>zwei </em>Ohren gegeben – das ist bestimmt kein Konstruktionsfehler. Möglicherweise will ER uns dadurch auch etwas zum zeitlichen Gebrauch beider Organe sagen. Außerdem: Wer schweigt, kann besser zuhören. <em>„Ihr wisst doch, meine geliebten Brüder: Jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn!“</em> (Jak 1,19)</li>



<li>Wir sollten uns um <em>verständliches </em>Reden bemühen. Kommunikationstheoretisch heißt das, dass wir Information so kodieren, dass unser Gegenüber in der Lage ist, sie zu dekodieren. Das kann beispielsweise bedeuten, dass wir uns bei der Wortwahl auf unser Gegenüber einstellen und damit „Dekodierungsprobleme“ vermeiden. Wir brauchen keine psychotherapeutische Ausbildung und den damit verbundenen Wortschatz, um seelsorgerlich helfen zu können. Verständliches Reden zeichnet sich vor allem auch durch Einfachheit aus.4 Ein klares, geradliniges Denken wird sich auch in unserer Sprache niederschlagen.</li>



<li>Hilfsmittel zur Einschätzung der Verständlichkeit von Kommunikation (hilfreich für Prediger, Lehrer, Referenten etc.):</li>



<li>Wir müssen uns bewusst sein, dass Reden, speziell das seelsorgerliche Gespräch, eine verantwortungsvolle Tätigkeit ist. Ernst Jünger sagte: „Worte sind wie Steinwürfe; wir wissen nicht, wen sie hinter der Mauer der Zeit treffen“. Wie schnell ist etwas gesagt, was nie mehr ungesagt gemacht werden kann!</li>
</ul>



<p><em>„Werdet nicht viele Lehrer, meine Brüder, da ihr wisst, dass wir ein schwereres Urteil empfangen werden! Denn wir alle straucheln oft. Wenn jemand nicht im Wort strauchelt, der ist ein vollkommener Mann, fähig, auch den ganzen Leib zu zügeln. Wenn wir aber den Pferden die Zäume in die Mäuler legen, damit sie uns gehorchen, lenken wir auch ihren ganzen Leib. Siehe, auch die Schiffe, die so groß und von heftigen Winden getrieben sind, werden durch ein sehr kleines Steuerruder gelenkt, wohin das Trachten des Steuermanns will. So ist auch die Zunge ein kleines Glied und rühmt sich großer Dinge. Siehe, welch kleines Feuer, welch einen großen Wald zündet es an! Auch die Zunge ist ein Feuer; als die Welt der Ungerechtigkeit erweist sich die Zunge unter unseren Gliedern, ‹als diejenige›, die den ganzen Leib befleckt und den Lauf des Daseins entzündet und von der Hölle entzündet wird. Denn jede Art, sowohl der wilden Tiere als auch der Vögel, sowohl der kriechenden als auch der Seetiere, wird gebändigt und ist gebändigt worden durch die menschliche Art; die Zunge aber kann keiner der Menschen bändigen: ‹sie ist› ein unstetes Übel, voll tödlichen Giftes“</em> (Jak 3,1-8).</p>



<p>Matthäus 15,11.18 spricht von der Verunreinigung des Menschen durch sein Reden:</p>



<p><em>„Nicht das, was zum Munde eingeht, verunreinigt den Menschen; sondern was aus dem Munde herauskommt, das verunreinigt den Menschen. Was aber aus dem Munde herauskommt, das kommt aus dem Herzen, und das verunreinigt den Menschen.“</em></p>



<p>Es muss klar sein, was recht und was unrecht ist. Bezugsrahmen aller Gesprächsinhalte ist das Wort Gottes; von ihm her müssen alle Aussagen (die des Ratsuchenden und des Seelsorgers) beurteilt werden. Psalm 119,104 sagt: <em>„Aus deinen Vorschriften empfange ich Einsicht.“</em></p>



<p>Und Psalm 119,23 bezeugt: <em>„Deine Zeugnisse sind meine Lust, mein Ratgeber sind sie“.</em></p>



