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	<title>Gemeinde-Gründung, -Bau und -Wachstum &#8211; KfG  -`✞´-  Konferenz für Gemeindegründung</title>
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	<description>Konferenz für Gemeindegründung e.V.</description>
	<lastBuildDate>Mon, 29 Sep 2025 22:25:54 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Wie cool darf Kirche sein?</title>
		<link>https://kfg.org/2025/wie-cool-darf-kirche-sein/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Wilfried Plock]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 29 Sep 2025 22:24:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeinde-Gründung, -Bau und -Wachstum]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kfg.org/?p=18462</guid>

					<description><![CDATA[<p>„Hauptsache, es funktioniert“!? Nach diesem Motto scheinen einige moderne Gemeinden, wie die ICF, zu agieren. Doch der Gott der Bibel ist nicht pragmatisch, sondern heilig (3Mo 19,2; 1Petr 1,15-16). Er ist mehr an Heiligkeit interessiert als an Nützlichkeit und Effektivität. Seine Prinzipien stehen himmelhoch über allen noch so gut gemeinten menschlichen Gefühlsregungen.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading">Die International Christian Fellowship (ICF)</h2>



<p><strong>Das Phänomen ICF</strong></p>



<p>Sie ist cool, sie ist hip, sie ist trendy: Die Freikirche ICF hat moderne Gottesdienstformen erfolgreich aus den USA importiert und begeistert mit „celebrations“ und „Jesus-Pop“ insbesondere junge Leute aus dem evangelikalen Milieu.</p>



<p>Die „International Christian Fellowship“ (ICF) – auf Deutsch: „Internationale Christliche Gemeinschaft“ – unter der Leitung von Leo Bigger zählt zu den bekanntesten freikirchlichen Bewegungen im deutschsprachigen Raum. Seit der Gründung 1996 in Zürich hat sich die Kirche stark ausgeweitet, sowohl räumlich als auch über digitale Kanäle, und gilt heute als modernes Aushängeschild evangelikaler Spiritualität in der Schweiz und darüber hinaus.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wie entstand die ICF?</h2>



<p>Ich möchte nur ein paar wenige Stationen anführen. Am Anfang stand Heinz Strupler (Jahrgang 1945), gelernter Florist und später Theologe. Er gründete zahlreiche christliche Werke – darunter das „Institut für Gemeindebau und Weltmission“ (IGW) sowie die ICF Zürich. 1990 initiierte er den ersten überkonfessionellen Lobpreisgottesdienst in Zürich, aus dem später die ICF-Kirche entstand. 1994 übergab er die operative Leitung an Leo Bigger, blieb aber als spiritueller Mentor weiterhin prägend.</p>



<p><strong>Leo Bigger</strong></p>



<p>Bigger wurde 1968 geboren und wuchs in Buchs SG in einer katholischen Familie auf. Er organisierte Discos und leitete die Jugendrockband blackout. Nach seiner Ausbildung zum Offsetdrucker besuchte er die IGW-Bibelschule in Zürich und lernte dort Heinz Strupler kennen.</p>



<p>1995 lebten Leo und Susanna Bigger für etwa drei Monate in Chicago, wo sie in der Willow Creek-Kinderkirche mitarbeiteten und die dortige Gemeindearbeit gründlich studierten. Der USA-Aufenthalt führte dazu, dass Bigger den Ruf Gottes hörte, nach Zürich zurückzukehren und mit neuer Vision in der ICF-Gruppe mitzuarbeiten.</p>



<p>Zur gleichen Zeit diente Matthias Bölsterli als Pastor in der evangelische Limmatgemeinde Zürich. 1996 gründeten Leo Bigger, Matthias Bölsterli und Micky Conod die „International Christian Fellowship Church“ (ICF) als Verein. Seither leitet Bigger diese Kirche, die sich in etlichen Städten der Schweiz, in Deutschland und Europa ausgebreitet hat.<sup data-fn="41dfbe8a-58c4-43eb-981c-d1a63c0e197b" class="fn"><a id="41dfbe8a-58c4-43eb-981c-d1a63c0e197b-link" href="#41dfbe8a-58c4-43eb-981c-d1a63c0e197b">1</a></sup></p>



<p>Zu Biggers Vorbildern gehören die US-amerikanischen Evangelikalen Bill Hybels und Rob Bell und der deutsche Evangelist Reinhard Bonnke, der auch beim fünfzehnjährigen Bestehen der &#8222;International Christian Fellowship Church&#8220; 2011 als Redner auftrat.<sup data-fn="4019f31e-1e30-437f-b4fc-833d2067067a" class="fn"><a id="4019f31e-1e30-437f-b4fc-833d2067067a-link" href="#4019f31e-1e30-437f-b4fc-833d2067067a">2</a></sup></p>



<p>Beim 20-jährigen Jubiläum gratulierte Bill Hybels dem ICF und Pastor Leo Bigger im Hallenstadion Zürich und sprach vom besonderen Segen, der auf der Bewegung ruhen würde. Er erzählte, dass Willow Creek Biggers ICF entscheidend geprägt habe. Das ICF stammt also aus der „Besucherfreundlichen Bewegung“, die im deutschsprachigen Raum vor allem durch Bill Hybels und Rick Warren (Saddleback) bekannt wurde.</p>



<p>Mittlerweile hat sich die ICF-Bewegung – „movement“ genannt – laut eigenen Angaben auf mehr als 65 Gemeinden in 13 Ländern Europas ausgebreitet.<sup data-fn="c6b0516a-6af4-40a1-8a61-74fa00326c4d" class="fn"><a id="c6b0516a-6af4-40a1-8a61-74fa00326c4d-link" href="#c6b0516a-6af4-40a1-8a61-74fa00326c4d">3</a></sup> Das sind stattliche Zahlen.<sup data-fn="77e99442-3dc6-4324-87d8-6f4ddbfbf411" class="fn"><a id="77e99442-3dc6-4324-87d8-6f4ddbfbf411-link" href="#77e99442-3dc6-4324-87d8-6f4ddbfbf411">4</a></sup> Zürich ist übrigens weiterhin der Trendsetter. Der Pastor vom ICF Karlsruhe sagte in einer Predigt in Zürich: „Wir haben jetzt auch ‚Locations‘. Wir machen euch alles nach.“</p>



<p>Die oben angeführten Zahlen kommen nicht von ungefähr. Darum wollen wir fragen:</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was macht die ICF-Bewegung gut?</h2>



<p>Ich gestehe unumwunden ein, dass ich ein zwiespältiges, ambivalentes Verhältnis zur ICF habe. Doch ich möchte fair sein. Es gibt Dinge, die gut sind, ja es gibt m.E. sogar vorbildliche Dinge. Wo können wir uns positive Scheiben abschneiden?</p>



<p><strong>1. Die Mitarbeiter der ICF – und besonders die Leiter – sind motiviert bis in die Haarspitzen</strong></p>



<p>Das oben Beschriebene hätte ohne den Einsatz ungezählter Mitarbeiter nicht erreicht werden können. Die meisten von ihnen tun das ehrenamtlich, also unentgeltlich. Das ist wirklich beeindruckend. Ich nenne zwei Beispiele:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Einige der ICFs haben keine eigenen Gemeindehäuser. Das bedeutet, dass jeden Sonntag die gesamte Veranstaltungstechnik auf- und wieder abgebaut werden muss. Manche Mitarbeiter stehen deswegen um 5:00 Uhr morgens auf. In großen ICF-Kirchen folgen drei oder gar vier Gottesdienste über den Tag verteilt. Darüber hinaus engagieren sich viele Freiwillige in ungezählten Teams in allen anderen Bereichen des Gemeindelebens. Das ist durchaus vorbildlich.</li>



<li>Die Predigten sind meistens gut vorbereitet, werden weitgehend frei vorgetragen und oft durch visuelle Veranschaulichungen unterstützt. Das alles ist durchdacht und benötigt immensen Zeitaufwand. Die „messages“ sind auch oft mutig. Gesellschaftlich umstrittene Themen wie Homosexualität werden thematisiert. Das bringt dem ICF vonseiten „der Welt“ viel Kritik ein.<sup data-fn="28b9deda-1322-45d9-a070-f58d41dde252" class="fn"><a id="28b9deda-1322-45d9-a070-f58d41dde252-link" href="#28b9deda-1322-45d9-a070-f58d41dde252">5</a></sup></li>
</ul>



<ol class="wp-block-list">
<li></li>
</ol>



<p><strong>2. In den ICFs sollen die Menschen mit Jesus Christus in Kontakt kommen</strong></p>



<p>Das nehme ich den Protagonisten ab: Es geht ihnen darum, dass verlorene Zeitgenossen für Zeit und Ewigkeit gerettet werden. Viele Predigten präsentieren (in Ansätzen) das Evangelium von Jesus Christus – und schließen meistens mit einem Aufruf zur Bekehrung oder auch zu neuer Hingabe (oft „commitment“ genannt) der Gläubigen. Ich freue mich aufrichtig über jede Seele, die im Umfeld der ICF-Gemeinden zum rettenden Glauben kommt (Mt 16,25; Luk 15,24; Phil 1,18).</p>



<p>Wie viele Besucher im Umfeld der ICF-Veranstaltungen tatsächlich zum rettenden Glauben kommen, das weiß natürlich allein unser Gott. <em>„Aber der feste Grund Gottes bleibt bestehen und trägt dieses Siegel: Der Herr kennt die Seinen!“</em> (2Tim 2,19)</p>



<p><strong>3. In den ICF-Gemeinden gibt es ein starkes Anliegen, den bedürftigen Menschen ganzheitlich zu helfen</strong></p>



<p>Der Mensch wird gesehen. Das beginnt mit einer wirklich herzlichen Begrüßung. Es kann sein, dass einem vier bis fünfmal die Hand geschüttelt wurde, bis man auf seinem Platz sitzt.<sup data-fn="83cf8f4f-5a7f-4559-b2d2-c9970703bc98" class="fn"><a id="83cf8f4f-5a7f-4559-b2d2-c9970703bc98-link" href="#83cf8f4f-5a7f-4559-b2d2-c9970703bc98">6</a></sup> Dann wird sehr persönlich, zupackend gepredigt (dass oft lehrmäßiger Tiefgang fehlt, steht auf einem anderen Blatt). Und schließlich gibt es so gut wie nach jeder Verkündigung die Gelegenheit zu reagieren sowie Gebet bzw. Seelsorge in Anspruch zu nehmen. Gerade Menschen im urbanen Raum, die oft unter Einsamkeit der Großstadt leiden, wissen diese Angebote sehr zu schätzen.</p>



<p>Diese Zugewandtheit zu den Menschen ist wirklich stark. Und ich halte sie für echt. Man möchte den Menschen nicht nur predigen, sondern ihnen wirklich – im richtigen Sinn verstanden – ganzheitlich helfen. Seminare, Workshops, Schulungen unterstreichen dieses Anliegen. Das ist lobenswert.</p>



<p>Ich möchte hier ergänzen, dass die ICF-Veranstaltungen oft relevante Lebensfragen der Zuhörer direkt adressieren – und das in einer Sprache, die von den Menschen gesprochen und verstanden wird. „Kanaanäisch“ ist wirklich verpönt. Eine weitere Stärke der ICF-Bewegung ist sicherlich ihre Präsenz in den Sozialen Medien.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kritische Anfragen an die ICF-Bewegung</h2>



<p>Manche Leser werden vielleicht jetzt denken: Muss das sein? Warum kann man nicht einfach alles stehen lassen? Wieso immer diese Besserwisserei?</p>



<p>Antwort: Weil uns der HERR gebietet, Lehren und Gemeindebaukonzepte an der Schrift zu prüfen – natürlich nicht in überheblicher Art, sondern demütig und nüchtern (Apg 17,11; 1Thess 5,20-22).</p>



<p>Ich habe kein Gefallen am Aufdecken der Fehler und Schwächen anderer. Mir wäre es lieber, ich könnte hier schließen. Ich bin mir auch sehr wohl meiner eigenen Schwächen bewusst. Aber gerade, weil ICF einen solchen Einfluss auf viele Christen und Gemeinden ausübt, darum müssen sich Leo Bigger und alle anderen ICF-ler mit ihrem Konzept an den Maßstäben der Heiligen Schrift messen lassen. Es geht letztlich um die Wahrheiten des Evangeliums und des neutestamentlichen Gemeindebaus.</p>



<p><strong>1. Sind die Predigten fast immer thematisch und insgesamt zu oberflächlich?</strong></p>



<p>Ich habe mir „messages“ aus ganz unterschiedlichen ICFs angehört. Leider war keine einzige auslegende Botschaft dabei. Die Ausführungen sind thematisch und oft psychologisch gefärbt. Sie drehen sich stark um die Veränderung der Persönlichkeit. Bei einigen Themen wurde Jesus Christus mehr als „kosmischer Therapeut“ präsentiert. Das heißt nicht, dass unser Gott auf diese Weise nicht auch Menschen ansprechen könnte. Aber folgende Anfragen entstehen:</p>



<p>Entfaltet diese Art der Verkündigung echte biblische Lehre? Wird bei dieser Vorgehensweise der ganze Ratschluss Gottes verkündigt (Apg 20,27)? Bekommen die gläubigen Hörer biblische Hilfe zu einem gottwohlgefälligen Leben? Oder dominiert am Ende mehr christlich verbrämte Unterhaltung?</p>



<p><strong>2. Erinnert der Rahmen der Events eher an eine Jugend-Disco als an den Gottesdienst einer neutestamentlichen Gemeinde?</strong></p>



<p>Der Raum ist abgedunkelt. Bühnennebel steigt auf. Der sogenannte Worship erreicht eine Lautstärke<sup data-fn="25102d4f-09f1-4181-b2f4-391b2cf4a99d" class="fn"><a id="25102d4f-09f1-4181-b2f4-391b2cf4a99d-link" href="#25102d4f-09f1-4181-b2f4-391b2cf4a99d">7</a></sup> von bis zu 95 Dezibel. Viele (junge) Leute „rocken“ die Lieder mit, als wären sie auf einem Konzert ihrer Lieblingsband. Die coolen Verkündiger haben ihre Predigtnotizen auf dem Smartphone in der Hand oder auf dem Tablet, das auf dem Stehtisch liegt.</p>



<p>Dann ist da manchmal eine unglaublich schnoddrige Sprache: „Gott ist nicht „ar…ig.“ etc. und sehr viel Denglisch. Der Gottesdienst ist „celebration“, die Liturgie „programing“, die Predigt ist „message“ und der Veranstaltungsort ist die „location“. ‚Okay, Jesus, ich fühle mich nicht „ready“; ich habe „struggles“‘, „freedoms nights“, „explore“, „get free“ und alle sind „easy drauf“.</p>



<p>Auf einer ICF-Website las ich:</p>



<p><em>„Ab sofort treffen wir uns sonntags vor der Abend-Celebration zum Tanz-Hangout!</em></p>



<p><em>• 16:30 bis 16:45 chill-in</em></p>



<p><em>• 16:45 Bring &amp; Share Snack</em></p>



<p><em>• 17:00 bis ca. 18:30 Dance</em></p>



<p><em>Bringt hierzu gerne Freunde mit, jeder Skill vom Anfänger bis Advanced ist herzlich willkommen!“</em></p>



<p>Der Prediger sollte natürlich stylisch gekleidet sein. Sneakers statt Lederschuhe, löchrige Jeans statt Stoffhose, Lederjacke statt Jackett – und am besten noch eine auffällige Halskette und ein paar Tattoos. Das Outfit muss cool sein. Jeder „move“ wird schließlich auf der Bühne und auf den Großbildleinwänden zu sehen sein. Telegenität ist gefragt.</p>



<p>Die ganze Veranstaltung wirkt auf mich mehr wie eine Darbietung, eine Show, eine kulturell-relevante Performance, ein Entertainment-Programm, zugeschnitten auf das Individuum.</p>



<p>Warren W. Wiersbe schreibt in seinem Kommentar:</p>



<p><em>„Die religiösen Neuheiten in den heutigen Gemeinden mögen die Menschen zwar begeistern und unterhalten, doch die Gemeinde wird durch sie weder erbaut noch tragen sie zur Verherrlichung des Herrn bei. Der Gemeindesaal wird zum Theater, die Anbetung zur Unterhaltung, der Gottesdienst wird zu einer Vorstellung und die Gemeinde zum Publikum.“</em><sup data-fn="d66477a1-0022-41b4-9112-97469c1bce69" class="fn"><a id="d66477a1-0022-41b4-9112-97469c1bce69-link" href="#d66477a1-0022-41b4-9112-97469c1bce69">8</a></sup></p>



<p>Eine Aussteigerin berichtet: <em>„Es war wichtig, cool zu sein, „Style“ zu haben. Wenn man nicht cool war, stieg man in der ICF auch nicht auf: Nur die lässigen Leute erschienen auf der Bühne, predigten oder sangen. Dies führte dazu, dass man nie jemanden sah, der dick war.“</em></p>



<p>Jemand sagte sinngemäß: <em>„Das ICF-Christentum hat viele flapsige Sprüche. Aber es umgeht den Kern: Bekehrung, Wiedergeburt, Heiligung, Kreuzesnachfolge. Das alles kommt viel zu wenig vor. Sondern es ist ein lustiger, interessanter Selbstverwirklichungstrip, christlich garniert, mit viel Rock- und Popmusik, mit viel Action sowie mit viel Aktivismus.“</em></p>



<p><strong>3. Absorbiert die ICF-Bewegung viele religiöse Ideen, die gerade auf dem Markt sind?</strong></p>



<p>Noch einmal die Aussteigerin: <em>„Die Lehre der ICF rückte durch den ständigen Wechsel in den religiösen Praktiken und in der Organisation in den Hintergrund. So wurden dauernd neue Konzepte und Ideen anderer „Mega-Churches“ übernommen.</em></p>



<p><em>Als ich der ICF beitrat, war sie nach Vorbild einer koreanischen Kirche organisiert, die über Hauszellen funktionierte, später wurde dann nach dem Vorbild einer amerikanischen Kirche Workshops gegründet. Das Konzept der g/12-Gruppen war hingegen von einer südamerikanischen Gemeinde abgeleitet. Es wurden auch verschiedene Gebetsarten praktiziert. Es gab beispielsweise ein koreanisches Gebet, während dem in der Gruppe alle laut vor sich hin beteten und das beinahe zu einem Geschrei ausartete, durch welches man Jesus lobte und pries.</em></p>



<p><em>Auch in den Gottesdiensten wurden immer wieder neue Themen aufgenommen, wie beispielsweise das Fasten, woraufhin alle zu fasten begannen und Fasten lässig fanden. Bis ein neues Thema Geltung erlangte.</em></p>



<p><em>Einen wichtigen Stellenwert hatten sogenannte Prophetien. Propheten waren Menschen auch aus anderen Kirchen, denen man die Gabe der Prophetie zusprach. Ihre Aussprüche wurden ernst genommen und fanden auch in den Zielsetzungen der ICF Geltung. Es schien, als ob die ICF immer wieder neue Kicks brauchten, damit die Leute dabeiblieben. Da immer etwas lief, hatte man gar keine Zeit, um über die Lehre nachzudenken.“</em><sup data-fn="8544a309-24d5-46bb-b50a-0e14475d9c7b" class="fn"><a id="8544a309-24d5-46bb-b50a-0e14475d9c7b-link" href="#8544a309-24d5-46bb-b50a-0e14475d9c7b">9</a></sup></p>



<p>Ich denke nicht, dass wir nicht von anderen lernen dürften. Im Gegenteil. Aber ständig neue Konzepte aus anderen Kulturen zu hypen, statt biblische Prinzipien in den Mittelpunkt des Gemeindebaus zu stellen, ist durchaus fragwürdig. Hier einige weitere übernommene Elemente:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Aus Insider-Informationen weiß ich, dass in einer großen ICF der Sozo-Grundkurs der Bethel-Church gemacht wurde. Es nahmen mehr als 100 Leute teil. Sozo ist das griechische Wort für <em>heilen </em>und <em>retten</em>. Bei dieser Praxis, die von der Bethel Church stammt, geht es nicht um körperliche, sondern um emotionale und geistliche Heilung.<sup data-fn="4350203a-a08b-46e5-acaf-61b36be14526" class="fn"><a id="4350203a-a08b-46e5-acaf-61b36be14526-link" href="#4350203a-a08b-46e5-acaf-61b36be14526">10</a></sup> Die Bethel-Church in Redding, Kalifornien, mit ihrem Pastor Bill Johnson gehört zu den umstrittensten Gemeinden der „Neuen Apostolischen Reformation“ (NAR).</li>



<li>Leider werden auch viele pseudo-charismatische Elemente praktiziert. Mir fiel auf, dass oft zum Heiligen Geist gebetet wird. Die Schrift lehrt, dass wir zum Vater oder zum Sohn beten sollen (Mt 6,6-8; 1Kor 1,1-2) – aber sie berichtet von keinem einzigen Gebet zum Heiligen Geist, zu Engeln oder zu Menschen.<sup data-fn="49579e5f-0eba-415e-a6be-0353495e332d" class="fn"><a id="49579e5f-0eba-415e-a6be-0353495e332d-link" href="#49579e5f-0eba-415e-a6be-0353495e332d">11</a></sup></li>



<li>Zur charismatisch geprägten, lauten Musik, in die Elemente von Hillsong und Bethel einfließen, will ich hier gar nichts weiter ausführen. Ich lasse stattdessen Dr. Hanniel Strebel zu Wort kommen. Er berichtet, dass er einmal mit seiner Familie die ICF Zürich besuchte.<sup data-fn="99c65d28-a84a-47a0-9e41-538d05e56630" class="fn"><a id="99c65d28-a84a-47a0-9e41-538d05e56630-link" href="#99c65d28-a84a-47a0-9e41-538d05e56630">12</a></sup> Es war für ihn befremdlich zu erleben, dass Kinder unter einem bestimmten Alter nicht am „Gottesdienst“ teilnehmen konnten, weil die Lautstärke der Musik (wie bereits erwähnt: bis zu 95 Dezibel) es nicht zuließ.<sup data-fn="011a55b7-ea33-4ab3-84a3-1d9e686f5fd7" class="fn"><a id="011a55b7-ea33-4ab3-84a3-1d9e686f5fd7-link" href="#011a55b7-ea33-4ab3-84a3-1d9e686f5fd7">13</a></sup> Übrigens, mir wurde aus zuverlässiger Quelle bekannt, dass die Lobpreisleiter einer ICF gebeten wurden, in der ersten Reihe zu sitzen, um den Lobpreis gleich von Beginn an anzufeuern und auf „high energy“ zu bringen. Kommentar überflüssig.</li>



<li>Eine Leiterin einer großen ICF-Gemeinde, die auch immer wieder predigt, befürwortete Yoga-Kurse für Christen.</li>



<li>ICF propagiert die völlige Gleichstellung von Mann und Frau, also das egalitäre und nicht komplementäre (biblische) Modell. Ob diese falsche Sicht übernommen wurde oder von den Gründern mitgebracht wurde, konnte ich nicht herausfinden. Auf jeden Fall predigen, lehren und leiten immer wieder Frauen die Veranstaltungen. Das widerspricht nach meiner Erkenntnis eindeutig der Schrift (Eph 5,23-24; 1Tim 2,12-14).</li>
</ul>



<p>Fazit: Da in der ICF-Bewegung offensichtlich viel zu wenig an der Schrift geprüft wird, ist man scheinbar für alle möglichen und unmöglichen Strömungen offen. Konzepte werden implementiert, es wird experimentiert – und wenn es nicht passt, wird alles wieder eingestampft. Was das mit den beteiligten Menschen macht, darüber haben die Leiter scheinbar wenig nachgedacht.</p>



<p><strong>4. Baut die ICF-Bewegung die Gemeinden nach „pragmatischer“ Philosophie?</strong></p>



<p>Der 1997 verstorbene chinesische Staatsmann Deng Xiaoping definierte Pragmatismus einmal auf originelle Weise: „Es spielt keine Rolle, ob eine Katze schwarz oder weiß ist. Wenn sie Mäuse fängt, ist es eine gute Katze!“ Pragmatismus ist also die Einstellung, Dinge nicht nach übergeordneten Prinzipien zu beurteilen, sondern lediglich nach ihrer Funktionalität. Pragmatismus ist Zweckmäßigkeitsdenken. Hauptsache, es funktioniert! Ist diese Einstellung biblisch haltbar?</p>



<p><strong><em>Kommt „Pragmatismus“ in der Bibel vor?</em></strong></p>



<p>Oh ja! In 4. Mose 20 wird berichtet, dass Mose zu dem Felsen in der Wüste reden sollte. Doch Mose schlug den Stein mit seinem Stab. Das Schlagen hatte Jahre zuvor gemäß Gottes Anweisung schon einmal funktioniert (2Mos 17). Bei Mose vermischten sich Routine, Ungehorsam und Pragmatismus. Hauptsache, der Erfolg stellt sich wiederum ein!</p>



<p>Mose war ungehorsam. Nun müsste man erwarten, dass kein Tropfen Wasser käme. Doch obwohl Mose im Ungehorsam handelte, floss das Wasser in Strömen. Der sichtbare Erfolg war gegeben. Phänomenologisch – vom äußeren Erscheinen her beurteilt – schien Mose alles richtig gemacht zu haben. Aber Gott ist nicht pragmatisch. Mose und Aaron durften wegen dieses Ungehorsams nicht in das verheißene Land!</p>



<p>Die Passage im 4. Buch Mose warnt nach meiner Erkenntnis vor pragmatischem Erfolgsdenken: „Hauptsache, es funktioniert!“ – Es kommt aber gar nicht zuerst darauf an, ob etwas funktioniert. Es kommt vor allem drauf an, ob eine Handlung dem Willen Gottes entspricht!</p>



<p>Natürlich kann die ICF-Bewegung mit großen Zahlen glänzen. Die Zeitschrift Idea Deutschland machte in ihrer Ausgabe Nr. 27/2025 mit der ICF München auf. Schlagzeile: „Deutsche Megakirche – Wie Tobias Teichen und ICF München Menschen begeistern“. Mit wie vielen Kompromissen und weltlichen Anleihen dieser Erfolg womöglich erkauft wurde, wird in dem Artikel gar nicht thematisiert.</p>



<p>Pragmatismus ist kurzsichtig. Er sieht nur den augenblicklichen Vorteil. Nachteile und Spätfolgen werden bewusst oder unbewusst ausgeblendet. Biblische oder ethische Grundsätze und Überzeugungen werden für das Linsengericht eines momentanen Vorteils verkauft. So sieht es auch A.W. Tozer. Er schreibt in seinem brillanten Aufsatz „Pragmatismus und Christentum“:</p>



<p><em>„Die Schwäche dieser Theorie ist ihre tragische Kurzsichtigkeit. Sie betrachtet geistliche Aktivitäten nie auf lange Sicht (sie wagt es nicht einmal), sondern fährt fröhlich fort zu glauben, dass alles gut und richtig sei, weil es wirksam ist. Sie wird geheiligt vom augenblicklichen Erfolg und verwirft jeden Vorwurf, dass am Tage Christi vielleicht alles in Rauch und Flammen aufgeht.“</em><sup data-fn="71786e30-d57c-4b46-beff-e70b8afd20a0" class="fn"><a id="71786e30-d57c-4b46-beff-e70b8afd20a0-link" href="#71786e30-d57c-4b46-beff-e70b8afd20a0">14</a></sup></p>



<p>Der Gott der Bibel ist weder kleinlich noch pragmatisch, sondern heilig (3Mo 19,2; 1Petr 1,15-16). Er ist mehr an Heiligkeit interessiert als an Nützlichkeit und Effektivität. Seine Prinzipien stehen himmelhoch über allen noch so gut gemeinten menschlichen Gefühlsregungen.</p>



<p>Darum muss sich die ICF-Bewegung diese Anfrage gefallen lassen: Wird wirklich gefragt: Was hat Gott in seinem ewig gültigen Wort über neutestamentlichen Gemeindebau angeordnet? Es geht in der Schrift nie um die Frage: Wie werden wir attraktiv für unsere Zeitgenossen?<sup data-fn="c8aa2297-f770-4f58-83e7-30d7e5172e5d" class="fn"><a id="c8aa2297-f770-4f58-83e7-30d7e5172e5d-link" href="#c8aa2297-f770-4f58-83e7-30d7e5172e5d">15</a></sup></p>



<p>Auf der Homepage der größten deutschen ICF-Gemeinde ist beispielsweise zu lesen:</p>



<p><em>„Das ICF München ist eine überkonfessionelle Freikirche auf biblischer Grundlage, die aus dem Traum entstanden ist, Kirche für die Menschen wieder dynamisch, lebensnah und zeitgemäß zu gestalten.“</em></p>



<p>Hier will man Kirche für Menschen attraktiv machen – nicht für Gott! Dieser Ansatz muss auf lange Sicht unweigerlich vom Ziel wegführen. Gottes heiliges Wort muss die Richtschnur sein – nichts anderes! Wenn wir Gemeinden gottzentriert bauen und die Gläubigen dort wirklich „Speise“ für das Wachstum des inneren Menschen bekommen, werden sie auch anziehend für Nichtchristen sein.</p>



<p><em><strong>Der Bauplan für neutestamentliche Gemeinden</strong></em></p>



<p>Alle, die im 21. Jahrhundert Gemeinden bauen wollen, sollten fragen: Was sagt die Schrift? Nicht: Was sagte die Brüderbewegung, der Pietismus, die Puritaner? Ja, nicht einmal: Was sagten die Reformatoren? Sondern: Was lehrt das Neue Testament über Gemeindebau? Dort lesen wir zum Beispiel klipp und klar, dass die gottesdienstliche Versammlung einer Gemeinde drei Stoßrichtungen haben sollte:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>nach oben: Anbetung</li>



<li>nach innen: Erbauung und geistliches Wachstum der Gläubigen</li>



<li>nach außen: Zurüstung, um einer sterbenden Welt das Evangelium zu bringen.</li>
</ul>



<p>In 1. Korinther 14 wird die gottesdienstliche Versammlung der Gemeinde beschrieben. Es gibt einen Hauptbegriff in diesem Kapitel: Auferbauung. Das Wort für „Auferbauung“ (Griechisch: oikodomē; Englisch: edification) findet sich insgesamt sieben Mal! Viermal in substantivischer Form (V. 3,5,12 und 26) sowie dreimal in verbaler Form (2x in V. 4 und in V. 17). Es meint gemäß V. 3 auferbauen, ermutigen, trösten. Das darf man nicht übersehen.</p>



<p>Das bedeutet: Nach den Vorgaben Gottes ist der Hauptzweck der gottesdienstlichen Versammlung die Auferbauung der Gläubigen – nicht die Evangelisierung der Welt! Wenn ein Nichtchrist hereinkommt, wird er selbstverständlich nicht abgewiesen (1Kor 14,23-25). Aber das ist nicht dasselbe wie einen Gottesdienst gezielt auf Nichtchristen auszurichten.</p>



<p>Nach der Schrift sollen die Heiligen durch die verständliche Weitergabe des Wortes Gottes – nicht durch Zungenreden!<sup data-fn="cc9e4907-2488-4cba-a08e-2734a46742e2" class="fn"><a id="cc9e4907-2488-4cba-a08e-2734a46742e2-link" href="#cc9e4907-2488-4cba-a08e-2734a46742e2">16</a></sup> – auferbaut oder geistlich belebt werden. ICF stellt die biblischen Aussagen auf den Kopf. Wir dürfen unsere Gottesdienste nicht zu einer „evangelistischen Dauerkonferenz“ machen. Wenn wir es dennoch tun, handeln wir pragmatisch!</p>



<p>Paulus schreibt sehr ernste Worte an die Korinther:</p>



<p><em>„Denn einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. Wenn aber jemand auf diesen Grund Gold, Silber, kostbare Steine, Holz, Heu, Stroh baut, so wird das Werk eines jeden offenbar werden; der Tag wird es zeigen, weil es durchs Feuer geoffenbart wird. Und welcher Art das Werk eines jeden ist, wird das Feuer erproben. Wenn jemandes Werk, das er darauf gebaut hat, bleibt, so wird er Lohn empfangen; wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden erleiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch“</em> (1Kor 3,11-15).</p>



<p><em><strong>Nebeneffekt „Oberflächlichkeit“</strong></em></p>



<p>Die ICF-Bewegung ist – wie wir bereits gesehen haben – stark von dem besucherfreundlichen Konzept Willow Creeks geprägt. Hat man in Zürich und an anderen Orten auch die warnenden Aussagen aus Chicago vernommen? Hören wir, was Bill Hybels selbst dazu äußerte. Nach einer Sommerstudienpause kam er mit folgenden Gedanken zurück:</p>



<p><em>„Ich war immer noch dabei, mich in der Segnung zu sonnen, die ich bei der Taufe von fast vierhundert Erwachsenen unserer Gemeinde am letzten Juni-Sonntag erlebt hatte. Aber dieses Sonnenbad endete abrupt, als ich mir die ernüchternde Frage stellte: »Ich möchte gerne wissen, wie viele dieser vierhundert gerade Getauften in acht Wochen, bei meiner Rückkehr, immer noch Gott treu folgen, in ihm wachsen und für ihn Frucht bringen.« Die ehrliche Antwort konnte ich mir nur schmerzlich eingestehen. Über den Zeitraum von dreizehn Jahren in dieser Gemeinde haben sich Tausende als auf das Steinige Gesäte erwiesen und als unter die Dornen Gesäte, deren Glaube verwelkte.“</em><sup data-fn="8f214bc2-e94c-4032-8151-1b9e89d962e0" class="fn"><a id="8f214bc2-e94c-4032-8151-1b9e89d962e0-link" href="#8f214bc2-e94c-4032-8151-1b9e89d962e0">17</a></sup></p>



<p>Jemand sagte: „Die ICF-Bewegung ist 20 Kilometer breit – aber nur fünf Zentimeter tief.“</p>



<p><strong>5. Schädigt die ICF-Bewegung andere Gemeinden?</strong></p>



<p>Das wäre ein schwerer Vorwurf.</p>



<p>Seit vielen Jahren kommen solche Klagen an meine Ohren: „Unsere Jugendlichen sind zum ICF abgewandert.“ – „Da war solch eine nette Familie; aber jetzt sind sie beim ICF.“</p>



<p>Mir liegt keine seriöse Statistik vor. Aber ich habe Insider befragt, sogar vollzeitliche angestellte Mitarbeiter, wie viele Besucher (beim ICF gibt es keine Verbindliche Zugehörigkeit oder Mitgliedschaft) ihrer Meinung nach aus anderen Kirchen / Gemeinden zum ICF gewechselt sind. Die Schätzungen schwankten allesamt zwischen 60 und 80 Prozent!</p>



<p>Im Umfeld einer ICF ist die Jugend einer evangelikalen Freikirche geschlossen zum ICF gewechselt. Liebe Freunde, das ist nicht in Ordnung! Ich behaupte nicht, dass solche Dinge bewusst oder absichtlich geschehen würden – aber die ICF nimmt sie zumindest billigend in Kauf.</p>



<p>Wenn ICF-Leiter mit diesen Fakten konfrontiert werden, kommt immer die gleiche Antwort: „Hättet ihr diesen jungen Leuten mehr geboten, wären sie nicht gewechselt.“</p>



<p>Das kann ich nicht gelten lassen. Eine kleine Gemeinde auf dem Land hat weder die Mittel noch die Kraft, solche Events auf die Beine zu stellen. Vielleicht will es diese Land-Gemeinde auch gar nicht. Solche verführerischen Angebote machen falsche Versprechen und fördern eine unberechtigte Unzufriedenheit bei jungen Leuten. Berechtigte Unzufriedenheit mit realen Problemen in der Gemeinde sollte dazu führen, dass Jung und Alt gemeinsam daran arbeiten.</p>



<p>Ich behaupte nicht, dass Leute nur wegen des Musik-Programms und anderer äußerer Angebote zum ICF wechseln. Besonders junge Menschen werden stark von authentischen Persönlichkeiten, z.B. Jugendleitern, angezogen. Trotzdem macht mir die hier erwähnte Statistik allergrößte Sorgen. Die ICF arbeitet sehr stark Event-orientiert. Jungen Menschen wird hier unter Umständen suggeriert, dass sich ein Christenleben von Event zu Event abspielt.</p>



<p>Von der größten deutschen ICF-Community in München ist bekannt, dass sie mehrmals in der Umgebung von München bombastische ICF-Konzerte durchgeführt hat – und siehe da: Einige Zeit später entstand dort eine neue ICF-Gemeinde oder ein Start-Up.</p>



<p>Was hat eine kleine bibeltreue Landgemeinde einer solchen Sogkraft entgegenzusetzen? Steckt hier vielleicht Methode dahinter? Auf jeden Fall existiert inzwischen ein ICF-Netzwerk mit Gemeinden in Augsburg und Freising sowie Startups in Starnberg und Passau.</p>



<p><strong><em>Vitamin-Mangel in der Gemeinde Jesu Christi</em></strong></p>



<p>Ich bin davon überzeugt, dass jedes Aufkommen einer fragwürdigen oder falschen Strömung auf „Vitaminmangel“ in der Gemeinde Jesu zurückzuführen ist.</p>



<p>Was fehlt dem Leib Christi? Fehlt nicht weithin das Erschrecken vor Gottes Heiligkeit, Buße über Lauheit und Kompromisse mit der Sünde, klare Abgrenzung zum materialistischen Lebensstil, sowie die Treue zu Christus und seinem Wort? Fehlt nicht weithin ein authentisches Christentum in der Kraft des Heiligen Geistes? Fehlen nicht geisterfüllte Gläubige und biblisch ausgerichtete Gemeinden in unserem Land?</p>



<p>Bevor wir also das Thema ICF eilfertig abhaken, sollten wir die guten Anregungen von dort aufnehmen und als Anfrage an uns sehen. Darüber hinaus sollten wir uns ernstlich prüfen: Ist unser persönliches Leben völlig an Jesus Christus hingegeben? Hat der christliche Kreis, zu dem wir gehören, wirklich das Anliegen, Gemeinde nach dem Neuen Testament zu sein und immer mehr zu werden? Wollen wir wirklich biblisch bauen? Brennt in uns die Liebe zu Christus gleichermaßen wie die Liebe zu den verlorenen Menschen? Wenn nicht, wollen wir bitte vor der eigenen Türe kehren.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Wort an ICF-ler</h2>



<p>Solltest du zu einer ICF-Kirche gehören oder mit der Bewegung sympathisieren, so bitte ich dich als älterer Diener Gottes herzlich: Überprüfe deine Einstellung. Überprüfe deine Motive. Nimm deine Bibel in die Hand und studiere, was das Neue Testament über Gemeinde und ihre Gottesdienste sagt. Und schließe dich bitte unbedingt einer biblisch ausgerichteten Versammlung von Gläubigen an.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Wort an die Verantwortlichen der ICF-Bewegung</h2>



<p>Brüder, Gott hat euch reich begabt! Ihr könntet dem Herrn meines Erachtens wohlgefälliger dienen, wenn ihr einen konsequent biblisch ausgerichteten Weg gehen würdet. Die konservativen Werte, die ihr durchaus vertretet, passen gar nicht zu dem flippigen Äußeren, in das ihr eure Kernbotschaft verpackt. Schlimmer. Sie passen nicht zu dem Bild, das uns die Schrift von einer neutestamentlichen Gemeinde zeichnet.</p>



<p>Darum bitte ich euch: Werft die Philosophie des Pragmatismus und der Beliebigkeit im Blick auf Gemeindebau über Bord. Ich ermutige euch, auch im Blick auf die Form zu den schlichten Wegen zurückzukehren, die das Evangelium lehrt.</p>