<p>Gerade im Gespräch über Gefühle und Empfindungen ist eine „Bezugsgröße“ nötig, da wir sonst leicht ins Schwimmen geraten. So schön es ist, jemanden zu haben, der einen versteht, so wichtig ist auch das Korrektiv. Es ist nicht immer hilfreich, sich nur „verstanden“ zu fühlen (vgl. Gesprächspsychotherapie).</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Geeigneten äußeren Rahmen schaffen, dafür sorgen, dass der Kommunikationsprozess nicht gestört wird durch Zeitdruck, Unruhe, Telefon etc. Dies betrifft das seelsorgerliche Gespräch, aber auch das Gespräch mit der Ehefrau, dem Kind etc. Es ist etwas sehr Wertvolles, seinem Gegenüber ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken.</li>



<li>Wahrhaftigkeit: Unser Reden muss auf zwei Pfeilern stehen: Wahrheit und Liebe. Wahrheit ohne Liebe ist hart und verletzend, Liebe ohne Wahrheit ist Gefühlsduselei. Wahrheit kann verletzend sein, wenn die Liebe fehlt – aber sie ist heilend, wenn sie von Liebe getragen wird.</li>
</ul>



<p>Erinnern wir uns an die „paradoxe Kommunikation“: Wenn wir Widersprüchlichkeiten zwischen unserem Reden und Verhalten oder innerhalb unserer Aussagen vermeiden, erfährt uns unser Gegenüber als integer und authentisch. In der Seelsorge sollte der Ratsuchende von Anfang an zur Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit verpflichtet werden; dabei kann ihm der Seelsorger als Vorbild (Modell) dienen. Falls es dem Ratsuchenden (noch) schwerfällt, die Wahrheit zu meinem bestimmten Punkt zu sagen, soll er lieber schweigen – dies muss der Seelsorger akzeptieren.</p>



<p>Beispiel: Wer jemals mit Menschen mit Abhängigkeitsproblemen zu tun hatte (egal ob Alkohol, Drogen, Pornografie oder Glückspiel) weiß, wie zerstörerisch die Lüge ist. Ein typisches Kennzeichen von Suchtkranken ist, dass Lügen zum Lebensstil geworden ist.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Der Seelsorger sollte sich selbst prüfen und wissen, wo seine eigenen Schwachstellen sind. Beispiel: Auch ein Seelsorger besitzt möglicherweise ein Stück Eitelkeit; er darf sich nicht „fangen“ lassen, wenn ihm auf der Beziehungsebene Bewunderung vermittelt wird, weil er sich damit in die Gefahr der Parteilichkeit begibt.</li>



<li>Der Seelsorger sollte seine Zunge im Zaum halten können (Spr 13,3; Jak 3,2 etc.); keine vorschnellen Ratschläge, keine „frommen“ Sprüche.</li>
</ul>



<p>Es kann passieren (und das ist sehr demütigend), dass es uns wie Mose geht (2Mos 12,12-14), der, nachdem er den Ägypter erschlagen hatte, von einem Stammesgenossen zur Rechenschaft gezogen wurde.</p>



<p>Paulus drückt es in 1. Korinther 9,27 so aus: <em>„sondern ich zerschlage meinen Leib und knechte ihn, damit ich nicht, nachdem ich anderen gepredigt, selbst verwerflich werde.“</em></p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Der Seelsorger muss über die Art und Weise des Miteinander-Redens nachdenken und ggf. das Gespräch darüber führen (vgl. die Ausführungen über Metakommunikation). Unklarheiten hinsichtlich eines Aspektes der Kommunikation müssen thematisiert werden;</li>
</ul>



<p>Beispiel: Der Seelsorger zum Ratsuchenden: <em>„Sie sagen, dass es Ihnen nichts ausmacht, wenn Ihr Mann so viel am Computer sitzt und haben dabei doch feuchte Augen&#8230;“</em>. Das persönliche Ergehen wird durch non-verbale Signale oft besser ausgedrückt als durch Worte – wir müssen es nur wahrnehmen und auch zur rechten Zeit thematisieren.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Da dyadische Kommunikationssysteme dazu neigen, eine eigene Dynamik zu entwickeln („sich im Kreis drehen“ bzw. „sich hochschaukeln“) ist eine „gesunde“ Distanz des Seelsorgers zum Ratsuchenden notwendig. Bei eigenen Verstrickungen (z.B. bei eigenen Eheproblemen) besteht die Notwendigkeit, einen „Dritten“ einzubeziehen: in erster Linie den Herrn, aber auch einen Außenstehenden (evtl. anderer Seelsorger). Wenn wir es mit Ehe- und Partnerschaftsproblemen zu tun haben, sollten wir möglichst mit <em>beiden </em>Partnern reden und uns die Kommunikationsstrukturen genauer ansehen. Oft findet sich dann ein Ansatzpunkt.</li>