<p><em>Fussnoten</em></p>


<ol class="wp-block-footnotes"><li id="41dfbe8a-58c4-43eb-981c-d1a63c0e197b">2002 besuchte ich die junge ICF-Gemeinde in Zürich. Eine Predigt gab es an jenem Sonntag nicht – stattdessen ein lässiger Talk von Bigger und Bölsterli auf einer Bühnen-Couch. <a href="#41dfbe8a-58c4-43eb-981c-d1a63c0e197b-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 1 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="4019f31e-1e30-437f-b4fc-833d2067067a">https://www.ezw-berlin.de/publikationen/artikel/icf-feierte-15-jaehriges-bestehen-mit-reinhard-bonnke <a href="#4019f31e-1e30-437f-b4fc-833d2067067a-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 2 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="c6b0516a-6af4-40a1-8a61-74fa00326c4d">Der ICF-Jahresbericht 2024 von ICF Zürich nennt insgesamt 68 ICF-Kirchen weltweit in 13 Ländern. Quelle: https://annualreport.icf.ch <a href="#c6b0516a-6af4-40a1-8a61-74fa00326c4d-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 3 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="77e99442-3dc6-4324-87d8-6f4ddbfbf411">Inzwischen haben einige Gemeinden die ICF-Bewegung wieder verlassen, z.B. Frankfurt (wurde zur Urban Lights Church), Leipzig oder Emmental in der Schweiz. <a href="#77e99442-3dc6-4324-87d8-6f4ddbfbf411-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 4 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="28b9deda-1322-45d9-a070-f58d41dde252">Tatsächlich gibt es eine ganze Reihe von Videos und Podcasts im Netz, die der ICF-Bewegung Homophobie, „purity culture“ etc. vorwerfen. <a href="#28b9deda-1322-45d9-a070-f58d41dde252-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 5 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="83cf8f4f-5a7f-4559-b2d2-c9970703bc98">Kritiker sprechen allerdings in diesem Zusammenhang vom sogenannten „love bombing“ (deutsch: mit Liebe bombardiert werden). <a href="#83cf8f4f-5a7f-4559-b2d2-c9970703bc98-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 6 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="25102d4f-09f1-4181-b2f4-391b2cf4a99d">Ich bedaure persönlich sehr, dass offenbar in weiten Teilen der Gemeinde Jesu Christi das Bewusstsein verloren gegangen ist, dass Gott vor allem in der Stille wirken will (z.B. Ps 46,11). <a href="#25102d4f-09f1-4181-b2f4-391b2cf4a99d-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 7 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="d66477a1-0022-41b4-9112-97469c1bce69">Wiersbe-Kommentar AT, Band I, CVD 2016, 1. Aufl., S. 2014 <a href="#d66477a1-0022-41b4-9112-97469c1bce69-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 8 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="8544a309-24d5-46bb-b50a-0e14475d9c7b">https://www.infosekta.ch/media/pdf/ICF_Friess-Interview_Style.pdf Wenn wir hier von der Schweizer Seite infosekta zitieren, wollen wir damit ausdrücklich nicht sagen, dass es sich bei den ICF-Gemeinden um klassische Sekten handelt. Es sind vielmehr charismatisch geprägte Freikirchen, deren Art, Gemeinde zu bauen, wir hier hinterfragen. <a href="#8544a309-24d5-46bb-b50a-0e14475d9c7b-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 9 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="4350203a-a08b-46e5-acaf-61b36be14526">Vgl. „Das gefälschte Gottesreich“, CVD 2024, S. 196-199 <a href="#4350203a-a08b-46e5-acaf-61b36be14526-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 10 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="49579e5f-0eba-415e-a6be-0353495e332d">In seinem Buch „Geist Gottes“, Fontis Verlag, 5. Aufl. 2023, schreibt Leo Bigger wiederholt, der Heilige Geist sei unser größter Fan (S.12). Wo steht das in der Bibel? <a href="#49579e5f-0eba-415e-a6be-0353495e332d-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 11 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="99c65d28-a84a-47a0-9e41-538d05e56630">Vgl. „Bibel und Gemeinde“, https://bibelbund.de/2022/04/wenn-die-form-den-inhalt-dominiert-eine-persoenliche-reflektion-zu-elementen-der-icf-movement <a href="#99c65d28-a84a-47a0-9e41-538d05e56630-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 12 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="011a55b7-ea33-4ab3-84a3-1d9e686f5fd7">Ich empfehle die kleine Schrift „Generation Lobpreis – kapitulieren wir?“ von Dr. Steffen Kirstein (CMD-Verlag, früher: Hünfeld, jetzt: Bochum <a href="#011a55b7-ea33-4ab3-84a3-1d9e686f5fd7-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 13 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="71786e30-d57c-4b46-beff-e70b8afd20a0">A.W. Tozer: „Gott liebt keine Kompromisse“, Hänssler-Verlag, ohne Jahresangabe, S. 63 <a href="#71786e30-d57c-4b46-beff-e70b8afd20a0-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 14 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="c8aa2297-f770-4f58-83e7-30d7e5172e5d">Es gibt im deutschsprachigen Raum eine ganze Reihe Kirchen, die nach ähnlichen Konzepten arbeiten wie die ICF-Bewegung. Ich nenne einige Beispiele: Kirche im Pott – Gelsenkirchen, Hillsong Germany – Düsseldorf, München, Konstanz (Teil der Hillsong Church, Australien), Elim Kirche – Hamburg (BFP), Gospel Forum – Stuttgart (charismatisch, große Eventkirche), C3 Church – Berlin, Leipzig, Köln (C3 Movement, Australien), Jesus Gemeinde – Dresden (BFP, stark missionarisch), Mosaik Church – Frankfurt (modern, interkulturell) etc. Wir beschränken uns hier in unserer Darstellung auf die ICF-Kirchen. <a href="#c8aa2297-f770-4f58-83e7-30d7e5172e5d-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 15 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="cc9e4907-2488-4cba-a08e-2734a46742e2">Der sympathische Leo Bigger ist ein begeisterter Zungenredner. Er erzählt in seinem Buch „Geist Gottes“ (Fontis Verlag), wie er diese vermeintliche Geistesgabe empfing (S. 96) und entfaltet dann auf den folgenden Seiten eine in meinen Augen völlig falsche Lehre über das Zungenreden. U.a. behauptet er, die 3.000 Juden, die sich an jenem ersten Pfingsttag bekehrten, seien durch die Gabe des Zungengebets zur Umkehr gebracht worden (S. 99). In Wirklichkeit gebrauchte Gott die Predigt des Petrus von Kreuz und Auferstehung (Apg 2,36-38). <a href="#cc9e4907-2488-4cba-a08e-2734a46742e2-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 16 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="8f214bc2-e94c-4032-8151-1b9e89d962e0">Pritchard, Gregory: Willow Creek Seeker Services, Evaluating a New Way of Doing Church, Baker Books, Grand Rapids, MI 1996, S. 277 <a href="#8f214bc2-e94c-4032-8151-1b9e89d962e0-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 17 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li></ol><p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://kfg.org/2025/wie-cool-darf-kirche-sein/">Wie cool darf Kirche sein?</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://kfg.org">KfG  -`✞´-  Konferenz für Gemeindegründung</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wachstum nach Grundsätzen</title>
		<link>https://kfg.org/2025/wachstum-nach-grundsaetzen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Fred Colvin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Sep 2025 22:44:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theologie]]></category>
		<category><![CDATA[Biblische Lehre / Theologie]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeinde-Gründung, -Bau und -Wachstum]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kfg.org/?p=18447</guid>

					<description><![CDATA[<p>Wie können Gemeinden gesund wachsen? „Wachstum auf Kosten von Grundsätzen“ ist genauso unbiblisch wie „Treue ohne Frucht“. Der Autor zeigt eine bewährte und schriftgemäße Alterantive.</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://kfg.org/2025/wachstum-nach-grundsaetzen/">Wachstum nach Grundsätzen</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://kfg.org">KfG  -`✞´-  Konferenz für Gemeindegründung</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Die Gemeindewachstumsbewegung ist „eine anregende, jedoch umstrittene Entwicklung in den heutigen Gemeinden.“<sup data-fn="8d70c5d4-91d7-41eb-89c4-21cb4250afd2" class="fn"><a href="#8d70c5d4-91d7-41eb-89c4-21cb4250afd2" id="8d70c5d4-91d7-41eb-89c4-21cb4250afd2-link">1</a></sup> So heißt es in einem zitierten Bericht von C. Peter Wagner, einem ihrer führenden Sprecher.<sup data-fn="2023f1e0-e016-498b-868e-aea85d9a8066" class="fn"><a href="#2023f1e0-e016-498b-868e-aea85d9a8066" id="2023f1e0-e016-498b-868e-aea85d9a8066-link">2</a></sup> Diese Bewegung dringt in erschreckender Weise in die Versammlungen von Christen vor, die von ihrer Tradition her bekannt dafür sind, dass sie ihren Schwerpunkt auf neutestamentliche Grundsätze legen. Getreu seinem Ruf hat sich dieser neue Einfluss sowohl als anregend als auch als umstritten erwiesen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wir brauchen Anregung</h2>



<p>Das Wachstum und die Multiplikation von Gemeinden ist biblisch (Apg 9,31; 16,5; 1Kor 3,6; Eph 4,11-16). Wachstum ist auch unserem HERRN äußerst wichtig. Wenn unsere Kinder aufhören würden zu wachsen, wären wir verzweifelt. Uns könnte nichts außer der genauen Erklärung der Wachstumshindernisse und eine angemessene und effektive Behandlung der Krankheit beruhigen. Als das Volk des HERRN sollten wir Sein Interesse an der Ausbreitung des Wortes und am Wachstum der Gemeinden teilen.</p>



<p>Wir brauchen Anregung. Streitereien brauchen wir nicht. Streitfragen sind aber aufgekommen. Einige Fürsprecher des Gemeindewachstums scheinen das Festhalten an neutestamentlichen Grundsätzen der Gemeinde (manchmal als „Merkmale der Versammlungen“ oder „Tradition der Brüdergemeinden“ bezeichnet) mit Wachstumshindernissen gleichzusetzen. Sie schlagen Veränderungen vor, die uns nicht gerade wenig Anlass zur Besorgnis geben. Denn wir haben uns verpflichtet, uns gemäß der Schlichtheit des Neuen Testaments zu versammeln.</p>



<p>Der Autor dieses Artikels verließ als Erwachsener eine Denomination, weil er Überzeugungen über neutestamentliche Grundsätze von Versammlungen angenommen hatte. Gemeindegründung ist heute mein täglich’ Brot. Das Anliegen des Gemeindewachstums auf der einen Seite und die Verpflichtung gegenüber den Grundsätzen der Versammlung haben mich dazu gezwungen, über diese Dinge gründlich nachzudenken. Ich wurde oft daran erinnert, dass mich meine Eltern vor Menschen ohne Prinzipien gewarnt hatten. Sie warnten vor Menschen, deren Handeln nicht durch die Verpflichtung Prinzipien gegenüber bestimmt wird, sondern durch den Zweck, den sie durch ihr Handeln erreichen wollen. Dieser Zweck rechtfertige und heilige die Mittel. Zugegeben, Gemeindewachstum ist ein hoher biblischer Anspruch. Aber es ist nicht das einzige Prinzip, das wir beachten müssen. Wir sind dem vollen Ratschluss Gottes gegenüber verpflichtet. Wenn eine Strategie für Gemeindewachstum andere biblische Prinzipien beeinträchtigt, dann könnte man das Ergebnis „prinzipienloses Wachstum“ nennen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wachstum ist nicht gleich Wachstum</h2>



<p>Nicht jede Form des Wachstums ist gesund und wünschenswert. Es ist eine Tatsache, dass unkontrolliertes Wachstum in einem menschlichen Körper tödlich sein kann. Wachstum von Krebszellen könnte man „Wachstum um des Wachstums willen auf Kosten des Prinzips der Gesundheit“ nennen. Fettsucht ist auch eine Art von Wachstum, aber die kann schwerlich als wünschenswert bezeichnet werden. Gesundes Wachstum, sei es in einem physischen oder geistlichen Leib, wird nicht nur ein quantitatives, sondern auch ein qualitatives sein.</p>



<p>Das Aufkommen der Gemeindewachstumsbewegung polarisiert uns und treibt uns zu einer von zwei unbefriedigenden Möglichkeiten. Einige werden mit fliegenden Fahnen zu dieser Bewegung überwechseln. Andere werden sich sogar gegen gesunde Veränderungen stellen, indem sie sich auf die Prinzipien einer immer kleiner werdenden Anzahl von Gemeinden zurückbesinnen. Die erste Möglichkeit nennen wir „Wachstum auf Kosten von Grundsätzen“. Die andere wurde spöttisch als „Treue, die keine Früchte bringt“ bezeichnet. Keiner dieser Ansätze hält einer Prüfung durch die Schrift stand.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ansatz 1: Wachstum auf Kosten von Grundsätzen</h2>



<p>Ich rede töricht:</p>



<p><em>Wir werden damit beginnen, unsere „Marketingstrategie“ zu planen. Dr. Wagner nennt das „Philosophie des Dienstes“. Fallstudien an erfolgreichen Großgemeinden werden eine Schlüsselrolle bei unseren strategischen Planungssitzungen spielen. Wenn es schließlich in Willow Creek (Chicago) und in Saddleback (Los Angeles) funktionierte, dann wird es auch für uns gut sein. Demographische Erhebungen werden uns zeigen, wer die möglichen „Kunden“ in unserem Zielgebiet sind und was ihre Bedürfnisse und „Vorlieben und Abneigungen“ sind. Diese Daten werden sich als von unschätzbarem Wert herausstellen, wenn wir unser Marketingprogramm zuschneiden, das die Bedürfnisse und Wünsche der „Kunden“ befriedigen soll. Studien zeigen, dass viele gern am Sonntag zu Gemeindeveranstaltungen gehen. Weiterhin wird ein bestimmter Prozentsatz wiederkommen, wenn wir einen guten Ersteindruck auf sie machen. Besucherorientiertes Handeln ist eine bewährte Methode des Gemeindewachstums. Wenn die Leute glücklich sind und weiterhin kommen, sind die Prozentsätze auf unserer Seite. Und heute – in den Tagen der abnehmenden Loyalität gegenüber Grundsätzen – springen Christen sowieso hin und her. Wenn sie unsere Programme mögen, dann können wir ihnen vielleicht ein neues gemeindliches „Zuhause“ bieten. Der Kunde ist König. Der Tag des HERRN kann zum Tag der Menschen werden. Wir haben vielleicht unwissentlich das Motto „vox populi“ (das Gesetz der Volksstimme) angenommen. Ein Beispiel: Studien zeigen, dass in diesem Jahr mehr Frauen mit Universitätsabschluß als Männer in die Arbeitswelt eintreten. Da draußen sind eine Menge Feministinnen, die auch Christus brauchen. Wir wollen sie doch nicht vergraulen! Es ist höchste Zeit, die Rolle der Frau in den Versammlungen zu überdenken, oder? Studien zeigen, dass 56% der erwachsenen Amerikaner Rockmusik mögen. Geben wir ihnen also Musik mit „Beat“. Anspiele sind „in“ – räumen wir ihnen Zeit ein. Zur Übereinstimmung mit den Aufmerksamkeitsspannen sollten wir noch die Predigt kürzen. Studien zeigen, dass die Leute nicht wiederkommen, wenn der Prediger ein Langweiler ist. Also laufen wir zur Höchstform auf. Wir haben beschlossen, es nicht „Ein-Mann-Dienst“ zu nennen. Unser Mann sollte unbedingt über relevante Themen sprechen. Also finden wir heraus, was die Leute hören wollen. Das predigen wir. Das ist relevant. Die Konkurrenz ist groß. Die Messlatte liegt hoch. Wir proben das Ganze besser noch mal. Alles noch mal von Anfang an! Was aber, wenn die Leute in der Gemeinde diese ganzen Neuerungen nicht mögen? Dann sollten sie besser 1. Korinther 9 lesen. Wir sind „allen alles geworden, damit wir auf alle Weise einige erretten.“ Nennen Sie es Kontextualisierung. Nennen Sie es Marketing. Nennen Sie es, wie Sie wollen. Wir sind dabei zu wachsen. Wenn wir keine Zustimmung zu unserer „Philosophie des Dienstes“ bekommen, dann können wir ja ein Gemeindegründungsteam bilden und woanders hin gehen.</em></p>



<p>Wollen wir uns etwas Zeit nehmen, um einige kritische Fragen zu stellen, bevor wir uns anderen unbefriedigenden Lösung zuwenden. Zuerst einmal: Ist das Konzept des besucherorientierten Handelns biblisch belegbar? Der Herr Jesus scheint es ganz offensichtlich ignoriert zu haben. Er vermied grundsätzlich Publicity und die umschwärmten Leute. Er lockte nicht mit „relevanten“ Predigtthemen, sondern mit einem Dienst der Liebe und mit dem Evangelium der Gnade. Gleichzeitig reduzierte Er die Menge durch Seine harten Bedingungen der Jüngerschaft. Der HERR war nicht beunruhigt, wenn die Leute wegen Seiner „harten Rede“ nicht mehr wiederkamen (Joh 6,60f; Lk 16,16-23). Hingabe an die Wahrheit hielt Leute wie Petrus bei der Stange (Joh 6,66-69). In seinen Anweisungen an den jungen Hirten Timotheus stellte Paulus sogar die Praxis zu predigen, was den Leuten angenehm ist, als einen Widerspruch zu dem treuen Dienst am Wort dar (2Tim 4,1-4). Die Predigten von Petrus, Stephanus und Paulus offenbarten ein großes Verständnis für ihre Zuhörer. Aber das apostolische Predigen verbunden mit den heiligen Maßstäben der ersten Gemeinde schreckten eher ab, als dass sie diejenigen, welche sich nicht festgelegt hatten, anzogen. Während einer Zeit beispiellosen Gemeindewachstums wagten die Fernstehenden nicht, „sich der Gemeinde anzuschließen, doch das Volk rühmte sie“ (Apg 5,12-14). Es war möglich, dass Ungläubige Gottesdienstversammlungen der Gemeinde beiwohnten (1Kor 14,23-25). Aber man wird die Schrift vergebens nach einem Hinweis auf Zusammenkünfte der Gemeinde absuchen, die der Evangelisation dienten. Dazu gingen die Christen auseinander!</p>



<p>Die Bibel lässt keinen Zweifel daran, was das Ziel von Zusammenkünften der Gemeinde ist. Sie kamen zusammen zur Erbauung, um Gemeinschaft zu haben, zum Gedenken im Abendmahl und zum Gebet (Apg 2,42+20,7; 1Kor 11,17f+14,23-26). Die Schrift wendet sich also gegen besucherorientiertes Handeln.</p>



<p>Wachstum durch besucherorientiertes Handeln bringt auch Nachteile. Es ist nur allzu leicht für einen Nichtchristen, sich nach und nach der Gemeinschaft innerhalb der Gemeinde anzugleichen, wenn seine Begegnung mit der Gemeinde darauf ausgelegt ist, ihm das Gefühl der Zugehörigkeit zu geben. Die „Demarkationslinie“ verwischt, wenn „zur Gemeinde gehen“ vor der Bekehrung kommt. „Nicht richtig bekehrte“ Gemeindemitglieder sind selbst in großer Gefahr und könnten auch der Gemeinschaft der Gemeinde zu späterem Zeitpunkt Schaden zufügen.</p>



<p>Ein weiterer Nachteil des besucherorientierten Handelns ist die illusorische Natur des daraus resultierenden Wachstums. Das Bedienen der religiösen Kundschaft wird nicht nur die Gemeindefernen anziehen, sondern auch unzufriedene Christen und Mitglieder anderer lokaler Gemeinden. Ich war erfreut, als ich von einer nordamerikanischen Gemeinde las, die in nur zwei Jahren von Fünfzig auf Vierhundert angewachsen war. Doch ein Gemeindeältester erzählte mir später, dass sie in jener Zeit (nur) zwanzig Bekehrungen gesehen hätten. Durch einfaches Kopfrechnen kommt man auf 330 Abwanderer. Wirkliches Gemeindewachstum bedeutet jedoch das Hinzufügen durch echte Bekehrungen (Apg 2,47+4,14) – nicht Wachstum durch Abwandern auf Kosten anderer Gemeinschaften.</p>



<p>Wachstum durch Abwanderer bringt auch oft Pluralismus hervor, was in Folge dessen die Hingabe einer Gemeinde an neutestamentliche Versammlungsprinzipien abschwächt. An der Schrift ausgerichtete Versammlungen passen nicht gut mit den aktuellen „Dienstphilosophien“ zusammen. Diejenigen, deren Prinzipientreue nur ein Lippenbekenntnis ist, neigen dazu, alles zu vereinfachen, indem sie unsere Prinzipien entweder ausweiten oder neu definieren bis sie irgendwann bei Prinzipienlosigkeit ankommen.</p>



<p>Der große tschechische Staatsmann Thomas Masaryk lehrte: „Nationen leben von den Prinzipien, die bei ihrer Gründung Pate standen.“ Pflichtschuldige Hingabe an die „Wurzeln der Brüdergemeinden“ sind auch nicht die Lösung. Neutestamentliche Gemeindegrundsätze sollten unsere „Philosophie des Dienstes“ bestimmen und nicht umgekehrt.</p>



<p>Ist der „Ein-Mann-Dienst“ einfach nur eine Frage der Rückbesinnung? Ist die Ordnung des Gottesdienstes strenggenommen eine Frage der Dienstphilosophie? Hat die Bibel darüber gar nichts zu sagen? Paulus schreibt doch vom geordneten Dienst am Wort durch die vielfältige Beteiligung ganz unterschiedlich begabter Brüder unter der Leitung des Heiligen Geistes (1Kor 14,26-34; Eph 5,18-21).</p>



<h2 class="wp-block-heading">Und die Studien?</h2>



<p>Studien zeigen uns sehr viele Dinge. Sie können sehr nützlich sein, wenn wir effektivere Arten und Methoden suchen, um die unterschiedlichsten Bevölkerungsschichten zu erreichen. Gemeindegründung auf dem sandigen Untergrund von Konventionen ist jedoch ein riskantes Geschäft. Wenn die Studien unsere Praxis von neutestamentlichen Prinzipien revidieren wollen, führen sie uns in die Irre. Heute fehlt mir oft der lautstarke Ausruf „Das Wort Gottes sagt &#8230;“</p>



<p>Ist es biblisch, sich auf 1. Korinther 9,19 als Autorität zu berufen, um die Ordnung und Funktion von Gemeindegottesdiensten zu verändern? Ist es fair diese Verse zu zitieren, wenn wir darüber reden, wie „sich die Gemeinde versammelte“? Haben wir vergessen, dass Paulus hier die Grenzen der notwendigen geistlichen Freiheit und kulturellen Flexibilität aufzeigt, bezogen auf die Evangelisation von Einzelnen aus unterschiedlichen ethnischen Gruppen in der Welt? Der Apostel spricht hier auf keinen Fall darüber, Elemente, die in der heidnischen oder jüdischen Welt bekannt waren, in die gottesdienstlichen Versammlungen zu integrieren. Nichtchristen dürfen es sich in der Gemeinde einfach nicht gemütlich machen!</p>