<li>Der Seelsorger darf sich nicht in Ursache-Wirkungs-Kreisen fangen lassen; dies kann v. a. bei der Klärung von Beziehungsproblemen fatal werden. (Wer hat mit dem Streit angefangen? Etc.)</li>



<li>Die eigene Kommunikation mit Gott muss funktionieren. Es bedarf der inneren Vorbereitung durch Gebet mit der Bitte um Weisheit, richtiges Hinhören, Konzentration etc. Das Wissen um kommunikationspsychologische Zusammenhänge kann uns als Werkzeug dienen, darf uns aber nicht selbstsicher machen.</li>



<li>Der Seelsorger sollte sich bewusst sein, dass hinter Kommunikationsstörungen (letztlich immer) Sünde steht (vgl. Adam und Eva nach dem Sündenfall). Mit Sünde muss <em>biblisch </em>umgegangen werden: Erkenntnis, Bekenntnis, Vergebung, Umkehr.</li>
</ul>



<h3 class="wp-block-heading">6.4. Schweigen ist Gold: Grenzen verbaler Kommunikation</h3>



<p>In unserer Zeit wird sehr viel gesprochen oder kommuniziert. Dadurch hat diese Zeit sogar einen Namen erhalten: Kommunikationszeitalter. Kommunikation kennt keine Grenzen mehr. In der Wirtschaft (Politik) zählt die Kommunikationsfähigkeit zu den „Schlüsselqualifikationen“.</p>



<p>Es gibt Menschen, die sehr viel reden, ohne etwas zu sagen – bei manchen Berufen scheint dies sogar Voraussetzung zu sein. Die „Inflation der Worte&#8220; greift wie eine Seuche um sich. Deshalb sollte uns weniger die Quantität als vielmehr die Qualität unseres Redens ein Anliegen sein. In Sprüche 10,19 heißt es: <em>„Wo viele Worte sind, da geht es ohne Sünde nicht ab; wer aber seine Lippen im Zaum hält, der ist klug.“</em></p>



<p>Auf jeden Fall ist sinnvolles Schweigen besser als gedankenloses Reden. Ich denke an eine Ehefrau in der paarspezifischen Beratung, die ihrem Mann permanent „klärende Gespräche“ aufdrückte und alles ergründen wollte. Wie wichtig ist es zu erkennen, wo schweigen angebracht ist – und zwar kein beleidigtes, sondern konstruktives Schweigen!</p>



<p>Es gibt Situationen, wo durch verbale Kommunikation mehr Schaden als Nutzen angerichtet wird. Die drei Freunde Hiobs sind ein gutes Beispiel dafür, dass auch das Schweigen seinen Platz hat. Es war zwar eine enorme Leistung, dass sie mit ihrem Freund Hiob sieben Tage lang schweigend auf der Erde saßen – allerdings wäre es besser gewesen, wenn sie es nicht bei den sieben Tagen und Nächten belassen hätten.</p>



<p>Prediger 3,7 führt aus: Es gibt eine <em>„Zeit fürs Zerreißen und Zeit fürs Zusammennähen, Zeit fürs Schweigen und Zeit fürs Reden, &#8230;“</em> Ernest Hemingway sagte einmal: <em>„Man braucht zwei Jahre, um sprechen und 50 Jahre, um schweigen zu lernen.“</em></p>



<p>Wie oft sind wir sehr schnell mit unserer Zunge! Auch Seelsorger stehen in der Gefahr, für jedes Problem gleich eine Erklärung oder ein Rezept parat haben zu wollen. Es gibt auch eine Zeit fürs Schweigen, und wir sollten den Herrn um Weisheit bitten, den richtigen Zeitpunkt dafür zu erkennen. Besonders schwer fällt uns das Schweigen, wenn wir angegriffen werden und uns in Frage gestellt fühlen. Jesus war da ganz anders. Manchmal hilft beten mehr als reden.</p>