<p>Die Griechen waren weltweit die Experten in Sachen Theaterstücke. So weltlich die Korinther auch waren, sie führten doch keine Dramen in die Versammlungen ein (1Kor 14). Paulus schreibt darüber, was man sich nach einer hitzigen Diskussion in der Synagoge zum Essen bestellen kann, oder wie man sich an einem heidnischen Esstisch verhält. Innere Beherrschung durch das „Gesetz Christi“ (die Herrschaft des Herrn Jesus Christus) bestimmen unser Leben und unser kulturell feinfühliges Zeugnis in der Welt. Andere Prinzipien, die auch in diesem Korintherbrief verkündet sind, bestimmen unser Verhalten in den gottesdienstlichen Versammlungen.</p>



<p>Wenig wird über wirkliche Buße, echten Zerbruch, über das „gekreuzigte Ich“, das Tun der ersten Werke oder das Harren auf Gott bezüglich Erweckung in Gemeindewachstumskreisen gesagt. Es scheint, dass</p>



<p>Marketingstrategien das zeiterprobte Konzept des göttlichen Segens zu ersetzen drohen. Ein führender Experte erzählte seiner Seminargruppe, dass die Prinzipien und Methoden, die er in seinem Gemeindewachstums-Seminar unterrichtet, gleichermaßen in verschiedenen Organisationen anwendbar seien. Er sagte weiter, dass sie bei den Mormonen und im „Kawanis Club“ funktionierten, und sie würden auch in der Gemeinde funktionieren. Aber unsere echten Probleme sind geistlicher Natur. Und echte Erneuerung unserer Versammlungen ist durch unsere geistliche Verfassung bestimmt, nicht durch das Annehmen verschiedener Werkzeuge, Methoden und Reklametricks. Selbst wertvolle Methodik und Einsichten werden zu einem Arsenal von fleischlichen Waffen, wenn sie überbetont werden oder man sich allein darauf verlässt.</p>



<p>Juan Carlos Ortiz berichtet von einer Lektion, die er vom HERRN nach zwei Jahren der Organisation und Evangelisation lernte:</p>



<p>Das Erste, was er sagte, war: „Du verbreitest das Evangelium so, wie Coca-Cola Coke verkauft und wie Reader’s Digest Bücher und Zeitschriften verkauft. Du benutzt alle menschlichen Tricks, die du in der Schule gelernt hast. Aber wo ist meine Hand in all diesem?“ Ich wusste nicht, was ich sagen sollte.</p>



<p>Dann sagte mir der HERR eine zweite Sache: „Ihr wachst nicht“ sagte er. „Ihr denkt nur, ihr wachst, weil ihr euch von 200 auf 600 vermehrt habt. Aber ihr wachst nicht – ihr werdet bloß fett.“</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ansatz 2: „Treue ohne Frucht“</h2>



<p>Dieses Missverhältnis dieser Sorte von „Treue“ erschütterte mich während einer frühen Begegnung mit Christen, die sich „Versammlungsprinzipien“ verschrieben hatten. Ein wohlmeinender Bruder pries eine Versammlung, die so weit zusammengeschrumpft war, dass sie auf ein Sofa passte. Anscheinend saß auf diesem Sofa kein Pastor. Die Gruppe kam wöchentlich zusammen, um das Brot auf eine Weise zu brechen, die viele von uns noch schätzen. Unser Bruder</p>



<p>sagte: „Sie sind einfach treu.“ Ich erinnere mich, mir in Gedanken eine Notiz gemacht zu haben, um darüber nachzudenken. Treue und Unfruchtbarkeit? Was für ein seltsames Paar! Während man über unterschiedliche Dinge unterschiedlicher Meinung sein kann, ist man mehr oder weniger dazu gezwungen, die Verbindung von Treue und Unfruchtbarkeit auf anderen Gebieten zu sehen. Ganz sicher verbindet die Bibel diese beiden. Menschenfischer zu werden ist eine Funktion der Nachfolge Christi (Mk 1, 17). Frucht zu bringen ist das Zeichen wahrer Jüngerschaft (Joh 15, 8). Das Einbringen von Ernte ist die Verheißung an diejenigen, die nicht müde werden, Gutes zu tun (Gal 6, 9).</p>



<p>Ein Auszug aus einem Brief eines leitenden Bruders in Nordamerika fasst diese moderne Anomalie sehr schön zusammen: „Wir hören viele sagen, dass ‘Gemeinden sterben’, oder ‘ohne Veränderungen sind wir passé’. Aber die Tatsache ist, dass sterbende Gemeinden die „obersten Grundsätze“ verlassen haben. Sie haben die Evangelisation vergessen und betrauern den Mangel an Wachstum.“</p>



<p>Was ist dann das Problem? Mangelnde Treue! Wie kann das Vernachlässigen der „obersten Grundsätze“ der Evangelisation, sowohl persönlich als auch als Gemeinde, des effektiven Hirtendienstes und der Ausbildung von Leitern als „Treue“ bezeichnet werden? Unser echtes Problem ist nicht so sehr unsere Unfruchtbarkeit als vielmehr unsere Untreue gegenüber den „obersten Grundsätzen“. Die vorherrschende Einstellung mag präziser als selektive Treue bezeichnet werden. Wir sind den wichtigen biblischen Grundsätzen treu geblieben, die von anderen Seiten vernachlässigt worden sind und welche zu unserem schmerzlichen Bedauern gegenwärtig von manchen Gemeinden verworfen werden. Als Ergebnis verdoppeln wir unsere Anstrengungen, unsere besondere Art von Treue zu erhalten. Aber die Aufmerksamkeit dafür und die Pflege dieser Besonderheit entbindet uns nicht von der Treue auf anderen wichtigen Gebieten. „Treue ohne Frucht“ bedeutet, über unsere eigenen Grundsätze zu stolpern.</p>



<p>Der Ausdruck „Wahrheit ohne Wachstum“ ist eine andere Variation desselben Themas. Wenn Treue und Fruchtlosigkeit schon seltsame Gefährten sind, dann ist Wahrheit ohne Wachstum eine traurige, unnötige Scheidung, eine Scheidung, die durch einen Mangel an Liebe verursacht wurde. Paulus verband Wahrheit mit Gemeindewachstum im Epheserbrief. Durch „das Bekennen der Wahrheit in Liebe“ wird das „Wachstum des Leibes der Gemeinde“ bewirkt (Eph 4,15-16). Wenn die Heiligkeit der ersten Gemeinde die Fernstehenden auf Abstand hielt, dann war es ihre Liebe und Einmütigkeit, die sie anzogen (Apg 4,32 – 5,14). Wenn uns Gemeindewachstums-Forscher sagen, dass Freundlichkeit und Wärme zu den wichtigsten Faktoren des Gemeindewachstums gehören, dann berichten sie nur das ohnehin Bekannte.</p>



<p>Überleben ohne Vision ist unmöglich. Menschen und Gemeinden kommen um vor Verlangen nach einer Vision (Spr 29,18). Ich fragte einmal den tonangebenden Ältesten einer schrumpfenden Gemeinde, was er bevorzugen würde: Wäre es ihm lieber, wenn ein paar neue Familien dazukämen, damit sie sich weiterhin versammeln könnten, oder dass die Reserven der Gemeinde mobilisiert würden, um die Verlorenen zu evangelisieren und eine ganz neue Generation von Leitern heranzubilden? Ich war erschrocken angesichts seiner Bevorzugung der ersten Möglichkeit. Ich bin nicht erschrocken darüber, dass ihr Gemeindehaus zum Verkauf steht. Gleichgültigkeit gegenüber Wachstum, geringe Erwartungen oder Unglaube und Zufriedenheit mit dem gegenwärtigen Status Quo sind der Todesstoß für viele Gemeinden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der bessere Weg: „Wachstum nach Grundsätzen“</h2>



<p>Man muss angesichts dieser Notlage nicht verzweifeln. Es gibt einen viel besseren Weg. Die neutestamentlichen Grundsätze funktionieren. Sie funktionieren in einer Anzahl beispielhafter Gemeinden in Nordamerika. Missionare und Einheimische auf verschiedenen Feldern beweisen, dass sie heute noch funktionieren. Wir haben zehn kurze Jahre lang in einer wohlhabenden westeuropäischen Stadt gearbeitet, die für ihren Widerstand dem Evangelium gegenüber bekannt ist. In Zusammenarbeit mit einem anderen Missionarsehepaar und</p>



<p>Österreichern haben wir Christen geschult. Wir waren Zeugen von Geburt und Wachstum von mehr als einem Dutzend Gemeinden in unserem Gebiet. Die Wachstumsrate dieser Arbeit in den vergangenen zwanzig Jahren hat uns in Erstaunen versetzt. Gott segnet! Mehr denn je sind wir von der Zeitlosigkeit der neutestamentlichen Grundsätze überzeugt und möchten kurz ein paar praktische Vorschläge weitergeben für diejenigen, die an „Wachstum nach Grundsätzen“ interessiert sind. Manche Vorschläge werden sich mit dem decken, was einige Gemeindewachstums-Experten an anregenden Vorschlägen anbieten.</p>



<p><strong><em>1. Ehrliche Einschätzung des geistlichen Zustandes der Gemeinde</em></strong></p>



<p>Die Leitung der Gemeinde könnte damit beginnen, eine Bestandsaufnahme ihres eigenen Lebens und Dienstes zu machen. Mangelt es uns als Gruppe an einer Vision? Sind wir zu beschäftigt mit weltlichen Dingen? Hängen wir mit ganzer Hingabe am HERRN und haben uns dem Bau Seiner Gemeinde verpflichtet? Widerstehen wir Veränderungen? Sind wir aktiv damit beschäftigt, die Herde zu weiden? Neutestamentliche Gemeinden bestehen aus neutestamentlichen Christen. Wie würden wir den geistlichen Zustand der Herde beschreiben? Was sind die größten Schwierigkeiten, denen wir uns als Gemeinde gegenüber sehen? Welche größeren Wachstumshindernisse können wir herausfinden? Hat unsere Gemeinde klar umrissene Ziele, die den meisten der Mitglieder bekannt sind und von ihnen geteilt werden? Praktizieren wir wirklich die „obersten Grundsätze“? Wird unsere Versammlung von Liebe bestimmt? Oder von Kritik? Werden wir regelmäßig Zeugen davon, dass sich Erwachsene bekehren? Werden sie in die Gemeinde integriert? Wie viele waren es in den vergangenen zwei Jahren? Wie viele Arten von Evangelisation haben wir ausprobiert? Welche hat sich als effektiv herausgestellt?</p>



<p>Eine liebevolle, realistische Selbsteinschätzung kann Vernachlässigung und Unterlassungssünden enthüllen und Gelegenheit zur Buße und Sündenbekenntnis geben. Erkannte Schwächen sollten auf klar umrissene Entscheidungen und Pläne zur Veränderung zielen.</p>



<p><strong><em>2. Verpflichtung zu geistlicher Erneuerung</em></strong></p>



<p>Die Gemeinde ist ein geistlicher Organismus und die Mehrheit der Wachstumshindernisse sind geistlicher Natur. Die mächtige Waffe des Gebetes wird nur allzu oft von denen vernachlässigt, die es besser wissen sollten. Bereits existierenden Gebetsversammlungen mangelt es oft an Lebendigkeit. Jemand beschrieb eine typische Gebetsversammlung einmal als einen Ort, wo man hingeht, um zu hören, wer krank oder arbeitslos ist. Die Ziele unserer Versammlung und speziell das Ziel der Evangelisation sollten hier eine zentrale Rolle spielen. Wir Leiter treffen uns dienstags um 6.00 Uhr morgens zum Gebet. Wir geben einander Rechenschaft. Das hält uns geistlich in Form.</p>



<p><strong><em>3. Besuche und Hirtendienst</em></strong></p>



<p>Viele Älteste handeln in erster Linie als Manager und „Entscheidungsfäller“ anstatt Hirten zu sein. In manchen Gemeinden gibt es keinen Besuchsdienst. Wenn es so ist, dann sollten wir etwas unternehmen.</p>



<p><strong><em>4. Training zur Ausrüstung von Mitarbeitern</em></strong></p>



<p>Evangelisten, Hirten und Lehrer sind der Gemeinde nicht nur gegeben, um ihren Bedürfnissen abzuhelfen, sondern auch als Zurüster und Ausbilder der Heiligen zum Dienst. Gottes Plan für das Wachstum nach Grundsätzen ist eine stetig wachsende Anzahl von Arbeitern, die ihre Aufgabe im „Leib“ gefunden haben und zugerüstet sind, um dort zu dienen (Eph 4,11-16). Neutestamentliche Versammlungen sind hierfür strukturiert, aber bedauerlicherweise fehlt in diesem Zusammenhang oft Training und Ermutigung.</p>



<p>Unser Training beinhaltet persönliche Gespräche mit einigen wenigen und Gruppentraining im größeren Kreis. Persönliche Evangelisation, Ausbildung für den Besuchsdienst, Jüngerschaftskurse, Ausbildung von Lehrern, Methoden des Bibelstudiums, Hirtendienst, das Studium des Neuen Testamentes, Predigen, das Leben eines Leiters sind größere Themen, die wir in Österreich während der letzten Jahre in Angriff genommen haben. Unsere Langzeitinvestition zahlt sich aus. Wir besetzen unseren Mitarbeiterstab mit selbst ausgebildeten Männern und Frauen.</p>



<p>Bei Nachforschungen innerhalb der Gemeinschaft der erwachsenen Gläubigen in der Salzburger Gemeinde stellten wir fest, dass eine bestimmte Anzahl begabter, sehr williger Gläubiger nicht aktiv im Dienst standen. Sie warteten, dass wir die Initiative ergreifen würden. In vielen Fällen haben wir das auch getan. Wir fragen uns nicht: „Wer ist der oder die Richtige für diese Aufgabe?“ Wir fragen stattdessen: „Was ist die richtige Aufgabe für diesen Christen?“ Idealerweise sollten wir eine Atmosphäre schaffen, in der sich die Heiligen frei fühlen, selbst die Initiative im Werk des HERRN zu ergreifen.</p>



<p><strong><em>5. Training zum Evangelisieren für alle</em></strong></p>



<p>Alle Christen sollten in den Grundlagen des Evangeliums unterrichtet sein; sie sollten wissen, wie man Beziehungen zu seiner Umgebung aufbaut und wenigstens in einigen Möglichkeiten, das Evangelium weiterzugeben. Zu diesem Thema sind viele gute Bücher erhältlich. Jeder Gläubige hat Beziehungen innerhalb eines großen Netzwerks von Ungläubigen. Wir müssen den Heiligen helfen, diese Netzwerke zu erkennen und diese natürlichen Gelegenheiten zum Evangelisieren zu nutzen. Wir sollten denjenigen, die mit unseren Gläubigen in Kontakt sind, „Erntewagen“ zur Verfügung stellen. Jeder neugeborene Christ kann sagen „Komm und sieh!“ Evangelistische Bibelstunden, Glaubensgrundkurse und speziell geplante evangelistische Treffen mit besonderen Rednern sind nur ein paar der vielen Möglichkeiten, die man hat. Ein großer Prozentsatz der Gläubigen im Land Salzburg sind durch eine Kombination von persönlichem Zeugnis, evangelistischen Treffen in Wohnzimmern oder in einem örtlichen Hotel und evangelistischen Besuchen durch den Gläubigen und den Sprecher der Evangelisation zum Glauben gekommen.</p>



<p><strong><em>6. Wärme in den Versammlungen und Gastfreundschaft in den Häusern</em></strong></p>



<p>Viele von uns sind anfangs nicht durch Redekunst oder Predigten von der Relevanz des Evangeliums überzeugt worden, sondern durch die sichtbare Liebe und Einheit unter den Heiligen. Dies ist ein vielfach vernachlässigtes neutestamentliches Prinzip.</p>



<p><strong><em>7. Unterweisung in neutestamentlichen Versammlungsgrundsätzen</em></strong></p>



<p>Mir wurde in Nordamerika viel Dankbarkeit entgegengebracht für Vorträge, die ich hielt, und für private Diskussionen über neutestamentliche Versammlungsgrundsätze. Wir setzen zu viel als selbstverständlich voraus. Nicht wenige, die in Gemeinden aufwachsen, sind anscheinend schlecht unterrichtet, was unsere Grundsätze betrifft. Wir sollten also die Betonung auf die Inhalte und deren Bedeutung legen. Wenn wir mit Gläubigen über die Aufnahme in die Gemeinde reden, dann geben wir ihnen einen Artikel über die Überzeugungen unserer Gemeinschaft. Wir erklären auch die verschiedenen Ziele. Das war noch nie schwierig mit jemandem, der sich „aus der Welt“ bekehrt hatte – nur mit denen, welche die Gemeinde wechseln wollten. Eine frisch bekehrte Frau flüsterte: „Warum tragen die Frauen Kopftuch?“ Ihre Nachbarin flüsterte: „Es steht in 1Korinther 11.“ &#8211; „Oh, danke schön, ich bin erst bei Lukas!“</p>



<p>Neutestamentliche Gemeindeprinzipien verhinderten im ersten Jahrhundert das Gemeindewachstum nicht. Sie verhinderten es mit Sicherheit auch im letzten Jahrhundert nicht. Wenn sie vernünftig angewendet werden, werden sie auch heute kein gesundes Gemeindewachstum verhindern. Es ist höchste Zeit, dass wir unsere gegenwärtige Dienstauffassung im Licht des Neuen Testamentes überprüfen. Wir profitieren am besten von den Vorschlägen und Beispielen unserer offensichtlich erfolgreichen Geschwister, indem wir alles prüfen, was wir hören und lesen und nur das festhalten, was dem Test durch die Schrift standhält. Wir müssen uns nicht für das Festhalten an neutestamentlichen Prinzipien entschuldigen. Es ist eine Tatsache, dass wir zu den „obersten Grundsätzen“ zurückkehren müssen, wenn wir „Wachstum nach Grundsätzen“ erleben wollen.</p>



<p></p>



<p><strong>Fußnoten</strong></p>


<ol class="wp-block-footnotes"><li id="8d70c5d4-91d7-41eb-89c4-21cb4250afd2">C. Peter Wagner, Your Church Can Grow, Ventura, CA: Regal Books <a href="#8d70c5d4-91d7-41eb-89c4-21cb4250afd2-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 1 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="2023f1e0-e016-498b-868e-aea85d9a8066">Charles Peter Wagner (1930 – 2016) war ein US-amerikanischer evangelikaler Theologe, Missionswissenschaftler, Referent, Autor und Experte zu Gemeindeaufbau, Gemeindewachstum und der neuen apostolischen Bewegung. Wagner gilt als Mitbegründer des umstrittenen Konzeptes der geistlichen Kampfführung. Quelle: Wikipedia vom 20.05.2025 <a href="#2023f1e0-e016-498b-868e-aea85d9a8066-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 2 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li></ol><p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://kfg.org/2025/wachstum-nach-grundsaetzen/">Wachstum nach Grundsätzen</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://kfg.org">KfG  -`✞´-  Konferenz für Gemeindegründung</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Seelsorge an Kranken – eine Aufgabe der Gemeinde</title>
		<link>https://kfg.org/2025/seelsorge-an-kranken-eine-aufgabe-der-gemeinde/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. Armin Mauerhofer]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 04 Jan 2025 12:36:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theologie]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeinde-Gründung, -Bau und -Wachstum]]></category>
		<category><![CDATA[Seelsorge]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kfg.org/?p=18298</guid>

					<description><![CDATA[<p>Seit dem Sündenfall muss der Mensch mit körperlicher Schwachheit, verschiedenen Krankheiten, einschneidenden Behinderungen, Schmerzen und schließlich mit dem Tod fertig werden, weil er sich von Gott abgewandt hat. Gott ist es, der die Krankheiten im Leben der Menschen zulässt oder sogar selbst verursacht. Er ist es auch, der uns nur ein begrenztes Leben gewährt.</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://kfg.org/2025/seelsorge-an-kranken-eine-aufgabe-der-gemeinde/">Seelsorge an Kranken – eine Aufgabe der Gemeinde</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://kfg.org">KfG  -`✞´-  Konferenz für Gemeindegründung</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>Diesen Artikel haben wir mit freundlicher Erlaubnis des VTR-Verlages aus dem Buch „Seelsorge auf biblischer Grundlage“ von Armin Mauerhofer entnommen. Wir drucken S. 87-101 ab. Die Redaktion</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Das Wesen der Krankheit</h2>



<p>Seit dem Sündenfall muss der Mensch mit körperlicher Schwachheit, verschiedenen Krankheiten, einschneidenden Behinderungen, Schmerzen und schließlich mit dem Tod fertig werden (1Mo 2,17; 3,19; Röm 5,12), weil er sich von Gott abgewandt hat. Gott ist es, der die Krankheiten im Leben der Menschen zulässt (Hiob 2,5-7) oder sogar selbst verursacht (4Mo 12,10). Er ist es auch, der uns nur ein begrenztes Leben gewährt (Ps 90,10).</p>