<p>In diesem Zusammenhang gibt Petrus den Ehefrauen, deren Ehepartner nicht gläubig sind, folgenden Rat:</p>



<p><em>„Ebenso ihr Frauen, ordnet euch den eigenen Männern unter, damit sie, wenn auch einige dem Wort nicht gehorchen, ohne Wort durch den Wandel der Frauen gewonnen werden, indem sie euren in Furcht reinen Wandel angeschaut haben!“ </em>(1Petr 3,1.2)</p>



<h3 class="wp-block-heading">6.5. Umgang mit speziellen Kommunikationsschwierigkeiten</h3>



<p>Zum Schluss noch exemplarisch einige häufig vorkommende Situationen, in die ein Seelsorger (jedoch nicht nur er) gerät; wir greifen dabei auf das bisher Ausgeführte zurück.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Ratsuchende übermittelt auf der verbalen Ebene Informationen, die nicht mit den nonverbalen Signalen übereinstimmen („paradoxe Kommunikation“).</li>



<li>Der Seelsorger sollte dies ansprechen und um die Klärung bemüht sein (Metakommunikation). Möglicherweise hat der Ratsuchende aufgrund seiner Eineindeutigkeit Schwierigkeiten im sozialen Bereich, indem er z. B. für andere widersprüchlich wirkt und dadurch schlecht Vertrauen aufbauen kann.</li>



<li>Der Ratsuchende redet sehr viel und wirr, hüpft von einem Thema zum anderen oder redet belangloses Zeug.5</li>



<li>Der Seelsorger sollte das Gespräch strukturieren, z.B. indem er die Themen mit den Ratsuchenden vorher abspricht und ihn im Gespräch immer wieder an diese Absprache erinnert (sich evtl. Notizen machen und bestimmte Punkte herausgreifen).</li>



<li>Der Ratsuchende redet so gut wie nichts, die Gesprächspausen sind unerträglich lang etc.</li>



<li>Wir sollten auf die Fragetechnik achten: offene Fragen stellen (keine ja/nein-Fragen); Problematik ggf. ansprechen, Ursachen herausfinden. Geduld ist nötig, bis Vertrauen entstanden ist.</li>



<li>Der Ratsuchende ist sehr gefühlsbetont und „zieht“ den Seelsorger auf seine Ebene.</li>



<li>Der Seelsorger muss nüchtern sein, ohne das Empfinden des Ratsuchende abzuwerten. Der Maßstab ist und bleibt das Wort Gottes. Es kann beispielsweise sein, dass der Seelsorger unterscheiden muss, ob Tränen bei der ratsuchenden Person Bemitleidet-werden-wollen oder echte Reue und Buße bedeuten.</li>



<li>Ratsuchende und Seelsorger „reden aneinander vorbei“.</li>



<li>sich über die Bedeutung von Begriffen absprechen (z. B.: <em>„Was verstehen Sie unter &#8230;?“</em>). Beispiel: Ratsuchender:<em> „Ich habe die Sünde wider den Heiligen Geist begangen&#8230;“</em> (Mk 3,19)</li>



<li>Man sollte sich auf ein Thema einigen, damit man nicht „vom Hundertsten ins Tausendste“ kommt.</li>



<li>Der Ratsuchende ist verbittert und gibt anderen die Schuld für seine Schwierigkeiten und Nöte.6</li>



<li>Deutlich machen, dass der Ratsuchende für sich selbst verantwortlich ist (und nicht für das Fehlverhalten anderer). Ggf. die Schriftpassage Matthäus 7,1-5 (Balken im eigenen Auge) lesen.</li>



<li>etc.</li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading">7. Schluss</h2>



<p>Thesen zur Kommunikation (Zusammenfassung)</p>



<ol class="wp-block-list">
<li>Die Fähigkeit zur Kommunikation ist ein Geschenk Gottes und Ausdruck der Gott-Ebenbildlichkeit. Dies verpflichtet zu einem verantwortungsvollen Einsatz dieser Gabe.</li>