<p>Selbst die Menschen, die Jesus als persönlichen Retter im Glauben angenommen haben, haben körperliche Schwachheiten (2Kor 12,9-10), Krankheiten (2Tim 4,20) und oft auch Behinderungen und Schmerzen zu ertragen. Auch sie müssen schließlich sterben (1Thes 4,13).</p>



<h2 class="wp-block-heading">Verschiedene Ursachen, die zu einer Erkrankung führen können</h2>



<p><em><strong>Erkrankungen, die durch ein ­sündiges Verhalten ausgelöst ­werden</strong></em></p>



<p>Es ist hier vor allem an Krankheiten zu denken, die die Folge eines Suchtverhaltens sind, sei es das Rauchen, der übermäßige Alkoholgenuss, der Drogenkonsum oder das hemmungslose Ausleben der Sexualität.<sup data-fn="32742906-0f34-48e2-a3a4-258868ed077d" class="fn"><a id="32742906-0f34-48e2-a3a4-258868ed077d-link" href="#32742906-0f34-48e2-a3a4-258868ed077d">1</a></sup></p>



<p>In diesem Zusammenhang möchte ich auf Psalm 107,17.18 hinweisen: <em>„Die Toren litten wegen ihres gottlosen Weges und wegen ihrer Sünden. Ihre Seele ekelte vor jeder Speise, sie rührten an die Pforten des Todes.“</em></p>



<p>Zudem kann es auch durch okkulte Sünden zu einer körperlichen Erkrankung kommen. Ich kann aber die Auffassung von Willem J. Ouweneel, dass viele Erkrankungen im Leben der Menschen, die an Christus glauben, dämonisch verursacht sind, nicht teilen.<sup data-fn="793363e0-2576-4920-a8cc-2b5765380e13" class="fn"><a id="793363e0-2576-4920-a8cc-2b5765380e13-link" href="#793363e0-2576-4920-a8cc-2b5765380e13">2</a></sup> Dazu fehlen die biblischen Belege.</p>



<p><strong><em>Das sündige Verhalten anderer verursacht die Krankheit</em></strong></p>



<p>Es kann sein, dass eine Frau an Aids erkrankt, weil ihr HIV-positiver Freund seine Krankheit verschwiegen hat. Ein Mann liegt wochenlang wegen eines Beckenbruchs im Krankenhaus, weil ihn ein Betrunkener mit seinem Auto auf dem Fußgängerstreifen angefahren hat.</p>



<p>Menschen müssen wegen des falschen, sündigen Verhaltens anderer leiden. Jesus weist im Gleichnis vom barmherzigen Samariter auf diese Möglichkeit hin (Lk 10,30).<sup data-fn="90752127-0025-4ede-b328-76c4115aba4c" class="fn"><a id="90752127-0025-4ede-b328-76c4115aba4c-link" href="#90752127-0025-4ede-b328-76c4115aba4c">3</a></sup></p>



<p><strong><em>Psychosomatische Erkrankungen</em></strong></p>



<p>Es handelt sich hier um körperliche Erkrankungen, die ihre Ursache überwiegend oder ganz im psychischen Bereich haben. Dazu gehören Migräne, nervöse Magenleiden, verschiedene Arten von Herzbeschwerden, Rückenschmerzen, krampfartige Darmerkrankungen, Reizblase, Bluthochdruck usw.<sup data-fn="0cfc615b-92a6-45e4-9d5a-f55ea3befb6d" class="fn"><a id="0cfc615b-92a6-45e4-9d5a-f55ea3befb6d-link" href="#0cfc615b-92a6-45e4-9d5a-f55ea3befb6d">4</a></sup></p>



<p>Oft sind es unverarbeitete Lebensprobleme wie z.B. eine Scheidung, die Abtreibung eines Kindes usw., die einen Menschen innerlich stark belasten und so zu einer psychosomatischen Erkrankung führen können (Ps 32,2-5).</p>



<p>Auch der Umstand, dass andere durch ihr Verhalten in schwerwiegender Weise an uns schuldig geworden sind, kann psychosomatische Auswirkungen haben, besonders dann, wenn wir diesen Menschen mit Hass, Groll und Bitterkeit begegnen.<sup data-fn="c3509a9e-18d1-4241-a063-70a810fa65d9" class="fn"><a id="c3509a9e-18d1-4241-a063-70a810fa65d9-link" href="#c3509a9e-18d1-4241-a063-70a810fa65d9">5</a></sup> Es ist hier u.a. an sexuellen Missbrauch, erlittene Gewalttätigkeiten, massiven Vertrauensmissbrauch und schwerste Demütigungen zu denken.</p>



<p>Außerdem können lang andauernder Stress bei Überforderung am Arbeitsplatz oder große Probleme und Schwierigkeiten in der Ehe psychosomatische Auswirkungen haben. Vor allem kommt es, wie Otto Benkert nachweist, zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen.<sup data-fn="cdf95c82-ac5e-416e-a0c0-72573de7644f" class="fn"><a id="cdf95c82-ac5e-416e-a0c0-72573de7644f-link" href="#cdf95c82-ac5e-416e-a0c0-72573de7644f">6</a></sup></p>



<p><strong><em>Erkrankung durch einen Unfall</em></strong></p>



<p>Unfälle irgendwelcher Art können zu Leiden, Schwächung der Gesundheit und Behinderungen führen. Bei einigen Menschen kann es zu einem chronischen Leiden oder sogar zu Invalidität kommen.</p>



<p><strong><em>Erkrankungen, deren Ursache wir nicht kennen</em></strong></p>



<p>Es gibt körperliche Erkrankungen, die Gott aus unerklärlichen Gründen im Leben der Menschen zulässt und deren Ursachen wir letztlich nicht erklären können.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Sinn von Leiden und Krankheit</h2>



<p><strong><em>a. Im Leben von Menschen, die nicht an Jesus glauben</em></strong></p>



<p>Krankheit kann nach biblischem Verständnis nie nur in einem innerweltlichen, kausal-mechanischen bzw. biologischen Zusammenhang eingeordnet werden.<sup data-fn="e65b5f2b-d608-40bb-815a-aa186e07b412" class="fn"><a id="e65b5f2b-d608-40bb-815a-aa186e07b412-link" href="#e65b5f2b-d608-40bb-815a-aa186e07b412">7</a></sup> Vielmehr braucht Gott die Krankheit bei einem Menschen, der noch nicht an Jesus glaubt, um ihn in seiner Selbstsicherheit, Arroganz, Oberflächlichkeit und Gleichgültigkeit aufzurütteln. Er wird mitten im Leben mit der Tatsache konfrontiert, dass er sterben könnte. Gott macht in seiner Liebe einen jeden Menschen auf die Tatsache seines Sterbens und auf ein Weiterleben nach dem Tod aufmerksam (Ps 90,12; Hebr 9,27).</p>



<p>Das Ziel der Krankheit im Leben eines nicht an Christus glaubenden Menschen besteht darin, dass er die Sünden in seinem Leben einsieht, bereut und sie in Reue Jesus bekennt und dankend die von ihm angebotene Vergebung im Glauben annimmt (1Joh 1,9). Damit er seine Schuldhaftigkeit vor Gott erkennen kann, hat Gott den Menschen sein Wort, die Bibel, gegeben (Ps 107,20). Deshalb sollten wir als Seelsorger die noch nicht an Jesus glaubenden kranken Menschen mit der Heilsbotschaft der Bibel konfrontieren und sie auffordern, diese im Glauben anzunehmen. Die gläubige Annahme der Vergebung der Sünden und die Aufnahme von Jesus führen zu einem inneren Heilwerden, das auch in positiver Weise den Leib beeinflussen kann (Ps 32,1.2; Spr 3,7.8). Wenn ein Mensch Jesus im Glauben als persönlichen Retter angenommen hat, weiß er, dass wenn er jetzt sterben würde, er zu Jesus in den Himmel käme (Joh 17,24; Phil 3,20). Dies bewirkt in seinem Leben eine tiefe Geborgenheit, die sich heilend auf seinen Körper auswirken kann.<sup data-fn="c4d74a1f-26bc-49ff-a574-197a4fefddc5" class="fn"><a id="c4d74a1f-26bc-49ff-a574-197a4fefddc5-link" href="#c4d74a1f-26bc-49ff-a574-197a4fefddc5">8</a></sup></p>



<p><strong><em>b. Im Leben der an Christus ­glaubenden Menschen</em></strong></p>



<p>Es gibt auch im Leben der Menschen, die an Jesus glauben, Krankheiten, die Folge eines sündigen Verhaltens sein können (Joh 5,14). Jesus führt sie in Krankheitsnöte, damit sie Zeit haben, bestimmte Sünden, die sie in ihrem Alltag immer wieder zur Seite geschoben haben, einzusehen. Er sucht sie dann dazu zu bewegen, diese erkannten Sünden in Reue vor ihm zu bekennen, damit er sie wieder mit seinem Blut reinwaschen kann (1Joh 1,7). Vielleicht will Jesus ihnen mit Hilfe der Krankheit aufzeigen, dass sie bestimmten Menschen, die durch ihr Verhalten oder durch Worte an ihnen schuldig geworden sind und die sie deshalb bis jetzt innerlich abgelehnt haben, vergeben sollten. Die Bibel lehrt uns nämlich, dass wenn wir anderen, die an uns schuldig geworden sind, nicht vergeben, dies in Gottes Augen Sünde ist (Mt 6,15).</p>



<p>Auch der unwürdige Abendmahlsgenuss kann im Leben von glaubenden Menschen zu Schwachheiten und Krankheiten führen (1Kor 11,29.30). Dies ist dann der Fall, wenn sie das Abendmahl nehmen, obwohl sie ganz bewusst unbereinigte Sünden – ja vielleicht sogar eine Sucht – in ihrem Leben dulden. Solange ein Gläubiger in der Kraft des innewohnenden Christus gegen Sünden in seinem Leben kämpft, ist dies ebengerade ein Zeichen, dass er sie nicht duldet.</p>



<p>Durch körperliche Schwachheiten und Krankheiten kann ihr Glaube gefestigt und bewährt werden. Es steht in 1. Petrus 1,6.7: <em>„Darin jubelt ihr, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es nötig ist, in mancherlei Versuchungen (Prüfungen) betrübt worden seid, damit die Bewährung (Echtheit) eures Glaubens viel kostbarer erfunden wird als die des vergänglichen Goldes, das durch Feuer erprobt wird, zu Lob und Herrlichkeit und Ehre in der Offenbarung Jesu Christi.“</em> Jesus will alle falsche Selbstsicherheit durch das Leiden in ihrem Leben zerbrechen. Sein Anliegen ist es, dass sie sich im Glauben an ihn klammern und in ihm Halt, Geborgenheit und Sicherheit suchen und finden (Ps 23,4).<sup data-fn="a00ed74d-491f-4ff7-ad65-d22c25778de2" class="fn"><a id="a00ed74d-491f-4ff7-ad65-d22c25778de2-link" href="#a00ed74d-491f-4ff7-ad65-d22c25778de2">9</a></sup></p>



<p>Krankheiten bewirken in ihrem Leben auch eine bewusste Distanz zur Sünde. In 1. Petrus 4,1.2 steht: <em>„Da nun Christus im Fleisch gelitten hat, so wappnet auch ihr euch mit derselben Gesinnung – denn wer im Fleisch gelitten hat, hat mit der Sünde abgeschlossen –, um die noch übrige Zeit im Fleisch nicht mehr den Begierden der Menschen, sondern dem Willen Gottes zu leben.“</em> Durch Leiden wächst in ihrem Leben der Wunsch, nicht der Sünde, sondern Gott zu dienen und das zu tun, was er von ihnen will.</p>



<p>Zudem haben körperliche Schwachheiten und Krankheiten auch eine demütigende Funktion (2Kor 12,7-10). Jesus, der Herr der Gemeinde, lässt es nicht zu, dass bewährte Christen sich aufgrund besonderer Gnadenerweise Gottes, die sie empfangen haben, über andere erheben.</p>



<p>Schließlich können Krankheiten einfach dazu dienen, dass Menschen, die Jesus wirklich lieben, sich vor ihm demütigen und sich ihm in ihrer schwierigen Situation anvertrauen, wie dies Hiob gemacht hat (Hiob 16,19-21; 19,25-27). Leiden sind außerdem die Türe, um die Herrlichkeit Gottes noch tiefer und umfassender zu erkennen (Hiob 42,2).</p>



<p>Mit Hilfe der Krankheiten will Gott den Blick der an ihn Glaubenden auf die vor ihnen liegende Herrlichkeit ausrichten. Paulus schreibt in Römer 8,18: <em>„Denn ich denke, dass die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.“</em> Ja, sie sollen lernen, ihr Leben von der Ewigkeit her zu gestalten (2Kor 4,17). Dies bestimmt natürlich auch die Prioritäten, die sie in ihrem Leben setzen.</p>



<p>Gott kann an ihn glaubende Menschen auch deshalb in Krankheitsnöte führen, um durch sein Eingreifen seine unendlich große Macht und Herrlichkeit auf dieser Erde zu offenbaren (Joh 9,1-3).</p>



<p>Ziel der Krankheiten und Schwachheiten im Leben der an Jesus glaubenden Menschen ist es, ihren Glauben zu stärken und zu festigen. Gott braucht einerseits die Krankheiten, um Sünden in ihrem Leben aufzudecken, die sie bis jetzt nicht ernst genommen haben. Diese sollen sie in Reue Jesus bekennen und er wird sie ihnen vergeben. Andererseits benutzt er die Krankheiten auch dazu, um sie willig zu machen, Menschen zu vergeben, die an ihnen schuldig geworden sind. Weiter will Gott durch die Krankheit im Leben seiner Kinder eine größere Distanz zur Sünde schaffen, damit sie noch brauchbarer werden für den Bau seiner Gemeinde. Sie sollen mit Hilfe der Krankheitsnöte lernen, ihr Leben bewusst von der vor ihnen liegenden Herrlichkeit her zu gestalten. Letztlich soll durch das helfende und heilende Eingreifen Gottes in ihren körperlichen Schwachheiten, Krankheiten und Leiden Jesus verherrlicht werden. Sie können also letztlich jeder Krankheit einen tieferen Sinn abgewinnen.<sup data-fn="2bf3dd78-d7bd-4462-bf3a-5e1b18542803" class="fn"><a id="2bf3dd78-d7bd-4462-bf3a-5e1b18542803-link" href="#2bf3dd78-d7bd-4462-bf3a-5e1b18542803">10</a></sup></p>



<h2 class="wp-block-heading">Krankheit und Heilung aus biblischer Sicht</h2>



<p>Am Anfang unserer Überlegungen steht die Überzeugung, dass Jesus am Kreuz von Golgatha sowohl unsere Sünden als auch die Auswirkungen derselben, nämlich die Schmerzen, Leiden, Krankheiten und den Tod getragen und überwunden hat (Jes 53,1-5; Mt 8,17; 1Petr 2,24; Hebr 2,14).<sup data-fn="86948174-00a2-4e72-9826-0b62d03c000e" class="fn"><a id="86948174-00a2-4e72-9826-0b62d03c000e-link" href="#86948174-00a2-4e72-9826-0b62d03c000e">11</a></sup></p>



<p>Wir haben aber zu beachten, dass sich das, was Jesus am Kreuz im Blick auf unsere Leiden und Krankheiten erkämpft hat, heilsgeschichtlich durchsetzt. Was ich unter heilsgeschichtlich verstehe, entfalte ich in den folgenden Ausführungen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Auswirkungen heute</h2>



<p>Wir leben heute in der heilsgeschichtlichen Zeit der Gemeinde, die an Pfingsten mit der Ausgießung des Heiligen Geistes begann und mit der Wiederkunft Jesu beendet wird. Das eigentliche Ziel Gottes in dieser Zeit ist, dass Menschen Jesus im Glauben als ihren Retter annehmen und dadurch Glieder seiner Gemeinde werden.</p>



<p>In dieser Zeit ist der Leib eines jeden Menschen noch von den Folgen des Sündenfalls gezeichnet. Er muss schließlich sterben. Leiden, Krankheiten und Schmerzen sind ein Hinweis auf diese Sterblichkeit.</p>



<p>Wenn ein Mensch Jesus im Glauben als persönlichen Retter annimmt, wird er innerlich ganz neu. Er ist eine neue Schöpfung (2Kor 5,17) und ein neuer Mensch (Kol 3,10). Ja, er ist ein Gotteskind (Joh 1,12), hat das ewige Leben (1Joh 5,11) und ist ein Glied des Leibes Jesu, der Gemeinde (1Kor 12,13).</p>



<p>Er behält aber ein „irdisches Zelthaus“ (2Kor 5,1). Mit diesem „irdischen Zelthaus“ ist unser Leib gemeint, der von der Vergänglichkeit und vom Tod gezeichnet bleibt (1Kor 15,42-44). Deshalb werden Menschen, die an Jesus glauben, in unserer heilsgeschichtlichen Zeit noch krank (2Tim 4,20), haben körperliche Schwachheiten zu tragen (2Kor 12,9-10) und werden schließlich sterben (1Thes 4,13).</p>



<p>Dies ist deshalb so, weil der Leib bei der Bekehrung und Wiedergeburt nicht in das neumachende Heilshandeln Gottes einbezogen worden ist (Röm 8,23). Der an Christus glaubende Mensch bleibt in seiner Leiblichkeit Teil der gefallenen und leidenden Schöpfung (Röm 8,19-23), bis zur Wiederkunft Jesu. Die, welche an Jesus Christus glauben, leben in einer Spannung. Einerseits sind sie geistlich neu geworden, andererseits warten sie auf die Erlösung ihres vom Tod gezeichneten Leibes. In unserer heilsgeschichtlichen Zeit kann Jesus aufgrund der Tatsache, dass er die Schwachheiten, Krankheiten und den Tod überwunden hat, heilend in das Leben von Menschen eingreifen (Mk 16,18; Jak 5,15.16). Er ist aber im Blick auf das heilende Eingreifen souverän.</p>



<p>Es gilt also ganz klar festzuhalten, dass Jesus aufgrund seiner Göttlichkeit und Allmacht, sowie der Überwindung von allen Leiden, Krankheiten und dem Tod am Kreuz heute heilend in das Leben von Menschen eingreifen kann. Es gibt keine Krankheit, die er nicht heilen könnte. Dieses heilende Eingreifen ist aber in seine Souveränität gestellt. Er greift nur ein, <em>wenn es im jeweiligen Fall seinem Willen entspricht.</em></p>



<p>Im Blick auf Heilungswunder ist es wichtig, dass wir nicht aus den Augen verlieren, dass Gott die Rettung eines Menschen durch Christus mehr bedeutet, als seine körperliche Heilung, da diese leider immer nur etwas Vorläufiges ist. Die Rettung aber führt zu einer inneren Neuschöpfung (2Kor 5,17), die ewige Auswirkungen nach sich zieht, auch für den Leib. Der Bibel geht es immer zuerst um das Heil des Menschen und dann um seine Gesundheit.<sup data-fn="08b3a5f5-6e6a-4f3a-be8f-20de640c7e41" class="fn"><a id="08b3a5f5-6e6a-4f3a-be8f-20de640c7e41-link" href="#08b3a5f5-6e6a-4f3a-be8f-20de640c7e41">12</a></sup></p>



<p>Jede Heilung hat Zeichencharakter (Mk 16,17-20). Wenn an Christus glaubende Menschen Kranken die Hände auflegen und diese gesund werden, weist dieses Wunder als Zeichen auf Jesus, den Sieger von Golgatha hin, der die Sünden getragen und die Folgen der Sünden, zu welchen auch die Krankheiten gehören, überwunden hat. Ein solches Zeichen kann zur Ausbreitung des Evangeliums beitragen (Apg 9,32-35).</p>



<p>Jesus Christus gibt seiner Gemeinde immer wieder Menschen, die die „Gnadengaben der Heilungen“ haben (1Kor 12,9.28). Wenn jemand diese „Gaben der Heilungen“ hat, ist das keine Garantie, dass nun alle Kranken durch seinen Dienst gesund werden, da ja die Mehrzahlform „von Heilungen“ deutlich macht, dass jede einzelne Heilung eine Gnadengabe ist. Paulus, der ganz offensichtlich diese Gabe hatte (Apg 14,8-10; 19,11.12), ließ Trophimus krank in Milet zurück (2Tim 4,20) und riet Timotheus, wegen seines Magens ein wenig Wein zu trinken (1Tim 5,23). Und doch schenkt es Jesus, der Herr der Gemeinde, dass durch Gläubige, die diese Gnadengabe haben, Kranke gesund werden dürfen.</p>