<li>Kommunikation ist ein komplexes, störanfälliges Geschehen.</li>



<li>Es ist unmöglich, <em>nicht </em>zu kommunizieren – auch Schweigen teilt etwas mit.</li>



<li>Effektive Kommunikation muss man <em>erlernen </em>– dazu gibt uns auch die Bibel an vielen Stellen Anleitung und Vorbilder. Beim Thema Heiligung steht ‚Kommunikation‘ an oberster Stelle.</li>



<li>Kommunikation ist vielschichtig: Eine Nachricht kann auf verschiedenen Ebenen unterschiedliche Botschaften enthalten (vgl. die vier Aspekte…)</li>



<li>Probleme zwischen Menschen sind Kommunikationsprobleme und können nur durch (verbale) Kommunikation gelöst werden. Dasselbe gilt für die Beziehung zu Gott.</li>
</ol>



<p>Die Ausführungen über Kommunikation sind auf den ersten Blick entmutigend. Da liegt der Gedanke nahe: <em>„Wenn das alles so kompliziert ist, lasse ich lieber die Finger davon!“</em> (Resignation). Eine andere (durchaus gesunde) Position: <em>„Man darf die Dinge nicht so kompliziert sehen; wenn ein Tausendfüßler über den abwechselnden Gebrauch seiner Beine nachdenken würde, würde er stolpern!“</em></p>



<p>Der Schriftsteller Friedrich M. von Bodenstedt (1819 – 1892) meint: <em>„Zwei Dinge sind schädlich für jeden, der die Stufen des Glücks will ersteigen: Schweigen, wenn Zeit ist zu reden, und Reden, wenn Zeit ist zu schweigen.“</em> Und Weisheit ist zu erkennen, wann welches von beidem dran ist!</p>



<p>Mein Anliegen ist: Ich möchte Mut machen zum Gespräch in der Ehe, der Familie und der Gemeinde; ermutigen zur Seelsorge. Aber auch darauf hinweisen, dass wir Kommunikation nicht leichtfertig betreiben sollten. Jeder Gläubige (nicht nur der Seelsorger) ist zu einem Leben in Wahrhaftigkeit und Heiligung verpflichtet.</p>



<p>Nur in der engen Beziehung zum Herrn und in der Abhängigkeit von Ihm ist es möglich, dem Anspruch von Jakobus 3,2b zu genügen:</p>



<p><em>„Denn wir alle fehlen mannigfach. Wenn jemand im Wort (d. h. im Reden) nicht fehlt, der ist ein vollkommener Mann und kann den ganzen Leib im Zaum halten“.</em></p>



<p></p>



<p><strong>Fußnoten</strong></p>


<ol class="wp-block-footnotes"><li id="e49297ca-c54a-418e-812e-3a09edfb8653">Wenn wir alle diese Aussagen beherzigen würden, sähe es in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen anders aus. <a href="#e49297ca-c54a-418e-812e-3a09edfb8653-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 1 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="b09100ec-8045-4f2b-822b-723b78ffe5e3">Wir nehmen bspw. gerne die Errungenschaften der Medizin in Anspruch, um unsere Schmerzen und Gebrechen zu lindern. Das ist nicht unbiblisch. <a href="#b09100ec-8045-4f2b-822b-723b78ffe5e3-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 2 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="49ad5b03-6c9e-4fee-911b-923ef691a488">So wächst in der Regel das Interesse an der eigenen Wirbelsäule proportional zu den Beschwerden, die sie uns bereitet. <a href="#49ad5b03-6c9e-4fee-911b-923ef691a488-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 3 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="5f542a46-d5e9-4649-bb89-849e7ec23a72">Psychotherapie: Grundlagen, Verfahren, Indikationen. 2. Aufl. München 1978, S. 4. Eine gewisse Systematik wird uns helfen, Kommunikation besser zu verstehen. Bitte durch einige Fachbegriffe nicht erschrecken/verwirren lassen. <a href="#5f542a46-d5e9-4649-bb89-849e7ec23a72-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 4 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="bc67a29a-bb25-4d29-9cf6-aa6cc08abe1d">Leider fehlt es uns oft an &#8222;Echtheit&#8220; (sie ist in der Gesprächstherapie eine bedeutsame Therapeuten-Variable); unserer Rede ist nicht immer verlässlich und eindeutig. Unser „Ja“ ist nicht immer ein „Ja“, unser &#8222;Nein&#8220; nicht immer ein &#8222;Nein&#8220; (vgl. Mt 5,37: „Eure Rede sei: Ja, ja! Nein, nein! Was aber mehr ist als dieses, ist aus dem Bösen&#8220;). <a href="#bc67a29a-bb25-4d29-9cf6-aa6cc08abe1d-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 5 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li></ol>


<p></p>
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		<title>Zehn praktische Anregungen zur schriftlichen Kommunikation</title>
		<link>https://kfg.org/2025/zehn-praktische-anregungen-zur-schriftlichen-kommunikation/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Wilfried Plock]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 15 Mar 2025 11:19:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Praktisches Christenleben]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kfg.org/?p=18345</guid>

					<description><![CDATA[<p>Wenn Konflikte im Spiel sind, ist der mündliche Weg der schriftlichen Kommunikation prinzipiell vorzuziehen. Manche Dinge müssen jedoch schriftlich weitergegeben werden. Für diese Fälle möchte der Autor zehn praktische Impulse weitergeben.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Grundsätzlich gilt: Physikalisch gesehen ist Papier ein schlechter Wärmeleiter. Ich überlege also, wann ich<br>Dinge besser im direkten mündlichen Gespräch ansprechen kann. Wenn Konflikte im Spiel sind, ist der mündliche Weg prinzipiell vorzuziehen. Manche Dinge müssen jedoch schriftlich kommuniziert werden. Für diese<br>Fälle möchte ich nachfolgend zehn praktische Impulse weitergeben.</p>



<p>1. Ich schreibe grundsätzlich immer mit Bitte und Danke.</p>



<p>2. Wenn ich um etwas gebeten werde und ich kann es nicht gleich erledigen, gebe ich einen „Zwischenbescheid“. Dann sieht der andere, dass ich seine Nachricht erhalten habe. Und er weiß, wann er etwa mit der Antwort oder Erledigung rechnen kann. Leider muss ich oft nach einer oder mehreren Wochen bei jemandem nachfragen, ob er meine Mitteilung erhalten hat.</p>



<p>3. Wenn ich jemanden um etwas bitte und ich erhalte daraufhin eine Absage, bekommt der Betreffende auf jeden Fall eine freundliche Antwort. Sonst denkt er am Ende, ich sei beleidigt.</p>



<p>4. Ich bemühe mich, keinen emotionsgeladenen, aggressiven oder zynischen Schreibstil zu pflegen.</p>



<p>5. Wenn ich eine Nachricht mit persönlichem Inhalt schreibe, setze ich niemanden in das so genannte BCC; d.h. ich lasse keine Dritten heimlich mitlesen. So etwas geht gar nicht! Ich leite auch später niemandem diese Mail weiter.</p>



<p>6. Wenn ich eine Nachricht bekomme und möchte sie gerne einen Dritten lesen lassen, frage ich beim Absender um Erlaubnis dafür.</p>



<p>7. Wenn eine Mail an einen bestimmten Personenkreis gerichtet war, antworte ich nur diesem Personenkreis und nehme nicht – ohne Erlaubnis – weitere Personen mithinein.</p>



<p>8. Ich leite keine Problem-Mails aus unserer Familie, Gemeinde oder unserem Missionswerk an Dritte weiter, die damit gar nichts zu tun haben. Auch so etwas ist tabu.</p>



<p>9. Ich halte es für sehr schädlich, wenn die schriftliche Kommunikation zu folgenden sündigen Verhaltensweisen missbraucht wird: Diffamierung bzw. Diskreditierung einer Person, Rufschädigung, Verleumdung, Weitergabe von ungesicherten oder gar falschen Informationen, Keile-Treiben zwischen Christen etc. Im Blick auf Punkt 9 habe ich auch schon versagt und musste dazuzulernen.</p>



<p>10. Ich benutze schriftliche Äußerungen keinesfalls, um Beschlüsse von Autoritäten auf diesem Wege zu unterlaufen oder sogar, um Leiter zu stürzen.</p>



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