<p>Zudem werden die Kranken in Jakobus 5,14 darauf hingewiesen, <em>die Ältesten der Gemeinde zu sich zu rufen</em>, damit diese sie mit Öl salben und über ihnen beten. Wir lesen dann weiter in Jakobus 5,15: <em>„Und das Gebet des Glaubens wird den Kranken retten, und der Herr wird ihn aufrichten, und wenn er Sünden begangen hat, wird ihm vergeben werden.“</em></p>



<p>In unserer heilsgeschichtlichen Zeit beruht jede Heilung auf einem besonderen gnädigen Eingreifen Gottes, das in seinem souveränen Handeln begründet ist. Gott kann sehr wohl heilend im Leben von Menschen eingreifen, aber er tut es aus uns unerklärlichen Gründen nicht immer.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Auswirkungen im Blick auf die Zukunft</h2>



<p>Die heilsgeschichtliche Zeit, in der wir heute leben, wird durch die Wiederkunft Jesu abgeschlossen. Es folgt dann eine neue heilsgeschichtliche Epoche.</p>



<p>Die Bibel lehrt uns, dass der Sieg Jesu am Kreuz über alle Leiden, Schmerzen, Krankheiten und den Tod bei seiner Wiederkunft für alle die, welche an ihn glauben, zur vollen Entfaltung kommen wird. Sie werden entweder auferstehen oder verwandelt werden (1Kor 15,51-53). Im Augenblick der Auferstehung oder Verwandlung werden sie erleben, wie sie entweder einen neuen Leib erhalten oder ihr Leib verwandelt wird (Röm 8,23). Dieser neue Leib, der dem Auferstehungsleib Jesu gleich sein wird (Phil 3,21; 1Joh 3,1.2), ist unvergänglich und kennt keine Schwachheiten mehr und kann nicht mehr krank werden (1Kor 15,42-44).</p>



<p>Dieser von Jesus am Kreuz errungene Sieg wird sich dann vollumfänglich durchsetzen, wenn Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde erschaffen hat. Wir lesen in Offenbarung 21,4: <em>„Und er wird jede Träne von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein: denn das Erste ist vergangen.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Vergleich mit Jesus und den Aposteln</h2>



<p>Es gibt nun aber Gläubige, die behaupten, dass Jesus in jedem Fall heilend eingreifen will. Um diese Behauptung zu erhärten, weisen sie darauf hin, dass Jesus uns, seine Nachfolger, ihm völlig gleichgestellt habe, so dass wir dieselben, ja, sogar noch größere Wunder tun können als er (Joh 14,12).<sup data-fn="0657d597-b5ee-4e7e-bcfc-1bb8fdb81606" class="fn"><a id="0657d597-b5ee-4e7e-bcfc-1bb8fdb81606-link" href="#0657d597-b5ee-4e7e-bcfc-1bb8fdb81606">13</a></sup> Weiterhin sind sie davon überzeugt, dass wir wie die Apostel Kranke heilen, Dämonen austreiben und Tote auferwecken können.<sup data-fn="87670383-5a43-4987-a60d-f35b511bf824" class="fn"><a id="87670383-5a43-4987-a60d-f35b511bf824-link" href="#87670383-5a43-4987-a60d-f35b511bf824">14</a></sup></p>



<p><em><strong>a. Betrachten wir nun die Krankenheilungen im Leben Jesu:</strong></em></p>



<p>In Matthäus 4,23 lesen wir: <em>„Und Jesus heilte jede Krankheit und jedes Gebrechen unter dem Volk.“</em> (vgl. Mt 9,35) Jesus heilte Aussätzige, Blinde, Lahme, Taubstumme, Fieberkranke usw. Es gibt keinen Fall von Krankheit, der außerhalb seines heilenden und wiederherstellenden Wirkens blieb. Er heilte alle Kranken, die zu ihm gebracht wurden oder selber zu ihm kamen (Mt 8,16).<sup data-fn="4af49b63-554c-4997-8e82-3313178600ce" class="fn"><a id="4af49b63-554c-4997-8e82-3313178600ce-link" href="#4af49b63-554c-4997-8e82-3313178600ce">15</a></sup> Wichtig ist aber zu beachten, dass die Krankenheilungen in den Evangelien als <em>Beweis seiner Messianität</em> verstanden werden. Dies macht die Antwort deutlich, die Jesus den Johannesjüngern gab, als sie ihn fragten, ob er wirklich der Messias sei. Jesus antwortete ihnen: <em>„Geht hin und verkündet Johannes, was ihr hört und seht: Blinde werden sehend, und Lahme gehen, Aussätzige werden rein, und Taube hören, und Tote werden auferweckt, und Armen wird gute Botschaft verkündigt.“</em> (Mt 11,4.5; vgl. Jes 35,5.6; 61,1) Zudem wiesen die Wunder, die Jesus tat, auf die neue Heilszeit hin, die mit ihm angebrochen war, nämlich auf den Anbruch seines Reiches hier auf dieser Erde.</p>



<p>Peter Beyerhaus ist der Überzeugung, dass die vielen Krankenheilungen Jesu auch auf sein vor ihm liegendes umfassendes Erlösungswerk hinwiesen.<sup data-fn="1808b025-7f7f-488e-8286-5408d619d634" class="fn"><a id="1808b025-7f7f-488e-8286-5408d619d634-link" href="#1808b025-7f7f-488e-8286-5408d619d634">16</a></sup></p>



<p><strong><em>b. Die Krankenheilungen im Leben der Apostel:</em></strong></p>



<p>Als Jesus noch bei seinen Jüngern war, gab er ihnen Vollmacht, Kranke zu heilen, Tote aufzuerwecken und Dämonen auszutreiben (Mt 10,8). Diese Wunder waren wie bei Jesus selbst ein Hinweis auf das mit ihm anbrechende Reich Gottes.</p>



<p>Nach Pfingsten waren diese Wunder (Apg 3,1-9; 5,12-16 usw.) ein Hinweis auf ihren Aposteldienst, den Jesus ihnen gegeben hatte (2Kor 12,12). Diese Zeichen und Wunder beglaubigten ihre Botschaft von der Versöhnung mit Gott (2Kor 5,18-21). Zugleich wiesen sie auf die Vollmacht hin, die Jesus ihnen im Blick auf den Bau seiner Gemeinde gegeben hatte.</p>



<p>Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der messianische Dienst Jesu und der Dienst der Apostel unwiederholbar sind. Wir dürfen uns im Blick auf den Dienst an den Kranken nicht mit Jesus und den Aposteln gleichsetzen.</p>



<p>Die, welche nun lehren, dass Jesus aufgrund seines Erlösungswerks in jeder Krankheitssituation heilend eingreifen wolle, erleben, dass dies nicht der Fall ist. Sie erleben, dass Menschen, mit denen sie beten, nicht geheilt werden. Um an ihrer These festhalten zu können, dass Jesus wirklich alle heilen will, haben sie für das Nichteingreifen Jesu in bestimmten Situationen folgende Erklärungen:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Die, welche nicht geheilt werden, glauben einfach zu wenig. Wenn sie Jesus wirklich ihr ganzes Vertrauen schenken würden, könnten sie durchaus geheilt werden.</li>



<li>Zudem könnte es sein, dass bestimmte Sünden im Leben eines Menschen eine Heilung verunmöglichen. Wenn nämlich ein Mensch bereit wäre, über alle Sünden wirklich in Reue Buße zu tun, könnte er bestimmt gesund werden.<sup data-fn="dea7c8c0-5a77-45cf-b493-5ac94f27ff89" class="fn"><a id="dea7c8c0-5a77-45cf-b493-5ac94f27ff89-link" href="#dea7c8c0-5a77-45cf-b493-5ac94f27ff89">17</a></sup> Übrigens vertraten diese Auffassung auch die Freunde von Hiob (Hiob 22,26-30).</li>
</ul>



<p>Diese Erklärungen für eine nicht eintretende Heilung machen oft das Leiden und die Krankheit der betroffenen Personen noch schwerer als sie schon sind, weil ihnen selbst die Schuld für die nicht eintretende Heilung geben wird. Diese Erklärungsversuche können leidende Menschen innerlich zur Verzweiflung treiben und zu einem Zusammenbruch des Vertrauens in Gott führen.</p>



<p>Wir haben gesehen, dass wir in unserer heilsgeschichtlichen Zeit nicht davon ausgehen können, dass Jesus alle Menschen aufgrund seines Sieges am Kreuz von Golgatha von ihren Schwachheiten und Krankheiten in ihrem irdischen Leben heilt. Er kann aber sehr wohl im Leben bestimmter Menschen heilend eingreifen, aber das ist in seine Souveränität gestellt.</p>



<p>Daraus ergibt sich, dass diese eben entfalteten Erklärungsversuche für eine nicht eintretende Heilung in ihrer Einseitigkeit falsch sind.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Schwerpunkte in der Seelsorge an Kranken</h2>



<p>Eine schwere Erkrankung wird grundsätzlich als ein notvoller Einschnitt erlebt. Es ist dem Kranken nicht mehr möglich, seine Arbeit zu Hause oder im Beruf auszuführen. Weiter ist er im Spital abhängig von anderen Menschen, seien es Ärzte oder Krankenschwestern. Vielleicht ist er auch an Apparate gebunden. Irgendwie ist er zum Außenseiter der Gesellschaft geworden. Der Kranke fühlt sich deshalb einsam, allein, da er ja auch aus seiner gewohnten Umgebung herausgerissen worden ist.</p>



<p>Gerade durch diese notvolle Situation, in der sich der Kranke schwach und hilflos fühlt, sucht Gott etwas Positives in seinem Leben zu bewirken. Jeder Schwerkranke fragt nach dem Sinn dieser Krankheit.</p>



<p>Als Seelsorger haben wir zuerst am Ergehen der Kranken aufrichtig Anteil zu nehmen. Wir haben ihnen auch genügend Zeit zu geben, über ihre Krankheit und die damit verbundenen Ängste zu reden.<sup data-fn="5b1826d8-7ad5-415c-8865-2bcb623346c9" class="fn"><a id="5b1826d8-7ad5-415c-8865-2bcb623346c9-link" href="#5b1826d8-7ad5-415c-8865-2bcb623346c9">18</a></sup> Noch nicht an Jesus glaubende Kranke suchen wir einfühlsam zu Jesus, ihrem Retter zu führen.</p>



<p>Manfred Weise, Professor für Innere Medizin, schreibt:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Viele Menschen sind gerade in großer Krankheitsnot offen für das Evangelium. Sie fragen: Muss ich sterben und was ist dann? Wofür habe ich gelebt? Hier gilt es in Liebe und Weisheit auf den Retter Jesus Christus hinzuweisen.“<sup data-fn="e1837bc1-f438-4c9c-9629-27884be23ea0" class="fn"><a id="e1837bc1-f438-4c9c-9629-27884be23ea0-link" href="#e1837bc1-f438-4c9c-9629-27884be23ea0">19</a></sup></p>
</blockquote>



<p>Wir helfen ihnen, ihre Sünden Jesus zu bekennen und zeigen ihnen, wie sie Jesus als Herrn in ihr Leben aufnehmen können. Diese Annahme von Jesus als Retter und Herrn gibt den Kranken eine tiefe innere Geborgenheit und einen letzten Halt. Dies kann sich positiv auf den Heilungsprozess auswirken.</p>



<p>Bei Menschen, die schon an Jesus glauben, fragen wir behutsam, ob sie in dieser schweren Situation noch bestimmte Sünden belasten. Wenn dies der Fall sein sollte, geben wir ihnen gleich die Gelegenheit, diese in unserer Gegenwart Jesus zu bekennen. Wir können ihnen dann auf Grund von 1. Johannes 1,9 die Vergebung zusprechen. Oft müssen bestimmte Sünden noch im zwischenmenschlichen Bereich bereinigt werden. Besonders wichtig ist es, dass sie den Menschen, von denen sie innerlich verletzt und gekränkt wurden, bewusst mit Hilfe von Jesus vergeben. Dieses Bekennen sowie Bereinigen der Sünden und das bewusste Vergeben führen zu einer inneren Befreiung und Entlastung, die sich positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken können (Ps 32,1.2).</p>



<p>Anschließend ermutigen wir sie vom Wort Gottes her die Schmerzen und Leiden, die Gott in ihrem Leben eben zulässt, <em>anzunehmen </em>(Ps 91,14.15).<sup data-fn="4c406498-0ac7-467f-8ebc-57f61accc97f" class="fn"><a id="4c406498-0ac7-467f-8ebc-57f61accc97f-link" href="#4c406498-0ac7-467f-8ebc-57f61accc97f">20</a></sup> Wir haben zudem noch darauf hinzuweisen, dass Jesus die mit dieser Krankheit verbundene Niedergeschlagenheit, Hilflosigkeit und Angst kennt. Ja, es ist tröstlich zu wissen, dass er in diesem finsteren Tal bei ihnen ist und sie versteht (Ps 23,4).</p>



<p>Die Seelsorger sollten die Kranken auffordern, die Bemühungen der Ärzte im Bereich der Untersuchungen, der Behandlung – einschließlich einer nötigen Operation – und die medikamentöse Hilfe dankend anzunehmen. Gott kann das alles brauchen, um ihnen zu helfen und sie zu heilen. Sie sollen auch für alle, die sie fachkundig pflegen, sei es im Krankenhaus, in der Kur oder zu Hause, Gott danken. Sie sollen zudem allen mit Wertschätzung begegnen.<sup data-fn="00aa2971-8667-4be0-a976-ec0e842945d0" class="fn"><a id="00aa2971-8667-4be0-a976-ec0e842945d0-link" href="#00aa2971-8667-4be0-a976-ec0e842945d0">21</a></sup></p>



<p>Die Seelsorger sollen die Kranken immer wieder ermutigen, um das heilende Eingreifen Gottes zu bitten (Jak 5,13). Jesus kann aufgrund seines Sieges am Kreuz von Golgatha in allen Schwachheiten, Krankheiten, Schmerzen und Leiden helfend und heilend eingreifen. Wenn er dies nicht sofort tut, dürfen sie weiter im Vertrauen auf die unbegrenzten Möglichkeiten Gottes um Heilung bitten.<sup data-fn="cda58a1c-9b64-4716-93c1-504f6aed2676" class="fn"><a id="cda58a1c-9b64-4716-93c1-504f6aed2676-link" href="#cda58a1c-9b64-4716-93c1-504f6aed2676">22</a></sup> Während des seelsorgerlichen Gesprächs mit dem Kranken lesen wir ihm ermutigende Bibelworte vor und sagen kurz einige Gedanken dazu. Solche Worte können zu einer Quelle innerer Ruhe, Ermutigung und Kraft werden.</p>



<p>Das seelsorgerliche Gespräch schließen wir mit einem Gebet ab. Wir beten dafür, dass der Kranke die Kraft hat, die ihm auferlegte Krankheit zu tragen und bitten Jesus, doch helfend und heilend einzugreifen. Wichtig ist, dass wir Gott zutrauen, dass er den Kranken heilen kann. Während wir um das helfende und heilende Eingreifen Jesu beten, kann es geschehen, dass wir durch den Heiligen Geist innerlich bewegt werden, dem Kranken die Hände aufzulegen, so wie es in Markus 16,18 steht. Es ist aber nicht richtig, wenn wir nach dem Gebet dem Kranken die Heilung zusprechen. Wir sind die Bittenden und Gott antwortet, wie er es für richtig findet.<sup data-fn="dcd4123a-167b-400f-b21c-fd0742fe6902" class="fn"><a id="dcd4123a-167b-400f-b21c-fd0742fe6902-link" href="#dcd4123a-167b-400f-b21c-fd0742fe6902">23</a></sup></p>



<p>Abschließend können wir ein krankes Gemeindeglied ermutigen, doch die Ältesten zu sich zu rufen, damit sie es mit Öl salben und über ihm beten (Jak 5,14.15). Gott kann es aufgrund des glaubenden Gebets der Ältesten aufrichten und heilen.</p>



<p>Es kann eine große Ermutigung und Stärkung sein, <em>wenn die Gemeinde für die kranken Gemeindeglieder betet</em>. Wir lesen in Matthäus 18,19.20:<em> „Wiederum sage ich euch: Wenn zwei von euch auf der Erde übereinkommen, irgendeine Sache zu erbitten, so wird sie ihnen werden von meinem Vater, der in den Himmeln ist. Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte.“</em> Gott kann also aufgrund des gemeinsamen Gebets der Gemeinde heilend eingreifen.</p>



<p>Wenn wir Kranke seelsorgerlich begleiten, erleben wir, wie Jesus die Gebete von uns, den Ältesten und der Gemeinde oft ganz verschieden beantwortet. Wir erleben, wie Kranke sofort vollständig geheilt werden. Es kann aber auch sein, dass aufgrund der Gebete ein langsamer Heilungsprozess einsetzt, der bis zur Heilung führt. Manchmal scheint Gott überhaupt nicht einzugreifen. Wir erleben aber, wie er dem Kranken die Kraft schenkt, die Krankheit ohne innere Auflehnung zu tragen. Wir können und wollen Gott nicht vorschreiben, wie er handeln soll. Hoffnung und Demut sind die Elemente, die es erlauben, bei jeder Krankheit für das helfende und heilende Eingreifen Gottes zu bitten, auch wenn die Krankheit sehr lange dauert.<sup data-fn="42949bd2-cbae-402d-a0c3-696f2ea0062a" class="fn"><a id="42949bd2-cbae-402d-a0c3-696f2ea0062a-link" href="#42949bd2-cbae-402d-a0c3-696f2ea0062a">24</a></sup></p>



<p>Alle, die erlebt haben, wie Jesus heilend in ihrem Leben eingegriffen hat, sollen ihr Leben aus Dankbarkeit Jesus weihen. Zugleich sollen sie jeder Sünde mit einem ganz klaren Nein begegnen (Joh 5,14).</p>



<h2 class="wp-block-heading">Einige Gedanken zum Salben mit Öl</h2>



<p>Im Jakobusbrief werden die an Jesus glaubenden Menschen dazu ermutigt und aufgefordert, wenn sie krank sind, die Ältesten der Gemeinde zu sich zu rufen. Diese sollen <em>„über ihnen beten und sie mit Öl salben im Namen des Herrn“</em> (Jak 5,14b). Für die Salbung mit Öl ist jedes pflanzliche Öl brauchbar. Das Öl, welches bei der Salbung eines Kranken gebraucht wird, ist ein Bild für den Heiligen Geist (Sach 4,2-6; 2Kor 1,21.22). Jeder Gläubige darf wissen, dass ihm durch den Heiligen Geist die Auswirkungen des von Jesus vollbrachten Erlösungswerkes innerlich zugänglich gemacht worden sind (Joh 16,14.15). Er hat aufgrund des Erlösungswerkes Jesu Vergebung seiner Sünden empfangen. Er weiß auch, dass Jesus durch den Heiligen Geist in ihm wohnt (Joh 14,17.18) und dass er dadurch ein Gotteskind ist (Joh 1,12). Jesus hat, wie oben ausgeführt, am Kreuz auch unsere Krankheiten, Leiden und Schmerzen getragen (Jes 53,4). Wenn nun der Kranke das Öl auf seinem Körper spürt, von dem ihm ein wenig auf die Stirne gestrichen wird, darf er glauben, dass ihm der Heilige Geist auch die Überwindung der Krankheit durch Christus äußerlich – an seinem Körper – zugänglich machen kann. Das Öl wird ihm also zur Denkhilfe. Er weiß aber, dass es in der Souveränität Gottes steht, ob er heilend eingreift oder nicht.</p>



<p>Die Ältesten haben dann noch<em> „über der Person zu beten“</em>, die sie mit Öl gesalbt haben, indem sie ihr die Hände auflegen.</p>



<p>Im Jakobusbrief wird darauf hingewiesen, dass <em>„dieses Gebet des Glaubens den Kranken retten wird“</em> (Jak 5,15a). Es ist wichtig, dass die Ältesten, während sie mit dem Kranken beten, Jesus, dem Sieger über Sünde, Krankheit und Tod zutrauen, dass er jetzt rettend und heilend eingreifen kann. Das Wort „retten“ betont, dass es Jesus selbst dann, wenn er im körperlichen Bereich eingreift, um eine ganzheitliche Hilfe geht. Im Geschehen der Heilung geht es zuerst und zuletzt um eine vertiefte Gottesbeziehung, deshalb wird sie im vorgegebenen Text auch mit der Vergebung der Sünden in Verbindung gebracht. Jesus will immer zuerst das innere Heilsein des Menschen. Deshalb sollte mit jedem, der mit Öl gesalbt wird, vorgängig ein seelsorgerliches Gespräch geführt werden, in welchem er aufgefordert wird, eventuelle Sünden in Reue Jesus zu bekennen und wenn nötig im zwischenmenschlichen Bereich zu bereinigen. Natürlich haben auch die Ältesten, die mit dem Kranken beten, verborgene Sünden in Reue Jesus zu bekennen und die Vergebung in Anspruch zu nehmen (1Joh 1,7). Ein durch das Blut Jesu gereinigtes Leben aller Beteiligten schafft dem Eingreifen Gottes freie Bahn.<sup data-fn="b564a272-882f-4310-8039-29e25f19dda6" class="fn"><a id="b564a272-882f-4310-8039-29e25f19dda6-link" href="#b564a272-882f-4310-8039-29e25f19dda6">25</a></sup></p>



<p>Außerdem wird gesagt, dass der Herr den Kranken „aufrichtet“. Dies kann bedeuten, dass Jesus den Kranken sofort heilt. Es kann aber auch sein, dass Gott im Krankheitsverlauf eine Wendung schenkt und ein Heilungsprozess einsetzt. Manchmal besteht dieses Aufrichten auch darin, dass Gott dem Kranken die Kraft und Geduld schenkt, die Krankheit ohne innere Auflehnung und ohne Groll zu ertragen, selbst wenn sie zum Tod führt. Paulus schreibt in diesem Zusammenhang: <em>„Deshalb ermatten wir nicht, sondern wenn auch unser äußerer Mensch aufgerieben wird, so wird doch der innere Tag für Tag erneuert. Denn das schnell vorübergehende Leichte unserer Bedrängnis bewirkt uns ein über die Maßen überreiches, ewiges Gewicht von Herrlichkeit“</em> (2Kor 4,16.17).<sup data-fn="ac33be47-4a1a-4e30-85e8-8188c85217bb" class="fn"><a id="ac33be47-4a1a-4e30-85e8-8188c85217bb-link" href="#ac33be47-4a1a-4e30-85e8-8188c85217bb">26</a></sup></p>



<h2 class="wp-block-heading">Medizinisches und seelsorgerliches Handeln</h2>



<p>Zunächst sind wir für die großen Fortschritte in der Schulmedizin sehr dankbar und nehmen sie in Krankheitssituationen gern in Anspruch. Ich denke hier vor allem an die enormen Fortschritte im diagnostischen Bereich, an die operativen Eingriffsmöglichkeiten und an die Qualitätssteigerung im therapeutischen Bereich durch Apparate und Medikamente. Doch hat die Medizin, trotz all ihrer Fortschritte, auch ihre Grenzen. Dazu kommt, dass sich die heutige Medizin sehr stark auf das Körperliche konzentriert. Gerade deshalb sollte die ärztliche Behandlung durch die seelsorgerliche Begleitung ergänzt werden. Bei allen medizinischen Bemühungen gilt es doch zu beachten, dass Gott dem Patienten ganzheitlich helfen möchte. Er möchte ihm äußerlich, aber auch innerlich helfen, indem er entweder zur Rettung durch den Glauben an Jesus findet oder als ein an Christus glaubender Mensch noch mehr ins Bild Gottes umgestaltet wird. Deshalb bedarf alle Bemühung um Heilung im Leben eines Menschen die ergänzende Botschaft der biblischen Heils- und Heiligungsverkündigung und die liebende, einfühlsame Begleitung durch die, welche diese Botschaft weitergeben. Der Arzt Daniel E. Fountain schreibt dazu:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Den Glauben an Christus und den ganzen Reichtum der medizinischen Wissenschaft zusammenbringen, eröffnet die Chance auf viele wunderbare Heilungen, die sonst womöglich nicht geschehen würden.“<sup data-fn="22697d3f-4279-4bdf-958c-f9fb790b7cd7" class="fn"><a id="22697d3f-4279-4bdf-958c-f9fb790b7cd7-link" href="#22697d3f-4279-4bdf-958c-f9fb790b7cd7">27</a></sup></p>
</blockquote>



<h2 class="wp-block-heading">Die Gemeinde Jesu als heilende Gemeinschaft</h2>



<p>Körperliche Schwachheiten und Krankheiten haben sehr oft ihren Grund in gestörten zwischenmenschlichen Beziehungen, sei es in großen Problemen in der Ehe, Familie oder am Arbeitsplatz. Der Genesungsprozess kann bei schwachen und kranken Menschen wesentlich unterstützt werden, wenn sich Menschen innerhalb der Gemeinde Jesu in Liebe diesen Personen zuwenden und sie rücksichtsvoll und mit viel Einfühlungsvermögen zu Jesus ihrem Retter führen oder ihren Glauben an Jesus stärken. Dies ist vor allem in Hauskreisen möglich.</p>



<p>Die Gemeindeglieder nehmen Anteil am Ergehen dieser Schwachen und Kranken (Gal 6,2) und beten mit ihnen und für sie. Dieses anteilnehmende und fürbittende Gebet um Genesung ist eine der mächtigsten heilenden Kräfte der Gemeinde Jesu (Jak 5,16). Da sich die Gemeindeglieder als Leib Jesu verstehen, in dem jedes Glied auf das andere angewiesen ist, gehört es zum Wesen der Gemeinde, dass sich die einzelnen Gemeindeglieder, aber auch der Verkündiger und die diakonischen Ehepaare um die Schwachen und Kranken kümmern, indem sie sie im Krankenhaus oder zu Hause besuchen, ihnen einfühlsam zuhören<sup data-fn="aa0eff04-a766-4051-8aa5-577437e43639" class="fn"><a id="aa0eff04-a766-4051-8aa5-577437e43639-link" href="#aa0eff04-a766-4051-8aa5-577437e43639">28</a></sup> und ihnen wenn nötig tatkräftig helfen, sei es im Haushalt, Garten, usw. Zudem begegnen sie ihnen mit Wertschätzung (1Thes 5,14). Wir lesen in 1. Korinther 12,26a: <em>„Und wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit.“</em> Die Gemeindeglieder, insbesondere die diakonischen Ehepaare, sind bereit, die leidenden und kranken Gemeindeglieder mit aufopfernder und selbstloser Liebe zu begleiten, unterstützt von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus dem diakonischen Team. Dies können sie darum, weil Jesus ihnen die Kraft dazu schenkt.</p>



<p><strong>Fussnoten</strong></p>


<ol class="wp-block-footnotes"><li id="32742906-0f34-48e2-a3a4-258868ed077d">Vreemann, W., Was hilft, was heilt? Ein Arzt beantwortet Fragen zur alternativen Medizin, Dillenburg 2005, 3.Aufl., S. 25. <a href="#32742906-0f34-48e2-a3a4-258868ed077d-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 1 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="793363e0-2576-4920-a8cc-2b5765380e13">Ouweneel, W.J., Heilt die Kranken! Über die biblische Lehre von Krankheit, Heilung und Befreiung, Lüdenscheid 2005, S. 191-193. <a href="#793363e0-2576-4920-a8cc-2b5765380e13-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 2 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="90752127-0025-4ede-b328-76c4115aba4c">Kotsch, M., Krankheit und Gesundheit in der Bibel, in: Bibel und Gemeinde, Zeitschrift des Bibelbundes, Berlin Nr. 3/2007, S. 13-14. <a href="#90752127-0025-4ede-b328-76c4115aba4c-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 3 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="0cfc615b-92a6-45e4-9d5a-f55ea3befb6d">Vreemann, W., Was hilft, was heilt?, S. 25. <a href="#0cfc615b-92a6-45e4-9d5a-f55ea3befb6d-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 4 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="c3509a9e-18d1-4241-a063-70a810fa65d9">Fountain, D.E., Die heilende Kraft Gottes. Krankheit, Heilung und der Faktor Glaube, Schwarzenfeld 2008, S. 99. <a href="#c3509a9e-18d1-4241-a063-70a810fa65d9-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 5 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="cdf95c82-ac5e-416e-a0c0-72573de7644f">Benkert, O., StressDepression. Die neue Volkskrankheit und was man dagegen tun kann, München 2005, S. 118-119. <a href="#cdf95c82-ac5e-416e-a0c0-72573de7644f-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 6 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="e65b5f2b-d608-40bb-815a-aa186e07b412">Beyerhaus, P., Er sandte sein Wort. Theologie der christlichen Mission, Bd. 1, Die Bibel in der Mission, Wuppertal; Bad Liebenzell 1996, S. 547. <a href="#e65b5f2b-d608-40bb-815a-aa186e07b412-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 7 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="c4d74a1f-26bc-49ff-a574-197a4fefddc5">Fountain, D.E., Die heilende Kraft Gottes, S. 35. <a href="#c4d74a1f-26bc-49ff-a574-197a4fefddc5-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 8 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="a00ed74d-491f-4ff7-ad65-d22c25778de2">Scheffbuch, R., Würdig und vorbereitet. Wie wir gut leben und sterben können, Basel; Gießen 2006, S. 86. <a href="#a00ed74d-491f-4ff7-ad65-d22c25778de2-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 9 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="2bf3dd78-d7bd-4462-bf3a-5e1b18542803">Fountain, D.E., Die heilende Kraft Gottes, S. 206-208. <a href="#2bf3dd78-d7bd-4462-bf3a-5e1b18542803-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 10 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="86948174-00a2-4e72-9826-0b62d03c000e">Beyerhaus, P., Er sandte sein Wort, S. 560. <a href="#86948174-00a2-4e72-9826-0b62d03c000e-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 11 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="08b3a5f5-6e6a-4f3a-be8f-20de640c7e41">Ballon, G., Seelsorge in der Gemeinde – Bibelarbeit über Jak 5,13-20, in: Seelsorge in der Gemeinde, hg. v. W. Haubeck; W. Heinrichs; M. Schröder, Witten 2004, S. 34. <a href="#08b3a5f5-6e6a-4f3a-be8f-20de640c7e41-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 12 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="0657d597-b5ee-4e7e-bcfc-1bb8fdb81606">Hari, D.; Naegeli, U.-H., Du bist Gottes Stellvertreter auf Erden, Schiers 2005, S. 15.37.<br>Ich bin der Ansicht, dass mit diesen größeren Werken gemeint ist, dass wir Menschen zur Rettung durch Christus hinführen können. Wenn nämlich ein Mensch diese Rettung annimmt, ist er eine neue Schöpfung. Er ist befähigt, ein neues, Gott wohlgefälliges Leben zu führen und wird, wenn der Herr Jesus wiederkommt, einen neuen, unsterblichen Leib erhalten, der keine Krankheiten, Schmerzen mehr kennt und auch nie mehr sterben wird. <a href="#0657d597-b5ee-4e7e-bcfc-1bb8fdb81606-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 13 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="87670383-5a43-4987-a60d-f35b511bf824">Ebd., S. 61. <a href="#87670383-5a43-4987-a60d-f35b511bf824-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 14 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="4af49b63-554c-4997-8e82-3313178600ce">Bittner, W.J., Heilung. Zeichen der Herrschaft Gottes, Schwarzenfeld 2007, S. 44. <a href="#4af49b63-554c-4997-8e82-3313178600ce-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 15 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="1808b025-7f7f-488e-8286-5408d619d634">Beyerhaus, P., Er sandte sein Wort, S. 560. 96 <a href="#1808b025-7f7f-488e-8286-5408d619d634-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 16 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="dea7c8c0-5a77-45cf-b493-5ac94f27ff89">Kropf, M., Alternative Heilmethoden. Ein ärztlicher Leitfaden aus biblischer Sicht, Karlsruhe 2008 5 , S. 188-200; Mauerhofer, M., Hilfe! Ich muss ins Krankenhaus. Ein Begleiter für diese Zeit, Lahr 1995, S. 33. <a href="#dea7c8c0-5a77-45cf-b493-5ac94f27ff89-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 17 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="5b1826d8-7ad5-415c-8865-2bcb623346c9">Klessmann, M., Seelsorge. Begleitung, Begegnung, Lebensdeutung im Horizont des christlichen Glaubens. Ein Lehrbuch, Neukirchen-Vluyn 2008, S. 357-358. <a href="#5b1826d8-7ad5-415c-8865-2bcb623346c9-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 18 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="e1837bc1-f438-4c9c-9629-27884be23ea0">Zit. nach Weise, M., Evangelisation im Gesundheitsdienst, in: Heil oder Heilung? Dienst an Kranken im 21. Jahrhundert, hg. v. W. Nestvogel; M. Weise, Oerlinghausen 2007, S. 34. <a href="#e1837bc1-f438-4c9c-9629-27884be23ea0-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 19 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="4c406498-0ac7-467f-8ebc-57f61accc97f">Laubach, F., Krankheit und Heilung in biblischer Sicht, Wuppertal 1976, S. 30-32. <a href="#4c406498-0ac7-467f-8ebc-57f61accc97f-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 20 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="00aa2971-8667-4be0-a976-ec0e842945d0">Vreemann, W., Was hilft, was heilt?, S. 261-262. <a href="#00aa2971-8667-4be0-a976-ec0e842945d0-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 21 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="cda58a1c-9b64-4716-93c1-504f6aed2676">Bittner, W.J., Heilung. Zeichen der Herrschaft Gottes, S. 139. <a href="#cda58a1c-9b64-4716-93c1-504f6aed2676-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 22 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="dcd4123a-167b-400f-b21c-fd0742fe6902">Großmann, S., Ich bitte Dich, dass Du mich heilst. Die Gabe der Krankenheilung im Neuen Testament und heute, Gießen; Basel 2007, S. 45. <a href="#dcd4123a-167b-400f-b21c-fd0742fe6902-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 23 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="42949bd2-cbae-402d-a0c3-696f2ea0062a">256 Ebd., S. 72-73. <a href="#42949bd2-cbae-402d-a0c3-696f2ea0062a-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 24 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="b564a272-882f-4310-8039-29e25f19dda6">Bittner, W.J., Heilung. Zeichen der Herrschaft Gottes, S. 57. <a href="#b564a272-882f-4310-8039-29e25f19dda6-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 25 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="ac33be47-4a1a-4e30-85e8-8188c85217bb">Mauerhofer, A., Gemeindebau nach biblischem Vorbild, Nürnberg; Hamburg 2010 2 , S. 88-89. <a href="#ac33be47-4a1a-4e30-85e8-8188c85217bb-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 26 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="22697d3f-4279-4bdf-958c-f9fb790b7cd7">Zit. nach Fountain, D.E., Die heilende Kraft Gottes, S. 245. <a href="#22697d3f-4279-4bdf-958c-f9fb790b7cd7-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 27 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="aa0eff04-a766-4051-8aa5-577437e43639">Vogel, N., Mit Krankheit leben, Lahr 2004 2 , S. 53. <a href="#aa0eff04-a766-4051-8aa5-577437e43639-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 28 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li></ol><p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://kfg.org/2025/seelsorge-an-kranken-eine-aufgabe-der-gemeinde/">Seelsorge an Kranken – eine Aufgabe der Gemeinde</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://kfg.org">KfG  -`✞´-  Konferenz für Gemeindegründung</a>.</p>
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		<title>Gemeindegründung in Eschwege</title>
		<link>https://kfg.org/2023/gemeindegruendung-in-eschwege/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Abraham Braun]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 04 Oct 2023 18:00:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gründung]]></category>
		<category><![CDATA[Erfahrungsbericht]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeinde-Gründung, -Bau und -Wachstum]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kfg.org/?p=18188</guid>

					<description><![CDATA[<p>Jede fruchtbare Gemeindegründung beginnt mit Gebet. So auch in Eschwege, wo treue Geschwister teils jahrzehnte lang für die Entstehung bibeltreuer Gemeinden bete(te)n. Heute darf erste Frucht sichtbar werden. Die junge Gemeinde nimmt zu an geretteten Menschen, Strukturen und geistlicher Tiefe.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading">Alles begann mit Gebet</h2>



<p>Eschwege ist eine Kreisstadt (ESW) mit ca. 20.000 Einwohnern im Nordosten von Hessen. Natürlich gibt es dort bereits Christen und auch einzelne freikirchliche Gemeinden, in denen aber leider manche bedenklichen Entwicklungen zu beobachten sind.</p>



<p>Vor ca. 25 Jahre wohnte eine alte Schwester in Eschwege. Sonntags besuchte sie eine Gemeinde im 45 km entfernten Bad Hersfeld. Dort betete sie immer wieder für die Entstehung einer (möglichst) bibeltreuen Gemeinde in Eschwege. Meine Frau und ich speicherten dieses Anliegen in unseren Herzen. Denn Gott ist ein Hörer des Gebets!</p>



<p>Im Januar 2022 hatten Wilfried und Sylvia Plock ein Ehepaar zu Besuch. Die Frau erzählte, dass ihre leibliche Schwester in der Nähe von Eschwege wohne und ihre Mädchen freitags oft bis ins 100 km entfernte Fulda zu verschiedenen Kinder- und Jugendgruppen brächte. Plocks dachten, sie hätten sich verhört. Sie erbaten die Telefonnummer der Schwester und verabredeten einen Besuchstermin.</p>



<p>Im März fuhren wir (Brauns) zusammen mit Wilfried nach Oetmannshausen bei Eschwege. Im Wohnzimmer von Familie Wins hatte sich an diesem Tag schon eine kleine Gruppe von Geschwistern versammelt. Wir tauschten aus, beteten und verabredeten einen wöchentlichen Bibelkreis – mit dem Ziel einer Gemeindegründung in Eschwege.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Herr tut hinzu</h2>



<p>Innerhalb der nächsten Monate tauchten immer wieder neue Besucher auf – manche waren bereits gläubig, andere befanden sich noch auf der Suche. Die missionarischen Straßeneinsätze waren besonders von unserem Herrn gesegnet. Einmal bekehrte sich ein junger Familienvater. Er hatte in eine russland-deutsche Familie eingeheiratet und war schon vorbereitet. Inzwischen kommen auch seine Frau und seine Schwiegermutter. Ein anderes Mal luden die Straßenmissionare fünf Leute zum Gottesdienst ein – und alle Fünf saßen am folgenden Tag da!</p>



<p>Ein junger Katholik bekehrte sich, weil er im Rahmen einer Hilfsaktion mit in die Christliche Gemeinde Bad Hersfeld gekommen war. Dort gab ihm einer der Brüder Zeugnis, zeigte ihm anhand der Schrift den Weg der Rettung auf und betete schließlich mit ihm. Die Bekehrung stellte sich im Nachhinein als echt heraus. Der junge Mann startete ziemlich schnell durch. Über ihn lernten wir seine Eltern kennen, die wiederum ihr Haus für einen zehnwöchigen Vertikal-Kurs (CLV) öffneten. Wilfried leitete die Abende und wurde meistens von zwei Brüdern begleitet, die ihn unterstützen wollten. Zu den Kurs-Abenden erschienen insgesamt mehr als 20 verschiedene Personen. Einige kamen sehr regelmäßig und besuchen zurzeit immer noch die weiterführenden Veranstaltungen, z.B. den Bibelkreis für die Gläubigen.</p>



<p>Gemeindegründung ist immer ein Ringen um jeden einzelnen Menschen. Die Freude ist jedoch sehr groß, wenn wieder eine Seele hinzugetan wird. Dann spielen sozusagen die Engel im Himmel Gitarre und man wird an ihrer Freude beteiligt (Luk 15,7.10).</p>



<p>Wir wollten aber auch die Junggläubigen weiterführen und begannen schon zuvor mit „Training-im-Christentum“-Kursen (TiC). Wir lernten Christen kennen, die teils ohne Gemeinde und teils auch in ihrer bisherigen Gemeinde unglücklich waren. Der Herr schenkte uns großartige Führungen. Ständig tauchten neue Leute auf.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die ersten Räume</h2>



<p>Am Rande der Innenstadt stand ein Ladenlokal frei, das zuletzt als Second-Hand-Shop genutzt worden war. Uns gefiel die Lage direkt an einer Werra-Brücke sehr gut. Wir kamen ziemlich schnell überein, das Objekt zu mieten. Einige unserer Männer realisierten einige Umbauarbeiten, während die Schwestern ihre gestalterischen Talente einbrachten.</p>



<p>Seit Ende 2022 nutzen wir die Räumlichkeiten für Bibelstunden und auch als „Missionarische Teestube“. Sie erhielten den Namen „Die Brücke“. Gott schlug in Christus die Brücke zu uns Menschen. Wir als Gemeinde wollen ebenfalls Brückenbauer zu den Verlorenen sein.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Leitungskreis und erste Gottesdienste</h2>



<p>Ein Leitungskreis – bestehend aus sieben Brüdern – wurde installiert. Dort arbeiteten wir zuerst an einem Glaubensbekenntnis und dann auch an einer Gemeindeordnung. Im Glaubensbekenntnis haben wir auf wenigen Seiten festgehalten, wie wir die Hauptlehren der Bibel verstehen. Die Gemeindeordnung regelt praktische Fragen: Wie wird man Gemeindeglied unserer Ortsgemeinde, mit wem arbeiten wir zusammen etc. Wir leben im Alltag mit der Bibel. Dennoch finden wir es hilfreich, solche Papiere zu haben, die selbstverständlich der Schrift untergeordnet sind.</p>



<p>An Ostern 2023 fand der erste Gottesdienst mit anschließenden gemeinsamen Mittagessen statt. Ca. 45 Personen nahmen teil; es war ein froher Tag. Seither findet an jedem ersten Sonntag im Monat ein solcher Gottesdienst statt. Inzwischen hatten wir die erste Taufe – ebenfalls ein Highlight einer Gemeindegründungsarbeit. Ein junges Ehepaar und eine weitere Schwester wurden im Eschweger Werratalsee getauft.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Johannesevangelium und missionarisches Musical</h2>



<p>Nachdem der Vertikalkurs abgeschlossen war, fuhren wir mit einem Bibelkreis fort, in dem fortlaufend das Johannesevangelium behandelt wird. Abend für Abend lernen ca. ein Dutzend Teilnehmer Stück um Stück die Bibel kennen. Wir beten, dass der Herr diejenigen zu sich zieht, die ihn noch suchen.</p>



<p>Vom 09.-13. August fand das jährliche „Open Flair Festival“ statt, eine Mischung aus Musik und Kleinkunst, an dem ca. 20.000 Leute teilnahmen. Mit unserer kleinen Kraft konnten wir dennoch Schriften weitergeben, zum Kaffee einladen und ungezählte missionarische Gespräche führen.</p>



<p>Am 28. Oktober 2023 ist ein missionarisches Adonia-Musical geplant, das wir zusammen mit einer anderen Gemeinde in der Stadthalle durchführen wollen. Wir wollen natürlich viele Menschen einladen und mit der guten Botschaft in Berührung bringen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kommt herüber … und helft uns!</h2>



<p>Wir als junge Gemeindegründungsarbeit sind dankbar für das „Gemeinde-Netzwerk Fulda-Werra“. In den letzten zehn Jahren sind in Bad Hersfeld, Melsungen, Heilbad Heiligenstadt (THÜ) und nun auch in Eschwege neue Gemeinden entstanden. In unserem Netzwerk helfen die älteren Arbeiter den jüngeren. Wir beten füreinander und helfen ganz praktisch, z.B. auch durch Predigtdienste. Das schätzen wir sehr.</p>



<p>Darüber hinaus braucht jede Gemeinde motivierte Mitarbeiter – Gründungsarbeiten jedoch ganz besonders. Wir sind unserem Gott sehr dankbar, dass zwei Familien (eine von Hünfeld und eine von Bad Hersfeld) mit ihren Kindern sowie zwei junge Schwestern bereit sind, nach Eschwege umzuziehen.</p>



<p>Wer ist bereit, für die Gemeindegründung in dieser hessischen Stadt zu beten oder sogar bewusst dorthin zu wechseln, um beim Aufbau zu helfen?</p>



<p><em>Kontakt: ab&#114;&#97;hambr&#97;u&#110;&#64;&#103;m&#120;.d&#101;</em></p>
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		<title>Ich werde meine Gemeinde bauen …</title>
		<link>https://kfg.org/2023/ich-werde-meine-gemeinde-bauen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Richard Haverkamp]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Oct 2023 15:35:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theologie]]></category>
		<category><![CDATA[Biblische Lehre / Theologie]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeinde-Gründung, -Bau und -Wachstum]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kfg.org/?p=18185</guid>

					<description><![CDATA[<p>Dies war der erste Artikel in der KfG-Zeitschrift Nr. 1. Grundlage war ein Vortrag, der am 18.11.1984 auf der 2. "Konferenz für Gemeindegründung" von Richard Haverkamp gehalten und von Rainer Ehmann übersetzt wurde. Der Vortrag wurde vom Schriftleiter [Ernst Maier] überarbeitet, wobei der Vortragsstil weitgehend beibehalten wurde.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Einer meiner Lieblingstexte ist Römer 1,16, wo Paulus sagt: „<em>Ich schäme mich des Evangeliums nicht, denn es ist die Macht Gottes zur Rettung!</em>“ Dieses Buch funktioniert wirklich. Sie fragen, wie geschieht das in Belgien, wie machen Sie es, dass all diese Leute gerettet werden? Es ist gar nicht so schwierig. Es ist das Wort Gottes! Sie erinnern sich an Martin Luther. Luther hat gesagt: „Ich habe überhaupt nichts getan, als das Wort Gottes verkündigt.“</p>



<p>Was wir in Westeuropa wirklich brauchen, ist eine neue Reformation! Und die kann nur kommen, wenn wir zur Bibel zurückgehen! Es ist mein Anliegen, dass die Bibel in jede Familie in Belgien kommt, und dass jeder Belgier die Bibel liest.</p>



<p>Unser Thema heißt „Gemeindebau.“ Ich habe es in drei Teile eingeteilt. Erstens: „Was ist unser Ziel?“ Zweitens: „Was ist unsere Strategie (unser Plan, um dieses Ziel zu erreichen)?“ Und drittens: „Was sind unsere Hilfsmittel?“</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was ist unser Ziel?</h2>



<p>Gott ist im Baugeschäft. Gott gab Mose Anweisungen zum Bau der Stiftshütte. Im verheißenen Land haben David und Salomo im Auftrag Gottes den Tempel gebaut. lm Neuen Testament sagt Jesus: „<em>Ich werde meine Gemeinde bauen!</em>“ In Apostelgeschichte 2 sehen wir den Anfang davon. Auch Petrus und Paulus reden davon. Petrus sagt in 1. Petrus 2: „<em>Lasst euch zu lebendigen Steinen gebrauchen zu einem geistlichen Haus.</em>“</p>



<p>Paulus schrieb den Korinthern: „<em>Wisset ihr denn nicht, dass ihr der Tempel des lebendigen Gottes seid?</em>“ Den Ephesern schrieb er, dass die Apostel und Propheten die Grundsteine des neuen Gebäudes sind.</p>



<p>Mein ganzes Leben gründet sich auf diesen Vers in Matthäus 16,18. Die Katholiken sagen, dass dies der wichtigste Vers in der Bibel ist. Ich stimme ihnen zu. Wo wir mit den Katholiken nicht ganz übereinstimmen, ist, wo man die Betonung hinsetzt. Sie betonen den ersten Teil: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen &#8230;.“ Ich betone den zweiten Teil: „Ich werde meine Gemeinde bauen und die Tore der Hölle werden nicht dagegen ankommen.“ Das ist mein Lebensvers. Auf diese Wahrheit stelle ich mich. Liebe Brüder und Schwestern, ich glaube, dass der Kampf des Gemeindebaus hier gewonnen wird.</p>



<p>Bevor wir ins Detail des Gemeindebaus gehen, möchte ich Zeit nehmen, um hier ein wirklich gutes Fundament zu legen auf das wir dann bauen können. Alles andere worüber wir reden werden, wird darauf aufbauen. Sie müssen sich diese Worte ganz tief in ihr Herz einprägen. Sie müssen immer wieder auf diese Worte zurückkommen. Das wird sie durchbringen, und in Westeuropa werden sie es brauchen. Ich nenne diese Aussage Jesu: „Die sieben große Worte von Christus,“ und ich möchte eines nach dem anderen besprechen.</p>



<p><strong><em>Der Baumeister</em></strong></p>



<p>Der Baumeister ist Jesus Christus. Mit anderen Worten: Gemeindebau ist nicht meine Aufgabe. Gemeindebau ist die Aufgabe Jesu. Ich baue keine Gemeinden in Belgien. Ich predige und lehre das Wort Gottes. Das ist alles. Und wenn ich das tue, ändert Gott die Menschen. Gott weckt die Toten auf. Gott wirkt das Wunder der Wiedergeburt. Jesus sagte zu seinen Jüngern: „<em>Alle Macht ist mir gegeben worden im Himmel und auf Erden. Ihr geht, und ich werde mit euch sein!</em>“ Derselbe Jesus sagte: „<em>ICH werde meine Gemeinde bauen!</em>“ Wir müssen das wirklich in unser Herz einprägen. Ich habe mir das in mein Herz und in meine Gedanken eingeprägt. Jesus sagt: „Richard, du gehst nach Belgien, und ich werde meine Gemeinde bauen.“</p>



<p><strong><em>Die Gewissheit</em></strong></p>



<p>Die Betonung liegt nun auf <strong><em>„werde“</em></strong>. Jesus sagt nicht: „Ich werde mal versuchen, möglicherweise werde ich, wenn ihr mitmacht.“ Er sagt: „<em>Ich werde.</em>“ Wenn Gott sagt: „Ich werde,“ dann meint er es auch so!</p>



<p><strong><em>Der Besitzer</em></strong></p>



<p>Jesus sagte: „<em>Ich werde <strong>meine </strong>Gemeinde bauen!</em>“ Dies hat eine zweifache Bedeutung. Er sagt erstens: „Das ist meine Gemeinde, lasst ihr eure Finger davon! Ihr habt überhaupt nichts, worauf oder worüber ihr stolz sein könntet, es ist meine Gemeinde, sie ist mein Besitz.“</p>



<p>Zum Zweiten sagte Jesus, dass die Gemeinde und der Bau der Gemeinde seine Verantwortung ist. Wenn irgendetwas schiefläuft, dann gehe ich zurück zu IHM. In einer Stadt in Belgien, in der ich gearbeitet habe, gibt es heute eine Gemeinde mit etwa 65 Geschwistern. Aber vor etwa fünf Jahren waren da nur fünf Leute übriggeblieben. Es gab einige Probleme und die Sache ging wirklich rückwärts. Verschiedene Leute sagten zu mir: „Richard, warum hörst du an diesem Ort nicht einfach auf? Es ist da so schwierig. Du verschwendest deine Zeit. 15 km weiter in der nächsten Stadt gibt es eine evangelikale Gemeinde. Die Leute können ja dahin gehen?“ Und ich habe wirklich ernsthaft darüber nachgedacht. Aber ich hatte Matthäus 16 in meinen Gedanken, und eines Tages ging ich auf meine Knie und betete: „Nun, Herr Jesus, du musst dich an Matthäus 16,18 erinnern. Du hast gesagt: <em>Ich werde meine Gemeinde bauen, und die Tore der Hölle werden sie nicht überwältigen.</em> Die Tore der Hölle überwältigen dich im Augenblick. Willst du das zulassen? Es ist deine Gemeinde. Es ist deine Arbeit. Dein Name ist in Gefahr. Willst du das zulassen?“ Und heute gibt es dort eine Gemeinde mit 65 bis 70 Leuten.</p>



<p>Ich erinnere mich, vor vier Jahren hatte ich eine Konferenz in Frankreich. Zwei Tage bevor ich zu dieser Konferenz ging, geschah es, dass in einer neuen Gemeinde, die erst ein halbes Jahr alt war, zwei der führenden Männer sich gegen mich wandten. Es gab wirklich tiefe Probleme und ich musste zu einer Konferenz gehen. Ich erinnere mich, wie ich von Paris nach Lyon fuhr. Auf dem ganzen Weg betete ich: „Herr Jesus, es ist deine Gemeinde. Es ist dein Problem. Ich gehe jetzt zu dieser Konferenz.“ Das ganze Problem löste sich und heute ist dort eine Gemeinde mit 65 Erwachsenen plus Kinder.</p>



<p><strong><em>Das Bauwerk</em></strong></p>



<p>Der Herr Jesus baut seine <strong><em>Gemeinde</em></strong>. Es heißt nicht, dass er einzelne Leute aufbaut. In unserer heutigen Zeit wird viel zu viel Betonung auf den Einzelnen gelegt. Verschiedene christliche Organisationen arbeiten mit Einzelnen. Sie sehen wie Einzelne sich bekehren und sie machen Nacharbeit oder Jüngerschaftsschulung mit diesen Einzelnen. Jesus hat nicht gesagt, dass wir Entscheidungen treffen sollen. Er sagte, wir sollen Jünger machen, und ich glaube, dass kein Christ ein wirklicher Jünger sein kann, ohne dass er zu einer örtlichen Gemeinde gehört. Erinnern sie sich an Epheser 5, wo Paulus über die Ehe spricht und sagt: „<em>Christus liebt die Gemeinde, er reinigt die Gemeinde, er präsentiert die Gemeinde vor dem Vater.</em>“ Natürlich bin ich mir bewusst, dass die Gemeinde aus einzelnen Leuten besteht. Aber die einzelnen Leute müssen eine Gemeinde bilden.</p>



<p><strong><em>Die Bauarbeit</em></strong></p>



<p>Gemeindearbeit ist Bauarbeit. Um ein Haus zu <strong><em>bauen </em></strong>braucht man mindestens vier wichtige Dinge. Erstens benötigt man ein <em>Fundament</em>. Dies ist das Wort Gottes. Zweitens benötigt man <em>Steine</em>, um auf dieses Fundament zu bauen. Das sind die einzelnen Gläubigen. Drittens benötigt man <em>Balken</em>, um das Ganze zusammenzuhalten. Das sind die Ältesten.</p>



<p>Man braucht noch ein Viertes. Man kann die Steine nicht lose aufeinanderlegen, sonst würde das Gebäude in sich zusammenfallen. Die Steine werden mit <em>Zement </em>zusammengeklebt. Der Zement ist die von Gott gegebene Liebe. Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen. Diese Liebe hält die Steine zusammen.</p>



<p><em><strong>Der Widerstand</strong></em></p>



<p>Der Herr Jesus redet von den Toren der Hölle, die die Gemeinde nicht überwältigen werden. Von wem redet Jesus da? Er redet von Satan und allen seinen Dämonen. Ich möchte euch etwas sagen. Ich bin nach Frankreich gegangen, und die Leute kamen zu mir und sagten: „Richard, du kennst Frankreich nicht. Du hast in Frankreich noch nicht gearbeitet. Frankreich ist das härteste Land der Welt.“</p>



<p>Ich war in London (Kanada). London ist eine große Stadt, und die Leute sind dort zu mir gekommen und sagten: „Richard, du kennst London nicht. London ist die schwierigste Stadt.“</p>



<p>Ich war in anderen Städten und in anderen Ländern, und die Leute sagten: „Dies ist der härteste Platz der Welt.“ Überall wo ich hingehe, da wird irgendjemand zu mir kommen und sagen: „Richard, dies ist der härteste Platz der Welt.“ Als ich nach Belgien ging, sagte ich auch: „Dies ist der härteste Platz der Welt.“</p>



<p>Warum sehen wir den Tatsachen nicht einfach ins Auge? Die ganze Welt ist hart! Die ganze Welt ist Satans Gebiet. Aber vergessen sie nicht, dass Jesus gesagt hat: „<em>Ich werde meine Gemeinde bauen!</em>“ Wir müssen die Gemeinde nicht bauen. Das ist viel zu schwierig. lm Himmel kann jeder eine Gemeinde bauen, aber es gibt nur Einen, der eine Gemeinde auf der Erde aufbauen kann, das ist Jesus Christus, und er hat gesagt: „Ich will es tun, und die Tore der Hölle werden die Gemeinde nicht überwältigen.“</p>



<p><strong><em>Der Sieg</em></strong></p>



<p>Die Tore der Hölle werden die Gemeinde nicht überwältigen. Dies heißt nicht, dass sie es nicht versuchen werden. In Belgien ist es zurzeit so: Je mehr die Christen dort mit dem Herrn gehen, je mehr sie sich vom Herrn gebrauchen lassen, desto intensiver werden die Angriffe des Feindes. Ich könnte ein dickes Buch darüber schreiben. Die Tore der Hölle sitzen nicht still! Sie werden uns körperlich angreifen. Sie werden uns geistig angreifen. Sie werden uns geistlich angreifen. Sie werden meine Frau und meine Ehe angreifen. Sie werden meine Kinder angreifen. Satan wird ihre Mitarbeiter angreifen. Er wird ihre Arbeit angreifen. Er wird alles angreifen.</p>



<p>Die Tore der Hölle werden nicht still sitzen. Aber preist den Herrn, sie werden uns nicht überwältigen. Während der letzten 13 Jahre habe ich das gelernt. Ich habe verschiedene Zeiten erlebt, wo ich auf die Knie ging und betete: „Herr, du tust jetzt besser etwas.“ Und immer wieder hat die Gemeinde überlebt. Wir haben jetzt mehr als 20 Gemeinden. Die Kleinste hat 25 Gläubige, die Größte hat über 100. Durchschnittlich hat eine Gemeinde etwa 50 Gläubige.</p>



<p>Wir haben keine ausgebildeten Pastoren. Wir haben keine ausgebildeten, hauptamtlichen Mitarbeiter, und trotzdem haben wir keine falsche Lehre, die hereinkommt. Wir hatten keine Gemeindespaltung innerhalb der letzten 13 Jahre. Das ist erstaunlich.</p>



<p>Wir haben Männer, die Bibelstunden halten, die nie eine Bibelschule gesehen haben. Wir haben jeden Sonntagmorgen offene Versammlungen. Jeder kann aufstehen und reden. Und das tun die Brüder auch. Wir haben kein Problem mit falscher Lehre. Wir müssen es lernen, uns auf dieses Wort des Herrn Jesus Christus zu stützen.</p>



<p>Unser Ziel ist eine lebendige, aktive, unabhängige Gemeinde. Natürlich wollen wir, dass Leute gerettet werden, und wir wollen sie getauft sehen. Und wir wollen Jünger sehen. Aber das Ziel ist: lebendige, aktive, unabhängige Gemeinde! Das ist biblisch. Das ist Neues Testament. Das ist es, was wir brauchen.</p>



<p>Übrigens, ist ihnen aufgefallen, dass Jesus ein Ziel hat? Viele Menschen leben heute ohne Ziel in ihrem Leben. Sie leben eben. lm Englischen gibt es ein schönes Sprichwort: „Wenn du auf nichts zielst, dann triffst du garantiert.“ Und viele Christen leben so. Viele christliche Arbeiter leben so. Kein Ziel.</p>



<p>Jesus hatte ein Ziel vor sich. Wenn ich sie frage, was war Christi Ziel, bin ich sicher, dass einige von ihnen sagen würden: „Er kam, um für uns zu sterben.“ Es tut mir leid, aber das stimmt nicht! Sein Ziel war nicht zu sterben, sein Ziel finden wir hier: „<em>meine Gemeinde bauen!</em>“ Er wusste, dass er sterben müsste, um dies möglich zu machen, aber sein Ziel, war, eine Gemeinde zu bauen. Das Ziel war, Menschen aus dieser von Satan beherrschten Welt zu sammeln, um etwas Neues anzufangen. Wenn dies das Ziel Christi ist, sollten wir nicht dasselbe Ziel haben?</p>



<p>Übrigens, Christus hat nicht gesagt: „Ich werde die ganze Welt evangelisieren.“ Das war nicht sein Ziel. Er hat nicht gesagt: „Ich werde ein Traktat in jeden Briefkasten stecken.“ Das war nicht sein Ziel. Er hat nicht gesagt: „Ich werde mein Reich auf diese Welt herunterbringen.“ Das wird geschehen, aber nicht jetzt. Er hat nicht gesagt: „Ich werde viele Radiosendungen haben.“ Verstehen sie mich bitte nicht falsch. Es ist überhaupt nichts Falsches, Traktate zu verteilen, oder Radiosendungen zu produzieren und auszustrahlen, aber sie sind nicht das Ziel. Das Ziel ist: Seine Gemeinde gebaut zu sehen.</p>



<p>Ich habe viele Missionsrundbriefe gelesen, die sagen, wir haben mit so und so vielen Leuten Kontakt. Das ist wunderbar, aber das Ziel sind nicht Kontakte. Manchmal wundere ich mich, was mit all diesen Kontakten geschieht. Ich möchte nicht mehr als 20 Kontakte, und ich möchte so schnell wie möglich mit diesen in Verbindung sein. Ich möchte sie aussuchen und sortieren, bis ich etwa ein oder zwei übrighabe, denen es wirklich ernst ist. Das Ziel ist, dass wir lebendige, unabhängige und aktive Gemeinden haben. Je schneller, desto besser.</p>



<p>Die größte Not die wir haben ist die, dass wir zurückgehen müssen zum Wort Gottes. Wir müssen es so wörtlich nehmen wie möglich. Wir sagen den Menschen in Belgien immer wieder: „Wir müssen uns an das Wort Gottes halten. Wenn ihr uns Dinge zeigen könnt, die nicht im Neuen Testament sind, dann sagt es uns und dann werden wir damit aufhören. Oder wenn es Dinge gibt im Neuen Testament, die wir nicht tun, dann zeigt sie uns und wir werden sie tun.“</p>



<p>Es ist erstaunlich, was wir in Belgien erleben. Wir sehen in Belgien eine kleine Reformation. Wir sehen, wie sich mindestens 200 Katholiken im Jahr bekehren, und wir führen niemand zu Jesus. Wir beten nie mit den Leuten. Wir sagen nie zu ihnen: „Würdest du jetzt gern Christus aufnehmen?“ Wir lehren sie das Wort Gottes, Woche um Woche. Und sie werden gerettet. Mein erstes Ziel ist nicht, die Menschen gerettet zu bekommen, mein erstes Ziel ist es, sie mit der Bibel zu konfrontieren. Und wenn ich sie für die Bibel interessieren kann, und wenn ich sie dazu bringen kann, dass sie dieses Buch lesen, dann wird der Herr den Rest tun.</p>



<p>Genau das ist während der Zeit der Reformation geschehen. Jede Erweckung in der Geschichte der christlichen Gemeinden war immer das Resultat der Rückkehr zum Wort Gottes.</p>
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